© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22107-1.50444-1

10.1016/B978-3-437-22107-1.50444-1

978-3-437-22107-1

Gelbfieber

V. Melichar

Kernaussagen

  • Die Infektion mit dem Gelbfieber-Virus wird durch Stechmücken übertragen.

  • Infektionen sind in den Tropen Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas verbreitet. Dank der Gelbfieberimpfung trat in den letzten 10 Jahren in Deutschland nur ein importierter Gelbfieberfall auf.

  • Die Erkrankung erfolgt entweder asymptomatisch oder in zwei Phasen: Die erste Phase beginnt mit raschem Fieberanstieg, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und relativer Bradykardie über 3–4 Tage. Bei 15% der Erkrankten kommt es danach zu einem erneuten Fieberanstieg mit Blutungen und Organbeteiligung von Leber (Ikterus, Hepatitis), Niere (Nierenversagen) und ZNS (Krampfanfälle).

  • Die Letalität in der toxischen Phase ist mit ca. 50% sehr hoch.

  • Die aktive Impfung ist sehr effektiv und für Einreisen in viele tropische Länder verpflichtend in offizielle Gelbfieberimpfstellen vorzunehmen.

CAVE

Wegen der Gefahr eines komplizierten Verlaufs mit Blutungsneigung sollte zur symptomatischen Therapie kein ASS verwendet werden.

Klinik

Das Gelbfieber wird durch einen RNA-Virus aus der Flavivirusgruppe verursacht und von Stechmücken der Gattungen Aedes (Afrika und Amerika) und Haemagogus (nur Amerika) übertragen. Primaten und Menschen dienen als Erregerreservoir. Die Erkrankung kommt in den Tropen Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas vor, v. a. in Bolivien, Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Peru, Argentinien und Paraguay. In Afrika ist v. a. die Republik Elfenbeinküste betroffen.
Es sind 3 Übertragungszyklen möglich:
  • Busch- oder Dschungelgelbfieber, sylvatischer Zyklus: Hier spielen sich die Infektionen zwischen Affen und Mücken ab.

  • Urbanes Gelbfieber: Infizierte Mücken übertragen das Gelbfiebervirus auf den Menschen, dann dient der Mensch als Infektionsquelle, was bei bestimmten Vektoren, z. B. Aedes aegypti, zu einer Epidemie führen kann.

  • Intermediäer Zyklus: Bei engem Zusammenleben von Mensch und Affen verbinden sich die beiden o.g. Zyklen.

Asymptomatische oder milde Verläufe sind möglich, besonders bei Kindern. Ernsthafte Erkrankungen verlaufen in zwei Phasen:
  • 1.

    Phase: Nach einem akuten Beginn mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und einer relativen Bradykardie kommt es nach 3–4 Tagen zu einer spontanen Besserung und zur Abheilung.

  • 2.

    Phase: Bei 10–15% der Patienten kommt es zu einem erneuten Fieberanstieg und es stellen sich Blutungen ein, darunter Einblutungen in Organe und die Haut, aber auch Blutungen aus Körperöffnungen. Hinzu kommen Organschäden an Leber (Ikterus) und Nieren (Nierenversagen) sowie zentralnervöse Symptome (zerebrale Krampfanfälle, Tremor, Nystagmus).

Die Letalität von Gelbfieber beträgt 10–20%, bei kompliziertem Verlauf mit Organbeteiligung kann sie auf über 50% steigen. Die Krankheit hinterlässt eine lebenslange Immunität.

Diagnostik

Bei einer passenden Reiseanamnese ohne Impfung muss die Diagnostik mittels PCR in einem Speziallabor erfolgen. Ein direkter Virusnachweis aus dem Blut gelingt oft erst im weiteren Krankheitsverlauf. Spezifische IgM- und IgG-Antikörper sind erst nach ca. einer Woche im Serum nachweisbar. Bei der Serologie muss eine gewisse Kreuzreaktion mit anderen Flavivirus-Antigenen, z. B. von Dengue, FSME, West-Nil-Fieber, Japanische Enzephalitis, in Betracht gezogen werden.
Ein milder Verlauf der Gelbfieberinfektion kann kaum von anderen fieberhaften Infektionen unterschieden werden. Bei schwerem Verlauf sind differenzialdiagnostisch die Malaria tropica, die viralen hämorrhagischen Fiebererkrankungen, die Leptospirose, Rickettsiosen oder Rückfallfieber, d. h. bestimmte Borrelien u. a. B. recurrentis, zu bedenken.

