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B978-3-437-22107-1.50410-6

10.1016/B978-3-437-22107-1.50410-6

978-3-437-22107-1

Gonokokken-Infektionen bei Neugeborenen und Kindern

S. Schliep

M. Sticherling

Kernaussagen

  • Die gefährlichste Manifestation einer kongenitalen Gonokokkeninfektion bei Neugeborenen ist die Gonoblenorrhö. Daneben können aber auch andere lokale und systemische Manifestationen auftreten.

  • Die Übertragung bei Neugeborenen erfolgt meist während des Geburtsvorgangs.

  • Im Kindesalter ist eine Gonokokkeninfektion in aller Regel Folge eines sexuellen Missbrauchs. Auf die Diagnosesicherung durch Kultur des Erregers ist deshalb größter Wert zu legen.

  • In der Therapie findet vor allem Ceftriaxon Anwendung.

  • Leitlinienentsprechend sollte bei Neugeborenen eine Gonoblenorrhö-Prophylaxe mit 1% Silbernitrat-Lösung vorgenommen werden. Dies wird in Deutschland allerdings bei fehlender Risikoanamnese der Mutter zunehmend verlassen.

Vorbemerkungen

Die Gonorrhö oder Tripper ist in unseren Breiten eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten (vgl. auch Kapitel J 28 – 4). Seit dem Jahr 2000 besteht keine Meldepflicht mehr für die Gonorrhö. Eine genaue Aussage zur aktuellen Inzidenz in Deutschland kann daher nicht getroffen werden. Im STD-Sentinel des Robert-Koch-Instituts wurden bei über 10% der Patienten Ko-Infektionen von Neisseria gonorrhoeae und Chlamydia trachomatis festgestellt. Sofern eine Chlamydien-Infektion nicht ausgeschlossen wurde, sollte daher gleichzeitig eine entsprechende Therapie durchgeführt werden. In den USA und Europa werden zunehmend Resistenzen von Neisseria gonorrhoeae gegenüber Penicillinen und Fluorchinolonen beobachtet. In den aktuellen Leitlinien (CDC, 2006) werden diese Entwicklungen berücksichtigt.
Bei Neugeborenen ist die Gonoblenorrhö gefürchtet, die Infektion der Augenbindehaut, die bis zur Erblindung führen kann.

CAVE

! Neben der Gonoblenorrhö können bei Neugeborenen auch andere lokalisierte Infektionen (Skalpabszesse, Rhinitis, Vaginitis, Urethritis) sowie durch hämatogene Streuung Sepsis, Arthritiden und Meningitiden auftreten.

  • Bei Mädchen ist eine Vaginitis die häufigste Manifestation.

  • Anorektale und pharyngeale Infektionen sind bei Kindern häufig asymptomatisch.

Diagnostik

Bei Neugeborenen findet die Übertragung der Gonokokken meist während des Geburtsvorgangs durch Exposition mit infektiösen Flüssigkeiten der Mutter statt.
✓ Bei Nachweis einer Gonokokkeninfektion des Neugeborenen ist daher auch eine Untersuchung und Behandlung der Mutter (und ggf. deren Geschlechtspartner) anzustreben.
Im Kindesalter sind die meisten Gonokokkeninfektionen Folge von sexuellem Missbrauch.

CAVE

! Aufgrund der möglichen rechtlichen Konsequenzen ist auf die Sicherung der Diagnose größter Wert zu legen. Daher sollte immer der kulturelle Nachweis der Gonokokken angestrebt werden.

Therapie

Gonokokkeninfektionen bei Neugeborenen und Säuglingen

Die antibakterielle Behandlung ist wie folgt durchzuführen:
  • Gonoblenorrhö:

    Ceftriaxon 25–50 mg/kg KG i.v. oder i.m. als Einmaldosis (maximal 125 mg).

  • andere lokalisierte und disseminierte Infektionen:

    • Ceftriaxon 25–50 mg/kg KG/Tag i.v. oder i.m. für 7 Tage (bei Meningitis 10–14 Tage)

      oder

    • Cefotaxim 25 mg/kg KG i.v. oder i.m. alle 12 Stunden für 7 Tage (bei Meningitis 10–14 Tage).

Gonokokkeninfektionen im Kindesalter

Auch hier ist die Antibiotikatherapie Mittel der Wahl:
  • unkomplizierte Vulvovaginitis, Zervizitis, Urethritis, Pharyngitis oder Proktitis:

    • bei Kindern < 45 kg Ceftriaxon 125 mg i.m. als Einmalgabe,

    • bei Kindern > 45 kg entsprechend der Therapie beim Erwachsenen

      Ceftriaxon 125 mg i.m. als Einmalgabe

      oder

      Cefixim 400 mg p.o. als Einmalgabe.

    • Alternativ: Spectinomycin 40 mg/kg KG i.m. als Einmaldosis (maximal 2 g).

  • Gonokokkeninfektionen mit Bakteriämie oder Arthritis:

    Ceftriaxon 50 mg/kg KG/Tag i.v. oder i.m. für 7 Tage (maximal 4 g/Tag).

Prophylaxe

  • Gemäß den aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sollte bei allen Neugeborenen die Prophylaxe mit 1% Silbernitrat durchgeführt werden.

  • In den USA wird die Prophylaxe mit Erythromycinoder Tetracyclin-haltigen Salben empfohlen.

  • Die konsequente Durchführung der Prophylaxe bei Neugeborenen ohne Risikoanamnese der Mutter wird in Deutschland zunehmend verlassen.

Bei Neugeborenen mit unbehandelter Gonokokkeninfektion der Mutter sollte aufgrund des hohen Infektionsrisikos eine prophylaktische Behandlung durchgeführt werden.
  • Empfohlen wird Ceftriaxon 25–50 mg/kg KG i.v. oder i.m. als Einmaldosis (maximal 125 mg).

Weiterführende Literatur

Büttcher et al., 2009

M. Büttcher U. Heininger O. Lapaire I. Hösli Gonokokken-Infektionen. DGPI-Handbuch Infektionen bei Kindern und Jugendlichen 5. Aufl. 2009 Georg Thieme Verlag Stuttgart

Deutsche Gesellschaft, 2004

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Deutsche Gesellschaft für Perinatale Medizin: Empfehlungen zur Chlamydia-trachomatis-Infektion in der Schwangerschaft. AWMF online (2004).

Goodyear-Smith, 2007

F. Goodyear-Smith What is the evidence for non-sexual transmission of gonorrhoea in children after the neonatal period? A systematic review Journal of forensic and legal medicine 14 2007 489 502

Holder, 2008

N.A. Holder Gonococcal infections Pediatrics in Review 29 2008 228 234

Martin et al., 2006

I.M.C. Martin S. Hoffmann C.A. Ison European Surveillance of Sexually Transmitted Infections (ESSTI): the first combined antimicrobial susceptibility data for Neisseria gonorrhoeae in Western Europe Journal of Antimicrobial Chemotherapy 58 2006 587 593

Petzold and Gross, 2001

D. Petzold G. Gross Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Krankheiten: Leitlinien 2001 der Deutschen STD-Gesellschaft 2001 Springer Verlag Berlin

Robert-Koch-Institut, 2004

Robert-Koch-Institut Gonorrhö und genitale Chlamydiose in Deutschland nach Daten des STD-Sentinels des RKI Epidemiologisches Bulletin 39 2004

Robert-Koch-Institut, 2009

Robert-Koch-Institut Zum Auftreten von Resistenzen bei Neisseria gonorrhoeae im Rhein-Main-Gebiet Epidemiologisches Bulletin 13 2009

Workowski and Berman, 2006

K.A. Workowski S.M. Berman Sexually transmitted diseases treatment guidelines, 2006. National Center for HIV/AIDS, Viral Hepatitis 2006 STD, and TB Prevention Atlanta

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