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B978-3-437-22107-1.50232-6

10.1016/B978-3-437-22107-1.50232-6

978-3-437-22107-1

FIGO- und TNM-Klassifikation des Zervixkarzinoms.

Tabelle 1
FIGO TNM Beschreibung
TX Primärtumor kann nicht beurteilt werden
T0 Kein Anhalt für Primärtumor
0 Tis Carcinoma in situ
I T1 Karzinom ist streng auf die Cervix uteri begrenzt (die Ausdehnung auf das Corpus uteri bleibt unberücksichtigt)
IA1 T1a1 Gemessene Stroma-Invasion von nicht mehr als 3 mm in der Tiefe und einer Oberflächenausdehnung von nicht mehr als 7 mm
IA2 T1a2 Gemessene Stroma-Invasionstiefe von mehr als 3 mm und nicht mehr als 5 mm bei einer Oberflächenausdehnung von nicht mehr als 7 mm
IB T1b Klinisch erkennbare Läsionen, begrenzt auf die Cervix uteri, oder subklinische Läsionen mit größeren Maßen als Stadium IA
IB1 T1b1 Klinisch erkennbare Läsionen, nicht größer als 4 cm
IB2 T1b2 Klinisch erkennbare Läsionen, größer als 4 cm
II T2 Zervixkarzinom infiltriert jenseits des Uterus, aber nicht bis zur Beckenwand und nicht bis zum unteren Drittel der Vagina
IIA T2a Ohne Infiltration des Parametriums. Infiltration der oberen ⅔ der Vagina
IIB T2b Mit Infiltration des Parametriums, aber keine Ausbreitung zur Beckenwand
III T3 Zervixkarzinom breitet sich bis zur Beckenwand aus und befällt das untere Drittel der Vagina und verursacht Hydronephrose oder stumme Niere
IIIA T3a Tumor befällt unteres Drittel der Vagina, keine Ausbreitung zur Beckenwand
IIIB T3b Tumor breitet sich bis zur Beckenwand aus oder verursacht Hydronephrose oder stumme Niere
IV T4 Tumor infiltriert Schleimhaut von Blase oder Rektum und/oder überschreitet die Grenzen des kleinen Beckens
IVA T4 Ausbreitung auf angrenzende Organe des Beckens
IVB T4 Ausbreitung auf entfernte Organe (Fernmetastasen)

Quelle: Interdisziplinäre Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) [http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-033l_S2k_Zervixkarzinomung.pdf]

Anforderungen an den pathologischen Befundbericht.

Tabelle 2
1 Histologischer Typ nach WHO
2 Grading
3 Aussage zu einer eventuellen Lymph- oder Hämangiosis
4 Aussage zu einer eventuellen Perineuralscheideninfiltration
5 Staging nach TNM
6 Invasionstiefenausdehnung in Millimetern bei Stadien pT1a1 und pT1a2
7 Dreidimensionale Tumorgröße in Zentimetern ab Stadium pT1b1
8 Minimaler Abstand zu den Resektionsrändern
9 R-Klassifikation

Piver-Klassifikation der radikalen Hysterektomie.

Tabelle 3
Piver-Klassifikation Beschreibung
I Extrafasziale Hysterektomie ohne Mobilisierung der Ureteren
II Extrafasziale Hysterektomie mit Resektion der Parametrien medial der Ureteren
III Klassische radikale Hysterektomie mit Resektion der Parametrien bis zur Beckenwand und Resektion des oberen Vaginaldrittels
IV In Ergänzung zur Piver-III-Hysterektomie Resektion von bis zu ¾ der Vagina
V Resektion von Teilen der Blase und des distalen Ureters mit Ureterneuinplantation

Tumorerkrankungen in der Gynäkologie – Zervixkarzinom

P. Mallmann

Kernaussagen

  • In Deutschland erkranken jährlich 6500 Frauen an einem Zervixkarzinom, 1700 versterben.

  • 80% aller Zervixkarzinome sind Plattenepithelkarzinome, etwa 20% entfallen auf Adenokarzinome und andere seltene Histologien.

  • Voraussetzung für die Entstehung eines Zervixkarzinoms ist eine Infektion mit humanen High-Risk-Papillomaviren.

  • Eine Primärprävention des Zervixkarzinoms ist durch eine Vermeidung einer genitalen Infektion mit HPV möglich. Voraussetzung ist sexuelle Abstinenz.

