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B978-3-437-23892-5.00015-4

10.1016/B978-3-437-23892-5.00015-4

978-3-437-23892-5

Steinschnittlagerung

[L157]

NierenlagerungNierenlagerung

[L157]

Thorakoabdominale Lagerung:thorakoabdominaleLagerung

[L157]

Einschätzung der eingeschwemmten Spülflüssigkeit durch Alkoholmessung in der Atemluft

[L157]

Erforderliche Anästhesieausdehnung für endourologische Eingriffe

Tab. 15.1
Operationsart Dermatomhöhe
OP an Niere und Ureter Th6–Th8 (Xyphoid)
OP an Blase, Prostata und Hoden Th10 (Nabel)
OP an Penis, Skrotum und Harnröhre Th12–L1 (Leistenband)

Anästhesie in der Urologie

Evelyn Ocklitz

  • 15.1

    Typische Risikofaktoren urologischer Patienten528

  • 15.2

    Lagerungsarten528

    • 15.2.1

      Steinschnittlage528

    • 15.2.2

      Seitliche Lagerungsverfahren529

    • 15.2.3

      Überstreckte Rückenlage530

  • 15.3

    Wahl des Anästhesieverfahrens530

    • 15.3.1

      Regionalanästhesie530

    • 15.3.2

      Allgemeinanästhesie531

  • 15.4

    Anästhesie bei speziellen Eingriffen531

    • 15.4.1

      TUR-Prostata531

    • 15.4.2

      TUR-Blase533

    • 15.4.3

      Eingriffe an Harnleiter und Nierenbecken534

    • 15.4.4

      Eingriffe am Hoden534

    • 15.4.5

      Große urologische Eingriffe535

    • 15.4.6

      Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)536

Typische Risikofaktoren urologischer Patienten

Zahlreiche urologische Erkr. treten bevorzugt im höheren Alter auf. Daher großer Anteil kardiopulmonaler Risikopat.

  • Einschränkung der Nierenfunktion: Sowohl krankheitsbedingt (Nierentumoren; Schrumpfnieren bei chron. Harnwegsinfekten), als auch unspezifisch (Diab. mell.); z. T. mit Dialysepflichtigkeit (8.3):

    • E'lytveränderungen: Gesamt-Körperkalium ↓ bei Behandlung mit Diuretika, ↑ bei Niereninsuff.

    • Medikamentenelimination: Kann verlängert sein.

    • Störung der Flüssigkeitshomöostase: Höhere Empfindlichkeit gegenüber Hyper- (fluid-lung) und Hypovolämie (erhöhtes periop. Risiko des prärenalen Nierenversagens).

  • Anämie: Ausdruck einer chron. Niereninsuff., aber auch subakut bei Blutungen im Urogenitalsystem mit verminderter kardiopulmonaler Reserve und erhöhtem Risiko periop. Ischämien.

  • Infektionen der Harnwege: Vom unkomplizierten Harnwegsinfekt bis zur katecholaminpflichtigen Urosepsis. Eingriffe an Harnleiter oder Nierenbecken, v. a. bei Harnaufstau z. B. durch Stein (v. a. PNL 15.4.3) prädisponieren zu septischen Verläufen. Daher postop. besondere klinische Beobachtung (Fieber, Schüttelfrost, RR-Abfall).

  • Kardiale Vorerkr. (8.1):

    • KHK: Bei größeren Eingriffen ggf. Belastungs-EKG bzw. Stress-Echo anordnen.

    • Anämie: Je nach Ausmaß und Gesamtrisiko des Pat. präop. ausgleichen.

    • Vitien: Endokarditisprophylaxe (1.1.12).

  • Pulmonale Vorerkr. (8.2): Bei COLD bevorzugt Spinalanästhesie bzw. bei größeren Eingriffen ITN + PDA. Bei Eingriffen in Seitenlage Lungenfunktionsdiagn.

  • Adipositas (8.6): Häufig Ventilationsprobleme bei Steinschnittlage und Larynxmaskenbeatmung. Vorher über Intubation aufklären!

  • Niereninsuff. (8.3): E'lyte (Na+, K+ s. o.), ggf. präop. Dialyse, Medikamentenspiegel v. a. bei (sub-)akuter Nierenfunktionseinschränkung, Volumenstatus.

Lagerungsarten

Lagerung:Urologie Lagerung des Arms 2.6, Abb. 2.37.

