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B978-3-437-58765-8.00003-9

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978-3-437-58765-8

Differenzialdiagnostik von Thrombophlebitis und Phlebothrombose

Tab. 3.1
Thrombophlebitis Phlebothrombose
Rötung Geröteter Venenstrang Gesamte Extremität betroffen
Schwellung Lokal, im Verlauf des Venenstrangs Gesamte Extremität betroffen
Schmerz Lokal, im Verlauf des Venenstrangs Gesamte Extremität betroffen
Mobilisation Keine Bettruhe Bettruhe
Komplikationen
  • Entzündung der tiefen Beinvenen

  • Tiefe Beinvenenthrombose

  • Sepsis

  • Lungenembolie

  • Postthrombotisches Syndrom

Differenzialdiagnostik von pAVK und akutem Extemitätenverschluss

Tab. 3.2
pAVK Akuter Extremitätenverschluss
Ursache Arteriosklerose Emboli aus dem linken Herzen oder aus arteriosklerotischen Plaques
Schmerzen Belastungs- oder Ruheschmerzen je nach Stadium der pAVK Sehr starke Schmerzen des betroffenen Areals (pain)
Temperatur Kühle Extremität Kalte Extremität
Hautbeschaffenheit Hautatrophie Ohne Veränderungen bis zur Atrophie
Neurologische Ausfälle Je nach Stadium der pAVK und Grunderkrankung
  • Parästhesie (paresthesia)

  • Paralyse (paralysis)

  • Reflexausfall

Hautfarbe Rötlich-livide (zyanotische) bis blasse Extremität Blass (pale)
Pulsstatus Je nach Stenosegrad tastbar oder nicht Pulse distal des Verschlusses nicht tastbar („pulslessness“)
Verlauf Chronisch
  • Akut einsetzend

  • Schock (prostration)

  • Notfall → 20.3.11; Tieflagerung der Extremität, Watteverband

Normale Blutdruckwerte und Hypertonieeinteilung (nach der Deutschen Hochdruckliga und European Society of Cardiology). Wenn systolischer und diastolischer Blutdruck bei einem Patienten in unterschiedliche Klassen fallen, sollte die höhere Klasse Anwendung finden.

Tab. 3.3
Klassifikation Systolischer Wert [mmHg] Diastolischer Wert [mmHg]
Optimal < 120 < 80
Normal 120–129 80–84
Noch normal 130–139 85–89
Milde Hypertonie (Grad 1) 140–159 90–99
Mittelschwere Hypertonie (Grad 2) 160–179 100–109
Schwere Hypertonie (Grad 3) > 180 > 110

Gefäße und Kreislauf

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Ein 65-jähriger adipöser Patient stellt sich wegen Beinschmerzen vor, die v. a. in beiden Waden (rechts stärker als links) seit über einem halben Jahr persistieren und an Dauer und Intensität zunehmen. Die Schmerzen treten vorwiegend unter Belastung auf, z. B. bei einem längeren Spaziergang. Nach einer Pause lassen die Schmerzen nach. In Ruhe und in der Nacht ist der Patient symptomfrei. Zeitgleich berichtet der Patient über Kraftlosigkeit in den Beinen. Sensibilitätsstörungen werden verneint.

Starker Nikotinkonsum seit 40 Jahren mit 1–2 Schachteln pro Tag, regelmäßiger Alkoholkonsum. Derzeit keine medikamentöse Behandlung.

Vorgeschichte

  • Adipositas, BMI 30,5

  • Bekannte arterielle Hypertonie

  • Hyperurikämie

  • Dyslipoproteinämie (Cholesterin ↑, LDL ↑, Triglyzeride ↑, HDL ↓)

  • Diabetische Stoffwechsellage (HbA1c 6,6 %)

Untersuchungsbefund

Unterschenkel dünn und ohne Ödeme, Haut trocken, Behaarung fehlt, Zehennägel verdickt und von der Nagelplatte abgehoben. Füße mäßig warm, Puls der A. poplitea tastbar, Pulse von A. dorsalis und A. tibialis posterior nur schwach tastbar. Ratschow-Test muss nach 2 Minuten wegen Schmerzhaftigkeit in der Wadenmuskulatur abgebrochen werden, Rekapillarisierungszeit verlängert. Im standardisierten Lauftest erreicht der Patient eine schmerzlose Gehstrecke von 280 m. Varikosis nicht erkennbar.

