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B978-3-437-22107-1.50407-6

10.1016/B978-3-437-22107-1.50407-6

978-3-437-22107-1

Leptospirose

U. Wintergerst

Kernaussagen

  • Die Leptospirose wird durch direkten oder indirekten Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere übertragen, wobei weltweit viele Tierarten durchseucht sind.

  • Es handelt sich um eine akut-septische, systemische Infektionskrankheit mit unterschiedlichem Verlauf. 10% der Erkrankungen verlaufen schwer mit hämorrhagischer Pneumonitis, kardialen Arrhythmien, Ikterus und renaler Dysfunktion.

  • Die Diagnose wird serologisch über den Antikörpernachweis abgesichert, wobei schon der erste Nachweis hinweisend, der zweite mit Titeranstieg beweisend ist.

  • Antibiotika der Wahl sind Penicillin oder Tetrazykline.

Die Leptospirose ist eine akut-septische, systemische Infektionskrankheit, verursacht durch Leptospiren, gramnegative schraubenförmige Bakterien (Spirochäten).

  • Man unterscheidet heute zwei Spezies, die sich in mehr als 200 Serovare und 23 Serogruppen unterteilen lassen.

  • Weltweit sind viele Wild- und Haustierarten – v. a. Hunde – mit pathogenen Leptospiren infiziert bzw. durchseucht.

Leptospiren werden überwiegend im Urin ausgeschieden und können auf diesem Weg direkt oder indirekt auf Menschen übertragen werden. Eintrittspforten sind Hautverletzungen oder Schleimhäute von Auge, Mund, Nasopharynx und Ösophagus.

Die Klinik der Leptospirose ist durch unterschiedliche Verläufe gekennzeichnet, von asymptomatischen Fällen über grippeähnliche Verläufe bis hin zum Multiorganbefall mit Leber-, Nieren- und Meningenbeteiligung.

Grundsätzlich können sämtliche Serovare bei allen Verläufen vorkommen; bestimmte Serovare, wie z. B. Serovar icterohaemorrhagiae, verursachen jedoch häufiger schwere Krankheitsbilder, z. B. den klassischen Morbus Weil.

Nach einer mittleren Inkubationszeit von 10–12 Tagen kommt es abrupt zum Auftreten der Symptomatik mit

  • Fieber, Schüttelfrost

  • starken Kopfschmerzen

  • Muskel-, Gelenk- und Gliederschmerzen sowie

  • Konjunktivitis.

Es wird eine initial septische Phase (3–7 Tage Myalgie, Konjunktivitis, Fieber, Schüttelfrost, positive Blutkultur) von einer immunvermittelten Phase – Fieber, aseptische Meningitis, Konjunktivitis, Uveitis, Muskelschmerzen, Ausschlag – unterschieden, die durch eine kurze fieberfreie Zeit unterbrochen sein können.

Ca. 10% der Erkrankungen verlaufen schwer mit hämorrhagischer Pneumonitis, Ikterus, kardialen Arrhythmien und renaler Dysfunktion. Pulmonale Blutungen sind prognostisch besonders ungünstig.

Diagnostische Voraussetzungen

Grundsätzlich ist der kulturelle Nachweis von Leptospiren, vor allem aus Urin, in der ersten Krankheitswoche möglich. Die Kultur ist jedoch schwierig, mit 4–16 Wochen langwierig und damit normalerweise außerhalb der Möglichkeiten eines diagnostischbakteriologischen Labors. Auch gelingt sie oft erst 7–10 Tage nach Beginn der Erkrankung.
Daher wird die Diagnose nahezu ausschließlich serologisch abgesichert.
Antikörper können mit Komplementbindungsreaktion, Mikroagglutination oder Hämagglutinationslysisreaktion etwa ab Beginn der zweiten Krankheitswoche nachgewiesen werden.
Schon der positive Antikörpernachweis in einer Serumprobe ist hinweisend, der Titeranstieg in der zweiten Probe beweisend. Bei sog. Slow Respondern kann dies erst nach 4–6 Wochen erfolgen.
In Zukunft könnte eine Immunocapture PCR bzw. eine Taqman-PCR die Diagnose erleichtern.

CAVE

Ein Problem ist die große Artenvielfalt. In Sonderfällen müssen zahlreiche Antigene durchgeprüft werden (Referenzlabor: Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, BgVV, Berlin, Thielallee).

Therapie

Als Faustregel gilt:

Die serologische Diagnosesicherung mit den zzt. routinemäßig zur Verfügung stehenden Methoden (s. o.) kann zur Indikationsstellung für die antibiotische Therapie nicht herangezogen worden. Diese muss bei hinreichend klinischem Verdacht erfolgen.

Die pathogenen Leptospiren sind empfindlich gegenüber den meisten gebräuchlichen antibakteriellen Chemotherapeutika. Eine Antibiotikatherapie ist aufgrund klinischer Erfahrungen dann besonders effektiv, wenn sie bereits an den ersten 2–4 Krankheitstagen begonnen wird. Nach neueren Studien kann aber eine später begonnene Therapie den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und die Dauer der Erkrankung abkürzen.
Therapeutika der Wahl sind Penicillin oder Tetrazykline, z. B.
  • Penicillin G 120.000 IE/kg KG/Tag in 6, mindestens aber 4 Einzeldosen,

  • Cefotaxim 100–200 mg/kg KG/Tag, max. 6–12 g/Tag, Ceftriaxon 50–100 mg/kg KG/Tag, max. 2–4 g/Tag,

  • Doxycyclin 2,5–3 mg/kg KG i.v. in einer Tagesdosis (Empfehlungsgrad A).

  • Bei leichten Verläufen ist auch eine orale Therapie mit Doxycyclin, Amoxicillin oder Azithromycin möglich.

  • Weitere wirksame Antibiotika sind Fluorchinolone (Empfehlungsgrad A).

Bei sehr schwer verlaufenden Infektionen ist eine Intensivbehandlung mit der Möglichkeit der Dialyse erforderlich.
In seltenen Fällen kann es auch zu Herxheimer-ähnlichen Reaktionen kommen.
Die Therapiedauer muss dem Verlauf angepasst werden, liegt aber meist bei 10–14 Tagen.
Wichtig ist auch die flankierende symptomatische Therapie, je nach Organmanifestation und Schweregrad des Organversagens.
Die Prognose ist überwiegend gut.

Prophylaxe

Eine aktive oder passive Impfung gegen Leptospirose gibt es bisher für den Menschen nicht, aber für Haustiere liegt eine aktive Impfung vor.
Eine wirksame Prophylaxe ist auch das Zurückdrängen von tierischen Schädlingen, z. B. Ratten, aus Arbeits- und Wohngebieten. In Endemiegebieten ist die Vakzination von Haustieren sinnvoll.
Bei zeitlich begrenzter Exposition in Endemiegebieten mit hoher Erkrankungsinzidenz ist eine Prophylaxe mit 200 mg Doxycyclin (2–4 mg/kg KG einmal pro Woche oral) eine wirksame Schutzmöglichkeit.

CAVE

In der Klinik sollte der direkte Kontakt mit Patientenurin unbedingt vermieden werden.

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