© 2021 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-22453-9.00025-9

10.1016/B978-3-437-22453-9.00025-9

978-3-437-22453-9

Formen der Wirbelkompressionsfraktur

[L106]

Dreipunktkorsett

[L106]

Einteilung der HWS-Distorsionen (nach Erdmann)Erdmann, Einteilung der HWS-Distorsionen

Tab. 25.1
Beschwerdefreies Intervall Symptome Therapie Beschwerdedauer
Grad I Mehrere Stunden Nacken-, Bewegungsschmerz Mobilisation/Physiotherapie 3–4 Wo.
Grad II Wenige Stunden Zusätzl. Ausstrahlung am Kopf Schanz-Verband, Mobilisation/Physiotherapie < 3 Mon.
Grad III Fehlt Morphologische Schäden: Luxation, Bandzerreißung, Fraktur.
Haltlosigkeit d. Kopfs, heftige Schmerzen, evtl. retropharyngeales Hämatom (Schluckbeschwerden)
Wie eine HWS-Fraktur Monate, selten > 1 J.

Klassifikation der Axisringfrakturen nach Effendi (1981)Effendi, Klassifikation der Axisringfrakturen

Tab. 25.2
Typ I Fraktur des Axisrings mit geringer Dislokation des Körpers, wobei die Fraktur weitgehend senkrecht verläuft oder aber schräg zum Axiskörper. Die darunterliegende Bandscheibe ist weitgehend unverletzt u. stabil
Typ II Dislokation des vorderen Fragments bei Veränderung des Bandscheibenraums. Bei der Dislokation kann es auch zu einer Kippung des Körpers in Extensions- oder Flexionsstellung gekommen sein
Typ III Dislokation des Axiskörpers nach vorn, wobei die Gelenke zwischen C2 u. C3 ebenfalls disloziert u. evtl. verhakt sein können
Typ IV Luxation des gesamten HWK 2 über HWK 3

Einteilung nach Anderson Anderson, Einteilung der Densfrakturen

Tab. 25.3
Typ I Fraktur der Densspitze
Typ II Basisnahe Fraktur der Dens
Typ III Densfraktur mit Beteiligung der Spongiosa des Wirbelkörpers

Wirbelsäulenchirurgie

Axel Pommer

Lothar Wolf

  • 25.1

    Verletzungen der Halswirbelsäule698

  • 25.2

    Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule701

  • 25.3

    Sakrumfrakturen702

  • 25.4

    Steißbeinfrakturen703

Rettung
  • Unnötige Bewegung der WirbelsäuleWirbelsäule:Rettung\bWirbelsäule:Chirurgie vermeiden, um zusätzliche Schäden am Rückenmark zu verhindern.

  • Der Verletzte soll möglichst in Rückenlage gebracht werden.

  • Bei Verletzungen der HWS den Kopf unter gleichmäßigem Zug in leichter Rückwärtsbeugung halten, Zervikalstütze anlegen (z. B. Stifneck®).

  • Bei eindeutigen Überstreckungsverletzungen der HWS nach rückwärts wird der Kopf in Neutralstellung oder angedeuteter Vorwärtsbeugung gehalten und gelagert.

  • Keine Repositionsversuche am Unfallort.

  • Umlagern des Verletzten auf die Vakuummatratze mit der Schaufeltrage oder durch 3 Helfer, die ihre Arme von einer Seite unterschieben und gleichzeitig und gleichmäßig anheben (Gabelstaplerprinzip).

Transport
  • Wirbelsäulenverletzte immer liegend transportieren.Wirbelsäule:Transport\b

  • Bei V. a. HWS-Verletzung: Stiffneck, ggf. kontinuierlichen Dauerzug am Kopf beibehalten.

  • Das nächstgelegene geeignete Krankenhaus anfahren.

Verletzungen der Halswirbelsäule

Distorsion der HWS
ÄtiologieHäufig Halswirbelsäule:VerletzungenHalswirbelsäule:DistorsionVerkehrsunfälle (Frontalkollisionen, Auffahrunfälle).
Einteilung, Klinik und TherapieBei höhergradigen Verletzungen frühzeitig ein MRT durchführen zur Objektivierung der Läsionen. Ebenso bei prolongierten Beschwerden.
Atlasfrakturen
AtlasfrakturenÄtiologieAxiale Gewalteinwirkung auf den Kopf = Atlas-Berstungsfraktur (Jefferson-Fraktur).
KlinikNacken- und Hinterkopfschmerz, Instabilitätsgefühl. Neurologische Ausfälle sind selten.
DiagnostikRö-HWS a. p. und seitlich: Abstand zwischen Densspitze und Hinterhauptschuppe verringert, Inkongruenz der Gelenke HWK 1/2.
Ist das transverse Ligament gerissen, liegt eine Instabilität vor. Zeichen: Vergrößerung des Spaltes Dens/HWK 1 auf > 4 mm im seitl. Rö, Vermehrung der Distanz der Gelenkflächen C1 a. p. um > 6 mm in der Summe.
Therapie
  • Konservativ: Nicht dislozierte Frakturen werden für 8 Wo. in einem Halofixateur oder einer festen HWS-Orthese ruhig gestellt.

  • OP-Indikation:

    • Verletzung des Lig. transversum.

    • Verschiebung der Massae laterales.

    • Rotationsluxation.

    • Vorwärtsverlagerung des Atlas.

  • Technik: Atlantoaxiale Fusion kann über eine dorsale, ventrale transartikuläre Verschraubung zwischen C2 und C1 oder direkte Schraubenosteosynthese des Atlas erfolgen.

Axisfrakturen
DefinitionFrakturen der Axisbogenwurzel (Hanged-Man-Fraktur)Hanged-Man-Fraktur, sog. traumatische Spondylolisthesis des Axis.
ÄtiologieAutounfälle, Axisfrakturenmeist durch Hyperextension und bei Erhängen.
KlinikKlin. Diagn. ist erschwert, da meist polytraumatisierte Pat.; neurologische Ausfälle selten (mit Ausnahme Typ III und IV, Tab. 25.2).
DiagnostikHWS-Übersichtsaufnahme, CT der HWS zur genaueren Lokalisation der Fraktur und Beurteilung komplexer Frakturen.
TherapieStabile Frakturen werden in der HWS-Orthese für 6 Wo. behandelt. Instabile Frakturen (Effendi Typ III + IV) mittels Osteosynthese.
Densfrakturen
ÄtiologieMeist durch DensfrakturenÜberbeugung der HWS (Tab. 25.3).
KlinikMeist symptomarm, Nackenschmerzen, verstärkt durch Kopfbewegung. Pat. stützt den Kopf mit beiden Händen ab. Neurologische Ausfälle sind selten.
DiagnostikIm Rö-HWS manchmal schlecht beurteilbar. CT ist Goldstandard, ggf. Denszielaufnahmen durch geöffneten Mund.
Therapie
  • Typ I: Keine Therapie.

  • Typ II: Ventrale Zugschraubenosteosynthese nach Reposition der Fraktur unter Extension und Reklination des Kopfs oder Fusion C1/2.

  • Typ III: Konservativ: Ruhigstellung mit Halsorthese für 6–10 Wo.

Frakturen der Wirbelkörper C3–Th1
Ätiologie
  • Direkte Gewalteinwirkung selten; direkte Wirbelkörperfrakturen, zervikaleTraumen von hinten: Verletzungen von Dornfortsatz oder Bogenanteilen; direkte Traumen von vorn: Schädigung der anliegenden Weichteile (Ösophagus, Trachea und Kehlkopf).

  • Indirekte Gewalteinwirkung: Überbeugung nach vorn: Tear Drop Fracture. Meißelbrüche, Kompressionen.

  • Überstreckung nach rückwärts = Brüche der Dornfortsätze, Bogen- oder Gelenkfortsätze; Bandscheiben und vorderes Längsband können einreißen.

  • Rotationsbeugung: Bandscheibenverletzung mit ein- oder doppelseitiger Verrenkung.

KlinikKlopf- und Druckschmerz über den entsprechenden verletzten Wirbelkörpern.
DiagnostikRö-HWS: Der Abschnitt von C6–Th1 ist von den Schulterweichteilen oft überlagert. Bei Frakturverdacht ist eine Darstellung der gesamten HWS obligat. Ein CT der Region mit seitlichen Rekonstruktionen ist der Goldstandard.
Therapie
  • Konservativ: Bei allen stabilen Frakturen. Wichtig ist eine ausreichende Ruhigstellung mit gut angepasster Zervikalstütze für 6–10 Wo.

  • Operativ: Bei instabilen Frakturen besonders dann, wenn sie mit einer Bandscheibenverletzung einhergehen oder bei größerer Dislokation. Die offene Reposition und die Stabilisierung werden durch Fusion mit dem benachbarten Wirbelkörper mit Plattenosteosynthese und Beckenkammspan, Knochen oder Kunststoffen durchgeführt.

Frakturen der Brust- und Lendenwirbelsäule

ÄtiologieSturz auf Gesäß, Rücken oder ausgestreckte Beine oder durch gewaltsame Kyphosierung, bei Osteoporose Bagatelltrauma ausreichend.
Einteilung(Abb. 25.1).
  • Stabile Frakturen: Die Spongiosa ist solide impaktiert, der Wirbelkörper als Ganzes keilförmig deformiert. Hinterkante, Deckplatten und Bandscheiben sind intakt, dorsale Ligamente intakt oder leicht gelockert.

