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B978-3-437-24950-1.00072-X

10.1016/B978-3-437-24950-1.00072-X

978-3-437-24950-1

Nephropathien bei Stoffwechselstörungen – Nephropathien bei sonstigen Stoffwechselstörungen

H.J. Kramer

  • 72.1

    Fabry-Erkrankung538

  • 72.2

    Plasmozytom-, Myelom-Niere538

  • 72.3

    Amyloidose539

  • 72.4

    Oxalurie539

Kernaussagen

  • NephropathieStoffwechselstörungenBei der Fabry-Erkrankung kommt es zu einer tubulointerstitiellen Fibrose und Glomerulosklerose sowie Tubulusatrophie mit fortschreitendem Funktionsverlust bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz.

  • Insbesondere bei männlichen Patienten mit Morbus Fabry ist eine Enzymersatztherapie mit Algasidase indiziert.

  • Beim Plasmozytom bzw. multiplen Myelom kommt es aufgrund der Ablagerung von Leichtkettenfragmenten zur Tubulusatrophie und interstitiellen Fibrose mit Nierenfunktionseinschränkung bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz. Therapeutisch steht die Behandlung der Grunderkrankung mit Chemotherapie bzw. Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltherapie im Vordergrund. Die Leichtketten können durch Dialyse eliminiert werden.

  • Auch bei der Amyloidose ist die Hochdosis-Chemotherapie mit autologer Stammzelltransplantation angezeigt. Bei nicht beherrschbarer Proteinurie sollte die Nephrektomie erwogen werden.

  • Eine vermehrte Oxalsäure-Synthese bewirkt eine Hyperoxalurie, die über Nephrolithiasis (Oxalatsteine) und/oder Nephrokalzinose sowie Oxalatkristallablagerungen mit interstitieller Fibrose zur Niereninsuffizienz führen kann. Therapeutisch im Vordergrund stehen diätetische Maßnahmen.

Fabry-Erkrankung

Synonym: Morbus FabryMorbus Fabry. NephropathieMorbus FabryDie X-chromosomal vererbte lysosomale Speicherkrankheit ist die Folge eines Aktivitätsmangels der α-Galaktosidase A. Dadurch kommt es zu massiver Ablagerung von Globotriaosylceramiden (GL3, Glycosphingolipide) in Podozyten, Tubulusepithelien und Endothelzellen.
Klinisch manifestiert sich die Erkrankung
  • an der Haut durch

    • Angiokeratome

    • fehlende Schweißproduktion

    • brennende Schmerzen an Händen und Füßen

  • den Augen durch Cornea verticillata mit Hornhauttrübung

  • der Niere durch tubulointerstitielle und glomeruläre Schäden

  • dem Herzen durch

    • Rhythmusstörungen

    • Herzinsuffizienz

  • dem Intestinaltrakt durch

    • Koliken

    • Erbrechen

    • Diarrhö sowie

  • dem Hirnkreislauf durch

    • zerebrovaskulären Kopfschmerz

    • Schwindel

    • TIA

    • Apoplex und Tinnitus.

In der Niere
  • kommt es zur tubulointerstitiellen Fibrose und Glomerulosklerose sowie Tubulusatrophie.

  • Als Frühzeichen treten Mikroalbuminurie und Proteinurie auf.

  • Später kommt es zu einem fortschreitenden Funktionsverlust bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz.

Therapie
Symptomatisch, z. B. bei Hypertonie.
Enzymersatztherapie mit
  • Algasidase alfa (Replagal®): i.v. Infusion über 40 Min., 0,2 mg/kg KG jede 2. Woche, oder

  • Algasidase beta (Fabrazyme®): i.v. Infusion, 1 mg/kg KG jede 2. Woche, bis zu 2-mal wöchentlich.

Indiziert ist die Enzymersatztherapie vor allem bei männlichen Patienten, bei Patientinnen ist eine individuelle Indikationsstellung notwendig.
Bei fortschreitender Niereninsuffizienz ist keine Dosisanpassung nötig.

Plasmozytom-, Myelom-Niere

Plasmozytom-NiereMyelom-NiereNephropathiePlasmozytom-NiereNephropathieMyelom-NiereDie zunehmende Proliferation von B-Lymphozyten führt zur überschießenden Produktion monoklonaler Immunglobuline mit oder ohne Leichtketten. Bei tubulointerstitiellem Befall ist das myelomassoziierte Fanconi-Syndrom mit der Ausscheidung vor allem von κ-Leichtketten im Urin verbunden, deren Fragmente, abgelagert in proximalen Tubuli, zur tubulären Dysfunktion führen. Sie wirken toxisch auf natriumabhängige Transportmechanismen.
Am häufigsten kommt es bei großer Proteinurie zur tubulären Obstruktion durch Zylinder in distalen Tubuli. Die Proteinurie ist Folge der sich in der glomerulären Basalmembran ablagernden monoklonalen Immunglobuline.
Bei der AL-Amyloidose werden λ-Leichtkettenfragmente vor allem in den Glomeruli abgelagert, was ebenfalls zu großer Proteinurie führt.
Schließlich kommt es zur Tubulusatrophie und interstitiellen Fibrose mit Nierenfunktionseinschränkung bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz.
Therapie
Symptomatisch s. Fanconi-Syndrom.
Chemotherapie der Grunderkrankung oder Hochdosis-Chemotherapie mit Melphalan (Alkeran®) mit autologer Stammzelltransplantation.
Leichtketten-Elimination durch Dialyse mit großporiger Membran.

Amyloidose

Therapie
NephropathieAmyloidoseAmyloidoseChemotherapie der Grunderkrankung.
Auch bei fehlender Grunderkrankung Hochdosis-Chemotherapie (Melphalan) mit autologer Stammzelltransplantation.
Bei nicht beherrschbarer, lebensbedrohlicher Proteinurie ist Nephrektomie, interventionell durch Embolisation, chirurgisch oder medikamentös durch nichtsteroidale Antiphlogistika, z. B. Indometacin, zu erwägen.

Oxalurie

NephropathieOxalurieOxalurieAufgrund einer vermehrten Oxalsäure-Synthese kommt es zur Hyperoxalurie.
Beim Typ 1 ist die Ausscheidung von Oxalsäure und Glycolsäure, beim Typ 2 die Ausscheidung von Oxalsäure und L-Glycinsäure erhöht.
Die Hyperoxalurie kann über eine Nephrolithiasis (Oxalatsteine) und/oder Nephrokalzinose sowie Oxalatkristallablagerungen mit interstitieller Fibrose zur Niereninsuffizienz führen.
Therapie
Es gibt keine spezifisch medikamentöse Therapie.
Diät:
  • Oxalsäure-haltige Nahrungsmittel meiden

  • reichliche Flüssigkeitszufuhr.

Literatur

Mehta et al., 2010

A. Mehta M. Beck F. Eyskens Fabry disease: a review of current management strategies Quart J Med 193 2010 641 659

Pastores et al., 2007

G.M. Pastores E. Boyd K. Crandall A. Whelan L. Piersall N. Barnett Safety and pharmacokinetics of agalsidase alfa in patients with Fabry disease and end-stage renal disease Nephrol Dial Transplant 22 2007 1920 1925

Wanner et al., 2005

C. Wanner F. Breunig R.M. Schaefer Empfehlungen für das Management von Patienten mit Morbus Fabry und Nierenbeteiligung Nieren- und Hochdruckk 34 2005 412 422

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