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B978-3-437-23916-8.00003-2

10.1016/B978-3-437-23916-8.00003-2

978-3-437-23916-8

Möglichkeiten der Kontrazeption mit jeweiligem Pearl-IndexKontrazeptionPearl-IndexPearl-Index

Tab. 3.1
Methode Pearl-Index Kapitel
Natürliche Methoden
Billings-Methode 5–15 3.2.1
Coitus interruptus ca. 35
Hormon-Messung mittels Computer 6 3.2.4
Methode nach Knaus-Ogino ca. 15–35 3.2.2
Stillinfertilität 2
Symptothermale Methode 0,3 3.2.4
Temperaturmethode 1–10 3.2.3
Mechanische Methoden und chemische Methoden
Diaphragma 1–20 3.3.1
Femidom ca. 5–25 3.3.6
Intrauterinpessar/Spirale ca. 0,9–3 3.3.2
Kondom ca. 2–3 3.3.6
Kupferkette ca. 0,3–0,8 3.3.2
Portiokappe ca. 6 3.3.3
Sterilisation der Frau ca. 0,2–0,3 3.3.7
Sterilisation des Mannes ca. 0,1 3.3.7
Vaginalfilm ca. 6 3.3.5
Vaginalschwamm ca. 5–10 3.3.4
Zäpfchen, Salben, Gels ca. 3–21 3.3.5
Hormonelle Kontrazeption
Dreimonatsspritze ca. 0,2–0,5 3.4.3
Hormonpflaster ca. 0,88 3.4.3
Hormonspirale ca. 0,05–0,1 3.4.3
Implanon < 0,1 3.4.3
Minipille ca. 0,4–3 3.4.2
Orale Ovulationshemmer ca. 0,1–0,9 3.4.1
Pille danach ca. 5–30 3.4.4
Vaginalring ca. 0,65

Kontrazeption

Michael Ludwig

  • 3.1

    Übersicht und Pearl-Index44

  • 3.2

    Periodische Enthaltsamkeit45

    • 3.2.1

      Billings-Methode45

    • 3.2.2

      Methode nach Knaus-Ogino45

    • 3.2.3

      Temperaturmethode45

    • 3.2.4

      Symptothermale Methode und Zykluscomputer46

  • 3.3

    Mechanische und chemische Verhütungsmethoden46

    • 3.3.1

      Diaphragma46

    • 3.3.2

      Intrauterinpessar, Intrauterinsysteme47

    • 3.3.3

      Portiokappe48

    • 3.3.4

      Vaginalschwamm48

    • 3.3.5

      Spermizide48

    • 3.3.6

      Kondom und Femidom®49

    • 3.3.7

      Sterilisation49

  • 3.4

    Hormonelle Kontrazeption50

    • 3.4.1

      Orale Ovulationshemmer50

    • 3.4.2

      Minipille53

    • 3.4.3

      Depotgestagene53

    • 3.4.4

      Postkoitale Kontrazeption (Notfallkontrazeption)54

Übersicht und Pearl-Index

Periodische Enthaltsamkeit

Billings-Methode

Wirkprinzip und DurchführungErmittlung Kontrazeptionperiodische EnthaltsamkeitBillings-Methodedes präovulatorischen Estradiolanstiegs durch morgendliche Beobachtung der Menge (Zunahme) und Konsistenz (erhöhte „Spinnbarkeit“) des Zervikalschleims. Während des Estradiolanstiegs und bis 4 Tage nach der maximalen Menge des Zervixschleims Enthaltsamkeit bzw. andere Verhütungsmethoden anwenden.
VorteileKeine Kosten. Keine Kontraindikationen.
Nachteile
  • Vermehrter Zervixschleim auch bei anovulatorischen Zyklen

  • Eingeschränkte Beurteilbarkeit durch Ejakulat und Fluor

  • Ovulation auch bei eingeschränkter Mukusproduktion möglich

NebenwirkungenKeine.

Methode nach Knaus-Ogino

Wirkprinzip und DurchführungBerechnung Knaus-Ogino-Methodeder fruchtbaren Tage eines Zyklus durch Beobachtung über 12 Monate und Berechnung:
  • Knaus (Ovulation zwischen 13. und 16. Tag vor der folgenden Menses angenommen):

    • Erster fruchtbarer Tag = kürzester Zyklus – 17

    • Letzter fruchtbarer Tag = längster Zyklus – 13

  • Ogino (Ovulation am 15. Tag vor der folgenden Menses angenommen):

    • Erster fruchtbarer Tag = kürzester Zyklus – 18

    • Letzter fruchtbarer Tag = längster Zyklus – 11

VorteileKeine Kosten. Keine Kontraindikationen. Weltweit und religionsübergreifend akzeptiert.
NachteileFrüh- und Spätovulationen sind möglich.
NebenwirkungenKeine.

Temperaturmethode

Wirkprinzip und DurchführungBestimmung des Ovulationszeitpunktes Basaltemperaturmethodemittels morgendlicher Messung der Basaltemperatur. Während der Ovulation Anstieg der Körpertemperatur um 0,2–0,6 °C, Abfall erst wieder mit Beginn der folgenden Menstruation.
Sicher unfruchtbare Tage zwischen 3. Tag nach Temperaturanstieg und Beginn der folgenden Menstruation.
DurchführungMessung der entweder jeweils rektalen, vaginalen oder oralen Temperatur morgens nach mind. 6-stündiger Nachtruhe. Messung möglichst immer zur selben Zeit vor dem Aufstehen.
VorteileKeine Kosten. Keine Kontraindikationen.
Nachteile
  • Eingeschränkte Beurteilbarkeit bei fieberhaften Erkrankungen

  • Schwierige Beurteilbarkeit bei Schichtdienst, Nachtdienst, Fernreisen

KontraindikationenStillzeit., unregelmäßiger Zyklus.
NebenwirkungenKeine.

Symptothermale Methode und Zykluscomputer

Wirkprinzip und Durchführung
  • Symptothermale Methode: Kombination von Temperatur- (3.2.3) und Billings-Methode (3.2.1), häufig unter Verwendung von Zykluscomputern.

  • Zykluscomputer: Die Computer berechnen und zeigen fruchtbare und unfruchtbare Tage an.

    • Hormonbestimmung: Messung von Östrogen und Lutealhormon im morgendlichen Urin 8 x/Mon.

    • Temperaturbestimmung: Messung der Basaltemperatur (3.2.3)

NachteileRelativ teuer. Relativ umständliche Handhabung.
KontraindikationenStoffwechselstörungen, Entbindung, Stillen, orale Kontrazeptiva innerhalb der letzten 3 Mon.
NebenwirkungenKeine.
Präparate
  • Hormoncomputer: Persona®

  • Temperaturcomputer: Ladycomb®, Babycomb®, Cyclotest® 2 Plus, Bioself® Plus

Mechanische und chemische Verhütungsmethoden

Diaphragma

WirkprinzipSilikonring mit DiaphragmaKontrazeptionmechanischeKontrazeptionchemischeSilikonmembran, der zwischen Portiohinterwand/hinteres Scheidengewölbe und Symphysenhinterkante eingeklemmt wird und somit die Portio (weitgehend) verschließt. Unbedingt gleichzeitig Verwendung eines Spermizids, da ein kompletter Abschluss der Portio nicht gegeben ist.
Durchführung
  • Anpassen des Diaphragmas durch den Gynäkologen in der passenden Größe.

  • Einsetzen (leere Blase!) durch die Frau im Liegen bzw. in der Hocke mind. 10 Min. bis max. 2 h vor dem Geschlechtsverkehr (Cave: Übung erforderlich!). Anschließend mind. 6 h belassen.

VorteileSchutz gegen aufsteigende Keime (jedoch kein Schutz vor HIV).
Nachteile
  • Üben des Einsetzens erforderlich

  • Evtl. eingeschränktes sexuelles Erleben bei der Frau

  • Eingeschränkte Spontansexualität

IndikationenFalls andere Verhütungsmethoden nicht vertragen bzw. gewünscht werden.
KontraindikationenAllergie gegen Latex bzw. das Spermizid, Descensus vaginae (6), Descensus uteri (6), ausgeprägte Anteflexion des Uterus, Retroflexion des Uterus, Kolpitis (8.2), nach der Entbindung.
Nebenwirkungen/KomplikationenLokale Entzündung bis Kolpitis (8.2) möglich.
PräparatOrtho®-Diaphragma.

