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B978-3-437-22107-1.50415-5

10.1016/B978-3-437-22107-1.50415-5

978-3-437-22107-1

Serratia

R. Roos

Kernaussagen

  • Serratien können unterschiedliche Infektionen verursachen, häufig sind es Harnwegsinfekte. Sie treten aber nahezu ausschließlich bei abwehrgeschwächten Personen auf.

  • Die Diagnostik erfolgt über den mikrobiologischen Erregernachweis.

  • Serratien sind typische Erreger nosokomialer Infektionen und sollten unbedingt zur Überprüfung der Hygienestandards führen.

  • Die Therapie erfolgt normalerweise mit Cephalosporinen der 3. Generation oder mit Carbapenemen in Kombination mit Aminoglykosiden.

Serratia marcescens gehört zu den Enterobacteriaceae. Es ist ein gramnegatives begeißeltes Stäbchen ohne Kapsel. Das Bakterium kann bei Zimmertemperatur einen roten Farbstoff bilden, der klinisch zu einer Rotfärbung von Sekreten, z. B. von Schweiß, führen kann. Es gibt verschiedene Spezies, die am häufigsten isolierte ist Serratia marcescens.

Infektionen durch Serratia marcesiens treten in der Regel nur bei Personen auf, die in ihrer Abwehr geschwächt sind.

Meist handelt es sich um Infektionen der Harnwege, besonders nach Eingriffen am Urogenitaltrakt, Blasenkatheter, obstruktiver Uropathie insbesondere bei Rezidiven der Harnwegsinfektionen etc.

Nach offenen Frakturen, Unfällen, Operationen kommt es selten zu einer Besiedelung und Wundinfektion durch Serratien.

Gefunden werden Serratien außerdem bei Infektionen des Respirationstrakts wie Bronchitiden, Tracheitis, Pneumonie – insbesondere bei beatmeten Patienten –, Bronchiektasen und damit chronischer Bronchitis.

Bei Neugeborenen können Serratien eine Sepsis, eine Nabelinfektion oder selten eine Meningitis oder Osteomyelitis verursachen.

Bei Intensivpatienten, z. B. Frühgeborenen, sind gehäuft Fälle einer Sepsis durch kontaminierte Infusionslösungen mit septischem Schock und Todesfällen beschrieben.

Als Erreger von Katheter-Infektionen muss mit Serratien gerechnet werden, die allerdings selten tatsächlich auftreten.

Selten sind Ventilinfektionen bei Kindern mit Hydrozephalus.

Der Verlauf der Serratien-Infektionen hängt aber weniger vom Erreger als von der Abwehrsituation des Patienten bzw. der rechtzeitigen Diagnose und adäquaten Therapie ab.

Meist sind Serratien-Infektionen nosokomiale Infektionen z. B. durch Kontamination von Infusionslösungen oder Infusionssystemen, Desinfektionslösungen, Seifen, Handbürsten oder Milchpumpen bedingt.

CAVE

Die häufigste nosokomiale Übertragung von Serratien erfolgt via kontaminierte Hand von medizinischem Personal.

Diagnostische Voraussetzungen

Da das klinische Bild einer Serratien-Infektion nicht typisch ist, beruht die Diagnose allein auf einer adäquaten mikrobiologischen Diagnostik. Dazu gehören z. B. die Abnahme von Blutkultur, ggf. Urinuntersuchung – Nachweis von mehr als 105 Keimen/ml Mittelstrahlurin –, Wundabstrichen, Liquoruntersuchungen.
Bei der Meningitis durch Serratien ist die Zellzahl im Liquor erhöht (Granulozyten), der Liquorzuckergehalt vermindert und das Eiweiß erhöht.

Therapie

Die Therapie einer Serratien-Infektion erfolgt antibiotisch aufgrund der Kenntnis der hospitaleigenen Resistenzsituation.
In der Regel sind zur Therapie Cephalosporine der 3. Generation, z.B. Cefotaxim, Ceftriaxon u.a., oder Carbapeneme wie Meronem und Imipenem in Kombination mit Aminoglykosiden in altersentsprechender Dosierung erforderlich.
Alternativ können bei Erwachsenen Chinolone (Gyrasehemmer) eingesetzt werden.
Eine Therapie mit Aminoglykosiden allein zeigt in der Regel eine schlechte Prognose. Dies dürfte pharmakokinetische Gründe haben.

Als Faustregeln gelten:

  • Eine längerfristige antibiotische Therapie führt häufig zur Vermehrung von Serratien in der patienteneigenen Flora. Diese Serratien-Stämme können dann Betalaktamasen (ESBL) bilden und gegen Cephalosporine resistent werden.

  • Eine Serratien-Infektion in einer Klinik sollte immer zur Überprüfung der Hygienestandards führen. Es handelt sich in aller Regel um eine klassische nosokomiale Infektion.

Literatur

Robert Koch-Institut, 2012

Robert Koch-Institut Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedlung mit multiresistenten gramnegativen Stäbchen, Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) Bundesgesunheitsbl 55 2012 1311 1354 http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Gramneg_Erreger.pdf?blob=publicationFile

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