  • Instabile Frakturen: Wesentliches Merkmal ist die Subluxation und die Deformierung des Spinalkanals, Zerreißung des dorsalen Bandapparats und der Bandscheibe, evtl. Einbruch oder Abscherung der Wirbeldeckplatte.

KlinikBei isoliertem, stabilem Wirbelbruch können die Beschwerden oft nur gering sein. Bei instabilem Bruch und Beteiligung der Bandscheibe: Spontaner Schmerz, Belastungsunfähigkeit sowie reflektorische Bauchmuskelspannung infolge retroperitonealen Hämatoms. Das Bild eines akuten Abdomens wird vorgetäuscht; „paralytischer Ileus“.
Diagnostik
  • Vor allem Druck-, Klopf- und Bewegungsschmerz kritisch prüfen. Stauchungsschmerz ist ein sicheres Frakturzeichen. Neurologischer Status ist obligat, Lücken oder Versatz in der Dornfortsatzreihe sind wegweisend.

  • Rö-BWS und -LWS: Fraktur oft nur als Verdichtungslinie in Wirbelkörpermitte. Eventuell Grund- oder Deckplatteneinbruch, Keilwirbelbildung. Cave: Fortsatzfrakturen werden leicht übersehen. Hinterkante erhalten?

  • CT: Ermöglicht Klassifikation, Beurteilung der Stabilität und der Beteiligung des Spinalkanals.

Therapie
  • Stabile Frakturen: Mobilisation unter krankengymnastischer Anleitung und ausreichender Schmerzmedikation, Thromboseprophylaxe, KG.

  • Instabile Frakturen:

    • Konservativ: Nur bei allg. OP-Kontraindikationen → Durchhang nach Böhler nach Verabreichung eines Schmerzmittels. Nach Reposition unter Bildwandlerkontrolle wird ein Korsett angelegt für 12–16 Wo. (Abb. 25.2). Der Pat. kann sofort aufstehen und gleich mit einer intensiven Wirbelsäulengymnastik beginnen.

    • Operativ: Notfall-OP-Indikation: Offene Rückenmarkverletzung, zunehmende Lähmungserscheinungen. Zeitnahe OP-Indikation: Geschlossene Luxationen, kyphotische Deformierung des Wirbelkörpers > 20°. Höhenverlust um mehr als 50 %, Einengung des Spinalkanals über ⅓.

    • OP-Methode: Fixateur interne. Die Methode ist ein übungsstabiles, für einige Frakturen auch belastungsstabiles, dorsales Fixationssystem (Abb. 22.2). Ergänzend belastungsstabile Osteosynthese von ventral mit winkelstabilem Implantat/Cage.

Sakrumfrakturen

LokalisationMeist mit Beckenfrakturen (24.1) assoziiert; selten: Isolierte Sakrumfraktur, meist im freien Teil des Sakrums, v. a. in Höhe S4.
ÄtiologieDirektes SakrumfrakturTrauma (Sturz aus Höhe oder Verkehrsunfälle).
KlinikLokaler Spontan- und Druckschmerz, beim Sitzen verstärkt. Lokale Prellmarke. Evtl. peranale Blutabgänge. Cave: Nervenläsion bei transforaminellen Frakturen. Bei begleitender Beckenfraktur (24.1) Belastungsunfähigkeit des Beckens, Gehunfähigkeit.
DiagnostikRö-Beckenübersicht, Beckenschrägaufnahme: 30° kranio-kaudal bzw. 30° kaudo-kranial. Becken-CT vor allem für die genaue Lokalisation und Beckenbegleitverletzungen.
Therapie
  • Konservativ: Bei unverschobenen Frakturen. Bettruhe für 1–2 Wo., dann Mobilisation unter Teilbelastung mit Unterarmgehstützen.

  • Operativ: Bei neurologischen Ausfällen (Reithosenanästhesie, Blasen-Mastdarm-Lähmung), bei Dislokation. Technik: Verschraubung oder Verplattung über dorsalen oder ventralen, retroperitonealen Zugang.

Steißbeinfrakturen

ÄtiologieDirektes Trauma (Sturz)Steißbeinfraktur.
KlinikDruckschmerz im Steißbeinbereich bei direkter und rektaler Palpation. Gegebenenfalls Prellmarke und/oder Hämatom.
DiagnostikRö-Steißbein seitlich.
TherapieBei Dislokation transrektale Reposition. Antiphlogistika (Diclofenac 3 × 50 mg p. o.). Mobilisierung.
KomplikationenZum Teil lang anhaltende KokzygodynieKokzygodynie (Schmerzen im Steißbeinbereich beim Gehen, Sitzen und bei Defäkation). Falls auf kons. Ther. (Antiphlogistika) keine Besserung → Resektion der Steißbeinspitze.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen