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B978-3-437-22107-1.50413-1

10.1016/B978-3-437-22107-1.50413-1

978-3-437-22107-1

Proteus

R. Roos

Kernaussagen

  • Proteus-Infektionen können unterschiedlich verlaufen, verhältnismäßig häufig findet man den Erreger bei Harnweginfektionen und bei Knaben mit Balanitis.

  • Bei abwehrgeschwächten Patienten kann der Erreger hämatogen streuen und zur Sepsis führen.

  • Die Diagnostik erfolgt durch den mikrobiologischen Nachweis.

  • Die Therapie wird mit Antibiotika durchgeführt, wobei darauf zu achten ist, dass Proteus Betalaktamasen bilden und damit resistent gegenüber Penicillinen und Cephalosporinen werden kann. Bevorzugt werden Cephalosporine der 3. Generation und Aminoglykoside.

Wie Serratien-Infektionen (▸ S 3.20 – 1) können Proteus-Infektionen die verschiedensten Infektionsverläufe hervorrufen. Allerdings sind bei einigen Infektionen Proteus-Spezies häufiger zu finden.

Proteus tritt bei ca. 5–10% der Harnweginfektionen als Erreger auf. Der Erreger bildet Urease, die den Urin-pH-Wert ansteigen lässt. Dieser alkalisierte Urin begünstigt die Bildung von Steinen und damit eine Nephrolithiasis. Deswegen sollte bei Nachweis von Proteus sp. bei einer Harnweginfektion immer nach einem Nierenstein gesucht werden.

Bei Knaben ist Proteus mirabilis ein häufiger Erreger einer Balanitis, die zur eitrigen Sekretion, Rötung und Schwellung des Praeputiums führt.

Durch kontaminierte Nahrungsmittel wurden epidemische Ausbrüche einer Gastroenteritis beschrieben.

Bei Wundinfektionen, insbesondere bei gangränösen Wunden, Brandverletzungen, findet sich gelegentlich Proteus als Erreger.

Bei Infektionen des Neugeborenen, insbesondere bei der frühen Sepsis kurz nach Geburt, aber auch bei Sepsis von erwachsenen Intensivpatienten, ist Proteus manchmal zu isolieren.

Selten verursacht Proteus sp. eine Osteomyelitis, Pneumonie und Mastoiditis.

Bei den beschriebenen Infektionen kann Proteus mirabilis bei jedem Patienten, insbesondere bei Abwehrschwäche, z. B. bei Intensivpatienten, hämatogen streuen und zur Sepsis führen.

Ähnlich wie Serratien kann auch Proteus als nosokomiale Infektion in Kliniken zu Infektionen wie Sepsis, Pneumonie bei Beatmung etc. führen.

Diagnostische Voraussetzungen

Entscheidend ist der mikrobiologische Nachweis von Proteus in entsprechenden Untersuchungsmaterialien wie Blutkultur, Liquor, Wundabstrich, Urin – 105/ml mit [!] entsprechender Leukozyturie –, Abstrich aus dem Praeputium. Die Keimzählung von Proteus mirabilis auf Agarplatten ist manchmal durch das Ausschwärmen des Erregers und Konfluieren der Kolonien erschwert.

Therapie

Proteus mirabilis ist in der Regel empfindlich auf Penicilline wie Ampicillin, Mezlocillin und Piperacillin, jedoch sicher empfindlich gegenüber Cephalosporinen der 3. Generation und Aminoglykosiden.

CAVE

Proteus kann Betalaktamasen bilden und ist dann resistent gegenüber Penicillinen, seltener auch Cephalosporinen.

Die Therapie erfolgt aufgrund der möglichen Resistenzbildung bei systemischen Infektionen vorwiegend intravenös, z. B. mit Cefotaxim – Alternative: z. B. Ceftriaxon –, unter Umständen kombiniert mit einem Aminoglykosid.
Bei Cephalosporinresistenz ist eine Therapie mit Carbapenemen, bei Erwachsenen auch Quinolonen, in der Regel erfolgreich.
Die Dauer der antibiotischen Therapie und der adjuvanten Therapie richtet sich nach den üblichen Prinzipien – z. B. Wunddébridement, Abszessdrainage, Entfernung des Harnsteins – und dem Verlauf der Infektion. Die Prognose der Erkrankung ist abhängig von der Grunderkrankung.

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