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B978-3-437-22107-1.50108-4

10.1016/B978-3-437-22107-1.50108-4

978-3-437-22107-1

Risikofaktoren für häufige obstruktive Atemwegserkrankungen im Kindesalter.

Tabelle 1
• familiäre Atopie: Asthma, allergische Rhinokonjunktivitis, atopisches Ekzem
• andere allergische Erkrankungen beim Kind
• prä- und postnatale Tabakrauchexposition
• Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht
• Schadstoffbelastung in der Umgebung
• häufige Atemwegsinfekte im 1. Lebensjahr (z.B. RSV)
• Häufigkeit und Schweregrad der Anfälle
• persistierende verminderte Lungenfunktion
• erhöhte bronchiale Hyperreaktivität
• männliches Geschlecht vor der Pubertät

Schlüsselsymptome obstruktiver Atemwegserkrankungen.

Tabelle 2
• Husten, nächtlicher Husten
• Atemnot
• exspiratorisch pfeifende Atmung
• beschleunigte Atmung
• Einziehungen, Naseflügeln, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur
• Schlafstörungen
• Anstrengungsintoleranz

Risikofaktoren für rezidivierende obstruktive Atemwegserkrankungen: klinische Hinweise und mögliche Diagnosen.

Tabelle 3
klinische Hinweise mögliche Diagnosen
• Symptome seit Geburt
  • zystische Fibrose

  • „chronic lung disease”

  • Ziliendyskinesie

  • Entwicklungsstörungen der Lunge

  • gastroösophagealer Reflux

• Familienanamnese positiv für außergewöhnliche Atemprobleme
  • zystische Fibrose

  • „chronic lung disease”

  • neuromuskuläre Erkrankung

  • Entwicklungsstörung der Lunge

• akutes Auftreten ohne vorbestehende Probleme Fremdkörperaspiration
Symptome
• Fieber, obere Atemwegssymptome
  • akuter respiratorischer Infekt

  • Bronchitis

  • Bronchiolitis

  • Bronchopneumonie

• Erbrechen mit Husten, Dysphagie
  • gastroösophagealer Reflux

  • Aspiration

• abnorme Stimme oder Heiserkeit laryngeale oder Stimmbandproblematik
• in- und/oder exspiratorischer Stridor
  • Laryngitis

  • Tracheitis

  • Laryngomalazie

  • Tracheomalazie

• Gedeihstörung
  • zystische Fibrose

  • „chronic lung disease”

  • Immundefekt

  • Entwicklungsstörung der Lunge

  • gastroösophagealer Reflux

• vorwiegend nächtliche Symptome
  • Problem in den oberen Atemwegen

  • Sinusitis

  • gastroösophagealer Reflux

radiologische Veränderungen
• fokale oder persistierende radiologische Abnormitäten
  • Entwicklungsstörung der Lunge

  • gastroösophagealer Reflux mit Aspiration

  • postinfektiöse Störungen

  • Fremdkörperaspiration

  • Bronchiektasien

Obstruktive Atemwegserkrankungen bei Kindern – Bronchitis

T. Zimmermann

Kernaussagen:

  • Die Abgrenzung einer virusindizierten obstruktiven Bronchitis bzw. Bronchiolitis oder des alltäglichen erkältungsbedingten Husten zum Asthma bronchiale ist gerade bei Kleinkindern schwierig.

  • Die infektinduzierten obstruktiven Bronchitiden sprechen in der Regel nicht auf eine präventive antientzündliche Therapie an, ein möglicher Übergang in rezidivierende Formen kann nicht verhindert werden.

  • Rezidivierende oder persistierende Verläufe obstruktiver Bronchitiden treten vor allem bei Kindern mit atopischer Belastung auf.

Vorbemerkungen

Grundsätzlich gilt:

Die Abgrenzung einer virusindizierten obstruktiven Bronchitis bzw. Bronchiolitis oder des alltäglichen erkältungsbedingten Hustens zum Asthma bronchiale ist gerade bei Kleinkindern schwierig.

Im frühen Kindesalter treten episodische obstruktive Bronchitiden auf, die durch Viren verursacht werden. Ein höheres Risiko haben
  • Kinder nach Frühgeburtlichkeit,

  • Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht sowie

  • Kinder mit prä- und postnataler Tabakrauchexposition und Schadstoffbelastung in der Umgebung (Tab. 1).

Zwischen den Episoden mit obstruktiver Atemstörung und intermittierendem Giemen sind die betroffenen Kinder beschwerdefrei und körperlich voll belastbar, der Nachtschlaf ist nicht gestört. Bei diesen Kindern finden sich eher keine Hinweise für eine bronchiale Hyperreaktivität oder für entzündliche Veränderungen der Atemwege.
  • Beim Säugling kann eine bronchiale Hyperreaktivität abhängig vom Erreger über Monate bestehen bleiben. D 7.2) durch das Vorkommen einer obstruktiven Atmung auch zwischen den Infektepisoden definiert.

    Im Gegensatz zur episodischen, viral induzierten obstruktiven Bronchitis ist das frühkindliche Asthma bronchiale (vgl. Kap.

    Kleinkinder bilden die größte Gruppe mit obstruktiven Atemproblemen, sie entwickeln im weiteren Verlauf meist kein Asthma bronchiale.

Auslöser
Klassisch beginnt die Erkrankung mit einem viralen Infekt der oberen Luftwege, nach einigen Tagen treten obstruktive Atemstörungen auf, die innerhalb von 2 Wochen wieder abheilen.
Verlauf
Schlüsselsymptome einer obstruktiven Atemwegserkrankung sind in Tabelle 2 zusammengefasst.
Bezüglich des Verlaufs sind diese viral induzierten Erkrankungen meist transient, sie treten im Vorschulalter auf und verschwinden meist im Schulalter.

CAVE:

  • !

    Im Säuglings- und Kleinkindesalter ist es schwierig, diese Kinder von Kindern mit beginnendem Asthma bronchiale zu unterscheiden und therapeutisch einzuordnen. Aus diesem Gunde ist eine sorgfältige Beobachtung des Krankheitsverlaufs und der Therapieversuche notwendig.

Therapie

Die Evidenz der Behandlungsmaßnahmen einer episodischen, viral induzierten obstruktiven Bronchitis bis zum 5. Lebensjahr ist niedrig.
  • Für die Akuttherapie können inhalierbare kurz wirksame β2-Sympathomimetika, eventuell in Kombination mit Ipratropiumbromid eingesetzt werden.

  • Bei Beginn der Symptome können eventuell auch Leukotrien-Antagonisten angewendet werden.

  • Bei schweren Exazerbationen sollten systemische Kortikosteroide unter stationärer Kontrolle gegeben werden.

  • Die Anwendung hoch dosierter inhalierbarer Kortikosteroide wird wegen schlechter Wirkung nicht empfohlen.

Über die Anwendung lang wirksamer β2-Sympathomimetika liegen für diese Altersgruppe keine Daten vor.
Die infektinduzierten obstruktiven Bronchitiden sprechen in der Regel nicht auf eine präventive antientzündliche Therapie mit inhalativen Steroiden an, ein möglicher Übergang in rezidivierende Formen kann nicht verhindert werden (Panickar und Grigg 2006).
Bronchiolitis
Eine besondere Form der obstruktiven Bronchitis ist die Bronchiolitis im ersten Lebensjahr. Hierunter versteht man eine erste schwere obstruktive Episode mit Atemnotsyndrom nach Infekt der oberen Atemwege, die mit einer Tachydyspnoe, einer Überblähung der Lunge und mit einem Knisterrasseln einhergeht.
Die Krankheit ist charakterisiert durch
  • entzündliche Veränderungen der Bronchiolen mit Schleimhautschwellung,

  • Schleimablagerung,

  • intraluminale Zelldesquamation,

  • funktionelle Obstruktion und

  • schwere Überblähung.

Häufig wird eine Bronchiolitis durch RS-Viren verursacht, die kleinsten Atemwege sind mit betroffen.
Die Therapie ist meist nur symptomatisch.
Systematische Metaanalysen ergaben, dass weder inhalative noch orale Medikamente den natürlichen Verlauf der akuten Bronchiolitis beeinflussen und auch nicht die Dauer einer Hospitalisation oder Sauerstoffgabe verkürzen (Barben und Hammer 2004).
Die bronchiale Hyperrreaktivität nach RSV-Infektion kann über Monate persistieren.
Rezidivierender Verlauf
Rezidivierende oder persistierende Verläufe obstruktiver Bronchitiden treten vor allem bei Kindern mit atopischer Belastung auf (Tab. 3).
  • Diese Kinder zeigen auch zwischen den Rezidiven interkurrente Symptome mit persistierender Entzündung.

  • Die Eltern können aus der Vorgeschichte über Leistungseinschränkung, Trinkschwäche und Gedeihstörung beim Kleinkind, persistierendem Husten, Atemnot oder giemende Atemgeräusche bei unspezifischen Reizen (Rauch, Kälte etc.) berichten.

Diese Erkrankungen persistieren häufig bis in das Schulalter.
Zur präventiven Therapie können bei diesen Kindern zur Verbesserung der Symptome inhalative Steroide eingesetzt werden (Guilbert et al. 2006).

Literatur

Barben and Hammer, 2004

J Barben J Hammer Behandlung der akuten Bronchiolitis Schweiz Med Forum 4 10 2004 251 253

Frey and von Mutius, 2009

U Frey E von Mutius The challenge of managing wheezing infants N Engl J Med 360 20 2009 2130 2133

Guilbert et al., 2006

T.W. Guilbert W.J. Morgan R.S. Zeiger Long term inhaled corticosteroids in preschool children at high risk for asthma N Engl J Med 354 2006 1985 1997

Panickar and Grigg, 2006

J.R. Panickar J Grigg Controversies in the management of preschool viral wheeze Paediatr Respir Rev 7 2006 293 298

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