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B978-3-437-22107-1.50424-6

10.1016/B978-3-437-22107-1.50424-6

978-3-437-22107-1

Mykoplasmen

U. Wintergerst

Kernaussagen

  • Mykoplasmen rufen Infektionen in den Atemwegen und im Urogenitaltrakt– sexuell übertragbare Krankheiten – hervor.

  • Die Infektion verläuft prinzipiell selbstlimitierend. Bei schweren Krankheitsverläufen wird eine Antibiotikatherapie empfohlen.

Mykoplasmen sind pleomorphe, gramnegative Bakterien ohne Zellwand. Sie bleiben extrazellulär, entfalten einen toxischen Einfluss auf den Stoffwechsel von Epithelzellen und stören zusätzlich im Respirationstrakt die Ziliarfunktion. Mykoplasma (M) und Ureaplasma (U) sind zwei Genera in der Familie Mycoplasmataceae. Beim Menschen treten bevorzugt auf:

  • in den Atemwegen: M. salivarium, M. orale, M. pneumoniae sowie

  • im Urogenitaltrakt: M. hominis, U. urealyticum.

Die Übertragung erfolgt von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen-(Atemwegsinfektion) oder Schmierinfektion (Urogenitalinfektion). Kleinraumepidemien besonders in Familien, Schulen, Freundeskreisen und Internaten kommen vor.

Bevorzugt werden Jugendliche und junge Erwachsene befallen.

In der Umgebung eines Erkrankungsfalls werden gesunde Keimträger in großer Zahl beobachtet.

Die Inkubationszeit beträgt ca. 2–3 Wochen.

CAVE

Asymptomatische Träger können monatelang die Erreger ausscheiden.

Diagnostische Voraussetzungen

Serodiagnostischer IgM- und IgA-Nachweis oder 4-facher Antikörpertiteranstieg sprechen für eine frische Infektion.
Der Erregernachweis mit konventionell bakteriologischen Verfahren ist zeitaufwendig und wenig sensitiv: nur etwa 40–90%.
Ein Antigennachweis ist mit radioaktiv markierten Gensonden innerhalb weniger Stunden (Sensitivität und Spezifität > 90%), mit der PCR oder mit dem M.-pneumoniae-Antigen-ELISA (Sensitivität 90%) ebenfalls in wenigen Stunden möglich.

Antimikrobielle Chemotherapie

Eine Mykoplasmen-Infektion verläuft prinzipiell selbstlimitierend.
Bei schweren Krankheitsverläufen, vor allem bei Pneumonie und Enzephalitis, wird eine Antibiotikatherapie empfohlen.
Mittel der ersten Wahl bei M.-pneumoniae-Infektionen von Kindern sind Makrolid-Antibiotika:
  • Clarithromycin 15 mg/kg KG/Tag in 2 ED oral für 10 Tage

  • Erythromycin 50 mg/kg KG/Tag in 2–4 Dosen oral

  • Azithromycin 1 × 10 mg/kg KG/Tag für 3–5 Tage

  • Patienten > 8 Lebensjahre können alternativ mit Tetrazyklin 30 mg/kg KG/Tag in 2–4 Dosen oral oder

  • Doxycyclin 1 × 2 mg/kg KG/Tag behandelt werden.

Zur Behandlung von M. hominis-Infektionen geeignet sind
  • Clindamycin 10–30 mg/kg KG/Tag in 3–4 Dosen oral und

  • Tetrazyklin 30 mg/kg KG/Tag in 2–4 Dosen oral.

Zur Behandlung einer Mykoplasmen-Enzephalitis werden liquorgängige Antibiotika – Doxycyclin 2 × 2 mg/kg KG/Tag – in Kombination mit einem Steroid – z. B. Prednison, 2 mg/kg KG/Tag eingesetzt.
! Resistenzen gegen Tetrazykline (10–20%) sind beschrieben.

Prophylaxe

Eine Impfung gibt es nicht.
Bei diagnostisch gesicherter Epidemie kann man eine frühzeitige Antibiotikatherapie für gefährdete Personen vor oder unmittelbar zu Beginn des Krankheitsausbruchs erwägen. Eine generelle Chemoprophylaxe wird nicht empfohlen.
Im Krankenhaus sollte eine Übertragung von Tröpfchen infizierter Patienten vermieden werden.
Eine prophylaktische Antibiotikagabe wird nur bei Personen mit prädisponierenden Erkrankungen wie der Sichelzellanämie empfohlen.

LITERATUR

Cassell et al., 1990

G.H. Cassell K.B. Waites D. Taylor-Robinson Genital Mycoplasmas. Morse SA Moreland AA Thompson SE Atlas of Sexually Transmitted Diseases 1990 Lippincoll Philadelphia, New York, London

DGPI (Hrsg.), 2009

DGPI (Hrsg.) DGPI-Handbuch – Infektionen bei Kindern und Jugendlichen 5. Aufl. 2009 Thieme Stuttgart

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R.D. Feigin Cherry JD Textbook of Pediatric Infectious Diseases 3rd ed. 1992 W. B. Saunders Philadelphia, London, Toronto, Montreal, Sydney, Tokyo

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Krugman et al., 1992

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Report of the Committee, 2012

Report of the Committee on Infectious Diseases 29th ed. 2012 American Academy of Pediatrics

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