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B978-3-437-22107-1.50041-8

10.1016/B978-3-437-22107-1.50041-8

978-3-437-22107-1

Thyreoiditis – Chirurgische Therapie

A. Frilling

M. Bockhorn

Kernaussagen

  • Eine Thyreoiditis wird nur in Ausnahmefällen bei persistierender lokaler Symptomatik oder Malignitätsverdacht operativ behandelt.

  • Die Hashimoto-Thyreoiditis kann sich als diffuse, langsam wachsende Struma manifestieren, deren Größenzunahme im Einzelfall eine Operation erfordert.

  • Bei Hashimoto-Thyreoiditis besteht eine erhöhte Inzidenz von papillären Schilddrüsenkarzinomen. Jeder suspekte Knoten muss wie ein Karzinom abgeklärt und behandelt werden.

  • Die subakute Thyreoiditis de Quervain wird bei persistierenden oder fortschreitenden lokalen Beschwerden und bei Malignitätsverdacht operativ behandelt.

  • Mit hoher Morbidität ist die Riedel-Thyreoiditis verbunden, deren lokale Komplikationen einen operativen Eingriff notwendig machen können: Tracheotomie, Isthmusdurchtrennung oder -resektion, einseitige oder beidseitige Resektion.

  • Bei der akuten bakteriellen Thyreoiditis ist bei begrenzter Abszessbildung eine Entlastungspunktion indiziert. Bei ausgeprägter Symptomatik erfolgt eine Inzision und Drainageneinlage. An eine Tuberkulose sollte gedacht werden!

Als Faustregel gilt:

Die Behandlung der Thyreoiditis ist eine Domäne der konservativen Behandlung. Die operative Therapie ist der Ausnahmefall und setzt eine abgewogene Indikationsstellung und Kenntnis des vorausgegangenen klinischen Verlaufs voraus.

Eine Indikation für eine chirurgische Therapie besteht, wenn

  • der Entzündungsprozess der Thyreoiditis zu einer therapierefraktären lokalen Symptomatik führt

  • ein Malignitätsverdacht besteht.

Hashimoto-Thyreoiditis

Die Immunthyreoiditis (Hashimoto, chronisch lymphozytäre Thyreoiditis) kann sich als eine diffuse, langsam wachsende Struma manifestieren. Bei einer Größenzunahme (hypertrophe Verlaufsform) kann sie eine mechanische Kompression hervorrufen, die einen operativen Eingriff erfordert. Bei einer hypo- oder normotrophen Schilddrüse entwickelt sich im Rahmen des Autoimmunprozesses häufig ein chronischer Hypothyreoidismus.
Relativ selten ist eine Hashimoto-Toxikose, die insbesondere in der akuten Entstehungsphase der Erkrankung beobachtet wird. Häufig ist sie selbstlimitierend und gelegentlich bei jungen Frauen wenige Monate nach der Entbindung oder als Folge einer Zytokintherapie zu sehen.
Ist eine medikamentöse Therapie notwendig und diese nicht erfolgreich, kann bei Persistenz der hyperthyreoten Stoffwechsellage eine Operation im Sinne einer Thyreoidektomie erforderlich sein.

CAVE

! Die Hashimoto-Thyreoiditis geht mir einer erhöhten Inzidenz des papillären Schilddrüsenkarzinoms einher.

Eine Koexistenz von autonomen Adenomen und kalten Knoten sowohl in der normotrophen als auch in der hypertrophen Form der Hashimoto-Thyreoiditis ist möglich. Durch eine Feinnadelpunktion kann das Malignitätsrisiko eingegrenzt werden. Bei einem suspekten Knoten besteht die Indikation zur Operation. Das operative Vorgehen richtet sich nach den Regeln der Schilddrüsenkarzinom-Chirurgie. Bei einer schnellen Größenzunahme der Struma ist differenzialdiagnostisch ein Lymphom in Erwägung zu ziehen.

Thyreoiditis de Quervain

Die subakute Thyreoiditis de Quervain heilt in der Regel spontan aus und stellt nur selten eine Operationsindikation dar. Diese besteht bei Malignitätsverdacht oder bei rezidivierenden Beschwerden mit wiederholter Erfordernis einer Glukokortikoidtherapie.

Riedel-Thyreoiditis

Die chronisch fibrosierende Thyreoiditis (Riedel) imponiert klinisch mit einem schnellen Strumawachstum und einem hartem Tastbefund. Eine Assoziation mit einer retroperitonealen Fibrose, einer sklerosierenden Cholangitis oder fibrosierenden Mediastinitis ist möglich.
  • Die Riedel-Thyreoiditis kann selbstlimitierend sein und wird von einer hohen Morbidität begleitet. Eine Operation ist indiziert bei Malignitätsverdacht oder beim Auftreten mechanischer Kompression.

Akute bakterielle Thyreoiditis

Bei der akuten bakteriellen Thyreoiditis mit begleitender Abszessbildung kann eine Entlastungspunktion oder eine Drainageneinlage indiziert sein.

CAVE

! Im Kinder- und Jugendalter muss als Abszessursache eine Sinus-piriformis-Fistel abgeklärt werden.

Die Abszessflüssigkeit sollte auf säurefeste Stäbchen untersucht werden.

Literatur

Leitlinien zur

Leitlinien zur operativen Therapie benigner Schilddrüsenerkrankungen. www.awmf-leitlinien.de.033/002

Annaert et al., 2007

M. Annaert M. Thijs R. Sciot B. Decallonne Riedel's thyreoiditis occurring in a multinodular goiter, mimicking thyroid cancer. J Clin Endocrinol Metab 92 6 2007 2005 2006

Lorenz et al., 2007

K. Lorenz O. Gimm H.J. Holzhausen Riedel's thyreoiditis: impact and strategy of a challenging surgery. Langenbecks Arch Surg 392 4 2007 405 412

Repplinger et al., 2008

D. Repplinger A. Bargren Y.W. Zhang J.T. Adler M. Haymart H. Chen Is Hashimoto's thyreoiditis a risk factor for papillary thyroid cancer? J Surg Res 150 2008 49 52

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