Urologische Eingriffe werden z. T. in extremen Lagerungen durchgeführt. Dadurch erhöhtes Risiko lagerungsbedingter Nervenläsionen (insbes. auch bei Regionalanästhesie).

Steinschnittlage (Abb. 15.1)

Steinschnittlage Problematik
  • FRC und Compliance nehmen v. a. bei Adipositas ab, dadurch sinkt die pulmonale Reserve und die Atemarbeit nimmt zu.

  • Lagerungsinduzierte Veränderungen des zentralen Blutvolumens (± 500 ml) mit Zunahme bei Hochlagerung der Beine und theoretisch Gefahr der Volumenüberladung sowie Abnahme beim Zurücklagern der Beine mit Hypotonie (auch Bradykardie) bei unzureichender Volumensubstitution.

Vorgehen
  • Lagerung erst nach Intubation, großzügige Präoxygenierung, adäquate O2-Supplementierung bei Regionalverfahren. Ausnahme: Pat. mit Hüftproblemen (Hüftprothese, Arthrose) erst lagern, dann einleiten.

  • Kreislaufkontrolle bei Lagewechsel, z. B. ZVD-Messung, Volumenverschiebungen durch an- bzw. abklingende Regionalanästhesie berücksichtigen, Volumensubstitution an Normallage ausrichten:

    • Bei hypotoner Reaktion während Umlagerung ggf. Akrinor® ¼–½ Amp. fraktioniert i. v.

    • Bei vagaler/bradykarder Reaktion ggf. Atropin 0,5–1,0 mg i. v. (6.7.2).

  • !

    Luftembolierisiko (7.3.6): OP-Feld über Herzniveau z. B. bei offener Prostata-OP: Gegebenenfalls Überwachung mit Doppler oder präkordialem Stethoskop; bei Beatmung PEEP und Überwachung des etCO2.

Seitliche Lagerungsverfahren

Indikationen
  • Nierenlagerung (Abb. 15.2): Für den retroperitonealen Zugang bei reinen Niereneingriffen z. B. Entfernung einer Schrumpfniere.

  • Thorakoabdominallagerung (Abb. 15.3): Für OP, bei denen sowohl Niere als auch Harnleiter bis hin zur Blase freigelegt werden müssen.

Problematik
  • Schlecht vorhersehbare Veränderungen des Ventilations-Perfusions-Verhältnisses.

  • Durch überstreckte Lagerung (Beine tief) und ggf. Kompression der V. cava inf. bei extremer Abknickung erhebliche Blutdruckabfälle möglich.

  • !

    Alle o. a. Effekte verstärkt bei laparoskopischen Eingriffen.

Vorgehen
  • Überwachung der Oxygenierung insbes. während des Lagewechsels, bei Lungenkranken evtl. art. Zugang legen, BGA-Kontrolle.

  • Engmaschige Kreislaufüberwachung (art.) während und nach den Lagerungsmaßnahmen; Absprache mit Operateur!

  • Bei Laparoskopie durch Hochlagerung eines Arms Probleme bei der Interpretation der Blutdruckwerte; ggf. beide Seiten vergleichen, bei invasiver Messung Transducer auf Herzhöhe abgleichen (gilt auch für ZVD).

  • Ausleitung der Narkose erst nach Stabilisierung in Rückenlage.

Überstreckte Rückenlage

Indikationen
Bei Eingriffen im kleinen Becken, z. B. radikale Prostatektomie (15.4.5), überstreckte Rückenlagerung (Becken unterpolstert, Beine und Oberkörper jeweils nach unten abgeknickt).
Problematik
  • FRC und Compliance ↓.

  • Schwer einschätzbare Veränderungen des zentralen Blutvolumens; ZVD zur Abschätzung der Gefäßfüllung i. d. R. nur als Verlaufsparameter geeignet.

  • Luftembolierisiko (s. o., 7.3.6).

Vorgehen
  • PEEP-Beatmung sinnvoll.

  • Bei Risikopat. invasive Blutdruckmessung, Beobachtung der Amplitudenvariabilität („Swing“).

Wahl des Anästhesieverfahrens

Regionalanästhesie

Endourologische Eingriffe an Prostata, Blase und Genitale (Tab. 15.1) eignen sich gut für Regionalanästhesieverfahren.
Vorteile
  • Schonendes Verfahren v. a. für Risikopat. (unter Beachtung der KI 3.1.3)Regionalanästhesie:Urologie.

