© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22107-1.50461-1

10.1016/B978-3-437-22107-1.50461-1

978-3-437-22107-1

Mikrobiologische und virologische Diagnostik

H. Köhler

Diagnose, Erreger Test der Wahl Kommentar
Adenovirus
akuter Durchfall Antigennachweis im Stuhl keine Eradikationskontrolle bei klinischer Genesung
symptomatische Infektion bei schwerem B- oder T-Zelldefekt PCR aus EDTA-Blut, ggf. auch Urin, Liquor, je nach Symptomatik bronchoalveoläre Lavage (BAL)
Borrelia burgdorferi
Erythema chronicum migrans rein klinische Diagnose Serologie nicht indiziert
in spätere Stadien und nur bei richtungsweisenden Symptomen wie Facialisparese, lymphozytäre Meningitis, Monarthritis Stufendiagnostik:
  • Suchtest: Elisa. Falls positiv: IIFT zur Quantifizierung und ggf. Westernblot als Bestätigungstest

  • PCR nur in Spezialfällen, z. B. aus Gelenkpunktat bei unklarer Arthritis. Aus Liquor nur bei Einsendung eines ausreichenden Volumens > 5 ml, da ansonsten die Sensitivität zu gering ist!

  • In der Zusammenschau von Klinik und den durchgeführten Tests (d. h. vorliegende klinische Symptomatik, Titerhöhe, Ak-Klasse, Bandenmuster im Immunoblot) lässt sich sehr häufig eine eindeutige Diagnose stellen. Im Einzelfall kann die serologische Bewertung schwierig bzw. eine definitive Aussage nicht möglich sein.

  • Verlaufskontrolle der Borrelienserologie: i. d. R. nicht indiziert

  • PCR aus der Zecke: nicht indiziert

  • bei Neuroborreliose: Liquorzytologie obligat. Lymphopleozytose?

  • ggf. Berechnung des LSI. Hierzu ist die Bestimmung des Gesamt-IgG in Liquor und Serum im klinisch-chemischen Labor notwendig

Epstein-Barr-Virus
primäre EBV-Infektion bei Immunkompetenten
  • Mononukleose-Schnelltest

  • EBV-spezifische Serologie: VCA-IgG, VCA-IgM und Anti-EBNA

Schnelltest: hoher positiver prädiktiver Wert, falsch negativ in 10-15%, bei Kindern häufiger. Daher bei negativem Schnelltest und weiterhin bestehendem Verdacht immer spezifische EBV-Serologie durchführen
Identifizierung empfänglicher Patienten z. B. vor KMT oder Tx EBV-anti-VCA
EBV-Infektion bei schwerem B- oder T-Zelldefekt quantitative PCR aus EDTA–Blut, ggf. auch Gewebe (PTLD etc.) Serologie kann falsch negativ sein
Enteroviren (Echo-, Coxsackie-, Polioviren)
akute Infektion, z. B. seröse Meningitis, schlaffe Lähmung Picornavirus-PCR aus Liquor, ggf. respiratorischem Material kostenfreie Untersuchung von Stuhl oder Liquor im Rahmen der Enterovirus-Surveillance. Spezielle Einsendescheine benutzen
chronische Infektion bei Immundefekt Picornavirus-PCR, Virusisolierung und Typisierung aus Liquor
Neugeboreneninfektion Picornavirus-PCR aus Blut, Urin, respiratorischem Material, ggf. Liquor
FSME-Virus
akute Infektion FSME-IgM und -IgG im Serum
  • evtl. Nachweis intrathekaler Ak-Produktion (Serum-Liquor-Paar) bei V. a. frische Infektion und negativem IgM mit positivem IgG

  • IgM kann nach erster Impfung positiv sein, nach späteren Impfungen nur sehr selten

Hantavirus
akute Infektion, z. B. akutes Nierenversagen Nachweis von IgM- und IgG-Antikörpern im Serum mit Immunoblot Blot ermöglicht teilweise auch Typdifferenzierung
Hepatitis-A-Virus
akute Infektion HAV-IgM und HAV-Gesamt-Antikörper (ELISA) IgM kann mehrere Monate bis > 1 Jahr positiv bleiben
Durchseuchung HAV-Gesamt-Antikörper Positive HAV-Gesamt-Antikörper sprechen für Immunität.Cave: Gabe von Immunglobulinen oder FFP kann Immunität vortäuschen
Hepatitis-B-Virus
akute Infektion
  • HBsAg: bei akuter, nicht chronischer Infektion ca. 2 Monate nachweisbar

