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B978-3-437-22107-1.50449-0

10.1016/B978-3-437-22107-1.50449-0

978-3-437-22107-1

Virale hämorrhagische Fieber

V. Melichar

Kernaussagen

  • Virusbedinge hämorrhagische Fieberkrankheiten sind Infektionskrankheiten, die klinisch mit Blutungen und Blutungsneigungen einhergehen. Die Krankheiten sind oft klassische Reisekrankheiten und werden durch Reisende aus Afrika, Südamerika und Südostasien importiert.

  • Fieber nach einem Aufenthalt in den Tropen der o.g. Länder kann generell ein Zeichen für eine importierte lebensbedrohliche Viruskrankheit sein und sollte entsprechend abgeklärt werden.

  • Neben der Malaria sind Gelbfieber, Dengue-Fieber und das Chikungunya-Fieber gut definiert (> Kapitel S 6.20 – 1, > S 6.18 – 1 und > S 6.17 – 1). Für Gelbfieber gibt es eine wirksame Impfung. Das Dengue-Fieber ist mit über 300 importierten Krankheitsfällen (2009) die häufigste Fieberursache nach Südostasien-Reisen.

Viruskrankheiten mit hohem Fieber und hämorrhagischem Verlauf.

Tab 1
  • Hantavirus-Erkrankung (> S 6.21)

  • Dengue-Fieber (> S 6.18)

  • Gelbfieber (> S 6.20)

  • Chikungunya-Fieber (> S 6.17)

  • Lassafieber

  • Ebola- und Marburgfieber

  • Krim-Kongo-Fieber

  • Rifttalfieber (Rift Valley Fever)

Lassafieber

Benannt ist das Lassafieber nach einer Stadt in Nigeria, in der 1969 die Krankheit ausbrach und bei den Patienten der Virusnachweis gelang. Die Krankheit kommt nur in Westafrika vor und der natürliche Wirt des Virus ist das Nagetier Mastomys natalensis (Natalvielzitzenmaus). Die Übertagung erfolgt durch die Nagerexkremente oder bei engem menschlichem Kontakt über Körperflüssigkeiten. In den letzten Jahren wurden nur zwei Fälle nach Deutschland importiert.
Das Lassavirus gehört zur Familie der Arenaviren. Bei den meisten Patienten verläuft die Krankheit relativ mild mit grippeähnlichen Symptomen. Nur 1–2% versterben an der Krankheit. Nach einer Inkubationszeit von 2–7 Tagen beginnt die Krankheit meist unspezifisch mit Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Husten und gastrointestinalen Beschwerden. Charakteristisch sind zunehmende ödematöse Schwellungen der Augenlider und des Gesichts, Konjunktivitis und ausgeprägte Myalgien. Im weiteren Verlauf kann es zu Hepatitis, Enzephalitis und hämorrhagischen Manifestationen bis hin zum Multiorganversagen kommen (< 10%). In den Endemiegebieten versterben ca. 15% an der Erkrankung.
Bei Schwangeren verläuft die Erkrankung häufig schwerer. In der Rekonvaleszenz in der zweiten Krankheitswoche entwickeln ca. 30% der Patienten Hörstörungen. Bei direktem Kontakt zu Blut oder Körperflüssigkeiten von Patienten mit Lassafieber wird eine Postexpositionsprophylaxe mit Ribavirin empfohlen. Ein Impfstoff ist nicht verfügbar.

Ebola- und Marburgfieber

Das Ebola- und das Marburg-Virus zählen zu den akut tödlichsten bekannten Krankheitserregern für den Menschen überhaupt und kommen nur in Afrika südlich der Sahara vor. Das Marburg-Virus wurde 1967 im Rahmen einer Epidemie entdeckt, die in Marburg durch infizierte Affen importiert worden war. Epidemien mit hoher Letalität traten 1998–2000 im Norden des Kongos und 2004–2005 in Angola auf. Das Ebola-Virus hat 1976 zwei große Epidemien im Kongo und im Sudan verursacht. Die Sterblichkeit lag zwischen 30 und 90%.
Ebola- und Marburg-Viren bilden zusammen die Familie der Filoviren. Beide Virusinfektionen führen beim Menschen zu schweren fieberhaften Krankheitsverläufen: Durchfälle werden im Verlauf blutig, häufig treten schwere hämorrhagische Diathesen der Haut und Schleimhäute auf. Die Infektionsquelle für den Menschen ist immer noch unklar. Wahrscheinlich spielt Kontakt zu infizierten Menschenaffen oder Fledermäusen eine Rolle. Die weitere Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt dann in der Regel durch Kontakt mit erregerhaltigem Blut oder anderen Körperflüssigkeiten. Eine spezifische Therapie existiert nicht, Impfstoffe sind im präklinischen Stadium angebracht.

Krim-Kongo-Fieber

Das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber wird durch ein Virus verursacht, das erstmalig in Kongo aus Patientenproben isoliert wurde. Das Krim-Kongo-Virus gehört in die Familie der Bunyaviren. Erst in den 1970-er Jahren wurde bekannt, dass das Virus auch das hämorrhagische Krim-Fieber verursacht, das seit 1944 bekannt ist. Das Krim-Kongo-Fieber ist in vielen Ländern Afrikas, Asiens, Südosteuropas (Türkei, Albanien, Bulgarien, Kosovo) und des Nahen Ostens endemisch und wird v. a. durch Hyalomma-Zecken oder durch den Verzehr infizierten Fleischesübertragen. Tiere sind das Reservoir und erkranken im Gegensatz zum Menschen nicht. Der Mensch infiziert sich oft durch engen Kontakt zu Nutztieren und ungenügend erhitzten Tierprodukten. Eine Übertragung durch Zeckenstiche ist ebenfalls möglich, ebenso durch engen körperlichen Kontakt, z. B. im Krankenhaus bei der Krankenpflege.
Zunächst tritt nach einer kurzen Inkubationszeit von 1–12 Tagen hohes Fieber auf. Die Infektion mit diesem Virus verläuft in ca. 20% der Fälle als hämorrhagisches Fieber mit inneren und äußeren Blutungen (Hämorrhagien), die nicht selten tödlich sind, sowie mit Leber- oder Multiorganversagen.

Rifttalfieber

Der Erreger des Rifttalfiebers (Rift Valley Fever) gehört auch zur Familie der Bunyaviren. Die Erkrankung tritt aktuell meist in Ostafrika, z. B. in Namibia und Tansania, in der Republik Südafrika und früher auch im arabischen Raum auf. Das Virus ist hochpathogen für Rinder, Schafe und Ziegen und wird bei Tieren vor allem durch Mücken übertragen. Im Zusammenhang mit Tierepidemien treten auch Infektionen beim Menschen auf. Nach einer Inkubationszeit von 3–6 Tagen verläuft das Rifttalfieber beim Menschen oft als unspezifische febrile Erkrankung, begleitet von Kopf- und Muskelschmerzen.
Bei etwa 10% der Patienten kommt es zum Befall der Retina mit nachfolgender Sehbeeinträchtigung. Nur bei etwa 1% der Patienten verläuft die Krankheit mit hämorrhagischen Komplikationen, Hepatitis oder Enzephalitis – nicht selten ist sie dann tödlich.

Differenzialdiagnose

Einen guten Überblick über das klinische Bild und die Differenzialdiagnose viraler Erkrankungen, die in den Tropen oder Subtropen erworben werden können, gibt ein kürzlich von Schmidt-Chanasit et al. im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichter Artikel (siehe Literatur). Darin wird u. a. aufgeführt, bei welchen Symptomen und Befunden von Reisenden und Migranten an diese Erkrankungen zu denken ist.

Literatur

Robert Koch-Institut, 2011

Robert Koch-Institut Reiseassoziierte Infektionskrankheiten 2010 Epid Bull 41 2011 372 378

Robert Koch-Institut, 2011

Robert Koch-Institut Ebola-Fieber/Marburg-Fieber Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten 2011 Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin/Bonn 12 13

Robert Koch-Institut, 2011

Robert Koch-Institut Krim-Kongo-Fieber Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten 2011 Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin/Bonn 26 27

Robert Koch-Institut, 2011

Robert Koch-Institut Lassafieber Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten 2011 Westkreuz-Druckerei Ahrens KG Berlin/Bonn 28 29

Schmidt-Chanasit et al., 2012

J. Schmidt-Chanasit S. Schmiedel B. Fleischer G.D. Burchard Importierte Virusinfektionen: Was muss ein niedergelassener Arzt wissen? Dtsch Arztebl Int 109 2012 681 692

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