  • Sichere Muskelrelaxation (Ausnahme: Obturatoriusreflex 15.4.2 bei TUR-Blase).

  • Gute postop. Analgesie.

  • Klinische Beurteilbarkeit bei Komplikationen (TUR-Syndrom, Blasenperforation) beim wachen Pat. leichter.

Nachteile
  • Hypotonie durch Sympathikolyse kann bei maskierter Hypovolämie („kompensierter Schock“) lebensbedrohlich werden.

  • Beeinträchtigung der Atemmechanik bei hoher SpA; insbes. bei Adipositas.

Allgemeinanästhesie

Indikationen
  • Bei Pat. mit akuter Blutungsproblematik, z. B. blutender Blasentumor, sicherer als Regionalanästhesie.

  • Bei endourologischen Eingriffen kann schmerzinduziertes Pressen bei Manipulation am Ureter deletäre Folgen haben (Harnleiterruptur, -abriss). Meist ist eine Allgemeinanästhesie für diese Eingriffe besser geeignet (auch aus forensischen Erwägungen).

Anästhesie bei speziellen Eingriffen

TUR-Prostata

OP-PrinzipTUR-ProstataAbhobeln eines benignen Prostatadenoms Prostataadenommit einer elektrischen Schlinge (TUR = transurethrale Resektion).
ProblematikVerlauf stark beeinflusst von Erfahrung und Geschicklichkeit des Operateurs. Wegen guter Vaskularisierung der Prostata erheblicher Blutverlust möglich, Menge kann aber durch die eingesetzte Spüllösung nur schwer geschätzt werden.
LagerungSteinschnittlage.
AnästhesieverfahrenSpA vorteilhaft, Allgemeinanästhesie (ITN, Larynxmaske) möglich (15.4.2).
MonitoringBei Hochrisikopat. ggf. ZVK, ggf. invasive RR-Messung, BGA, E'lytkontrollen, großlumige Venenkanüle.
Anästhesiologische Besonderheiten
  • Auskühlen des Pat. durch kalte Spüllösung → Spüllösung vorher anwärmen lassen!

  • Septische Einschwemmung: Keimreservoir in der Blase durch Restharn, im AWR oder schon im OP Schüttelfrost, RR ↓. Nach Absprache mit Operateur Antibiose, ggf. an Endokarditisprophylaxe denken (1.1.12). Bei RR-Abfall Volumensubstitution + ggf. Katecholamine (Noradrenalin) Einschwemmung, septischeeinsetzen.

  • Blasenperforation durch Operateur → bei Regionalanästhesie Pat. instruieren, während der OP nicht zu husten oder zu Blasenperforationpressen.

  • !

    Bei Abfluss-Stopp sofort Zulauf unterbrechen und Operateur verständigen! Blasenkatheter erzeugen generell ein unangenehmes Gefühl des Harndrangs → Therapieversuch mit Butylscopolamin 20–40 mg langsam i. v. (z. B. Buscopan®).

Komplikation TUR-Syndrom
PathogeneseBei Einsatz einer nicht isolierten Elektroschlinge (monopolar) muss die Spüllösung elektrolytfrei sein. Mannit- und Sorbitzusatz ergeben eine Osmolarität von ca. 180 mosmol. In Abhängigkeit vom verwendeten Wasserdruck (Höhe des Flüssigkeitskanisters über dem OP-Ort, max. 60 cm!) kommt es zum ständigen Einstrom hypotoner Flüssigkeit durch eröffnete Venen mit hypotoner Hyperhydratation. TUR-SyndromHyperhydratation, hypotone:TUR-SyndromZeitfaktor: Pro Min. Resektion etwa 10–30 ml Einschwemmung.
Klinik
  • ZNS: Unruhe, Verwirrtheit, Eintrübung, im Vollbild Krämpfe durch Na+-Abfall; beim wachen Pat. leicht zu beobachten (Vorteil der Regionalanästhesie).

  • Herz und Lunge: Initial Volumenbelastung (RR ↑, ZVD ↑, SaO2 ↓) bei weiterer Einschwemmung RR ↓, Zyanose, Lungenödem.

  • Weitere Komplikationen: Hypokaliämie, Gerinnungsstörungen (eingeschwemmte Prostata-Enzyme) bis hin zur DIC, Nierenfunktionsstörung.

Monitoring der EinschwemmungZusatz von Alkohol in die Spüllösung (z. B. 100 ml Ethanol 96 % auf 10 l = 1-prozentige Lösung). Einschwemmung messbar durch Überwachung der endexspiratorischen Alkoholkonzentration (z. B. Gerät Fa. Alkomed): Gute Korrelation mit Blutalkoholkonzentration, bei wachem und bei beatmetem Pat. einsetzbar (Abb. 15.4).
Therapie
  • Rasche Beendigung des Eingriffs.

  • Diuresesteigerung z. B. mit Furosemid 10–20 mg initial, ggf. wiederholen (z. B. Lasix®).

  • Bei Na+ < 120 mmol/l Substitution von NaCl z. B. als 10-prozentige Lösung. Theoretischer Bedarf 0,2 × kg × (Na-Soll – Na-Ist) in mmol. Klinischer Ansatz: NaCl 10 % im Perfusor: Zunächst 20 ml/h, nach 30 Min. Kontrolle der E'lyte und Dosisanpassung.

  • Bei zu schnellem Ausgleich der Hyponatriämie besteht die Gefahr zerebraler Schäden u. a. des Auftretens von Krampfanfällen. Daher Serum-Na+ nicht schneller als 2–3 mmol/h steigen lassen.

  • Flüssigkeitsgabe nach Klinik und ZVD: Intraop. Volumen- und Blutverlust einer TUR-P wird meist eher unter- als überschätzt → Pat. nicht zu „trocken“ halten!

Neuere alternative Prostata-Resektionsverfahren
  • Bipolare Resektion, z. B. TURIS (= Transurethrale Resektion in Saline), Spüllösung muss nicht elektrolytfrei sein.

  • Niedrigdruck-Spüllösungen.

  • Verschiedene lasergestützte Verfahren zur Abtragung, Koagulation, Vaporisation oder Enukleation der Prostata.

  • !

    Trotz innovativer OP-Techniken Einschwemmphänomen möglich!

Postoperatives Vorgehen und Probleme
Zur Blutstillung wird die Harnblase über mehrere Stunden weiter mit NaCl 0,9 % gespült, Spülkatheter darf nicht verstopfen, sonst bei unvermindertem Zulauf Überdehnung der Blase → Schmerzen, Übelkeit, Bradykardie, RR ↓.Spülkatheter

TUR-Blase

OP-PrinzipTransurethrale Resektion von Blasentumoren, wegen Elektroresektion ebenfalls mit Mannit-Sorbit-Spüllösung, Einschwemmgefahr jedoch deutlich TUR-Blasegeringer.
LagerungSteinschnittlage.
NarkoseverfahrenSpA oder Allgemeinanästhesie, hier keine ausgesprochenen Vorteile im Vergleich zur TUR-P. Bei wenig disziplinierten Pat. eher Allgemeinanästhesie, da Husten und Pressen sehr viel eher zur Blasenperforation führen kann als bei der TUR-P.
MonitoringMeist kein besonderes Monitoring erforderlich (4).
Anästhesiologische BesonderheitenBei Tumorresektion im Bereich der Blasenseitenwände manchmal (auch bei SpA) durch direkte elektrische Reizung Kontraktion der durch den N. obturatorius versorgten Muskulatur mit großer Gefahr der Blasenperforation!
  • Bei Spinalanästhesie vorher Blockade des N. obturatorius durch LA in der Leiste, bei Allgemeinanästhesie Relaxierung erforderlich.

  • Extraperitoneal: Ind. zum Abbruch der OP, Antibiose erforderlich; wenn rechtzeitig erkannt meistens keine schwerwiegenden Folgen.

  • Intraperitoneal: Übertritt größerer Mengen Spüllösung ins Peritoneum. Klinik beim wachen Pat. (SpA): Plötzlicher Bauch- und Schulterschmerz, Peritonismus, Übelkeit, Erbrechen; meistens chirurgische Intervention erforderlich → ITN, erweitertes Monitoring, ggf. postop. Intensivther., v. a. adäquate Antibiose.

Eingriffe an Harnleiter und Nierenbecken

Ureterorenoskopie, Steinreposition und -extraktion
LagerungUreterorenoskopieSteinrepositionSteinextraktionNierenbeckeneingriffeHarnleitereingriffeSteinschnittlage.
Narkoseverfahren
  • Allgemeinanästhesie, da SpA erfahrungsgemäß bei relativ hohen Harnleitersteinen nicht ausreichend ist (Peritonealreizung!).

  • Pat. mit Steinkoliken müssen v. a. bei medikamentöser Behandlung (z. B. Butylscopolamin, Novaminsulfon) als nicht nüchtern angesehen werden → ITN mit Ileuseinleitung.

MonitoringMeist kein besonderes Monitoring Steinkolikerforderlich.
Perkutane Nephrolitholapaxie (PNL)
OP-PrinzipEndoskopisches Verfahren zur Zertrümmerung und Absaugung von PNL, Perkutane NephrolitholapaxiePerkutane Nephrolitholapaxie (PNL)Nierenbeckensteinen.
LagerungBauchlage.
NarkoseverfahrenITN, je nach Beweglichkeit des Kopfs evtl. mit Spiraltubus.
MonitoringNach Risiko des Pat. und Einschätzung des Schwierigkeitsgrads der OP durch den Operateur; meist ZVK, ggf. invasive RR-Messung, Alkoholatemgasmessung (entsprechend Spüllösung Abb. 15.4).
Komplikationen
  • Einschwemmung: Sofort bei Eröffnung von Nierengefäßen, protrahiert bei Flüssigkeitsaustritt ins Retroperitoneum.

  • Septische Einschwemmung bei infiziertem Nierenbecken (häufig!, 15.4.1).

Bei Infektsteinen auf adäquate Antibiose achten, engmaschige Temperaturkontrolle, Pat. ausreichend lange im AWR überwachen.

Eingriffe am Hoden

Orchiektomie
IndikationPalliativer Eingriff bei Prostatakarzinom.
LagerungOrchiektomieRückenlage.
NarkoseverfahrenBevorzugt SpA mit Anästhesiehöhe höher Th10, da Hoden primär im Bauchraum angelegt sind.
Hodenfreilegung
IndikationTumorverdacht, Hodentorsion oder -verletzung, Infertilitätsbehandlung, meist bei jüngeren Pat.
LagerungHodenfreilegungRückenlage.
NarkoseverfahrenBevorzugt ITN oder Larynxmaske. Bei Hodentorsion meist Übelkeit und Erbrechen, daher ITN mit Ileuseinleitung.

Große urologische Eingriffe

Hauptprobleme und Gegenmaßnahmen

  • Intraop. Flüssigkeitsbilanzierung erschwert bzw. unmöglich durch eröffnete bzw. entfernte Blase, kurzfristige Ligatur der Ureteren, Ablauf des Urins über Harnleiterschienen auf OP-Tücher etc. → Volumensubstitution nach Klinik (periphere Gewebeperfusion und Temperatur, Halsvenenfüllung), ZVD, häufige BGA- und Hb-Kontrollen.

  • Temperaturverluste: Normothermie durch adäquates Wärmen (Wärmematte, Warm-Touch etc.).

Radikale Prostatektomie (mit pelviner Lymphadenektomie)
IndikationProstatektomie, radikaleProstatakarzinom.
LagerungÜberstreckte Rückenlage.
NarkoseverfahrenITN (ggf. plus PDK).
Monitoring und ZugängeBei Risikopat. ZVK und invasive RR-Messung, mind. zwei großlumige Verweilkanülen.
Anästhesiologische BesonderheitenHohe Blutverluste (500–1.500 ml). Daher rechtzeitige Volumensubstitution, ausreichend (Ausgangs-Hb!) EK und FFP bereitstellen bzw. erwärmen.
PostoperativBei Risikopat. Prostatektomie, radikaleIntensivüberwachung.

PDK erst nach ausreichender Volumensubstitution aufspritzen; Gefahr der kombinierten Hypovolämie durch Blutverlust und Sympathikolyse.

