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B978-3-437-22107-1.50429-5

10.1016/B978-3-437-22107-1.50429-5

978-3-437-22107-1

Erythema infectiosum

T.F. Schwarz

Kernaussagen

  • Die Infektion ist weltweit verbreitet und verleiht lebenslange Immunität.

  • Eine Parvovirus-Infektion in der Schwangerschaft kann zum Hydrops fetalis mit resultierendem intrauterinem Fruchttod führen.

  • Klinisch beobachtet man ein Exanthem, grippale Symptome und symmetrische Polyarthralgien und -arthritiden mit Befall vor allem der kleinen Gelenke.

  • Im Blutbild findet sich eine erniedrigte Hämoglobin- und Erythrozytenkonzentration; der Nachweis erfolgt serologisch über spezifische B19-Antikörper. Die chronische Infektion wird durch die Bestimmung von Virus-DNA nachgewiesen.

  • Eine Therapie ist im Allgemeinen nicht notwendig.

Das Erythema infectiosum (Ringelröteln) wird durch das humane Parvovirus B19 (B19) verursacht. Der Erreger gehört zur Familie der Parvoviridae. Inzwischen sind mehrere Genotypen des Virus identifiziert worden.

Die Infektion ist weltweit verbreitet und zeigt eine altersabhängige Zunahme der Prävalenz. Häufig kommt es zu Kleinraumepidemien in Kindergärten oder Schulen.

Nach durchgemachter Infektion besteht in der Regel lebenslange Immunität, Reinfektionen sind selten.

Chronische B19-Infektionen werden bei Patienten mit hereditären oder erworbenen Immunmangelerkrankungen beobachtet. Auch bei immunkompetenten Patienten kann es in seltenen Fällen zu einer persistierenden Infektion kommen.

Am häufigsten wird B19 durch die Tröpfcheninfektion übertragen. Parenteral übertragene Infektionen durch zelluläre Blutkomponenten sind möglich. Plasmaprodukte sind aufgrund der inzwischen etablierten Testung von Plasmapools parvovirusfrei.

CAVE

Von besonderer Bedeutung ist die diaplazentare Übertragung des Virus, wodurch es zum Hydrops fetalis mit resultierendem intrauterinem Fruchttod kommen kann.

Nach aerogener Übertragung beträgt die Inkubationszeit 7–12 Tage.

Klinisch äußert sich das Erythema infectiosum durch

  • Exanthem

  • Polyarthralgien bzw. Polyarthritiden

  • Lymphknotenschwellung und/oder grippale Symptomatik.

Der Gelenkbefall ist symmetrisch und betrifft insbesondere die kleinen Gelenke.

Bei Patienten mit einer Hämoglobinopathie, z. B. Sichelzellanämie oder Thalassämie, sowie nach einer vorangegangenen Blutung kann es bei der akuten Infektion zu einer aplastischen Krise kommen.

Eine mit chronischer B19-Infektion assoziierte Knochenmarkaplasie wurde wiederholt beobachtet.

Weitere Manifestationen der akuten B19-Infektion sind:

  • eine vaskuläre Purpura

  • das petechiale Glove-and-Socks-Syndrom

  • eine akute Myokarditis, sowie

  • eine aseptische Meningitis und Enzephalitis.

Diagnostische Voraussetzungen

Die klinisch-chemischen Parameter sind meist unauffällig.
Bei akuter Erkrankung findet sich im Blutbild in der Regel eine leicht bis ausgeprägt erniedrigte Konzentration des Hämoglobins und der Erythrozyten. Auch wurde wiederholt über eine Thrombozytopenie sowie eine Leukopenie im Gefolge einer akuten B19-Infektion berichtet. Die Erholung äußert sich dann durch einen Anstieg der Retikulozyten. Die Dauer der Hemmung der Erythropoese kann bis zu 4 Wochen betragen.
Die Sicherung der Diagnose erfolgt serologisch durch den Nachweis von B19-spezifischen Antikörpern der IgM- und IgG-Klasse mit gängigen immunologischen Methoden. Hierfür stehen Tests zur Verfügung, die eine hohe Sensitivität und Spezifität aufweisen.
Die Abklärung einer chronischen B19-Infektion ist nur durch den Nachweis von genomischer B19-DNA mit Nukleinsäureamplifikationstests wie der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) möglich.

Therapie

Das Erythema infectiosum benötigt in der Regel keine Therapie.
In manchen Fällen kann eine Fiebersenkung notwendig sein.
Bei Juckreiz empfiehlt sich die topische Anwendung von Zinklotio.

B19-assoziierte aplastische Krise

Diese bedarf in vielen Fällen in Abhängigkeit vom klinischen Zustand der Transfusionen von Erythrozyten-Konzentraten. Bei chronischer B19-Infektion wurde nach Verabreichung von intravenösem Immunglobulin wiederholt über einen guten klinischen Erfolg berichtet. Klinische Studien liegen hierüber jedoch bisher nicht vor.

Kasuistik

Eine 25-jährige Erstgravida stellte sich in der 20. Schwangerschaftswoche beim Hautarzt mit einem seit etwa einer Woche bestehenden, girlandenförmigen Exanthem vor, das sich vom Gesicht aus auf den oberen Thoraxbereich und die Ober- und Unterarme ausgebreitet hatte.
Die Patientin war fieberfrei und klagte über Gelenkschmerzen, wobei insbesondere die kleinen Gelenke betroffen waren. Das Blutbild zeigt eine geringgradige Leukozytose mit einer Linksverschiebung sowie eine leichte Anämie. Bis zum Auftreten des Exanthems war der Verlauf der Schwangerschaft unkompliziert.
Bei einer Ultraschalluntersuchung in der 25. Schwangerschaftswoche zeigten sich ein außergewöhnlich schwerer fetaler Aszites mit Oligohydramnie sowie eine verdickte Plazenta.
In der 27. Schwangerschaftswoche wurde der intrauterine Fruchttod sonographisch festgestellt und die Austreibung des Fetus induziert.
Serologisch ließ sich bei der Mutter eine akute Parvovirus-B19-Infektion nachweisen. Im Fruchtwasser wie auch bei der Untersuchung des fetalen Gewebes fand sich virale B19-DNA mittels PCR.

Literatur

Brown, 2010

K.E. Brown The expanding range of parvoviruses which infect humans Rev. Med. Virol. 20 2010 231 244

Chisaka, 2003

H. Chisaka Parvovirus B19 and the pathogenesis of anaemia Rev. Med. Virol. 13 2003 347 359

Dijkmans, 2012

A.C. Dijkmans Parvovirus B19 in pregnancy: prenatal diagnosis and management of fetal complications Curr. Opin. Obstet. Gynecol. 24 2012 95 101

Douvoviannis, 2009

M. Douvoviannis Neurologic manifestations associated with parvovirus B19 infection Clin. Infect. Dis. 48 2009 1713 1723

Young, 2004

N.S. Young Parvovirus B19 N. Engl. J. Med. 350 2004 586 597

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