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B978-3-437-22107-1.50430-1

10.1016/B978-3-437-22107-1.50430-1

978-3-437-22107-1

Exanthema subitum

V. Schuster

Kernaussagen

  • Das Dreitagefieber tritt vor allem im Säuglings- und frühen Kleinkindesalter auf, Verursacher ist meistens der Herpesvirus Typ 6, selten Typ 7.

  • In der Regel kann die Diagnose klinisch gestellt werden, die Interpretation von Antikörper- bzw. Genomnachweis kann schwierig sein.

  • Es gibt keine etablierte virusspezifische Therapie.

  • Nach Organ- oder Stammzelltransplantation kann eine Prophylaxe mit Ganciclovir die Reaktivierungshäufigkeit reduzieren.

Das Exanthema subitum (Dreitagefieber, Roseola infantum) ist eine Erkrankung des Säuglings- und frühen Kleinkindesalters und wird in den meisten Fällen durch eine Primärinfektion mit dem humanpathogenen Herpesvirus Typ 6 (HHV-) und seltener mit HHV-7 verursacht. Das mittlere Alter bei symptomatischen HHV-6-Infektionen liegt bei 9, bei HHV-7-Infektionen bei ca. 26 Monaten.

Der Verlauf ist charakterisiert durch:

  • akut auftretendes Fieber (meist > 40 °C), das meist nach 2–5 Tagen abrupt abfällt

  • Bei Entfieberung tritt dann häufig ein makulöses oder leicht makulopapulöses Exanthem auf.

Zu den Begleitsymptomen und Komplikationen, die meist schon im Frühstadium auftreten, gehören:

  • Gastroenteritis

  • Lidödeme

  • Nagayama-Flecken

  • Husten

  • zervikale Lymphadenopathie

  • eine gespannte Fontanelle sowie

  • Fieberkrämpfe. Bei HHV-6 in 5–35%, bei HHV-7 in bis zu 75% der Fälle.

Bei älteren Kindern führt eine HHV-6- oder -7-Primärinfektion gelegentlich auch zu einem mononukleoseähnlichen Krankheitsbild mit und ohne Begleithepatitis.

HHV-6-Reaktivierungen verlaufen bei immunkompetenten Personen subklinisch.

Bei immunsupprimierten Patienten werden nach einer HHV-6-Infektion/-Reaktivierung folgende Symptome beobachtet:

  • Fieber

  • interstitielle Pneumonie

  • schwere blutige Durchfälle

  • Hepatitis

  • Graft-versus-Host-Erkrankung mit und ohne Exanthem

  • Enzephalopathie

  • Knochenmarksuppression (nach Knochenmarktransplantation).

Konnatale HHV-6-Infektionen treten in ca. 1% der Fälle auf. Hierbei liegt das HHV-6-Genom integriert im Wirtszellgenom vor. Konnatale HHV-7-Infektionen sind bisher nicht beschrieben worden.

Diagnostik

Die Diagnose kann meist klinisch gestellt werden.
Am 3. und 4. Fiebertag fällt im Blutbild häufig eine Leukopenie mit relativer Lymphozytose auf.
Im Liquor von Kindern mit Fieberkrämpfen oder anderer ZNS-Beteiligung kann eine leichte, überwiegend lymphozytäre Pleozytose nachweisbar sein.
Die Verdachtsdiagnose wird, falls überhaupt erforderlich, durch den serologischen Nachweis von HHV-6- und/oder HHV-7-spezifischen Antikörpern bestätigt.
HHV-6- und -7-Genom kann mittels Polymerasekettenreaktion qualitativ und quantitativ nachgewiesen werden, z. B. im Speichel, peripheren Blut oder Liquor.

CAVE

Die Interpretation einer positiven Serologie und/oder PCR kann u. U. sehr schwierig sein. Sie darf daher immer nur in Verbindung mit dem klinischen Bild gewertet werden. Zu berücksichtigen ist hierbei auch, dass Antikörper gegen HHV-7 teilweise auch mit HHV-6 kreuzreagieren können.

Therapie und Prophylaxe

Die meisten akuten HHV-6- und HHV-7-Infektionen erfordern keine Therapie.
Bei hohem Fieber erfolgt eine adäquate symptomatische Fiebersenkung, bei wiederholten Fieberkrämpfen ggf. eine Prophylaxe mit Diazepam.
Bei immunsupprimierten Patienten mit schweren HHV-6-assoziierten Komplikationen (Pneumonie, Enzephalitis) ist ein Therapieversuch mit Foscarnet, Ganciclovir oder Cidofovir, die in vitro wirksam sind, zu erwägen. Kontrollierte klinische Studien mit diesen Substanzen existieren bisher nicht.
Ggf. ist nach Organ- oder Stammzelltransplantation auch ein adoptiver Immuntransfer von HHV-6-spezifischen zytotoxischen T-Zellen des Spenders erfolgreich. Eine Prophylaxe mit Ganciclovir vor und nach Stammzelltransplantation reduziert die Häufigkeit von HHV-6-Reaktivierungen.

Zu beachten ist:

  • Es gibt keine etablierte virusspezifische Therapie.

  • Es gibt keine Impfung gegen HHV-6 oder HHV-7.

  • Die Isolierung von Kindern mit akuter HHV-6- oder HHV-7-lnfektion sowie von exponierten Personen ist nicht erforderlich.

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