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B978-3-437-22453-9.00003-X

10.1016/B978-3-437-22453-9.00003-X

978-3-437-22453-9

Gelenkmessungen nach der Neutral-Null-Methode: Kann ein Gelenk die 0°-Stellung nicht erreichen, wird die 0 vorangestellt und dann der Bewegungsausschlag in Form von 2 Zahlen angegeben. Beispiel: Knie 0–20–100; d. h., dieses Knie kann nicht vollständig gestreckt, aber von 20° Beugung bis 100° Beugung bewegt werden.

[A300–106]

Gelenkmessungen nach der Neutral-Null-Methode

[A300–106]

Soziale ZivildienstgesetzSoldatenversorgungsgesetzPatientenrechtegesetzOpferentschädigungsgesetzInfektionsschutzgesetzHäftlingshilfegesetzBundesversorgungsgesetzAbsicherung

Tab. 3.1
Sozialversicherung Privatversicherung Soziales Entschädigungsrecht
  • Krankenversicherung

  • Gesetzliche Unfallversicherung

  • Arbeitslosenversicherung

  • Rentenversicherung

  • Pflegeversicherung

  • Krankenversicherung

  • Unfallversicherung

  • Lebensversicherung

  • Private Rentenversicherung

  • Haftpflichtversicherung

  • Bundesversorgungsgesetz (BVG)

  • Soldatenversorgungsgesetz (SVG)

  • Zivildienstgesetz (ZDG)

  • Opferentschädigungsgesetz (OEG)

  • Häftlingshilfegesetz (HHG)

  • Infektionsschutzgesetz (IfSG)

  • Patientenrechtegesetz

GdB/MdE der Gliedmaßenschäden je nach Verletzung/Behinderung

Tab. 3.2
Schädigung obere Gliedmaßen GdB/MdE-Grad
Verlust beider Arme/Hände 100
Verlust eines Arms und Beins 100
Verlust eines Arms im Schultergelenk oder mit kurzem Oberarmstumpf 80
Verlust eines Arms im Oberarm oder Ellenbogen 70
Verlust eines Arms im Unterarm 50
Verlust der ganzen Hand 50
Schulterversteifung 30–50
Bewegungseinschränkung Schulter 10–20
Instabilität Schulter 10–40
Schlüsselbeinpseudarthrose 0–20
Oberarmpseudarthrose 20–40
Riss lange Bizepssehne 0–10
Versteifung Ellenbogengelenk 30–50
Bewegungseinschränkung Ellenbogen 0–30
Aufhebung Unterarmdrehbewegung 10–30
Ellenbogenschlottergelenk 40
Unterarmpseudarthrose 20–40
Pseudarthrose Elle oder Speiche 10–20
Versteifung Handgelenk 20–30
Bewegungseinschränkung Handgelenk 0–30
Frakturen/Luxationen Handwurzel- oder Mittelhandknochen
mit sekundärer Funktionsbeeinträchtigung
10–30
Versteifung Daumen günstige Stellung 0–10
Versteifung Finger günstige Stellung 0–10
Verlust Daumenendglied 0
Verlust Daumenendglied und halbes Grundglied 10
Verlust eines Daumens/beider Daumen 25/40
Verlust eines Fingers 10
Verlust von 2 Fingern mit Daumen 30
Verlust II./III. oder II./IV. Finger 30
Verlust von 3 Fingern mit Daumen 40
Verlust II./III./IV. Finger 40
Verlust von 4 Fingern mit Daumen 50
Verlust II.–V. Finger an beiden Händen 80
Verlust aller 5 Finger einer Hand 50
Verlust aller 10 Finger 100
Schädigung untere Gliedmaßen GdB/MdE-Grad
Verlust beider Beine im Oberschenkel 100
Verlust eines Beins im Oberschenkel und eines im Unterschenkel 100
Verlust eines Beins und Arms 100
Verlust eines Beins im Oberschenkel 70–80
Verlust eines Beins im Unterschenkel 50–60
Verlust beider Beine im Unterschenkel 80–100
Teilverlust eines Fußes einseitig 30–40
Teilverlust beider Füße 50–70
Verlust einer Zehe 0
Verlust einer Großzehe 10
Verlust Großzehe und Köpfchen 1. MFK 20
Verlust II.–IV. oder I.–III. Zehe 10
Verlust aller Zehen eines Fußes 20
Verlust aller Zehen beider Füße 30
Versteifung beider Hüftgelenke 80–100
Versteifung eines Hüftgelenks 40–60
Bewegungseinschränkung Hüftgelenk einseitig 10–40
Bewegungseinschränkung Hüftgelenk beidseitig 20–100
Hüftgelenkresektion 50–80
Beinverkürzung bis 2,5cm 0
Beinverkürzung 2,5–4cm 10
Beinverkürzung 4–6cm 20
Beinverkürzung über 6cm wenigstens 30
Oberschenkelpseudarthrose 50–70
Versteifung beider Kniegelenke 80
Versteifung eines Kniegelenks 30–60
Lockerung Kniebandapparat 10–20
Lockerung Kniebandapparat, Versorgung mit Stützapparat 30–50
Kniescheibenbruch Pseudarthrose 10–40
Habituelle Kniescheibenverrenkung 0–20
Bewegungseinschränkung Kniegelenk einseitig 0–30
Bewegungseinschränkung Kniegelenk beidseitig 10–40
Knorpelschaden Kniegelenk mit anhaltenden Reizerscheinungen 10–40
Schienbeinpseudarthrose 20–50
Teilverlust/Pseudarthrose Wadenbein 0–10
Versteifung oberes Sprunggelenk 20
Versteifung unteres Sprunggelenk 10
Versteifung oberes und unteres Sprunggelenk 30–40
Bewegungseinschränkung oberes Sprunggelenk 0–20
Bewegungseinschränkung unteres Sprunggelenk 0–10
Klumpfuß einseitig 20–40
Klumpfuß beidseitig 30–60
Fußdeformitäten mit statischer Wirkung 10–20
Versteifung aller Zehen 10–20
Versteifung der Großzehe 0–20
Narben nach Substanzverlust an Ferse, Fußsohle mit Funktionsstörung 10–30
Beckenschäden nach Schweregrad 10–40
Wirbelsäulenschäden mit geringer Bewegungseinschränkung 0–10
Wirbelsäulenschäden mit rezidivierender und anhaltender Bewegungseinschränkung 20–30
Wirbelsäulenschäden mit schwerer funktioneller Auswirkung, Versteifungen 30–70
Belastungsinsuffizienz der Wirbelsäule 80–100

Gliedertaxe

Tab. 3.3
Invaliditätsgrad bei Verlust oder vollständiger Funktionsunfähigkeit
Eines Arms im Schultergelenk 70 %
Eines Arms bis oberhalb des Ellenbogengelenks 65 %
Eines Arms bis unterhalb des Ellenbogengelenks 60 %
Einer Hand im Handgelenk 55 %
Eines Daumens 20 %
Eines Zeigefingers 10 %
Eines anderen Fingers 5 %
Eines Beins über der Mitte des Oberschenkels 70 %
Eines Beins bis zur Mitte des Oberschenkels 60 %
Eines Beins bis unterhalb des Knies 50 %
Eines Beins bis zur Mitte des Unterschenkels 45 %
Eines Fußes im Fußgelenk 40 %
Einer Großzehe 5 %
Einer anderen Zehe 2 %
Eines Auges 50 %
Des Gehörs auf einem Ohr 30 %
Des Geruchs 10 %
Des Geschmacks 5 %

Wird die Funktionsfähigkeit nur teilweise eingeschränkt, wird der entsprechende Teil des Prozentsatzes der Gliedertaxe angenommen.

Begutachtung

Karsten Philipp

  • 3.1

    Grundlagen der Begutachtung90

  • 3.2

    Arten von Gutachten91

  • 3.3

    Besonderheiten einzelner Rechtsgebiete92

    • 3.3.1

      Gesetzliche Unfallversicherung92

    • 3.3.2

      Private Unfallversicherung97

    • 3.3.3

      Gesetzliche Rentenversicherung99

    • 3.3.4

      Schwerbehindertenrecht101

    • 3.3.5

      Pflegeversicherung102

  • 3.4

    Hinweise für den ärztlichen Gutachter102

  • 3.5

    Hinweise zum Untersuchungsgang104

  • 3.6

    Gelenkmessungen nach der Neutral-Null-Methode106

Grundlagen der Begutachtung

Fast alle Gutachten werden im Rahmen der in der Bundesrepublik vorhandenen Begutachtungoder möglichen sozialen Absicherung erstellt Tab. 3.1).
  • Ein von einem Gericht bestellter Sachverständiger ist gesetzlich verpflichtet, sein Urteil in Form eines Gutachtens zu erstatten. Eine Entbindung ist nur bei Befangenheit, verwandtschaftlichen Beziehungen oder zeitlicher Überlastung möglich.

  • Gutachtenanforderung i. A. von einer der folgenden Institutionen: Versicherungsträger, Versorgungsamt, Arbeitsamt, Sozialgericht, Amts-, Land- und Oberlandesgericht.

  • Streitigkeiten in den Sozialversicherungszweigen, im sozialen Entschädigungsrecht und im Rahmen des Schwerbehindertengesetzes: Entscheid durch die Sozialgerichte bzw. deren höhere Instanzen. Streitigkeiten im Bereich der Privatversicherung: durch Klageverfahren bei den Amts-, Land- und Oberlandesgerichten.

Der Arzt macht dem Versicherungsträger oder dem Sozialgericht lediglich sachverständige Beurteilungsvorschläge entsprechend den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit. Er entscheidet in seinem Gutachten nicht über die Anerkennung einer Schädigungsfolge oder über die Feststellung einer Behinderung.

  • Entscheidung obliegt den Versicherungsträgern und den Gerichten. Gutachten sind deshalb in einer dem medizinischen Laien verständlichen Sprache zu formulieren. Die gestellten Fragen sollen in klarer und eindeutiger Weise beantwortet werden. Fragen des Untersuchten, wie sich das Untersuchungsergebnis auswirken wird, kann der Gutachter nur mit dem Hinweis beantworten, das ärztliche Gutachten sei für den Versicherungsträger nicht zwingend, sondern ein Vorschlag für seine Entscheidung.

  • Gutachtenerstellung erfolgt i. d. R. aufgrund klinischer Untersuchung. Gutachtenerstellung nach Aktenlage kann ausreichend sein, falls der Sachverhalt aufgrund vorhandener Unterlagen klar beurteilbar ist oder wenn aufgrund spezieller Fragestellung oder Situation des Einzelfalls eine weitere Untersuchung keine neuen Gesichtspunkte bringen kann.

  • Ärztliche Schweigepflicht:Schweigepflicht, ärztliche

    • In Sozialversicherung und Ärztliche SchweigepflichtSozialgerichtsbarkeit durch gesetzliche Regelungen geklärt. Angeschriebener Arzt ist verpflichtet, Auskunft zu erteilen.

    • Privatversicherung: Entbindung von der Schweigepflicht muss für jeden Einzelfall schriftlich vorliegen. Die Anerkennung der Versicherungsbedingungen durch die Versicherten reicht nicht aus.

Cave

Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht im Zweifelsfall vor der gutachterlichen Untersuchung nochmals schriftlich bestätigen lassen.
  • Bei Hinweis auf Betrugsversuche hat der Gutachter lediglich die Aufgabe, entsprechende Verdachtsmomente mitzuteilen:

    • V. a. Simulation oder Übertreibung kann vom Gutachter geäußert werden.

    • Verdacht durch Tatsachen begründen, z. B. stark differente Bewegungsausmaße in anatomisch identischen Untersuchungssituationen.

    • Ablenkungsmanöver sind ebenso statthaft wie die Beschreibung vermeintlich unbeobachteten Verhaltens, z. B. beim Verlassen der Klinik.

  • Nur in Ausnahmefällen sollte der behandelnde Arzt auf Wunsch oder im Auftrag seines Patienten. oder dessen Rechtsanwalt eine gutachterliche Äußerung abgeben (Verdacht der Befangenheit). Vielmehr sollte der behandelnde Arzt seinem Patienten. klarmachen, dass er in aller Regel von Amtswegen oder vom Gericht ohnehin zu einer sachverständigen Zeugenaussage aufgefordert werden wird. Der Patient kann die entsprechende Behörde auffordern, eine solche Auskunft des behandelnden Arztes einzuholen.

  • Im Fall einer Begutachtung für eine Privatperson in einem Streitverfahren ist die vollständige Akteneinsicht unumgänglich. Ansonsten ist das Gutachten möglicherweise auf falschen Voraussetzungen aufgebaut und damit wertlos. Grundsätzlich kann man seinen Patienten darauf hinweisen, dass in einem Klageverfahren prinzipiell die Möglichkeit besteht, ein „Gegengutachten“ durch einen Arzt der eigenen Wahl erstellen zu lassen.

Arten von Gutachten

Ärztliches Attest
  • Attest, ärztlichesBescheinigung über einen Tatbestand oder Ärztliches AttestGesundheitszustand. Wird i. d. R. durch den behandelnden Arzt ausgestellt. Beispiele:

    • Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU).

    • Attest zur Vorlage beim Versorgungsamt.

    • Attest zur Erlangung von Krankentagegeld.

  • Nur objektiv korrekte und sachlich begründete Aussagen. Keine den Wünschen des Pat. entgegenkommende, sachlich aber nicht begründete Bescheinigung abgeben.

Formulargutachten
  • Regelfall in der gesetzlichen Unfallversicherung.

  • Häufig in privater FormulargutachtenUnfallversicherung.

  • Wird meist durch die behandelnden Ärzte erstellt.

  • Aussagefähigkeit solcher Formblätter begrenzt. Sie eignen sich für ärztliche Berichte unkomplizierter Fälle bzw. Fragestellungen.

Freie Gutachten
  • Gutachten, freiesZusammenhangsgutachten. Hauptfrage: Freies GutachtenUrsächlichkeit einer Gesundheitsstörung in dem Unfallereignis und dessen Folgen.

  • Gutachtenform der Wahl bei: abschließenden Begutachtungen zur Festlegung des Dauerschadens, wissenschaftlich begründete Gutachten und Gerichtsgutachten.

Zusatzgutachten anderer Fachgebiete
  • Kann einerseits vom Auftraggeber vorgeschlagen und genehmigt sein, andererseits kann aufgrund der Aktenlage dem beauftragten Gutachter ein solches Zusatzgutachten notwendig erscheinen und er muss es vor oder im ZusatzgutachtenErgebnis seiner chirurgischen Untersuchung vom Auftraggeber genehmigen lassen.

  • Die zusammenfassende Würdigung erfolgt nach Eingang der Zusatzgutachten durch den Hauptgutachter.

Apparative Zusatzuntersuchungen
  • Umfang und Notwendigkeit apparativer ZusatzuntersuchungenZusatzuntersuchung, apparative (Labor, Röntgen) entsprechend der Apparative ZusatzuntersuchungFragestellung und dem klinischen Untersuchungsbefund. Bei isolierten Verletzungsfolgen, z. B. im Bereich der unteren Extremitäten, ist es u. U. gerechtfertigt, nur diese sehr detailliert zu untersuchen und sich zum Rumpf bzw. zur oberen Extremität nur kursorisch zu äußern.

  • Sofern eine fachgerechte Beurteilung möglich ist, sollten die in den letzten 6–12 Mon. angefertigten Röntgenbilder herangezogen werden, um zusätzliche Strahlenbelastungen zu vermeiden und Kosten einzusparen. Unfallbilder bzw. eine Verlaufsserie sind bei bestimmten Fragestellungen obligat, z. B. bei der Frage einer fortschreitenden sekundären Arthrose.

  • Bei sog. „Ganzkörperschmerzsyndromen“ ist es nicht erforderlich, „den ganzen Menschen“ zu röntgen. Hier ist es z. B. möglich, bei beiderseitigen Schulterbeschwerden nur die schmerzhaftere Schulter zu röntgen.

  • Indikation zur Vergleichsaufnahme der unverletzten Gegenseite eng und kritisch stellen.

  • Angeforderte Fremdröntgenbilder bei den Röntgenbefunden auflisten. Einzelbefundung ist ggf. nicht erforderlich, es kann kursorisch auf die evtl. Fremdröntgenserien eingegangen werden. Bei speziellen Fragestellungen Einzelbefundung, z. B. der Unfallbilder, gerechtfertigt.

Besonderheiten einzelner Rechtsgebiete

In dem vorliegenden Rahmen können nur jeweils einige Gesichtspunkte einzelner Rechtsgebiete angerissen werden. Eine Vertiefung ist durch das Studium der Spezialliteratur unbedingt erforderlich (Schiltenwolf und Hollo 2013).

Gesetzliche Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfallversicherung:gesetzlicheUnfallversicherung schützt die Versicherten und evtl. Gesetzliche Unfallversicherungderen Hinterbliebenen vor Folgen von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. Die Leistungen werden unabhängig davon erbracht, wer an einem Arbeitsunfall schuld ist.
Träger der gesetzlichen Unfallversicherung
Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sind gewerbliche Berufsgenossenschaften, landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften, der Bund, die Unfallkassen des Bundes, die Eisenbahn-Unfallkasse, die Unfallkasse Post und Telekom, die Unfallkassen der Länder, die Gemeindeunfallversicherungsverbände und Unfallkassen der Gemeinden, die Feuerwehr-Unfallkassen sowie die gemeinsamen Unfallkassen für den Landes- und kommunalen Bereich.
Versicherter Personenkreis
Zu den Versicherten der gesetzlichen Unfallversicherung gehören nachstehende Personen: Beschäftigte aufgrund eines Arbeits-, Dienst- und Lehrverhältnisses, Selbstständige auf Antrag, Hilfeleistende bei Unfällen und Straftaten, Personen bei ehrenamtlichen Tätigkeiten, Zeugen bei Gerichtsterminen, Entwicklungshelfer im Ausland oder in der Vorbereitungszeit für eine solche Beschäftigung, Blutspender und Spender körpereigener Gewebe, Kindergartenkinder, Schüler, Studenten, Personen, die aufgrund von Arbeitsschutzvorschriften ärztlich untersucht werden, Unternehmer, soweit sie Mitglieder der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft sind und ihre Ehegatten, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, wenn sie zur Erfüllung ihrer Meldepflicht die hierfür bestimmte Stelle aufsuchen, Eigenheimbauer, wenn durch das Bauvorhaben öffentlich geförderte oder steuerbegünstigter Wohnungsraum geschaffen werden soll, Personen die Pflegebedürftige versorgen, Personen die auf Kosten einer Krankenkasse oder eines Rentenversicherungsträgers eine stationäre/teilstationäre Behandlung oder eine medizinische Rehabilitation erhalten.
Versicherte Risiken
  • Arbeitsunfall: Unfall, den ein Versicherter bei einer versicherten Tätigkeit erleidet. Ein Unfall ist ein von außen einwirkendes, zeitlich begrenztes, unfreiwilliges Ereignis, das einen Gesundheitsschaden bewirkt. Der Wegunfall gilt als Arbeitsunfall. Der Kausalzusammenhang zwischen der versicherten Tätigkeit und dem Unfall sowie zwischen dem Unfall und einem eingetretenen Gesundheitsschaden muss zumindest mit Wahrscheinlichkeit vorliegen.

  • Berufskrankheit: Erkrankungen, die in der Berufskrankheiten-Verordnung aufgeführt sind.

Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE)/Grad der Behinderung (GdB)
MdE und GdB Minderung der Erwerbsfähigkeitwerden nach gleichen Grundsätzen bemessen. Grad der BehinderungBeide Begriffe unterscheiden sich dadurch, dass die MdE kausal nur auf die Schädigungsfolgen und der GdB auf alle Gesundheitsstörungen unabhängig der Ursache bezogen sind. MdE und GdB sind ein Maß für die körperliche, geistige, seelische und soziale Auswirkung von Funktionsbeeinträchtigungen aufgrund eines Gesundheitsschadens. Physiologische Veränderungen im Alter sind in der MdE-/GdB-Beurteilung nicht zu berücksichtigen.
Die MdE ist in Vonhundertsätzen, der GdB in Zehnergraden anzugeben.
Liegen mehrere Funktionsbeeinträchtigungen vor, so sind Einzel-GdB/Einzel-MdE anzugeben. Bei der Ermittlung der Gesamt-GdB/MdE durch alle Funktionsbeeinträchtigungen dürfen die einzelnen Werte nicht addiert werden. Bei der Beurteilung der Gesamt-GdB/MdE-Grad ist von der Funktionsbeeinträchtigung auszugehen, die den höchsten Einzel-GdB/MdE-Grad bedingt. Im Hinblick auf weitere Funktionsbeeinträchtigungen ist zu prüfen ob und inwieweit hierdurch das Ausmaß der Behinderung größer wird und sich dadurch eine weitere Erhöhung des GdB/MdE-Grads ergibt.
Die in der GdB-/MdE-Tabelle aufgeführten Werte sind den Mindestvonhundertsätzen angepasst Tab. 3.2). Sie sind aus langen Erfahrungen gewonnen und stellen Mittelwerte dar.
Eine vollständige Beurteilung findet sich in den Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 2008 (www.bmas.de).
Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung
  • Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten.

  • Heilbehandlung.

  • Pflege, Pflegegeld.

  • Berufshilfe, d. h. Maßnahmen zur Erhaltung bzw. Umgestaltung des Arbeitsplatzes, Berufsfindung, Umschulung, Fortbildung.

  • Leistungen zur sozialen Rehabilitation: Kraftfahrzeug-, Wohnungs-, Haushaltshilfen, psychosoziale Betreuung, Rehabilitationssport.

  • Hinterbliebenenversorgung, z. B. Witwen- oder Waisenrente.

  • Verletztengeld wird gezahlt, solange der Versicherte infolge eines Arbeitsunfalls arbeitsunfähig ist und keine Entgeltfortzahlung erhält oder wegen einer Maßnahme der Heilbehandlung eine ganztägige Erwerbstätigkeit nicht ausüben kann. Es endet mit Zahlungsbeginn einer Verletztenrente, dem letzten Tag der Arbeitsunfähigkeit oder dem Anspruch auf Übergangsgeld während einer Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben.

  • Verletztenrente wird bezahlt, beim Fortfall des Anspruchs auf Verletztengeld und bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit über die 26. Woche nach dem Unfall.

  • Die MdE muss wenigstens 20 % durch die Folgen eines Arbeitsunfalls allein oder durch mehrere Arbeitsunfälle/Berufskrankheiten von jeweils 10 % MdE betragen, damit eine Verletztenrente zur Auszahlung kommt. Eine Ausnahme gilt bei Versicherungsfällen bei landwirtschaftlichen Unternehmern, deren Ehegatten und Familienangehörigen. Hier ist eine MdE von wenigstens 30 % Voraussetzung für einen Rentenanspruch.

  • Nach Abschluss der Behandlungen innerhalb der ersten 3 Jahre nach dem Unfall wird bei Vorliegen einer MdE von mindestens 20 % eine vorläufige Rente gewährt. Die Vorläufigkeit besagt, dass diese Rente jederzeit bei wesentlichen Änderungen im Zustand der Unfallfolgen (regelhaft mindestens 10 %) geändert werden kann.

  • Spätestens 3 Jahre nach dem Unfall muss die Dauerrente festgelegt werden. Bei der Festsetzung der ersten Dauerrente handelt es sich um eine Neueinschätzung, ohne Rücksicht auf den Vorbefund. Der Nachweis einer Änderung zu den Vorbefunden ist damit auch wenn von der bisherigen Einschätzung abgewichen wird, nicht notwendig. Eine Dauerrente kann nur in Zeitabständen von mindestens einem Jahr geändert werden.

Private Unfallversicherung

  • Unfallversicherung:privateDie Versicherung der Risikofälle des Private Unfallversicherungtäglichen Lebens wie Unfall, Krankheit, Alter und Tod sind durch private Versicherungsverträge möglich.

  • Gutachten im Rahmen der privaten Unfallversicherung unterscheiden sich im Hinblick auf Form und Inhalt nicht wesentlich von denen der gesetzlichen Unfallversicherung.

  • Träger der privaten Unfallversicherung sind privatrechtlich organisierte Versicherungsgesellschaften.

  • Die private Unfallversicherung soll den Verlust oder die Minderung der Arbeitskraft in finanzieller Form ausgleichen. Die Höhe der Ersatzleistung hängt von dem Grad der dauernden Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, der Höhe der frei vereinbarten Versicherungssumme sowie den vereinbarten Leistungen im Versicherungsvertrag ab.

  • Leistungen je nach Versicherungsvertrag:

    • Invaliditätsleistung: Führt der Unfall zu einer dauernden Beeinträchtigung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit des Versicherten, so besteht Anspruch auf Kapitalleistung aus der für den Invaliditätsfall versicherten Summe. Die Höhe der Leistung richtet sich nach dem Grad der Invalidität.

    • Unfallrente: Statt der Zahlung einer Invaliditätsleistung kann im Versicherungsfall auch die Zahlung einer Unfallrente oder einer Kombination aus Invaliditätsleistung und Unfallrente vereinbart werden. Führt der Unfall zu einer dauerhaften Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit von mindestens 50 % wird die festgelegte Unfallrente lebenslang gezahlt.

    • Tagegeld: Führt der Unfall zu einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, so wird für die Dauer der ärztlichen Behandlung Tagegeld gezahlt. Das Tagegeld wird nach dem Grad der Beeinträchtigung abgestuft und maximal 1 Jahr gezahlt. Die Bemessung richtet sich nach der Berufstätigkeit oder Beschäftigung des Versicherten.

    • Krankenhaustagegeld: Wird für jeden Kalendertag, längstens aber 2–5 Jahre gezahlt, an dem sich der Versicherte wegen des Unfalls in vollstationärer Heilbehandlung befindet.

    • Genesungsgeld: Häufig erhält der Versicherungsnehmer, nachdem er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, Genesungsgeld. Die Höhe und Dauer entsprechen dabei (noch einmal) der Dauer des vollstationären Aufenthalts. Häufig wird die Zahlung auf 100 Tage begrenzt und ggf. noch eine weitere Zeit abgestuft gezahlt.

    • Todesfallleistung: Führt der Unfall innerhalb eines Jahres zum Tod, so besteht Anspruch auf Leistungen nach der für den Todesfall vereinbarten Summe.

    • Übergangsleistungen: Besteht nach Ablauf von 6 Monaten noch eine unfallbedingte Beeinträchtigung von mehr als 50 %. wird eine im Vertrag vereinbarte Übergangsleistung erbracht.

  • Private Unfallversicherungen bieten darüber hinaus besondere Leistungen und Leistungsbemessungen an (z. B. verbesserte Gliedertaxe, kosmetische Operationen).

  • Bei Verlust oder Funktionsunfähigkeit von mehreren Körperteilen werden die Prozentsätze addiert. Ergibt die Addition mehr als 100 % wird wie bei einer Vollinvalidität abgefunden.

Der Wert der Gliedertaxe Tab. 3.3) bezieht sich auf die Gliedertaxeverletzte Gliedmaße. Die MdE der gesetzlichen Unfallversicherung drückt dagegen einen prozentualen Schädigungsgrad bezogen auf die gesamte Person aus. Die Minderung der Funktionsbeeinträchtigung einer Gliedmaße wird nicht in Prozentsätzen, sondern in Bruchteilen angegeben. In der Praxis hat sich die Angabe in Zehntel bewährt, gebräuchlich sind aber auch z. B. ½ Beinwert, 110 Armwert, 120 Fußwert. Bewerten und abgefunden wird der eingetretene Dauerschaden. Er umfasst den eingetretenen Schaden spätestens 3 Jahre nach dem Unfall. Spätere Verbesserungen oder Verschlechterungen finden im Gegensatz zur gesetzlichen Unfallversicherung keine Berücksichtigung.

Bei der Mitwirkung von unfallunabhängigen Krankheiten oder Gebrechen wird die Leistung gekürzt, wenn der Mitwirkungsanteil dieser Krankheiten, der sog. Vorschaden, mindestens 25 % beträgt.

Ein evtl. Vorschaden ist prozentual zu berücksichtigen. Üblich sind u. a. Mitwirkungsanteile von 25, 50 und 75 % (kleiner, mittlerer, großer Mitwirkungsfaktor).

Gesetzliche Rentenversicherung

  • Rentenversicherung, gesetzlicheSichert den Lebensunterhalt des Gesetzliche RentenversicherungVersicherten im Alter, bei vorzeitiger Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit und seiner Hinterbliebenen im Todesfall. Ferner gewährt sie medizinische und berufliche Rehabilitationsmaßnahmen.

  • Träger der gesetzlichen Rentenversicherung ist die Deutsche Rentenversicherung.Die zuständigen Leistungsträger sind die Deutsche Rentenversicherung der Regionalträger, die Deutsche Rentenversicherung Bund und die deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See.In der Alterssicherung der Landwirte die landwirtschaftliche Alterskasse in der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau.

  • Leistungen: Reha-Maßnahmen, Berufsunfähigkeits-, Erwerbsunfähigkeitsrente, Altersrente, Hinterbliebenenrente, Zuschüsse zu Aufwendungen für Krankenversicherung.

  • Berufsunfähigkeit (BU): Wenn Erwerbsfähigkeit durch Krankheit oder andere BerufsunfähigkeitGebrechen oder Schwäche der körperlichen und geistigen Kräfte auf weniger als die Hälfte derjenigen eines körperlich und geistig Gesunden mit ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten unter Berücksichtigung des Berufsbilds herabgesunken ist.

  • Erwerbsunfähigkeit (EU) liegt vor, wenn infolge Krankheit oder anderer ErwerbsunfähigkeitGebrechen körperliche oder geistige Kräfte auf nicht absehbare Zeit eine Erwerbstätigkeit in gewisser Regelmäßigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann, oder nicht mehr als nur geringfügige Einkünfte durch Erwerbstätigkeit erzielt werden können.

Seit 1.1.2001 ist die frühere Berufsunfähigkeits- und Erwerbsunfähigkeitsrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung durch die ErwerbsminderungsrenteErwerbsminderungsrente ersetzt. Diese umfasst die beiden Rentenarten Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung und Rente wegen voller Erwerbsminderung. Die Neuregelung betrifft alle Versicherten, deren Frührente nach dem 31.12.2000 beginnt.

  • Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung: Ein Versicherter, der unter den üblichen Bedingungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur noch zwischen 3 und unter 6 h täglich erwerbstätig sein kann, erhält eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung. Die Höhe dieser Rente beträgt die Hälfte der Rente wegen voller Erwerbsminderung.

  • Rente wegen voller Erwerbsminderung: Ein Versicherter, der unter den üblichen Bedingungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur noch unter 3 h erwerbstätig sein kann, erhält eine Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Die Renten wegen voller und teilweiser Erwerbsminderung werden grundsätzlich zunächst als Rente auf Zeit und nicht mehr von Anfang an als Dauerrenten gezahlt. Die Befristung erfolgt für längstens 3 Jahre und kann wiederholt werden. Dann ist der Gesundheitszustand des Versicherten zu prüfen. Unbefristet wird die Rente nur geleistet, wenn es unwahrscheinlich ist, dass die Minderung der Erwerbstätigkeit behoben werden kann. Hiervon ist dann auszugehen, wenn die Gesamtdauer bereits 9 Jahre beträgt.
In Gutachten bei Rentenstreitsachen ist keine Aussage zu machen über das Vorliegen von Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit. Das Leistungsvermögen ist festzustellen bzw. bestimmte Tätigkeitsmerkmale sind auszuschließen. Die Beweisfragen im Sozialgerichtsverfahren wegen Rentenstreitigkeiten sind weitgehend standardisiert:

Beweisfragen im Sozialgerichtsverfahren

  • Welche Krankheiten oder andere Gebrechen oder Schwächen der körperlichen und geistigen Kräfte liegen vor?

  • Welche körperlichen und geistigen Funktionen werden dadurch beeinträchtigt?

  • Welchen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit haben diese Gesundheitsstörungen?

  • Welche Tätigkeiten sind ohne unmittelbare Gefährdung der Gesundheit – sei es auch nur mit Einschränkungen – noch möglich und welche sind zu vermeiden?Beispiele: Schwere – mittelschwere – leichte körperliche Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten bis zu wie viel kg, dauerndes/überwiegendes Stehen – Gehen – Sitzen – gleichförmige Körperhaltung (welche) – häufiges Bücken – Treppensteigen – Arbeiten auf Leitern und Gerüsten; Akkord-, Fließband-, Schicht-, Nachtarbeit; Arbeiten in Kälte – unter Wärmeeinfluss – unter Einwirkung von Staub, Gasen und Dämpfen, Nässe – Arbeiten im Freien; besondere Beanspruchung des Gehörs oder des Sehvermögens – Publikumsverkehr – Arbeiten an Schreibmaschine; besondere geistige Beanspruchung (welcher Art?) – erhöhte bzw. hohe Verantwortung.

  • Bis zu welcher Höchstdauer je Arbeitstag können die noch möglichen Tätigkeiten ohne unmittelbare Gefährdung der Gesundheit ausgeführt werden? Unter 3 h, 3–6 h, > 6 Stunden?

  • !

    Bitte die einzelnen Tätigkeiten getrennt beurteilen!

  • Sind besondere Arbeitsbedingungen unerlässlich (z. B. betriebsunübliche Pausen, ggf. in welchen Abständen und wie lange; besonders gestaltetes Arbeitsgerät)? Bedingen die Gesundheitsstörungen Beschränkungen des Arbeitswegs (z. B. hinsichtlich der Zeitdauer, der Art des Verkehrsmittels)?

Schwerbehindertenrecht

  • Schwerbehinderte Menschen stehen unter einem besonderen rechtlichen Schutz. Rechte und Förderung sind durch das Schwerbehindertenrecht geregelt. Dies betrifft vor allem die SchwerbehindertenrechtBeschäftigungspflicht für Arbeitgeber, die Zahlung und Verwendung der Ausgleichsabgabe, begleitende Hilfen im Arbeitsleben, die Schwerbehindertenvertretung in den Betrieben, den Kündigungsschutz, die unentgeltliche Beförderung durch öffentliche Verkehrsmittel und weitere Möglichkeiten der finanziellen Förderung.

  • Behinderung im Sinne des Schwerbehindertengesetzes [SchwbG]: Menschen sind behindert, wenn ihre Schwerbehindertengesetzkörperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als 6 Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt ist.

  • Die Auswirkung wird als Grad der Behinderung (GdB) nach Zehnergraden von 20 bis 100 abgestuft:

    • Eine Behinderung liegt vor bei einem GdB von mindestens 20.

    • Eine Schwerbehinderung ab einem GdB von 50.

    • Eine Gleichstellung ist möglich ab einem GdB von 30.

  • Die Feststellung der Schwerbehinderteneigenschaft und des Grads der Behinderung (GdB) wird von den Versorgungsämtern vorgenommen. Eine Gleichstellung erfolgt durch das Arbeitsamt.

  • Der Grad der Behinderung ist prinzipiell unabhängig von dem ausgeübten Beruf. Aus dem GdB ist nicht auf die Leistungsfähigkeit bzw. auf Leistungsvoraussetzungen in anderen Rechtsgebieten zu schließen.

  • Bei der Ermittlung des Gesamt-GdB ist eine rechnerische Ermittlung nicht zulässig. Maßgebend sind die Auswirkungen der einzelnen Behinderungen in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung ihrer gegenseitigen Beeinflussung und Beziehung 3.3.1.

Pflegeversicherung

  • Die Pflegeversicherung sichert das finanzielle Risiko der PflegeversicherungPflegebedürftigkeit ab.

  • Sie soll es dem Pflegebedürftigen ermöglichen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

  • Die Pflegeversicherung ist keine Vollversicherung. Sie stellt eine soziale Grundsicherung in Form von unterstützenden Hilfeleistungen dar, die die Eigenleistungen der Versicherten und anderer Träger nicht entbehrlich machen.

  • Der Medizinische Dienst der Krankenversicherungen prüft, welche Leistungen zur medizinischen Rehabilitation für die Versicherten in Betracht kommen, um eine Pflegebedürftigkeit zu überwinden, zu mindern oder ihre Verschlimmerung zu verhüten.

  • Um den unterschiedlichen Anforderungen Rechnung zu tragen, hat der Gesetzgeber 3 Pflegestufen (erheblich pflegebedürftig, schwer pflegebedürftig, schwerstpflegebedürftig) festgelegt. Damit sind auch die Höchstbeträge für die Leistungen der Pflegeversicherung festgelegt.

  • Die Pflegeversicherung erbringt Leistungen als Geld- oder Sachleistungen bis zu einer finanziellen Höchstgrenze, mit denen eine Grundpflege und eine hauswirtschaftliche Versorgung finanziert wird.

  • Leistungen: Häusliche und stationäre Pflege, Pflegegeld für pflegende Angehörige und selbst beschaffte Pflegehilfen, Pflegekurse, Pflegehilfsmittel und technische Hilfen, Zuschüsse zur pflegegerechten Gestaltung des Wohnumfelds des Pflegebedürftigen.

  • Die sozialmedizinische Begutachtung bewertet nicht die Schwere der Krankheit oder Behinderung, sondern allein den aus der konkreten Funktionseinschränkung resultierenden Hilfsbedarf in Bezug auf die gesetzlich definierten Verrichtungen des täglichen Lebens in den Bereichen der hauswirtschaftlichen Versorgung und Grundpflege (Waschen, Duschen, Blasen-/Darmentleerung, Ernährung, Laufen, An-/Auskleiden, Aufstehen/Zubettgehen).

Hinweise für den ärztlichen Gutachter

Vorbereitende Begutachtungsarbeiten
Prüfung des Gutachtenauftrags: Gutachter, ärztlicherBegutachtungsfragen verständlich und präzise, Ärztlicher Gutachtervollständig und geeignet? Notwendige Spezialuntersuchungen? Zusatzgutachten?
Allgemeine Regeln
  • Neutralität des Gutachters: Wahren der Interessen der Beteiligten. Gegenüber der Untersuchungsperson neutral verhalten. Äußerungen dürfen nicht Anlass zur Besorgnis einer Voreingenommenheit geben.

  • Aufklärung und Beratung von Untersuchungseingriffen: Allgemein erforderliche Selbstbestimmungs- und Risikoaufklärung vor körperlichen Untersuchungen vornehmen.

  • Schweigepflicht des Gutachters: Spezielle Ergebnisse des Gutachtens dürfen nicht schon bei der Untersuchung bekannt gegeben werden.

Aufbau eines Gutachtens
  • Auftraggeber, Datum des Gutachtenauftrags, Aktenzeichen.

  • Name des Begutachteten, Geburtsdatum, Anschrift, ggf. Identifikation z. B. durch Personalausweis.

  • Ort, Zeitpunkt und Dauer der Gutachtenuntersuchung und Gutachtenerstattung.

  • Auflistung der Aktenunterlagen und Fremdröntgenbilder, die zur Begutachtung vorlagen.

  • Vorgeschichte nach Aktenlage. Nur auf den für die Beurteilung relevanten Akteninhalt in knapper, präziser Form eingehen. Benennung der entsprechenden Seiten und Akten in Klammern, um ein rasches Auffinden zu ermöglichen.

  • Allgemeine weitere Anamnesen, soziale Anamnese, berufliche Tätigkeit und ggf. Ausbildung des Begutachteten.

  • Klagen und Beschwerden, Wiedergabe in wörtlicher Rede nach Angabe des Untersuchten.

  • Untersuchungsbefunde:

    • Körperliche, klinische Untersuchung.

    • Die klinische, chirurgische Untersuchung ist nach anerkannten Untersuchungsmethoden, z. B. Neutral-Null-Methode, durchzuführen und detailliert festzuhalten. Bei Extremitäten immer die Gegenseite zum Vergleich anführen.

    • Technische Zusatzuntersuchungen (z. B. Rö, CT, MRT): Befundung, der neu angefertigten oder angeforderten Rö-Bilder, knappe interpretierende Beurteilung.

    • Laborchemische Untersuchungen: Aktuelle Werte den Normwerten gegenüberstellen.

  • Zusammenfassung und Beurteilung: Wichtigster Teil des Gutachtens. Soll in sich schlüssig sein. Relevante Daten aus der Vorgeschichte sowie relevante Untersuchungsbefunde sollen hier kurz wiederholt und zu der gutachterlichen Fragestellung in Bezug gesetzt werden. Normalerweise wörtliche Wiederholung der Fragestellungen des Gutachtens und direkt anschließende knappe, präzise und allg. verständliche Beantwortung. Grundlage der gutachterlichen Einschätzung des Grads der Erwerbsminderung ist allein der erhobene, nachvollziehbare und vergleichbare Befund. Damit können anlässlich einer späteren gutachterlichen Nacherhebung zum Zweck eines Besserungs- oder Verschlimmerungsnachweises eine festgestellte Befunddifferenz und eine mögliche Abweichung von der Vorschätzung begründet werden.

Inhaltliche Anforderungen und gutachterliche Darstellung
  • Äußerungen des Begutachteten klar von objektiven Untersuchungsergebnissen unterscheiden.

  • Reine Verdachtsdiagnosen dürfen nicht z. B. als sichere Befunde missverständlich sein.

  • Gutachterliche Aussagen objektiv, sachlich und in distanzierter Form.

  • Vermeiden subjektiv gefärbter oder mit Tendenz versehener Formulierungen. Erschöpfende Antwort auf Gutachtenfragen erteilen. Einzelne Begutachtungsschritte müssen methodisch nachzuvollziehen und in ihrer Schlüssigkeit kritisch bewertbar sein. Feststellungen und Beurteilungen deshalb vollständig und lückenlos wiedergeben.

Hinweise zum Untersuchungsgang

Allgemeine Vorbereitungen
Die Kooperation bei der Untersuchung gestaltet sich regelrecht oder der/die Untersuchte ist teilweise nicht/wenig kooperativ.
Allgemeine klinische Untersuchung
  • Entkleiden: Selbstständig, zügig, unter symmetrischer, seitengleicher Benutzung der Arme, sitzend, stehend, in wechselnden Einbeinstand, langsam und mit Mühe, nur mit fremder Hilfe.

  • AZ: Gut, mäßig verbraucht, reduziert, gebrechlich. Körpergröße, -gewicht.

  • EZ: Schlecht, reduziert, ideal-, normalgewichtig, adipös, gut.

  • Alterseindruck: Altersgemäß, vorgealtert.

  • Körperform: Schlank, pyknisch, athletisch.

  • Muskulatur: Normal, kräftig, schwach.

  • Haltung: Aufrecht, steif, gebeugt, schlaff.

  • Bewegungen: Unauffällig, steif, zügig, verlangsamt, kraftlos.

  • Puls, Blutdruck: Frequenz, Rhythmus.

  • Haut, sichtbare Schleimhäute: Regelrecht durchblutet, Farbe, Veränderungen.

  • Lippen: O. B., zyanotisch, blass.

  • Gesichtsfarbe: Blass, gebräunt, rosig, ikterisch.

Spezielle Untersuchungsbefunde
Hals-/Rumpfwirbelsäule
  • Inspektion: Schulterstand, Beckenstand, Taillendreiecke, inspektorisches Seitprofil (normal, hohlrund, rund, flach), Rückenprofil mit Dornfortsatzlinie bei vollem Fersenstand beidseits ohne Beinlängendifferenz, Lot, Haltung (muskelkräftig, aufrecht, muskelschwach, verfallen, Zwangshaltung).

  • Hals: Normale Form und Haltung/Zwangshaltung. Klopf-, Druck-, Distraktions-, Stauchschmerz, Muskelhartspann.

  • Brustkorb: Normal, hager, fassförmig, Atembreite über den Mamillen in cm.

  • Abdomen: Normal, adipös, vorgewölbt, Hernien, Rektusdiastase, Narben, Bauchumfang in Nabelhöhe.

  • Funktionsprüfung HWS: Vorneigen/Rückneigen (45°/0°/45°), Seitneigen (45°/0°/45°), Drehen (80°/0°/80°), Kinnspitzen-Brustbein-Abstand.

  • Funktionsprüfung Rumpfwirbelsäule: Finger-Boden-Abstand, Messstrecke Ott, Messstrecke Schober, Seitneigung, Rückneigung, Rotation, Abstand Fingerspitzen-Großzehen im Langsitz.

  • Deformitäten: Skoliose, Kyphose, Gibbus, Rippenbuckel, Lendenwulst, Klopfschmerz, Druckschmerz, Stauchungsschmerz, Fersenfallschmerz, Beckenkompressionsschmerz, Thoraxkompressionsschmerz.

  • Muskulatur: Tonus palpatorisch, Druckschmerz, Myogelosen.

  • Neurologische Untersuchung: Radikuläre Schmerzsymptomatik, radikuläre Ausfallserscheinungen, Lasègue, Bragard.

Obere Extremität
  • Schultergürtel: Schultergeradstand, Schulterkulisse: Konturen, Symmetrie, Muskelverspannung, Schultergelenkbeweglichkeit nach der Neutral-Null-Methode, Nackengriff, Schürzenbundgriff, Schulterblattstand. Druckpunkte, Stabilitätstest, Funktionstest Rotatorenmanschette, Rechtshänder/Linkshänder, Umfänge inspektorisch.

  • Muskel- bzw. Umfangsdifferenz: Inspektorisch, Atrophie.

  • Umfangsmaße: Messtechnisch nach Messblatt für obere Gliedmaßen.

  • Armlänge: Messtechnisch.

  • Ellenbogengelenke: Kontur, Beweglichkeit nach der Neutral-Null-Methode, Gelenkachse, Bandführung Unterarmdrehung nach der Neutral-Null-Methode.

  • Handgelenke: Kontur, Beweglichkeit messtechnisch.

  • Hand: Bewegungsprüfung Finger nach der Neutral-Null-Methode, Hohlhandbeschwielung, Griffvarianten (Faustschluss, Spitz-, Schlüsselgriff), Daumen (Zirkumduktion-Opposition), Handbinnenmuskulatur, Atrophie, Deformität, Amputation.

  • Durchblutung: Arterielle Pulse, klinische Anhaltspunkte für Blutrückflussstörungen.

  • Neurologische Untersuchung, orientierend: Motorik, Paresen, Sensibilität, Reflexe, grobe Kraft.

Untere Extremität
  • Orthopädische Hilfsmittel: Einlagen, Bandagen, Orthesen, Prothesen.

  • Beinachsen: Inspektorisch, messtechnisch: Varus, gerade, Valgus, Seitendifferenz.

  • Muskel- bzw. Umfangsdifferenz: Inspektorisch.

  • Umfangsmaße: Messtechnisch nach Messblatt für untere Gliedmaßen.

  • Beinlänge: Messtechnisch.

  • Becken: Beckengeradstand, Beckenschiefstand (links/rechts, cm), Beckenkippung.

  • Haut: Hautfarbe, Hauttemperatur, Narben.

  • Durchblutung: Arterielle Pulse, Stammvarikosis, Besenreiservarikosis.

  • Gangbild: Unauffällig, Verkürzungshinken, Schonhinken, Schrittlänge verkürzt, Fußabrollung, Trendelenburg, Duchenne, in Konfektionsschuhen zu ebener Erde flott und sicher, Gehhilfen, Abrieb der Schuhe, Änderung des Gangbilds, wenn sich der Pat. unbeobachtet fühlt.

  • Standvarianten: Einbeinstand, Fersenstand, Zehenstand, tiefe Hocke.

  • Hüftgelenke: Kontur, Beweglichkeit nach Neutral-Null-Methode, Funktionsschmerz, ventraler Kapseldruckschmerz, Trochanterdruckschmerz.

  • Kniegelenke: Kniegelenkkontur, synoviale Schwellung, Ergussbildung, Quadrizepsatrophie, Bewegungsreiben, Beweglichkeit nach der Neutral-Null-Methode, Zohlen-Zeichen, Apprehension-Sign, Q-Winkel, Patella alta, Hypermobilität der Patella, Prüfung und Dokumentation der Bandführung des Kniegelenks (laterale Aufklappbarkeit und mediale Aufklappbarkeit in Streckstellung und 30°-Beugung, gerade vordere Schublade, Lachmann, Pivot shift, hintere Schublade, Rotationsinstabilität), Meniskuszeichen (Druckschmerz, Gelenkspalt, Steinmann I und II, Payr, Apley-Grinding, Hyperextensionsschmerz, Hyperflexionsschmerz).

  • Unterschenkel: Drehfehler, Deformität, Ödeme, Ulkus.

  • Sprunggelenk und Fuß: Sprunggelenkbeweglichkeit nach der Neutral-Null-Methode, Zehengelenkbeweglichkeit. Stabilität OSG, Fußform, Deformität (z. B. Hallux valgus, Hammerzehen, Krallenzehen), Fußsohlenbeschwielung, Fußpulse.

  • Neurologischer Status, orientierend: Muskeleigenreflexe, Sensibilität, Motorik (Paresen), Lasègue (rechts/links, gekreuzt, umgekehrt), Bragard, Valleix-Druckpunkte.

Gelenkmessungen nach der Neutral-Null-Methode

Alle Umfangs- und Gelenkwinkelmessungen sollten im Rahmen der Begutachtung mit Bandmaß und Winkelmesser durchgeführt werden. Die Normalstellung zeigt alle Gelenke in der 0°-Stellung. Normalstellung wird im Stand eingenommen mit hängenden Armen und gestreckten Fingern. Dabei zeigt der Daumen nach vorn, die Füße stehen parallel Abb. 3.1).

Wirbelsäule
Halswirbelsäule
Zusätzlich können noch der Abstand der Kinnspitze zum Jugulum sowie der Abstand der Kinnspitze zu den Schultern gemessen werden. Ferner Messung des Abstands der Kinnspitze zur Unterlage in Bauchlage.
Brust- und Lendenwirbelsäule
Gemessen wird der Winkel zwischen C7–S1 und der Senkrechten.
Zusätzliche Messmethoden an der Wirbelsäule
  • Ott-Zeichen: Im Stehen Markierung des Dornfortsatzes C7 und Anzeichen einer weiteren Marke 30 cm kaudal. Bei freier Beweglichkeit verlängert sich diese Strecke bei der Rumpfvorwärtsbeuge um bis zu 8 cm. Aufschreibung: Ott Brustwirbelsäule 30/38 cm.

  • Schober-Zeichen: Im Stehen Markierung des Dornfortsatzes S1 und Anzeichen einer weiteren Marke 10 cm oberhalb. Bei freier Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule verlängert sich diese Strecke bei der Rumpfvorwärtsbeuge um 10–15 cm. Aufschreibung: Schober Lendenwirbelsäule 10/20 cm.

  • Russe et al. (1982) messen im Stehen die Strecke zwischen C7 und S1 und finden bei stärkster Beugung der Wirbelsäule beim gesunden Erwachsenen eine Verlängerung um ungefähr 10 cm.

  • Ferner Messung des Fingerspitzen-Boden-Abstands im Stehen mit gestreckten Knien (FBA). Dabei handelt es sich um eine Kombinationsbewegung, an der neben der Wirbelsäule auch die Hüftgelenke besonders beteiligt sind. Gut bewegliche Hüften können dabei Versteifungen der Wirbelsäule z. T. kompensieren.

  • Ferner sind bei der Wirbelsäulenuntersuchung seitliche Verbiegungen anzugeben und ihre Lage sowie das besondere Hervortreten von Dornfortsätzen zu beschreiben. Beim Beckenschiefstand ist festzustellen, ob durch Unterlegen von Brettchen unter die Fußsohlen derselbe ausgeglichen werden kann, wobei auch auf die Beinlängenunterschiede zu achten ist. Muskelverspannungen sowie Klopf- und Stauchungsschmerzen sind zu beschreiben.

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