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B978-3-437-22107-1.50422-2

10.1016/B978-3-437-22107-1.50422-2

978-3-437-22107-1

Rickettsien

U. Wintergerst

Kernaussagen

  • Die meisten Rickettsien werden durch Stiche von Ektoparasiten wie Zecken oder Flöhe übertragen. Nach einer Inkubationszeit von 7–14 Tagen treten die typischen Symptome einer Rickettsien-Infektion wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, bisweilen Atemnot und – je nach Erreger – ein petechiales Exanthem auf. Risikofaktoren für schwere Verläufe sind Glukose-6-Phosphatase-Mangel, männliches Geschlecht und Therapie mit Sulfonamiden.

  • Rickettsien-Infektionen sind z. B. Fleckfieber, Mittelmeerfieber, Q-Fieber sowie verschiedene “Spotted ”-Fieber. Der Nachweis erfolgt serologisch.

  • Mittel der Wahl bei Rickettsien-Infektionen ist Tetrazyklin, in schweren Fällen Doxycyclin i. v.

Rickettsien sind kleine (0,3–0,6 μm × 0,8–1,0 μm), rundliche, gramnegative Mikroorganismen, die zwar RNA und DNA besitzen, jedoch auf den Stoffwechsel (Coenzym A, NAD, ATP) einer Wirtszelle angewiesen sind, also intrazellulär leben. Fast ausnahmslos müssen sie in Zellkulturen oder in Versuchstieren gezüchtet werden.

Zu den Rickettsiosen zählen

  • Fleckfieber (R. prowazekii),

  • Rocky-Mountain-Spotted Fieber (R. rickettsii),

  • Mittelmeerfieber (R. conorii) und

  • andere Spotted-Fieber sowie

  • Q-Fieber (Coxiella burnetii).

Coxiella burnetiiüberlebt Austro cknen und wird aerogen von Tieren oder Tierprodukten übertragen.

Alle anderen Rickettsien werden durch Stiche von Zecken, Flöhen, Milben oder Läusen übertragen.

Die Rickettsien vermehren sich in der Haut des Wirts, breiten sich über das Blut aus und haben eine Affinität zum Gefäßendothel der inneren Organe, z. B. Lunge, Milz, Gehirn und Haut.

Diagnostische Voraussetzungen

Die Diagnose kann durch serologischen Nachweis eines signifikanten Antikörpertiteranstiegs oder von IgM-Antikörpern gestellt werden, und zwar
  • mittels der Komplementbindungsreaktion– Fleckfieber, Q-Fieber – oder

  • des indirekten Immunfluoreszenztests mit höherer Sensitivität – Mittelmeerfieber, Tsutsugamushi-Krankheit.

Mittels PCR können die Erreger im Blut oder Gewebe, z. B. in Hautbiopsien von Patienten mit Exanthem, nachgewiesen werden. Die Methode ist derzeit allerdings nur in Speziallaboratorien verfügbar.

Therapie

Antimikrobielle Chemotherapie

Als Faustregel gilt:

Je frühzeitiger die Therapie beginnt, das heißt bei Beginn in der ersten Krankheitswoche, umso erfolgversprechender sind Antibiotika.

Mittel der Wahl sind bei Patienten > 8 Lebensjahre Doxycyclin i. v. oder oral: 2–4 mg KG/Tag in 1–2 Dosen, maximale Tagesdosis 200 mg für 7–14 Tage.
Bei Doxycyclin wurden bisher keine Zahnverfärbungen bei Kindern < 8 Jahre beobachtet. Bei entsprechender Indikation ist somit Doxycyclin das Tetrazyklin der Wahl.
Alternativ könnte Chloramphenicol– oral oder intravenös 50 mg/kg KG/Tag in 3–4 Dosen, maximale Tagesdosis 3 g – eingesetzt werden.
Die Therapie ist mindestens drei Tage, bei Fleckfieber mindestens fünf Tage über die komplette Entfieberung hinaus durchzuführen.
! Betalaktam-Antibiotika sind unwirksam.

Symptomatische Therapie

Bei hohem Fieber sind antipyretische Maßnahmen indiziert. Je nach klinischer Manifestation, z. B. Kreislaufversagen, kommen parenterale Flüssigkeitszufuhr und bei Hypoxie Sauerstoffzufuhr hinzu.

Prophylaxe

Impfstoffe sind bisher nicht praxisrelevant.
Eine Expositionsprophylaxe kann durch Bekämpfung oder Meidung der Vektoren, wie Entlausung von Kleidungsstücken, entsprechende Bekleidung bei Waldwanderungen in Zeckenregionen, angestrebt werden.
Beim Pasteurisieren von Milch werden Rickettsien zerstört.
Da es eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht gibt, ist eine Isolierung der Patienten nicht erforderlich.

LITERATUR

DGPI (Hrsg.), 2009

DGPI (Hrsg.) DGPI-Handbuch – Infektionen bei Kindern und Jugendlichen 5. Aufl. 2009 Thieme Verlag Stuttgart

Feigin and Cherry, 1992

R.D. Feigin Cherry JD Textbook of Pediatric Infectious Diseases 3rd ed. 1992 W. B. Saunders Philadelphia, London, Toronto, Montreal, Sydney, Tokyo

Krugman et al., 1992

S. Krugman S.L. Katz A.A. Gershon Infectious Diseases of Children 1992 Mosby St. Louis, Boston, Chicago, London, Philadelphia, Syndey, Toronto

Marschang et al., 1995

A. Marschang H.D. Nothdurft S. Kumlien Imported rickettsioses in German travelers Infection 23 1995 94 97

Report, 2012

Report of the Committee on Infectious Diseases 29th ed. 2012 American Academy of Pediatrics

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