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B978-3-437-24950-1.00021-4

10.1016/B978-3-437-24950-1.00021-4

978-3-437-24950-1

Ungefähre Häufigkeit (%) benigner Herztumoren (Bruce CJ 2011). Herztumorbenigner

Tab. 21.1
Tumortyp Erwachsene Kinder
Vorhofmyxom 45 15
Lipom 20
Papilläres Fibroelastom 15
Angiom 5 5
Fibrom 3 15
Hämangiom 5 5
Rhabdomyom 1 45
Teratom < 1 15

Herztumoren

A. Goetzenich

R. Autschbach

  • 21.1

    Vorbemerkungen227

  • 21.2

    Diagnostische Voraussetzungen227

  • 21.3

    Therapie228

Kernaussagen

  • HerztumorHerztumoren sind selten, eine kardiale Raumforderung ist am wahrscheinlichsten ein Thrombus oder eine infektiöse Vegetation.

  • Primäre Herztumoren sollten prinzipiell operativ entfernt werden, da u. U. lebensbedrohliche Komplikationen drohen.

  • Bösartige Herztumoren sind häufig nicht kurativ resezierbar.

  • Herzmetastasen sollten bei inkurabler Grunderkrankung nicht operativ angegangen werden.

Vorbemerkungen

Tumoren des Herzens sind selten. Metastatische Absiedlungen treten 30–1.000 × häufiger auf als primäre Herztumoren. Primäre Herztumoren sind wiederum zu ca. 90% histologisch gutartig. Von höherer klinischer Relevanz als die Dignität des Tumors ist jedoch häufig die Lagebeziehung zu kardialen Strukturen. Speziell der häufigste gutartige Primärtumor des Herzens, das Vorhof-myxom war lange durch die von ihm ausgehende Gefahr der Embolisation gefürchtet. Durch die allgemeine Verbreitung der myokardialen Bildgebung werden diese Tumoren heute jedoch in früheren Stadien entdeckt, sodass die Raten kritischer Embolisationen in Lunge oder Hirn seit Jahren rückläufig sind. Zur Häufigkeit von primären Herztumoren Tab. 21.1.
Metastasen
Perikard- und Herzmetastasen werden im Zusammenhang mit nahezu allen malignen Tumoren beobachtet (Häufigkeit im Obduktionsgut bis zu 20%). Maligne Grunderkrankungen mit sekundärer kardialer Beteiligung finden sich z. B. beim Bronchialkarzinom, Mammakarzinom, Ösophagus-/Magenkarzinom, malignen Melanom aber auch bei Lymphomen und Leukämien.
Klinische Symptome
HerztumorSymptomeDurch die stete Verbesserung der echokardiographischen Bildgebung hat der Zufallsfund kardialer Tumoren in der letzten Zeit deutlich zugenommen. Insgesamt findet sich ansonsten als erstes Signal meist eine kardiale Symptomatik, seltener eine „Tumorsymptomatik“.
Die klinischen Symptome sind dabei von der Tumorgröße und -lokalisation abhängig:
  • Vorhofmyxome bestehen aus sehr fragilem, zerreißbarem, gallertartigem Material und können in Fragmenten embolisieren: Häufig ist eine peripher-arterielle Embolie das erste Symptom, welches zur Diagnose eines Vorhofmyxoms führt.

  • Tumoren können die atrioventrikulären Klappen verlegen oder beeinträchtigen und so sowohl das Bild einer Klappenstenose als auch einer -insuffizienz simulieren. Allerdings sollte gerade im Bereich der Klappen als Erstes an eine Vegetation gedacht werden.

  • Andere Tumoren, insbesondere maligne Metastasen, können durch Rhythmusstörungen (supraventrikuläre Tachykardien, Erregungsausbreitungsstörungen bis zu AV-Blockierungen, ventrikuläre Tachykardien etc.) auffällig werden.

Diagnostische Voraussetzungen

Die Diagnostik erfolgt heutzutage i. d. R. durch die Echokardiographie. CT- und MR-Untersuchungen sowie ggf. eine zusätzliche Herzkatheteruntersuchung können die Diagnose ergänzen.

Therapie

Als Faustregel gilt

HerztumorTherapieAlle primären Herztumoren sollten (je nach Lage und Größe, mit/ohne Herz-Lungen-Maschine) entfernt werden, da

  • zum einen durch die übliche kardiologische Diagnostik nicht ihre histologische Dignität geklärt werden kann und

  • sie zum anderen durch Embolisation, Klappenobstruktion, Klappenschädigung, Rhythmusstörungen potenziell lebensbedrohliche Komplikationen verursachen können.

Die meisten Herztumoroperationen beziehen sich auf Vorhofmyxome. Hier liegt das Operationsletalitätsrisiko < 1%, höhere Risiken erklären sich meist über eine anderweitige Komorbidität. Die Operation ist dringlich, da die Gefahr der Embolisation besteht. Auch kann es jederzeit zu höhergradigen Rhythmusstörungen mit der Gefahr des plötzlichen Herztods kommen. Die Langzeitergebnisse sind gut; lokale Rezidive sind möglich, aber selten.
Bösartige Tumoren lassen sich häufig nicht kurativ resezieren und haben insgesamt eine schlechte Prognose. Herzmetastasen sollten bei insgesamt inkurabler Grunderkrankung nur im Ausnahmefall operativ angegangen werden.
Wenn es bei der Entfernung ventrikulärer Tumoren zu Verletzungen von Papillarmuskeln oder der spezifischen Muskulatur kommt, muss mit einer höheren perioperativen Morbidität gerechnet werden.

Literatur

Bruce, 2011

C.J. Bruce Cardiac tumours: diagnosis and management Heart 91 2011 151 160

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