  • Plus Anti-HBc-IgM

Anti-HBc-IgM für HBs-Ag-negative Fälle (ca. 3-5%), überbrückt auch die diagnostische Lücke, wenn HBsAg bereits negativ und Anti-HBs noch nicht positiv ist
Infektionsscreening vor OP, Transplantation, Transfusion, bei Patient aus Endemiegebiet oder anderer Risikopatient HBs-Ag und anti-HBc
  • wenn beide Tests negativ: keine weitere Diagnostik erforderlich

  • bei negativem HBs-Ag und positivem anti-HBc: Testung auf anti-HBs und anti-HBc-IgM

  • bei positivem HBs-Ag: zusätzlich HBe-Ag und anti-HBe

Verlaufsuntersuchungen bei HBs-Ag-positiven Patienten
  • HBsAg

  • HBeAg, Anti-HBe

  • HBV-DNA-PCR (quantitativ)

  • bei Persistenz von HBsAg > 6 Monate: chronische Hepatitis B

  • HBeAg und anti-HBe geben indirekten Hinweis auf Grad der Infektiosität, sind Marker für das Monitoring bei Interferon-Therapie

  • HBV-DNA-PCR:

    • -

      direkter und empfindlichster Marker der Infektiosität, wichtigster Marker für Monitoring bei Nukleosidanaloga-Therapie

    • -

      wichtig für frühe Erfassung von Reaktivierungen bei Immunsuppression, v. a. bei Patienten, die HBs-Ag neg., anti-HBs und anti-HBc-positiv sind oder mit isoliertem anti-HBc

  • HBe-Serokonversion und persistierende Transaminasenerhöhung: an Pre-Core-Mutante denken und HBV-PCR zur Klärung der Infektiosität durchführen

Infektion bei schwerem B- oder T-Zelldefekt HBsAg, HBeAg, HBV-PCR Serologie kann falsch negativ sein
Kontrolle des Impferfolgs Anti-HBs
  • nur bei Immundefekt/Immunsuppression

  • Unterscheidung Z. n. Impfung vs. Z. n. Infektion: nach Impfung nur anti-HBs positiv, nach Infektion auch anti-HBc

Cave: Gabe von Immunglobulinen oder FFP kann Immunität vortäuschen
Hepatitis-C-Virus
akute Infektion HCV-Antikörper (ELISA) und HCV-PCR wenn konkreter Verdacht diagnostisches Fenster für Antikörpertest ca. 8-12 Wochen
  • Infektionsscreening vor OP, Transplantation, Transfusion, bei Risikopatienten

  • V. a. chronische Infektion

HCV-Antikörper (ELISA) HCV-PCR: hier kein Routinetest, zum Screening nur bei schwerem B- oder T-Zelldefekt, ansonsten zur Abklärung bei positivem ELISA
nachgewiesene chronische Infektion HCV-PCR (quantitativ) und HCV-Genotypisierung
Therapiemonitoring HCV-PCR (quantitativ)
Neugeborene HCV-infizierter Mütter HCV-PCR
  • vertikale Transmission sehr selten außer bei HIV-Koinfektion

  • im 1. Lebensjahr nur HCV-PCR aussagekräftig wegen diaplazentar übertragener Antikörper

Hepatitis-D-Virus
Infektionsscreening: nur bei bekannter Hepatitis B sinnvoll Anti-HDV
  • einmalig bei allen Patienten mit chronischer Hepatitis B

  • HDV-PCR: bei positivem anti-HDV und/oder Exazerbation einer chronischen Hepatitis B

bekannte Hepatitis B bei schwerem B- oder T-ZeIldefekt HDV-PCR
Hepatitis-E-Virus
akute Infektion HEV-IgG und HEV-IgM meist importierte Infektion, evtl. auch zoonotische Infektion, z. B. durch Schweine
Infektion bei schwerem B- oder T- Zelldefekt PCR Serologie kann falsch negativ sein nur nach Exposition sinnvoll
Herpes-simplex-Virus
Stomatitis aphthosa/Herpes labialis klinisch
verdächtige Haut- oder Schleimhautläsionen Herpes simplex-PCR oder Virusisolierung aus Abstrich/Bläscheninhalt Antikörpertests generell wenig aussagekräftig
V. a. Enzephalitis Herpes-simplex-PCR aus Liquor
Neugeboreneninfektion Herpes-simplex-PCR aus Abstrichen (Auge, Läsionen, Rachen), ggf. auch Liquor, Urin, Blut
HIV (siehe auch Neonatologie-Standard)
Infektionsverdacht/Infektions-Screening außer Kinder HIV-infizierter Mütter (s. u.) Suchtest: kombinierter HIV1/2-Antikörper-Antigentest
  • Bestätigung: HIV-Immunoblot und separater HIV-Antigennachweis

  • PCR (quantitativer RNA-Nachweis im Plasma) nur bei V. a. akute Infektion, ansonsten neben CD4 als Infektiositätsmarker und für Therapieindikation

Neugeborene HIV-infizierter Mütter HIV-PCR (EDTA-Vollblut):
  • mindestens 3 Testungen

  • erste Lebenstage: Ausschluss intrauterine Infektion

  • nach ca. 4-6 Wochen

  • nach dem 3. LM

  • möglichst auch ab 24. LM

  • Screeningtests (EIA, Westernblot) im 1. Lebensjahr positiv aufgrund mütterlicher Leihimmunität

  • Auch bei negativen HIV-1-PCR- Befunden Verschwinden der mütterlichen Antikörper mindestens einmal dokumentieren (zum Ende der Überwachung nach 24 Lebensmonaten)

Humanes Herpesvirus 6 und 7
Exanthema subitum klinisch tritt bei HHV-6 und HHV-7-lnfektion auf, hohe Durchseuchungsrate für beide wird schon im Vorschulalter erreicht
akute Infektion oder Reaktivierung bei schwerem B- oder T-Zelldefekt HHV-6-PCR aus EDTA-Blut Serologie kann falsch negativ sein
Influenzavirus
akuter respiratorischer Infekt Schnelltest aus Nasen-, Rachenabstrich oder Nasopharyngealsekret
  • bei Kindern meist starke Virusausscheidung, daher Sensitivität der Schnelltests relativ gut

  • PCR ggf. bei negativem Schnelltest und weiter bestehendem starkem Verdacht sowie in besonderen epidemiologischen Situationen, z. B. bei V. a. “neue Influenza”

  • falsch positive Schnelltests bei blutigem Material möglich, dann besser PCR

Masernvirus
Masern bei Immunkompetenten
  • Masern-lgM (ELISA)

  • Masern-IgG (ELISA)

  • positiv sobald Exanthem auftritt bis 4-5 Wochen nach Infektion

  • Serokonversion oder mindestens 4-facher Titeranstieg in konsekutiven Seren

Masern bei schwerem B- oder T-Zelldefekt PCR aus respiratorischem Material
Masern bei Geimpften PCR aus respiratorischem Material Unterscheidung zwischen lmpf- und Wildvirus bei positiver PCR möglich (im NRZ)
Mumpsvirus
Mumps bei Immunkompetenten IgM und IgG (ELISA)
Mumps bei schwerem B- oder T-Zelldefekt PCR aus respiratorischem Material
Mumps bei Geimpften PCR aus respiratorischem Material Unterscheidung zwischen Impf- und Wildvirus bei positiver PCR möglich (im NRZ)
Norovirus
akuter Durchfall Antigennachweis im Stuhl PCR in Ausnahmefällen keine Eradikationskontrolle bei klinischer Genesung kein Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung bis 3 Tage nach Genesung, Ausscheidung bis > 14 Tage möglich
Parvovirus B19
Ringelröteln IgM bei typischem Exanthem rein klinische Diagnose
Anämie, Knochenmarkinsuffizienz PCR aus EDTA-Blut, evtl. Knochenmark
Bordetella pertussis und parapertussis
V. a. Pertussis oder Parapertussis
  • Multiplex-PCR zum Nachweis beider Erreger aus Nasopharyngealsekret oder -abstrich

  • Komplementbindungsreaktion (KBR)

  • im akuten Krankheitsstadium Methodik der Wahl

  • KBR im akuten Krankheitsstadium i. d. R. negativ. In der 3. Woche nach einer Infektion sind bei nahezu allen Patienten Ak zu finden.

  • Eine kürzer als ein Jahr zurückliegende Impfung sollte ausgeschlossen sein.

  • bei Parapertussis ggf. falsch negative Ergebnisse

Rötelvirus
Röteln bei Immunkompetenten
  • klinisch meist ausreichend

  • lgM (ELISA) und Hämagglutinationshemmtest (HHT), evtl. lgG (ELISA)

  • Röteln-IgM kann lange persistieren (12 Monate)

  • frische Infektion anzunehmen bei hoch positivem Röteln-lgM und/oder Serokonversion bzw. min. 4-fachem Anstieg der Titer in konsekutiven Seren

Röteln bei schwerem B- oder T-Zelldefekt PCR aus Nasen-Rachen-Sekret Serologie kann falsch negativ sein
Röteln bei Geimpften PCR aus Nasen-Rachen-Sekret Unterscheidung zwischen lmpf- und Wildvirus bei positiver PCR möglich
konnatale Röteln Neugeborenes:
  • PCR aus Nasen-Rachen-Sekret und Urin

  • lgM postnatal

Rotavirus
akuter Durchfall Antigennachweis im Stuhl keine Eradikationskontrolle bei klinischer Genesung
akute Bronchitis, Bronchiolitis Antigenachweis im Trachealsekret oder Nasopharynxabstrich
  • bei negativem Abstrich (feucht!) und weiter bestehendem Verdacht Trachealsekret untersuchen. PCR in unklaren Fällen ebenfalls möglich

  • bei klinischer Besserung keine Eradikationskontrolle indiziert

Post-Streptokokkkeninfekt
Poststreptokokkenerkrankungen ASL und ASDB Weitere Antistreptokokkentests, z. B. gegen Hyaluronidase, erhöhen die Sensitivität nicht und sind deshalb auch nicht etabliert. Niedrige Titer kommen aufgrund der Epidemiologie häufig vor
Toxoplasma gondii
akute Infektion bei Immunkompetenten Stufendiagnostik:
  • Suchtest: Elisa mit Serum

  • → falls positiv: IIFT, IgM-ISAGA sowie KBR zur Quantifizierung

  • IgM kann monate-, z. T. jahrelang persistieren

  • ggf. Aviditätstestung (Durchführung im Referenzlabor)

akute Infektion bei schwerem B- oder T-Zelldefekt
  • PCR aus Liquor und ggf. Biopsiematerial

  • bei erworbenem Immundefekt meist Reaktivierung, daher Serologie zum Nachweis einer latenten Infektion

  • Serologisch kann bei bestehender Immunsuppression ein Titeranstieg ausbleiben!

  • Die PCR im Liquor ist bei isolierten intrazerebralen Herden häufig falsch negativ, d. h. nur ein positives Ergebnis ist beweisend, ein negatives schließt eine zerebrale Toxoplasmose nicht aus!

  • Die Toxo-PCR aus Hirnmaterial und Fruchtwasser ist sehr zuverlässig!

konnatale Infektion Kind:
  • Blut: Toxoplasma-IgG und IgM, vergleichender IgG- und ggf. IgM-Immunoblot mit kindlichem und mütterlichem Serumpaar

  • Liquor: PCR. Ausreichendes Liquorvolumen einsenden!

Mutter:
  • Blut: Toxoplasma-Serologie s. o.

  • PCR aus Fruchtwasser, Plazenta-Histologie

lgM wird oft erst im Laufe des 1. LJ positiv, kann im Einzelfall aber auch negativ bleiben. Daher ist die Bestimmung des spezifischen IgGs im kindlichen Blut notwendig, um den postpartalen Verlauf beurteilen zu können. Kommt es nach ca. 6 Monaten zu einem signifikanten Abfall und zu keinem erneuten Anstieg, liegt beim Kind keine Infektion vor
Varicella-Zoster-Virus
Windpocken bei Immunkompetenten Anti-VZV-lgM und -IgG (ELISA)
  • bei typischem klinischem Bild keine Diagnostik erforderlich

  • klinische DD: Enteroviren, HSV

Windpocken bei schwerem B- oder T-Zelldefekt PCR von Läsion (Vesikel, Papel, Kruste) Serologie ggf. falsch negativ
Windpocken bei Geimpften PCR von Läsion (Vesikel, Papel, Kruste) Unterscheidung OKA-Impfvirus vs. Wildvirus bei positiver PCR möglich (Konsiliarlabor)
Zytomegalie-Virus
symptomatische Infektion bei Immunkompetenten CMV-IgM und -IgG im Serum
  • Spezifisches IgM kann auch bei Reaktivierung positiv sein.

  • typische Konstellation bei Primärinfektion: IgM hoch, IgG niedrig positiv

Identifizierung empfänglicher Patienten vor KMT, Transfusion etc. CMV-lgG Cave: Gabe von Immunglobulinen oder FFP kann Immunität vortäuschen
symptomatische Infektion bei Immundefekt oder Immunsuppression quantitative PCR aus EDTA-Blut, je nach Symptomatik auch Liquor, Trachealsekret, BAL, bei Colitis Schleimhaut biopsie Serologie kann falsch negativ sein oder wird meist erst mit deutlicher Verzögerung positiv
Überwachung des Therapieerfolgs bei Immunsuppression quantitative PCR aus EDTA-Blut
konnatale Infektion je nach Symptomatik PCR aus EDTA-Blut, Liquor, Trachealsekret
  • Zur retrospektiven Klärung konnatale vs.postnatale Infektion kann für die PCR die Screnning-Trockenblutkarte verwendet werden.

  • CMV-IgM als Marker einer konnatalen Infektion unzuverlässig

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen