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B978-3-437-22107-1.50277-6

10.1016/B978-3-437-22107-1.50277-6

978-3-437-22107-1

Euthyreose mit Struma – Pädiatrische Aspekte

A. Grüters-Kieslich

Kernaussagen:

  • Eine euthyreote juvenile Struma ist in Deutschland aufgrund der Verbesserung der Iodversorgung nur noch selten anzutreffen.

  • Einer Struma im Kindesalter liegt meist eine Autoimmunthyreoiditis zugrunde.

  • Strumigene Substanzen in der Nahrung oder extreme Ernährungsformen können unter Umständen eine Vergrößerung der Schilddrüse hervorrufen.

  • Eine Iodmangel-Struma wird mit Iodid kausal behandelt. Bei Bedarf wird eine Kombinationstherapie mit Levothyroxin eingesetzt.

  • Bei Nachweis von Autoantikörpern ist die Levothyroxin-Monotherapie die Behandlung der Wahl.

Vorbemerkungen

Als Faustregel gilt:

Eine mit normaler Schilddrüsenstoffwechsellage einhergehende (euthyreote) Schilddrüsenvergrößerung (juvenile Struma) ist in Deutschland nur noch selten anzutreffen, da sich die Iodversorgung nahezu normalisiert hat (Kinder- und Jugendsurvey 2006).

Dementsprechend sind auch die altersbezogenen normalen Schilddrüsenvolumina deutlich geringer als vor 10 Jahren.
Die häufigste Ursache einer Struma im Kindesalter ist die Autoimmunthyreoiditis.
  • Diffuse oder knotig veränderte Strumen weisen auf zugrunde liegende genetische Prädispositionen oder Neubildungen hin.

  • Bei zu geringer Iodzufuhr oder Iodfehlverwertung kommt es kompensatorisch zu einem vermehrten Schilddrüsenwachstum und zur Vergrößerung des Schilddrüsenvolumens.

    • Dabei können auch strumigene Substanzen (z.B. Flavonoide, Phenolderivate, Thiocyanate) in der Nahrung und/oder extreme Ernährungsformen z.B. auch bei Allergien (Sojaernährung, Kohlprodukte, vegane Ernährungsformen) eine Vergrößerung der Schilddrüse herbeiführen.

Diagnostik

Die Anamnese ist wegweisend und im Zweifelsfall kann eine Bestimmung der Iodausscheidung im Urin sinnvoll sein.
  • Neben der körperlichen Untersuchung und der Bestimmung von TSH und fT4 sind die Sonographie der Schilddrüse und die Bestimmung von Schilddrüsen-Autoantikörpern indiziert.

  • Nur beim (seltenen) Nachweis von Knoten ist im Kindesund Jugendalter eine Szintigraphie indiziert. Schilddrüsenknoten und -zysten mit einer Größe von über 1 cm sollten dabei zum Ausschluss von Malignomen operativ entfernt werden.

Therapie

Die kausale Behandlung der Iodmangel-Struma ist die Behandlung mit Iodid.
  • Tritt nach 6-9 Monaten Behandlungsdauer mit Iodid keine Verkleinerung der Schilddrüse ein, wird auf eine Kombinationstherapie mit Levothyroxin für 1-2 Jahre übergegangen.

Zur Vermeidung von Rezidiven sollte die Iodidsubstitution lebenslang durchgeführt werden. Die Iodidsubstitution beträgt bei Kleinkindern 100 µg/Tag, bei Schulkindern 200 mg/Tag. Die Dosierung des Levothyroxins beträgt 100 µg/m2 Körperoberfläche und wird anhand der laborchemischen Kontrollen und klinischer Kriterien adaptiert.
Beim Nachweis von Schilddrüsenautoantikörpern sollte eine Struma mit einer Levothyroxin-Monotherapie behandelt werden.

Literatur

Kinder- und Jugendsurvey KIGGS, 2007

Kinder- und Jugendsurvey KIGGS Bundesgesundheitsblatt Gesundheitsforschung Gesundheitsschutz. 50 5-6 2007 744 749

Rendl and Reiners, 2001

J. Rendl C. Reiners Thyroid volumes and urinary iodine in Germany school children Exp Clin Endocrinol Diabetes 109 1 2001 8 12

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