  • Die Klassifikation eines Zervixkarzinoms erfolgt nach den Richtlinien der FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d'Obstétrique) ausschließlich klinisch durch Untersuchung.

  • Die operative Radikalität bei der Therapie des invasiven Zervixkarzinoms konnte in den letzten Jahren deutlich reduziert werden. Die operative Vorgehensweise wird in den aktuell gültigen Leitlinien festgelegt.

  • Es liegen keine prospektiv randomisierten Studien zum Vergleich von operativer Therapie und Radiochemotherapie beim Zervixkarzinom vor.

  • Im Mittelpunkt der Nachsorge steht die klinische und zytologische lokale Untersuchung zum Ausschluss eines Lokalrezidivs.

  • Die Ergebnisse einer palliativen Chemotherapie des rezidivierenden oder metastasierten Zervixkarzinoms sind insgesamt enttäuschend.

Vorbemerkungen

Epidemiologie

Die Inzidenz des Zervixkarzinoms variiert weltweit zwischen 3,6 in Finnland und 45 in Südamerika pro 100.000 Frauen pro Jahr. In Deutschland erkranken jährlich 6500 Frauen an einem Zervixkarzinom, 1700 versterben. Die Altersverteilung dieser Erkrankung zeigt einen Gipfel zwischen 35 und 54 Jahren sowie einen zweiten Gipfel bei 65 Jahren, wobei sich das mittlere Alter bei der Erstdiagnose in den letzten 25 Jahren um 14 Jahre verringert hat. 80% aller Zervixkarzinome sind Plattenepithelkarzinome, etwa 20% entfallen auf Adenokarzinome und andere seltene Histologien wie z. B. neuroendokrine Karzinome. Der Anteil der Adenokarzinome hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Während die Inzidenz des invasiven Zervixkarzinoms in Deutschland ungefähr gleich bleibt, hat die Inzidenz der zervikalen Präkanzerosen in den letzten Jahren um das Vierfache zugenommen.

Ätiologie

Nach unserem derzeitigen Verständnis ist die Voraussetzung für die Entstehung eines Zervixkarzinoms eine Infektion mit humanen High-Risk-Papillomaviren. Begleitfaktoren, die neben einer HPV-Infektion mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko assoziiert werden, sind
  • Rauchen,

  • Zahl der Geburten,

  • eine erworbene Immunschwäche und

  • die Langzeiteinnahme von oralen Kontrazeptiva.

Eine Primärprävention des Zervixkarzinoms ist durch eine Vermeidung einer genitalen Infektion mit humanen Papillomaviren möglich, die allerdings nur durch sexuelle Abstinenz erfolgen kann. Die Verwendung von Kondomen vermindert zwar das Übertragungsrisiko einer HPV-Infektion, stellt aber keinen absoluten Schutz dar. Eine weitere Möglichkeit der Primärprävention ist die Durchführung einer HPV-Impfung mit einem bivalenten oder tetravalenten Impfstoff gegen HPV. Damit kann die Entstehung von Vorstufen eines Zervixkarzinoms, den zervikalen intraepithelialen Neoplasien, und möglicherweise auch von invasiven Zervixkarzinomen verhindert werden.

Pathophysiologie

In der Folge einer Infektion mit humanen Papillomaviren kommt es zu Veränderungen des nicht verhornenden Plattenepithels der Portio uteri. In Abhängigkeit vom Grad dieser Zellveränderungen, die sich durch zelluläre Atypien und Mitosen charakterisieren lassen, werden verschiedene Grade der Dysplasien differenziert. Diese zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN, cervical inraepithelial neoplasia) wurden bislang nach ihrem Ausmaß als CIN I, d.h. geringgradige Dysplasien, oder CIN II, d.h. mäßiggradige Dysplasien, bzw. falls das gesamte Epithel betroffen war, als Carcinoma in situ (CIN III) klassifiziert.
Während CIN I und II zu einem hohen Prozentsatz rückbildungsfähig sind, werden die hochgradige Dysplasie und insbesondere das Carcinoma in situ als obligate Präkanzerosen angesehen. Obligate Präkanzerosen bedürfen einer lokalen Sanierung mit dem Ziel der kompletten Entfernung des entsprechend veränderten Areals, meist in Form einer Resektion mit einer elektrischen Schlinge unter kolposkopischer Kontrolle.
Eine Früherkennung des Zervixkarzinoms ist durch eine kolposkopische Untersuchung des Gebärmutterhalses und des Muttermunds, einen Abstrich mit zytologischer Untersuchung, dem sogenannten PAP-Test, und eine gynäkologische Tastuntersuchung möglich. Für das Zervixkarzinom gibt es derzeit in Deutschland kein organisiertes Screening wie etwa beim Mammakarzinom. Nach den derzeit gültigen Leitlinien wird empfohlen, drei Jahre nach dem ersten Geschlechtsverkehr bzw. mit dem 20. Lebensjahr jährlich einen zytologischen Abstrich von Portio und Zervikalkanal durchzuführen.
! Ein Ersatz einer zytologisch basierten Zervixkarzinomfrüherkennung durch ein sogenanntes HPV-basiertes Screening, bei der primär eine Untersuchung auf eine Infektion mit HPV erfolgt, wird nach einer aktuellen Beurteilung der Datenlage derzeit in Deutschland nicht empfohlen.

Diagnostik

Das Zervixkarzinom ist das einzige Karzinom, das ausschließlich klinisch klassifiziert wird. Auch die Ergebnisse der bildgebenden Verfahren wie Ultraschall, CT-Abdomen oder MR-Becken gehen ähnlich wie das operative Staging derzeit noch nicht in die Klassifikation ein. Die Stadieneinteilung erfolgt nach den Richtlinien der FIGO (Fédération Internationale de Gynécologie et d‘Obstétrique) ausschließlich klinisch durch Untersuchung (▸ Tabelle 1). Obwohl es in der FIGO-Klassifikation keine Berücksichtigung findet, erfolgt zur Festlegung der lokoregionären Tumorausbreitung im Regelfall
  • eine vaginale Ultraschalluntersuchung sowie

  • ein Ultraschall der Nieren beidseits.

Bei Patientinnen mit histologisch gesichertem Zervixkarzinom ist ab Stadium IB1 eine Kernspintomographie des Beckens zur Dokumentation der lokoregionären Ausbreitung, sowie ein CT-Thorax und CT-Abdomen zum Ausschluss einer extrapelvinen Metastasierung sinnvoll. Die histologische Sicherung bei V. a. Vorliegen eines Zervixkarzinoms erfolgt bei kolposkopisch erkennbarer Läsion durch eine kolposkopisch gesteuerte gezielte Biopsie, bei klinisch unauffälligem aber zytologisch suspektem Befund in Form einer Schlingenexzision.

Pathologie

Im pathologischen Befund muss die Art der Läsion, d.h. CIN oder ACIS, deren Lokalisation in der Endo- bzw. Ektozervix, deren Ausdehnung und der Nachweis eines invasiven Karzinoms beurteilt werden. Zur Festlegung der weiteren Therapie muss bei einem invasiven Karzinom die Größenausdehnung, eine eventuelle Lymph-, Blutgefäß- und Perineuralscheideninvasion, das Grading und der Status der Resektionsränder angegeben werden (▸ Tabelle 2).
Weiterhin muss in dem pathologischen Bericht die Zahl der befallenen Lymphknoten im Verhältnis zur Zahl der entfernten Lymphknoten und ihre Lokalisation, d.h. pelvin oder paraaortal angegeben werden.

Therapie

Therapie der präinvasiven Läsionen

Zu den präinvasiven Läsionen gehören die zervikale intraepitheliale Neoplasie Grad III (CIN III) bzw. das plattenepitheliale Carcinom in situ (CIS) sowie das Adenocarcinoma in situ (ACIS). Hierbei handelt es sich um obligate Präkanzerosen, so dass diese in sano entfernt werden müssen.
Die Art der Therapie ist davon abhängig, ob die Transformationszone kolposkopisch gut beurteilbar ist:
  • Ist die Transformationszone kolposkopisch sicher einsehbar und besteht kolposkopisch kein Verdacht auf eine Mikroinvasion und kein Hinweis auf das Vorliegen eines ACIS, ist bei einer Patientin mit potenziellem Kinderwunsch die Laservaporisation mit Zervixkürettage oder als Alternative die LOOP-Exzision mit peripherer Laservaporisation und Zervixkürettage indiziert.

  • Ist die Transformationszone nicht einsehbar oder wurde ein ACIS nachgewiesen, besteht eine Indikation zur Durchführung einer Schlingen- oder Laserkonisation mit gleichzeitiger Zervixkürettage.

    ! Die früher üblichen Messerkonisationen und Sturmdorf-Nähte sind obsolet.

Therapie des invasiven Zervixkarzinoms

In den letzten Jahren konnte die operative Radikalität bei der Therapie des invasiven Zervixkarzinoms deutlich reduziert werden. Die operative Vorgehensweise in Abhängigkeit von der Tumorausdehnung und dem Vorliegen von Risikofaktoren wird in den aktuell gültigen Leitlinien exakt festgelegt.
Risikofaktoren eines früh invasiven Zervixkarzinoms sind eine Lymphangiosis, ein schmaler bzw. nicht beurteilbarer Absetzungsrand, G3 und ein neuroendokrines Karzinom.
Stadium IA1 ohne Risikofaktoren
Bei bestehendem Kinderwunsch besteht die Therapie in einer Konisation, deren Ziel eine Resektion in sano mit einem Sicherheitsabstand von ≥ 3 mm ist. Bei abgeschlossener Familienplanung bzw. bei hohem Sicherheitsbedürfnis der Patientin kann auch eine einfache Hysterektomie erfolgen. Es besteht dabei aber keine onkologische Indikation zur Durchführung einer Hysterektomie. Bei positiven Resektionsrändern im Konus kann die Konisation entweder wiederholt oder alternativ eine Hysterektomie durchgeführt werden.
Stadium IA1 mit Risikofaktoren und Stadium IA2 ohne Risikofaktoren
Bei abgeschlossener Familienplanung bzw. bei besonderem Sicherheitsbedürfnis der Patientin besteht die Therapie in diesem Stadium in einer radikalen Hysterektomie mit Resektion der Parametrien (Piver I). Bei Kinderwunsch kann auch eine Konisation mit Zervixkürettage oder eine radikale Trachelektomie durchgeführt werden. In beiden Fällen ergänzt durch eine beidseitige Sentinel-Lymphonodektomie bzw. eine systematische pelvine Lymphonodektomie. Bei Durchführung einer Sentinel-Lymphonodektomie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, die in ▸ Tabelle 3 aufgeführt sind.
! Bei positiven Sentinel-Lymphknoten oder positiven pelvinen Lymphknoten muss ergänzend noch eine paraaortale Lymphonodektomie durchgeführt werden.
Stadium IA2 mit Risikofaktoren
Liegen im Stadium IA2 ein oder mehrere der oben aufgelisteten Risikofaktoren vor, ist ein Fertilitätserhalt nicht mehr möglich und es besteht eine Indikation zur radikalen Hysterektomie (Piver II). Es kann bei klinisch unauffälligen Lymphknoten eine bilaterale Sentinel-Lymphonodektomie durchgeführt werden.
! Bei Nachweis von pelvinen Lymphknotenmetastasen muss ergänzend eine paraaortale Lymphonodektomie erfolgen. Im Regelfall ist aufgrund der Vielzahl der vorhandenen Risikofaktoren eine adjuvante Radiochemotherapie indiziert.
Stadium IB1
Die Standardtherapie im diesem Stadium besteht in der radikalen Hysterektomie (Piver II), bei Kinderwunsch in Form einer radikalen Trachelektomie mit prophylaktischer Cerclage. Voraussetzungen zur Durchführung eines organerhaltenden Vorgehens in Form einer Trachelektomie ist eine Tumorgröße < 2 cm und das Fehlen von Risikofaktoren. Bei klinisch unauffälligen Lymphknoten ist eine bilaterale Sentinel-Lymphonodektomie möglich bzw. eine systematische pelvine Lymphonodektomie, bei Nachweis von pelvinen Lymphknotenmetastasen ergänzt durch eine paraaortale Lymphonodektomie. Finden sich intraoperativ makroskopisch tumorbefallene pelvine und/oder paraaortale Lymphknoten, sollten diese vor einer dann indizierten Radiochemotherapie entfernt werden.
! Liegen mehr als drei histopathologisch definierte Risikofaktoren vor wie z. B. eine Lymphangiosis, G3, Rl-Resektion, neuroendokrines Karzinom, tiefe Stromainvasion oder positive Lymphknoten, muss eine adjuvante Radiochemotherapie durchgeführt werden.
Stadium IB2 bis IIB
Die operative Standardtherapie in diesen Stadien besteht in einer radikalen Hysterektomie (Piver II oder III) mit einer pelvinen und inframesenterialen Lymphonodektomie, bei positiven pelvinen Lymphknoten ergänzt durch eine paraaortale Lymphonodektomie. Bei makroskopisch tumorbefallenen Lymphknoten sollten diese vor einer adjuvanten Radiochemotherapie entfernt werden. Bei Ausdehnung des Karzinoms in die Scheide sollte diese ebenfalls reseziert werden.
Stadium III
Die Standardtherapie in diesem Stadium besteht in einer primären Radiochemotherapie, eventuell nach einem operativen Staging zur histologischen Dokumentation der Ausbreitung. Wird ein operatives Staging durchgeführt ist es sinnvoll, makroskopisch tumorbefallene Lymphknoten operativ zu entfernen.
Stadium IV
Die Standardtherapie in diesem Stadium ist die primäre Radiochemotherapie, in bestimmten Fällen auch eine primäre Exenteration.

Sentinel-Node-Lymphonodektomie

In den aktuellen Leitlinien ist erstmalig beim frühen Zervixkarzinom die Durchführung der Sentinel-Node-Lymphonodektomie gestattet. Es handelt sich jedoch weiterhin nicht um ein Routineverfahren. Voraussetzungen zur Durchführung der Sentinel-Node-Biopsie sind
  • eine Tumorgröße < 2 cm und

  • eine beidseitige Darstellung der Sentinel-Lmyphknoten.

Im Rahmen der Hysterektomie sollte bei prämenopausalen Patienten eine beidseitige Salpingektomie, bei postmenopausalen eine beidseitige Adnexektomie durchgeführt werden.
Es liegen keine prospektiv randomisierten Studien zum Vergleich der verschiedenen Operationsverfahren vor, wahrscheinlich ist eine laparoskopische Durchführung der Operation einem konventionellen abdominalen Vorgehen onkologisch gleichwertig. Langzeitdaten liegen jedoch lediglich für die konventionellen Verfahren vor.
Es liegen auch keine Daten vor, ob eine sekundäre Hysterektomie nach primärer Radiochemotherapie einen Einfluss auf die Lokalrezidivrate, das krankheitsfreie Überleben oder das Gesamtüberleben hat. Möglicherweise ist eine einfache Hysterektomie nach primärer Radiochemotherapie bei einem großen Zervixkarzinom (≥ 6 cm) und vermuteter partieller Remission onkologisch sinnvoll.

Strahlentherapie

Es liegen keine prospektiv randomisierten Studien zum Vergleich von operativer Therapie und Radiochemotherapie beim Zervixkarzinom vor. Man sollte sich bei der Behandlung dieses Karzinoms jedoch bemühen, dass nur ein Therapieverfahren Anwendung findet. Ist also bereits bei Diagnosestellung erkennbar, dass hier die Notwendigkeit einer adjuvanten Radiochemotherapie besteht (z. B. Verdacht auf Lymphknotenmetastasen), sollte möglichst auf eine Operation verzichtet und eine primäre Radiochemotherapie durchgeführt werden.
Besteht eine Indikation zur Durchführung einer Bestrahlung eines Zervixkarzinoms, sollte diese wenn möglich immer in Kombination mit einer cisplatinhaltigen Chemotherapie in Form von mindestens fünf Gaben von je 40 mg/m2 KOF pro Woche durchgeführt werden. Obligater Bestandteil einer kurativen Strahlentherapie ist die Durchführung einer vaginalen Brachytherapie. Bei jungen Patienten sollte möglichst vorher eine Ovariopexie durchgeführt werden.
Eine Radiochemotherapie kann entweder primär bei lokal fortgeschrittenen inoperablen Karzinomen oder adjuvant nach Durchführung einer radikalen Hysterektomie durchgeführt werden. Eine Indikation zur Durchführung einer adjuvanten Radiochemotherapie besteht, wenn einer der folgenden Risikofaktoren vorliegt:
  • Positive Lymphknoten

  • Infiltration der Parametrien

  • Positive Resektionsränder

Eine Indikation besteht weiterhin, wenn mindestens zwei der folgenden Risikofaktoren vorhanden sind:
  • Lymphgefäßinvasion

  • Tiefe Stromainvasion der Zervix

  • Grading G3

Der histopathologische Nachweis eines Adenokarzinoms oder eines adenosquamösen Karzinoms ist allein keine Indikation zur Durchführung einer adjuvanten Radiochemotherapie.
Wichtig ist, dass der Hämoglobinwert unter einer Bestrahlung des Zervixkarzinoms bei > 12 g/dl liegt und gegebenenfalls mittels Transfusion korrigiert wird.

Neoadjuvante Chemotherapie

Wurden bereits präoperativ Risikofaktoren definiert, die eine Indikation zur Durchführung einer adjuvanten Radiochemotherapie darstellen (▸ Strahlentherapie J 11.1 – 3.4), kann grundsätzlich über die Durchführung einer neoadjuvanten Chemotherapie diskutiert werden. Durch eine neoadjuvante Chemotherapie vor anschließender Operation, die platinhaltig und dosisintensiviert (mindestens 25 mg/m2 KOF Cisplatin pro Woche und Intervall von weniger als 14 Tagen) durchgeführt wird, kann die Operabilität verbessert werden, da der Anteil der Patienten mit positiven Lymphknoten und parametraner Infiltration reduziert wird. Hiermit wird das progressionsfreie Überleben verlängert. Bislang konnte jedoch keine Verbesserung des Gesamtüberlebens dokumentiert werden. Die anschließende Operation sollte in der Form durchgeführt werden, die anhand der primären Stadieneinteilung geplant war.
! Die Durchführung einer adjuvanten Chemotherapie nach Operation oder abgeschlossener Radiochemotherapie führt ebenfalls nur zu einer Verbesserung des progressionsfreien Überlebens, jedoch nicht des Gesamtüberlebens.

Nachsorge

Im Mittelpunkt der Nachsorge steht die klinische und zytologische lokale Untersuchung zum Ausschluss eines Lokalrezidivs, die in den ersten drei Jahren alle drei Monate, in den weiteren zwei Jahren alle sechs Monate durchgeführt werden sollte. Regelmäßige bildgebende Kontrollen sind nur bei V. a. Rezidiv indiziert.

Lokalrezidive

Bei einem Drittel aller Patienten mit Zervixkarzinom liegen bei Primärdiagnosen pelvine Lymphknotenmetastasen vor, in 12% der Fälle ist hier die Erkrankung bereits primär metastasiert. Die Lokalrezidivrate beträgt
  • im Stadium IB 10%,

  • imStadiumIIA17%,

  • im Stadium IIB 23%,

  • im Stadium III 42% und

  • im Stadium IVA 74 %.

Das 5-Jahres-Überleben nach Auftreten eines Lokalrezidivs beträgt ca. 10%. Bei einem zentralen Rezidiv einer nicht vorbestrahlten Patientin besteht nach bildgebendem Ausschluss von Fernmetastasen die Möglichkeit einer Exenteration, alternativ einer Radiochemotherapie, die im Regelfall aufgrund der geringeren Morbidität bevorzugt wird. Eine Exenteration ist nur dann sinnvoll, wenn eine Resektion in sano prinzipiell möglich erscheint. Bei Patientinnen, die bereits primär oder adjuvant eine Radiochemotherapie erhalten haben, besteht lediglich die Option einer Exenteration bzw. bei Tumorrezidiv im Bereich des Uterus die erweiterte Hysterektomie.
Bei einem Beckenwandrezidiv kann bei einer bislang nicht vorbestrahlten Patientin eine Radiochemotherapie durchgeführt werden. Ist bei der Patientin bereits eine primäre oder adjuvante Radiochemotherapie erfolgt und eine operative Resektion in sano nicht möglich, besteht im Regelfall lediglich die Option einer palliativen Chemotherapie.

Metastasen

Wenn durch eine entsprechende bildgebende Diagnostik nachgewiesen wurde, dass es sich um eine isolierte Metastase handelt, besteht hier die Option einer lokalen Therapie in Form
  • einer Operation,

  • einer lokalen Bestrahlung oder

  • lokal destruierender Verfahren, z. B. Radiofrequenzablation.

Bei einer disseminierten oder einer lokalen Therapie nicht zugänglichen Metastasierung besteht lediglich die Option einer palliativen Chemotherapie. Hier wird aufgrund der derzeitige Datenlage eine Kombinationschemotherapie mit Cisplatin und Paclitaxel bzw. Topotecan empfohlen. Möglicherweise können die Ergebnisse durch eine zusätzliche Gabe von Bevacizumab, insbesondere bei vorbestrahlten Patientinnen verbessert werden. Die Ergebnisse einer palliativen Chemotherapie des rezidivierenden oder metastasierten Zervixkarzinoms sind insgesamt enttäuschend, der Einfluss auf das Gesamtüberleben ist gering. Eine Möglichkeit einer effektiven Second-Line-Therapie bei Progress eines metastasierten Zervixkarzinoms besteht derzeit nicht.

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