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B978-3-437-22107-1.50406-4

10.1016/B978-3-437-22107-1.50406-4

978-3-437-22107-1

Klinische Symptome der Katzenkratzkrankheit (KKK)

Tabelle 1
häufige Symptome
  • typische KKK: Fieber und lokalisierte Lymphknotenschwellung

  • protrahiertes Fieber und Fieber unklarer Ursache (FUO)

  • hepatosplenale Beteiligung mit abdominellen Schmerzen

seltenere Symptome
  • okuloglanduläres Symptom (Parinaud-Syndrom)

  • Enzephalopathie

  • Radikulopathie

  • Fazialisparese

  • Guillain-Barré-Syndrom

  • zerebrale Arteriitis

  • Myelitis transversa

  • Neuroretinitis

  • Osteomyelitis

  • thrombozytopenische Purpura

  • (Pleuro-)Pneumonie

  • Endokarditis

  • Glomerulonephritis

  • Arthritis

  • thrombozytopenische Purpura

  • „pseudo-maligne” Systemerkrankung

  • bazilläre Angiomatose

Katzenkratzkrankheit

R. Berner

Kernaussagen

  • Die Katzenkratzkrankheit (KKK) wird durch Bartonella henselae verursacht.

  • KKK manifestiert sich als eine überwiegend einseitig auftretende, unilokuläre Lymphadenitis.

  • In den meisten Fällen kommt es zu einer transienten systemischen Beteiligung mit Fieber und Allgemeinsymptomen.

  • Die Diagnose wird in der Regel serologisch gestellt.

  • Eine spezifische antibiotische oder chirurgische Therapie ist in der Regel nicht indiziert.

Klinik

Bartonellen sind pleomorphe gramnegative Stäbchenbakterien. Die Spezies Bartonella henselae ist der Erreger der Katzenkratzkrankheit mit ubiquitärer zoonotischer Verbreitung bei Katzen und anderen Feliden. Die Übertragung erfolgt durch den Katzenfloh.
Die Infektion erfolgt durch direkten Kontakt zu infizierten Katzen über Hautverletzungen, Kratzer, Bisse, evtl. auch durch Flöhe (Katzenflöhe u.a.) und Zecken. B. henselae können bei Immunkompromittierten zur bazillären Angiomatose und zu disseminierten bakteriämischen Infektionen führen.
Bei der klassisch verlaufenden Katzenkratzkrankheit entwickelt sich in 85% der Fälle
  • an der Eintrittspforte nach 3–10 Tagen eine papulöse oder pustulöse Primärläsion

  • nach 1–3 Wochen eine regionäre Lymphadenitis, transientem Fieber

  • eine Spontanheilung nach 2–4 Monaten.

Typisch, aber < 10% tritt die Kombination aus Konjunktivitis mit präaurikulärer Lymphadenitis auf: okuloglanduläres oder Parinaud-Syndrom.
Gelegentlich treten schwerere Allgemeinsymptome mit protrahiertem Fieber, generalisierter Lymphadenopathie und abszessähnlichen Absiedelungen oder Mikroabszessen in parenchymatösen Organen wie Leber, Milz und Niere auf. Typisch für eine solche abdominelle Beteiligung sind rezidivierende, oft heftige Bauchschmerzen in der Regel im Oberbauch oder periumbilikal.
Mehrfach wurden auch Thrombosen z.B. der Pfortader beschrieben.
Osteomyelitische Herde (Mikroabszesse im Knochen) können vorkommen.
Selten werden Komplikationen wie abszedierende Lymphadenitis, Parotitis, Hepatitis, Endokarditis, Neuroretinitis oder Enzephalitis beobachtet.

Grundsätzlich gilt:

Die Katzenkratzkrankheit sollte differenzialdiagnostisch bei allen Patienten mit intraabdomineller Lymphadenopathie, abdominellen Schmerzen und unklarem Fieber berücksichtigt werden (Tab. 1).

Wichtig ist, dass eine Infektion auch bei anamestisch fehlendem Kontakt zu Katzen nicht ausgeschlossen werden kann.
Die bazilläre Angiomatose, eine bisher vor allem bei AIDS-Patienten beobachtete Erkrankung, führt durch Endothelproliferation zu Gefäßtumoren der Haut in Form schmerzhafter, blauroter Papeln variabler Größe. DD: Kaposi-Sarkom.

Diagnostische Voraussetzungen

Bartonellen können in Gewebebiopsien mit speziellen Färbungen – Versilberung, z.B. nach Warthin-Starry –, immunzytochemisch oder mit PCR nachgewiesen werden. Die kulturelle Isolierung ist schwierig – Spezialnährböden, langsames Wachstum – und gelingt in der Regel nicht.
Die Serologie – empfohlen ist der Immunfluoreszenztest – besitzt den wohl wichtigsten Stellenwert in der Diagnostik. Ein IFT-IgG-Titer von ≥ 1 : 256 ist diagnoseweisend. Der Nachweis von spezifischem IgM kann zur Klärung beitragen, bleibt aber in der Regel negativ.
✓ Bei Immunkompromittierten ist die Serologie nur von sehr begrenzter Aussagekraft.
Von Bedeutung ist die Sonographie und Magnetresonanztomographie zur Darstellung von Abszessen in parenchymatösen Organen und zur Diagnostik bei Verdacht auf einschmelzende Lymphadenitis.
Bei Verdacht auf multilokuläre ossäre Beteiligung kann eine Skelettszintigraphie hilfreich sein.

Therapie

Bei unkomplizierter Katzenkratzkrankheit ist keine spezifische Therapie indiziert (Empfehlungsgrad A). Azithromycin 500 mg/Tag über 5 Tage – Kinder 10 mg/kg KG an Tag 1, danach 5 mg/kg KG – führte in einer kontrollierten Studie zu einer signifikant schnelleren Rückbildung der Lymphadenopathie, die klinisch allerdings von geringer Relevanz ist (Empfehlungsgrad B). Bei neurologischen Komplikationen wurden Erythromycin oder Doxycyclin, zum Teil in Kombination mit Rifampicin, sowie neuere Makrolide oder Chinolone in Einzelfällen mit Erfolg eingesetzt; kontrollierte Studien liegen allerdings nicht vor (Empfehlungsgrad C). In diesen Fällen wird eine Behandlungsdauer von mindestens 10 Tagen empfohlen, bei Immundefizienz wesentlich länger, allerdings ebenfalls ohne klare Evidenz (Empfehlungsgrad C).
Bei hepatosplenaler Beteiligung wurden in Einzelfallberichten Gentamicin, Co-trimoxazol, Ciprofloxacin und Rifampicin eingesetzt (Empfehlungsgrad C). Lediglich In-vitro-Empfindlichkeit besteht gegen Penicilline, Breitspektrum-Cephalosporine und Carbapeneme. So weist beispielsweise Penicillin eine sehr niedrige minimale Hemmkonzentration (MHK) auf, zeigt jedoch keinerlei klinischen Effekt.
Eine chirurgische Therapie ist in der Regel nicht indiziert (Empfehlungsgrad B). Sie wird allenfalls notwendig bei Einschmelzung und drohender Perforation. Auch in diesen Fällen wird jedoch aufgrund des Risikos der Fistelbildung weniger die Inzision als die Punktion empfohlen, bei der die Nadel in verschiedene Regionen des Lymphknotens geführt werden sollte, um mehrere, voneinander getrennte Mikroabszesse zu drainieren. Mittel der Wahl zur Behandlung der bazillären Angiomatose bei AIDS-Patienten sind Erythromycin 4 × 500 mg/Tag und Doxycyclin 2 × 100 mg/Tag (Empfehlungsgrad A). Rifampicin und Ciprofloxacin scheinen ebenfalls wirksam (Empfehlungsgrad B).
Kutane und subkutane Läsionen sprechen meist rasch an. Um Rückfälle zu vermeiden, ist jedoch eine mindestens 4- bis 6-wöchige Therapie erforderlich (Empfehlungsgrad B). Bakteriämische, disseminierte und Organinfektionen sollten zumindest initial parenteral und über mindestens 2–4 Monate behandelt werden (Empfehlungsgrad B). Bei Rückfällen ist eine Dauertherapie zu erwägen (Empfehlungsgrad B).

Literatur

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