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B978-3-437-22107-1.50434-9

10.1016/B978-3-437-22107-1.50434-9

978-3-437-22107-1

Masern

R. Roos

Kernaussagen

  • Die Maserninfektion kann zu ernsten Komplikationen wie Pneumonie oder Otitis media führen. Besonders hoch ist die Letalität bei Enzephalomyelitis.

  • Die Diagnose kann klinisch gestellt werden.

  • Die Therapie ist symptomatisch, bei schweren Verläufen kann Ribavirin gegeben werden.

Die Infektion durch das Masernvirus (Paramyxovirus) erfolgt über Tröpfchen. Die Kontagiosität ist sehr hoch. Die Eintrittspforten sind die Bindehaut und Schleimhäute des Nasen-Rachen-Raums. Ein Patient ist von Beginn der Prodromalerscheinungen bis 3–5 Tage nach Exanthemausbruch infektiös.

Die Inkubationszeit beträgt 8–12 Tage.

Diaplazentar übertragene humorale Antikörper schützen Neugeborene im ersten halben Jahr vor einer Infektion. Nach ca. 9 Monaten sind keine Antikörper mehr nachweisbar, doch sind die Symptome einer Infektion ggf. mitigiert.

Typisch für Masern ist der zweiphasige Verlauf. Prodromi sind Fieber und katarrhalische Erscheinungen wie Konjunktivitis, Schnupfen, Halsschmerzen, Heiserkeit und trockener Husten. Typisch sind Koplik-Flecken: feine, kalkweiße Stippchen auf hochroter, etwas granulierter Schleimhaut an der Wangenschleimhaut. Das Exanthemstadium beginnt 3 – 4 Tage später mit hohem Fieberanstieg. Die makulopapulösen Effloreszenzen beginnen hinter den Ohren und im Gesicht, um sich dann rasch über den ganzen Körper auszubreiten. Der Höhepunkt der klinischen Erscheinung ist in der Regel der 2.-3. Exanthemtag; danach folgen rasche Entfieberung und Abblassen des Exanthems. Oft besteht eine generalisierte Lymphadenopathie, Masern hinterlassen lebenslange Immunität.

Komplikationen

Der Verlauf kann durch eine Otitis media, stenosierende Laryngitis, Tracheobronchitis und Bronchopneumonie kompliziert sein.
Zu hämorrhagischen Masern mit Purpura und generalisierten Blutungen kann es durch eine Verbrauchskoagulopathie kommen.
Eine Enzephalomyelitis (Häufigkeit ca. 1 : 1.000) kann i. d. R. 1–5 Tage nach Exanthembeginn auftreten. Hinweisend sind Lethargie und Krampfanfälle, neurologische Herdsymptome und bis zu 200/mm3 meist Lymphozyten im Liquor. Die Letalität dieser Komplikation beträgt ca. 30%, in ca. 20% der Fälle verbleiben neurologische Defekte.
Die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ist eine späte degenerative Erkrankung des ZNS durch eine persistierende Infektion des Masernvirus. Sie äußert sich als schleichende Degeneration sämtlicher Funktionen des ZNS und verläuft stets tödlich.
Zu atypischen Masern kommt es bei Erwachsenen auf, die vor Langem den Maserntotimpfstoff erhalten haben und sich später mit Masern infizieren. Charakteristisch sind ein makulopapulöses Exanthem, das distal an den Extremitäten beginnt und sich zentripetal ausbreitet, sowie eine hartnäckige, therapieresistente Pneumonie oft in Form von Rundherden.

CAVE

Während und nach der Masern-Erkrankung besteht eine transitorische Immunschwäche von ca. 5 Wochen, z. B. eine Tuberkulin-Anergie. Eine aktive Tuberkulose kann exazerbieren.

Diagnostische Voraussetzungen

Die Diagnose kann klinisch gestellt werden. Im Blutbild ist eine Leukopenie typisch. Bei bakteriellen Komplikationen steigen die Leukozyten stark an. Im Nasensekret findet man mikroskopisch Riesenzellen. Laborchemisch erfolgt der Nachweis über Nachweis von masernvirusspezifischem IgM im Serum mit dem ELISA ab ca. 4 Tagen nach Beginn des Exanthems oder Masernvirusgenom in Urin oder Rachenabstrich per PCR. Bei der SSPE finden sich hohe Antikörpertiter im Liquor.

Therapie

Diese ist symptomatisch. Bei schwersten Verläufen kann eine Therapie mit Ribavirin i. v. erwogen werden. Bei bakteriellen Superinfektionen sind Antibiotika erforderlich. Eine Therapie der SSPE ist nicht möglich.

CAVE

Bei gleichzeitig bestehendem Vitamin-A-Mangel ist der Verlauf von Masern besonders schwer. Unter diesen Umständen wird die Gabe von Vitamin A, in einer Einzeldosis von 100.000 IE für Kinder von 6–12 Monaten bzw. 200.000 IE für Kinder > 12 Monaten empfohlen. Bei Kindern mit Augensymptomen aufgrund eines Vitamin-A-Mangels wird empfohlen, diese Dosis am folgenden Tag und nach 4 Wochen zu wiederholen.

Prophylaxe

Gegen Masern soll ab 11 Monaten aktiv mit dem Kombinationsimpfstoff MMR bzw. MMRV zweimal geimpft werden. Bei Exposition von nicht oder unzureichend geimpften Personen wird die Impfung bei innerhalb von 3 Tagen nach Exposition empfohlen. Die aktive Impfung kann lebenslang nachgeholt werden.
Eine passive Impfung mit Immunglobulinen gibt es nicht.
Bei abwehrgeschwächten oder chronisch kranken Kindern ist eine Prophylaxe mit humanen Immunglobulinen möglich: 0,25 ml/kgKG Standard-Ig intramuskulär oder 1 ml/kgKG eines intravenös zu verabreichenden normalen Immunglobulins innerhalb von 2–3 Tagen nach Kontakt; bei späterer Gabe bis zum 6. Tag ist noch Mitigierung der Erkrankung möglich.

Literatur

Robert Koch-Institut

Robert Koch-Institut, Infektionskrankheiten von A-Z, Masern, http://www.rki.de.

Deutsche, 2009

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie DGPI: DGPI-Handbuch, Infektionen bei Kindern und Jugendlichen 5. Auflage 2009 Thiemeverlag Stuttgart New York

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