Transvesikale Prostataadenomenukleation
LagerungÜberstreckte Rückenlage.Prostataadenomenukleation, transvesikale
NarkoseverfahrenITN, idealerweise plus PDK → postop. weniger Husten → geringerer Blutverlust; bei nicht zu extremer Lagerung auch SpA oder PDA möglich.
Monitoring und ZugängeErweitertes Monitoring selten nötig, zwei großlumige venöse Zugänge.
Anästhesiologische BesonderheitenBei geübtem Operateur schneller Eingriff, aber nicht selten plötzlicher Blutverlust > 500 ml. Auf ausreichende Volumengabe vor Eröffnung der Blase achten!
Zystektomie (mit Ileumconduit bzw. Neoblase)
LagerungÜberstreckte NeoblaseIleumconduitRückenlageZystektomie.
NarkoseverfahrenITN, ggf. plus PDK. Nach Ausgleich des Volumenverlusts durch die Zystektomie kann die Narkose für den Rekonstruktionsteil (Anlage des Conduits bzw. der Neoblase) überwiegend durch die PDA übernommen werden.
MonitoringZVK und invasive RR-Messung, zwei bis drei großlumige venöse Zugänge.
Anästhesiologische BesonderheitenLanger Eingriff mit z. T. erheblichen Volumenverlusten (Blut bei Zystektomie, Flüssigkeit durch offenes Abdomen). Ausreichend EK und FFP bereitstellen. Postop. Intensivüberwachung erforderlich.
Nephrektomie, Nephroureterektomie, Tumornephrektomie
OP-PrinzipSpektrum reicht von der einfachen Nephrektomie (z. B. bei Schrumpfniere) TumornephrektomieNephroureterektomieNephrektomieüber die ausgedehntere Nephroureterektomie (bei Nierenbecken- oder Urothelkarzinom) bis hin zur Tumornephrektomie mit Kavaeröffnung (Nierenzellkarzinom mit Kavatumorzapfen); im Extremfall Thorakotomie unter Einsatz der Herz-Lungen-Maschine (selten).
  • !

    Zwingend operatives Vorgehen und Tumorausdehnung am Vortag mit Operateur besprechen, Monitoring entsprechend klären.

LagerungSeitliche Nierenlagerung, thorakoabdominale Lagerung (Harnleiterzugang) oder Rückenlage (Tumoreingriff).
NarkoseverfahrenITN, ggf. plus PDK.
MonitoringDem operativen Blutungsrisiko angepasst, bei Tumorzapfen inkl. Schleuse; mind. zwei großlumige venöse Zugänge.
Anästhesiologische Besonderheiten
  • Durch Manipulation und Verletzung großer Gefäße (V. cava, Aorta) kann es beim Unterbinden der Nierenstielgefäße zu erheblichen Blutverlusten kommen.

  • Ausreichend EK bereitstellen, OP insbes. während der Gefäßpräparation intensiv beobachten.

  • PDK erst nach ausreichender Volumensubstitution nach Ende der operativen Risikophase aufspritzen.

Laparoskopische Operationen
  • Nephrektomien, meistens bei kleinen Schrumpfnieren zur Hypertonustherapie.

  • Radikale Prostatektomien.

Im Prinzip blutungsärmere, aber dafür länger als die offenen Varianten dauernde OPs, beachte anästhesiologische Besonderheiten (10.1.5, Minimal-invasive Chirurgie).

Extrakorporale Stoßwellenlithotripsie (ESWL)

OP-PrinzipVerschiedene Gerätetypen mit unterschiedlicher schmerzerzeugender Wirkung.
LagerungsartStoßwellenlithotripsie, extrakorporale (ESWL)ESWL, Stoßwellenlithotripsie, extrakorporaleRückenlage, bei Sono-ESWL Bauchlage.
NarkoseverfahrenZ. B. Analgosedierung mit Midazolam 0,01–0,05 mg/kg i. v. (z. B. Dormicum®, 6.4.3) und Alfentanil 0,015–0,03 mg/kg i. v. (Rapifen®, 6.3.2) mit O2-Insufflation. Idealerweise schläft Pat., ist aber leicht erweckbar (= ausreichende Sedierung) und atmet ruhig mit normalem Tidalvolumen (= ausreichende Analgesie). Bei Sono-ESWL meist Stand-by ausreichend.
MonitoringStandardmonitoring inkl. Pulsoxymetrie (4.5.8).
Anästhesiologische Besonderheiten
  • Keine Maßnahmen ohne Nachweis intakter Gerinnung einleiten (Pat. kommen häufig ambulant).

  • Auslösung der Stoßwellen wird initial EKG-getriggert (Ausnahme: Sono-ESWL), kann dann aber versuchsweise entkoppelt werden (kürzere Behandlungsdauer). Bei Rhythmusstörungen wieder koppeln, evtl. Stoßwellenenergie herabsetzen.

PostoperativAusreichende Überwachung sicherstellen, v. a. Vigilanz und Kreislaufüberwachung (Hauptkomplikation der ESWL sind Nierenhämatom und Nierenruptur).

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