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B978-3-437-22107-1.50411-8

10.1016/B978-3-437-22107-1.50411-8

978-3-437-22107-1

Neisseria-gonorrhoeae-Infektionen– Gonorrhö bei Erwachsenen

S. Schliep

M. Sticherling

Kernaussagen

  • Die Gonorrhö gehört zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten.

  • Sie hat eine kurze Inkubationszeit von wenigen Tagen und kann bei Frauen gelegentlich asymptomatisch sein.

  • Gefürchtet sind sekundäre Erkrankungen bei ausgebliebener oder erfolgloser Behandlung.

  • Für die Diagnostik stehen mikroskopische Untersuchungen, der kulturelle Nachweis und Nukleinsäureamplifikationsverfahren zur Verfügung.

  • Co-Infektionen mit anderen sexuell übertragbaren Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden.

  • Cephalosporine sind Therapie der ersten Wahl.

Infektionen durch Neisseria gonorrhoeae gehören zu den häufigsten sexuell übertragenen Krankheiten in der westlichen Welt. Gonokokken sind gramnegative Diplokokken, die keine protektive Immunität induzieren. Reinfektionen, auch durch den nichtbehandelten Partner, sind daher jederzeit möglich. Eine entsprechende Aufklärung, Diagnostik und Therapie der Sexualpartner von Patienten ist daher erforderlich.

Vor allem bei Frauen sind Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae häufig asymptomatisch. Neben einer Urethritis und Zervizitis ist auch bei einer Pharyngitis oder Proktitis an Infektionen durch Gonokokken zu denken.

Im Rahmen der klinischen Untersuchung sollten alle potenziellen Lokalisationen untersucht werden. Bei ausbleibender oder verzögerter Behandlung kann es zu chronischen Beschwerden im Urogenitaltrakt sowie Folgeerkrankungen wie reaktiven Arthritiden kommen. Die unbehandelte Gonorrhö kann auch Ursache einer männlichen oder weiblichen sekundären Infertilität sein. Daher sind frühzeitige Diagnostik und Therapie wichtig.

✓ Seit dem Jahr 2000 besteht keine Meldepflicht mehr für die Gonorrhö.

Diagnostische Voraussetzungen

Neben der mikroskopischen Untersuchung und dem kulturellen Nachweis stehen heute sensitive und spezifische Nukleinsäureamplifikationsverfahren zur Verfügung und sollten kombiniert durchgeführt werden. Bei Patienten mit Gonorrhö liegen häufig Co-Infektionen mit Chlamydia trachomatis vor, die ausgeschlossen oder prophylaktisch mitbehandelt werden sollten, z.B. mit Azithromycin oder Doxycyclin.
In der europäischen Leitlinie von IUSTI und WHO werden Therapiekontrollen bei persistierenden Beschwerden, Reexposition, vermuteter Antibiotika-Resistenzen auf das eingesetzte Antibiotikum und pharyngealen Infektionen empfohlen.
Wegen der Möglichkeit einer gleichzeitigen Syphilis-Infektion werden grundsätzlich 8 Wochen nach der Gonorrhö-Therapie serologische Untersuchungen auf Syphilis gefordert.

Therapie

Die früher übliche Penicillin-Therapie ist angesichts weltweiter Resistenzen verlassen worden, wie auch in den letzten Jahren zunehmend Resistenzen von Neisseria gonorrhoe gegen Fluorchinolone beobachtet werden.
Zur empirischen Behandlung von Gonokokken-Infektionen werden aktuell Cephalosporine der 3. Generation empfohlen, wobei das Robert-Koch-Institut aufgrund erster Resistenzen höhere Dosierungen als CDC und IUSTI/WHO empfiehlt.
Für unkomplizierte Infektionen mit Neisseria gonorrhoeae werden folgende Therapieoptionen empfohlen:
  • Ceftriaxon 2 g i.m. als Einmaldosis oder

  • Cefixim 400 mg 2 × täglich für 3 Tage.

Als Alternative wird eine Behandlung mit Spectinomycin 2 g i.m. als Einmaldosis empfohlen:
Bei disseminierten Gonokokken-Infektionen ist eine längere Therapiedauer erforderlich:
  • Ceftriaxon 1–2 g i.v. oder i.m. alle 24 h für 7 Tage oder

  • Cefotaxim 1 g i.v. alle 8 h für 7 Tage oder

  • Spectinomycin 2 g i.m. alle 12 h für 7 Tage.

Schwangerschaft

Erste Wahl sind die oben genannten Cephalosporine. Im Fall einer Allergie sollte Spectinomycin eingesetzt werden.

Prophylaxe

Die Prophylaxe der Gonoblennorrhö beim Neugeborenen mit 1% Silbernitrat-Lösung wird an vielen Kliniken weiterhin empfohlen, wobei die konsequente Durchführung ohne Risikoanamnese der Mutter in Deutschland zunehmend verlassen wird.
Bei Neugeborenen (S 3.16b) mit unbehandelter Gonokokken-Infektion der Mutter sollte aufgrund des hohen Infektionsrisikos eine prophylaktische Behandlung durchgeführt werden. Empfohlen wird Ceftriaxon 25–50 mg/kg KG, maximal 125 mg, i.v. oder i.m. als Einmaldosis.

Literatur

Bignell, 2009

C. Bignell 2009 European (IUSTI/WHO) Guideline on the Diagnosis and Treatment of Gonorrhoea in Adults International journal of STD & AIDS. 20 7 2009 453 457 Jul;

Martin et al., 2006

I.M.C. Martin S. Hoffmann C.A. Ison European Surveillance of Sexually Transmitted Infections (ESSTI): the first combined antimicrobial susceptibility data for Neisseria gonorrhoeae in Western Europe Journal of Antimicrobial Chemotherapy 58 2006 587 593

Petzold and Gross, 2001

D. Petzold G. Gross Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Krankheiten: Leitlinien 2001 der Deutschen STD-Gesellschaft 2001 Springer Verlag Berlin

Robert-Koch-Institut, 2004

Robert-Koch-Institut: Gonorrhö und genitale Chlamydiose in Deutschland nach Daten des STD-Sentinels des RKI. Epidemiologisches Bulletin (39/2004).

Robert-Koch-Institut, 2010

Robert-Koch-Institut: Sechs Jahre STD-Sentinel-Surveillance in Deutschland – Zahlen und Fakten. Epidemiologisches Bulletin (03/2010).

Zum Auftreten, 2009

Robert-Koch-Institut: Zum Auftreten von Resistenzen bei Neisseria gonorrhoeae im Rhein-Main-Gebiet. Epidemiologisches Bulletin (13/2009).

Workowski and Berman, 2006

K.A. Workowski S.M. Berman Sexually Transmitted Diseases Treatment Guidelines, 2006. National Center for HIV/AIDS, Viral Hepatitis 2006 STD, and TB Prevention Atlanta

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