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B978-3-437-22107-1.50128-X

10.1016/B978-3-437-22107-1.50128-X

978-3-437-22107-1

Gutartige Ösophagustumoren

Innere Medizin:

S. Liebe

Chirurgie:

H.-J. Meyer

(H.-J. M.)

Kernaussagen

  • Benigne Ösophagustumoren sind selten und lange symptomlos. Dementsprechend ist die Diagnose häufig ein Zufallsbefund.

  • Ist der benigne Charakter gesichert, kann bei milder Symptomatik von einer Therapie abgesehen werden.

  • Die Indikation zum operativen Vorgehen stellt sich bei größeren Tumoren mit entsprechender klinischer Symptomatik bzw. bei nicht eindeutig zu klärender Dignität.

  • Die Enukleation der Tumoren erfolgt vermehrt in minimal-invasiver Technik, also thorako- oder laparoskopisch.

Vorbemerkungen

Benigne Ösophagustumoren sind selten und machen weniger als 10% aller Ösophagustumoren aus. Sie sind epithelialen (Papillome) und mesenchymalen (Leiomyome, Hämangiome, Lipome, Fibrome und neurogene Tumoren) Ursprungs. Häufig liegen Mischgewebe vor. Intramurale Zysten können als Tumoren imponieren. Intraepitheliale Neoplasien der Ösophagusschleimhaut bei Barrett-Epithel werden als echte Präkanzerosen an anderer Stelle betrachtet.
  • Gastrointestinale Stromatumoren (GIST) sind im Ösophagus äußerst selten und machen nur 3% aller GIST des Gastrointestinaltraktes aus.

  • Papillome sind meist kleine sessile oder mit schmaler Basis aufsitzende Polypen, die von hyperplastischem Plattenepithel überzogen sind.

Für die Papillomatose ist eine Infektion mit dem humanen Papilloma-Virus beschrieben worden.
  • Leiomyome sind mit etwa 70% die häufigsten benignen Tumoren des Ösophagus (Altersgipfel für Männer und Frauen bei 40 Jahren). Endoskopisch finden sich glatte submuköse Tumoren mit intakter Schleimhautoberfläche.

    • Für das Leiomyosarkom liegt der Altersgipfel zwischen 50 und 69 Jahren.

    • Die Leiomyome befinden sich etwa zu 75% intramural, während die Leiomyosarkome in gut 60% der Fälle intraluminal und in 12% extraluminal gefunden werden.

    • Bei Diagnosestellung sind 50% aller Leiomyome kleiner als 5 cm, die Leiomyosarkome hingegen überwiegend größer als 5 cm.

  • Der Granularzelltumor ist sehr selten und geht von den Schwannschen Zellen aus (endoskopisch flache polypöse gelbliche Polypen, meist solitär, distal gelegen, selten größer als 10 mm). Der Tumor wächst sehr langsam, kann sich sogar verkleinern und wird nur ausnahmsweise maligne.

  • Hämangiome imponieren endoskopisch als kleine violett-rote Tumore, die differenzialdiagnostisch von einem Kaposi-Sarkom unterschieden werden müssen.

Klinik

Die Tumoren bleiben lange symptomlos und können bis zur Diagnosestellung eine erhebliche Größe erreichen. Ab 3 cm muss mit Dysphagie, Druckgefühl und Schmerzen gerechnet werden.
  • Bei Ulzerationen können Blutungen auftreten.

  • Rekurrensparese bzw. Phrenikoparese sind selten und weisen eher auf ein Malignom hin.

Diagnostik

Die Tumore werden durch Endoskopie oder Röntgen diagnostiziert. Vielfach ist die Diagnose ein Zufallsbefund.

Als Faustregel gilt:

Ist eine Operation geplant, sollte auf eine Biopsie verzichtet werden. Die Verletzung der Mukosa könnte bei der chirurgischen Enukleation des Tumors Probleme bereiten.

Zur Dignitätsbeurteilung werden das CT und besonders der endoskopische Ultraschall eingesetzt.

CAVE:

! Malignitätsverdächtig sind Tumoren ab 3 cm Größe und mit einem inhomogenen Echomuster.

Therapie

  • Eine Therapieindikation besteht bei symptomatischem Tumor.

  • Bei milder Symptomatik kann auch von einer Therapie abgesehen werden, wenn der benigne Charakter gesichert erscheint.

Endoskopisch können gestielte Tumoren entfernt werden. Die endoskopische Entfernung submuköser intramuraler Tumore ist riskant, wird aber gelegentlich durchgeführt. Benigne Tumoren des Ösophagus sind nicht chemo- bzw. strahlensensibel.

Chirurgische Behandlungsverfahren

H.-J. M.
Die Indikation zum operativen Vorgehen stellt sich vor allem
  • bei größeren Tumoren mit entsprechender klinischer Symptomatik bzw.

  • bei nicht eindeutig zu klärender Dignität.

Der Zugangsweg wird dabei von der Lokalisation der Läsion bestimmt.
  • Bei den am häufigsten auftretenden Leiomyomen, oftmals in den unteren Abschnitten des Ösophagus lokalisiert, ist in aller Regel eine submuköse Ausschälung möglich. Nach Spaltung der Ösophagusmuskulatur können die Leiomyome aus der darunterliegenden Schleimhaut freipräpariert werden. Etwaige Läsionen der Schleimhaut werden mit atraumatischem Nahtmaterial übernäht, danach folgen adaptierende Nähte der Ösophagusmuskulatur, welche in den distalen Ösophagusabschnitten durch eine modifizierte Fundoplicatio gesichert werden können.

  • Bei größeren, breitbasig aufsitzenden Tumoren erfolgt – nach Ösophagotomie, möglichst von der kontralateralen Seite des Tumorsitzes – die vollständige Abtragung des Tumors inklusive seiner Basis.

Diese Eingriffe, d.h. die Enukleation der Tumoren, werden vermehrt in minimal-invasiver Technik, also thorako- oder laparoskopisch, durchgeführt. Beim so genannten Rendezvousverfahren kommt dabei simultan auch die Endoskopie zum Einsatz.
  • Bei großen Tumoren unklarer Dignität sind resezierende Verfahren mit entsprechender Rekonstruktion, z.B. auch Interposition eines freien Jejunumsegmentes im zervikalen Bereich, angezeigt.

  • Bei intrathorakaler Lokalisation sollte der subtotalen Ösophagektomie der Vorzug gegenüber einer Segmentresektion gegeben werden, da Letztere selten eine spannungsfreie Anastomosierung erlaubt, sodass mit einer erhöhten postoperativen Komplikationsrate gerechnet werden muss.

Weiterführende Literatur

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