© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-23300-5.10001-1

10.1016/B978-3-437-23300-5.10001-1

978-3-437-23300-5

Spannungsfeld der Diagnostik [A300–157]

Diagnostikalgorithmus [A300–157]

Schädel-CT nach Sturz aus ca. 3 m Höhe. Deutliches subdurales Hämatom mit Hirnödem und Mittellinienverlagerung [M361]

CT-Untersuchung Tibiakopffraktur [M361]

Konventionelle Röntgenkontrolle in 2 Ebenen nach operativer Rekonstruktion [M361]

CT-Kontrolle des Operationsergebnisses [M361]

Diagnostik

Franz Maurer

  • 1.1

    Allgemeines 2

  • 1.2

    Anamnese 3

  • 1.3

    Klinische Untersuchung 1.4

    • 1.3.1

      Inspektion4

    • 1.3.2

      Palpation4

    • 1.3.3

      Funktionsprüfung1.5

    • 1.3.4

      Neutral-Null-Methode5

    • 1.3.5

      Neurologische Untersuchung6

  • 1.4

    Apparativ-technische Untersuchungsmethoden 6

    • 1.4.1

      Röntgendiagnostik6

    • 1.4.2

      Computertomografie7

    • 1.4.3

      Magnetresonanztomografie7

    • 1.4.4

      Szintigrafie9

    • 1.4.5

      Knochendichtemessung (DEXA-Messung)9

    • 1.4.6

      Sonografie9

  • 1.5

    Invasive Untersuchungsmethoden 9

    • 1.5.1

      Arthroskopie10

    • 1.5.2

      Biopsie10

  • 1.6

    Laborwertdiagnostik 10

Allgemeines

Auf allen Gebieten der Medizin stellt die Diagnose die Grundlage jeden ärztlichen Handelns dar. Sie ist sowohl entscheidend für die auszuwählende Therapie als auch für die Prognose. Nicht nur in der Inneren Medizin, sondern auch in der Orthopädie/Unfallchirurgie können die Symptome nicht losgelöst von der Persönlichkeit des individuellen Pat. betrachtet werden. Dies betrifft insbes. die Angaben zu Schmerzen und deren geschilderte Intensität.
Nach Siegenthaler stützt sich die Diagnose auf 3 entscheidende Säulen:
  • Anamnese.

  • Untersuchungsbefund (Status).

  • Verlaufsbeobachtung.

Letzterer wird im Bereich der Orthopädie/Unfallchirurgie häufig eine geringere Bedeutung zugeschrieben, weil mit den klinischen und bildgebenden Untersuchungsmethoden schon sehr frühzeitig meist klare Diagnosen zu stellen sind.
Diagnostik und Therapie spielen sich heute mehr als noch vor 10 J. in einem Spannungsfeld zwischen wirtschaftlich Sinnvollem, forensisch Notwendigem und medizinisch Machbarem ab (Abb. 1.1). Im SGB V sind hierzu klare Regeln aufgestellt worden.
Infolge der ständigen Zunahme an diagnostischen Möglichkeiten muss der Behandler stets im Auge behalten, welche therapeutischen Konsequenzen unter Beachtung der Belastung des Pat. und des erforderlichen Aufwands im Einzelfall sinnvoll sind. Hierbei gewinnt aus Sicht der Kostenträger v. a. der Gesichtspunkt der Effizienz zunehmend an Bedeutung. Die bereits erfolgten und die noch anstehenden Reformen des Gesundheitswesens haben den Druck erhöht und werden ihn auch in Zukunft noch weiter erhöhen. Verschärft wird die Problematik durch die Fortschritte in der Medizin einerseits und die generelle Zunahme der Lebenserwartung bei gedeckelten Budgets andererseits. Gleichzeitig sieht sich der Arzt mit einem gesteigerten Anspruchsdenken des Pat. konfrontiert. Die zunehmende Bereitschaft von Pat. wie auch Kostenträgern, im Fall einer KO die Frage nach einem Behandlungsfehler zu stellen, tut ein Übriges.
Eine Antwort der Medizinischen Fachgesellschaften auf diese Problematik stellt die Entwicklung von sog. Leitlinien für Diagnostik und Therapie dar (AWMF). Diese Leitlinien geben einen Handlungskorridor vor, von dem im Einzelfall und mit guter Begründung auch abgewichen werden kann, was forensisch von Bedeutung ist.
Fehldiagnosen, das Nichterkennen einer krankhaften Veränderung oder eine verzögerte Diagnosestellung können ihre Ursache sowohl aufseiten des Pat. wie auch des Arztes haben. Für den Arzt spielen in diesem Punkt mangelhaftes Fachwissen, unzureichende klinische oder mangelhaft apparative Untersuchungen und auch ungenügende Urteilsfähigkeit eine entscheidende Rolle.
Die Diagnostik folgt auch auf dem Gebiet der Orthopädie und Unfallchirurgie einem bewährten Algorithmus (Abb. 1.2). Grundlage für jede weiterführende apparative Untersuchung sind die vom Arzt erhobene Anamnese und die mit den fünf Sinnen festzustellenden klinischen Befunde.

Anamnese

Die Anamneseerhebung ist ein wesentlicher Bestandteil jeder zielgerichteten Diagnostik. Sie ist selbst dann unverzichtbar, wenn in vielen Fällen auf eine Fremdanamnese zurückgegriffen werden muss (z. B. bei Polytrauma mit SHT, Demenz, Sprachprobleme).
Von Bedeutung ist die Angabe eines Unfallverletzten zu einem Unfallhergang (Ereignis) auch unter versicherungsrechtlichen Aspekten. Bei der Klärung der Kausalitätsfrage sind die Erstangaben immer von hoher Aussage- und Beweiskraft (9.2). Die exakte Dokumentation der genauen Anamnese aber auch sämtlicher weiterer zu erhebender Befunde ist von größter Bedeutung.
In vielen Fällen leiten die Angaben des Pat. den Untersucher auf den richtigen Weg, weil es sich um klassische und stereotypische Beschreibungen handelt:
  • Zerreißung der Achillessehne: Angabe des Pat., dass er beim Start zum Spurt einen Knall gehört und gleichzeitig auch einen Schlag im Bereich der Ferse verspürt habe.

  • Chassaignac-Läsion: Angabe der Mutter, dass nach Hochziehen des Kleinkinds an den Händen eine Schonung des Ellenbogengelenks aufgefallen sei.

  • LWK-Fraktur: Schmerzangabe im Bereich der Lendenwirbelsäule nach einem Sturz auf das Gesäß mit ausstrahlenden Beschwerden in die Oberschenkelaußenregion.

Bei Polytraumatisierten reicht oft schon die Fremdanamnese aus, die eine hohe Gewalteinwirkung zum Unfallzeitpunkt annehmen lässt, um einen entsprechenden Diagnostikalgorithmus zu starten.

Klinische Untersuchung

Die klinische Untersuchung ist von zentraler Bedeutung und gibt Hinweise auf weitere evtl. apparative Diagnostik. Auch wird hier schon die Grundlage für ein Vertrauensverhältnis zwischen Pat. und Arzt geschaffen. Je weniger gezielte Angaben vom Pat. zu erhalten sind, desto umfassender muss eine solche körperliche Untersuchung sein. Dies bedeutet beim intubierten und beatmeten Pat. eine Ganzkörperuntersuchung des vollständig entkleideten Unfallverletzten (sog. body-check). Dabei können im Fall eines Schwerverletzten unter dem Aspekt des Zeitgewinns apparative und labortechnische Untersuchungen schon parallel dazu laufen.
Sinnvoll ist es, hier nach dem bewährten Schema Inspektion, Palpation, Funktion vorzugehen. Dabei sind immer auch regelmäßige Befundkontrollen im zeitlichen Verlauf notwendig, wie z. B. bei einem drohenden Kompartmentsyndrom. Die postop. Kontrolle von Durchblutung und neurologischem Befund zeitnah zum operativen Eingriff (am besten durch den Operateur) ist eine Selbstverständlichkeit.

Wichtig: Exakte Dokumentation aller erhobenen Befunde im zeitlichen Ablauf.

Inspektion

Die Inspektion zeigt bereits in vielen Fällen die Verletzung einer Körperregion an:
  • Schwellung und Hämatomverfärbung des OSG: Verletzung des Kapsel-Band-Apparats oder eine Fraktur von Außenknöchel, Innenknöchel und Pilon tibial oder eine Talusfraktur.

  • Sichtbare Deformation des Handgelenks im Sinne von Bajonett- bzw. Fourchette-Fehlstellung: Typisch für die distale Radiusfraktur (15.9) loco typico.

  • Hochstehende Klavikula im Schultereckgelenk: Verletzung des AC-Gelenks.

  • Typischer distalisierter Muskelbauch des M. bizeps brachii: Beweisend für eine Kontinuitätsunterbrechung der langen Bizepssehne (15.1).

Wie diese Beispiele zeigen, ist eine Vielzahl solcher Veränderungen geradezu pathognomonisch für eine spezifische Verletzung im Sinn einer Blickdiagnose. Allerdings können sich diskrete Verletzungszeichen beim bewusstlosen Pat. einer ersten Untersuchung entziehen (Polytrauma, SHT). Gerade bei solchen Pat. muss sekundär z. B. auf der Intensivstation in der Stabilisierungsphase eine nochmalige klinische Diagnostik mit genauer Inspektion und körperlicher Untersuchung erfolgen. Nicht selten werden z. B. Verletzungen des AC-Gelenks, der Finger und auch der Fußwurzel bzw. Zehen in einer notfallmäßigen Erstuntersuchung nicht erkannt. Diese banalen Verletzungen können aber in der Langzeitprognose hinsichtlich der Lebensqualität von entscheidender Bedeutung sein.

Palpation

Der Tastbefund kann entscheidend zur Diagnosestellung beitragen:
  • Tastbare Stufe im Verlauf der Wirbelsäulen-Dornfortsätze: Dringender Verdacht auf eine (instabile) Wirbelsäulenverletzung.

  • Über der Achillessehne palpable Delle: Eindeutiger Beweis für die Kontinuitätsunterbrechung der Sehne.

  • DS am inneren Gelenkspalt des Kniegelenks: Wahrscheinliche Läsion des Innenmeniskus.

  • Temperaturdifferenz zwischen zwei gleichen Extremitäten fühlen und fehlender Puls auf einer Seite: Hinweis für eine Minderperfusion evtl. auf der Grundlage eines Gefäßverschlusses.

Funktionsprüfung

Am Ende der klinischen Untersuchung steht die Prüfung der Funktion bzw. der Motorik. Hier muss zwischen aktiver und passiver Beweglichkeit unterschieden werden. Klagt ein Unfallverletzter über eine schmerzhafte oder neurologisch bedingte Einschränkung der aktiven Funktion, so kann die passive Beweglichkeit durchaus noch besser erhalten sein. Es existieren einige klassische Funktionstests (1.3.4), die mit hoher Verlässlichkeit bereits eine exakte Diagnosestellung ermöglichen.

Neutral-Null-Methode

Meist gehen Gelenkverletzungen mit Schmerzen und Schwellung, aber auch einer Funktionsbehinderung einher (messen, dokumentieren und kontrollieren). Aber nicht jede Gelenkerkrankung ist zwingend mit äußerlich sichtbaren Veränderungen verbunden. Oft weist erst eine Funktionsstörung auf ein Gelenkgeschehen hin. Die Funktionsprüfung stellt so einen essenziellen Bestandteil in der Diagnostik und insbes. Verlaufskontrollle von Gelenkerkrankungen dar. Voraussetzung für eine solche Diagnostik ist die Kenntnis des normalen Bewegungsumfangs eines Gelenks.
Die Messung einer Gelenkbeweglichkeit ist nur sinnvoll, wenn das Ergebnis festgehalten und für jeden anderen Untersucher ohne Schwierigkeiten reproduzierbar ist. Als einheitliche Messmethode empfiehlt sich dazu die Neutral-Null-Methode.
Hierbei werden alle Gelenkbewegungen von einer definierten, jederzeit reproduzierbaren Neutral- oder Nullstellung aus gemessen. Diese Nullstellung entspricht einer anatomischen Normalstellung: Aufrechter Stand, Blick nach vorne, hängende Arme mit nach vorne zeigenden Daumen, Beine geschlossen mit nach vorne gerichteten parallel gehaltenen Füßen. Diese Körperhaltung ist auch für die Untersuchung im Liegen entsprechend zu berücksichtigen. Da die normale Beweglichkeit keine einheitlichen Maximalwerte kennt, sondern nur bis zu 30 variierende Durchschnittswerte, müssen paarige Gelenke stets im Seitenvergleich gemessen werden. Grundsätzlich soll der aktive Bewegungsumfang bestimmt werden. Passive Bewegungsumfänge müssen entsprechend gesondert gekennzeichnet werden.
Jede Messung eines Bewegungsumfangs wird im Protokoll durch drei Zahlenwerte festgelegt: Die Null als Ausgangsstellung sowie die beiden erreichbaren Endausschläge. Die Bewegungsrichtung muss durch eine dem Zahlenwert vorangestellte Beschreibung festgelegt sein (z. B. Handgelenk Dorsalextension – Palmarflexion). Ist aus der Neutralstellung heraus eine Bewegung in zwei entgegengesetzte Richtungen möglich, so wird die Null stets in der Mitte zwischen zwei Zahlen stehen. Kann die Nullstellung nicht erreicht oder überschritten werden, so wird je nach festgelegter Bewegungsfolge die Null vorne oder hinten stehen (z. B. normale Funktion Sprunggelenk Dorsalextension – Plantarflexion 20–0–50, Kontraktur mit Spitzfuß 0–10–40).
Ergänzend kommen für die WS noch Distanzmessungen wie z. B. Schober- und Ott-Index, minimaler Finger-Boden-Abstand etc. als Kriterium für die Beweglichkeit infrage. Für die Verlaufsbeurteilung wichtig sind die Umfangsmessung von Extremitäten. Es existieren Messblätter für die oberen und unteren Gliedmaßen sowie für die Wirbelsäule (siehe Literatur).

Neurologische Untersuchung

Der Unfallchirurg und Orthopäde sollte auf jeden Fall die Grundlagen einer neurologischen Diagnostik beherrschen. Hierzu gehören das Erkennen von Gefühlsstörungen und motorischen Ausfällen einschließlich ihrer Zuordnung zu bestimmten Nerven (z. B. N. radialis, N. medianus, N. ulnaris, N. ischiadicus) sowie das Prüfen des Reflexverhaltens im Seitenvergleich. In der Wirbelsäulendiagnostik sind die Kraftgrade nach Frankel Grundlage für einen Ausgangsbefund und auch der Verlaufskontrolle hinsichtlich des Bestehens oder auch Fortschreitens von Lähmungserscheinungen.

Kritisch zu sehen ist das oft gebrauchte Kürzel DMS intakt. Eine solche Aussage darf nur gemacht werden, wenn Durchblutung, Motorik und Sensibilität wirklich mit der notwendigen Sorgfalt geprüft worden sind.

Apparativ-technische Untersuchungsmethoden

Röntgendiagnostik

Mit der Entwicklung und Einführung der digitalen Radiografie ist in den letzten Jahren ein wesentlicher Fortschritt in der Röntgendiagnostik erzielt worden. Die Belichtung digitaler Folien ermöglicht eine Nachbearbeitung und Archivierung ohne Röntgentüten. Außerdem können die Bilder jederzeit und an jedem Ort abgerufen werden, sofern die entsprechende Hard- und Software zur Verfügung stehen. Der Röntgenfilm hat so an Bedeutung verloren, nicht aber die Technik der Projektionsradiografie. Sie stellt nach wie vor die elementare Grundlage der Skelettbildgebung dar, was infolge der Möglichkeiten der Schnittbilddiagnostik zu Unrecht immer wieder in Vergessenheit gerät. Mit einer einfachen Beckenübersichtsaufnahme können mind. 90 % der Verletzungen des Beckenrings diagnostiziert werden, das Becken-CT stellt eine fast 15-fach höhere Strahlenbelastung dar. Dies zeigt die hohe Verantwortung in der Anwendung von Röntgenstrahlen gegenüber dem Pat., den Mitarbeitern und sich selbst. Deswegen gehört eine Unterweisung auf diesem Gebiet genauso wie die von den Ärztekammern geforderte regelmäßige Erneuerung des Kompetenznachweises zu den ganz wesentlichen Inhalten der Aus- und Weiterbildung.
Eine aussagekräftige Untersuchung setzt voraus, dass der anfordernde Arzt die klinische (Verdachts-)Diagnose und die gewünschte Untersuchung klar bezeichnet (z. B. Handgelenk in 2 Ebenen bei V. a. distale Radiusfraktur oder tief eingestellte Beckenübersicht bei V. a. Coxarthrose).
Die Aussagekraft der Rö-Aufnahme steht und fällt mit einer korrekten Einstellungstechnik. Sofern möglich werden Aufnahmen immer in mind. 2 Ebenen angefertigt.
Diese Standard-Dokumentation ist nicht nur in der primären Diagnostik von Bedeutung, sondern auch in der Sicherung von Therapieergebnissen, wie z. B. einer erfolgten Reposition eines Gelenks, einer exakten Einrichtung einer Fraktur und einer korrekten Implantatlage. Solche Rö-Aufnahmen gehören zur unabdingbaren Routinediagnostik.
Die intraop. zwei- und dreidimensionale Durchleuchtung ist eine bedeutende Untersuchungstechnik (4.2), was insbes. in schwierigen anatomischen Bereichen wie der Wirbelsäule und am Becken von Vorteil ist. Mit dieser Technik kann intraop. ein zweidimensionales Schnittbild der untersuchten Region vergleichbar einer CT-Untersuchung angefertigt werden.
Bei schwierig zu interpretierenden Befunden am kindlichen Skelett ermöglicht der Vergleich mit der gesunden Gegenseite in vielen Fällen eine definitive Diagnose.

Computertomografie

Bei den Schnittbilduntersuchungen hat die Entwicklung immer leistungsfähigerer Computertomografen mit einer zunehmenden Zahl von Scan-Zeilen die Untersuchungszeit verkürzt und gleichzeitig die Aussagekraft der Untersuchung erhöht. Für die Abklärung von Skelettbefunden kommt die CT noch vor der MRT, wenngleich in besonderen Situationen wegen der Strahlenbelastung z. B. bei Kindern zur Abklärung von Wirbelsäulenbefunden auch einmal direkt zum MRT übergegangen werden kann. In der Diagnostik des Schädel-Hirn-Traumas gilt die CT als unübertroffener Standard (Abb. 1.3).
Wegweisend für eine schnelle und umfassende Diagnostik für den Körperstamm ist das Spiral-CT (Traumaspirale) beim Polytrauma. Weniger bedrohliche Verletzungen der Peripherie können hierbei immer noch konventionell geröntgt werden.
Für Gelenkfrakturen ermöglicht die CT-Untersuchung als Ergänzung zur konventionellen Röntgendiagnostik eine genauere Beurteilung des Schadens und auch eine bessere Planung der Versorgung. Nach einer operativen Rekonstruktion können das erzielte Ergebnis und die Implantatlage viel besser objektiviert werden, als dies im Standardröntgen möglich ist (Abb. 1.4, Abb. 1.5, Abb. 1.6).
Mittlerweile hat das CT nicht nur in der Diagnostik, sondern auch in der Therapie an Bedeutung gewonnen. Hier ist an CT-gesteuerte Punktionen oder andere wenig invasive Maßnahmen wie Drainageneinlagen zu denken. Für die Indikationsstellung zur CT-Untersuchung muss die Strahlenbelastung abgewogen werden. Hierbei spielt insbes. die Belastung der Augenlinse beim Schädel-CT eine nicht zu vernachlässigende Rolle.

Magnetresonanztomografie

Der technische Fortschritt in der Bildgebung zeigt sich auf kaum einem Gebiet so deutlich wie auf dem der Magnetresonanztomografie. Nicht mehr wegzudenken sind MRT-Untersuchungen in der gesamten Weichteildiagnostik, angefangen von Meniskus- und Bandläsionen an Schulter-, Hand-, Knie- und Sprunggelenk, in der Tumordiagnostik (auch in der Knochentumordiagnostik nach vorausgegangenem CT), bei der Frage nach Bandscheiben- und Bandverletzungen an der WS sowie unklaren Befunden im Bereich von Sehnen. Aufgrund der hohen Sensitivität und einer möglichen Aussage zum Alter von pathol. Veränderungen bestehen gute Einsatzmöglichkeiten bei WK-Veränderungen unklaren Alters und insgesamt bei entzündlichen Prozessen, z. B. bei der Spondylitis und Spondylodiszitis. Genannt werden muss hier auch das Gesamtgebiet der aseptischen Knochennekrosen. Für die Femurkopfnekrose (17.2.11) bilden die im MRT sichtbaren Veränderungen die Grundlage der Stadieneinteilung (ARCO-Klassifikation).
Besonderheiten vor MRT-Untersuchungen sind zu beachten (Schrittmacherimplantation, Stahlimplantate, Klaustrophobie etc.).
Wegen der für den Nichtradiologen verwirrenden Möglichkeiten der verschiedenen Untersuchungssequenzen kommt es auf eine exakte Fragestellung durch den Orthopäden bzw. Unfallchirurgen an. Die differenzierte MRT-Diagnostik gehört in die Hand des spezialisierten Radiologen.

Absolute KI: Beatmete Pat. (aufgrund der für die Therapie unabdingbaren metallhaltigen Geräte).

Szintigrafie

  • Standarduntersuchung ist die Drei-Phasen-Skelettszintigrafie, die Auskunft über Knochen- und Weichteilprozesse gibt. Durch die MRT (1.4.3) und die damit gegebene Entzündungsdiagnostik ist die Bedeutung der Szintigrafie gesunken. Verbleibende Ind.:

    • Endoprothetik: Nachweis von Implantatlockerungen; cave: Geringe Spezifität.

    • Andere entzündliche Gelenkprozesse.

    • Diagnose einer Algodystrophie (CRPS I): Hier besitzt die Drei-Phasen-Skelettszintigrafie mit Technetium im Vergleich mit allen anderen bildgebenden Verfahren eine hohe Spezifität von 90 %.

    • Ausbreitungsdiagnostik von Tumoren, die eine Knochenmetastasierung verursachen.

  • Bei der Beurteilung von Infektionen kann mit Leukozytenszintigrafie eine Aussage zu Aktivität und Ausdehnung des Entzündungsprozesses gemacht werden.

Knochendichtemessung (DEXA-Messung)

Die Knochendichtemessung mittels der DEXA-Methode ist gegenwärtiger Standard und zur Abklärung einer Osteoporose (12.3.1) weitverbreitet. Hierbei kommt es nur zu einer minimalen Strahlenbelastung durch die verwendete Röntgenstrahlung.

Sonografie

Die Ultraschalluntersuchung ist aus der unfallchirurgischen Notfalldiagnostik wie auch aus der orthopädischen Routineuntersuchung nicht mehr wegzudenken. Ihre Aussagekraft ist aber stark vom Ausbildungsstand des Untersuchers und natürlich auch von der Leistungsfähigkeit des Sonografiegeräts abhängig.
  • Die Ausbildung in der Sonografie ist Weiterbildungsstandard zum Arzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

  • Die Sonografie ist als einfaches und beliebig oft reproduzierbares, nichtinvasives Verfahren auch auf dem Gebiet der Gefäßdiagnostik oder in der zeitlichen Verlaufsbeurteilung der Kallusreifung von Kallusdistraktionsbehandlungen (z. B. Extremitätenverlängerung) etabliert.

Invasive Untersuchungsmethoden

Unter gleichzeitigen therapeutischen Aspekten der Druck- und Hämatomentlastung gibt es die Ind. für Gelenkpunktionen, z. B. an Ellenbogen- und Kniegelenk. Hier können sich noch therapeutische Maßnahmen wie intraartikuläre Injektionen anschließen.

Bei allen invasiven Untersuchungsmethoden sind die strengen Regeln der Asepsis zu beachten.

Die Lumbalpunktion bzw. die Myelografie hat ihre Berechtigung in der Diagnostik von entzündlichen Prozessen und der Spinalkanalstenose.

Arthroskopie

Praktisch alle großen Extremitätengelenke sind mittlerweile einer arthroskopischen Diagnostik zugänglich, wobei die rein diagnostische Arthroskopie zunehmend die Ausnahme darstellt, weil die moderne Schnittbilddiagnostik v. a. mit der MRT an Aussagekraft gewonnen hat. Deswegen sollte eine Arthroskopie immer auch einen therapeutischen Ansatz haben.

Biopsie

Trotz aller bildgebenden Techniken bleibt in vielen Fällen der Tumordiagnostik die Biopsie das Mittel der Wahl, um eine therapierelevante gesicherte Diagnose zu stellen. Hier reichen die Möglichkeiten von der Nadelbiopsie bis zur In-/Exzisionsbiopsie. Bei kleinen und schlecht lokalisierbaren Befunden können solche Maßnahmen auch Sonografie- oder CT-gesteuert durchgeführt werden. Stets sind aber hierbei die grundlegenden onkologischen Empfehlungen für die Wahl des Zugangswegs und den Wundverschluss inkl. der Drainagenplatzierung zu beachten.

Laborwertdiagnostik

Im Fachgebiet Orthopädie/Unfallchirurgie sind Laboruntersuchungen v.a. auf den Gebieten der Blutgruppenserologie, der Entzündungs- einschl. der Infektionsdiagnostik, des Gerinnungssystems und der roten Blutzellreihe relevant.

Typische Laborwerte

Tab. 1.1
GerinnungThrombozyten, Quick, PTT,
Blutungsdiagnostik, BlutgruppeHb, Hkt, Erythrozyten
InfektionCRP
Lungenfunktion/Säure-Basen-HaushaltpO2, pCO2, BE, O2-Sättigung
OsteologieAP, Ca, Phosphat
BakteriologieWundabstrich, Gramfärbung
Thrombose/LungenembolieFibrinogen

Literatur

Hellinger, 1995

J. Hellinger Meßmethoden in der Skelettradiologie 1995 Georg Thieme Verlag Stuttgart

Stürmer, 2001

K.M. Stürmer Leitlinien Unfallchirurgie 2001 Georg Thieme Verlag Stuttgart

Internet

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e,

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V.: www.awmf-online.de

Messblätter für Neutral-Null-Methode,

Messblätter für Neutral-Null-Methode: www.physiopaed.de/neutral0.htm

Sozialgesetzbuch,

Sozialgesetzbuch: www.sozialgesetzbuch-sgb.de

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen