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B978-3-437-21131-7.00003-5

10.1016/B978-3-437-21131-7.00003-5

978-3-437-21131-7

Mammakarzinom beim Mann

Grundlagen

Häufigkeit und Arten

MammakarzinomMannMammakarzinome kommen nur selten bei Männern vor. Etwa ein von 100 Mammakarzinomen betrifft einen Mann. Die Inzidenz wird insgesamt als steigend angesehen. In Deutschland erkrankten im Jahr 2008 520 Männer an Brustkrebs. Es verstarben 146 Männer. Das Überleben hat sich im Vergleich zu früher deutlich verbessert. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate lag 2008 bei 76 %.
Das mittlere Erkrankungsalter liegt zwischen 61 und 65 Jahren und damit etwas später als bei Frauen.
Es überwiegt analog zum Mammakarzinom der Frau das invasiv-duktale Karzinom. Papilläre Tumoren werden bei Männern häufiger gefunden. Lobuläre Karzinome sind hingegen seltener. Einige Autoren führen dies auf die schwächer ausgeprägte Lappenstruktur der Brustdrüse beim Mann zurück. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Gynäkomastie als benigner Schwellung der Brustdrüse beim Mann und einem Mammakarzinom ist nicht belegt.
Eine BrustkrebsBrustkrebserkrankung bei Männern wird meist als schmerzlose Schwellung auffällig. Ein niedriges Bewusstsein für die Erkrankung in Verbindung mit der Stigmatisierung einer als weiblich konnotierten Erkrankung bei Männern wird z. T. für das insgesamt fortgeschrittenere Tumorstadium bei Diagnosestellung verantwortlich gemacht. Insgesamt bestehen häufiger primär lymphknotenpositive Befunde, Einbrüche in das Lymphbahnsystem und Beteiligungen der Brustwarze.

Risikofaktoren und Tumorbiologie

MammakarzinomRisikofaktorenAls etablierte Risikofaktoren für die Entstehung eines Mammakarzinoms beim Mann gelten positive Familienanamnese, familiäre Mutationen (Kap. 2.2.2) des BRCABRCA-Mutation2-Gens, in geringerem Umfang auch des BRCA1-Gens, höheres Alter. Weitere genetische Faktoren werden diskutiert. Generell risikoerhöhend wirken sich Erkrankungen und Zustände mit einer alterierten Östrogen/Testosteronbalance aus, wie Klinefelter-Syndrom, Orchitis, Epididymitis, Östrogen- oder TestosterontherapieTestosterontherapie, Therapie mit FinasteridFinasterid, aber auch Übergewicht und geringe körperliche Aktivität. Auch ein gestörter Hormonhaushalt bei Leberzirrhose geht mit einem erhöhten Risiko einher. Als ebenfalls risikobehaftet sind expositionelle Einflüsse, wie ionisierende und elektromagnetische Strahlung, Hitze und Umgang mit flüchtigen organischen Verbindungen.
Der Anteil an schlecht differenzierten Tumoren (GIII) bei Männern ist vergleichbar mit dem bei postmenopausalen Frauen und damit geringer als bei prämenopausalen Frauen. Der überwiegende Anteil der Karzinome ist östrogenrezeptorpositiv. Über den Anteil an HER2-positiven Tumoren gibt es keine verlässlichen Zahlen.

Diagnostik

MammakarzinomDiagnostikFür Männer stehen die gleichen diagnostischen Methoden zur Verfügung wie bei Frauen. Allerdings ist die Datenlage sehr eingeschränkt. In kleinen Fallserien konnte bei symptomatischen Männern ein Mammakarzinom mit Mammografie, Sonografie oder auch mit Feinnadelaspiration nachgewiesen werden. Ob ein MRT sinnvoll ist, ist unklar.

Tumortherapie

MammakarzinomTherapieDie operative Therapie erfolgt wie bei der Frau. Sowohl die brusterhaltende Operation als auch die Mastektomie sind gängige Verfahren, wobei die modifizierte MastektomieMastektomie überwiegt. Ziel ist wie bei der Frau die komplette Entfernung des Tumors in gesunden Grenzen. Indiktion und Verfahren der Sentinel-Lymphknotenexzision und der Axilladissektion entsprechen der beim weiblichen Mammakarzinom. Einige Studien zeigen, dass bei Männern die Detektionsrate von Wächterlymphknoten genauso hoch wie bei Frauen ist (96 %). In einer Serie von 31 Patienten hatten 45 % positive Wächterlymphknoten. In 56 % der Fälle war der Wächterlymphknoten der einzige positive Lymphknoten.
Die Strahlentherapie kommt in Anlehnung an die Therapieempfehlungen zum weiblichen Mammakarzinom zum Einsatz.
Entsprechend dem hohen Anteil an hormonrezeptorpositiven Tumoren kommt der endokrinen Therapie, v. a. mit Tamoxifen, ein hoher Stellenwert zu. Mehrere kleinere Studien konnten einen therapeutischen Nutzen für die Anwendung von Tamoxifen zeigen. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien, insbesondere beim Auftreten von Metastasen, können Aromatase-Inhibitoren eine Therapieoption darstellen. Ob für eine vollständige Östrogensuppression bei Männern eine OrchiektomieOrchiektomie und/oder Therapie mit GnRH-Agonisten erforderlich ist, ist unklar. Die Tamoxifentherapie ist aufgrund der gegenüber Frauen anderen hormonellen Situationen meist gut verträglich. Dennoch geben über 60 % der Betroffenen Nebenwirkungen an und jeder Vierte bricht die Therapie ab.
Für eine systemische Chemotherapie oder eine Antikörpertherapie existieren beim Mann keine verlässlichen Daten, daher wir die Behandlung analog zu der bei Frauen durchgeführt.

Prognose

MammakarzinomPrognosefaktorenDie Datenlage zum Krankheitsverlauf ist begrenzt. Höhergradige Tumoren gelten analog zum weiblichen Mammakarzinom als prognostisch ungünstig. Der Verlust von BRCA1 in sporadischen Tumoren, p53 Expression, p21- und p57-Überexpression sprachen in kleinen Studien für einen schwereren Krankheitsverlauf. Die Datenlage zum HER2- und Androgenrezeptor-Status als prognostische Faktoren ist uneinheitlich.
Patienten mit einer ehemaligen Brustkrebserkrankung haben ein erhöhtes Risiko für ipsi- und kontralaterale Zweittumoren. Die Datenlage zu Zweittumoren außerhalb der Brust, auch als Therapiefolge, ist uneinheitlich.

Lebensqualität während und nach der Therapie

Die Tatsache, dass Brustkrebs eine typische Frauenkrankheit ist und Männer nur sehr selten betroffen sind, kann für die Behandelten auch in der Klinik eine schwierige Situation darstellen.
Eine Arbeit untersuchte, inwiefern der Krankheitszustand und die Behandlung in einem Brustzentrum Auswirkungen auf die Psyche der Männer haben. Von den 78 befragten Männern berichteten viele über negative Gefühle hinsichtlich ihres Zustands. Zu diesen gehören Angst, Gefühle von Peinlichkeit, Entmannung und sogar Depressionen.

Checkliste Patientengespräch

Allgemeine Fragen zu Brustkrebs beim Mann

  • 1.

    Was genau ist Brustkrebs beim Mann?

  • 2.

    Wie entsteht Brustkrebs beim Mann? Wie oft kommt das vor?

  • 3.

    Welche Faktoren haben Einfluss auf das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken?

  • 4.

    Gibt es eine genetische Veranlagung für Brustkrebs bei Männern?

  • 5.

    Kann eine gesunde Lebensweise das Risiko für Brustkrebs bei Männern senken?

  • 6.

    Wie kann man Brustkrebs erkennen? Gibt es verdächtige Symptome?

  • 7.

    Welche Untersuchungen werden bei Verdacht auf Brustkrebs durchgeführt und welchen Nutzen haben sie? Können Nebenwirkungen auftreten?

  • 8.

    Was sollte der Arzt noch über mich wissen? (Gewohnheiten, Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien …)

  • 9.

    Wie lautet die genaue Diagnose?

  • 10.

    Ich habe Krebs – muss ich jetzt sterben?

  • 11.

    Wie sicher ist die Diagnose? Kann ich eine zweite Meinung einholen?

  • 12.

    Was passiert jetzt als Nächstes? Wer entscheidet über die Therapie?

  • 13.

    Was kann ich tun, wenn ich unsicher bin, ob die Therapie die richtige für mich ist?

  • 14.

    Wie kann ich Alltagsverpflichtungen wie Berufstätigkeit, Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen organisieren, während ich in Behandlung bin?

  • 15.

    Wie wird die Behandlung geplant?

  • 16.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Brustkrebs bei Männern?

  • 17.

    Muss ich operiert werden? Welche Auswirkungen hat die Operation?

  • 18.

    Was bedeutet „Chemotherapie“?

  • 19.

    Was machen die Chemotherapiemittel in meinem Körper?

  • 20.

    Was passiert, wenn ich mich nicht behandeln lasse?

  • 21.

    Wie lautet die Prognose? Werde ich danach gesund sein?

  • 22.

    Was passiert, wenn die Erkrankung durch die Behandlung nicht geheilt werden kann?

  • 23.

    Wie geht es nach der Therapie weiter?

  • 24.

    Wie wird die Lebensqualität durch die Therapie beeinflusst? Gibt es langfristige Folgen und Einschränkungen?

  • 25.

    Kann den Folgen und Nebenwirkungen vorgebeugt werden?

  • 26.

    Was kann ich selber zum Krankheitsverlauf und zur Behandlung beitragen?

  • 27.

    Können komplementäre Methoden oder Naturheilverfahren unterstützend angewendet werden?

  • 28.

    Wie geht es weiter, wenn ein Rückfall auftritt?

Literaturangaben

Alali et al., 2010

L. Alali Conditions of the male breast: Gynaecomastia and male breast cancer (Review) Mol Med Report 3 1 2010 21 26

Boughey et al., 2006

J.C. Boughey Comparative analysis of sentinel lymph node operation in male and female breast cancer patients J Am Coll Surg 203 4 2006 475 480

Grenader et al., 2008

T. Grenader A. Goldberg L. Shavit Second cancers in patients with male breast cancer: a literature review J Cancer Surviv 2 2 2008 73 78

Kipling et al., 2014

M. Kipling J. Ralph K. Callanan Psychological Impact of Male Breast Disorders: Literature Review and Survey Results Breast Care 9 1 2014 29 33

Ruddy and Winer, 2013

K.J. Ruddy E.P. Winer Male breast cancer: Risk factors, biology, diagnosis,treatment, and survivorship Annals of Oncology 24 6 2013 1 434 1 443

Zusätzlich gelten die Literaturangaben siehe Kapitel Mammakarzinom der Frau

Zusätzlich gelten die Literaturangaben siehe Kapitel Mammakarzinom der Frau.

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