Intrauterinpessar, Intrauterinsysteme

Wirkprinzip
  • Kupfer-IUP: Wirkprinzip Intrauterinpessarnicht eindeutig gesichert, wahrscheinlich multifaktoriell:

    • Lokale spermizide Wirkung von Kupferionen

    • Endometriumreizung mit endometrialer Leukozytose u. a. Folge ist die Abtötung von Spermien und eine Nidationshemmung

  • Levonorgestrel-haltiges IUP: lokale Hormonwirkung auf das Endometrium, häufig Ovulationshemmung, mechanische Wirkung

Durchführung
  • Vorbereitung: gyn. Untersuchung, PAP-Abstrich, Sonografie, Auswahl des geeigneten Präparates, Aufklärung

  • Einlage unter sterilen Bedingungen

  • Zeitpunkt:

    • Ideal: während der Menstruation im Blutungsmaximum (ca. 3.–4. Tag)

    • Mögliche Alternative: Zyklusmitte oder im Zeitraum zw. Ende der Menstruation und Zyklusmitte

    • Ausnahmen: Postkoitale Insertion

  • Vasovagale Reaktion bei Insertion möglich.

  • Perforation des Uterus.

VorteileNur lokale Wirkung, guter Pearl-Index, reversibel, beständige Wirkung. Bei Levonorgestrel-Systemen hohe Amenorrhörate, gute Adenomyosis- und Endometriosetherapie.
NachteileBlutungsstörungen bei nicht hormonellen Systemen (s. u.).
Kontraindikationen

Kritische Indikationsstellung bei Adoleszentinnen (Uterusgröße).

  • Absolute KI: Ablehnung durch die Frau, Gravidität bzw. V. a. Gravidität, Blutungsanomalien, Entzündungen im Genitalbereich, Uterus myomatosus, Fehlbildungen im Bereich des Uterus (Uterus bicornis, Uterus arcuatus usw.), fixierte Retroflexio uteri, Karzinom bzw. V. a. Karzinom im Genitalbereich, Allergie gegen die verwendeten Materialien (v. a. Kupfer), Entbindung vor < 6 Wo.

  • Relative KI: Karzinome, Nierenerkr., Diabetes mellitus, Antikoagulanzientherapie, immunsuppressive Therapie, Z. n. Extrauteringravidität.

NebenwirkungenBlutungsstörungen (Hypermenorrhö, Dysmenorrhö, Spotting), Expulsion, Dislokation.
KomplikationenSchwangerschaft, Extrauteringravidität, Infektionsgefahr.
Präparate
  • Mirena® (mit Levonorgestrel enthaltendem Hormonzylinder). Liegedauer 5 J.

  • Jaydess® (mit Levonorgestrel enthaltendem Hormonzylinder). Liegedauer 3 J.

  • Multiload®Cu 375 (375 mm2 Kupferumwicklung), Multiload®Cu 250 short (250 mm2 Kupferumwicklung, Länge 25 mm anstelle von 35 mm). Liegedauer aller Multiloads 3 J.

  • Nova-T® (208 ± 13 mm2 Kupferumwicklung mit Silberkern), max. Liegedauer 5 J.

  • IUP Kupfer T 200® (200 mm2 Kupferumwicklung) max. Liegedauer 3 J.

  • Gyne-T® (208 mm2 Kupferumwicklung) max. Liegedauer 3 J.

  • Gynefix® (Kupferkette)

Portiokappe

WirkprinzipGummi- oder KunststoffkappePortiokappe, die über die Portio gestülpt wird und sich an ihr festsaugt. Dadurch entsteht ein fester Abschluss zwischen Vagina und Portio. Kombination mit Spermiziden (3.3.5) ist zu empfehlen.
DurchführungAnpassen der Portiokappe durch den Gynäkologen in der passenden Größe. Einsetzen postmenstruell durch die Frau in der Hocke (Cave: Übung erforderlich!). Anschließend kann die Portiokappe bis zu 3 Wo. (bis zur nächsten Menstruation) belassen werden.
VorteileWie bei Diaphragma (3.3.1). Zusätzlich: unabhängig vom Koitus platzierbar, evtl. Schutz vor zervikalen Neoplasien.
NachteileWie bei Diaphragma (3.3.1).
KontraindikationenAllergien gegen das verwendete Material, Zervixrisse, Portioerosionen, Z. n. Konisation, Ovula Nabothi, Adnexitis, Kolpitis, nach dorsal gerichtete Portio.

Vaginalschwamm

WirkprinzipMit dem VaginalschwammSpermizid Nonoxinol-9 getränkter Schwamm aus Polyurethan der vor der Zervix platziert wird. Zum Einmalgebrauch.
DurchführungEinführung durch die Frau; kann 24 h liegen bleiben, unabhängig von der Zahl der Kohabitationen. Frühestens 6 h nach Kohabitation entfernen.
KontraindikationenAllergie gegen das verwendete Material bzw. das Spermizid.
NebenwirkungenIrritation der Vaginalhaut.
Komplikationen

Durch „vergessene“ Schwämmchen ausgelöstes toxisches Schocksyndrom (TSS; durch Staphylokokken oder Streptokokken ausgelöste fulminante Sepsis)

Spermizide

WirkprinzipSpermizide Spermizide(z. B. Nonoxinol-9, Octoxinol, Menfegol) werden in Form von Schaum, Gels, Zäpfchen oder Cremes in die Scheide eingebracht und immobilisieren bzw. töten dort Spermien ab.
DurchführungApplikation durch die Frau je nach Präparat zwischen 10–60 Min. vor der Kohabitation.
VorteileLeichte Handhabung. Anwendung jederzeit möglich.
NachteileWirkungseintritt erst nach ca. 10 Min. Begleitendes Wärmegefühl in der Vagina.
KontraindikationenAllergie gegen die verwendeten Substanzen.
NebenwirkungenWärmegefühl in der Vagina und vermehrter Fluor vaginalis möglich.

Kondom und Femidom®

IndikationenGleichzeitig zum Schutz vor ungewollter Schwangerschaft Schutz vor Infektionen, v. a. AIDS.
KontraindikationenAllergie gegen das verwendete Material.
Kondom
WirkprinzipVerhindern Kondomder Ejakulation in die Scheide.
VorteileKeine Kontraindikationen. Relativ preiswert. Schutz vor Infektionen, evtl. Schutz vor Zervixkarzinom.
NachteileEvtl. Beeinträchtigung der Spontaneität.
Femidom®
WirkprinzipDünner FemidomPolyurethansack, der von der Frau in die Vagina eingeführt wird und außen über Mons pubis und Labien gestülpt wird; Beschichtung mit Nonoxinol-9.
VorteileEmpfängnisverhütung und Schutz vor Infektionen einschließlich AIDS liegt in der Verantwortung der Frau.
NachteileRelativ umständliche Handhabung. Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens.

Sterilisation

IndikationenAbgeschlossener SterilisationKinderwunsch und Wunsch nach endgültiger Empfängnisverhütung.

Gründliche Aufklärung über (weitgehende) Irreversibilität, Versagerquoten mit evtl. bestehendem höherem Risiko einer Extrauteringravidität. Ggf. Partner einbeziehen.

Kontraindikationen
  • Allgemein:

    • Nicht definitiv abgeschlossener Kinderwunsch

    • V. a. psychische Erkrankung bzw. Störung als Ursache für den Wunsch nach Sterilisation

  • Bei laparoskopischem Eingriff:

    • Eingeschränkte OP-Fähigkeit

    • Adhäsionen, akute Entzündungen im Bereich der Adnexe

Komplikationen
  • Narkose- und operationsbedingte Risiken, wie Blutungen, Infektionen, Darmläsionen

  • Psychische Probleme, z. B. Depression

  • Libidominderung

Bei der Frau
Wirkprinzip und DurchführungLaparoskopische Unterbindung der SterilisationDurchgängigkeit der Tuben (und damit Transport der Eizelle in das Cavum uteri) durch Wärmekoagulation, (monopolar) bipolar mittels Hochfrequenztechnik oder mittels Clips. Durchführung in der 1. Zyklushälfte, bei Sterilisation im Wochenbett ca. 1 Wo. postpartal.
VorteileSehr guter Pearl-Index. Kein Eingriff in den Hormonstoffwechsel.
Nachteile(Weitgehende) Irreversibilität. Refertilisierungs-OP wird nicht von der Kasse bezahlt. Operativer Eingriff.
Beim Mann
Wirkprinzip und DurchführungOperative Unterbindung der Durchgängigkeit des Ductus deferens.

Hormonelle Kontrazeption

Orale Ovulationshemmer

WirkprinzipOrale KontrazeptionhormonelleOvulationshemmer, oralePräparate enthalten ÖstrogeneKontrazeptionGestageneKontrazeptioneine Östrogen-Gestagen-Kombination (kombinierte orale Kontrazeptiva) oder nur ein Gestagen (reine Gestagenpräparate = Gestagenmonopräparate).
  • Kombinationspräparate: Der Ovulationshemmer, oraleKombinationspräparateGestagenanteil in den kombinierten oralen Kontrazeptiva wirkt ovulationshemmend, der Östrogenanteil (in der Regel Ethinylestradiol = EE) v. a. supprimierend auf das FSH und damit auf die Follikelreifung. Daneben bringt das Ethinylestradiol eine gute Endometriumstabilität.

  • Monopräparate: In reinen Ovulationshemmer, oraleMonopräparateGestagenpräparaten ist – mit einer Ausnahme (Cerazette® und Generika) – keine Ovulationshemmung zu erwarten. Es kommt lediglich zu lokalen Veränderungen im Bereich der Zervix (Mukusveränderungen), der Tube (Motilität) und des Endometriums (Transformation, Wachstumshemmung) und damit zu einer Herabsetzung der Fertilität.

Durchführung
  • Kombinationspräparate: Die Einnahme erfolgt in der Regel kontinuierlich über 3 Wo. mit einem nachfolgenden einnahmefreien Intervall von 4–7 Tagen. Anschließend erfolgt die erneute Einnahme für 3 Wo. (21/7 oder 24/4).

    • Einphasenpräparate: Östrogen und Ovulationshemmer, oraleEinphasenpräparateGestagen werden in gleichbleibender Konzentration über den gesamten Einnahmezyklus genommen.

    • Zweiphasenpäparate: Am Ovulationshemmer, oraleZweiphasenpräparateBeginn des Einnahmezyklus wird ausschließlich Östrogen eingenommen, dieses wird in gleichbleibender Dosierung über den gesamten Einnahmezyklus fortgesetzt, dazu kommt ein Gestagen in gleichbleibender Dosierung.

    • Dreiphasenpräparate: Der Östrogen- und Ovulationshemmer, oraleDreiphasenpräparateder Gestagenanteil werden über den gesamten Einnahmezyklus in abgestuften Dosierungen eingenommen.

    • !

      Daneben gibt es kombinierte Kontrazeptiva, die Ethinylestradiol und ein Gestagen enthalten, aber transdermal (z. B. Evra®, Lisvy®) oder transvaginal (z. B. NuvaRing®, Circlet®) appliziert werden.

  • Monopräparate: Orale Gestagen-Mono-Präparate (3.4.2 und 3.4.3) führen nicht zu einer Ovulationshemmung und müssen sehr zeitgenau eingenommen werden, um eine sichere Kontrazeption zu gewährleisten. Eine Ausnahme sind Präparate mit Desogestrel 75 µg, mit denen auch eine Ovulationshemmung erreicht wird.

Langzyklus

Von einem LangzyklusOvulationshemmer, oraleLangzyklus spricht man, wenn mehrere Blister eines oralen Kontrazeptivums ohne die übliche siebentägige Pause eingenommen werden. Vorteile sind

  • Das Erzielen einer Hypo- bzw. Amenorrhö

  • Weniger Dysmenorrhöen v. a. bei Endometriose

  • Geringeres Wachstum von Myomen

  • Seltener rezidivierende funktionelle Zysten oder Minderung einer Follikelpersistenz

  • Mindern eines prämenstruellen Syndroms

  • Verbessern zyklusabhängiger Erkrankungen (z. B. Migräne)

Für einen Langzyklus kann prinzipiell jedes kombinierte Einphasenpräparat eingesetzt werden, allerdings ist diese Einnahme ein sogenannter Off Label-use.

VerordnungOrale Kontrazeptiva müssen über ein Privatrezept verordnet werden. Ausnahmen sind:
  • Pat. < 20 Jahre

  • Verordnung zur Therapie:

    • Präparate mit 2 mg Cyproteronacetat: Cyproteronacetatfast alle für die antiandrogene Therapie bei mittelschwerer Akne (wenn andere Therapieformen nicht greifen), die Behandlung des Hirsutismus sowie (z. T.) der Alopezie zugelassen

    • Neoeunomin®: zur Therapie von Zwischenblutungen unter anderen oralen Kontrazeptiva sowie zur Therapie von Akne, Seborrhoea oleosa, androgenetischer Alopezie und Hirsutismus zugelassen

    • Minisiston®: zur Therapie von Zyklusstörungen und Dysmenorrhö zugelassen

Bewertung
  • Vor- und Nachteile Ein- und Mehrphasenpräparate:

    • Einphasenpräparate bieten häufig die beste Zyklusstabilität.

    • Zwei- und Dreiphasenpräparate enthalten in aller Regel höhere Ethinylestradioldosen. Die häufig genannte Indikation (Zyklusinstabilität bei Einphasenpräparaten) ist nicht evidenzbasiert gesichert.

  • Vor- und Nachteile unterschiedlicher Gestagene:

    • Nach aktueller Ansicht und Angabe der Arzneimittelbehörden (national, europäisch) haben Levonorgestrel, Norgestimat und Norethisteron das geringste Thromboserisiko (5–7 Fälle auf 10.000 Frauen pro Jahr), gefolgt von Etonogestrel und Norelgestromin (6–12 Fälle auf 10.000 Frauen pro Jahr) und Gestoden, Desogestrel und Drospirenon (9–12 Fällen auf 10.000 Frauen pro Jahr). Auch für Cyproteronacetat-haltige Präparate wird ein hohes Risiko angenommen. Dienogest und Chlormadinonacetat gelten aktuell als nicht bewertbar aufgrund der noch fehlenden Studiendaten.

    • Das unterschiedliche Thromboserisiko ist ggf. auch Folge eines Verschreibungs- und Anwenderbias. Dazu gibt es eine seit Jahren währende Diskussion.

    • Aktuell wird empfohlen, eine laufende Anwendung nicht zu wechseln, wenn die Anwenderinnen mit den Präparaten zufrieden sind. Neueinstellungen sollten bevorzugt mit einem Gestagen mit vermutetem niedrigen Risiko vorgenommen werden.

    • Gestagene wie Desogestrel, Dienogest, Cyproteronacetat und Nomegestrolacetat sind zyklusstabiler als andere, v. a. auch als Levonorgestrel.

    • Antiandrogen wirksame Gestagene (Chlormadinonacetat, Cyproteronacetat, Dienogest, Drospirenon) müssen nicht unbedingt gewählt werden, wenn nur geringe Androgenisierungserscheinungen bestehen, da grundsätzlich jedes kombinierte orale Kontrazeptivum mit Ethinylestradiol über die Erhöhung des Sexualhormonbindendes Globulin (SHBG) antiandrogen wirkt.

  • Vor- und Nachteile unterschiedlicher Ethinylestradioldosierungen:

    • Ein Präparat mit 30 µg Ethinylestradiol bietet eine höhere Zyklusstabilität als eines mit weniger als 30 µg Ethinylestradiol, gleichzeitig steigt mit der Ethinylestradioldosis auch das Thromboserisiko.

    • Präparate mit niedrigerer Ethinylestradioldosis (20 µg bzw. NuvaRing® mit 15 µg Ethinylestradiol täglich) bieten sich an, wenn unter höher dosierten Präparaten Beschwerden, wie eine Mastodynie, auftreten.

    • Alternativ kann man estradiolhaltige kombinierte Präparate wählen (Qlaira®, Zoely®), die preislich etwas höher liegen aber denselben Pearl-Index erwarten lassen. Insbesondere Zoely® ist sehr zyklustabil mit einer hohen Amenorrhörate auch bei zyklischer Anwendung (24–4).

    • Präparate mit Estradiol(-valerat; Qlaira®, Zoely®) haben einen geringeren Einfluss auf das SHBG und sind daher weniger stark antiandrogen wirksam.

KontraindikationenBei Nachweis einer Thrombophilie bzw. einem erhöhten Thromboserisiko sollten in aller Regel nur orale Gestagen-Mono-Präparate, das Gestagen-Implantat Implanon® oder ein IUP (3.3.2) verschrieben bzw. über alternative, nicht hormonelle Kontrazeptionsmöglichkeiten aufgeklärt werden.
NebenwirkungenFür alle kombinierten Präparate:
  • Verminderte Glukosetoleranz (abhängig von der Ethinylestradioldosis – je höher, desto stärkere Beeinflussung).

  • Blutdrucksteigerung: Bei vorbestehendem labilen Hypertonus besteht die Gefahr, einen manifesten Hypertonus zu entwickeln.

  • Erhöhung des Erkrankungsrisikos für thromboembolische Erkr. (Thrombose, Apoplex, Koronarangiopathien).

  • Verminderung des Erkrankungsrisikos für Ovarial- und Endometriumkarzinom, Endometritis, Hyper- und Dysmenorrhö, PMS u. a.

KomplikationenDie Risiken der kombinierten oralen Kontrazeptiva liegen v. a. im Bereich kardiovaskulärer Komplikationen. Hier spielt das Thromboserisiko die Hauptrolle. Daneben kommt es zu einem erhöhten Myokardinfarktrisiko (2-fach erhöht), v. a. bei Raucherinnen und Vorliegen einer Dyslipidämie, und einem erhöhten Apoplexrisiko (2-fach erhöht), v. a. bei Übergewicht/Adipositas und arteriellem Hypertonus.
  • Risikofaktoren: Getriggert werden diese Risiken durch Rauchen, Übergewicht, Dyslipidämie, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus mit Angiopathie, Migräne mit Aura.

  • Risikoabschätzung: Bei Frauen mit diesen Risikofaktoren in der Anamnese sollte eine individuelle Risikoabschätzung und Beratung erfolgen. Die Risikoabschätzung muss stets auch den Nachteil einer Nichtverschreibung beachten, den Eintritt ungewünschter Schwangerschaften mit einem konsekutiven Schwangerschaftsabbruch und den damit ggf. verbundenen Komplikationsmöglichkeiten. Ferner muss gerade die Beratung des jungen Mädchens beinhalten, dass ein orales Kontrazeptivum nicht vor Infektionen schützt.

Minipille

Orales-Gestagen-MonopräparatMinipille
Wirkprinzip
  • Veränderung des Zervixschleims und Verhinderung der Spermienaszension.

  • Veränderung der Tubenmotilität und damit des Eitransports.

  • Minipillen sind keine Ovulationshemmer (Ausnahme: Präparat Cerazette® und Generika, Ovulationshemmung wird erreicht). Bei ca. ⅓ jedoch anovulatorische Zyklen.

IndikationenFrauen mit Kontraindikationen gegen Östrogene (3.4.1), erhöhtem Thromboserisiko, > 35 J. sowie Thrombose-Risikofaktoren wie Hypertonus, Nikotinabusus, Diab. mell., während der Stillzeit.
VorteileKein heute bekanntes erhöhtes Risiko für arterielle oder venöse Erkr., keine Östrogen-NW (3.4.1)
Nachteile
  • Unbedingt korrekte Einnahmezeit/-intervall

  • Zyklusunregelmäßigkeiten mit Zwischenblutungen

  • Geringere kontrazeptive Sicherheit als bei anderen oralen Kontrazeptiva (3.4.1)

Kontraindikationen3.4.1
Nebenwirkungen und Komplikationen
  • Bei ca. 40 % Blutungsstörungen.

  • Konzeptionsfähigkeit besteht im Prinzip sofort nach Absetzen der Präparate, unbedingt korrekte Einnahme notwendig!

Depotgestagene

Gestagen-Monopräparate, die s. c. implantiert oder s. c. bzw. i. m. Depotgestagenappliziert werden.
Wirkprinzip
  • Erhöhen der Viskosität des Zervixschleims und Verhindern der Spermienaszension

  • Abnahme der Endometriumproliferation

  • Depot-MPA: keine ausreichende Follikelreifung

Durchführung
  • Subkutane Applikation: Implantation an der Oberarminnenseite mittels eines Insertionssystems.

  • Intramuskuläre/subkutane Applikation: Injektion

IndikationenWenn eine regelmäßige Einnahme oraler Kontrazeptiva nicht gewährleistet ist, z. B.:
  • Unregelmäßige Arbeitszeiten mit Nacharbeitszeit und/oder häufigem Wechsel der Zeitzonen

  • Nicht ausreichend sichergestellte regelmäßige Einnahme durch die Pat. (Compliance)

VorteileMehrmonatige (3 Mon.) bzw. mehrjährige (3 J.) Wirkung nach Injektion bzw. Implantation.
Nachteile
  • Zunahme des Körpergewichts (bei Gabe von Depot-MPA-Präparaten durchschnittlich 6 kg).

  • Bei subkutanem Implantat evtl. Verstärkung einer vorbestehenden Akne, Kopfschmerzen.

  • Bei Applikation von Depot-MPA schlechte Zykluskontrolle, da Durchbruchblutungen und Amenorrhöen möglich sowie langfristige Wirkung auch nach Absetzen.

  • Neg. Auswirkung auf die Knochengesundheit durch Depot-MPA.

KontraindikationenLebererkr., arterielle Erkr.
Nebenwirkungen3.4.1. Teilweise mit deutlicher Verstärkung der genannten Symptome. Zusätzlich: Zyklusunregelmäßigkeiten (v. a. Schmierblutungen) bei s. c. Implantat.
Präparate
  • Subkutane Applikation: Implanon® (3-Ketodesogestrel; Freisetzungsrate 60–70 µg/d, abfallend auf 40 µg/d ca. am Ende des 1. J., 35 µg/d am Ende des 3. J. und 25–30 µg/d am Ende des 3. J.), Liegedauer 3 J.

  • Intramuskuläre Applikation, sog. „Dreimonats-Spritzen“:

    • Depoclinovir® Suspension (150 mg Medroxyprogesteronacetat)

    • Sayana® (105 mg Medroxyprogesteronacetat)

    • Noristerat® (200 mg Norethisteronenantat) (Gabe der ersten beiden Spritzen im Abstand von 8 Wo., danach alle 3 Mon.)

Postkoitale Kontrazeption (Notfallkontrazeption)

Wirkprinzip und DurchführungEinnahme nach KontrazeptionpostkoitaleNotfallkontrazeptionungeschützter Kohabitation mit dem Ziel, das Einnisten der befruchteten Eizelle zu verhindern bzw. die Ovulation zu verzögern.
IndikationenUngeschützter Geschlechtsverkehr.
KontraindikationenBestehende Schwangerschaft, Lebererkr.
NebenwirkungenVor allem Übelkeit, Blutungsstörungen.
PräparatePiDaNa® (1,5 mg LevonorgestrelLevonorgestrel), ellaOne® (30 mg UlipristalacetatUlipristalacetat), Kupferspiralen.
Verordnung

Prinzipiell so früh wie möglich nach ungeschützter Kohabitation!

  • PiDaNa® innerhalb von 48 h, optimal innerhalb von 24 h nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

  • ellaOne® innerhalb von 5 Tagen (120 h) nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

  • Im fertilen Fenster (innerhalb von 48 h vor der Ovulation), bei erhöhtem BMI (> 30 kg/m2) und bei einem Zeitraum von > 24 h nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr ist die Gabe von ellaOne® (Ulipristalacetat) effektiver als diejenige von PiDaNa® (Levonorgestrel).

  • Im verbleibenden Zyklus muss weiterhin verhütet werden. Cave: bei Anwendung von ellaOne® aufgrund von WW mit hormonellen Kontrazeptiva, Aufhebung der Wirkung von ellaOne®.

  • Die wirksamste Form der postkoitalen Kontrazeption sind nach heutiger Datenlage die akut eingelegten Kupferspiralen.

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