Therapie

Die Therapie erfolgt in der Regel symptomatisch. Schwere Verläufe bedürfen einer intensivmedizinischen Behandlung. Acetylsalicylsäure sollte auf jeden Fall vermieden werden, Kortikosteroide werden nicht empfohlen. Da die Krankheit durch Mücken übertragen wird, besteht normalerweise keine Ansteckungsgefahr für Kontaktpersonen.

Prophylaxe

Eine Impfprophylaxe ist mit einem gut verträglichen Lebendimpfstoff möglich. Bei etwa einem Fünftel der geimpften Personen kommt es zu leichten grippeähnlichen Symptomen. Die Impfstelle benötigt eine offizielle Zulassung als Gelbfieberimpfstelle. Der Schutz nach einmaliger Impfung beginnt nach ca. 10 Tagen und hält wenigstens 10 Jahre an. Aufgrund der hohen Immunogenität ist der Impfschutz fast 100%. Der Hersteller des Impfstoffs gibt an, dass es in seltenen Fällen zu schweren neurologischen Komplikationen mit bleibenden Schäden und zum Multiorganversagen kommen kann. Dies betraf v. a. Kinder vor dem 6. Lebensmonat und Menschen ab 60 Jahren. Die Häufigkeit dieser Nebenwirkungen wird mit 1 : 400.000 angegeben und steht in keinem Verhältnis zum Risiko der potenziell tödlichen Gelbfiebererkrankung in Endemiegebieten. Allerdings sollten aus diesem Grund Kinder unter 1 Jahr und Erwachsene ab 60 Jahren nur unter strenger Indikationsstellung – etwa wenn die Einreise in ein Endemiegebiet unvermeidlich ist – geimpft werden.
Die Impfung ist bei Einreise in viele Endemiegebiete verpflichtend, der Nachweis erfolgt über den offiziellen runden Stempel auf der ersten Seite des Impfpasses. Generell ist die Impfung bei Einreise in alle tropischen Länder, die aufgrund ihrer Lage als Gelbfieber-Übertragungsgebiete infrage kommen, zu empfehlen, auch wenn die Gefahr der Infektion nur sehr gering ist. Die Impfung ist v. a. in Betracht der hohen Letalität gut verträglich. Verpflichtend ist es in den meisten dieser Länder nur bei Einreise aus einem Endemiegebiet.
Eine Expositionsvermeidung ist bei Erkrankungen, die durch Stechmücken übertragen werden, generell sinnvoll. Aus Schutz vor Mückenstichen sollte geschlossene Kleidung getragen werden und Repellenzien und imprägnierte Bettnetze angewandt werden. In den Gelbfieberendemiegebieten sind meist auch Malaria, Dengue-Fieber und weitere virale hämorrhagische Fiebererkrankungen verbreitet (▸ S 8.2 – 1). In diesen Ländern sollte zudem eine effektive Bekämpfung von Ausbrüchen durch die Impfung der Bevölkerung und konsequente Mückenbekämpfung erfolgen.

Literatur

DGPI Handbuch, 2009

DGPI Handbuch 5. Auflage 2009 Thieme Verlag Stuttgart

Heinz and Stiasny, 2012

F.X. Heinz K. Stiasny Aviviruses and flavivirus vaccines Vaccine 30 2012 4301 4306

Hill, 2012

Hill DR. Mapping the risk of yellow fever infection Curr Infect Dis Rep. 14 2012 246 255

Robert-Koch Institut, 2011

Robert-Koch Institut: Gelbfieber (2011) In: Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten, Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin/Bonn, S. 16–17.

Vainio and Cutts, 1998

Vainio J, Cutts F: Yellow fever (PDF, 86 S.), WHO, London School of Hygiene and Tropical Medicine, 1998. Abrufbar unter: http://www.who.int/vaccines-documents/DocsPDF/www9842.pdf (Version vom: 20.09.2012).

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen