© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22107-1.50437-4

10.1016/B978-3-437-22107-1.50437-4

978-3-437-22107-1

Röteln

R. Roos

Kernaussagen

  • Bei Kindern ist die Rötelninfektion aufgrund der Impfungen inzwischen selten geworden.

  • Eine Rötelninfektion während des 1. Trimenons der Schwangerschaft führt häufig zum Abort, überlebende Säuglinge weisen typische Organfehlbildungen auf und sind über Jahre hochinfektiös. Die Rötelnfetopathie – eine Infektion in der späteren Schwangerschaft – ist normalerweise selbstlimitiert.

  • Die klinische Diagnose ist in der Regel eindeutig. Bei Rötelnverdacht in der Schwangerschaft erfolgt der Nachweis meist serologisch.

  • Die Therapie ist symptomatisch, bei schweren Verläufen kann Ribavirin gegeben werden.

Das Rötelnvirus ist ein umhülltes RNS-Virus. Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion. Infektiös ist ein Patient ca. 7 Tage vor bis ca. 7 Tage nach dem Exanthemstadium. Aufgrund der Rötelnimpfungen sind Epidemien bei Kindern selten geworden.

CAVE

Leider muss aber immer noch bei bis zu 6% der Frauen im sog. gebärfähigen Alter mit fehlendem Antikörperschutz gerechnet werden. Daran ist besonders bei Frauen mit Migrationshintergrund aus Ländern mit niedriger Durchimpfungsrate zu denken.

Charakteristisch sind sub febrile Temperaturen, Exanthem, das mittelfleckig konfluiert und im Gesicht beginnt, okzipitale und retroaurikuläre Lymphknotenschwellungen und Splenomegalie. Selten findet sich passager ein Meningismus mit geringer Pleozytose im Liquor aufgrund einer Enzephalitis oder Enzephalomyelitis. In 20–30% der Fälle verläuft die Infektion inapparent. Bei Jugendlichen und Erwachsenen (meist Frauen) kann es zu transienten Arthralgien und Arthritiden kommen, die meist einige Tage nach dem Exanthem manifest werden. Konnatale Röteln entstehen nach Erstinfektion einer Schwangeren in 80–90% der Fälle im 1., in 30–40% der Fälle im 2. und 3. Trimenon. Die Übertragung auf den Fetus erfolgt diaplazentar während der Virämie.

Häufig führt die Rötelnembryopathie zum Abort oder zur Totgeburt. Eine Infektion des Embryos vor Abschluss der Organogenese resultiert in einer typischen Kombination von Organfehlbildungen (Gregg-Syndrom):

  • Hörstörungen

  • Herzfehler

  • Katarakt

  • Mikrophthalmus und Retinopathie

  • ZNS-Befall mit Mikrozephalus

  • Wahrnehmungsstörung und Hypotonie

  • Dystrophie und persistierende Wachstumsstörungen.

CAVE

Überlebende Säuglinge mit konnatalen Röteln sind hochinfektiös und scheiden das Virus jahrelang in Stuhl und Urin aus.

Findet die Erstinfektion später in der Schwangerschaft statt, handelt es sich um eine Rötelnfetopathie mit

  • Hepatomegalie mit Hepatitis und Transaminasenerhöhungen

  • Splenomegalie

  • Thrombozytopenie mit Petechien und Purpura

  • extramedulläre Blutbildung

  • hämolytische Anämie

  • Exantheme uncharakteristischer Morphologie und Meningoenzephalitis.

Diese Symptome sind i. d. R. selbstlimitiert und bilden sich nach einigen Wochen zurück. Andere Symptome wie Taubheit, Infektionen des Auges, Endokrinopathien und ZNS-Erscheinungen können sich bei der Monate bis Jahre persistierenden Rötelninfektion später entwickeln.

Die Inkubationszeit beträgt 2–3 Wochen.

Diagnostische Voraussetzungen

Die klinische Diagnose von Röteln aufgrund des Exanthems ist heute aufgrund der Seltenheit der Erkrankung unsicher. Laborchemisch erfolgt die Diagnose durch den Nachweis von virusspezifischem IgM im ELISA, den HAH-Test bzw. durch den Virusnachweis in der PCR.
Bei Rötelnverdacht in der Schwangerschaft kann das Virus kurz vor und während der Erkrankung mit typischem Hautausschlag kulturell im Nasopharyngealabstrich nachgewiesen werden. Die Diagnose konnataler Röteln wird aber in der Regel serologisch gestellt und erfordert die Rücksprache mit dafür spezialisierten Laboren.
Nicht alle Neugeborenen mit konnatalen Röteln weisen Rötelnvirus-IgM-Antikörper auf. Das Rötelnvirus kann bei Röteln-Embryopathie noch bis 1–2 Jahre nach der Geburt aus Rachensekret, Urin, Stuhl, Liquor oder Leukozyten (Buffy Coat) mit der PCR oder in der Kultur nachgewiesen werden, da die Infektion persistiert. Ein HAH-Antikörpertiter von ≥ 1 : 32 gilt als protektiv, für den Nachweis von Röteln-Antikörpern im ELISA ist die protektive Konzentration nicht klar evaluiert.

Therapie

Die Therapie erfolgt symptomatisch, bei Fieber oder Arthralgien mit Paracetamol 10–15 mg/kg oral oder – bei Säuglingen – rektal bis zu 3-mal pro Tag.

Hinweis:

Die aktive Impfung ist die beste Möglichkeit, eine Rötelnembryopathie zu vermeiden.

Die Impfung gegen Röteln erfolgt als Kombinationsimpfung mit Masern Mumps und Windpocken. (MMR oder MMRV) ab 11 Monaten und kann lebenslang nachgeholt werden.

Literatur

Robert Koch-Institut

Robert Koch-Institut, Infektionskrankheiten von A-Z, Röteln, http://www.rki.de.

Deutsche Gesellschaft, 2009

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie DGPI: DGPI-Handbuch, Infektionen bei Kindern und Jugendlichen 5. Auflage 2009 Thiemeverlag Stuttgart New York

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen