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B978-3-437-22453-9.00021-1

10.1016/B978-3-437-22453-9.00021-1

978-3-437-22453-9

Lokalisation der Bauchwandhernien

[L106]

Bruchpforten der Inguinalhernien

[L106]

Reparationsverfahren der Leistenhernie

[L106]

Trokarpositionen

[L106]

Echte Hernien

Tab. 21.1
Angeborene Hernie (Hernia congenita) Fehlende Verklebung embryonal bestehender Peritonealausstülpungen, z. B. indirekter Leistenbruch bei offenem Processus vaginalis o. die Nabelhernie
Erworbene Hernie (Hernia acquisita) Anlagebedingte Schwäche der Bauchdecke in Regionen verminderter Festigkeit, z. B. an Muskel- u. Faszienlücken, Durchtrittsstellen von Gefäßen, Nerven u. Samenstrang
Äußere Hernie H., die über das Körperoberflächenniveau hervortritt (Leisten-, Schenkel-, Nabel-, Narben-, Spieghel-, supravesikale H.; Abb. 21.1, 21.2)
Innere Hernie H., die sich in Bauchfelltaschen ausstülpt (Hiatushernie, Treitz-Hernie; 21.3)
Interparietale Hernie H., die zwischen Bauchwandschichten verläuft (selten)
Komplette Hernie Echte H.; Sonderform: Gleithernie = retroperitoneale Organe (z. B. Colon ascendens, descendens) bilden Bruchinhalt u. einen Teil des Bruchsacks
Inkomplette Hernie Darmwandhernie (Richter-Hernie), wird meist erst mit den Zeichen der Inkarzeration klin. auffällig. Meckel-Divertikel in Hernie (Littré-Hernie)
Symptomatische Hernie Folge einer patholog. intraabdominalen Druckerhöhung (z. B. Aszites, Tumor)

Intraoperative KO bei Hernienoperation

Tab. 21.2
Verletzung von … Maßnahme
Darm (v.a. bei Gleithernie mit Inkarzeration) Je nach Ausmaß Naht o. Kombination mit passagerer Kolostomie (15.7.1)
Harnblase Zweireihige Naht mit 3–0 Chrom-Catgut, transurethraler Katheter
Gefäßen Kompression, Ligatur o. gefäßchirurg. versorgen (11.3)
Adnexen Naht (resorbierbar, 4–0)
Nerven Ligaturen o. Koagulation der Enden

Lageunterschiede direkte – indirekte Leistenhernie

Tab. 21.3
Direkte Leistenhernie Medial der epigastrischen Gefäße (muskelarmes Hesselbach-Dreieck), erworben
Indirekte Leistenhernie Lateral der epigastrischen Gefäße, angeboren o. erworben

Hernien

Guido Schumacher

Frank-Michael Hasse

Siegfried Krishnabhakdi

  • 21.1

    Grundlagen zur Hernienchirurgie574

    • 21.1.1

      Prädisponierende Faktoren574

    • 21.1.2

      Einteilung574

    • 21.1.3

      Diagnostik575

    • 21.1.4

      Inkarzeration576

    • 21.1.5

      Konservative Therapie der Hernien577

    • 21.1.6

      Operative Therapie der Hernien578

  • 21.2

    Äußere Hernien580

    • 21.2.1

      Leistenhernie (Hernia inguinalis)580

    • 21.2.2

      Femoral- oder Schenkelhernie586

    • 21.2.3

      Nabelhernien586

    • 21.2.4

      Narbenhernie587

    • 21.2.5

      Epigastrische Hernie588

    • 21.2.6

      Hernia obturatoria588

    • 21.2.7

      Hernia perinealis589

    • 21.2.8

      Seltene äußere Hernien589

  • 21.3

    Innere (= intraperitoneale) Hernien590

Grundlagen zur Hernienchirurgie

Ausstülpung des Peritoneums (Bruchsack) durch eine angeborene oder erworbene Lücke (Bruchpforte). Eines der häufigsten chirurgischen Krankheitsbilder. 95 % äußere Hernien, davon 75 % Inguinalhernien (M : F = 9 : 1).

Prädisponierende Faktoren

  • Akute und/oder chron. intraabdominale Druckerhöhungen, z. B. bei körperlicher Schwerarbeit, Husten (z. B. Raucherbronchitis), Obstipation (z. B. stenosierender Kolontumor), Blasenentleerungsstörung (z. B. Prostatahyperplasie).Hernien:prädisponierende Faktoren

  • Laparotomienarben.

  • Intraabdominale Volumenerhöhungen (z. B. Gravidität, Aszites, Tumoren).

  • Selten: Traumata der Bauchwand (z. B. OP).

Einteilung

  • Echte Hernie (Hernia vera, Tab. 21.1):

    • Bruchpforte: Hernia veraEnge der Ausstülpung am Bruchhals; wird gebildet durch Schichten der Bauchwand.

    • Bruchsack: Umhüllung des Bruchinhalts, unterteilbar in Hals (Collum), Körper (Corpus) und Boden (Fundus).

    • Bruchhüllen: Die den Bruchsack umgebenden Schichten.

    • Bruchinhalt: Meist Dünndarm (Enterozele) oder Omentum majus (Enteroepilozele), seltener Dickdarm, Appendix, Ovar oder Harnblase.

    • Bruchwasser: Von der endothelbedeckten Innenfläche des Bruchsacks gebildete seröse Flüssigkeit; bei Entzündungen, Inkarzeration oder Darmgangrän blutige, kotige oder putride Flüssigkeit.

  • Falsche Hernie (Hernia spuria) oder Prolaps: Im Gegensatz zur echten Hernie fehlt der Bruchsack. Die prolabierten Baucheingeweide sind nicht von Peritoneum umgeben.Hernien:falsche

Diagnostik

Hernien:Diagnostik Anamnese/Klinik
  • Prädisponierende Faktoren, Vorwölbung?

  • Anfänglich unspezifischer und ausstrahlender Schmerz im Bereich der Bruchpforte v. a. unter Belastung.

  • Stuhlunregelmäßigkeiten?

  • Spätsymptome zeigen sich oft erst in Form von KO (21.1.4).

Klinische Untersuchung
  • !

    Oft für Diagnose ausreichend. Im Stehen und Liegen durchführen. Zur besseren Beurteilung Provokationstest (Husten, Pressen). Immer beide Seiten untersuchen! Innere Hernien bleiben der klin. Untersuchung meist verborgen und werden erst durch die apparativen Verfahren diagnostiziert.

Cave

Bei Hernien im Erwachsenenalter (> 30. Lj.!) ist die digitale Untersuchung des Rektums zum Ausschluss eines Karzinoms obligat.
  • Inspektion: Leberzeichen (Bauchglatze, Spider naevi, Palmarerythem?). OP-Narben? Symmetrie (einseitige oder beidseitige Schwellung), Lokalisation.

  • Größe und Richtungsverlauf (z. B. Skrotum, Labien) der Hernie. Entzündungszeichen.

  • Palpation: Bei äußeren Hernien Bruchpforte und Bruchkanal mit Zeigefinger oder Kleinfinger austasten: Konsistenz, Größe, Reponibilität, Gleitfähigkeit des Bruchinhalts? Anatomische Beziehungen der Hernie? Bei irreponiblen inkarzerierten Hernien ist die Bruchpforte häufig erst intraop. darzustellen.

  • DD: Leistenhernie/Schenkelhernie: Zur Orientierung bei vollständig reponibler Hernie am liegenden Pat. Lig. inguinale (Verbindungslinie Spina iliaca ant. sup.-Tuberculum pubicum) und inneren Leistenring (ca. 1 cm kranial des Femoralispulses) aufsuchen. Beim Pressen Vorwölbung.

  • Oberhalb des Leistenbands: Leistenhernie.

  • Im Bereich des inneren Leistenrings: Indirekte Leistenhernie.

  • Unterhalb des Leistenbands: Schenkelhernie.

  • Auskultation: Abdominale Auskultation zur Feststellung der Peristaltik obligat. Darmgeräusche im Bruchsack? Hinweise für Ileus?

  • Diaphanoskopie: Gibt Aufschluss über die DD Hernie, Hydrozele, Spermatozele.

Apparative Diagnostik
  • !

    Nur in Ausnahmefällen notwendig; zur differenzialdiagnostischen Abklärung (seltene Bruchformen, innere Hernien; Beckenboden-/Lumbalhernien oder Hernien-KO).

  • Sonografie: Nachweis selbst kleiner Hernien, Sicherung der Diagnose v. a. bei schwierigen, manuellen Untersuchungsverhältnissen (z. B. Adipositas permagna) oder dezenten klin. Befunden; transrektale oder vaginale Sono bei V. a. Beckenbodenhernie.

  • Rö-Abdomen-Nativaufnahme: Nachweis luftgefüllter Darmschlingen im Bruchbereich → drohender Ileus. Skrotalhernien: Gegebenenfalls seitl. Aufnahme.

  • MDP und KE: KM-gefüllte Darmschlingen im Bruchsack; Indikation: Vorwiegend zum Nachweis von Gleithernien (Zökum, Sigma), inneren Hernien und retrograder Inkarzeration; Tumorausschluss. Indikation eingeschränkt → Strahlenbelastung!

  • Endoskopie: Nachweis innerer Hernien; Indikation: Zwerchfell- oder Gleithernien, Tumorausschluss im oberen und unteren Gastrointestinaltrakt.

  • Pyelografie und Zystografie: Nachweis der Beteiligung des Urogenitaltrakts; Indikation (selten): Supravesikale Hernien, Gleithernien.

  • MRT: Nachweis innerer Hernien, insbes. innerer Beckenhernien, ggf. Gleithernien (z. B. supravesikale Blasenhernie).

  • Bei Hernien-Pat. > 45 J.: Ausschluss einer symptomatischen Hernie durch intraabdominale Raumforderung, z. B. Ca (Rektoskopie, Kolon-KE, Sono).

Inkarzeration

DefinitionEinklemmung von Darm oder anderen Organen (Omentum, Ovar, Blase); häufigste und gefährlichste KO!
DifferenzialdiagnosePseudoeinklemmung: Bei alter irreponibler Hernie wird durch akute intraabdominale Erkrankung (z. B. Appendizitis, Ulkusperforation, Pankreatitis) eine Inkarzeration vorgetäuscht.
Formen
  • Partiell (Darmwandbruch): Nur ein Teil der Darmwand befindet sich im Bruchsack (Richter-HernieRichter-Hernie Hernien:Richter-Hernie); meist symptomarm; kein Passagestopp!

  • Komplett: Vollständige Einklemmung des Bruchinhalts infolge plötzlicher abdominaler Druckerhöhung → Passagestopp, Darmwandödem, venöse Stauung, Drosselung der arteriellen Blutzufuhr. Dadurch bedingt Koteinklemmung bei HernieKoteinklemmung (Incarceratio stercoracea)Incarceratio stercoracea, Darmgangrän, DarmperforationDarmperforation, Peritonitis und/oder Ileus. Cave: Retrograde Inkarzeration (= Maydl-Hernie: Maydl-HernieHernien:Maydl-HernieM-förmige Darmhernie mit isolierter Inkarzeration der intraabdominalen Darmschlinge): Diskrepanz zwischen weichem Bruchsackinhalt und starkem intraabdominalem Schmerz evtl. mit Passagestörung.

Cave

Bei „Schwellung oder Vorwölbung“ mit Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen an inkarzerierte Hernie denken! Die Inkarzerationsgefahr ist umso größer, je kleiner die Bruchpforte ist.
Komplikationen
  • Kotstauung: Durch Ein- und Austreten von Darmschlingen in den Bruchsack; Darmpassage verlangsamt; mögl. KO: Ileus.

  • Koteinklemmung (Incarceratio stercoracea): Koprostase in der zuführenden Darmschlinge führt zu Kompression und mechanischer Verlegung des abführenden Darmschenkels (einschließlich der Blutgefäße).

  • Darmgangrän.

  • Darmperforation.

  • Peritonitis.

  • Ileus (15.5).

  • Bruchentzündung: Bruchentzündung bei HernieAusgelöst durch Bruchband, rezidivierende Repositionsversuche, im Bruchsack eingeschlossene entzündete Organstrukturen (z. B. Appendizitis, Adnexitis); DD zw. Bruchentzündung und Schein-Inkarzeration bei irreponibler Hernie oftmals schwierig.

  • Scheinreposition (ScheinrepositionReposition en blocReposition en bloc): Bruchsack mit Inhalt wird nur präperitoneal reponiert; Gefahr des Fortbestehens der Inkarzeration.

  • Pseudoreposition: PseudorepositionBruchsack mit Inhalt wird unter Ausriss des Bruchrings nach intraperitoneal verlagert.

Konservative Therapie der Hernien

Therapie der Wahl: Operation. Ausschließlich konservative Maßnahmen nur bei Pat. mit sehr hohem Operationsrisiko anwenden, evtl. OP in Lokalanästhesie.

Manuelle Reposition (Taxis)
Taxis, Manuelle Reposition bei HernienHernien:manuelle RepositionVorgehenAnalgesie (z. B. 1 Amp. Dolantin® i. m./i. v.), trichterförmiges Umfassen des Bruchs bis zum Bruchring (bei Rechtshändern mit der linken Hand) und massierendes Ausstreichen des Bruchinhalts zur Bauchhöhle. Wichtig vor Beginn:
Entspannte Bauchdecke (Beine anwinkeln lassen, warmes Bad oder Sedativa), Blase und Darm sollten entleert sein. Wenn nach 5 Min. keine Reposition möglich → OP.

Cave

Nach geglückter Taxis Pat. möglichst stationär beobachten, um möglicherweise entstandene Darmnekrosen, eine partielle Reposition oder En-bloc-Reposition frühzeitig zu erkennen; auf Darmgeräusche, Abwehrspannung, Zeichen der Peritonitis achten!
WichtigNach erfolgreicher Reposition OP in den nächsten Tagen. KI:
  • Dauer der Einklemmung > 4–6 h.

  • Peritoneale und lokale Reizerscheinungen, Zeichen der Bakteriämie/Septikämie.

  • Zeichen des paralytischen Ileus (fehlende Darmgeräusche).

  • Enge Bruchpforte ohne Aussicht auf Repositionserfolg.

Bruchband
Bruchband Obsolet!
AusnahmeLokale (Größe des Bruchs, massive Verwachsungen) und allgemeine Inoperabilität.
KomplikationenAbnahme des Bauchmuskeltonus (Druckatrophie); Hautmazerationen; Rezidivbildungen.

Operative Therapie der Hernien

Wegen wachsender Komplikationsgefahr möglichst rasch nach Diagnose!

Therapie kindlicher Hernien 8.4.1.
Absolute OP-IndikationHernien:operative Therapie
  • Inkarzerierte Hernie > 4–6 h.

  • Irreponible Hernie mit lokalen und peritonealen Reizerscheinungen, Zeichen der Bakteriämie/Sepsis.

  • Hernie mit enger Bruchpforte ohne Aussicht auf Repositionserfolg.

  • Hernie mit Ileussymptomatik (15.5).

Kontraindikationen
Bei Pat. mit überdimensional großen und lang bestehenden Narben- oder Bauchwandhernien und schlechter Lungenfunktion.
Inkurable intraabdominale Erkrankungen mit Aszites (Leberzirrhose, Peritonealkarzinose).
Metastasierendes Ca mit intraperitonealen Absiedlungen und ungünstiger Prognose.
Präoperative Maßnahmen
  • Vorbereitung: Abführende Maßnahmen (z. B. Praepacol®, Golitely® und Einlauf).

  • Aufklärung: Allg. Aufklärung (Maßnahme, Erfolgsaussichten, KO etc.); spezielle Risiken (Rezidiv etc.); Dokumentation: Datum und Uhrzeit.

Operative Technik

Jede Bruchoperation beinhaltet 2 Phasen:

  • Resektionsphase.

  • Reparations- oder Wiederherstellungsphase.

Daraus ergeben sich 5 OP-Schritte:

  • Präparation der Bruchhüllen, des Bruchsacks und der Bruchpforte.

  • Reposition des Bruchinhalts.

  • Resektion und Versenkung des Bruchsacks.

  • Reparation durch direkten oder plastischen Verschluss der Bruchpforte.

  • Wundverschluss.

Laparoskopische HernioplastikEtabliertes Alternativverfahren, wird unter entsprechender Indikation eingesetzt. Erste Langzeiterfahrungen liegen für Leisten-, Schenkel-, Narben- und (eingeschränkt) Hiatushernien vor (21.2.1).
Intraoperative KomplikationenAbhängig von Lokalisation der Hernie. Grundsätzlich können alle Strukturen verletzt werden, die im Bruchsack (bei Präparation) oder in der Nachbarschaft (v. a. bei Reparation) liegen. Betroffen sind (Tab. 21.2):
  • Hohlorgane: Darm, Magen, Harnblase.

  • Gefäße: Vor allem im Leistenbereich Vasa epigastrica, femoralia, circumflexa iliaca profunda; A. obturatoria.

  • Samenstranggebilde: Vasa testicularia, D. deferens.

  • Weibliche Adnexe.

  • Nerven: N. iliohypogastricus, N. ilioinguinalis, N. cutaneus femoris lat.

Vermeidung durch: Fundierte Anatomiekenntnisse des OP-Gebiets; Übersichtlichkeit (Darstellung, Blutstillung, insbes. bei Rezidiven); schonende Präparation.
Postoperative Komplikationen
  • Allg. postop. KO wie z. B. Blutung, Peritonitis 15.4.

  • Rezidivhernie: Echtes Rezidiv (am Ort der ehemaligen Hernie) und falsches Rezidiv (in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Hernie). Rezidivquote abhängig von:Rezidivhernie

    • Lokalisation, OP-Technik, Lebensalter.

    • Anzahl an Voroperationen; mit jedem Rezidiv wächst die Wahrscheinlichkeit zu Mehrfachrezidiven; Zweitrezidive treten in Abhängigkeit vom OP-Verfahren in 3–40 % der Fälle, Dritt- und Mehrfachrezidive in bis zu 50 % der Fälle auf.

    • Begünstigende Faktoren, z. B. Bindegewebsschwäche, konsumierende Erkrankungen, chron. Bronchitis, Emphysem, Miktionsbeschwerden bei Prostatahyperplasie, Zytostatika- und Steroidbehandlung, Stoffwechselstörungen, extreme körperliche Belastung in der frühen postop. Phase.

  • Kot- und Urinfistel: Urinfistel nach Hernien-OPKotfistel nach Hernien-OPBedingt durch intraop. übersehene Läsionen; Spontanheilungen unter Nahrungskarenz bzw. Einlegen eines Blasenverweilkatheters möglich; operative Intervention unumgänglich bei beginnender Phlegmone, Weiterbestehen der Fistel > 6 Wo. oder innerer Fistel. Cave: Zweiterkrankung ausschließen, z. B. Morbus Crohn, Blasenneoplasie!

  • Postop. KO der einzelnen Hernienformen 21.2.

  • Bei alloplastischem Material: Abstoßungsreaktion möglich.

Postoperative Behandlung
  • Frühmobilisierung, d. h. spätestens 24 h postop.; bei großen, plastisch versorgten Bauchwandhernien, Rezidiv- oder Mehrfachrezidivbrüchen später (7–10 d).

  • Low-dose Heparinisierung 28.3.1.

  • Im Rahmen der Frühmobilisierung adäquate Schmerztherapie (28.4), z. B. Voltaren® Supp. bis zu 150 mg/d bis zu 3 d postop. unter Magenprotektion (z. B. Sostril® 300 mg/d p. o.).

  • Stuhlgangregulierung und Vermeidung der Bauchpresse: Kurzzeitig mildes Abführmittel (z. B. Agiolax® 1 × 1 TL/d).

  • Gegebenenfalls Abhusten erleichtern (z. B. Fluimucil® 3 × 1 Btl./d); bei trockenem Reizhusten ggf. Antitussiva (z. B. Codipront® 2 × 1/d p. o.). Atemgymnastik.

  • Körperliche Belastung: Die Primärheilung der Hautwunde ist binnen 6–8 d abgeschlossen; frühestens nach 4 Wo., spätestens nach 3 Mon. wird das Bindegewebe zug- und druckstabil, wobei die Belastungsstabilität in den ersten 6 Wo. durch das Nahtmaterial und erst später durch Narbenheilung gewährleistet ist.

  • Richtwerte bei komplikationsloser Heilung:

    • Steuern eines Pkw wegen möglicher schmerzhafter Bewegungseinschränkung ab dem 10. d postop.

    • Leichte körperliche Tätigkeiten nach 3–4 Wo. (z. B. Schwimmen, Tragen von Lasten < 10 kg, Intimverkehr).

    • Mittelschwere Tätigkeiten nach 6 Wo. (z. B. Jogging, Fahrradfahren).

    • Schwere körperliche Tätigkeiten nach 3–6 Mon. (z. B. Ballsportarten, Gewichtstraining, Leistungssport).

Äußere Hernien

Leistenhernie (Hernia inguinalis)

EpidemiologieHäufigkeitsgipfel: Kindesalter (meist angeboren, lateral, indirekt); jüngeres Erwachsenenalter (größte sportliche Aktivität); Rentenalter.
Checkliste AnatomieDer Leistenkanal, AnatomieLeistenbruchCanalis inguinalis, AnatomieLeistenkanal (Canalis inguinalis, Abb. 21.2):
  • Länge: 4–5 cm; Verlauf: Von innen oben lateral nach außen unten medial.

  • Innerer Leistenring (Anulus inguinalis profundus): Etwa 1,5 cm oberhalb der Mitte des Leistenbands.

  • Äußerer Leistenring (Anulus inguinalis superficialis): Oberhalb des Tuberculum pubicum.

  • Begrenzung kranial: M. obliquus int. abdominis und M. transversus abdominis, ventral: Aponeurose des M. obliquus ext. und Fibrae intercrurales, dorsal: Peritoneum, Fascia transversalis und Aponeurose des M. transversus abdominis, kaudal: Leistenband.

Durch den Leistenkanal ziehen beim Mann der Samenleiter (Ductus deferens) und die Vasa testicularia, bei der Frau das Lig. teres uteri.

Klinik
  • Frühsymptome: Unspezifischer stechender und ausstrahlender Schmerz im Bereich der Leiste; in dieser Phase dezente Vorwölbung oder Schwellung in der Bruchregion, z. B. beim Husten oder Niesen, die vom Pat. häufig noch nicht bemerkt wird.

  • Spätsymptome: Symptome der KO (21.1.4).

DiagnostikTab. 21.3.
  • Inspektion: Vorwölbung im Leistenbereich (Pat. pressen und husten lassen). Hautverfärbung bei fortgeschrittener Inkarzeration.

  • Palpation:

    • Weiche Leiste: Weiter innerer Leistenring, schlaffe Hinterwand des Leistenkanals.

    • Hernia incipiens (beginnende Leistenhernie): Peritonealsack stößt an die Fingerkuppe an.

    • Hernia completa: Eintreten des Bruchs in den Leistenkanal, DD: Direkt/indirekt.

    • Femoralispulse bds. tastbar?

    • Beurteilung des Hodens und Nebenhodens: Loco typico, Größe, Konsistenz, Oberfläche, Dolenz, Abgrenzbarkeit?

    • Anorektaler Befund, Untersuchung untere Extremität (z. B. Läsionen, Tumoren).

Differenzialdiagnose
  • Lokal: Femoralhernie (21.2.2), Femoralaneurysma, AV-Fistel, Varixknoten der V. saphena magna; Lk-Metastase (Anal-Ca! Hauttumor), Lipom, Zyste, Senkungsabszess.

  • Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats, z. B. Koxarthrose.

  • Lymphadenopathien: Entzündlich, neoplastisch.

  • Urogenitale Erkrankungen (z. B. Varikozele).

  • Hernie bei Hydrozele.

Therapie
  • OP-Indikation: Zur laparoskopischen Versorgung 21.1.6.

  • OP-Vorbereitung: Abführen am Vorabend, Rasur und evtl. transurethraler Blasenkatheter bei Blasenentleerungsstörung (z. B. Prostatahyperplasie).

Konventionelles OP-Prinzip
  • Rückenlage, Anästhesie: Meist ITN, selten PDA oder Spinalanästhesie.

  • Die Leistenhernienreparation ist v. a. eine Faszienreparation. Prinzip aller OP-Verfahren ist die Verstärkung der Hinterwand des Canalis inguinalis. Schräger Inguinalschnitt 1–2 fingerbreit oberhalb und parallel des Leistenbands vom Anulus externus in Richtung Spina iliaca ant. sup., schrittweise Durchtrennung des Subkutangewebes unter Ligatur der größeren Femoraläste (Vasa epigastrica superficialia, iliaca circumflexa superficialia und pudenda ext. superficialia), Spaltung der Aponeurose des M. obliquus ext. vom Anulus inguinalis externus nach lateral (cave: N. ilioinguinalis), beim Mann Samenstrang isolieren und M. cremaster resezieren.

  • Darstellen des vollständigen Bruchsacks, Aufsuchen der Bruchpforte, Tabaksbeutelnaht, Abtragen des Bruchsacks beim indir. Leistenbruch, Einstülpen beim dir. Leistenbruch.

Konventionelle OP-Methoden ohne Kunststoffnetz
  • OP-Prinzip nach Shouldice (Abb. 21.3):

    • Spaltung der Fascia transversalis, Abpräparieren des präperitonealen Fettgewebes vom kranialen Anteil.Shouldice, Hernien-OP

    • Fasziendopplung: Die kraniale Lefze kommt über der kaudalen zu liegen; 1. Nahtreihe von med. nach lat., 2. von lat. nach med., jeweils fortlaufend.

    • Anheften der Muskulatur (fortlaufende Nähte): Erste Naht von lat. nach med., M. transversus abdominis und hintere Kante des M. obliquus int. an das Lig. inguinale; 2. Naht von med. nach lat. = Vorderkante des M. obliquus int. an das Lig. inguinale.

    • Reposition des Samenstrangs, Verschluss der Externusaponeurose.

  • OP-Prinzip nach Bassini (Abb. 21.3):

    • Hinterwand = 1. Naht = Bassini-Naht: Bassini, Hernien-OPFassen des M. obliquus int. am Rand des M. transversus abdominis, beide Ränder der gespaltenen Fascia transversalis, des Lig. reflexorum und des Schambeinperiosts. Einzelknopfnähte vorlegen, Abstand 0,6 cm wie 1. Naht, Fixierung jedoch an Lig. inguinale anstelle des Periosts. Modifikationen der Vorderwandrekonstruktion:

    • Externusaponeurose unter Samenstrang (Bassini-Kirschner).

    • Externusaponeurose vor Samenstrang gedoppelt (Girard)Girard, Hernien-OP.

    • Externusaponeurose gedoppelt und Samenstrang zwischen Lefzen in den neu gebildeten Leistenkanal (Bassini-Hackenbruch).

  • OP nach McVay-Lotheissen:

    • McVay-Lotheissen, Hernien-OPKein kaudaler Rand der Fascia transversalis. Indikation: Fascia transv. stark ausgedünnt oder praktisch nicht mehr vorhanden.

    • Spaltung der Fascia transversalis. Diese mit M. transversus abdominis, M. obliquus int. und Lig. Cooperi (Lig. pubicum sup.) vernähen. Die erste, medial gelegene Naht bezieht Schambeinperiost und Lig. lacunare mit ein.

    • McVay: Die letzte lat. Naht wie oben zuzüglich Lig. Cooperi und dem med. Anteil der Gefäßscheide (Transition Stitch).

Cave

Bei Spaltung der Fascia transversalis auf die epigastrischen Gefäße achten! Meist 2 Venen und 1 Arterie.
OP-Komplikationen der konventionellen Verfahren
  • Einengen des Samenstrangs und/oder Verletzung der versorgenden Gefäße:Hernien:OP-Komplikationen

    • Ischämische Orchitis (lokale und evtl. allg. Entzündungszeichen). Remission nach Tagen oder Wo. möglich; Hodenatrophie in 30–40 %. Bei Verdacht Doppler-Sonografie; evtl. Revision.

    • Hodenatrophie: Häufigkeit 0–5 %, bei Rezidivhernie 2–10 %. Cave: Hodenluxation (Gefäßversorgung durch Hodenhüllen!). Bei Dysfunktion des anderen Hodens Fertilitätsstörung möglich.

    • Verletzung des D. deferens: Fertilitätsstörung als Folge möglich; daher immer Rekonstruktionsversuch durch Naht (innere Schienung mit 2–0 Nylonfaden, Rekonstruktion durch absorbierbare Einzelknopfnähte 6–0; gelegentlich mikrochir. Vorgehen notwendig; erfolgreich in bis zu 70 %).

  • Verletzung von Gefäßen mit Gefahr der Nachblutung:

    • Vasa epigastrica inf. Ther.: Doppelligatur der Enden. Cave: Bei Übersehen große Hämatome!

    • Vasa cremastericae ext. (Verbindung Vasa epigastricae inf. und Samenstrang) Cave: Werden häufig übersehen und reißen ein! Deshalb vorbeugende Ligatur!

    • Plexus pampiniformis: Sorgfältige Blutstillung, Gefäßversorgung durch Hodenhüllen i. d. R. ausreichend.

    • V. femoralis: Vor allem gefährdet bei zu tiefer Stichführung bei Faszienrekonstruktion und Subkutannaht!

  • Nervenschädigung:

    • Chron. Leistenschmerz, Sensibilitätsstörungen (Ilioinguinalis-SyndromIlioinguinalis-Syndrom, Nn. iliohypogastricus et genitofemoralis), Reizung oder Verletzung des Nervs; Häufigkeit: 5–7 %; bei nicht resorbierbarem Fadenmaterial häufiger als bei resorbierbarem.

    • N. femoralis: Sehr selten durch Hämatom oder direkte Verletzung. Quadrizepsausfall. OP. Revision mit Ausräumen des Hämatoms oder neurochir. Faszikelnaht (2.8.2) erforderlich.

  • Einengende Naht der V. femoralis: Klinik der akuten oder chron. Venenstauung am Bein; wichtig ist, daran zu denken! Sono-, Phlebografie; Ther.: Entlastung der zu weit eingeengten Lacuna vasorum, evtl. Thrombektomie, Thrombolyse. Cave: Lungenembolie.

  • Selten Hydrozele bei unvollständiger Resektion des distalen Bruchsacks. Ther.: Punktion, selten OP.

  • Bei Verkennen des Bruchtyps (Gleitbruch) oder Bruchinhalts: Darm-, Adnex- oder Blasenverletzung.

Prognose der konventionellen Verfahren
Rezidivquote bei indirekter Leistenhernie niedriger als bei direkter. Bei suffizientem Verschluss unter Einbeziehung der Fascia transversalis Rezidivquote 1–10 %, bei Apposition von Muskulatur oder Implantation von Fremdmaterial 10–30 %; Rezidivquote bei Herniotomie nach Bassini 5–10 % (indirekte Hernie 3–4 %, direkte Hernie 10–16 %), nach McVay-Lotheissen durchschnittlich 5 % und nach Shouldice 0,2–3 %.
Verfahren mit plastischer Verstärkung der Bauchdecke durch Kunststoffnetz
Nach Lichtenstein: Konventionelle Technik mit Netz auf Bauchdeckenmuskulatur
Lichtenstein, HerniotomiePrinzip: Konventionelle Schnittführung, Bruchsackpräparation, ggf. Resektion. Netz (Marlex, Prolene) medial abgerundet, fortlaufende Naht (nicht resorbierbar, monofil) zwischen Unterkante Netz und Lig. inguinale beginnend am Aponeurosengewebe über Os pubis bis lateral des inneren Leistenrings, Netz lateral einschneiden, oberen Streifen schwalbenschwanzartig auf den unteren Streifen legen (= neuer innerer Leistenring), Fixation medial auf M. obliquus internus (Einzelknopf, resorbierbar), Fixation laterales Ende an Lig. inguinale (3–4 cm über inneren Leistenring hinaus).
Vorteil: Technisch einfach, Lokalanästhesie. Nachteil: Jeder bekommt Netz.
Minimalinvasive Technik: Netz präperitoneal (Verstärkung der Fascia transversalis von innen)
  • Transabdominale Prolenenetzplastik (TAPP):

    • Indikation: Unklarer Leistenschmerz, primäre Leistenhernie, Rezidivleistenhernie, beidseitige Leistenhernie (nach Abklärung der DD 21.2.1).Transabdominale Prolenenetzplastik, TAPPTAPP, tansabdominale Prolenenetzplastik

    • KI: Große irreponible Brüche, präop. KO (21.1.4), allg. KI gegen Laparoskopie.

    • Vorteile: Kurzer stat. Aufenthalt und frühe volle Belastbarkeit (nach 1 Wo.); gleichzeitige Ther. anderer Schmerzursachen (z. B. Adhäsionen).

    • Nachteile: Extraperitonealer Eingriff wird nach intraperitoneal verlagert.

    • OP-Prinzip: Anlage des Pneumoperitoneums (20.3.4); weitere Trokarpositionen: Rechter und linker Mittelbauch in Bauchnabelhöhe. Durchtrennen des Peritoneums, Darstellen der Vasa testicularia, Ductus deferens, A. und V. epigastricae inf., innerer Leistenring, Lacuna vasorum, Os pubicum, Lig. Cooperi, Fascia transversalis. Positionieren und Anheften des präparierten Kunststoffnetzes (z. B. mit Hernienstapler). Verschluss des Peritoneums mit Hernienstapler oder Endonaht, Entfernen der Trokare unter Sicht (Abb. 21.4), Dekompression des Peritoneums; Hautnähte.

  • Total extraperitoneale Prolenenetzplastik (TEPP):

    • Prinzip: „Pneumoperitoneum präperitoneal“, Netzeinlage ohne Eröffnung des Peritoneums.Total extraperitoneale Prolenenetzplastik, TEPPTEPP, total extraperitoneale Prolenenetzplastik

    • Eingehen am Nabel, in der Rektusscheide hinter dem M. rectus abdominis Richtung Unterbauch gelangt man in den präperitonealen Raum.

    • Vorteil: Peritoneum wird nicht eröffnet, bei Rezidivhernien keine Präparation durch die Narbenplatte.

    • Nachteil: Gelegentlich wenig Präparationsraum.

Seltene konventionelle Netzplastiken
  • Transinguinales Vorgehen: Prinzip wie bei Shouldice-OP. Bei ausgedünnter Fascia transversalis oder weiter Bruchpforte Verstärkung der Faszie durch innen anliegendes Netz. Vorteil: Individuelle Entscheidung, ob Netz notwendig; extraperitoneales konventionelles Vorgehen; Lokalanästhesie. Nachteil: Aufwendiger als Shouldice, bei Rezidiv OP-Weg durch Narbe.

  • Präperitoneale Netzplastik bei Rezidiven über Unterbauchmittelschnitt (nach Stoppa). Prinzip: Konventioneller Mittelschnitt bis in die präperitoneale Schicht, in dieser Darstellung des Bauchdeckendefekts von innen, Reposition des Bruchs und Einlage des Netzes. Vorteil: Bauchdeckennarbe bleibt unberührt (stabile Anteile bleiben stabil). Nachteil: Aufwendig; bei Infekt problematisch (Re-OP!).

Komplikationen
Verletzung intraabdominaler Organe und Gefäße; Nervenirritation durch Endoklammern; Materialabstoßung.

Femoral- oder Schenkelhernie

SchenkelhernieHernien:FemoralhernieFemoralhernieEpidemiologieMit etwa 10 % zweithäufigste Bruchform; stets erworben. Bevorzugt ältere Frauen im 5.–8. Ljz. Geschlechtsverhältnis F : M = 3 : 1; rechtsseitig etwa doppelt so häufig wie linksseitig; in 20 % beidseitig. Durch die enge Schenkelbruchpforte ist die Inkarzerationsneigung sehr groß, Repositionsversuche sind meist erfolglos.
Checkliste AnatomieUnterteilung der Bruchpforte durch den Arcus iliopectineus in Lacuna musculorum und Lacuna vasorum. Typisches Auftreten der Femoralhernie medial der großen Gefäße unterhalb des Leistenbands in der Lacuna vasorum (Abb. 21.2). Begrenzung medial durch den M. pectineus und das Lig. lacunare, lateral durch die V. femoralis, ventral durch das Lig. inguinale und dorsal durch das Lig. Cooperi.
KlinikOft uncharakteristisch (z. B. Leistenschmerz, Stuhlunregelmäßigkeiten, Schmerzen beim Gehen) und daher häufig erst im Stadium der Inkarzeration (21.1.4) erkannt (25–30 %).
DiagnostikDurch klin. Untersuchung (21.1.3), Sonografie.
DifferenzialdiagnoseWie bei Leistenhernie 21.2.1.
Therapie
  • OP-Indikation: Großzügig stellen, da Inkarzeration bei kleiner Bruchpforte häufig! Vorbereitung und Lagerung ähnlich wie Leistenhernie (21.2.1) mit gestreckten Hüftgelenken und leicht angehobenem Gesäß.

  • OP-Technik 21.2.1.

    • Inguinal (oberhalb des Leistenbands): Verlagerung des Bruchsacks aus dem Schenkelkanal nach kranial und Verschluss der Bruchpforte nach

    • McVay-Lotheissen. Verfahren der Wahl insbes. beim Mann, da in 53 % der Fälle gleichzeitig eine direkte Leistenhernie vorliegt.

    • Krural (unterhalb des Leistenbands): Naht des Leistenbands an die Fascia pectinea und das Lig. pubicum.

    • Präperitoneal (Horizontalschnitt oberhalb des Leistenbandes): Sehr selten bei Rezidivhernien angewendet.

    • Minimalinvasive Techniken: TAPP, TEPP (21.2.1).

KomplikationenVenöse Abflussstörung, Thromboembolie (1 %), Kompression des N. femoralis.

Nabelhernien

NabelhernienHernien:NabelhernieEpidemiologie und ÄtiologieDie Nabelhernie des Erwachsenen (etwa 5 % aller Hernien) ist erworben; bevorzugt sind Frauen im Alter von 40–50 J. betroffen; Prädisposition: Schwangerschaft, Adipositas, körperliche Schwerarbeit. Nabelhernie im Kindesalter: 8.4.8.
KomplikationenInkarzerationsrisiko 30 %, Letalität bei Inkarzeration 10–18 %, Spontanheilung bei Erwachsenen nie, beim Kleinkind 98 %!
Checkliste AnatomieDie Bruchpforte ist der Anulus umbilicalis oder bei paraumbilikalen Hernien eine Faszienlücke neben oder oberhalb des Nabels.
Klinik und DiagnostikUnspezifische ziehende oder brennende Schmerzen in der Nabelgegend, Vorwölbung des Nabels, bei Inkarzeration gelegentlich livide Verfärbung des Nabels. Diagn. klin. Immer Ausschluss einer symptomatischen Hernie (Peritonealkarzinose, Aszites). Bruchsackinhalt bei kleinen Hernien meist präperitoneales Fett oder Omentum majus, bei großen auch Dünn- und/oder Dickdarm möglich. DD: Paraumbilikalhernie; Lipom.

Im Anfangsstadium große Neigung zur Inkarzeration!

TherapieMit Diagnose OP-Ind. gegeben; Ausnahme: Multimorbider Pat., symptomatische Hernie. Rückenlagerung; Allgemein- oder Lokalanästhesie.
OP-Technik
  • Zugang: Semizirkulär kaudal/lateral, selten transumbilikal oder Nabelexzision.

  • Bruchsack vom Nabel lösen (cave: Nabeleröffnung!), abtragen und Bruchpforte darstellen.

  • Faszienverschluss, meist mit U-Nähten mit resorbierbaren monofilen Fäden der Stärke 2–0.

  • Bei größeren Hernien oder beim Rezidiv Faszienplastik mit Netzeinlage (nicht resorbierbar) in Sublay-Technik.

  • Refixation des Nabels an der Faszie, Wundverschluss.

PrognoseRezidivquote ca. 3 %.

Narbenhernie

Narbenhernie Hernien:Narbenhernie Ätiologie
  • Bruchpforte ist eine sekundäre Muskel-Faszien-Lücke im Verlauf von Laparotomienarben; Narbenhernien treten bevorzugt innerhalb der ersten 3 Mon. nach dem op. Eingriff (Hernia postoperativa) auf. Besonders herniengefährdet sind Schnittführungen in muskelschwachen Bauchwandanteilen wie Medianschnitte oder Pararektalschnitte; selten nach Querschnitt oder Wechselschnitt. Inzidenzrate nach medianen Laparotomien: 15 %; paramedian ca. 5 %; Rippenbogenrandschnitt < 4 %.

  • Prädisponierende Faktoren: Neben den allgemeinen (21.1.1): Frühzeitige Schwerstarbeit postop., Anämie, Proteinmangel, Faktor-XIII-Mangel.

Klinik und DiagnostikBei kleinem Bruch Gefahr der elastischen Inkarzeration (Inzidenz ca. 10 %), bei großem Bruch mehr kosmetisches Problem. Dementsprechend große Symptombreite. Diagn. klin.; bei inzipienter Hernie oder extremer Adipositas Sono hilfreich. Gelegentlich mehrere kleine Bruchpforten in unmittelbarer Nachbarschaft.
TherapieAllgemeine Richtlinien zur OP-Ind.: Revisions-OP frühestens 6 Mon. nach Primäreingriff.
VorbereitungGewichtsreduktion, Atemgymnastik, mildes Abführen.
OP-Technik
  • Rückenlagerung; meist Allgemeinnarkose.

  • Ausschneiden der Narbe, vollständige Darstellung des Bruchsacks und -rings, Reposition des Bruchinhalts.

  • Darstellen und Resektion der brüchigen Faszienanteile, Lösen von Adhäsionen.

  • Faszienrekonstruktion: Faszienrekonstruktion mit Netzeinlage (Prolene) in Sublay-Technik. Hierzu Freipräparieren der hinteren Rektusscheide vom M. rectus – Verschluss der hinteren Rektusscheide – Netzeinlage auf die hintere Rektusscheide – Verschluss der vorderen Rektusscheide mit Vicryl Stärke 1 in U-Naht-Technik. Bei sehr großen Brüchen Inzision der lateralen Rektusscheide (Ramirez-Plastik).

Komplikationen und Prognose
  • Rezidivquote 10 %.

  • Infektion, Blutung häufig!

Epigastrische Hernie

Hernien:epigastrische HernieEpigastrische HernieEpidemiologieHäufigkeit 5 %; meist Männer (70 %) ab dem 50. Lj.; Bruchpforte liegt in der Linea alba zwischen Processus xiphoideus und Nabel, in 10 % multipel.
Klinik und DiagnostikFaszienlücke, häufig aber auch schmerzhafte und nicht reponible Vorwölbung tastbar; gelegentlich Zufallsbefund (jeden Pat. pressen und aufrichten lassen). Etwa ⅓ nur sonografisch nachweisbar.
Differenzialdiagnose
  • Rektusdiastase: Kein Bruch oder keine Bruchpforte, sondern Auseinanderweichen der Rektusmuskulatur mit Ausdünnung der Linea alba. Häufig im Oberbauch und nach Gravidität, gelegentlich auch angeboren. Verursacht kaum Beschwerden, daher OP selten indiziert (Rezidivrate: 50 %, Letalität 10 %). Kons. Therapie: Kräftigung der Bauchmuskulatur.

  • Intraabdominale Erkr.: Z. B. Ulkus- oder Gallensteinleiden, Pankreatitis, Aszites.

TherapieOP-Ind. 21.1.4; Vorbereitung und Lagerung wie Leistenhernie (21.2.1).
OP-Technik
  • Kleine Hernie: Bruch(sack)reposition, Fasziennaht.

  • Große Hernie: Linea alba spalten, Verschluss durch U-Nähte.

PrognoseSelten Rezidive (2–5 %).

Hernia obturatoria

Hernien:BeckenbodenhernieHernia obturatoriaÄtiologieHäufigste Beckenbodenhernie. Ursache: Erschlaffung des Beckenbodens, daher überwiegend ältere Frauen und/oder Multipara. Erworben, bevorzugt rechtsseitig. Diagnose häufig erst durch Inkarzeration.
Checkliste AnatomieBruchpforte Foramen obturatum. Kanal 2–4 cm lang und durch Mm. pectinosus, adductor longus und obturatorius ext. begrenzt.
Klinik und DiagnostikSchmerz (meist Inkarzeration!) zieht vom Unterbauch zur Oberschenkelinnenseite (Romberg-ZeichenRomberg-Zeichen). Verstärkung durch Streckung, Adduktion und Innenrotation in der Hüfte (Howship-Romberg-ZeichenHowship-Romberg-Zeichen). Nachweis durch Sonografie (transabdominal und transrektal) und CT. Häufig kombiniert mit Femoralhernie. Bei rektaler oder vaginaler Untersuchung gelegentlich als Vorwölbung tastbar.
KomplikationenBei Inkarzeration Letalität 50 %.
Therapie
  • OP-Indikation 21.1.4; Vorbereitung und Lagerung wie Leistenhernie 21.2.1.

  • OP-Technik:

    • Im Notfall: Transperitoneal über mediane Unterbauchlaparotomie: Bruchlückenverschluss durch Naht oder Deckung mit Marlex® oder Fascia-lata-Lappen.

    • Elektiv: Präperitoneal suprapubisch über Unterbauchquerschnitt; Vorgehen wie beim transperitonealen Zugang.

    • Alternativ: TAPP oder TEPP (21.2.1). Vor allem TAPP bietet gute Übersicht über Obturatorregion, Reparation durch Netzeinlage, wobei Netz die Obturatorpforte ausreichend bedecken muss.

Hernia perinealis

Hernia perinealisBeckenbodenhernie.
ÄtiologiePrimäre (bevorzugt Frauen) oder sekundäre (geschlechtsungebundene) Formen. Ursachen primär: Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur; sekundär: Z. B. nach Prostataresektion, abdominoperinealer Rektumexstirpation. Bruchsackinhalt meist Dünndarm, Inkarzeration selten.
Checkliste AnatomieDiaphragma pelvis kann überall durchbrochen werden. Einteilung in vordere (bei Frauen; z. B. H. pudenda, H. vaginolabialis) und hintere (para- oder retrorektal) Hernien.
Klinik und DiagnostikBei hinteren Hernien Sitzbeschwerden durch reponible Vorwölbung, deutlich tastbarer Hustenstoß. Bimanuelle, rektovaginale Untersuchung. Eventuell Diagnosesicherung durch transrektale Sonografie, MDP, CT, MRT.
Therapie
  • OP-Indikation: 21.1.4.

  • Vorbereitung wie bei Leistenhernie (21.2.1); Lagerung je nach Verfahren.

OP-Technik
  • Transperitoneal: Inkarzeration, große Hernien. Rückenlage mit Beckenhochlagerung. Bruchlückenverschluss wie bei Hernia obturatoria (21.2.6).

  • Perineal: Kleine Hernien. Steinschnittlage. Bruchlückenverschluss wie bei Hernia obturatoria (21.2.6).

  • Eventuell kombiniertes Verfahren bei Inkarzeration großer Hernien.

KomplikationenSelten; bei übersehener Inkarzeration hohe Letalität!

Seltene äußere Hernien

  • Spieghel-Hernie: In der Linea semilunaris gelegen, meist an der Kreuzung mit Linea arcuata. Geschlechtsungebunden, 40.–70. Lj., erworben, meist einseitig. Ausbreitung unter der Externusaponeurose. Inkarzeration selten.Spieghel-HernieHernien:Spieghel-Hernie

    • DD: Intraabdominale Erkrankungen (z. B. Sigmadivertikulitis, Appendizitis). Bruchinhalt: Darm, Netz, Ovar, Hoden.

    • Therapie: Querer Hautschnitt über Bruch, typische Bruchsackversorgung, Bruchlückenverschluss quer.

  • Lumbalhernien: Bruchpforte kosto- oder iliolumbales Dreieck. Ätiol.: Postop., posttraumatisch (z. B. Beckenfraktur). Bruchinhalt: Dünndarm, Niere, Netz oder andere retro- oder intraperitoneale Strukturen. Etwa 80 % erworben, ⅔ Männer, 50.–70. Lj. Bis zu 25 % Inkarzerationen mit entsprechender Symptomatik.LumbalhernienHernien:Lumbalhernie

    • DD: Weichteiltumor, Zysten.

    • Therapie: Obere Bruchlücke: Verschluss durch Lumbalfaszienlappen oder Marlex®-Netz; untere Bruchlücke: Marlex®-Netz.

  • Hernia ischiadica: Bruchpforte Foramen ischiadicum majus. Bruchinhalt: Z. B. Darm, Netz, Ureter. F : M = 3 : 1, 20.–60. Lj., erworben und angeboren. Häufig asymptomatische Glutealschwellung, Affektion des N. ischiadicus.Hernien:Hernia ischiadicaHernia ischiadica

    • DD: Diskusprolaps, Weichteiltumor, Harnstau.

    • Therapie: Transperitoneal über mediane Laparotomie, typische Bruchversorgung, evtl. Fascia-lata-Plastik, Kunststoffnetz.

  • Hernia supravesicalis: In Nachbarschaft zur Harnblase gelegen (Durchtrittsort: Fossa supravesicalis), selten spontan, häufiger nach Vor-OPs, z. B. Leistenhernien-OP; meist äußere, selten innere Hernie (häufig verkannt! Verdrängung der Harnblase).Hernien:Hernia supravesicalisHernia supravesicalis

    • Therapie: Äußere Hernie: Wie Leistenhernie. Innere Hernie: Über mediane Laparotomie.

    • KO: Bei innerer Hernie 10 % Letalität wegen verschleppter Diagnose.

Innere (= intraperitoneale) Hernien

Im Vergleich zu den äußeren Hernien selten.

Treitz-HernieHernien:Treitz-HernieHernien:intraperitonealeHernien:innereÄtiologieInnere Hernien treten durch angeborene oder erworbene (z. B. Briden) Bruchpforten innerhalb des Bauchraums aus. Häufig nach Darmresektionen. Am häufigsten (ca. 70 %) sind die Treitz-Hernie (Hernia recessus duodenalis) an der Flexura duodenojejunalis, gefolgt von der Hernia bursae omentalis sive paraduodenalis, der Hernia duodenomesocolica und der Hernia mesentericoparietalis dextra.
Klinik und DiagnostikErstsymptom ist häufig ein Ileus, die Diagnose wird oft erst intraop. gestellt. Zur Diagnosesicherung: Sonografie, CT, MRT.
Therapie/OP-TechnikMediane Laparotomie und Versorgung der Hernie durch Reposition des Bruchinhalts und Verschluss (oder auch Erweiterung) der Bruchpforte zur Inkarzerationsprophylaxe; bei Nekrose Darmresektion des betroffenen Anteils.

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