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B978-3-437-22107-1.50164-3

10.1016/B978-3-437-22107-1.50164-3

978-3-437-22107-1

Parasitäre Krankheiten

B. Lembcke

Kernaussagen

  • Mittel der ersten Wahl bei Lambliasis ist Metronidazol.

  • Bandwurmbefall (T. saginatum, T. solium, Diphyllobothrium latum) wird mit Niclosamid, Mebendazol oder Praziquantel behandelt.

  • Nematodeninfektionen können erfolgreich mit Mebendazol oder Pyrantel behandelt werden.

  • Mittel der Wahl in der Behandlung der Strongyloidiasis sind Ivermectin oder Thiabendazol, sowie Albendazol.

  • Hakenwürmer werden bevorzugt mit Mebendazol oder Pyrantelpamoat behandelt. Neben der speziellen Chemotherapie muss ein Ausgleich des schweren Protein- und Blutverlustes erfolgen, allerdings ist äußerste Zurückhaltung gegenüber Transfusionen angebracht.

  • Eine erfolgreiche Behandlung von Oxyuren kann infolge ständiger Reinfektion nur durch die Kombination von Allgemeinmaßnahmen und medikamentöser Therapie erreicht werden.

  • Ziel der Therapie einer Amöbiasis ist die Eliminierung der Trophozoiten und die Eradikation der luminalen Zysten.

  • Amöbenkolitis und Amöbenabszess werden bevorzugt mit Metronidazol behandelt, zur Elimination der Zysten kann Diloxanidfuroat eingesetzt werden.

Lambliasis

Giardia lamblia ist ein weltweit verbreiteter Erreger, mit einer Häufung des Vorkommens in Russland. Hauptsymptome sind Durchfälle – muffiger Geruch, oft grau -, aber auch dyspeptische Beschwerden.
Das Protozoon wird im Duodenalaspirat, im Stuhl oder – sicherer – in einer Duodenalbiopsie nachgewiesen.
Häufig ist eine Koinzidenz mit anderen Krankheiten des Gastrointestinaltrakts: z.B. Achlorhydrie, exokrine Pankreasinsuffizienz, Agammaglobulinämie und AIDS.

Therapie

Das Medikament der ersten Wahl ist Metronidazol.
Quinacrin, das erste erfolgreich eingesetzte Medikament, ist nicht mehr verfügbar.

CAVE

! Während der Schwangerschaft sollte eine Behandlung der Lambliasis nach Möglichkeit bis nach der Entbindung zurückgestellt werden und das Stillen unter Therapie unterbleiben.

In schweren Fällen ist in der Schwangerschaft die Therapie mit Paromomycin (Humatin®) möglich: 25–35 mg/kg KG/Tag verteilt auf 3 Dosen über 7 Tage.

Metronidazol

Wirkungsweise
Metronidazol (z.B. Clont®) wird in anaeroben Organismen reduziert, wodurch über einen Diffusionsmechanismus hohe intrazelluläre Konzentrationen erzielt werden. DNS-Bindung der reduzierten Form hemmt die Nukleinsäuresynthese und fördert die Apoptose.
Dosierung
  • 3 × 250–400 mg/Tag oral über 5–7 Tage

  • Kinder: 3 × 5 mg/kg KG/Tag.

Therapeutische Wirksamkeit
Gesichert (80–95%), kaum Therapieversager.
Nebenwirkungen
  • Alkoholunverträglichkeit mit deliranten Zuständen

  • uncharakteristische gastrointestinale Störungen.

Schwerwiegende Schäden – Polyneuropathie, Chromosomenaberrationen – wurden bei der angegebenen Dosierung bisher nicht beobachtet.
Die einfachere Handhabung spricht auch für den Einsatz anderer Imidazolderivate als wirksame Alternative:
  • Ornidazol: empfohlene Einzeldosis 1,5–2 g oder

  • Tinidazol (Simplotan®): 2 g für Erwachsene

Diese Präparate sind in Deutschland jedoch nicht gelistet.

Zestoden

Ingestion von Finnen des Rinder- (92%), Schweineoder Fischbandwurms in rohem Fleisch oder Fisch führt zum relativ unkomplizierten Zestodenbefall (s. S 9.1-5).
Zur Zystizerkose – Organbefall von Auge, Herz und Gehirn mit Finnen des Schweinebandwurms – kann es durch Aufnahme von Eiern (Taenia solium) unter unhygienischen Bedingungen bei Beherbergung gravider Proglottiden des Schweinebandwurms kommen.
Symptome des Bandwurmbefalls sind
  • Verdauungsbeschwerden

  • Bauchschmerzen

  • Abgang von Proglottiden und

  • Anämie.

Therapie

Bei der Behandlung intestinaler Zestodeninfektionen ist Praziquantel (Cesol®) das Mittel der Wahl und dem Niclosamid – vor allem bei der Hymenolepiasis – überlegen.
Praziquantel (Biltricide®, Cesol®, Cysticide®) wird mit 10–20 mg/kg KG als Einmaldosis gegeben.
Allerdings hat sich Niclosamid (Yomesan®) bei den heimischen Bandwürmern (T. saginatum, T. solium, Diphyllobothrium latum) bewährt.
Alternativ kommt die Behandlung mit Mebendazol (Vermox®, Surfont®) in einer Dosierung von 2 × 200–300 mg/Tag über 3 Tage infrage.
Bei Obstipation sowie grundsätzlich bei Befall mit T. solium (Zystizerkosegefahr) ist Abführen mit Magnesium sulfuricum (15 g in 100 ml) zu gewährleisten. Die Behandlung der manifesten Zystizerkose besteht meist in (neuro-) chirurgischen Maßnahmen und symptomatischer Therapie zerebraler Entzündungserscheinungen sowie Praziquantel-Gabe 3 × 20 mg/kg KG/Tag über 15 Tage.
Niclosamid (Yomesan ® )

Wirkungsweise

Niclosamid hemmt die ATP-Synthese durch Blockade der oxidativen Phosphorylierung in den Mitochondrien der Zestoden.

Dosierung

2 g/Tag als Einmaldosis (zerkaut) nach dem Essen (Kautabletten), Kinder (2–6 Jahre) 1 g/Tag als Einmaldosis. Saure Fruchtsäfte vor Tabletteneinnahme fördern die Zugänglichkeit des Medikaments zum Wurm.

Nebenwirkungen

Gelegentlich unbedeutsame abdominelle Beschwerden wie Übelkeit, aber allgemein keine unerwünschten Effekte.

CAVE

! Nicht während einer Schwangerschaft geben.

Therapeutische Wirksamkeit

Niclosamid hat sich ausgezeichnet bewährt.

Glaubersalz

Besondere laxierende Maßnahmen sind unter der Therapie mit Niclosamid nicht erforderlich, eine Abführdosis Glaubersalz 2 Stunden nach der Einmaldosis erleichtert aber die Parasitenausschwemmung und ist beim Schweinebandwurm zwingend wegen der Gefahr der Zystizerkose.

Askariasis (Ascaris lumbricoides)

Bewährte Mittel zur Behandlung von Krankheiten durch Nematoden (s. 11.7) sind Mebendazol und Pyrantel.
Mebendazol (Vermox®, Surfont®)
Mebendazol ist das Mittel der Wahl in der Behandlung der Ascaris- und Oxyuren-Infektion.

Wirkungsweise

Mebendazol hemmt die mitochondriale Phosphorylierung und Glukoseaufnahme in Askariden und schädigt die intestinalen Zellen des Parasiten.

Dosierung

2 × 100 mg/Tag (1 Tabl. morgens und abends) an 3 aufeinanderfolgenden Tagen.

Therapeutische Wirksamkeit

Sehr gut (84–100%).

Nebenwirkungen

Die Verträglichkeit ist gut; gelegentlich treten Bauchschmerzen, Durchfälle und Erbrechen auf.
Kontraindikationen
  • Schwangerschaft während der ersten 6 Monate.

  • Für die Behandlung von Kindern unter 2 Jahren liegen noch nicht genügend klinische Daten vor.

  • Leberinsuffizienz.

  • Die gleichzeitige Gabe von Metronidazol ist kontraindiziert.

Pyrantel (Helmex®) Pyrantel ist ausgezeichnet wirksam gegen Askariden, Ancylostoma duodenale, Necator americanus, Oxyuren und Trichiuren.

Wirkungsweise

Pyrantel hemmt die Cholinesterase an der motorischen Endplatte des Parasiten und führt zur Lähmung durch eine Depolarisationsblockade.
Dosierung
  • Erwachsene: einmalige Gabe von 3 Tabl. Helmex entsprechend 10 mg/kg KG der Base

  • Kinder unter 12 Jahren: einmalig 2 Tabl.

  • Kinder unter 6 Jahren: 5 ml Helmex®-Suspension

  • Kleinkinder (6–24 Monate): 2,5 ml der Suspension.

Therapeutische Wirksamkeit

Sehr gut (90–100%).
Nebenwirkungen
  • Pyrantelpamoat ist allgemein gut verträglich

  • selten treten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Benommenheit auf.

Kontraindikationen

In der Schwangerschaft und bei Säuglingen sollte Pyrantel nicht angewandt werden.

Strongyloidiasis

Mittel der Wahl in der Behandlung des Befalls mit Strongyloides stercoralis sind Albendazol, Ivermectin oder Thiabendazol.
Albendazol (Eskazole ® )

Wirkungsweise

Albendazol bewirkt die selektive Degeneration zytoplasmatischer Mikrotubuli intestinaler und tegmentaler Zellen der Helminthen. Es kommt zu einer Hemmung der Glukoseaufnahme. Hemmung der Cholinesterasebildung sowie ATP-Verarmung führen zu Immobilisation und Wurmtod.
Dosierung
  • 800 (400) mg/Tag über 3–7 Tage.

  • Zulassung als Behandlungsversuch.

  • Bei Bedarf Wiederholung nach 14–21 Tagen.

Nebenwirkungen
  • Kopfschmerzen (11%)

  • Benommenheit

  • Schwindel (1%)

  • Bauchschmerzen

  • Übelkeit.

Therapeutische Wirksamkeit

Albendazol wirkt sehr gut, ist aber Ivermectin bei niederer Dosis und kurzer Anwendung unterlegen.
Die Einnahme mit fettreicher Mahlzeit wird empfohlen.
Ivermectin (Stromectol ® )
Ivermectin ist in den USA erhältlich, in Deutschland ist es nicht im Handel.

Wirkungsweise

Ivermectin bindet an Chloridionenkanäle in Nerven- und Muskelzellen der Parasiten, was zu einer erhöhten Chloridionenpermeabilität der Zellmembran und Hyperpolarisation in Nerven- und Muskelzellen und schließlich zum Tod des Parasiten führt.
Dosierung
  • 100 μg/kg KG/Tag für 2 Tage oder

  • 200 μg/kg KG/Tag einmalig. Die Gabe von 200 μg/kg KG über 3 Tage ist möglich.

Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen sind geringer als bei Thiabendazol.
  • Pruritus

  • papulöses Exanthem

  • Benommenheit

  • periphere und Gesichtsödeme sowie

  • Konjunktivitis.

Therapeutische Wirksamkeit

Als Einmaldosis mit 150–200 μg/kg KG werden 83% Heilung bei Strongyloidiasis erreicht im Vergleich zu 38% durch Albendazol.
Thiabendazol (Mintezol ® )
Thiabendazol ist in den USA erhältlich, in Deutschland ist es nicht mehr im Handel.

Wirkungsweise

Thiabendazol hemmt die mitochondriale Fumaratreduktase der Helminthen.
Dosierung
  • 50 mg/kg KG/Tag verteilt auf 2 Dosen (morgens und abends nach dem Essen) über 2 Tage

  • max. 6 Tabl. (3 g/Tag).

Nebenwirkungen
  • Relativ häufig: Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Benommenheit mit

  • beeinträchtigtem Reaktionsvermögen (Fahrverbot, Cave: Arbeit an Maschinen!).

  • selten: Sehstörungen, Urtikaria.

  • Informationen des Herstellers beachten!

Therapeutische Wirksamkeit

70–100% Heilungserfolge bei Strongyloidiasis.
✓ Zur Behandlung der Askariasis und bei Oxyuren stehen verträglichere Präparate zur Verfügung.

Zu beachten:

Die Anwendung von Thiabendazol bei anderen Helminthosen als der Strongyloidiasis sollte aufgrund der Nebenwirkungen vermieden werden.

Hakenwürmer

Krankheiten durch Hakenwürmer (Ancylostoma duodenale, Necator americanus) kommen in Mitteleuropa nur noch selten vor. Der Parasit benötigt ein feuchtwarmes Milieu, wie es in Gruben oder beim Tunnelbau vorkommt (Berufskrankheit!).
Neben der speziellen Chemotherapie ist ein Ausgleich des schweren Protein- und Blutverlustes anzustreben, wobei äußerste Zurückhaltung gegenüber Transfusionen angebracht ist.
Mittel der ersten Wahl sind Mebendazol und Pyrantelpamoat. Als Alternative kommt Albendazol in Frage.

Therapieempfehlung

  • Mebendazol (Vermox®, Surfont®) 2 × 100 mg/Tag über 3 Tage oder

  • Pyrantel embonat (Helmex®) 10 mg/kg KG/Tag (max. 1 g) über 3 Tage.

  • Als Alternative Albendazol (Eskazole®) 400 mg als Einmaldosis über 3 Tage.

Oxyuren

Madenwürmer (Enterobius vermicularis) werden häufig bei Kindern gefunden.

Als Faustregel gilt:

Infolge ständiger Reinfektionen (perianal-oral) kann eine erfolgreiche Behandlung nur durch die Kombination von Allgemeinmaßnahmen und medikamentöser Therapie erreicht werden.

Allgemeinmaßnahmen

  • Kurzschneiden der Fingernägel

  • häufige Reinigung: nach dem Stuhlgang, vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen ist auch für kleine Kinder einprägsam

  • Nützlich sind Pyjamahosen, die zugebunden werden können oder Overalls.

  • Bett-, Nacht- und Unterwäsche müssen gekocht werden.

  • Waschen der Analregion nach jedem Stuhlgang.

Medikamentöse Therapie

Sie hat nur einen Zweck, wenn die o.a. Allgemeinmaßnahmen eingehalten werden und alle Familienmitglieder mitbehandelt werden.
Pyrvinium(embonat) (Molevac®, Pyrcon®)

Wirkungsweise

Pyrvinium bewirkt eine Enzymhemmung im oxidativen Stoffwechsel der Oxyuren.
Dosierung
  • einmalig 5 mg/kg KG als Dragees oder Suspension

  • Wiederholung nach 14 Tagen

  • Einzeldosis sollte 250 mg (5 Drg.) nicht überschreiten.

Therapeutische Wirksamkeit

Die Therapie mit Pyrvinium ist eine zuverlässige Behandlungsmethode mit 90–100% Erfolgsrate. Dennoch wird häufiger eine Wiederholung der Wurmkur notwendig, da die Reinfektionsrate hoch ist.

Nebenwirkungen

  • Pyrvinium ist gut verträglich

  • selten kommt es zu Übelkeit und Erbrechen.

  • Der Stuhl wird rot verfärbt (harmlos).

Alternativen

Bei resistenten Fällen (allgemeine hygienische Maßnahmen eingehalten?) kann eine Behandlung mit Mebendazol (Vermox®) oder Pyrantel (Helmex®) erfolgen.

Dosierung

  • Mebendazol (Vermox®) einmalig 2 × 100 mg/Tag, nach 2 Wochen Wiederholung.

  • Pyrantel (Helmex®) 3 × 5 ml der Suspension (Erwachsene).

Wiederholung nach 14 Tagen.
Wirkungsweise, Nebenwirkungen, Dosierrichtlinien für Kinder s. oben unter Askariasis.

Amöbiasis

Nicht nur der Gewebs-Parasitismus durch Magnaformen von E. histolytica, sondern auch die asymptomatische intestinale Amöbiasis (Kommensalismus der Minutaform des Erregers) bedarf der Behandlung, da diese z.B. durch lokale, z.B. bakterielle Darminfektion, oder allgemeine, nutritiv bedingte Resistenzminderung zum gravierenden intestinalen und extraintestinalen Krankheitsbild konvertieren kann (F 6.1). Ziel der Therapie ist die Eliminierung der Trophozoiten und die Eradikation der luminalen Zysten.
Mittel der Wahl bei der Amöbenkolitis ist Metronidazol, das auch auf die Zystenformen wirkt, Diloxanidfuroat kommt als zusätzliche Gabe zur Elimination von Zysten in Frage.
In der Regel wird der Amöbenabszess der Leber nicht punktiert oder drainiert. Ausnahme: Rupturgefahr bei Größenzunahme, linker Leberlappen.

Metronidazol (Clont®)

Mittel der Wahl bei invasiv-intestinaler (Amöbenkolitis) und hepatischer (Amöbenabszess) Amöbiasis.

Wirkungsmechanismus

Die Interaktion mit der DNS führt zu Veränderungen ihrer Helixstruktur, was zu Hemmung der Proteinsynthese und Zelltod von Bakterien und Parasiten führt.

Dosierung

  • 3 × 750 mg/Tag über 10 Tage, u.U. länger

  • Kinder 35–50 mg/kg KG verteilt auf 3 Dosen (10 Tage).

Therapeutische Wirksamkeit

Bei Darmwandamöbiasis, Amöbenkolitis und Leberabszessen durch E. histolytica wird in 90% der Fälle Heilung erreicht.

Nebenwirkungen

  • Alkoholintoleranz

  • gelegentlich reversible Leukopenie

  • Benommenheit

  • Übelkeit

  • metallischer Geschmack

  • Stimulation von Pilzwachstum, z.B. Kolpitis.

  • Nach längerer Behandlung mit hohen Dosen ist eine periphere Neuropathie möglich.

Alternativen

Infrage kommen Tinidazol oder Ornidazol, jeweils 2 g über 2–3 Tage. In Deutschland kein Präparat zugelassen.
Bei fehlendem Ansprechen von Metronidazol werden Chloroquin (Resochin) 600 mg/Tag für 2 Tage, dann 300 mg/Tag über 2–3 Wochen oder Dihydroemetin eingesetzt, die schlecht verträglich sind.
Eine Kombination von Metronidazol mit Paromomycin (Humatin®), 30 mg/kg KG verteilt auf 3 Dosen über 5–10 Tage, oder Tetrazyklinhydrochlorid (Hostacyclin®), 4 × 250 mg/Tag erscheint bei schwerer Amöbenkolitis zweckmäßig.

Diloxanidfuroat (Furamide®, USA)

Wirkungsweise
Diloxanidfuroat ist ein Kontaktamöbizid zur Behandlung von Zystenträgern.

Dosierung

  • 3 × 500 mg/Tag über 10 Tage

  • Für Kinder unter 12 Jahren beträgt die zu verteilende Tagesdosis 20 mg/kg KG.

Therapeutische Wirksamkeit

86–90% Elimination der Zystenformen.

Nebenwirkungen

Bislang sind keine nennenswerten Nebenwirkungen bekannt.
  • gelegentlich Flatulenz

  • selten Hautjucken

  • Sehstörungen bei Therapiebeginn (reversibel nach Absetzen der Medikation).

CAVE

! Bei Verwendung von Diloxanidfuroat ist das Verfallsdatum zu beachten.

Die Zystenelimination kann auch mit Paromomycin (Humatin®), 30 mg/kg KG/Tag per os verteilt auf 3 Dosen über 10 Tage, erreicht werden, wenn Furamide nicht zur Verfügung steht.

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