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B978-3-437-23752-2.00011-0

10.1016/B978-3-437-23752-2.00011-0

978-3-437-23752-2

Durchführung des Schwangerschaftsabbruchs nach Sulproston:SchwangerschaftsabbruchMisoprostol:SchwangerschaftsabbruchMifepristonPränataldiagnostik

Tab. 11.1
Gestationsalter Methode Besonderheiten
< 14 SSW p. m. Chirurgischer Abort:
Saugkürettage nach Zervix-Priming (PGE2-Gemeprost 1 mg, Misoprostol 400 μg) 3 h vor dem Eingriff. BPD < 25 mm
Ist eine pathologisch-anatomische Untersuchung geplant, dann ist auch < 14 SSW eine medikamentöse Abortinduktion empfehlenswert; alternativ: Embryoskopie
< 9 SSW p. m. Medikamentöse Abortinduktion:
  • Mifepriston 600 mg p. o.

  • Mifeprison + Prostaglandin (z. B. Misoprostol 400 μg) nach 1–3 d

Die Blutung dauert etwa 2 Wo.
9–22 SSW p. m. Medikamentöse Abortinduktion:
  • PGE1 (Misoprostol) 400 μg alle 4 h p. o./vaginal und/oder

  • PGE2 (Gemeprost) 1 mg alle 3 h mit Pause nach max. 5 Gaben

  • Mifepriston (200–600 mg), anschließend Misoprostol vaginal oder oral (s.o.)

  • Instrumentelle Nachkürettage nach Ausstoßung der Frucht

  • Die Ausstoßung der Frucht erfolgt nach Stunden bis Tagen

  • Mifepriston verkürzt Induktionszeit

22–24 SSW p. m. Medikamentöse Abortinduktion:
  • PGE1 (Misoprostol) 400 μg alle 12 h oder

  • PGE2 (Gemeprost), 1 mg alle 3 h oder

  • PGE2-Gel (Cerviprost-Gel®, Prepidil-Gel®) 0,5 mg alle 4–6 h

  • Alternativ i. v.: Suproston (Nalador 500®) 1,7 μg/Min., max. 1.000 μg/24 h

  • Genaue Berücksichtigung des Gestationsalters

  • Nach der Weheninduktion muss mit lebendem Kind gerechnet werden → Kontrolle der kindlichen Herzfrequenz vor der Geburt

  • Bei positiver Herzaktion Erstversorgung mit Begleitung durch den Neonatologen

> 24 SSW p. m. Medikamentöse Geburtseinleitung:
  • PGE1 (Misoprostol) 400 μg alle 12 h oder

  • PGE2 (Gemeprost) 1 mg alle 3 h oder

  • PGE2-Gel (Cerviprost, Prepidil)

  • Alternativ i. v.: Sulproston (Nalador 500®) 1,7 μg/Min., max. 1.000 μg/24 h

  • Bei infauster Prognose und Lebendgeburt Erstversorgung und Begleitung durch den Neonatologen

  • Bei „nicht für das Leben bestimmten Feten“ ist eine Geburtseinleitung nur nach vorherigem Fetozid durchzuführen

Schwangerschaftsabbruch

Julia Knabl

Franz Kainer

  • 11.1

    Gesetzliche Grundlagen und Häufigkeit222

  • 11.2

    Vorgehen und Beratung nach Pränataldiagnostik222

  • 11.3

    Durchführung nach Pränataldiagnostik224

Gesetzliche Grundlagen und Häufigkeit

Gesetzliche Grundlagen
  • Deutschland: Eine Schwangerschaftsabbruch:GesetzeBeendigung der Schwangerschaft ist in Deutschland außerhalb der Fristenlösung nur aus medizinischer oder kriminologischer Ind. möglich. Eine Beendigung der Schwangerschaft aus fetaler Ind. ist nicht möglich. Allein die Belastungssituation für die Mutter, ihre physische und psychische Gefährdung, kann ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB sein.

    • Beratungsregelung: Ein BeratungsregelungSchwangerschaftsabbruch nach der sog. „Beratungsregelung“ ist in Deutschland und der Schweiz rechtswidrig, aber straffrei (§ 218, Artikel 118 des StGB), wenn die Schwangerschaft innerhalb von 12 Wo. p. c. seit der Empfängnis abgebrochen wird, die Frau den Abbruch verlangt und sie dem Arzt durch eine Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle eine mind. 3 Tage zurückliegende Schwangerschaftskonfliktberatung nach § 219 StGB nachgewiesen hat.

    • Medizinische und kriminologische Ind.: Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn die Schwangerschaft auf einer Straftat, z. B. Vergewaltigung, beruht. Seit der Empfängnis dürfen nicht mehr als 12 Wo. p. c. vergangen sein (kriminologische Ind.; § 218a Abs. 2 StGB) oder der Abbruch ist notwendig, um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustands abzuwenden. Eine zeitliche Befristung besteht hier nicht (medizinische Ind.; § 218a Abs. 3 StGB).

  • Österreich: Neben der Fristenregelung existiert eine eugenische Ind. zum Schwangerschaftsabbruch: Die sog. eugenische Ind. ist laut dem 1975 in Kraft getretenen § 97 des Strafgesetzes dann straffrei, wenn sie binnen der ersten drei Schwangerschaftsmon. vorgenommen wird oder wenn u. a. „eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein“ wird.

  • Schweiz: Ein Schwangerschaftsabbruch ist in der ersten 12 Wo. p.m. straffrei, wenn er nach einer Beratung durchgeführt wird. Nach 12 Wo. ist der Schwangerschaftsabbruch bei der Gefahr einer schwerwiegenden körperlichen Schädigung oder einer schweren seelischen Notlage möglich.

Häufigkeit
  • Deutschland: Im Jahr 2014 wurden 99.715 Abruptiones (714.966 Geburten) registriert. Unter Einbeziehung auch der Schwangerschaften, die mit spontanen Fehlgeburten enden, ergibt sich daraus, dass rund 14 % aller Schwangerschaften abgebrochen werden: 97 % aufgrund der Fristenregelung, 3 % aus medizinischer oder kriminologischer Ind.

  • Schweiz: Im Jahr 2011 wurden 11.079 Schwangerschaftsabbrüche registriert. Dies entspricht 13,2 Abbrüchen je 100 Geburten.

  • Österreich führt keine offizielle Statistik. Die aktuellen Schätzungen liegen bei etwa 30.000 Schwangerschaftsabbrüchen (75.305 Geburten) pro Jahr.

Vorgehen und Beratung nach Pränataldiagnostik

GrundlagenDie Schwangerschaftsabbruch:Beratunghäufigste Ursache für einen Schwangerschaftsabbruch nach 12 SSW ist eine fetale Fehlbildung. In der Schweiz und in Österreich ist ein Schwangerschaftsabbruch aus dieser Ind. möglich. In Deutschland hat man die fetale Ind. in eine maternale Ind. (Beeinträchtigung des seelischen Gesundheitszustands) eingebunden. In Österreich und der Schweiz ist der Schweregrad der fetalen Erkr. (z. B. Anenzephalus, Hydranenzephalie, Nierenagenesie, schwere Chromsomenanomalien) eine wichtige Voraussetzung für einen Schwangerschaftsabbruch. In Deutschland ist die fetale Erkr. dem Gesetzestext entsprechend bedeutungslos. Die unzureichenden gesetzlichen Regelungen haben die Lösung der Problematik bei einer Schwangerschaftsbeendigung mit möglicher Lebensfähigkeit des Kindes auf die mit der Thematik befassten Ärzte und Fachgesellschaften abgeschoben.
  • Diagnose der fetalen Fehlbildung: Die Diagnose einer fetalen Fehlbildung wird meist durch eine Ultraschalluntersuchung (Kap. 12 und Kap. 13), selten MRT-Diagnostik oder anhand der genetischen Untersuchung (Chorionbiopsie, Amniozentese, Plazentozentese, Nabelschnurblut 5.2) gestellt.

  • Schweregrad der fetalen Erkrankung: Es gibt keine fetale Erkr., bei der zwingend ein Schwangerschaftsabbruch indiziert ist. Auch bei Fehlbildungen mit infauster Prognose (Anenzephalie, Trisomie 13, Hydranenzephalie, thanatophore Dysplasie) besteht primär keine Ind. für einen Schwangerschaftsabbruch.

Information der SchwangerenSeit dem 1.1.2010 ist durch die Änderung des Schwangerschaftskonfliktgesetzes (BGBl. I S. 2.990) die Beratung im Falle eines auffälligen Befundes in der Pränataldiagnostik gesetzlich geregelt. Sie sollte interdisziplinär und ergebnisoffen erfolgen und muss folgende Themen beinhalten:
  • Kontakt zu offiziellen Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen

  • Information über Selbsthilfegruppen/Behindertenverbände

  • Psychische und soziale Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs.

Die Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch (Austragen der Schwangerschaft auch bei infausten Fehlbildungen) sind aufzuzeigen. Die zu erwartende kindliche Prognose ist ein wesentlicher Faktor für die Entscheidung der Schwangeren über das weitere Vorgehen.
Zwischen Diagnosestellung und Indikationsstellung zum Schwangerschaftsabbruch müssen drei Tage Bedenkzeit vergehen. Die Schwangere kann auf die weitergehende Beratung verzichten, nicht jedoch auf die Bedenkzeit (Ausnahme: Gefahr für Leib und Leben der Schwangeren). Sowohl Indikationsstellung als auch Dokumentation der Beratung haben schriftlich zu erfolgen und müssen von der Schwangeren bestätigt werden.
In das Beratungsgespräch sind bei einem geplanten Schwangerschaftsabbruch Methode und Ablauf des Eingriffs, das Vorgehen bei der Lebensfähigkeit des Kindes sowie die Bestattungsmöglichkeiten zu besprechen.
Das Beratungsteam soll den Anforderungen individuell angepasst sein.

Beratungsteam

Besteht idealerweise aus Pränataldiagnostikern, Psychosomatikern, Hebammen, Neonatologen, Kinderchirurgen, Entwicklungsneurologen, Sozialarbeitern, Familienberatern, Seelsorgern sowie den betroffenen Eltern. Dieses Netzwerk aus kompetenten Beratern mit unterschiedlicher Fachrichtung ermöglicht es der Schwangeren am ehesten, die für sie geeignetste Lösung zu finden. Es ist wichtig, dass für die Schwangere eindeutig ein Ansprechpartner (meist der Pränataldiagnostiker) zur Verfügung steht, der die verschiedenen Kontakte koordiniert.

Durchführung nach Pränataldiagnostik

Die Schwangerschaftsabbruch:DurchführungMethode des Schwangerschaftsabbruches ist von der Gestationszeit abhängig (Tab. 11.1). Die medikamentöse Zervixreifung und Weheninduktion erfolgen durch Mifepriston (Mifegyne®) und Prostaglandine. Neben für diese Ind. zugelassenen Prostaglandinen wie Gemeprost (Cergem®) und Dinoproston (Cerviprost-Gel®, Prepidil-Gel®) kann nach Aufklärung der Pat. auch das für diese Ind. nicht zugelassene Prostaglandin E1 Misoprostol (Cytotec®) eingesetzt werden.

  • Die Betreuung eines nach der Einleitung lebend geborenen Kindes erfolgt durch einen klinisch erfahrenen Neonatologen. Da er in die Beratung der Schwangeren vor dem Schwangerschaftsabbruch mit eingebunden ist, wird die Betreuung des Kindes nach der Weheninduktion bereits vor der Einleitung besprochen.

  • Nach Erhalt der endgültigen Diagnose durch den Pathologen wird ein Abschlussgespräch mit dem Pränataldiagnostiker angeboten.

  • Nach der Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs erfolgt eine weitere Betreuung der Frauen (Paare) durch das Betreuungsteam. Hier haben v. a. die psychosomatische Betreuung und die Beratung über Selbsthilfegruppen einen hohen Stellenwert.

Literatur

Kothé and Kentenich, 2007

B. Kothé H. Kentenich Mifepriston und Misoprostol bei Abruptiones jenseits des 1 Trimenons. Frauenarzt 48 2 2007 131 136

Schwangerschaftskonfliktgesetz vom 27. Juli, 1992

Schwangerschaftskonfliktgesetz vom 27. Juli 1992 (BGBl. I S. 1398), das zuletzt durch Artikel 14 Nummer 1 des Gesetzes vom 20. Oktober 2015 (BGBl. I S. 1722) geändert worden ist.

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