© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-24950-1.00109-8

10.1016/B978-3-437-24950-1.00109-8

978-3-437-24950-1

Krankheitsbilder der Hitzeschädigung. HitzeschädenKrankheitsbilderHitzesynkopeHitzeohnmachtHitzeerschöpfungHitzschlagSonnenstichInsolation

Tab. 109.1
Krankheitsbild Ursache Pathophysiologie Symptome
Hitzeohnmacht
(Hitzesynkope)
Starke Hitzeexposition und Wärmestau (warme Kleidung) in Kombination mit orthostatischer Beanspruchung (langes Stehen) Periphere Vasodilatation mit Ausbildung einer vorübergehenden zerebralen Minderperfusion
  • Bewusstlosigkeit

  • Blasse, kaltschweißige Haut

  • Allenfalls geringfügig erhöhte Körpertemperatur

Hitzeerschöpfung Starkes Schwitzen (schwere körperliche Arbeit) Flüssigkeits- und Elektrolytverlust
  • Abgeschlagenheit

  • Erschöpfung

  • Kopfschmerzen

  • Benommenheit

  • Muskelkrämpfe

  • Geringfügige Erhöhung der Körpertemperatur

  • Gerötete, warme Haut

Hitzschlag Fehlender Volumen- und Elektrolytersatz und andauernde Hitzeexposition
  • Volumenmangelschock

  • Hypertone Dehydratation

  • Komatöse Bewusstseinslage

  • Zerebrale Krampfanfälle

  • Körpertemperatur > 40 °C

  • Heiße, rote, trockene, später zyanotisch-graue Haut

Sonnenstich (Insolation) Starke Sonneneinstrahlung auf den ungeschützten Kopf Meningeale Reizung mit Permeabilitätsstörungen der Blut-Hirn-Schranke bis hin zum Hirnödem
  • Nackensteifigkeit

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit

  • Bewusstseinsstörungen

  • Zerebrale Krämpfe

  • Normale Körpertemperatur

  • Heißer, roter Kopf

Hitzeschäden

M. Leffler

M. Schmitz

R.E. Horch

  • 109.1

    Vorbemerkungen886

  • 109.2

    Erstmaßnahmen887

  • 109.3

    Definitive Therapie887

Kernaussagen

  • HitzeschädenStörungen der Wärmeregulation des Körpers können zu Hitzeschäden führen.

  • Die Ätiologie der verschiedenen Krankheitsbilder der Hitzeschädigung beruht im Wesentlichen auf der pathologischen Veränderung der physiologischen Regelvorgänge mit resultierendem Volumenmangel, Elektrolytverschiebung und Hyperthermie.

  • Im Vordergrund der Therapie stehen die rasche Senkung der Körpertemperatur sowie die Stabilisierung der Kreislaufsituation.

  • Die Kühlung des Patienten, insbesondere des Kopfes, gehört ebenso zu den notwendigen Maßnahmen wie eine Volumen- und Elektrolytsubstitution anhand von engmaschigen Laborkontrollen.

  • Bei Anzeichen von Hirndruck wird eine antiödematöse Therapie mit forcierter Diurese und ggf. eine maschinelle Hyperventilation eingeleitet.

  • Bei Krämpfen wird eine antikonvulsive Therapie durchgeführt.

Vorbemerkungen

Die Wärmeregulation des menschlichen KörpersWärmeregulation ist ein feines Gleichgewicht aus Wärmeproduktion und Wärmeeinwirkung auf der einen und Wärmeabgabe auf der anderen Seite. Kommt es zur Störung dieses Gleichgewichts, kann ein Wärmestau mit Hyperthermie entstehen, der in Hitzeschäden resultieren kann. Ohne Gegenmaßnahmen zur Unterbrechung des gestörten Regulationsmechanismus kann als schlimmste Folge der Hitzetod eintreten.
  • Die KörperkerntemperaturKörperkerntemperatur, die als Produkt aus Wärmeenergie des Stoffwechsels und umgebender Wärmeeinstrahlung definiert ist, wird durch physiologische Regelvorgänge konstant um 36–37 °C gehalten.

  • Bei erhöhter KerntemperaturKörperkerntemperaturerhöhte erfolgt die notwendige Wärmeabgabe des Körpers durch Strahlung, Konduktion, Konvektion und Perspiratio insensibilis. Für den Abtransport überschüssiger Wärmeenergie ist wiederum Kreislaufarbeit erforderlich. Bei einem Ungleichgewicht dieses Systems durch hohe Umwelttemperaturen (Sommer), hohe Raumtemperaturen (z. B. Industrieanlagen mit hoher Wärmeentwicklung), schlecht gelüftete warme Räume aber auch extreme Sonnenexposition in Urlaubsgebieten können Hitzeschäden des Organismus auftreten.

Die Ätiologie der verschiedenen Krankheitsbilder der Hitzeschädigung beruht im Wesentlichen auf der pathologischen Veränderung der physiologischen Regelvorgänge mit resultierendem Volumenmangel, Elektrolytverschiebung und Hyperthermie (Tab. 109.1).

Erstmaßnahmen

HitzeschädenErstmaßnahmenIm Vordergrund stehen die rasche Senkung der Körpertemperatur sowie die Stabilisierung der Kreislaufsituation:
  • Entfernen warmer Kleidung.

  • Kühlung des Patienten und insbesondere des Kopfes mit kaltem Wasser und feuchten Tüchern.

  • Verabreichung elektrolythaltiger Getränke zur Wasser- und Elektrolytsubstitution.

  • Bei kritischer Gesamtsituation Anlage eines i. v. Zugangs und Applikation von Ringer-Laktat oder Kochsalzlösung (1 l in 30 Min., weitere 1–2 l in den folgenden beiden Stunden).

  • Wenn notwendig, Verbringen des Patienten in Schocklagerung. Cave: Vorsicht ist hierbei bei möglicher meningealer Reizung und Hirndruckzeichen geboten: hier ist gleichzeitige Kopfhochlagerung indiziert!

Kommt es unter diesen Maßnahmen in kurzer Zeit zu keiner Wiederherstellung des völligen Wohlbefindens, muss der Patient in ein Krankenhaus verbracht werden. Dabei ist auch auf dem Transport darauf zu achten, dass der Patient keiner Hitzeeinwirkung ausgesetzt ist.

Definitive Therapie

HitzeschädenTherapieEine stationäre Aufnahme sollte erfolgen, wenn engmaschige Kontrollen der Vitalfunktionen, der Körpertemperatur (rektal) und der Diurese erforderlich scheinen.
  • Bei persistierend hoher Temperatur sollte der Patient mit feuchten Tüchern oder im Kaltwasserbad bis zur Erreichung einer Temperatur von 38,5 °C heruntergekühlt werden.

  • Bei unzureichender Wirkung kann eine Infusion von auf 4 °C gekühlter 30 ml/kg Ringer-Lösung entweder über einen peripheren Zugang oder einen femoral-venösen Katheter invasive Kühlung verabreicht oder bei ausbleibendem Erfolg mithilfe von maschinellen Mitteln über die Blutzirkulation, z.B. über einen extrakorporalen Kurzschluss, mit schneller Infusion von kalten Flüssigkeiten und Oxygenierung des Blutes erforderlich werden.

  • Volumen- und Elektrolytsubstitution werden anhand von engmaschigen Laborkontrollen vorgenommen.

  • Falls erforderlich erfolgt eine Sauerstoffgabe nach Blutgasanalyse bzw. eine maschinelle Beatmung des Patienten unter intensivmedizinischer Überwachung.

  • Bei Anzeichen von Hirndruck werden eine antiödematöse Therapie mit forcierter Diurese (200 ml Mannit 20% über 20 Min. i. v. oder 40 mg Furosemid i. v.) und ggf. eine maschinelle Hyperventilation eingeleitet.

  • Bei Krämpfen wird eine antikonvulsive Therapie z. B. mit Diazepam 10–20 mg durchgeführt.

Literatur

Chen et al., 2015

G.M. Chen Y.H. Chen W. Zhang Therapy of severe heatshock in combination with multiple organ dysfunction with continuous renal replacement therapy: a clinical study Medicine (Baltimore) 94 31 2015 e1212

Choudhary and Vaidyanathan, 2014

E. Choudhary A. Vaidyanathan Heat stress illness hospitalizations – environmental public health tracking program, 20 States, 2001–2010 MMWR Surveill Summ 63 13 2014 1 10

Gaudio and Grissom, 2016

F.G. Gaudio C.K. Grissom Cooling methods in heat stroke J Emerg Med 50 4 2016 607 616

Gerbershagen and Wappler, 2014

M.U. Gerbershagen F. Wappler Hitzeschaden H. Van Aken K. Reinhart T. Welte M. Weigand Intensivmedizin 3. Aufl 2014 Georg Thieme Verlag 1026 1027

Leon and Bouchama, 2015

L.R. Leon A. Bouchama Heat stroke Compr Physiol 5 2 2015 611 647

Pryor et al., 2015

R.R. Pryor B.L. Bennett F.G. O’Connor Medical evaluation for exposure extremes: heat Clin J Sport Med 25 5 2015 437 442

Uray et al., 2006

T. Uray Surface cooling with a new cooling blanket for rapid induction of mild hypothermia in humans after cardiac arrest: A feasibility trial Circulation 114 2006 II–1190 [Suppl])

Soga et al., 2006

T. Soga Mild therapeutic hypothermia using extracorporeal cooling method in comatose survivors after out-of-hospital cardiac arrest Circulation 114 2006 II–1190

Vaity et al., 2015

C. Vaity N. Al-Subaie M. Cecconi Cooling techniques for targeted temperature management post-cardiac arrest Crit Care 19 1 2015 103

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen