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B978-3-437-22107-1.50241-7

10.1016/B978-3-437-22107-1.50241-7

978-3-437-22107-1

Differenzialdiagnose der Penistumoren

Tabelle 1
Benigne
  • Angiome, Fibrome, Myome

  • Condylomata acuminata

Prämaligne
  • Buschke Löwenstein (Riesenkondylome, Condylomata gigantea)

  • Balanitis xerotica obliterans

  • Leukoplakie

CIS
  • Erythroplasie Queyrat

  • Morbus Bowen (Dermatosis praecancerosa Bowen, Bowen-Karzinom, Dyskeratosis maligna)

Maligne
  • Plattenepithelkarzinom

  • Sarkome

  • Kaposi-Sarkom

  • Malignes Melanom

Peniskarzinom

S. Rogenhofer

S.C. Müller

Kernaussagen

  • In westlichen Ländern Ist das Peniskarzinom ein seltenes Krankheitsbild.

  • Die Zirkumzision vor der Pubertät reduziert das Risiko an einem Peniskarzinom zu erkranken.

  • Lokal begrenzte Karzinome der Stadien Tis, Ta, T1a sollten organerhaltend therapiert werden.

  • Ab Stadium T2 ist eine partielle oder totale Penektomie die Therapie der Wahl.

  • Das Management bezüglich einer inguinalen Lymphadenektomie wird nach wie vor kontrovers diskutiert.

  • Eine ausführliche Aufklärung der Patienten und eine psychologische Begleitung sind wesentlich in der Therapie eines Peniskarzinoms.

Vorbemerkungen

Trotz großer geographischer Unterschiede ist das Peniskarzinom in den westlichen Ländern mit einer Inzidenz von weniger als 1 von 100.000 Männern ein seltenes Krankheitsbild. In Indien dagegen liegt die Inzidenz bei 3 pro 100.000 und in Brasilien gar bei 8,3 pro 100.000 Männer (Barnholtz-Sloan et al. 2007, Parkin et al. 2002).
Hauptrisikofaktoren sind soziale und kulturelle Gewohnheiten, Genitalhygiene und religiöse Praktiken (Misra et al. 2004). So reduziert z. B. die Zirkumzision vor der Pubertät das Risiko an einem Peniskarzinom zu erkranken um das 3- bis 5-Fache (Daling et al. 2005). Ätiologisch findet sich ein Zusammenhang mit den humanen Papillomaviren. Histologisch handelt es sich nahezu immer um hochdifferenzierte, verhornende Plattenepithelkarzinome.

Diagnose/Differenzialdiagnose

Es handelt sich meist um papillär exophytische Tumoren oder Ulzera der Glans penis ohne Abheilungstendenz. Bei einer Phimose verdeckt häufig die Vorhaut den Befund, sodass lediglich unregelmäßige Verhärtungen zu tasten sind. Differenzialdiagnostisch müssen andere Erkrankungen, Metastasen und sogenannte Präkanzerosen berücksichtigt werden (▸ Tabelle 1). Besteht der Verdacht auf ein Peniskarzinom, muss dieser histologisch bestätigt bzw. ausgeschlossen werden. Die Biopsie kann als alleinige Intervention oder über Schnellschnittdiagnostik mit einer definitiven Therapie des Primärtumors erfolgen. Eine akkurate histologische Diagnose und ein gutes Staging des Primärtumors und der regionalen Lymphknoten sind notwendig um weitere therapeutische Entscheidungen zu treffen.

Therapie

Lokal begrenzte Karzinome der Stadien Tis, Ta, T1a sollten organ erhaltend therapiert werden. Sowohl die chirurgische Exzision als auch die Lasertherapie zeigen hier onkologisch und auch kosmetisch zufriedenstellende Resultate (Bandieramonte et al. 2008). Eine engmaschige Nachsorge muss gewährleistet sein. Die Stadien T1b (T1G3) und T2 (auf die Glans beschränkt) können mit einer schnellschnittgesteuerten Glansektomie therapiert werden. Spätestens ab dem Stadium T2 (mit Invasion der Korpora) ist eine partielle oder totale Penektomie die Therapie der Wahl (Smith et al. 2007).
Das Management bezüglich einer inguinalen Lymphadenektomie wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Hier ist zu erwähnen, dass beim Tumorgrading des Peniskarzinoms große Unterschiede zwischen den verschiedenen Pathologen vorherrschen – hier muss zeitnah eine Standardisierung erfolgen, da derzeit von dem uneinheitlichen Tumorgrading die Indikation zur Lymphadenektomie abhängig gemacht wird. Bei oberflächlichen Stadien (Tis, Ta, T1G1) sollte bei nicht tastbaren inguinalen Lymphknoten auf die Lymphadenektomie verzichtet werden (Pizzocaro et al. 2010). Ab dem Tumorstadium T1G2 sollte eine frühzeitige Lymphadenektomie erfolgen. Da die Morbidität einer inguinalen Lymphadenektomie hoch ist, sollte bei nicht tastbaren Lymphknoten eine Kombination der Sentinel-Note-Biopsie mit modernen nuklearmedizinischen Methoden durchgeführt werden (Protzel et al. 2013, Sadeghi et al. 2012). Bei tastbaren inguinalen Lymphknoten sollte eine histologische Sicherung mittels Feinnadelbiopsie vor der notwendigen beidseitigen Lymphadenektomie durchgeführt werden (Saisorn et al. 2006), da wegen der häufig vorhandenen Superinfektion des Primärtumors in 50% reaktiv vergrößerte inguinale Lymphknoten vorhanden sind. Ist die Feinnadelbiopsie nicht zielführend kann eine antibiotische Vorbehandlung erwogen werden. Kommt es unter der antibiotischen Therapie zu einem Rückgang der Lymphknotenvergrößerung kann auf eine extendierte Lymphadenektomie verzichtet werden.
Bei Patienten mit mehr als einer Lymphknotenmetastase nach radikaler Lymphadenektomie ist eine adjuvante Chemotherapie in der Kombination Cisplatin und 5FU zu diskutieren. In der palliativen Situation wird meist eine Kombination aus 5FU, Bleomycin, Methotrexat, Paclitaxel und Cisplatin verwendet (Pizzocaro et al. 1988).

Prognose

Ohne Lymphknotenbeteiligung besteht bei adäquater lokaler Resektion des Primärtumors eine günstige Prognose. Die 5-Jahres-Überlebensrate sinkt auf 50% im Stadium N2 und auf ca. 10% bei bilateralem Lymphknotenbefall.

Psychosomatische Aspekte

Die operative Behandlung des Peniskarzinoms ist aufgrund des partiellen oder totalen Organverlusts oft mit schweren psychologischen Traumata verbunden. Die Angst vor Verstümmelung und Beschneidung der sexuellen Aktivität sind häufig Grund für eine Therapieverzögerung. Eine ausführliche Aufklärung der Patienten und eine psychologische Begleitung sind daher wesentlich.

LITERATUR

Bandieramonte et al., 2008

G. Bandieramonte M. Colecchia L. Mariani Peniscopically controlled CO2 laser excision for conservative treatment of in situ and T1 penile carcinoma: report on 224 patients. Eur Urol 54 4 2008 875 882

Barnholtz-Sloan et al., 2007

J.S. Barnholtz-Sloan J.L. Maldonado J. Pow-sang Incidence trends in primary malignant penile cancer. Urol Oncol 25 5 2007 361 367

Daling et al., 2005

J.R. Daling M.M. Madeleine L.G. Johnson Penile cancer: importance of circumcision, human papillomavirus and smoking in situ and invasive disease. Int J Cancer 116 4 2005 606 616

Misra et al., 2004

S. Misra A. Chaturvedi N.C. Misra Penile carcinoma: a challenge for the developing world. Lancet Oncol 5 4 2004 240 247

Parkin et al., 2002

D.M. Parkin S.L. Whelan J. Ferlay Cancer Incidence in Five Continents VIII 2002 IARC Lyon, France IARC Scientific Publications. No. 155.

Pizzocaro et al., 2010

G. Pizzocaro F. Algaba S. Horenblas E. Solsona S. Tana H. Van Der Poel N.A. Watkin European Association of Urology (EAU) Guidelines Group on Penile Cancer. EAU penile cancer guidelines 2009 Eur Urol. 57 6 2010 1002 1012

Pizzocaro and Piva, 1988

G. Pizzocaro L. Piva Adjuvant and neoadjuvant vincristine, bleomycin, and methotrexate for inguinal metastases from squamous cell carcinoma of the penis Acta Oncol 27 6b 1988 823 824

Protzel et al., 2013

Protzel C, Kakies C, Erbersdobler A et al.: Wie verlässlich ist das Tumorgrading beim Penis- karzinom – Ergebnisse einer europäischen Studie, Abstract DGU. Dresden, 2013.

Sadeghi et al., 2012

R. Sadeghi H. Gholami S.R. Zakavi Accuracy of sentinel lymph node biopsy for inguinal lymph node staging of penile squamous cell carcinoma: systematic review and meta-analysis of the literature. Sadeghi R, Gholami H, Zakavi SR et al. J Urol. 187 1 2012 25 31

Saisorn et al., 2006

I. Saisorn N. Lawrentschut S. Leewansangtong Fine-needle aspiration cytology predicts inguinal lymph node metastases without antibiotic pretreatment in penile carcinoma. BJU Int 97 6 2006 1125 1128

Smith et al., 2007

Y. Smith P. Hadway O. Biedrzycki Reconstructive surgery for invasive squamous cell carcinoma of the glans penis. Eur Urol 52 4 2007 1179 1185

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