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B978-3-437-58765-8.00004-0

10.1016/B978-3-437-58765-8.00004-0

978-3-437-58765-8

Differenzialdiagnostik von Pseudokrupp und Epiglottitis

Tab. 4.1
Pseudokrupp Epiglottitis
Ursache
  • Viren (Adeno-, Parainfluenza-, RS-, Masernviren)

  • Allergie

Bakterien (Haemophilus influenzae Typ B, Strepto-, Staphylokokken)
Stimme Heiser Kloßig bis hin zur Aphonie
Husten Bellend Meist nicht vorhanden
Fieber Mäßig Sehr hoch
Speichelfluss Kaum Stark
Schluckstörung Kaum Sehr stark ausgeprägt
Halsschwellung Gering Sehr stark ausgeprägt
Beginn Langsam Plötzlich
Alter 1.–7. Lebensjahr, Häufung um das 3. Lebensjahr 2.–6. Lebensjahr
Besonderheiten
  • Rezidive sehr häufig

  • Auftreten meist abends/nachts

  • Erkrankungshäufung im Herbst

  • Rezidive sehr selten

  • Notfall 20.4.1

Atemwege

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Ein 64-jähriger adipöser Mann stellt sich wegen zunehmender Dyspnoe vor, die seit mehreren Monaten besteht. Zunächst ist die Atemnot unter Belastung aufgetreten, u. a. bei schwerer körperlicher Arbeit wie Tragen von Lasten oder längerer Gartenarbeit. Inzwischen tritt die Dyspnoe auch bei geringer Belastung und in Ruhe auf. Außerdem berichtet der Patient über pfeifende Geräusche beim Atmen (besonders unter Belastung), Husten und schleimigen Auswurf, der besonderes am Morgen stark ist. Eiter- oder Blutbeimengungen sind nicht vorhanden.

Anamnestisch ist ein ausgeprägter Nikotinkonsum erhebbar; bis vor 3 Jahren hat der Patient 30–40 Zigaretten/Tag geraucht. B-Symptome und thorakale Schmerzen werden verneint.

Vorgeschichte

Rezidivierende bronchiale Infekte, besonders in der Winterzeit

Untersuchungsbefund

Dezente Lippenzyanose. Thorax im Sinne eines Fassthorax verändert, epigastrischer Winkel breit, Rippen verlaufen horizontal, am unteren Rand des Rippenbogens Sahlischer Venenkranz sichtbar.

Atemexkursionen reduziert, Stimmfremitus über beiden Lungen abgeschwächt. Bei der Perkussion Zwerchfelltiefstand mit reduzierter Atemverschieblichkeit und hypersonorer Klopfschall, bei der Auskultation leise Atemgeräusche und Giemen über beiden Lungen.

Herzspitzenstoß im 6. ICR parasternal. Relative Herzdämpfung sehr schmal. Herztöne rein und rhythmisch. RR 140/75 mmHg, HF 88/Min. Keine peripheren Ödeme, Jugularvenenstauung, Trommelschlägelfinger oder Uhrglasnägel.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

LungenemphysemLungenemphysem auf dem Boden einer chronischen Bronchitis (4.2.4). Zunächst sind die anamnestischen Angaben und die rezidivierenden bronchialen Infekte in der kalten Jahreszeit sowohl für eine COPD als auch ein Emphysem typisch. Die Untersuchungsbefunde (Veränderungen von Thoraxform, reduzierte Atemexkursionen, abgeschwächter Stimmfremitus, leise Atemgeräusche und trockene Rasselgeräusche) sprechen allerdings eher für ein Lungenemphysem als eine COPD.

Differenzialdiagnosen

  • Bronchiektasen: eher unwahrscheinlich, weil die Dreischichtigkeit des Sputums fehlt, aber als Nebenbefund nicht auszuschließen

  • Bronchialkarzinom: nicht auszuschließen, allerdings wegen fehlender B-Symptome und blutiger Beimengungen im Sputum eher unwahrscheinlich

  • Tuberkulose: nicht auszuschließen, allerdings wegen fehlender B-Symptome und blutiger Beimengungen im Sputum eher unwahrscheinlich

  • Herzinsuffizienz, Cor pulmonale: unwahrscheinlich, weil typische Herzinsuffizienzsymptome (z. B. symmetrische Beinödeme, feuchte Rasselgeräusche) fehlen

Diagnostische Maßnahmen zur Sicherung der Diagnose

  • Röntgen-Thorax und CT-Thorax: Sicherung der Diagnose und Ausschluss von Rundherden, Kavernen und Lungenstauung (Hinweis auf Karzinom oder Metastasen, Tuberkulose, Herzinsuffizienz)

  • Lungenfunktionsprüfung: Bestimmung der Atemvolumina, FEV1, Bronchospasmolysetest

Therapie

  • Noxenkarenz, Atemgymnastik, O2-Therapie

  • Impfung gegen Pneumokokken, Influenza und rechtzeitige Behandlung von bronchopulmonalen Infekten

  • Medikamentöse Therapie mit u. a. Bronchospasmolytika

Differenzialdiagnostik

Dyspnoe

Die Differenzialdiagnostik der Dyspnoe erfolgt nach Organsystemen.

Bronchopulmonal
  • COPDCOPD (4.2.2): Husten und Auswurf, Belastungsdyspnoe, anamnestisch i. d. R. Nikotinkonsum

  • PneumoniePneumonie (4.2.5): akute Symptome wie produktiver Husten mit eitrigem oder pflaumenmusartigem Sputum, Fieber, Zyanose; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Rasselgeräusche

  • Asthma bronchialeAsthma bronchiale (4.2.3): im Anfall quälender Husten, zähes Sputum, exspiratorischer Stridor, Zyanose; Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, trockene Rasselgeräusche

  • PneumothoraxPneumothorax (4.2.10): plötzlicher Thoraxschmerz, Zyanose; hypersonorer Klopfschall, Stimmfremitus ↓, reduziertes bis aufgehobenes Atemgeräusch

  • TuberkuloseTuberkulose: chronischer Husten, Dyspnoe, B-Symptome, Hämoptysen; amphorisches Atmen bei Kavernenbildung

  • LungenemphysemLungenemphysem (4.2.4): Ruhedyspnoe, Zyanose, Husten, Sputum; Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, leises Atemgeräusch, trockene Rasselgeräusche

  • Cor pulmonaleCor pulmonale (4.2.7): Zyanose, Husten, symmetrische Ödeme, Leistungsknick, Herzrhythmusstörungen, Stauungsleber

  • Maligne Tumoren (4.2.6): Zyanose, Husten, blutiges Sputum, B-Symptome

Kardiovaskulär
  • HerzinsuffizienzHerzinsuffizienz: je nach Stadium Belastungs- oder Ruhedyspnoe, Zyanose, weitere Insuffizienzzeichen (u. a. Leistungsknick, symmetrische Ödeme)

  • LungenembolieLungenembolie (4.2.9): akute Dyspnoe, evtl. Zyanose, Thoraxschmerzen, Hypotonie, Tachykardie; anamnestisch häufig typische Symptome der Thrombose

Neurologisch
  • HirndrucksteigerungHirndrucksteigerung: Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, Erbrechen im Schwall (häufig ohne Übelkeit), neuro-psychiatrische Ausfälle, abnorme Atmungstypen (Cheyne-Stokes-, Biot-Atmung), Stauungspapille

  • Myasthenia gravisMyasthenia gravis: belastungsabhängige, muskuläre Schwäche, die stärker am Abend als am Morgen auftritt und typischerweise nach Erholungspausen eine Besserung zeigt; z. B. Extremitätenschwäche, Lidheberschwäche (→ Doppelbilder)

Mechanisch
Verlegung der oberen Atemwege: inspiratorische Stridor
Muskuloskelettal
  • Skoliose: Skoliosesichtbare Seitkrümmung der Wirbelsäule, ungleicher Schulter-, Beckenstand, unterschiedliche Tailliendreiecke; im Vorbeugetest Rippenbuckel und/oder Lendenwulst

  • Morbus Bechterew: Morbus Bechterewtief sitzende nächtliche Kreuzschmerzen, entzündliche Beteiligung der großen Gelenke, Fersenschmerz

Psychogen
  • Hyperventilation (4.1.7): Hyperventilationhohe Atemfrequenz mit tiefer Atmung, dabei subjektiv empfundene Dyspnoe, Unruhe, Parästhesien, muskuläre Krämpfe durch Abnahme von ionisiertem Kalzium im Serum

  • Angststörung: AngststörungTachypnoe mit flacher oder tiefer Atmung, Globusgefühl, ausgeprägtes Angstgefühl (gerichtet oder ungerichtet), Schweißausbrüche, Tachykardie, Hypertonie

Zyanose

Die Differenzialdiagnostik der Zyanose kann nach zentraler oder peripherer Zyanose, nach Ursache oder Organsystemen eingeteilt werden. Nachfolgend erfolgt die Einteilung nach zentraler und peripherer Zyanose sowie nach Organsystemen.

Unter Zyanose versteht man die Blaufärbung der Haut. Sie kann an Akren (Lippen, Nase, Ohrläppchen und Fingern) auftreten und ist auf einen Sauerstoffmangel zurückzuführen.

Zentrale und periphere Zyanose
  • Zentrale ZyanoseZyanose:zentral: entsteht durch verminderte Sättigung der Erythrozyten mit Sauerstoff, z. B. bei Pneumonie, Lungenemphysem, Asthmaanfall, Lungenembolie, Lungenödem, angeborenen Herzfehlern mit Rechts-Links-Shunt, Höhenaufenthalt; Akren und Zungengrundvenen bläulich

  • Periphere ZyanoseZyanose:peripher: entsteht durch vermehrte Sauerstoffausschöpfung des Blutes in den Kapillaren, z. B. bei Schock (HZV ↓), Herzinsuffizienz (HZV ↓), Kälteexposition, Vasokonstriktion, Polyglobulie, Phlebothrombose; Zungengrundvenen rosig, Akren livide

Bronchopulmonal
Kardiovaskulär
Neurologisch
HypoventilationHypoventilation durch z. B. Schädigung des Atemzentrums, Medikamente; wegweisend sind Symptome der Primärkrankheit bzw. die Medikamentenanamnese

Husten

Die Differenzialdiagnostik des Hustens erfolgt nach anatomischen Abschnitten.

Obere Atemwege
  • Pharyngitis: PharyngitisHalsschmerzen, Schluckschwierigkeiten, hochroter Rachen, ggf. Eiterbeläge bei bakteriellen Infekten

  • Angina: Anginaentzündliche geschwollene Tonsillen, Schmerzen, Schluckschwierigkeiten, ggf. Eiterbeläge oder -stippchen

  • Laryngitis: LaryngitisHalsschmerzen, Heiserkeit bis hin zur Aphonie

  • Pseudokrupp 4.1.8

Untere Atemwege
  • Akute Bronchitis (4.2.1): Bronchitis:akutetrockener Husten, wenig zäh-glasiges Sputum, retrosternale Schmerzen

  • COPD (4.2.2): COPDschleimig-gräulicher oder zäh-weißlicher Auswurf besonders morgens, Belastungsdyspnoe, anamnestisch Nikotinkonsum

  • Bronchiektasen: Bronchiektasendreischichtiges Sputum (Eiter, Schleim, Schaum).

  • Asthma bronchialeAsthma bronchiale (4.2.3): quälender Husten, glasig-zähes, schwer abhustbares Sputum

  • PneumoniePneumonie (4.2.5): bei bakterieller Ursache reichlich rostrotes, grün-gelbes (eitriges) Sputum, Fieber, Dyspnoe, Tachypnoe; bei atypische Pneumonie wenig schleimiger Auswurf

  • Infektiöse Erkrankungen wie Influenza, Keuchhusten, Tuberkulose: trockener Husten oder glasiges Sputum, bei Tuberkulose schleimig-eitriges Sputum

  • LungenödemLungenödem (4.2.8): schaumiges, gelegentlich rosiges, dünnflüssiges Sputum; Stimmfremitus ↑, Klopfschall ↓, feuchte Raselgeräusche

  • LungenembolieLungenembolie (4.2.9): unterschiedliche Menge Auswurf, z. T. Hämoptysen; meist akutes Geschehen, anamnestisch Symptome der Phlebothrombose

  • BronchialkarzinomBronchialkarzinom (4.2.6): schleimig-eitriges Sputum, Hämoptysen, Hämoptoe, B-Symptome

Mediastinal, gastrointestinal
  • ÖsophagusdivertikelÖsophagusdivertikel: Hustenreiz nach dem Essen, Mundgeruch, Regurgitation

  • Gastroösophagealer Refluxgastroösophagealer Reflux: häufig nach Mahlzeiten und im Liegen; Heiserkeit, Räusperzwang, Sodbrennen

Weitere Ursachen
  • Medikamentennebenwirkung: oft bei ACE-Hemmern; wenig Auswurf, trockener Husten, Räusperzwang, Hustenreiz

  • Psychogener HustenHusten:psychogener: Husten ohne Auswurf, Räuspern besonders in Konfliktsituationen und ohne organische Ursache

Auswurfarten

Die Differenzierung des Auswurfs erfolgt nach der Beschaffenheit bzw. Farbe.

Mukös-glasig
  • Akute BronchitisBronchitis:akute (4.2.1)

  • Asthma bronchialeAsthma bronchiale (4.2.3)

  • COPDCOPD (4.2.2)

  • Maligne Tumoren, Metastasen (4.2.6)

  • Interstitielle PneumoniePneumonie (4.2.5)

Gelb-grün (eitrig)
  • Infektexazerbierte chronische BronchitisBronchitis:chronische: bekannte Symptome der COPD mit zusätzlich akutem Fieber, ggf. Symptome der respiratorischen Insuffizienz

  • Bakterielle PneumoniePneumonie (4.2.5)

Dreischichtig (Eiter, Schleim, Schaum)
Bronchiektasen: Bronchiektasenstreckenweise Aussackung vom Bronchus, die angeboren oder erworben sein kann; wegweisend sind hohe Sputummenge und Dreischichtigkeit
Braun-rot (rostrot)
Bakterielle PneumoniePneumonie (4.2.5): hohes Fieber mit Schüttelfrost, Dyspnoe, Zyanose; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Atemgeräusche
Rötlich-schaumig
Lungenödem (4.2.8): Lungenödemdünnflüssiges Sekret, Zunahme von Husten und Dyspnoe im Liegen, Symptome der Grunderkrankung (v. a. Linksherzinsuffizienz, Nierenerkrankungen)
Blutig

Hämoptyse und Hämoptoe

Die Differenzialdiagnostik der Hämoptyse erfolgt nach der Ursache bzw. nach Organsystemen. Unter Hämoptyse versteht man blutig-tingiertes Sputum, wobei die Menge des Blutes sehr gering ist. Hämoptoe (BluthustenBluthusten) ist durch hohe Blutmenge gekennzeichnet.

Bronchopulmonal
  • Akute BronchitisBronchitis:akute (4.2.1): Hämoptyse meist durch starken Husten hervorgerufen

  • Chronische BronchitisBronchitis:chronische (4.2.2): Hämoptyse meist durch starken Husten hervorgerufen

  • PneumoniePneumonie (4.2.5): akute Symptome wie produktiver Husten mit eitrigem oder pflaumenmusartigem Sputum, Fieber, Dyspnoe; Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, feuchte Rasselgeräusche

  • BronchiektasenBronchiektasen: dreischichtiges Sputum, hohe Sputummenge

  • TuberkuloseTuberkulose: chronischer Husten, Dyspnoe, B-Symptome, Zyanose; bei Kavernenbildung amphorisches Atmen

  • Bronchialkarzinom, Metastasen (4.2.6): Dyspnoe, Husten, Zyanose, B-Symptome, bei Metastasen Symptome des Primärtumors

Kardiovaskulär
  • LungenembolieLungenembolie (4.2.9): Hämoptysen (in 10 % der Fälle), Thoraxschmerzen, Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose, Blutdruckschwankungen, Desorientierung

  • LungeninfarktLungeninfarkt: Ursache ist eine Lungenembolie bei gleichzeitiger Linksherzinsuffizienz; durch die Doppelversorgung der Lunge ergibt sich ein hämorrhagischer Infarkt, der mit Hämoptyse oder Hämoptoe einhergehen kann

  • LinksherzinsuffizienzLinksherzinsuffizienz: durch Blutrückstau, Ödembildung und Austritt von Erythrozyten in die Alveolen (Herzfehlerzellen); Symptome der Linksherzinsuffizienz

Hämorrhagische Diathese
  • Marcumar-, Heparintherapie, Hämophilie: wegweisend ist der anamnestische Befund

  • LeberzirrhoseLeberzirrhose: Leberhautzeichen, u. a. Ikterus, Lackzunge, Lacklippen, Palmar-, Plantarerythem, Gynäkomastie, Spider naevi, Aszites, Hypotonie

  • LeukämieLeukämie: Symptome der Anämie, Immunsuppression und Blutungsneigung durch Verdrängung gesunder Zellpopulation im Knochenmark; ggf. Lymphknoten- und Milzschwellung

Rheumatisch
VaskulitisVaskulitis (Wegener-GranulomatoseWegener-Granulomatose): Gefäßentzündung, die v. a. Respirationstrakt und Niere betrifft; lebensbedrohliche Hämoptoe

Atemstörungen

Pathologische Atemmuster werden nach Abweichung von der normalen Frequenz und vom normalen Rhythmus differenziert. Die normale Atmung wird als Eupnoe bezeichnet.

  • DyspnoeDyspnoe: erschwerte Atmung, Atemnot; bei kardiopulmonalen Erkrankungen; Einteilung in Belastungs-, Ruhedyspnoe und Orthopnoe

  • TachypnoeTachypnoe: beschleunigte Atmung > 20/Min.; bei kardiopulmonalen Erkrankungen, Fieber, Sympathikusaktivierung, O2-Mangel

  • BradypnoeBradypnoe: reduzierte Atmung < 13/Min.; im Schlaf physiologisch, bei Störungen des Atemzentrums

  • Kussmaul-AtmungKussmaul-Atmung: tiefe und beschleunigte Atmung; Kompensationsatmung bei Azidose (zur Abatmung saurer Valenzen)

  • Cheyne-Stokes-AtmungCheyne-Stokes-Atmung: periodisches An- und Abschwellen der Atmung mit Atempausen; bei Linksherzinsuffizienz, chronischen pulmonalen Erkrankungen

  • Biot-AtmungBiot-Atmung: tiefe Atmung mit Atempausen; bei Verletzung der Medulla oblongata (z. B. bei Hirndrucksteigerung)

  • Hyperventilation: 4.1.7

Hyperventilation

Die Differenzialdiagnostik der Hyperventilation erfolgt nach der Ursache. Die Hyperventilation ist eine Mehratmung, die den Bedarf des Körpers übersteigt.

Psychogene Hyperventilation
  • Auslösefaktoren: Angst, Panik, StressHyperventilation:psychogene

  • Folge: Hypokapnie (CO2↓) und respiratorische Alkalose → relative Kalziumverminderung im Serum → Atemprobleme, Pfötchenstellung, Parästhesien, Krämpfe

  • Therapie: Aufklärung und Beruhigung des Patienten, evtl. Rückatmung in eine Tüte, Atemschulung

Somatische Hyperventilation
  • Ursache: u. a. Lungenerkrankungen, Hypoxie, metabolische Azidose, hohes Fieber, IntoxikationenHyperventilation:somatische

  • Symptome und Therapie: abhängig von der Ursache

Kruppsyndrome

Kruppsyndrome umfassen bakterielle, virale und allergische Entzündungen der oberen Atemwege. Allen gemeinsam ist deren Stenosierung. Nachfolgend werden PseudokruppPseudokrupp und EpiglottitisEpiglottitis abgegrenzt (Tab. 4.1). Beiden gemeinsam ist ein inspriatorischer Stridor.

Merke

Bei Verdacht auf Epiglottitis keine diagnostische Racheninspektion oder -manipulation vornehmen, da wegen eines reflektorischen Laryngospasmus akute Erstickungsgefahr droht.

Heiserkeit

Die Differenzialdiagnostik der Heiserkeit erfolgt nach Ursachen.

Infektiös
Akute bzw. chronische LaryngitisLaryngitis: Heiserkeit, Halsschmerzen, ggf. Fieber, inspiratorischer Stridor
Reinke-Ödem
Reinke-ÖdemÖdem der Stimmbänder als Folge von Allergien, Rauch, Überbelastung oder Hitze; tiefe, vibrierende Stimme
Tumor
LarynxkarzinomLarynxkarzinom: anhaltende Heiserkeit, anamnestisch häufig Nikotin- und Alkoholabusus
Traumatisch
Folge einer Schilddrüsenoperation mit einseitiger Parese des N. laryngeus recurrens durch intraoperative Verletzung; beidseitige Traumen haben stärkste Atemnot zur Folge
Weitere
  • Nikotin, Alkohol: wegweisend ist die Anamnese

  • Vermehrte Beanspruchung bei Sängern, Lehrern, Rednern usw.: wegweisend ist die Anamnese

Pleuraerguss

Die Einteilung des Pleuraergusses erfolgt nach der Ursache. Allen Ursachen gemeinsam sind – je nach Größe des Ergusses – Dyspnoe, Zyanose, ggf. Husten und Symptome der Grunderkrankung. Stimmfremitus ↓, Klopfschall hyposonor, Atemgeräusch reduziert.

Exsudat Exsudat
  • Gekennzeichnet durch eine hohe Zellzahl, hohen Eiweißgehalt, hohe LDH-Aktivität

  • Malignes Exsudat: z. B. bei Bronchial-, Mammakarzinom

  • Infektiöses Exsudat: z. B. bei Tuberkulose, Pneumonie

  • Bei rheumatischen Erkrankungen, z. B. rheumatoide Arthritis, SLE

Transsudat Transsudat
  • Gekennzeichnet durch eine niedrige Zellzahl, geringen Eiweißgehalt, geringe LDH-Aktivität

  • Auftreten bei Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotischem Syndrom

  • Allen Ursachen gemeinsam ist der geringe kolloidale Druck

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Akute Bronchitis

Definition
Bronchitis:akuteHäufige Erkrankung des Respirationstrakts bei Kindern und Erwachsenen, die meist viral bedingt ist (Adeno-, Coxsackie-, Influenzaviren).
Leitsymptome der viralen Bronchitis
  • Reizhusten und Hustenreiz mit retrosternalen Schmerzen

  • Zäh-glasiger, spärlicher Auswurf

  • Kopfschmerzen, mäßiges Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen

Therapie
  • Körperliche Schonung, Meidung von Nikotin und anderen inhalativen Noxen

  • Flüssigkeitszufuhr

  • Brustumschläge und -wickel, Expektoranzien, ggf. Antibiotika

  • Bei unproduktivem Husten Reizunterdrückung

Chronische Bronchitis

Definition
Bronchitis:chronischeIn 2 aufeinander folgenden Jahren bestehen während mindestens 3 aufeinander folgenden Monaten pro Jahr Husten und Auswurf. Häufige Erkrankung in Industrieländern. Hauptursache ist der Nikotinabusus.
Leitsymptome
  • Stadium I: chronische, nicht obstruktive Bronchitis; Husten und v. a. morgendlicher Auswurf; reversibles Stadium

  • Stadium II: chronische obstruktive Bronchitis (COPDCOPD); neben Husten und Auswurf zusätzlich Belastungsdyspnoe und Leistungsabfall; FEV1 ↓; irreversibles Stadium

  • Stadium III: Emphysemstadium (4.2.4)

Begleitsymptome
  • Leistungsknick

  • Komplikationen: Pneumonie, Lungenabszess, Bronchiektasen, Bronchialkarzinom

Therapie
  • Dauerhafter Nikotinverzicht

  • Atemgymnastik und dosiertes körperliches Training

  • Sanierung bestehender und potenzieller Infektquellen

  • Bronchodilatierende Medikamente, Sekretolyse

  • Pneumokokken- und Influenzaimpfung

Asthma bronchiale

Definition
Asthma bronchialeRezidivierende, entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit bronchialer Hyperreaktivität, übermäßiger Produktion an zähem Schleim und Bronchokonstriktion einhergeht. Zu den Auslösern zählen u. a. Allergene jeglicher Art, virale Infekte, Kälte, Stress, Medikamente (z. B. ASS, β-Blocker). Es kann eingeteilt werden in:
  • Allergisches Asthma bronchiale (extrinsisches Asthma)

  • Nicht allergisches Asthma bronchiale (intrinsisches Asthma)

Leitsymptome
  • Periodisch auftretende Dyspnoe

  • Exspiratorischer Stridor und verlängerte Exspirationszeit

  • Quälender Husten mit glasig-zähem, schwer abhustbaren Sputum

  • Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, Giemen, Brummen, Pfeiffen, verminderte Atemgeräusche bis hin zum „silent chest“, evtl. Halsvenenstauung

Begleitsymptome
  • Tachypnoe, Tachykardie, Zyanose

  • Angst, Unruhe

Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.4.2)

  • Ausschalten der Noxen

  • Sekretolyse

  • Inhalative Glukokortikoide, Sympathomimetika, Parasympathikolytika

  • Cromoglicinsäure, Ketotifen, Antihistaminika, Leukotrienrezeptor-Antagonisten

Merke

Hinweise auf lebensbedrohliche Asthmaanfälle sind u. a.

  • Atemfrequenz > 35/Min.

  • Tachykardie > 140/Min.

  • Silent chest

  • Herzrhythmusstörungen

  • Flache Atmung und Erschöpfungssymptome wie u. a. fehlende oder inadäquate Reaktionen, Bewusstseinsveränderungen

Lungenemphysem

Definition
LungenemphysemIrreversible Erweiterung der Lufträume distal der Bronchioli terminales durch Zerstörung der Alveolen und der Alveolarsepten. Die häufigsten Ursachen sind COPD, rezidivierende bronchopulmonale Infekte, Asthma bronchiale und angeborener α1-Antitrypsinmangel.
Leitsymptome
  • Dyspnoe, Husten und Auswurf

  • In der älteren Klassifikation Einteilung in:

    • Pink pufferPink puffer: hagerer Habitus, kaum Zyanose, ausgeprägte Dyspnoe, trockener Husten

    • Blue bloaterBlue bloater: adipöser Habitus, ausgeprägte Zyanose, kaum Dyspnoe, reichlich Husten

  • Fassförmiger Thorax, horizontal verlaufende Rippen, geblähte Schlüsselbeingruben, verminderte Differenz zwischen in- und exspiratorischem Brustumfang, Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel. Atemexkursionen ↓, Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, tiefstehende wenig verschiebliche Atemgrenzen, leise Atemgeräusche, evtl. trockene Rasselgeräusche

Begleitsymptome
  • Leistungsminderung

  • Komplikationen: u. a. respiratorische Insuffizienz, pulmonale Hypertonie und Cor pulmonale

Therapie
  • Behandlung der Ursache

  • Atemgymnastik, O2-Therapie

  • Gegebenenfalls Lungentransplantation

Pneumonie

Definition
PneumonieAkute oder chronische Entzündung der Lunge, die sich entweder in den Alveolen und/oder im Interstitium abspielt. Pneumonien können u. a. eingeteilt werden in:
  • Typische PneumoniePneumonie:typische: verursacht durch Pneumokokken, Streptokokken, Staphylokokken; verlaufen als LobärpneumonieLobärpneumonie (Lappenpneumonie) oder Herdpneumonie (Bronchopneumonie)

  • Atypische PneumoniePneumonie:atypische: durch Mykoplasmen, Chlamydien, Legionellen, Viren, Pilze, Protozoen hervorgerufen; verlaufen als interstitiellen PneumoniePneumonie:interstitielle

Leitsymptome der typischen Pneumonie (Lobärpneumonie)
  • Plötzlicher Beginn mit hohen Fieber, Schüttelfrost und heftigem Krankheitsgefühl

  • Husten, rotbraunes Sputum

  • Dyspnoe (bei Kindern als „Nasenflügeln“ erkennbar), Tachypnoe

  • Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall, klingende feuchte Rasselgeräusche, positive Bronchophonie

Leitsymptome der atypischen Pneumonie (interstitielle Pneumonie)
  • Meist langsamer Beginn mit leichtem Fieber

  • Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen

  • Trockener Reizhusten und wenig Auswurf

  • Untersuchung meist ohne pathologischen Befund

Begleitsymptome
  • Evtl. Thoraxschmerzen durch eine Begleitpleuritis

  • Häufig Herpes labialis

  • Pleuraerguss

  • Respiratorische Insuffizienz

  • Sepsis und metastatische Eiterherde

Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen: Bettruhe, Atemgymnastik, Flüssigkeitszufuhr, Brustwickel, fiebersenkende Maßnahmen

  • Antibiotika bei bakterieller Pneumonie

  • Sauerstoffgabe

Bronchialkarzinom

Definition
BronchialkarzinomMaligne bronchiale Neubildung. Eines der häufigsten Karzinome und bei Männern die häufigste Krebstodesursache. Wichtigster Risikofaktor ist die Nikotinexposition. Es kann in das kleinzellige und nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom sowie den Pancoast-Tumor (Lungenspitzentumor) eingeteilt werden.
Leitsymptome
  • Im Frühstadium keine Symptomatik, häufig Zufallsdiagnose

  • Später Husten, Hämoptysen, Thoraxschmerzen, B-Symptome

  • Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel

  • Pancoast-Tumor: Horner-SyndromHorner-Syndrom (Ptosis, Miosis, Enophthalmus), einseitige Jugularvenenstauung, Schulter-Arm-Schmerzen durch Infiltration in den Plexus brachialis

Begleitsymptome
  • Rekurrensparese, Phrenikuslähmung

  • Maligner Pleuraerguss

  • Paraneoplastische Syndrome wie Cushing Syndrom oder Hyperkalzämie

  • Metastasenbildung u. a. in Gehirn, Knochen, Leber

Therapie
  • Radio-Chemo-Therapie

  • Chirurgische Therapie

Cor pulmonale

Definition
Cor pulmonaleHypertrophie bzw. Dilatation des rechten Ventrikels als Folge einer Lungen- oder Lungengefäßerkrankung.
Leitsymptome
  • Zu Beginn in der Regel keine oder kaum Symptome

  • Später Leistungsknick, Schwindel

  • Zyanose, Belastungsdyspnoe

  • Bei dekompensierter Rechtsherzinsuffizienz Tachykardie, Jugularvenenstauung, Beinödeme, Stauungsleber, Aszites, positiver hepatojugulärer Reflux

Therapie
  • Behandlung der Grunderkrankung

  • Medikamentöse Therapie der Herzinsuffizienz

  • Herz-Lungen-Transplantation

Lungenödem

Definition
LungenödemFlüssigkeitsansammlung in der Lunge, die im Interstitium beginnt und sich auf die Alveolen ausbreiten kann. Häufigste Ursachen sind Linksherz- und Niereninsuffizienz.
Leitsymptome
  • Interstitielles Ödem:

    • Dyspnoe, Tachypnoe, Orthopnoe

    • Husten (Asthma cardialeAsthma cardiale)

  • Alveoläres Lungenödem:

    • Schwerste Dyspnoe mit Zyanose oder Blässe

    • Schaumiges (oder schaumig-rötliches) Sputum

    • Kaltschweißigkeit

  • Stimmfremitus ↑, hyposonorer Klopfschall v. a. über der Lungenbasis, feuchte Rasselgeräusche bis zum Distanzrasseln

Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.4.3)

  • Diuretika, Nitroglyzerin

Lungenembolie

Definition
LungenembolieVerschluss einer Lungenarterie durch einen Embolus.
Leitsymptome
  • Heftiger, plötzlicher Thoraxschmerz

  • Dyspnoe, Tachypnoe, Zyanose

  • Tachykardie, Hypotonie

Begleitsymptome
  • Angstgefühl, Schweißausbruch

  • Husten, Hämoptysen

  • Jugularvenenstauung

  • Schockentwicklung

  • Komplikationen: chronisches Cor pulmonale bei rezidivierenden Lungenembolien, Pleuraerguss, Lungeninfarkt

Merke

Die Mehrzahl der Embolien verläuft in Schüben (rezidivierende Embolien). Die Symptome sind Schwindel, Synkopen, Tachykardie und Fieber.Bei älteren Menschen kann sich eine Lungenembolie auch mit Orientierungsstörungen und Blutdruckschwankungen bemerkbar machen.

Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.4.4)

  • Heparin, Lysetherapie

Pneumothorax

Definition
PneumothoraxLuftansammlung im Pleuraraum. Kann als geschlossener (ohne Verbindung zur Außenluft) oder offener Pneumothorax (mit Verbindung zur Außenluft) auftreten.
Leitsymptome
  • Plötzliche, stechende Schmerzen auf der betroffenen Seite

  • Dyspnoe, Tachypnoe, Husten

  • Tachykardie

  • Asymmetrische Thoraxbewegung, nachschleppende Atmung, Stimmfremitus ↓, hypersonorer Klopfschall, abgeschwächtes Atemgeräusch

Begleitsymptome
  • Hypotonie, Zyanose

  • Komplikationen: Spannungspneumothorax, Empyem, Pneurezidiv

Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.4.5)

  • Punktion beim Spannungspneumothorax

  • Bülau-Drainage

Pleuritis und Pleuraerguss

Definition
PleuritisPleuraergussEntzündung der Pleurablätter mit z. T. erheblicher Ansammlung von Flüssigkeit zwischen den Pleurablättern. Sie kann eingeteilt werden in:
  • Pleuritis sicca: trockene Pleuritis mit Fibrinabscheidung zwischen den Pleurablättern; geht meist der Pleuritis exsudativa voraus

  • Pleuritis exsudativa: mit Abscheidung von Flüssigkeit zwischen den Pleurablättern (4.1.10)

Leitsymptome
  • Pleuritis sicca: stechende, atemabhängige thorakale Schmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen; kratzend-schabendes atemabhängiges Geräusch

  • Bei kleinen Ergüssen keine bzw. diskrete Symptome, bei großen Ergüssen Dyspnoe, Zyanose

Therapie
  • Entlastung des Ergusses durch Punktion

  • Therapie der vorbestehenden Erkrankung

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