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B978-3-437-24950-1.00086-X

10.1016/B978-3-437-24950-1.00086-X

978-3-437-24950-1

Abb. 86.1

Frühsyphilis mit stammbetontem Exanthem.

Erreger sexuell übertragbarer Krankheiten. sexuell übertragbare Krankheiten (STD)Erreger

Tab. 86.1
Erreger Krankheit
Bakterien
Treponema pallidum Syphilis
Neisseria gonorrhoeae Gonorrhö
Chlamydia trachomatis Lymphogranuloma venereum
Mycoplasmen, Ureaplasma urealyticum Urethritis
Haemophilus ducreyi Ulcus molle
Calymmatobacterium granulomatis Granuloma inguinale
Shigella spp. Shigellose bei homosexuellen Männern
Campylobacter spp. Enteritis, Proktokolitis bei homosexuellen Männern
Viren
Humanes Immundefizienzvirus (HIV) AIDS
Herpes-simplex-Virus 1 und 2 Herpes genitalis
Humane Papillomaviren Genitalwarzen, maligne Genitaltumoren
Molluscipox-Virus Mollusca contagiosa
Hepatitisviren Hepatitis A, B, und C
CMV-Virus Zytomegalie
Humanes Herpesvirus 8 (HHV 8) Kaposi-Sarkom
Protozoen
Trichomonas vaginalis Trichomoniasis
Entamoeba histolytica Amöbiasis bei homosexuellen Männern
Giardia lamblia Lambliasis bei homosexuellen Männern
Pilze
Candida spp. Candidose
Ektoparasiten
Phthirus pubis (Filzläuse) Phthiriasis pubis
Sarcoptes scabiei Skabies

Sexuell übertragbare Krankheiten

G. Haidl

T. Hornung

  • 86.1

    Syphilis648

  • 86.2

    Gonorrhö651

  • 86.3

    Ulcus molle651

  • 86.4

    Lymphogranuloma venereum652

  • 86.5

    Granuloma inguinale653

  • 86.6

    Urogenitale Chlamydieninfektion653

  • 86.7

    Mykoplasmen-Urethritis654

  • 86.8

    Ureaplasmen-Urethritis654

  • 86.9

    Shigelleninfektion bei homosexuellen Männern654

  • 86.10

    Campylobacter spp.654

  • 86.11

    Herpes genitalis655

  • 86.12

    Humane Papillomaviren (HPV)656

  • 86.13

    Mollusca contagiosa658

  • 86.14

    Trichomoniasis658

  • 86.15

    Vulvovaginale Candidiasis oder Candidabalanitis659

  • 86.16

    Skabies659

  • 86.17

    Genitaler Filzlausbefall660

  • 86.18

    Kasuistik Syphilis660

Kernaussagen

  • sexuell übertragbare Krankheiten (STD)Generell muss bei allen Sexual Transmitted DiseasesSexual Transmitted Diseases (STD) an die Untersuchung und ggf. Mitbehandlung des Sexualpartners gedacht werden.

Syphilis

  • SyphilisDie Sicherung der Diagnose der Syphilis erfolgt durch Such- und Bestätigungstests, wobei Letztere nur im Zusammenhang mit den anamnestischen und klinischen Daten des Patienten beurteilt werden sollten.

  • Therapie der Wahl der Syphilis ist in allen Stadien Penicillin. Bislang sind keine Resistenzentwicklungen bekannt geworden. Wegen der langen Generationszeit von Treponema pallidum ist auf ausreichend lange und hohe Serumspiegel zu achten.

  • In treponemenreichen Stadien kann als Nebenwirkung der Therapie die sog. Jarisch-Herxheimer-Reaktion auftreten, eine Prophylaxe mit Kortisonvorbehandlung ist möglich.

  • Regelmäßige serologische Nachkontrollen nach 3, 6 und 12 Mon. sind erforderlich.

  • Für Syphilis besteht eine nichtnamentliche Meldepflicht.

Gonorrhö

  • GonorrhöDie Diagnose wird durch den Erregernachweis gesichert; beweisend ist die kulturelle Anzüchtung oder der Nachweis mittels PCR.

  • Die Therapie der unkomplizierten Gonorrhö erfolgt durch Behandlung bevorzugt durch Kombinationstherapie mit Cephalosporinen und Azithromycin, wobei Resistenzen eine wichtige Rolle spielen.

Ulcus molle

  • Ulcus molleDer Erregernachweis beim weichen Schanker erfolgt durch Bakterienanfärbung in Abstrichmaterial, die Diagnosesicherung durch die Erregerkultur.

  • Zur Therapie bei Ulcus molle dienen Azithromycin, Ciprofloxacin, Ceftriaxon oder Erythromycin.

  • Die Untersuchung der Syphilis-, Hepatitis- und HIV-Serologie sowie eine Go-Diagnostik (auf Neisseria gonorrhoeae) sind empfehlenswert.

Lymphogranuloma venereum

  • Das Lymphogranuloma venereumLymphogranuloma venereum zeichnet sich durch einen stadienhaften Verlauf aus mit der Spätkomplikation eines genitoanorektalen Symptomenkomplexes mit Rektumstrikturen und Elefantiasis des äußeren Genitals.

  • Die Diagnosesicherung erfolgt durch Serologie, Anzüchtung oder PCR.

  • Die medikamentöse Therapie erfolgt mit Doxycyclin, Azithromycin, oder Erythromycin, im Spätstadium sind ergänzende operative Maßnahmen indiziert.

Granuloma inguinale

  • Granuloma inguinaleDie Diagnose erfolgt über das typische klinische Bild, der Erregernachweis gelingt im Kürettage-Material oder histopathologisch.

  • Die Therapie erfolgt bevorzugt mit Co-trimoxazol, alternativ mit Doxycyclin oder Gyrasehemmern.

Sonstige bakterielle Infektionen

  • Die urogenitale Chlamydieninfektion kann bei beiden Geschlechtern zur Infertilität führen. Die Therapie erfolgt vorzugsweise mit Azithromycin oder Doxycyclin.

  • Weitere mögliche Auslöser einer nichtgonorrhoischen Urethritis sind Mycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium sowie Ureaplasma urealyticum. Mittel der Wahl ist bei diesen Infektionen Doxycyclin.

  • Shigelleninfektionen werden bei homosexuellen Männern über anal-orale Kontakte übertragen. Bei diesen Erregern sind zunehmend Multiresistenzen zu beachten!

Herpes genitalis

  • Herpes genitalisHerpes genitalis wird über das klinische Bild diagnostiziert, weitere Nachweise gelingen durch Immunfluoreszenz, Viruskultur oder mittels PCR.

  • Die Therapie des Herpes genitalis erfolgt mit Virustatika (Purinanaloga) wie Aciclovir u. Ä.

  • Häufig treten Rezidive auf, v. a. bei Infektion durch HSV-2.

Humane Papillomaviren (HPV)

  • humane Papillomaviren (HPV)Die Diagnose einer HPV-Infektion erfolgt über das klinische Bild, ggf. durch histologische Untersuchung nach Exzision sowie über den molekularbiologischen HPV-DNA-Nachweis.

  • Als Therapie kommen chirurgische Maßnahmen, eine kaustische Therapie mit Trichloressigsäure, eine lokale Immunbehandlung mit Interferon-γ oder Imiquimod oder eine lokale Chemotherapie mit Podophyllotoxin infrage. Neuere Entwicklungen sind die photodynamische Therapie oder möglicherweise die lokale Anwendung von Extrakten des grünen Tees.

  • Die präventive Impfung präadoleszenter Mädchen wird von der STIKO empfohlen.

Sonstige STD

  • Bei Mollusca contagiosa ist bei wenigen Läsionen eine abwartende Haltung gerechtfertigt, ansonsten erfolgt die Entfernung der Mollusken z. B. durch Kürettage. Die konservative Behandlung kann mit Vitamin-A-Säure-haltigen Substanzen erfolgen.

  • Von einer Trichomoniasis sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Sie haben auch ausgeprägtere Beschwerden. Die Diagnose erfolgt durch den direkten Erregernachweis im Mikroskop, eine kulturelle Anzüchtung ist möglich. Zur Therapie wird Metronidazol eingesetzt.

  • Die vulvovaginale Candidiasis bzw. Candidabalanitis wird nur gelegentlich sexuell übertragen. In der Regel ist eine topische antimykotische Therapie mit Azolen ausreichend.

  • Eine Übertragung der Skabies (Verursacher: Krätzemilbe) von Mensch zu Mensch erfolgt i. d. R. erst bei intensivem Hautkontakt und wird durch schlechte hygienische und sozioökonomische Verhältnisse begünstigt. Zur Therapie ist die lokale Behandlung mit Permethrin weiter erste Wahl, das orale Therapeutikum Ivermectin ist seit 2016 in Deutschland ebenfalls zugelassen.

  • Der genitale Filzlausbefall wird bei engem körperlichem Kontakt, meist beim Geschlechtsverkehr, übertragen. Die Therapie erfolgt mit Pyrethrum-Extrakt oder Permethrin-Lösung.

Sexuell übertragbare Erkrankungen (Sexually Transmitted Diseases, STD) sind eine Reihe von Infektionen, die vorwiegend durch sexuelle Kontakte übertragen werden. Die möglichen Erreger sind in Tab. 86.1 zusammengefasst.

Im Folgenden sollen die überwiegend sexuell übertragbaren Infektionen abgehandelt werden. Im Hinblick auf andere zu den STD zählenden Erkrankungen wie HIV und die damit in Zusammenhang stehenden Infektionen wie HHV 8 sowie weitere Infektionen wie Hepatitis, Zytomegalie und die vornehmlich bei homosexuellen Männern auftretenden Infektionen wie Amöbiasis, Lambliasis, Shigellose und Enteritis sowie Proktitis durch Campylobacter spp. sei auf die entsprechenden Kapitel in anderen Sektionen des Therapie-Handbuchs verwiesen.

Syphilis

Die SyphilisSyphilissexuell übertragbare Krankheiten (STD)Syphilis (Syn. Lues, Lues venerea, harter Schanker oder Franzosenkrankheit) ist eine nahezu ausschließlich sexuell übertragene, in mehreren Stadien ablaufende chronische Infektionskrankheit, die durch Treponema pallidum ausgelöst wird.
  • Sie kann alle Organsysteme befallen und unbehandelt bis zum Tod führen.

  • Es sind auch ein latenter Verlauf sowie eine spontane Ausheilung in jedem Stadium möglich.

  • Rezidiverkrankungen sind möglich, da keine Immunität erzeugt wird.

Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht bei Syphilis eine nichtnamentliche Meldepflicht.
Symptome
Frühsyphilis
Die FrühsyphilisSyphilisFrüh- entspricht dem Primärstadium mit Primäraffekt und dem frühen Sekundärstadium, das definitionsgemäß bis zu 1 J. andauern kann. Es kommt zu diversen
  • Haut- und Schleimhauterscheinungen und

  • Lymphknotenschwellungen,

  • ggf. mit Beteiligung des Nervensystems.

Spätsyphilis
SyphilisSpät-Sie tritt ein, wenn Krankheitszeichen seit > 1 J. bestehen, und umfasst spätes Sekundär- und Tertiärstadium mit wenig disseminierten, destruierenden Hauterscheinungen.
Beim Tertiärstadium stehen die Erkrankung des zentralen Nervensystems sowie die kardiovaskuläre Syphilis, die bei ca. 10% der unbehandelten Patienten auftritt, im Vordergrund.
Neurosyphilis
Ausprägungen der NeurosyphilisSyphilisNeuro- können sein:
  • Syphilitische Meningitis,

  • meningovaskuläre Syphilis,

  • Tabes dorsalis (selten) sowie

  • eine progressive Paralyse.

Es ist jedoch auch eine asymptomatische Neurosyphilis bei positiver Syphilis-Serologie möglich. Nachzuweisen sind
  • eine lymphozytäre Pleozytose,

  • eine Liquorproteinerhöhung und/oder

  • teilweise ein positiver VDRL-Test (Veneral Disease Research Laboratory) im Liquor cerebrospinalis.

Syphilis in der Schwangerschaft
SyphilisSchwangerschaftHinsichtlich des klinischen Bildes besteht kein prinzipieller Unterschied zur Syphilis bei nicht schwangeren Frauen. Bei unbehandelter Syphilis ist die diaplazentare Übertragung ab der 12. SSW möglich, was entweder zu Spätaborten oder zur konnatalen Syphilis führt.
Konnatale Syphilis
SyphiliskonnataleOhne Behandlung führt die intrauterine Infektion in 30–40% der Fälle zu Abort, Totgeburt, Tod kurz nach der Geburt oder Frühgeburt.
Der kleinere Teil der bei der Geburt infizierten Kinder (meist Frühgeborene) weist unmittelbar nach der Geburt Symptome auf wie
  • respiratorischen Disstress,

  • Ödeme,

  • Hydrops,

  • Hepatosplenomegalie,

  • geblähtes Abdomen,

  • Anämie,

  • Ikterus oder weitere Hautveränderungen.

Letale Verläufe sind möglich. Etwa 50–70% der infizierten Kinder zeigen keine Auffälligkeiten bei Geburt. 4–5 Mon. post partum können bei diesen Kindern Zeichen auftreten wie
  • Fieber,

  • makulopapulöse Hautveränderungen, Petechien, Fissuren, Blässe, Ikterus,

  • Ödeme,

  • Hepatosplenomegalie,

  • Rhinitis,

  • nachlassende Trinkleistung,

  • Schleimhautulzera,

  • Pseudoparalyse (durch schmerzhafte Periostitis),

  • Lymphknotenschwellung,

  • Condylomata latam

  • Enteritis und/oder

  • Laryngitis.

Eine ZNS-Beteiligung kann sich als Meningitis manifestieren (meist erst zwischen dem 3. und 6. Mon.) oder auch als Hydrozephalus, mit Hirnnervenausfällen oder Krampfanfällen.
In wenigen Fällen können klinische Zeichen der Syphilis aber auch erst im Kleinkindalter oder später auftreten (Lues connata tarda), z. B.
  • Uveitis,

  • Keratitis,

  • Tonnenzähne,

  • Schwellung der Kniegelenke,

  • Veränderungen an Tibia („Säbelscheidentibia“), Gaumen, Stirn, Nase („Sattelnase“),

  • Taubheit,

  • Rhagaden (perioral und perianal),

  • Hydrozephalus, Hirnnervenausfälle und Krampfanfälle.

Syphilis bei HIV-Infektion
Syphilisb. HIV-InfektionDie meisten HIV-infizierten Patienten mit gleichzeitiger Syphilis zeigen eine ähnliche klinische Symptomatik und Seroreaktionen wie nicht HIV-Infizierte.
Andererseits sind auch gehäuft atypische und schwere Verläufe mit rascher Progredienz und häufigerer ZNS-Beteiligung zu beachten. Eine Reaktivierung einer früheren Syphilis ist möglich.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt anhand des klinischen Bildes, durch den direkten Erregernachweis und durch serologische Untersuchungen.
Der direkte mikroskopische Erregernachweis aus dem Reizsekret ist meist nur in frühen Stadien möglich und in der Praxis zugunsten der PCR oder einer erneuten Serologie weitgehend verlassen. Die serologischen Untersuchungen sind mehrstufig: Bei V.a. eine Syphillis-Infektion zunächst als Suchtest TPPA/TPHA oder TPLA oder andere polyvalente Suchassays.
  • Bei positivem Suchtest ist ein Bestätigungstest mit alternativem Antigenkonzept erfolgreich, z.B. FTA-Abs, IgM/IgG ELISA, Westernblot.

  • Bei bestätigter Syphilis Bestimmung der Aktivitätsparameter: Cardiolipin-Antikörper oder treponemenspezifisches IgM.

  • Bei sehr frühen Infektionen können die Tests noch negativ sein. Ein solcher Verdacht sollte durch Bestimmung des spezifischen IgM sowie einer Wiederholung der Diagnostik nach 14 d nachgegangen werden.

Bei bestätigter Syphilis-Infektion und unklaren neurologischen Symptomen, einer kardiovaskulären Beteiligung oder Gummen sollte ebenso wie im Falle von Therapieversagen oder Rezidiven eine Neurosyphilis ausgeschlossen werden.

Als Faustregeln gilt

  • Andere sexuell übertragbare Erkrankungen sind auszuschließen.

  • Wichtig ist darüber hinaus die Partneruntersuchung und -therapie.

Therapie
Die folgenden Hinweise folgen, soweit nicht anders vermerkt, den Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft.
  • !

    Nach Abschluss der Therapie sind regelmäßige serologische Nachkontrollen nach 3, 6 und 12 Mon. erforderlich.

Frühsyphilis
SyphilisFrüh-Benzathin-Benzylpenicillin (Pendysin®, Tardocillin®) einmalig 2,4 Mio. IE i. m (gluteal je 1,2 Mio. IE).
  • Bei Penicillinallergie:

    • Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o. für 14 d oder

    • Erythromycin 4 × 0,5 g/d p. o. für 14 d

Alternativen sind:
  • Ceftriaxon (Off-Label-Dosierung) für 10 d 2 g/d i. v. als Kurzinfusion für 30 Min.

Spätsyphilis
SyphilisSpät-Benzathin-Benzylpenicillin (Pendysin®, Tardocillin®) 2,4 Mio. IE i. m. (gluteal je 1,2 Mio. IE) an den Tagen 1, 8 und 15.
  • Bei Penicillinallergie:

    • Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o. für 28 d oder

    • Erythromycin 4 × 500 mg/d für 28 d (in diesem Stadium Off-Label)

  • Eine Alternative ist Ceftriaxon (Off-Label-Dosierung) für 14 d 2 g/d i. v. als Kurzinfusion für 30 Min.

Neurosyphilis
SyphilisNeuro-Penicillin G kristalloide Lsg. über mind. 14 d:
  • 4 × 6 Mio. IE/d i. v., oder

  • 3 × 10 Mio. IE/d oder

  • 5 × 5 Mio. IE/d i. v.

  • Alternativ Ceftriaxon 2 g/d i. v. für 10–14 d (initial 4 g; Marra et al. 2000) oder Doxycyclin 2 × 200 mg/d für 28 d (AWMF Leitlinie 059/002)

Cave

Doxycyclin ist kontraindiziert bei Kindern und Schwangeren!

Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei Penicillinallergie, bei schwerem Krankheitsbild oder Schwangeren vor Verwendung eines Präparats der 3. Wahl den Versuch einer Penicillin-Desensibilisierung.
Schwangerschaft
SyphilisSchwangerschaftEs sollte eine stadiengerechte Behandlung mit Penicillin erfolgen. Bei Penicillinallergie Versuch der Penicillindesensibilisierung.

Cave

  • Erythromycin-Estolat wirkt hepatotoxisch und sollte im 2. und 3. Trimenon nicht gegeben werden.

  • Tetracycline sind in der Schwangerschaft strengt kontraindiziert.

  • Makrolide sollen wegen fehlender Plazentagängigkeit in der Schwangerschaft nicht eingesetzt werden.

Andere Erythromycin-Derivate als Erythromycin-Estolat sowie Cephalosporine sind in der Schwangerschaft erlaubt, aber unsicher in der Wirkung.
Syphilis connata
SyphiliskonnataleNeugeborene: Penicillin G 200.000–250.000 IE/kg KG/d i. v. über 14 d verteilt auf
  • 2 Einzeldosen (1. Lebenswoche) bzw.

  • 3 Einzeldosen (2.–4. Lebenswoche),

  • ab der 5. Lebenswoche 4 Einzeldosen (Vesci et al. 1999);

  • Therapiedauer 14 d, bei HIV-Patienten evtl. länger.

Cave

Bei Therapieunterbrechung > 24 h sollte die komplette Therapie wiederholt werden.

HIV-Infektion
SyphilisHIV-InfektionDie Therapie bei HIV-infizierten Patienten erfolgt grundsätzlich wie bei immunkompetenten Patienten stadiengerecht mit Penicillin an den Tagen 1, 8 und 15.

Cave

  • Ab dem Stadium einer Sekundärsyphilis besteht aber ein erhöhtes Risiko für Neurosyphilis. Benzathin-Penicillin darf nur nach Ausschluss einer neurologischen Beteiligung (Klinik und ggf. Liquorpunktion) verabreicht werden.

  • Die deutsche Leitlinie empfiehlt bei < 200 CD4/Zellen/µl auch ohne klinische Symptome eine Lumbalpunktion.

Im Zweifelsfall, wenn keine Liquordiagnostik vorliegt, erfolgt die Therapie wie bei Neurosyphilis.
Jarisch-Herxheimer-Reaktion
SyphilisJarisch-Herxheimer-ReaktionDurch freigesetzte Bakterientoxine kann unter der Therapie eine Jarisch-Herxheimer-Reaktion ausgelöst werden.
  • Bei Frühsyphilis äußert sich dies als Allgemeinreaktion mit Fieber, Schüttelfrost und verstärktem Exanthem.

  • Bei Spätsyphilis sind risikoreiche Lokalreaktionen mit Einschmelzung granulomatöser Herde möglich, die z. B. zur Aortenruptur führen können.

Zur Prophylaxe dient ab dem Sekundärstadium die gleichzeitige Behandlung mit Glukokortikoiden, z. B. Prednisolon-Äquivalent 1 mg/kg KG p. o., 30–60 Min. vor der ersten Antibiotikagabe.

Gonorrhö

Die GonorrhöGonorrhösexuell übertragbare Krankheiten (STD)Gonorrhö ist eine bakterielle, durch Neisseria gonorrhoeae verursachte, fast ausschließlich sexuell übertragene Infektionskrankheit.
Symptome
Die Inkubationszeit beträgt 1–6(–14) d. Im Vordergrund stehen zunächst die Symptome der Schleimhautinfektionen an der Eintrittspforte mit
  • eitrigem Urethralausfluss und Algurie,

  • schmerzhafter Genital- und Prostataschwellung sowie

  • Darmbeschwerden bei rektalen Infektionen.

Bei bis zu 80% der Frauen, aber nur höchstens 10% der Männer kann der Verlauf asymptomatisch sein.
Bei Frauen ist der Befall von Uterus und Eileitern häufig, was zu nachfolgender Sterilität führen kann.
Aufsteigende Infektionen können bei der gonorrhoischen Epididymitis und Prostatitis bzw. Salpingitis eine Rolle spielen und bei beiden Geschlechtern zu Sterilität führen.
Eine hämatogene Ausbreitung kommt nur in ca. 1–3% der Fälle vor. Sie kann Gelenke, Endokard und Meningen betreffen.
Diagnostik
Der Erregernachweis erfolgt durch Kultur oder DNA-Amplifikationsmethoden (PCR). Bei Männern mit symptomatischer Urethritis ist auch der Direktnachweis im mikroskopischen Präparat (Gram- oder Methylenblaufärbung) möglich.

Cave

  • Die mögliche gleichzeitige Übertragung anderer STD wie Chlamydieninfektionen, HIV-Infektion oder Syphilis ist zu bedenken!

  • Wichtig sind auch bei der Gonorrhö die Partnerdiagnostik und -mitbehandlung!

Therapie
GonorrhöTherapieEs treten vermehrt Resistenzen auf, die Therapieempfehlungen mussten mehrfach angepasst werden. Im Allgemeinen wird zur Behandlung der unkomplizierten urogenitalen/rektalen oder pharyngealen Gonorrhö von der Deutschen STD-Gesellschaft folgende Therapie empfohlen, wobei die lokale Resistenzlage beachtet werden muss:
  • Ceftriaxon 1 g i. m./ i.v. und Azithromycin 1,5 g p.o.

  • Therapie der 2. Wahl: Cefixim 800 mg p.o. und Azithromycin 1,5 g p.o. jeweils als Einzeldosis.

  • Therapie bei Penicillinallergie: Kein in Deutschland zugelassenes Präparat wird für die kalkulierte Therapie empfohlen. Therapie nach Antibiogramm. Bis zum Eintreffen: Azithromycin 2 g p.o.

  • Sofern erhältlich kalkulierte Therapie mit: Spectinomycin 2 g i,.m. und Azithromycin 2 g p.o. jeweils als Einzeldosis.

Vor Therapie sollte unbedingt eine Kultur angelegt werden. Therapiekontrollen erfolgen klinisch/kulturell bei fortbestehenden Symptomen nach 3–7 d, PCR nach 14 d.
Für Ciprofloxacin (500 mg p. o.) und Ofloxacin (400 mg p. o.) wurden Resistenzraten bis zu 30% beschrieben.
Falls eine Chlamydieninfektion nicht ausgeschlossen ist, erfolgt zusätzlich die Gabe von:
  • Doxycyclin 2 × 100 mg/d für 7 d oder

  • Azithromycin 1,5 g p. o., einmalig

Gonokokkenbedingte Infektion des Beckens (PID)
  • GonokokkeninfektionTherapieCeftriaxon 1 g i.m./einmalig i. v. und Azithromycin 1,5 g einmalig p.o., gefolgt von

  • Breitspektrumantibiotika: Levofloxacin 2 × 500 mg p.o. 10–14 d und Metronidazol 3 × 400 mg p.o. für 10–14 d

Disseminierte Gonokokkeninfektion
Therapie für mind. 7 d mit Ceftriaxon 1 g/d i.v. (ggf. Anpassung nach Antibiogramm).
Ophthalmoblenorrhö
  • OphthalmoblenorrhöTherapieNeugeborene: Ceftriaxon 25–50 mg/kg KG i. v. oder i. m., einmalig (max. 125 mg)

  • Erwachsene:

    • Ceftriaxon 1 g i. m/d i.v. für 3 d und

    • Azithromycin 2 g p.o. als Einmaldosis oder

    • Doxycyclin 2 × 100 mg für 7 d oder

    • Ciprofloxacin 500 mg/d über 3 d

Das Auge sollte mit reichlich NaCl-Lösung gespült werden.

Cave

Erblindungsgefahr. Notfall.

Gonorrhö in der Schwangerschaft
GonorrhöSchwangerschaft, TherapieAuch in der Schwangerschaft ist die Einmalgabe i. d. R. ausreichend:
  • Ceftriaxon 1 g i. v. (die i.m. Gabe in Kombination mit Lidocain kann kontraindiziert sein) oder

  • Spectinomycin 2 g i. m.

Gonorrhö bei Kindern
  • Gonorrhöb. Kindern, TherapieKinder < 50 kg: Ceftriaxon 20–50 mg/kg KG (max. 125 mg) i.v./i.m., einmalig

  • Kinder > 50 kg: Ceftriaxon 0,5–1g i.v./i. m., einmalig

Ulcus molle

Ulcus mollesexuell übertragbare Krankheiten (STD)Ulcus molleSynonyme dieser Geschlechtskrankheit sind weicher Schanker und Schankroid.
Das Ulcus molle ist weltweit verbreitet, aber endemisch in den Ländern des tropischen Afrikas, Südostasiens, in Indien und in einigen Ländern Südamerikas. Der Erreger ist Haemophilus ducreyi, ein kurzes gramnegatives Stäbchen.
Die Übertragung erfolgt durch direkten Sexualverkehr, nicht zirkumzidierte Männer erkranken häufiger als zirkumzidierte.
Symptome
Nach einer mittleren Inkubationszeit von 3–7 d entwickelt sich eine entzündlich gerötete, weiche Papel mit umgebendem Erythem, die rasch in eine Pustel und anschließend in den typischen schmerzhaften weichen Schanker übergeht.
1–2 Wo. nach der Primäreffloreszenz können eitergefüllte Leistenlymphknoten (Bubonen) mit drohender Einschmelzung entstehen.
Diagnostik
Die Sicherung der Verdachtsdiagnose erfolgt durch kulturelle Anzüchtung. Ein immunfluoreszenzoptischer Nachweis sowie PCR-Nachweismethoden sind ebenfalls möglich.
Die mikroskopische Untersuchung von Ausstrichmaterial aus dem Ulkus wird wegen niedriger Sensitivität und Spezifität zu Diagnostik nicht empfohlen.

Cave

  • Haemophilus ducreyi ist auf Ausstrichtupfern nur wenige Stunden überlebensfähig. Kühlung auf 4 °C verlängert dies.

  • Andere STD wie Herpes genitalis oder Syphilis müssen ausgeschlossen werden, die gleichzeitige Infektion mit Treponema pallidum ist möglich, mit Übergang des Ulcus molle in ein Ulcus mixtum.

Therapie
Ulcus molleTherapieDie Antibiotikatherapie erfolgt mit
  • Azithromycin 1,5 g p. o., einmalig (Off-label Dosierung) oder

  • 2-Linien-Therapie:

    • Ceftriaxon 250 mg i. m., einmalig

    • Ciprofloxacin, 2 × 500 mg p. o. für 3 d oder

    • Erythromycin, 3 × 500 mg p. o. für 7 d

Cave

  • Häufig bestehen Resistenzen gegen Penicillin, Tetrazyklin, Sulfamethoxazol und Spectinomycin.

  • Bestehen Begleitinfektionen mit HSV oder HIV sind Therapieversager bei einer Dosis von 1 g Azithromycin 3-mal häufiger.

Weiterhin ist eine desinfizierende topische Behandlung angezeigt. Bei Paraphimose ggf. Dorsalinzision und Aspiration des Eiters aus prall gespannten Bubonen.

Lymphogranuloma venereum

Lymphogranuloma venereumsexuell übertragbare Krankheiten (STD)Lymphogranuloma venereumSynonyme für diese Erkrankung sind Lymphogranuloma inguinale und Morbus Durand-Nicolas-Favre.
Das Lymphogranuloma venereum kommt hauptsächlich in Südostasien, Afrika, Zentral- und Südamerika vor und ist in den Industrienationen eine seltene Erkrankung. Der Erreger ist Chlamydia trachomatis und wird durch Sexualkontakt übertragen. Männer (Homosexuelle) sind 2- bis 8-mal häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
Das klinische Bild läuft in drei Stadien ab:
  • Nach einer Inkubationszeit von 2–6 Wo. tritt zunächst eine entzündlich gerötete Papel am Infektionsort auf, die rasch in Papulovesikel und Papulopusteln übergeht. Schließlich kommt es zur Ulzeration.

  • Etwa 2 Wo. nach dem Auftreten der Primärläsion tritt die Infektion in das zweite Stadium mit entzündlicher Leistenlymphknotenschwellung und Verschmelzung von Lymphknoten oberhalb und unterhalb des Leistenbands, Abszessbildung und Perforation nach außen, Fistel- und ausgedehnter Narbenbildung ein. Darüber hinaus haben die Patienten Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl sowie heftige Schmerzen.

  • Im dritten Stadium (Endstadium) kommt es zur Elefantiasis genitoanorectalis ulcerosa mit Strikturen und Fibrosen im Genitaltrakt und Anorektalgebiet. Gefürchtete Komplikationen sind die Elefantiasis der äußeren Genitalien sowie Strikturen im Rektum.

Diagnostik
Methode der Wahl ist der spezifische Nachweis von LGV-Chlamydien-Biovaren mittels PCR aus Ulkus-Material der Primärläsion, anorektalen Abstrichen (möglichst unter proktoskopischer Sicht), oder Bubo-Aspiraten.
Ist die PCR nicht verfügbar kann der Chlamydien-Titer bestimmt werden. Hohe Titer und entsprechende Klinik weisen auf eine LGV-Infektion hin, niedrige Titer schließen LGV nicht aus.
Der Erreger kann in speziellen Zellkulturen (McCoy-Zellen) angezüchtet werden.

Als Faustregel gilt

An die Untersuchung und ggf. Behandlung des Sexualpartners muss gedacht werden!

Therapie
  • Lymphogranuloma venereumTherapieDie Antibiotikatherapie erfolgt jeweils für mind. 21 d mit Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o.

  • Bei Unverträglichkeit:

    • Erythromycin 4 × 500 mg p. o. oder

    • Azithromycin 1,5 g p.o. an Tag 1, 8 und 15

Die Evidenz für die Anwendung von Azithromycin ist deutlich schwächer. In der Schwangerschaft Behandlung mit Erythromycin.
Chirurgische Therapie
Fluktuierende Bubonen sollten durch gesunde Haut aspiriert werden. Im Spätstadium können ergänzende operative Maßnahmen indiziert sein, die jedoch wegen der Gefahr von Komplikationen wie Fistelbildungen routinemäßig nicht empfohlen werden.

Granuloma inguinale

Granuloma inguinalesexuell übertragbare Krankheiten (STD)Granuloma inguinaleSynonyme sind Granuloma venereum und Donovanosis. Das Granuloma inguinale kommt meist in den Tropen und Subtropen vor und wird durch Klebsiella granulomatis (früher Calymmatobacterium granulomatis) verursacht. In den westlichen Industrieländern ist diese Erkrankung ausgesprochen selten, vorwiegend findet man sie hier bei Dunkelhäutigen und Homosexuellen. Männer sind 10-mal häufiger betroffen als Frauen.
Das Granuloma inguinale ist nur mäßig kontagiös. Dennoch sollte auch hier ggf. an die Behandlung von Sexualpartnern gedacht werden.
Symptome
Die Inkubationszeit ist ausgesprochen variabel – durchschnittlich 11–13 d (1 d–1 J.). Es treten multiple oder einzelne nicht schmerzhafte Papeln oder subkutane Knoten auf, die sich nach unterschiedlich langer Zeit in granulomatöse Hautveränderungen umwandeln.
Klinische Varianten sind
  • leicht blutende, ulzeröse Wunden im Anogenitalbereich,

  • hypertrophe oder verruköse Läsionen sowie

  • sklerotische, narbenartige Erscheinungen.

Die Infektion breitet sich dann zu den Leisten aus, wobei Lymphknoten jedoch nicht beteiligt sind.
Bei unbehandeltem Verlauf besteht die Gefahr der Elefantiasis als Komplikation.
In extremen Fällen ist bei Langzeitverlauf Karzinombildung möglich.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt in erster Linie über das klinische Bild und den mikroskopischen Nachweis von sog. Donovan-Körperchen in Histiozyten. Methode der Wahl ist der Giemsa-gefärbte Abstrich. Grundsätzlich ist auch der DNA-Nachweis mittels PCR möglich, jedoch nicht kommerziell verfügbar.

Als Faustregel gilt

Mögliche Mischinfektionen mit anderen STD müssen bedacht werden!

Therapie
Granuloma inguinaleTherapieDie Antibiotikatherapie erfolgt mit
  • Azithromycin 1 × 1 g/Wo. p. o. oder

  • Trimethoprim-Sulfamethoxazol 2 × 160 mg/800 mg/d p. o. für 21 d

Mögliche Alternativen sind:
  • Ciprofloxacin 2 500 mg/d p. o.

  • Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o.

  • Erythromycin 4 × 500 mg/d p. o.

Auch die Alternativbehandlung wird jeweils für mind. 21 d fortgeführt. Die Therapie muss fortgeführt werden, bis alle Läsionen abgeheilt sind.
In der Schwangerschaft können Azithromycin oder Erythromycin eingesetzt werden.
Weitere Maßnahmen
Die Antibiotikabehandlung wird ergänzt durch eine topische desinfizierende Therapie.

Cave

Aufgrund der möglichen malignen Entartung ist eine jährliche Nachuntersuchung angezeigt. 6–18 Mon. nach einer vermeintlichen Abheilung kann es zum Rückfall kommen.

Urogenitale Chlamydieninfektion

Chlamydieninfektion, urogenitalesexuell übertragbare Krankheiten (STD)Chlamydieninfektion, urogenitaleChlamydia trachomatis vom Serotyp D–K ist der häufigste Erreger der nichtgonorrhoischen Urethritis (30–50%), die fast ausschließlich durch Geschlechtsverkehr übertragen wird.
Symptome
Nach einer Inkubationszeit von 7–21 d treten beim Mann Urethritissymptome mit weißem bis gelblich-wässrigem Ausfluss sowie Dysurie und Irritationen des Penis auf, bei Frauen Zervizitis, Fluor und Dysurie.
Bei wahrscheinlich > 50% der betroffenen Männer und bis zu 70–95% der Frauen kommt es zu asymptomatischen Verläufen. Die Erreger können insbesondere bei Frauen lange persistieren und auch noch im Verlauf zu Komplikationen führen.
Bei einer aszendierenden Infektion sind weitere Manifestationen
  • bei Männern: Epididymoorchitis, Prostatitis, Arthralgien und das Reiter-Syndrom sowie

  • bei Frauen: PID (Pelvic Inflammatory Disease), Endometritis, Salpingitis und Peritonitis/Perihepatitis oder chronische Beckenschmerzen.

Bei beiden Geschlechtern sind Fertilitätsstörungen möglich, es besteht die Gefahr der Infertilität.
Diagnostik
Der Erregernachweis der Wahl ist die PCR aus der 1. Urinportion (Männer) bzw. Vaginalabstrichen (Frauen). Methode der 2. Wahl ist die Immunfluoreszenz. Die Serologie wird zum Screening und für unkomplizierte akute Fälle nicht empfohlen.

Als Faustregeln gilt

  • Mögliche weitere STD müssen ausgeschlossen bzw. bestätigt werden.

  • Die Untersuchung und Behandlung des Sexualpartners muss beachtet werden!

Therapie
Chlamydieninfektion, urogenitaleTherapieFür die medikamentöse Behandlung der Chamydien Urethritis kommen folgende Mittel in Betracht:
  • Vorzwugsweise Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o. für 7 d oder

  • Azithromycin 1,5 g p. o., einmalig (Off-Label-Dosierung)

Alternativen sind:
  • Ofloxacin 2 × 200 mg/d p. o. für 7 d (2. Wahl bei Prostatitis, Vesikulitis, Epididymitis, (Male Accessory Gland Infection, MAGI [S2k-Leitlinie Infektionen mit Chlamydia trachomatis 2016])

  • Erythromycin 4 × 500 mg/d p. o. für 7 d

Mykoplasmen-Urethritis

Mykoplasmen-Urethritissexuell übertragbare Krankheiten (STD)Mykoplasmen-UrethritisMycoplasma hominis, Mycoplasma genitalium sind bei bis zu 35% der nichtgonorrhoischen Urethritis die auslösenden Keime.
Symptome
Symptome sind
  • ein weißlicher, seröser Ausfluss,

  • Juckreiz und

  • mäßiges Brennen in der Harnröhre.

In 40–75% der Fälle verläuft die Infektion asymptomatisch.
Diagnostik
Der Erregernachweis gelingt primär über den DNA-Nachweis mittels PCR, mit Material analog der Chlamydien-Testung. Bei positiver PCR sollte in Europa auf eine Makrolid-Resistenz getestet werden.
Differenzialdiagnostisch muss eine Infektion mit Neisseria gonorrhoeae oder Chlamydia trachomatis ausgeschlossen werden.
Der Partner muss in Untersuchung und Behandlung einbezogen werden!
Therapie
Mykoplasmen-UrethritisTherapieDie Mycoplasma-genitalium-Urethritis wird behandelt mit Azithromycin für 5 d:
  • Tag 1: 500 mg p. o.

  • Tag 2–5: 250 mg/d

Mögliche Alternativen sind:
  • Moxiflocacin 1 × 400 mg/d p. o. für 7–10 d (bei Azithromycin Resistenz)

  • Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o. für 14 d (3. Wahl, nur ca. 30% erfolgreich)

Scheitern alle diese Therapieversuche steht nur noch das lediglich in Frankreich zugelassene Pristinamycin zur Verfügung.
Eine Therapiekontrolle nach 4–6 Wo. ist obligat.

Ureaplasmen-Urethritis

Ureaplasmen-Urethritissexuell übertragbare Krankheiten (STD)Ureaplasmen-UrethritisUreaplasma urealyticum sind bei bis zu 5–10% der nichtgonorrhoischen Urethritis die auslösenden Keime. Der Keim ist fakultativ pathogen.
Symptome
Symptome sind
  • ein weißlicher, seröser Ausfluss,

  • Juckreiz und

  • mäßiges Brennen in der Harnröhre.

Diagnostik
DNA-Nachweis mittels PCR. Differenzialdiagnostisch muss eine Infektion mit Neisseria gonorrhoeae oder Chlamydia trachomatis ausgeschlossen werden.
Der Partner muss in Untersuchung und Behandlung einbezogen werden!
Therapie
Ureaplasmen-UrethritisTherapieDie Antibiotikabehandlung erfolgt mit Doxycyclin 2 × 100 mg/d p. o. für 7 Tage, alternativ mit
  • Clarithromycin 500 mg 2 ×d p.o. für 7 d (Off-Label) oder

  • Azithromycin 1,5 g p.o., einmalig

Shigelleninfektion bei homosexuellen Männern

Shigelleninfektionb. homosexuellen Männern, Therapiesexuell übertragbare Krankheiten (STD)Shigelleninfektion b. homosexuellen MännernInfektionen mit Shigellen gehören zu den fäkal-oral übertragenen Erkrankungen und kommen bei homosexuellen Männern über anal-orale Kontakte zustande. Symptome sind Fieber, Bauchkrämpfe und Durchfall. Der Erregernachweis gelingt aus dem Stuhl.
Therapie
Shigelleninfektionb. homosexuellen Männern, TherapieDas Robert Koch-Institut empfiehlt aufgrund der hohen Infektiosität generell eine Antibiotische Behandlung. Grundsätzlich zur Therapie geeignet sind Chinolone, Trimethoprim-Sulfamethoxazol, Azithromycin u.a. Die Therapie sollte auf die lokale Resistenzlage abgestimmt sein.

Cave

Bei Shigellen werden zunehmend Multiresistenzen beobachtet. Die Therapie sollte nach Antibiogramm erfolgen.

Campylobacter spp.

Campylobacter spp.sexuell übertragbare Krankheiten (STD)Campylobacter spp.Symptome sind Enteritis und Proktokolitis. Die Erkrankung verläuft i. d. R. selbstlimitierend.
Bei schweren Verläufen (> 1 Wo.) erfolgt der Erregernachweis durch kulturelle Anzüchtung oder den Antigennachweis mittels ELISA.
Therapie
Campylobacter spp.TherapieMögliche Indikationen für eine antibiotische Behandlung sind hohes Fieber, der V.a. eine septische Streuung und schwere Verläufe. Die Antibiotikabehandlung erfolgt in erster Linie mit Makroliden, in zweiter mit Chinolonen.

Herpes genitalis

Herpes genitalisHerpes genitalissexuell übertragbare Krankheiten (STD)Herpes genitalis kann sich sowohl als Erstinfektion mit dem HSV-Virus als auch als Sekundärinfektion manifestieren. 80–90% der Infektionen sind auf HSV-2 zurückzuführen, zunehmend findet sich jedoch auch HSV-1 (10–20%). Dies ist möglicherweise ein Ausdruck geänderter Sexualpraktiken.
HSV kann während der Geburt auf das Neugeborene übertragen werden.
Symptome
Die Symptome sind vielfältig, je nach Lokalisation wird unterschieden zwischen
  • Vulvovaginitis herpetica,

  • Cervicitis herpetica,

  • Proktitis herpetica,

  • Urethritis herpetica und

  • Balanoposthitis herpetica.

Typisch ist jedoch auch der Befall des Penisschafts sowie der Perianal- und Glutealregion.
Nach einem uncharakteristischen Prodromalstadium entsteht ein akutes, schmerz- und fieberhaftes Krankheitsbild mit Allgemeinsymptomatik.
Am Infektionsort bilden sich gruppiert angeordnete Bläschen auf entzündlich geröteter und ödematöser Haut, die im weiteren Verlauf eintrüben, erodieren und dann in polyzyklisch begrenzte Ulzerationen übergehen können.
Regionale, schmerzhafte Lymphknotenschwellungen treten in der Mehrzahl der Fälle auf.

Als Faustregel gilt

Herpes genitalis, verursacht durch HSV-2, neigt signifikant häufiger zu Rezidiven als der durch HSV-1 hervorgerufene Herpes genitalis. Die Rezidive erfolgen meist im ersten Jahr nach der Primärinfektion. Frauen bleiben dabei häufiger symptomfrei als Männer.

Diagnostik
Die Diagnose kann in typischen Fällen klinisch erfolgen, jedoch sind Fälle mit atypischem Verlauf häufig. In diesen Fällen sollte ein Erregernachweis erfolgen.
Der Virusnachweis erfolgt primär per PCR. Viruskultur und Immunfluoreszenz stehen ebenfalls zur Verfügung. Die klassischen zytologischen Verfahren (Tzanck-Test, Papanicolaou-Ausstrich) werden wegen niedriger Sensitivität und Spezifität nicht mehr empfohlen. Die Serologie ist indiziert, bei klinischer Konsequenz, zur Unterscheidung von Primär- und Sekundärinfektion, bei wiederholtem oder atypischem klinischem Bild, wenn andere Erregernachweise misslingen oder bei Partnern bekannter Patienten.
Differenzialdiagnostisch müssen Erosionen oder Ulzera bei anderen Geschlechtskrankheiten wie Ulcus molle, Ulcus durum, Lymphogranuloma venereum und Granuloma venereum abgegrenzt werden.
Darüber hinaus können auch andere Virusinfektionen, Verletzungen, eine Pilzbesiedlung, oder Aphthen bei Morbus Behçet sowie ein fixes Arzneimittelexanthem zugrunde liegen.
Therapie
Erstinfektion
Herpes genitalisTherapieDa die Therapie gut wirksam ist und es bei Unbehandelten häufig zu längeren Krankheitsverläufen und lokalen oder gar systemischen Komplikationen kommt, wird die Therapie zum frühestmöglichen Zeitpunkt schon auf Grundlage der Klinik empfohlen.
  • Mittel der Wahl ist Aciclovir für 7–10 d:

    • 5 × 200 mg/d p. o. oder

    • 3 × 400 mg/d p. o.

  • Weiterhin eingesetzt werden:

    • Valaciclovir, 2 × 500–1.000 mg/d p. o. für 7–10 d oder

    • Famciclovir, 3 × 250 mg/d p. o. für 5–10 d

  • In schweren Fällen: Aciclovir 5 mg/kg KG i. v. alle 8 h für 5–7 d (Immunsupprimierte 10 d)

Die Therapie sollte in komplizierten Fällen, wenn Allgemeinsymptome persistieren oder sich neue Läsionen entwickeln, über 5 d hinaus verlängert werden.
Rezidiv
Zur Behandlung von Rezidiven kommen die genannten Virustatika infrage:
  • Aciclovir

    • 2 × 800 mg/d oder 3 × 400 mg/d p. o. für 5 d oder

    • 3 × 800 mg/d für 2 d (zugelassen Aciclovir 200 mg 5 ×/d)

  • Valaciclovir 2 × 500 mg/d p. o. für 3 d oder

  • Famciclovir 2 × 125 mg/d p. o. für 5 d

Die Therapie sollte schon beim ersten Anzeichen einer Reaktivierung begonnen werden.
Bei mehr als sechs Rezidiven pro Jahr sollte eine Rezidivprophylaxe mit diesen Mitteln erfolgen:
  • Aciclovir 2 × 400 mg/d p.o. oder

  • Valaciclovir 1 × 500–1.000 mg/d p. o. oder

  • Famciclovir 2 × 250 mg/d p. o.

Die Dosis sollte individuell angepasst werden.
Schwangerschaft
Durch Übertragung auf das Neugeborene kann es zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild (Herpes neonatorum, Herpes-Sepsis) kommen. Eine entsprechende gynäkologische und neonatologische Betreuung sollte gewährleistet sein.
  • Primärinfektion: Aciclovir 5 × 200 mg/d p.o. für 10 d

  • Reaktivierung im 1. und 2. Trimenon: Aciclovir 3 × 400 mg/d p.o. für 10 d

  • Prophylaxe: Aciclovir 3 × 400 mg/d p.o. ab der 36. SSW bis zur Geburt

Humane Papillomaviren (HPV)

humane Papillomaviren (HPV)sexuell übertragbare Krankheiten (STD)humane Papillomaviren (HPV)Genitoanale HPV-Infektionen gehören neben Infektionen durch Chlamydien und Herpes-simplex-Viren zu den häufigsten sexuell übertragenen Erkrankungen weltweit. Es gibt einen hohen Anteil an subklinischen Infektionen.
Die Übertragung kann außer durch Geschlechtsverkehr auch durch Schmierinfektionen, gemeinsames Baden und durch kontaminierte Gegenstände erfolgen. Risikofaktoren sind vor allem frühe sexuelle Kontakte und häufig wechselnde Sexualpartner.
Die Inkubationszeit der HPV-Infektionen beträgt zwischen 4 Wo. und mehreren Mon.
Humane Papillomaviren infizieren ausschließlich Epithelzellen der Haut oder der Schleimhaut. Bisher werden mehr als 100 HPV-Genotypen unterschieden, von denen etwa die Hälfte Infektionen im Genitaltrakt verursachen kann.
Symptome
Während bei 15–20% der Männer die Urethra mit externen Genitalwarzen mitbetroffen ist, sind Harnröhrenkondylome bei Frauen trotz vulvärer Warzen sehr viel seltener. Warzen des Analkanals treten nur extrem selten proximal der Linea dentata auf.
HPV-Infektionen des äußeren Genitales verlaufen i.d.R. völlig asymptomatisch, gelegentlich, insbesondere bei urethralen Läsionen kann es zu Blutungen und Dysurie kommen.
Genitalwarzen
humane Papillomaviren (HPV)GenitalwarzenDie durch humane Papillomaviren hervorgerufenen Genitalwarzen (Syn. Feigwarzen) kommen im intertriginösen Haut-Schleimhaut-Bereich in vier Formen vor:
  • Condylomata acuminata: Es handelt sich um spitze Kondylome, die den klassischen Typ der Genitalwarzen darstellen. Sie werden überwiegend durch die HPV-Typen 6 und 11 hervorgerufen, sog. Low-Risk-HPV-Typen.

  • Condylomata plana: Diese flache und meist hautfarbene Form findet sich vorwiegend an der Cervix uteri und am Präputium. In ihnen werden überwiegend die Virustypen HPV 16 und 18 nachgewiesen.

  • Bowenoide Papulose: Bei dieser Form treten multiple rotbraune, stecknadel- bis linsengroße, flache, samtartige Papeln auf, vorwiegend im Bereich der Glans penis, des Penisschafts und der kleinen und großen Labien. Auch hier findet man überwiegend die Virustypen HPV 16 und 18.

  • Condylomata gigantea: Bei dieser schweren, destruierenden Verlaufsform beginnen die Kondylome zu wuchern. Es bilden sich Riesenkondylome (Buschke-Löwenstein-Tumoren). Diese enthalten vorwiegend die Virustypen HPV 6, 11 und 56.

Maligne Genitaltumoren
humane Papillomaviren (HPV)Genitaltumoren, maligneDie wichtigste Komplikation der genitoanalen HPV-Infektion ist die Entstehung maligner Genitaltumoren, wobei das Zervixkarzinom einen Altersgipfel zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr aufweist und Karzinome der Vulva und des Penis meist ab dem 60. Lebensjahr beobachtet werden.
Für die High-Risk-HPV-Typen 16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58, 59, die regelmäßig in Vorstadien des Zervixkarzinoms sowie in invasiven Karzinomen der Cervix uteri gefunden werden gilt die Rolle in der Tumorgenese als gesichert. Bei den Typen 26, 30, 34, 53, 66, 67, 68, 69, 70, 73, 82, 85, 97 wird diese vermutet.
Diagnostik
Die Diagnose einer HPV-Infektion erfolgt über das klinische Bild. Weiterführende Maßnahmen bei unsicherer klinischer Diagnose sind
  • die histologische Untersuchung nach Exzision sowie

  • der molekularbiologische HPV-DNA-Nachweis.

Serologische Untersuchungen sind ohne Bedeutung.

Als Faustregel gilt

Andere STD müssen ausgeschlossen werden!

Bei Frauen mit Warzen am äußeren Genitale sollte eine Kolposkopie mit anschließender Zytologie erfolgen, um eine HPV-Infektion an der Cervix uteri nachweisen oder ausschließen zu können.
Bei Condylomata acuminata dienen die Urethroskopie bzw. Meatoskopie dem Nachweis von Warzen am Meatus urethrae und der Fossa navicularis sowie in der proximalen Urethra. Hierzu reicht i.d.R. Spreitzen und die Inspektion mithilfe einer starken Lichtquelle. Bei Befall des Meatus ist eine Urethroskopie vor Sanierung des Meatus wegen der Verschleppungsgefahr kontraindiziert.
Bei einem Warzenbefall des Enddarms werden Anoskopie und Proktoskopie durchgeführt.
Essigsäure-Test
humane Papillomaviren (HPV)Essigsäure-TestDie Applikation von 5-prozentiger (äußeres Genitale) bzw. 3-prozentiger (Vagina, Cervix uteri, Analkanal) Essigsäure erlaubt eine bessere Erkennung von Warzen durch deren scharf begrenzte Weißfärbung, die Gefäße sichtbar werden lässt und zudem eine unregelmäßige Konfigurierung deutlich macht.
Therapie
humane Papillomaviren (HPV)TherapieDie Hinweise zur Therapie der HPV-Infektion folgen den Leitlinien der Deutschen STD-Gesellschaft, die in Zusammenarbeit mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Paul-Ehrlich-Gesellschaft erstellt wurden. Allen Therapien gemeinsam sind hohe Rezidivraten von 20–30% und mehr.
Chirurgische Maßnahmen
humane Papillomaviren (HPV)TherapiechirurgischeInfrage kommen folgende Verfahren:
  • Scherenschlag, Kürettage

  • Kryotherapie

  • Elektrochirurgie

  • Lasertherapie (CO2-Laser oder Nd-YAG-Laser).

Kaustische Therapie
humane Papillomaviren (HPV)TherapiekaustischeEine sehr gute Wirkung bei kleinen, weichen Condylomata acuminata im Schleimhautbereich hat die Behandlung mit Trichloressigsäure (Erfolgsrate bis zu 85%). Die Behandlung sollte durch den Arzt erfolgen. Eine Wiederholung der Therapie in wöchentlichem Abstand ist möglich.
Immuntherapie
humane Papillomaviren (HPV)ImmuntherapieImiquimod; alternativ kann Imiquimod-Creme eingesetzt werden (Creme 5%, 3 ×/Wo. nachts für bis zu 16 Wo.).

Cave

Imiquimod-Creme ist kontraindiziert in der Schwangerschaft. Sie ist nicht zugelassen für Schleimhäute. Aufgrund des immunstimulierenden Effekts wird bei Immunsupprimierten, insbesondere Organtransplantierten zur Vorsicht geraten.

Chemotherapie
humane Papillomaviren (HPV)ChemotherapieDer Einsatz von Podophyllotoxin (Creme 0,15%, Lösung 0,5%) erlaubt die Selbstbehandlung durch den Patienten:
  • Podophyllotoxin: Creme 0,15%

  • Podophyllotoxin: Lösung 0,5%

Applikation 2 ×/d jeweils 3 d lang mit einer anschließenden Pause von 4 d. Die max. Tagesdosis liegt bei 0,5 ml. Es können max. 4 Zyklen durchgeführt werden. Die max. therapierbare Fläche liegt bei 10 cm2.

Cave

Podophyllotoxin ist kontraindiziert in der Schwangerschaft. Es ist nicht geeignet und nicht zugelassen für Schleimhäute sowie nicht zugelassen für Patienten mit Immunsuppression.

Polyphenon (Veregen®)
Neuerdings wurde die Therapie von Genitalwarzen mit Extrakten aus grünem Tee zugelassen: Polyphenon® E 3 ×/d, lokale Applikation für 12–16 Wo. Drei plazebokontrollierte Studien hierzu kamen zu guten Ergebnissen.
Empfohlene Therapie entsprechend der Lokalisation genitaler Warzen
Meatus urethrae
humane Papillomaviren (HPV)GenitalwarzenLokalisationMethoden der Wahl sind die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff, CO2-/Nd-YAG-Laser oder Elektrokauter, in der proximalen Urethra ist einzig eine endoskopische Sanierung möglich.

Cave

Stenosegefahr, Adhäsionen.

Analkanal
Methoden der Wahl sind
  • die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff,

  • die kaustische Therapie mit Trichloressigsäure,

  • die Behandlung mit dem CO2-/Nd-YAG-Laser oder

  • die Therapie mit dem Elektrokauter.

Cave

Bei Behandlungen im Analkanal besteht Stenosegefahr sowie die Gefahr der Verletzung des M. sphincter ani.

Gegebenenfalls kann ein Therapieversuch mit magistral rezeptierten Imiquimod-Suppositorien erfolgen (Off-Label-Use).
Vagina
Methoden der Wahl sind
  • die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff (keine Kryoprobe),

  • die kaustische Therapie mit Trichloressigsäure,

  • die Behandlung mit dem CO2-/Nd-YAG-Laser oder

  • die Therapie mit dem Elektrokauter.

Cave

Bei der Behandlung der Vagina besteht Perforationsgefahr.

Cervix uteri
Bei Genitalwarzen an der Zervix sollte die Konsultation eines Experten erfolgen. Vor Therapiebeginn muss eine histologische Untersuchung durchgeführt werden.
Problemsituationen
Schwangerschaft

Cave

humane Papillomaviren (HPV)ProblemsituationenPodophyllotoxin, Imiquimod und Interferon sind kontraindiziert.

Bei kleineren Läsionen ist die Therapie mit Trichloressigsäure möglich. Infrage kommen außerdem
  • die Kryotherapie,

  • die Laserbehandlung mit CO2-/Nd-YAG-Laser oder

  • die Therapie mit dem Elektrokauter.

Ein Kaiserschnitt ist nur bei Verlegung der Geburtswege indiziert. Ab etwa der 25. SSW setzt oft eine spontane Regression ein.
Kindheit

Cave

Condylomata acuminata bei Kindern können hinweisend auf sexuellen Missbrauch sein, in Verdachtsfällen sollten ein Kinderarzt und ein Kinderpsychologe hinzugezogen werden.

Die Behandlung erfolgt
  • bei umschriebenen Warzen mittels Kryotherapie,

  • bei disseminierten Warzen mit dem Elektrokauter oder Laser in Intubationsnarkose.

Immunsupprimierte Patienten
Bei diesen Patienten findet man meist ein disseminiertes Auftreten von Genitalwarzen mit häufigen Rezidiven und tumorösem Wachstum. Häufig kommt es zur Entartung zu spinozellulären Karzinomen.
Therapie der Wahl ist die operative Entfernung. Die Behandlung mit dem Elektrokauter oder Laser sollte nur nach histologischer Sicherung der Diagnose erfolgen.
Schwere intraepitheliale Neoplasie
Beim Morbus Bowen und der Erythroplasie de Queyrat wird die Exzision gefordert. Die bowenoide Papulose kann nach histologischer Sicherung auch mittels CO2-/Nd-YAG-Laser oder Elektrokauter abgetragen werden. Bei Lokalisation in behaarten Arealen ist auch hier die Exzision vorzuziehen.

Beachte

Von größter Bedeutung ist die sorgfältige Nachsorge!

Nach neueren Studien kann bei bowenoider Papulose und beim genitoanalen Morbus Bowen auch Imiquimod verwendet werden (Off-Label-Use).
Bei Frauen ist die Kooperation mit dem Gynäkologen erforderlich. Die Abklärung auffälliger zytologischer Befunde an der Zervix sollte entsprechend den Leitlinien der AG Zervixpathologie und Kolposkopie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie erfolgen. Das therapeutische Vorgehen bei histologisch gesicherten, zervikalen intraepithelialen Neoplasien richtet sich nach dem Schweregrad der Präkanzerose, dem Typ der Transformationszone und dem Wunsch der Patientin.

Als Faustregel gilt

  • Die klinische Untersuchung des Sexualpartners und die entsprechende Behandlung von nachweisbaren sichtbaren Warzen sind erforderlich.

  • Obwohl Kondome nur einen gewissen präventiven Schutz hinsichtlich HPV-Infektionen bieten, da nur die vom Kondom bedeckten Teile des Genitales geschützt sind, ist Kondomschutz indiziert, solange Condylomata acuminata nachweisbar sind und bis zu 6 Wo. nach erfolgreicher Therapie.

Weitere Therapieverfahren
Photodynamische Therapie (PDT)
humane Papillomaviren (HPV)Therapiephotodynamische (PDT)Bei der PDT werden durch die Belichtung mit Rotlicht die Nekrose und Apoptose der Hautveränderungen induziert. Um dies zu erreichen wird vor der Bestrahlung 5-Aminolävulinsäure appliziert. Diese induziert Protoporphyrin IX, das von den schnell proliferierenden viralen Akanthomen selektiv akkumuliert wird.
Impfungen
humane Papillomaviren (HPV)ImpfungZur Prävention von hochgradigen Dysplasien der Gebärmutter, des Zervixkarzinoms, hochgradiger, dysplastischer Läsionen der Vulva sowie von äußeren Genitalwarzen, die durch die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 verursacht werden, wurde ein Impfstoff (Virus-like Particle) entwickelt, der seit September 2006 zugelassen und in Deutschland verfügbar ist:
  • Der valente Impfstoff Gardasil-9® (HPV-Typen 6, 11, 16, 18, 31, 33, 45, 52 und 58),

  • die valenten Impfstoffe Gardasil® und Silgard® (HPV-Typ 6, 11, 16, und 18)

  • sowie der valente Impfstoff Cervarix® (HPV-Typ 16 und 18).

Über die Dauer der Immunität nach einer Impfung liegen bislang Ergebnisse über 9,4 J. vor, weitere Aufschlüsse werden aus laufenden Studien erwartet. Zielgruppe sind zunächst präadoleszente Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr.

Mollusca contagiosa

Mollusca contagiosasexuell übertragbare Krankheiten (STD)Mollusca contagiosa Papillomaviren (HPV)Diese Erkrankung wird verursacht durch das zur Pockengruppe gehörende Molluscum-contagiosum-Virus. Der Häufigkeitsgipfel liegt im Kindesalter.
Die Erkrankung tritt aber auch gehäuft bei HIV-positiven Erwachsenen auf und wird deshalb auch zu den sexuell übertragbaren Erkrankungen gezählt.
Symptome
Nach einer Inkubationszeit von 2–7 Wo. – aber auch bis zu 6 Mon. – entwickeln sich weißliche oder blassrosafarbene, wachsartige, breitbasig aufsitzende, derbe, zentral gedellte Papeln. Sie stehen isoliert, können aber auch in Gruppen auftreten. Seltener sind sie strichförmig angeordnet. Die Papeln können das gesamte Integument befallen.

Cave

Bei dichter Aussaat bei Erwachsenen ist eine HIV-Infektion abzuklären.

Diagnostik
Die Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bildes, weitere Bestätigung ggf. mittels histologischem oder Immunfluoreszenztest.
Therapie
Mollusca contagiosaTherapieAufgrund des selbstlimitierenden Verlaufs ist bei Auftreten von nur wenigen Dellwarzen eine abwartende Haltung gerechtfertigt. Infrage kommen sodann neben desinfizierenden Maßnahmen:
  • Kürettage,

  • Ausdrücken der Mollusca mit gebogener Pinzette sowie

  • Laser-, Kryo- oder Elektrotherapie bei multiplen Erscheinungen.

Die konservative Behandlung mit Vitamin-A-Säure-haltigen Lösungen und Podophyllotoxin ist möglich. Eine Off-Label-Therapie ist die Applikation von Imiquimod.

Trichomoniasis

Trichomoniasissexuell übertragbare Krankheiten (STD)TrichomoniasisDie Trichomoniasis ist eine häufige Infektion, die durch das Protozoon Trichomonas vaginalis verursacht und fast immer durch sexuellen Kontakt übertragen wird.

Als Faustregel gilt

Sie wird häufig bei Patienten nachgewiesen, die auch von anderen STD betroffen sind.

Eine Übertragung ist auch durch infizierte Gegenstände möglich, da der Erreger in einem feuchtwarmen Milieu bis zu 24 h überleben kann.
Symptom
Das Protozoon befällt das Epithel von Urethra, Vagina, Skene-Drüsen und auch Zervix. Bei Männern wird die Urethra befallen, seltener die Prostata, die Nebenhoden oder das Präputium.
Bei Frauen kommt es zu vaginalem Ausfluss, Brennen, Dysurie und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, darüber hinaus zur Anschwellung der Labien.
Krankheitssymptome bei Männern können Dysurie oder urethraler Ausfluss sowie eine schmerzhafte oder erschwerte Miktion sein. Bei beiden Geschlechtern verlaufen bis zu 50% der Erkrankungen asymptomatisch.
Diagnostik
Der direkte Erregernachweis gelingt bei Frauen in ca. 40–80% der Fälle durch die mikroskopische Untersuchung von Abstrichmaterial, am besten durch Polarisations- oder Dunkelfeldmikroskopie. Bei Männern ist dies nur in ca. 30% der Fälle erfolgreich.
Die kulturelle Anzüchtung ist möglich und hat eine Sensitivität von ca. 95%.Teilweise ist PCR-Diagnostik verfügbar.

Als Faustregel gilt

Weitere STD, insbesondere Gonorrhö, müssen ausgeschlossen werden.

Therapie
TrichomoniasisTherapieZur Behandlung reicht die Einmalbehandlung mit Metronidazol: 2 g p. o.

Als Faustregel gilt

Die Mitbehandlung des Sexualpartners ist notwendig.

Die Deutsche STD-Gesellschaft empfiehlt in der Schwangerschaft: Metronidazol 2 × 500 mg/d für 10 d. Die Warnhinweise insbesondere im 1. Trimenon sollten beachtet werden.

Vulvovaginale Candidiasis oder Candidabalanitis

Candidiasisvulvovaginale Therapiesexuell übertragbare Krankheiten (STD)Candidiasis, vulvovaginaleCandidabalanitissexuell übertragbare Krankheiten (STD)CandidabalanitisDie vulvovaginale Candidiasis bzw. Candidabalanitis wird nur gelegentlich sexuell übertragen, i.d.R. hat die Infektion andere Ursachen.
Symptome
Bei Frauen kommt es zu vaginalem Ausfluss sowie weißlichen, abwischbaren Auflagerungen auf der Scheidenwand und einem ausgeprägten Erythem der Vulva.
Bei Männern finden sich umschriebene Rötungen der Glans penis sowie des Präputiums sowie grauweißliche Auflagerungen oder nässende Erosionen.
Subjektiv werden Brennen und Juckreiz wahrgenommen.
Diagnostik
Die Diagnose wird über das klinische Bild und den Pilznachweis gestellt.
Therapie
Candidiasisvulvovaginale TherapieCandidabalanitisTherapieIm Allgemeinen ist eine topische antimykotische Therapie mit Azolen ausreichend.

Skabies

Skabiessexuell übertragbare Krankheiten (STD)SkabiesDie humane Skabies wird durch die Krätzemilbe Sarcoptes scabiei variatio hominis hervorgerufen.
Die Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt im Allgemeinen erst bei intensivem Hautkontakt und wird durch schlechte hygienische und sozioökonomische Verhältnisse begünstigt.
Symptome
Bei Erstinfestation treten die ersten Symptome nach 2–5 Wo. auf. Prädilektionsstellen sind die Interdigitalfalten der Hände und Füße, die Axillarregion, der Brustwarzenhof, der Nabel, der Penisschaft, die Perianalregion, die Knöchelregion und die inneren Fußränder. Zunächst treten unregelmäßig gewundene, kommaartige Milbengänge auf, die gefolgt sind von einer Ekzemreaktion mit Bläschen und Papulovesikeln; starker Juckreiz.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt klinisch, ggf. Unterstützt durch Dermatoskopie. Die Diagnosesicherung erfolgt durch den mikroskopischen Nachweis von Milben, Eiern oder Skybala aus Hautgeschabsel vom Ende des Milbengangs oder durch Klebebandtest (Klebeband wird auf einen verdächtigen Milbenhügel aufgedrückt und ruckartig abgezogen).
Therapie
Lokale Behandlung
SkabiesTherapieEntsprechend der Leitlinie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft ist die lokale Behandlung mit Permethrin (5% in Cremegrundlage) ausreichend:
  • Die Creme wird einmalig für 8–12 h aufgetragen, danach abduschen.

  • Eine Wiederholung des Vorgangs ist möglich, wenn nach 14 d noch Zeichen der Erkrankung bestehen.

Seit 2016 ist Ivermectin zur oralen Behandlung in Deutschland zugelassen: Ivermectin 200 µg/kg KG p. o., einmalig; bei ausgedehntem Befall, Immunsuppression und Ausbrüchen Wiederholung am 7.–15 d.
Ivermectin ist indiziert bei
  • Therapieversagen von lokalem Permethrin,

  • Immunsupprimierten,

  • Scabies crustosa,

  • Patienten mit hoher Resorbtionsgefahr von Permethrin (z.B. stark ekzematöse oder erosive Haut) und

  • wenn eine lege artis topische Therapie nicht gewährleistet ist (z.B. Massenausbrüche, kognitive Einschränkungen).

Cave

Ivermectin ist kontraindiziert bei Kindern < 15 kg und bei Schwangeren.

Therapie der 2. Wahl: Benzylbenzoat (Antiscabiosum® 25% Emulsion) an 3 aufeinanderfolgenden Tagen.
Therapie der 3. Wahl: Crotamiton (Crotamitex®) an 3–5 aufeinanderfolgenden Tagen, ohne es vorher abzuwaschen.
Säuglinge und Patienten mit Scabies crustosa sollten stationär behandelt werden.
Ein im Anschluss auftretendes postskabiöses Ekzem kann mit externen Glukosteroiden, z. B. 0,25% Prednicarbat, behandelt werden.
Die Patienten sollten nach 2 Wo. und für mind. 4–6 Wo. durch einen in der Skabiesdiagnostik erfahrenen Arzt nachuntersucht werden.

Als Faustregel gilt

Unbedingte Begleitmaßnahme bei Skabies ist die Desinfektion der Wäsche und von Gegenständen mit engem Körperkontakt durch geeignete Maßnahmen!

Cave

Nach dem Infektionsschutzgesetz sind in einer Gemeinschaftseinrichtung Beschäftigte oder Betreute bzw. deren Erziehungsberechtigte bei Erkrankung oder Verdacht verpflichtet, dies der Leitung der Einrichtung mitzuteilen. Die Leitung ist zur Meldung an das Gesundheitsamt verpflichtet.

Systemische Therapie
Scabies norvegica sive crustosa
Die Scabies crustosaScabies crustosa unterscheidet sich von der normalen Skabies durch die massive Proliferation von Sarcoptes scabiei (103–106) und ist dadurch hoch kontagiös. Die hohe Infektiosität kann u. U. nosokomiale Epidemien in Spitälern, Pflegeheimen und anderen Institutionen auslösen.
Bei Scabies norvegicaScabies norvegica werden lokale und systemische Therapie kombiniert:
  • Permethrin 5% 2 ×/Wo. über 2 Wo., zusammen mit

  • Ivermectin 0,2 mg/kg KG 2- bis 3-mal im Abstand von 7–15 d

Genitaler Filzlausbefall

Filzlausbefallsexuell übertragbare Krankheiten (STD)FilzlausbefallDer genitale Filzlausbefall, auch als Phthiriasis pubis bezeichnet, wird bei engem körperlichem Kontakt, meist beim Geschlechtsverkehr, übertragen.
Körperareale mit apokrinen Schweißdrüsen sind der bevorzugte Sitz der Filzläuse, so z. B. die genitoanale Schambehaarung, die Achselhaare, aber auch eine stärkere Behaarung der Brust und des Bauchs.
Symptome
Es besteht mäßiger Juckreiz, der nachts meist stärker ausgeprägt ist. Gewöhnlich beobachtet man keine Kratzeffekte. Verwaschene, blaue bis schiefergraue Flecken entstehen als Folge der Filzlausstiche.
Diagnostik
Die Diagnose erfolgt über das klinische Bild sowie über den Nachweis der Läuse oder ihrer Nissen.
Therapie
  • FilzlausbefallTherapieAllethrin/Piperonylbutoxid (Spray) oder Permethrin-Creme 1% mit 10 Min. Einwirkzeit (Nix® Creme; Off-Label-Use)

  • Alternative: Ivermectin 200 µg/kg KG p. o., einmalig (Off-Label)

Als Faustregel gilt

Kontaktpersonen müssen mitbehandelt werden.

Außerhalb des Körpers überleben Filzläuse nur kurz. Da aber eine Ausbreitung über die Kleidung, Bettwäsche oder Handtücher vorkommen kann, sind die Reinigung der kontaminierten Wäsche und des Bettzeugs und eine Nichtbenutzung für 1–2 Wo. angezeigt.

Kasuistik Syphilis

Syphilissexuell übertragbare Krankheiten (STD)SyphilisEin 70-jähriger Patient berichtet über vor 8 Wo. aufgetretene Hals- und Ohrenschmerzen sowie Lymphknotenschwellungen zervikal, wofür vom Haus- und vom HNO-Arzt keine Ursache gefunden werden konnte. Hals- und Ohrenschmerzen seien rückläufig gewesen, die Lymphknotenschwellungen persistierten. Nach 2 Wo. sei ein Ausschlag dazugekommen, der keinerlei Beschwerden verursache.
Diagnostik
Befund:
  • Stammbetontes Exanthem aus überwiegend flachen, geröteten, linsengroßen Papeln

  • Teilweise erythematöse Flecken (Abb. 86.1)

  • Kein Juckreiz

Laborwerte:
  • TPHA: > 1 : 640

  • VDRL +++

  • 19-S IgM-FTA-ABS-Test positiv

Es wird die Diagnose Lues II (Frühsyphilis) gestellt.
Nach Aufklärung berichtet der Patient, seit 7 J. keine regelmäßigen sexuellen Kontakte mehr gehabt zu haben, allerdings sei vor ca. 3 Mon. ein Sex-Kino besucht worden. Wie die Infektion erfolgt sei, könne er sich nicht vorstellen, möglicherweise habe er sich durch Kontakt mit Genitalsekreten auf den Stühlen angesteckt.
Therapie
Der Patient erhält Tardocillin, 2 × 1,2 Mio. IE i.m. unter Herxheimer-Prophylaxe.

Literatur

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