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B978-3-437-58765-8.00001-5

10.1016/B978-3-437-58765-8.00001-5

978-3-437-58765-8

Bewegungsapparat

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

BewegungsapparatEin 23-jähriger Patient stellt sich in Ihrer Praxis mit RückenschmerzenKreuzschmerzenKreuzschmerzen vor, links stärker als rechts, die über die Gesäßbacken bis in die Oberschenkel ausstrahlen und aktuell seit 2 Wochen persistieren. Sie treten episodisch auf und in unterschiedlicher Intensität, wobei ein Grundschmerz seit dem 16. Lebensjahr besteht. Am stärksten ist der Schmerz am frühen Morgen. Unter Bewegung erfährt der Patient eine Besserung, obgleich der Schmerz nicht komplett verschwunden ist.

Auf Nachfrage verneint der Patient gastrointestinale Symptome wie Durchfall, Meteorismus, Übelkeit und urologische Symptome. B-Symptome treten nicht auf, Nikotin- und Alkoholanamnese sind leer.

Vorgeschichte

  • Fersen-, Sprunggelenkschmerzen und rezidivierende Episoden von Augenentzündungen, die der Patient in Eigenregie erfolgreich mit Diclofenac und Ibuprofen behandelt hat

  • Vater des Patienten leidet ebenfalls an chronischen Rückenschmerzen, Mutter und Geschwister sind gesund

Untersuchungsbefund

Periphere Gelenke frei beweglich und ohne Entzündungssymptome. Dornfortsätze der LWS und des Sakrums bei Perkussion schmerzhaft. Beweglichkeit der Wirbelsäule nach der Neutral-Null-Methode eingeschränkt. Schober-Zeichen 10/11 cm, Ott-Zeichen 30/32 cm, Finger-Boden-Abstand 25 cm. Mennell-Zeichen beidseits schmerzhaft positiv.

Atemexkursionen seitengleich, Klopfschall über der Lunge sonor, Atemverschieblichkeit 5 cm, vesikuläres Atmen über beiden Lungen.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

Morbus Morbus:BechterewBechterew (1.2.7). Typisch sind Schmerzlokalisation, Ausstrahlung, morgendliche Schmerzen, die unter Bewegung besser werden, Beteiligung der peripheren Gelenke, Iritis und der chronisch rezidivierende Verlauf. Die Befunde der körperlichen Untersuchung sprechen für eine eingeschränkte Beweglichkeit der Wirbelsäule und eine Affektion des ISG.

Differenzialdiagnosen

  • Reiter-Syndrom: unwahrscheinlich, da urologische und gastroenterologische Symptome fehlen

  • Psoriasis-Arthritis: wegen fehlender Hauterscheinungen zunächst nicht wahrscheinlich

  • Enteropathische Sakroileitis im Rahmen von v. a. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: unwahrscheinlich, weil gastroenterologische Symptome fehlen

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Labor: Entzündungsfaktoren, HLA-B27 (nicht beweisend)

  • Röntgen: Becken (Nachweis einer entzündlichen Symptomatik am ISG, u. a. verwaschener Gelenkspalt) und Wirbelsäule (Bambusstabwirbelsäule, ggf. Spondylophytenbildung von kaudal nach kranial)

Therapie

  • Antiphlogistika unter Gabe von PPI

  • Antientzündliche Therapie mit Glukokortikoiden im Schub unter Gabe von PPI

  • Regelmäßige Physiotherapie

Differenzialdiagnostik

Rückenschmerzen

Rückenschmerzen können nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Zum einen nach der Ursache (entzündlich, degenerativ, traumatisch, neoplastisch, metabolisch), zum anderen nach der Lokalisation (zervikal, thorakal, lumbal, sakral) oder nach anatomischen Strukturen. Nachfolgend erfolgt die Einteilung der Rückenschmerzen nach anatomischen Schichten von außen nach innen.

Haut
  • VerbrennungVerbrennung, Verbrühung: wegweisend sind anamnestische Angaben und der typische Hautbefund, z. B. Rötung, Blasenbildung

  • Herpes zoster:Herpes zoster entzündliche Hauterscheinungen mit Bläschenbildung; starke Schmerzen entlang eines Dermatoms; am häufigsten thorakale Dermatome betroffen

Muskulatur
  • Muskalhartspann:Muskalhartspann: umschriebene Schmerzen, die sich unter Bewegung verstärken; typischer Tastbefund (strangförmige Verhärtung)

  • Entzündliche Muskelerkrankung: Schmerzen in Ruhe; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑ und CK ↑

Nerven
  • Interkostalneuralgie:Interkostalneuralgie: einschießende Schmerzen entlang eines Nervenverlaufs

  • Bandscheibenvorfall:Bandscheibenvorfall: plötzliche einschießende, in der Regel gut lokalisierbare Schmerzen entlang eines Spinalnerven, die sich unter Husten, Lachen, Pressen verstärken; meist lumbosakrale Abschnitte betroffen

Knöcherne und Gelenkstrukturen der Wirbelsäule
  • WirbelfrakturWirbelfraktur, Wirbelsäulenstauchung: meist erinnerliches Trauma; gut lokalisierbare und häufig atemabhängige Schmerzen

  • Spondylose:Spondylose: je nach Ausprägung von asymptomatisch bis zu ausgeprägten Schmerzen im Bereich der degenerativen Veränderungen

  • SkolioseSkoliose (1.2.5): Seitverbiegung der Wirbelsäule; asymmetrischer Schulter- und Beckenstand, asymmetrische Taillendreiecke; Rippenbuckel (ggf. im Vorbeugetest) und/oder Lumbalwulst

  • Tumoren, Metastasen (1.2.6): v. a. bei Prostata-, Bronchial-, Mammakarzinom, Plasmozytom; kontinuierliche Schmerzen, auch nachts und in Ruhe; gleichzeitig meist vorhandene B-Symptomatik; Symptome des Primärtumors

  • OsteoporoseOsteoporose, Osteomalazie:Osteomalazie: Schmerzhaftigkeit bei Sinterung bzw. Fraktur der Wirbelkörper; Abnahme der Körpergröße und Verformungen der Wirbelsäule (v. a. Kyphosierung typisch)

  • SpondylarthritidenSpondylarthritiden (1.2.7, 1.2.8): entzündlich-rheumatische Wirbelgelenkerkrankungen (u. a. Morbus Bechterew, Morbus Reiter, enteropathische Formen), die mit Ruhe- und Nachtschmerzen einhergehen

  • SpondylitisSpondylitis (bakteriell), Abszess, Osteomyelitis:Osteomyelitis: bakterielle Erkrankungen, die meist gut lokalisierbar und durch Ruhe- und Nachtschmerzen gekennzeichnet sind; im Laborbefund CRP ↑, BSG ↑ und Leukozytose

  • SpondylolisthesisSpondylolisthesis (WirbelgleitenWirbelgleiten): typisch sind Schmerzen im lumbosakralen Bereich (häufigste Lokalisation); gelegentlich gekoppelt mit Sensibilitätsstörungen der unteren Extremitäten

  • Morbus Scheuermann:Morbus:Scheuermann im jugendlichen Alter wenig Symptome bis auf eine verstärkte Kyphosierung (meist) der BWS; im Erwachsenenalter fixierte Kyphose und arthrotische Veränderungen; im Röntgenbild Schmorl-Knötchen typisch

  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis (1.2.9): symmetrischer Befall der kleinen Gelenke der Extremitäten; an der Wirbelsäule ist meist im Verlauf der Erkrankung die HWS betroffen, was sich als Facettensyndrom bemerkbar macht; typisch sind Nacken- und Kopfschmerzen; vegetative Symptome und neurologische Ausfälle können hinzutreten

  • Morbus Paget:Morbus:Paget Knochenerkrankung, die zunächst mit einem verstärkten Abbau der Knochensubstanz einhergeht; später entstehen irreguläre und instabile Knochenanbauten; typische Symptome sind umschriebene Knochenschmerzen, Knochenverbiegungen (Säbelscheidentibia); im Laborbefund AP ⇈ und Kalzium ↑

Lunge und Pleura
  • Pleuritis:Pleuritis: atemabhängige, stechende Schmerzen; meist im thorakalen Abschnitt; begleitend Infektsymptome

  • Pneumothorax:Pneumothorax: plötzliche stechende Schmerzen; meist im thorakalen Abschnitt; Dyspnoe, Zyanose

Herz und Gefäße
  • Angina Angina pectorispectoris, Herzinfarkt:Herzinfarkt: akute retrosternale Schmerzen mit Ausstrahlung in Hals, Achsel, linken Arm bis zu den Fingern, Abdomen oder Rücken; bei Angina pectoris Besserung nach Gabe von Nitrospray

  • Lungenembolie:Lungenembolie: akute retrosternale Thorax-, Oberbauch- oder Rückenschmerzen mit Dyspnoe, Zyanose, blutigem Sputum und Herzinsuffizienzzeichen

  • Aortendissektion:Aortendissektion: plötzliche, reißende thorakale Schmerzen oder Schmerzen zwischen den Schulterblättern, die sich in das Abdomen und untere Rückenbereiche verlagern; in der Anamnese in der Regel arterielle Hypertonie vorhanden

Abdominelle Organe
  • GastritisGastritis, Ulkus:Ulkus: thorakale, abdominale Schmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken (meist thorako-lumbaler Übergang) mit Verstärkung nach dem Essen

  • Pankreatitis:Pankreatitis: typisch sind gürtelförmige Oberbauchschmerzen; Ausstrahlung in linken Thorax und Rücken (meist thorako-lumbaler Übergang) möglich

  • Pankreakopfkarzinom:Pankreakopfkarzinom: typisch sind Symptome der chronischen Pankreatitis; schmerzloser Ikterus, bohrende Rückenschmerzen (meist thorako-lumbaler Übergang)

  • Gallensteinleiden:Gallensteinleiden: kolikartige Schmerzen im rechten Oberbauch bzw. rechten Thorax mit Ausstrahlung in die rechte Schulter, das Schulterblatt und BWS-Region

  • Gynäkologische Erkrankungen (z. B. Adnexitis, Lageanomalien des Uterus): Symptome der Primärerkrankung, z. B. Fluor, Fieber, Unterleibschmerzen mit Ausstrahlung in die LWS

Gelenkschmerzen

Die Differenzialdiagnostik der Gelenkschmerzen erfolgt nach deren Ursache.

Entzündlich-rheumatisch
Allen Ursachen gemeinsam sind der chronische Verlauf, Morgensteifigkeit, Ruheschmerz und im Schub erhöhte Entzündungszeichen im Blut.
  • Rheumatoide rheumatoide ArthritisArthritis (1.2.9): symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke (Grund- und Mittelgelenke, Gelenke der HWS) mit deren Zerstörung; RF meist positiv

  • Lupus erythematodes:Lupus erythematodes: symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke, in der Regel ohne deren Zerstörung; typische Hautzeichen sind eine Sonnenunverträglichkeit und häufig ein Schmetterlingserythem; ANA und RF meist positiv

  • Sklerodermie:Sklerodermie: symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke, in der Regel ohne deren Zerstörung; typische Hautzeichen u. a. Puffy hands, Sklerosierung der Haut, Rattenbissnekrosen, Tabaksbeutelmund; ANA und RF meist positiv

  • Morbus Morbus:BechterewBechterew (1.2.7): tiefsitzende Kreuzschmerzen (Sakroileitis und große Gelenke); im Laborbefund häufig HLA–B27 positiv

  • Psoriasis-Arthritis:Psoriasis-Arthritis: Gelenkbefall im Strahl; Sakroileitis und erythematosquamöse Plaques über den Streckseiten der Extremitäten; im Laborbefund evtl. HLA-B27 positiv

  • Reaktive Arthritis:reaktive Arthritis: Beteiligung der großen Gelenke; im Laborbefund evtl. HLA-B27 positiv

Infektiös
  • Bakterielle Infekte (z. B. Borreliose, TBC): Symptome der Primärkrankheit; Beteiligung von einem oder mehreren Gelenken möglich; akute lokale Entzündungszeichen (Rötung, Schwellung, Überwärmung, Schmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit) typischerweise vorhanden; im Laborbefund Entzündungszeichen ↑, spezifische Antikörper nachweisbar; im Gelenkpunktat Erreger nachweisbar

  • Virale Infekte (z. B. Hepatitis, Influenza): Symptome der Primärkrankheit; häufig mehrere Gelenke betroffen; mit oder ohne lokale Entzündungszeichen; im Laborbefund Entzündungszeichen und spezifische Antikörper nachweisbar

  • Sepsis:Sepsis: Temperatur > 38 °C oder <36 °C, schweres Krankheitsgefühl, Tachykardie, Tachypnoe; im Laborbefund Leukozytose oder Leukopenie

  • Osteomyelitis:Osteomyelitis: gelenknahe Herde verursachen Belastungs- und Ruheschmerzen; z. T. schwere lokale und systemische Entzündungssymptomatik

Degenerativ
  • Arthrose (1.2.3): Arthrosebetroffen sind v. a. die Gelenke der unteren Extremität; Belastungs-, Anlauf- und Ruheschmerz

  • Überlastung: wegweisend sind anamnestische Befunde

Metabolisch
Gicht:Gicht: asymmetrischer Befall; meist Großzehengrund- oder Daumensattelgelenk betroffen; im Laborbefund Harnsäure ↑ (kann aber auch ↓ oder im Referenzbereich sein)
Traumatisch
  • Gelenknahe FrakturFrakturen (1.2.1): wegweisend ist der anamnestische Befund; sichere Frakturzeichen wie Fehlstellung, abnorme Beweglichkeit oder sichtbare Knochenfragmente

  • Bänderriss, Meniskusverletzungen (am Knie): wegweisend ist der anamnestische Traumabefund; lokale Symptome; je nach Verletzung positive Funktionstests (Varus- und Valgusstress, Steinmann I und II, positive Schubladenphänomene oder Lachmann-Test).

Andere
  • LeukämieLeukämie und andere Neoplasien: wegweisend sind Symptome des Primärtumors und ggf. B-Symptome; bei einer Leukämie Anämie, Thrombopenie, Immunsuppression und Veränderung des Blutbildes

  • HämophilieHämophilie, antikoagulative Therapie: wegweisend ist der anamnestische Befund; ggf. Blutungsneigung als Hämatome oder Gelenkeinblutungen

  • Akute Bursitis:Bursitis: prall-elastische Schwellung, Schmerzen, Rötung, Überwärmung, Bewegungseinschränkung

  • FibromyalgieFibromyalgie (1.2.11): erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Steifigkeit, Schmerzen an Muskeln und Sehnenansätzen; Laborbefund meist o. B.

  • Polymyalgia Polymyalgia rheumaticarheumatica (1.2.10): meist symmetrische, nächtliche, reißende muskuläre Schulter- und Beckenschmerzen; im Laborbefund BSG ⇈, CRP ↑

Gelenkbefall

Die Differenzialdiagnose des Gelenkbefalls erfolgt nach der Beteiligung der Gelenke.

Symmetrischer Befall der kleinen Gelenke
  • Rheumatoide Arthritis (1.2.9): symmetrischer, zerstörender Gelenkbefall der kleinen Gelenke; RF meist positivrheumatoide ArthritisGelenke:kleine

  • Lupus erythematodes:Lupus erythematodes: symmetrischer Befall der kleinen Gelenke; Hauterscheinungen (Schmetterlingserythem); ANA und RF meist positiv

  • Sklerodermie:Sklerodermie: symmetrischer Befall der kleinen Gelenke; Rattenbissnekrosen

SakroileitisSakroileitis
Allen Ursachen gemeinsam sind tiefsitzende, nächtliche Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins Gesäß und Oberschenkel, die in der Regel unter Bewegung von der Schmerzintensität her besser werden. Ferner sind im laborchemischen Befund Entzündungszeichen und in einem Teil der Fälle auch HLA-B27 positiv.
  • Morbus Morbus:BechterewBechterew (1.2.7): Beteiligung der großen Gelenke; zunehmende Versteifung und Kyphosierung der Wirbelsäule von kaudal nach kranial; Achillessehnenansatzschmerz; Iritis

  • Morbus Morbus:ReiterReiter (1.2.8): Leitsymptome sind Arthritis, Konjunktivitis, Urethritis oder Enteritis

  • Enteropathische enteropathische ArthritidenArthritiden (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa): intestinale Symptome, z. B. Durchfall (eitrig-schleimig, blutig), Bauchschmerzen, Stenosesymptome; Iritis, Erythema nodosum

  • Psoriasis-Arthritis:Psoriasis-Arthritis: typische Hauterscheinungen als silbrig-weiße Schuppung auf entzündlichem Grund, v. a. über den Streckseiten der Gelenke, am Okziput und in der Analfalte

Beteiligung der großen Gelenke
  • Rheumatisches Fieber:rheumatisches Fieber: betroffen sind große Gelenke; Befall springend; im Laborbefund ASL-TiterGelenke:große

  • Morbus Morbus:ReiterReiter (1.2.8): Leitsymptome sind Arthritis, Konjunktivitis, Urethritis oder Enteritis

  • Morbus Morbus:BechterewBechterew (1.2.7): Beteiligung der großen Gelenke; zunehmende Versteifung und Kyphosierung der Wirbelsäule von kaudal nach kranial; Achillessehnenansatzschmerz; Iritis

  • Psoriasis-Arthritis:Psoriasis-Arthritis: 1.1.3

  • Septische Arthritiden: u. a. bei der Gonorrhö, Tbc, Infektion mit HiB; akuter Beginn mit starken lokalen und systemischen Entzündungszeichen; Symptome der Grunderkrankung

Großzehengrundgelenk
Gicht:Gicht: asymmetrischer Befall; meist Großzehengrund- oder Daumensattelgelenk betroffen; im Laborbefund Harnsäure ↑ (kann aber auch ↓ oder im Referenzbereich sein)

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Fraktur

FrakturDefinition
Kontinuitätsunterbrechung eines Knochens unter Bildung von Fragmenten. Sie können in traumatische und Spontanfrakturen (Ermüdungs- und pathologische Frakturen) eingeteilt werden. Eine Sondervariante ist die Grünholzfraktur bei Kindern.
Leitsymptome
Sichere Frakturzeichen:
  • Fehlstellung, Achsenabweichung

  • Abnorme Beweglichkeit

  • Offener Bruch, sichtbare Knochenfragmente

  • Krepitation

Begleitsymptome
Unsichere Frakturzeichen:
  • Schwellung

  • Schmerzen

  • Hämatom

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.2.1)

Morbus Sudeck

Morbus:SudeckDefinition
Dystrophie und Atrophie von Weichteilen und Knochen.
Leitsymptome
  • Stadium der Entzündung: livide Verfärbung, teigiges Ödem

  • Stadium der Dystrophie: beginnende Atrophie und Entkalkung der Knochen

  • Stadium der Atrophie: Atrophie der Haut, der Weichteile und des Skeletts

Begleitsymptome
  • Eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit

  • Schmerzen

Therapie
  • Schmerzmittel

  • Physiotherapie

Arthrose

ArthroseDefinition
Degenerative Veränderungen eines Gelenks mit schmerzhafter Funktionseinschränkung. Die Arthrose betrifft v. a. Gelenke der unteren Extremität. Begünstigt wird die Erkrankung u. a. durch Traumata, Entzündungen, Fehlstellungen oder Übergewicht.
Leitsymptome
  • Stadium I: Steifigkeitsgefühl, Anlaufschmerz, der unter leichter Belastung zunächst besser wird

  • Stadium II: Belastungsschmerzen

  • Stadium III: Ermüdungs-, Ruhe-, Nachtschmerzen

Begleitsymptome
  • Muskelverspannungen, Muskelschmerzen

  • Schonhaltung

  • Projektionsschmerzen

  • Kontrakturen

  • Gelenkversteifung

Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen:

    • Gewichtsabnahme

    • Regelmäßige Bewegung, z. B. Schwimmen, aber Vermeidung von Sportarten mit starker Gelenkbelastung wie Tennis oder Squash

    • Warmhalten der betroffenen Gelenke

    • Weiches, angepasstes Schuhwerk

  • Physiotherapie

  • NSAR

  • Operation

Lumbago

LumbagoDefinition
Syn. LumbalgieLumbalgie, „HexenschussHexenschuss“. Plötzliche starke Schmerzen im Lumbalbereich ohne radikuläre Ausstrahlung, d. h. ohne Bezug zu Segmenten (Dermatomen).
Leitsymptome
  • Einseitige oder beidseitige starke, tiefe und bohrende lumbale Schmerzen, die meist ins Sakrum und die Gesäßregion ausstrahlen, seltener bis zur Kniekehle (pseudoradikuläre Schmerzen = ausstrahlende Schmerzen, die keiner Nervenwurzel zuzuordnen sind)

  • Keine neurologischen Defizite

Therapie
  • Stufenbettlagerung

  • Physiotherapeutische und/oder chiropraktische Maßnahmen

  • Wärme

  • Analgetika, Antiphlogistika, Muskelrelaxanzien

  • Gegebenenfalls Gewichtsreduktion

Skoliose

SkolioseDefinition
Seitverbiegung und Rotation der Wirbelsäule. Häufigste orthopädische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter.
Leitsymptome
  • Rippenbuckel, der im Vorbeugetest sichtbar wird

  • Lumbalwulst bei Skoliosen im Lumbalbereich

  • Unterschiedliches Niveau von Schultern und Taillendreiecken

  • Symptome sind abhängig von der Ausprägung der Skoliose

Begleitsymptome
Eingeschränkte Organfunktion (z. B. der Lunge)
Therapie
  • Krankengymnastik

  • Korsett und/oder operative Therapie

Osteosarkom

OsteosarkomDefinition
Seltener primärer Knochentumor, der meist von der Metaphyse ausgeht. Betrifft junge Menschen zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr. Häufig an den langen Röhrenknochen, seltener an der Wirbelsäule.
Leitsymptome
  • Knochenschmerzen

  • Schwellung über dem betroffenen Bereich

  • Pathologische Frakturen

  • Im Labor AP ↑

Begleitsymptome
  • Bei Lokalisation an der Wirbelsäule neurologische Ausfälle durch Kompression des Rückenmarks oder der Spinalnerven

  • Metastasierung v. a. in die Lungen

  • B-Symptome

Therapie
  • Operative Resektion

  • Radiochemotherapie

Morbus Bechterew

Morbus:BechterewDefinition
Syn. Spondylitis Spondylitis ankylosansankylosans. Chronisch-entzündliche Erkrankung des Skeletts, die primär Iliosakralgelenke und Wirbelsäule, aber auch große Gelenke betrifft. Deutliche Tendenz zur Versteifung und Fibrose. Meist junge Männer vor dem 40. Lebensjahr betroffen. Familiäre Häufung gibt Hinweis auf genetische Komponente (HLA-B27 positiv).
Leitsymptome
  • Schleichender Beginn mit nächtlicher und frühmorgendlicher Steifheit

  • Tiefsitzende Rückenschmerzen (im Sakrumbereich) mit Ausstrahlung in Gesäß und Oberschenkel, die v. a. nach Mitternacht auftreten und durch Bewegung gebessert werden (treiben den Patienten aus dem Bett)

  • Arthritis der großer Gelenke und Fersenschmerzen

  • Im Verlauf zunehmende Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule mit Kyphosierung und Versteifung (im Röntgen als BambusstabwirbelsäuleBambusstabwirbelsäule sichtbar)

  • Iritis

  • Schober- und Ott-Zeichen pathologisch, Schüttelschmerzen, Finger-Boden-, Kinn-Jugulum-, Okziput-Wand-Abstand vergrößert

  • Im Labor BSG ↑, CRP ↑, HLA-B27 positiv (in ca. 90 %), RF negativ

Begleitsymptome
  • Reduzierte Atemexkursionen

  • Selten Organbeteiligung (Lungenfibrose, Aortitis)

Therapie
  • Atemtraining, regelmäßige Physiotherapie, physikalische Therapie

  • NSAR, Basistherapeutika, im Schub Glukokortikoide

Morbus Reiter

Morbus:ReiterDefinition
Entzündliche Gelenkerkrankung, die als Zweitkrankheit nach bakteriellen Infektionen im Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakt auftreten kann.
Leitsymptome
  • Arthritis, Urethritis, Konjunktivitis oder Iritis (Reiter-Reiter-TriasTrias)

  • Im Labor BSG ↑, CRP ↑, HLA-B27 positiv (in ca. 80 %), RF und ANA negativ

Begleitsymptome
  • Hauterscheinungen als u. a. Balanitis circinata, polymorphe Hauterscheinungen an Handflächen und Fußsohlen (Reiter-Tetrade)

  • Fieber

  • Schmerzen an Sehnenansätzen

  • Entzündung des Iliosakralgelenks

Therapie
  • Sanierung potenziell vorhandener Infektquellen

  • Lokale Maßnahmen wie Kältetherapie im akuten Schub

  • Schmerzmittel, NSAR, ggf. Glukokortikoide

Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis)

rheumatoide Arthritis chronische Polyarthritis Definition
Chronische Entzündung der Synovia von Gelenken und der serösen Häute. Betroffen sind kleine Gelenke, Schleimbeutel, Sehnenscheiden, aber auch Pleura, Peritoneum und Perikard. Bevorzugt erkranken Frauen im 3.–5. Lebensjahrzehnt.
Leitsymptome
  • Symmetrische Arthritis der kleinen Gelenke (Finger-, Fußgrund-, Mittelgelenke)

  • Morgensteifigkeit, Schwellung, eingeschränkte Funktion der betroffenen Gelenke

  • Begrüßungsschmerz (Gaenslen-Zeichen)

  • KnopflochdeformitätKnopfloch-, SchwanenhalsdeformitätSchwanenhalsdeformität, ulnare Deviation

  • Im Labor BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose im Schub, RF (in 80 % positiv, aber nicht beweisend), sekundäre hypochrome, mikrozytäre Anämie

Begleitsymptome
  • Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust

  • Muskelschmerzen, Muskelatrophie, evtl. Rheumaknoten

  • HWS-Beteiligung mit Sub- bzw. Luxation

  • Komplikation: Beteiligung innerer Organe wie Niere (Glomerulonephritis), Pleura (Pleuritis), Herz (Karditis), Augen (Keratokonjunktivitis sicca)

Therapie
  • Physiotherapie

  • NSAR, Immunsuppressiva, Basistherapeutika

Polymyalgia rheumatica

Polymyalgia rheumaticaDefinition
Generalisierte Arteriitis der großen Gefäße, die in 50 % der Fälle mit einer Arteriitis temporalis einhergeht. Meist ältere Frauen betroffen.
Leitsymptome
  • Polymyalgia rheumatica:

    • Plötzlicher Beginn mit symmetrischen, reißenden Schmerzen der proximalen Muskulatur (Nacken, Schulter, Becken), besonders nachts und früh morgens

    • Schwäche der Muskulatur, Morgensteifigkeit

  • Arteriitis Arteriitis temporalistemporalis (RiesenzellarteriitisRiesenzellarteriitis):

    • Augenschmerzen und Kopfschmerzen im Bereich der Schläfen mit Sehstörungen und Schwindel; Schmerzverstärkung beim Kauen

    • A. temporalis ist überwärmt, druckschmerzhaft und gut tastbar

Begleitsymptome
  • Fieber, Sturzsenkung

  • Depressive Verstimmung

  • Gewichtsabnahme

Therapie
Glukokortikoide

Fibromyalgie

FibromyalgieDefinition
Generalisiertes Schmerzsyndrom mit schmerzhaften Druckpunkten und vegetativen Störungen. Meist Frauen betroffen.
Leitsymptome
  • Schmerzen an Muskeln und Sehnenansätzen

  • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Steifigkeit

  • Röntgen und Labor ohne pathologischen Befund

Begleitsymptome
  • Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit, Schlafstörungen

  • Depressionen, Ängste, Kontaktstörungen

Therapie
  • Körperliche Aktivität

  • Antidepressiva, NSAR

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