Bei der neurologischen Untersuchung ist die Sensibilität erhalten, die motorische Kraft ist reduziert. Patellarsehnenreflex seitengleich auslösbar, Achillenssehnenreflexe seitengleich abgeschwächt.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

Periphere arterielle periphere arterielle VerschlusskrankheitVerschlusskrankheit im Stadium pAVKIIb (3.2.4). Typisch sind die belastungsabhängigen Schmerzen, Kraftlosigkeit und der chronische Verlauf. Die Risikofaktoren bzw. Vorerkrankungen (Nikotinkonsum, arterielle Hypertonie, Dyslipoproteinämie, diabetische Stoffwechsellage), die als Risikofaktoren der 1. Ordnung der Arteriosklerose angesehen werden, sprechen ebenfalls für eine vaskuläre Erkrankung. Die Befunde der körperlichen Untersuchung untermauern die Verdachtsdiagnose der pAVK (dünne Extremität, trophische Störungen, schwach tastbare periphere Pulse, pathologischer Ratschow-Test, reduzierte schmerzfreie Gehstrecke).

Differenzialdiagnosen

  • Claudicatio spinosa durch Spinalkanalstenose: unwahrscheinlich, weil Schmerzhaftigkeit und Kraftlosigkeit eher nicht streckenabhängig sind

  • Veneninsuffizienz: unwahrscheinlich wegen fehlender Varikosis und Ödembildung

  • Tiefe Beinvenenthrombose: meist einseitig und akutes Geschehen

  • Wurzelreizsyndrome: unwahrscheinlich wegen meist belastungsunabhängiger Schmerzen und neurologischer Ausfälle im Dermatom

  • Polyneuropathie: dafür sprechen abgeschwächter Achillessehnenreflex beidseits, motorische Schwäche, trophische Störungen der unteren Extremität und erhöhtes HbA1c; Sensibilitätsausfälle sind nicht beschrieben, dafür belastungsabhängige Schmerzen, die typisch für die pAVK sind

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates, z. B. Beinverkürzung, Fußsklelettanomalien: unwahrscheinlich wegen fehlender Befunde bei der körperlichen Untersuchung

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Systolische Dopplerdruckmessung: Bestimmung des Knöchel-Arm-Index

  • Farbduplexsonografie: Bestimmung der Durchgängigkeit und Flussmessung in den Arterien

Therapie

  • Zum Arzt verweisen

  • Senkung der Risikofaktoren der Arteriosklerose: Gewichtsabnahme, Blutdrucknormalisierung, medikamentöse und konservative Senkung von Blutfetten und Harnsäure, Behandlung des Diabetes mellitus, Gabe von ASS

  • Sorgfältige Fußpflege, weiches, angepasstes Schuhwerk

  • Gehtraining bis zur Schmerzgrenze zur Förderung der Kollateralbildung

Differenzialdiagnostik

Ödeme

Die Differenzialdiagnostik der Ödeme kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden (Ursache, Eindrückbarkeit, Symmetrie). Nachfolgend werden die Ödeme nach der Ursache eingeteilt.

Kardiale Ödeme
Herzinsuffizienz: Herzinsuffizienzentstehen durch erhöhten hydrostatischen Druck; wegweisend sind Symptome der Herzinsuffizienz wie u. a. Dyspnoe, Zyanose, verminderte Belastbarkeit, Nykturie; Ödeme sind symmetrisch und eindrückbar
Erkrankungen der Venen (erhöhter hydrostatischer Druck)
  • Venöse chronisch venöse InsuffizienzInsuffizienzCVI (3.2.7): symmetrische oder einseitige eindrückbare Ödeme, häufig Varizen sichtbar, Pigmentverschiebungen, Atrophie blanche an den Unterschenkeln; in späten Stadien Ulcus cruris venosum am medialen Knöchel

  • PhlebothrombosePhlebothrombose (3.2.8): i. d. R. einseitige Schwellung, Rötung, Schmerzen, Überwärmung der unteren Extremität und sichtbare oberflächliche Venenzeichnung (Pratt-Warnvenen)

  • ThrombophlebitisThrombophlebitis (3.1.4): meist lokale Schwellung eines oberflächlichen Venenstranges mit Entzündungssymptomen; Ödem findet sich perifokal

Erkrankungen der Lymphgefäße
LymphbahnschädenLymphbahnschäden durch Infektion, Tumor, Z. n. Tumortherapie: Schwellung der betroffenen Region mit zunächst eindrückbarem, dann nicht mehr eindrückbarem Ödem, Zehen immer betroffen, Stemmer-Zeichen positiv; Komplikationen sind v. a. Entwicklung einer Elephantiasis und eines Erysipels
Veränderungen des onkotischen Drucks
  • LeberzirrhoseLeberzirrhose: Leberhautzeichen wie Ikterus, Palmar-, Plantharerythem, Lackzunge, Lacklippen, Gynäkomastie; Beinödeme eher selten, eine Stauung im portalen System als Aszites ist typisch

  • Nephrotisches Syndromnephrotisches Syndrom: symmetrische Beinödeme, Lidödeme oder je nach Ausprägung auch Körperödeme; Leitsymptome sind Proteinurie > 3,5 g/Tag, Hypoproteinurie, Hyperlipoproteinämie

  • UnterernährungUnterernährung: wegweisend sind Gewichtsabnahme und Primärerkrankungen wie Morbus Crohn, Zöliakie, Anorexie

Erkrankungen der Hormonsteuerung
  • MyxödemMyxödem: entsteht durch Vermehrung des Bindegewebes bei Hypothyreose, v. a. im Gesicht; Leitsymptome sind u. a. depressive Verstimmung, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Hypotonie und Bradykardie; symmetrisches und nicht eindrückbares Ödem

  • Morbus CushingMorbus Cushing: Ursache sind hohe Wasser- bzw. Natriumretention; Kennzeichen sind Gewichtsumverteilung, Stiernacken, dünne Extremitäten, gerötetes Gesicht, Hautatrophie und rezidivierende Infekte durch Immunsuppression

  • SchwangerschaftSchwangerschaft: Ursache sind hohe Wasser- bzw. Natriumretention; wegweisend ist der anamnestische Befund

Metabolische Erkrankungen
LipödemLipödem: symmetrische, schmerzhafte oder irreguläre, nicht eindrückbare Fettablagerung an den Beinen, nicht an den Füßen, Neigung zu Hämatomen
Allergische Ursachen
Insektenstich, Medikamente: können zur erhöhten Kapillardurchlässigkeit führen; wegweisend sind anamnestische Angaben

Ulcus cruris (Ulkus am Bein)

Die Differenzialdiagnostik der Ulzera erfolgt nach der Ursache.

Arterielles Ulkus Ulkus:arterielles
  • Lokalisation: Zehen, Füße, lateraler Unterschenkel

  • Symptome: starke Schmerzen, Haut ist atroph, ohne Behaarung, blass-livide, trocken und kühl

  • Anamnese: Risikofaktoren der Arteriosklerose oder andere arteriosklerotische Folgeerkrankungen vorhanden

Venöses Ulkus Ulkus:venöses
  • Lokalisation: innere, selten äußere Fußknöchelregion, medialer Unterschenkel

  • Symptome: mäßige Schmerzen, Ödeme, erweiterte Venen, Haut ist zyanostisch und zeigt Hyperpigmentierungen, warme Extremität

  • Anamnese: meist jahrelange venöse Leiden

Diabetisches Ulkus Ulkus:diabetisches
  • Lokalisation: v. a. Druckstellen der Plantarseite der Füße

  • Symptome: kaum Schmerzen, aber Parästhesien, Dysästhesien, „burning feet“ (Polyneuropathie), Reflexe ↓, Haut ist trocken, meist warm und haarlos

  • Anamnese: jahrelanges Diabetesleiden

Extremitätenrötung

Die Einteilung der Differenzialdiagnosen der Extremitätenrötung erfolgt nach der Ursache.

Entzündlich
Erythema nodosumErythema nodosum: schmerzhafte Knoten am Unterschenkel, meist bei Sarkoidose (Löfgren-Syndrom), Streptokokkenerkrankungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Infektiös
  • ErysipelErysipel: akute bakterielle Entzündung der Kutis, die durch scharf begrenzte, flammende Rötung gekennzeichnet ist; begleitend finden sich ein schweres Krankheitsgefühl, systemische Entzündungszeichen ↑, ASL ↑

  • PhlegmonePhlegmone: eitrige Infektion der Weichteile (durch Staphylo-, Streptokokken), die sich diffus im Gewebe ausbreitet; starke Schwellung, Schmerzen, Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Entzündungszeichen ↑

  • ThrombophlebitisThrombophlebitis (3.1.4): lokale Entzündungsymptome entlang einer oberflächlichen Vene

  • LymphangitisLymphangitis: lokale Entzündungssymptome entlang eines Lymphgefäßes

Stauung
  • StauungsdermatitisStauungsdermatitis bei CVICVI (3.2.7): eindrückbare Knöchel- oder Unterschenkelödeme, Hyperpigmentierungen am distalen Unterschenkel, ggf. Atrophie blanche, venöse Ulzera und sichtbare Varizen

  • Tiefe BeinvenenthromboseBeinvenenthrombose (3.2.8): i. d. R einseitige Schwellung, Rötung, Schmerzen, Überwärmung der unteren Extremität, sichtbare oberflächliche Venenzeichnung (Pratt-Warnvenen)

Trauma
Hämatom: wegweisend sind anamnestische Angaben und Inspektionsbefund
Hämorrhagische Diathese
  • PetechialePetechien Blutungen: häufig am Unterschenkel lokalisiert, u. a. bei Gefäßerkrankungen oder Thrombozytenfunktionsstörungen; wegweisend sind Anamnese, Inspektion und laborchemische Befunde

  • Große, scharf begrenzte Blutungen z. B. bei Gerinnungsfaktormangel: wegweisend sind anamnestische Angaben über Vorerkrankungen (Leberzirrhose, Hämophilie), medikamentöse Therapie mit Antikoagulanzien und Inspektion

Thrombophlebitis und Phlebothrombose (tiefe Beinvenenthrombose)

Die Differenzialdiagnostik von Thrombophlebitis und tiefer Beinvenenthrombose erfolgt im Hinblick auf Lokalisation, Symptome und Komplikationen (Tab. 3.1).

pAVK und akuter Extremitätenverschluss

Die Differenzialdiagostik einer pAVK und einem akuten Extremitätenverschlusses erfolgt im Hinblick auf die Ursache, Symptome und Verlauf (Tab. 3.2).

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Arterielle Hypertonie

Hypertonie Definition arterielle Hypertonie
Erhöhung des Blutdrucks auf Werte von ≥ 140/90 mmHg. Die Hypertonie ist Folge eines erhöhten Herzzeitvolumens und/oder eines erhöhten peripheren Widerstandes. Sie kann in die primäre (90 % der Fälle und ohne erkennbare Ursache) und sekundäre (10 % der Fälle und auf andere Erkrankungen zurückzuführen) Hypertonie eingeteilt werden.
Schweregrade (Tab. 3.3)
Stadieneinteilung nach WHO-Kriterien
  • Stadium I: keine Organveränderungen

  • Stadium II: Organbeteiligung (u. a. Linksherzhypertrophie, Veränderungen an Netzhautarterien, Proteinurie)

  • Stadium III: Organschäden (Angina pectoris, Herzinfarkt, Linksherzinsuffizienz, Schlaganfall, Netzhautblutungen, pAVK, Niereninsuffizienz)

Leitsymptome
  • Häufig keine vorhanden

  • Typisch ist der frühmorgendliche Kopfschmerz im Okziput

Begleitsymptome
  • Schwindel, Ohrensausen

  • Nasenbluten

  • Belastungsdyspnoe

  • Nervosität, Herzklopfen

  • Schlafstörungen

  • Komplikationen:

    • Maligne Hypertonie: diastolisch > 120 mmHg

    • Hypertensive Krise: > 230/130 mmHg ohne Endorganschaden

    • Hypertensiver Notfall: systolisch > 230 mmHg oder kritischer Blutdruckanstieg mit Endorganschaden, z. B. neurologische Ausfälle durch Enzephalopathie, Angina pectoris, Herzinfarkt, Lungenödem, Visuseinbuße

    • Entwicklung einer vorzeitigen Arteriosklerose, Nierenschädigung, Retinopathie

Therapie
  • Hypertensive Krise und hypertensiver Notfall: Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.3.5)

  • Allgemeinmaßnahmen:

    • Gewichtsnormalisierung, körperliche Bewegung

    • Salzarme, kaliumreiche Diät und mediterrane Kost

    • Nikotin-, Kaffeeverzicht, Alkoholreduktion

    • Behandlung von Co-Erkrankungen wie Diabetes oder Hyperlipidämie

  • ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten, β-Blocker, Diuretika

Hypotonie

DefinitionHypotonie
Erniedrigung des systolischen Blutdrucks auf < 100 mmHg. Die Hypotonie kann eingeteilt werden in eine primäre (ohne Krankheitswert), sekundäre (auf Herzerkrankungen, endokrine Störungen, lange Bettlägrigkeit zurückzuführen) und orthostatische (gestörte Blutdruckregulation) Hypotonie.
Leitsymptome
  • Primäre Hypotonie:

    • Leistungsknick, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten

    • Lange „Anlaufzeit“ am Morgen

    • Depressive Verstimmungen

    • Kalte Hände und Füße

  • Orthostatische Hypotonie:

    • Schwindel bis hin zur orthostatischen Synkope

    • Kopfschmerzen, Tinnitus

    • Herzklopfen, thorakales Beklemmungsgefühl

Therapie
  • Fahndung nach Ursachen und deren Behandlung

  • Erhöhte Kochsalz- und Flüssigkeitszufuhr

  • Kreislauftraining, Kneipp-Güsse, Wechselduschen

  • Langsames Aufstehen nach dem Liegen, Bücken, Knien

  • Kompressionsstrümpfe

  • Sympathomimetika

Schock

Definition Schock
Peripheres Kreislaufversagen mit Verminderung der Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe bei erhaltenem Sauerstoffangebot und Ansammlung toxischer Metaboliten. Man unterscheidet folgende Schockarten:
  • Hypovolämischer Schock: z. B. durch Blut-, Plasmaverlust, Erbrechen, Diarrhö

  • Kardiogener Schock: Verminderung der Pumpleistung des Herzens z. B. durch Herzinfarkt, Lungenembolie

  • Septischer Schock: generalisierte Mikrothrombenbildung durch Infektion mit (meist gramnegativen) Keimen

  • Anaphylaktischer Schock: Gerfäßerweiterung durch Mastzelldegranulation und Histaminüberschwemmung; keine Zentralisation

  • Neurogener Schock: Störung zentraler Kreislaufzentren z. B. durch ZNS-Schädigung, Schädigung der sympathischen Bahnen; keine Zentralisation

Leitsymptome
  • Stadium I: durch die Sympathikusaktivierung und Katecholaminwirkung feuchte, kühle, blasse Haut (Ausnahme septischer Schock), Zittern, Frieren, Blutdruck normal oder leicht erniedrigt, Herzrhythmusstörungen (v. a. beim kardiogenen Schock)

  • Stadium II: Puls > 100, RR < 100 mmHg (systolisch), Durst, Oligurie durch reduzierte Filtrationsrate

  • Stadium III: RR < 60 mmHg, Pulsus filiformis, schnelle und flache Atmung, Bewusstseinsstörung, Anurie

Diagnostik
  • SchockindexSchockindex = Pulsfrequenz ÷ systolischer Blutdruck (Merkhilfe: Pussy)

  • Schockindex = 1: Schockgefahr

  • Schockindex > 1,0: manifester Schock

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.3.6, 20.3.7, 20.3.8, 20.3.9, 20.3.10)

Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)

Definition pAVK
Chronische Lumeneinengung von Arterien, die durch Arteriosklerose entsteht.periphere arterielle Verschlusskrankheit
Leitsymptome und Stadieneinteilung nach Fontaine
  • Symptome abhängig vom Grad des Verschlusses, der Lokalisation der Stenose oder des Verschlusses und der Ausbildung von Kollateralgefäßen

  • Stadium I: keine Symptome trotz nachgewiesener Stenose

  • Stadium IIa: keine Schmerzen in Ruhe, Beschwerden nach einer Gehstrecke > 200 m (Claudicatio intermittens)

  • Stadium IIb: Belastungsschmerz (Claudicatio intermittens) nach einer Gehstrecke < 200 m

  • Stadium III: Ruheschmerzen, besonders nachts oder bei hochgelagertem Bein

  • Stadium IV: Nekrose (Gangrän)

Begleitsymptome
  • Periphere Pulse bis zur einen Einengung von weniger als 90 % tastbar

  • Trophische Störungen: Muskelatrophie, trockene, dünne, kühle Haut

  • Beine eher blass oder zyanotisch

  • Ratschow-Test positiv

Therapie
  • Risikofaktoren der Arteriosklerose minimieren

  • Sorgfältige Fußpflege

  • In den Stadien I und II Gehtraining bis zur Schmerzgrenze

  • In den Stadien III und IV chirurgische Therapie

AVK der Bauchgefäße

Definition AVK der Bauchgefäße
Chronische Lumeneinengung der Baucharterien, die durch Arteriosklerose entsteht.
Leitsymptome und Stadieneinteilung
  • Stadium I: symptomlose Lumeneinengung der A. mesenterica superior und/oder inferior

  • Stadium II: Angina abdominalis mit postprandialen Schmerzen, die ischämisch bedingt sind

  • Stadium III: wechselnde Dauerschmerzen, Malabsorptionssysndrom, ischämische Kolitis

  • Stadium IV: Darminfarkt, der in 3 Phasen verläuft:

    • Stärkste Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, zunächst erhaltene Peristaltik

    • Freies Intervall („fauler Friede“)

    • Akutes Abdomen mit Peritonitis, Sepsis und Schock, blutigem Stuhl

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.3.12)

Varikosis

Definition Varikosis
KrampfaderleidenKrampfadern mit Erweiterung und Knotenbildung der oberflächlichen Venen. Sie können als BesenreiservarizenBesenreiservarizen, Stammvarizen oder Insuffizienz der Perforansvenen in Erscheinung treten.
Leitsymptome
  • Besenreiservarizen: machen in der Regel keine Symptome, sind aber kosmetisch störend

  • Stammvarizen: Schweregefühl, Schmerzen und Brennen in den Beinen, Ödembildung, Besserung bei Hochlagerung des Beines

Therapie
  • Bewegung: Sitzen und Stehen meiden, Laufen und Liegen bevorzugen

  • Kompressionsverbände oder -strümpfe

  • Verödung, Operation (Varizenstripping)

Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)

Definition CVI
Insuffizienz der Venenklappen, die zum Rückstau venösen Blutes führt und mit einer intraluminalen Druckerhöhung einhergeht. Häufigste Ursachen sind Varikosis, postthrobotisches Syndrom und insuffiziente Wadenmuskelpumpe.chronisch venöse Insuffizienz
Leitsymptome und Stadieneinteilung
  • Stadium I: Ödembildung am Knöchel (v. a. abends), Zyanose, prominente Venen am lateralen und medialen Knöchel

  • Stadium II: Dauerödem, Hyper- und Depigmentierung, Hautsklerose, Zyanose

  • Stadium III: Ulcus cruris venosum, v. a. in Innenknöchelbereich

  • In der körperlichen Untersuchung Trendelenburg- und Perthes-Test positiv

Therapie
  • Klärung der Ursachen

  • Kompressionsverbände

  • Ulkusversorgung, Vorstellung in der Wundambulanz, evtl. chirurgische Therapie

Tiefe Beinvenenthrombose (Phlebothrombose)

Definition Phlebothrombose
Verlegung der tiefen Beinvenen durch einen Thrombus. Kann bei verlangsamter Strömungsgeschwindigkeit, veränderter Blutzusammensetzung oder Endothelschäden (Virchow-TriasVirchow-Trias) auftreten. Hauptrisikofaktoren sind v. a. Adipositas, Immobilisation, Operationen, Östrogenzufuhr, Nikotinabusus, Tumorerkrankungen, lange Reisen („economy class syndrome“).tiefe Beinvenenthrombose
Leitsymptome
  • Schmerzen (besonders beim Gehen und Stehen), Schwellung und Spannungsgefühl im betroffenen Bein

  • Überwärmung und rötlich-livide Verfärbung des Beines

  • Sichtbare oberflächliche Venen (Pratt-Warnvenen), Umfangsdifferenz, positive Meyer-, Payr- und Homanns-Zeichen

Begleitsymptome
  • Fieber, Abgeschlagenheit

  • Komplikationen: Lungenembolie, postthrombotisches Syndrom, Thromboserezidiv

Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.3.13)

  • Bis zum Eintreffen des Notarztes: Hochlagerung der Extremität

Merke

In der Hälfte der Fälle findet sich bei Diagnosestellung der tiefen Beinvenenthrombose gleichzeitig eine Lungenembolie. Beckenvenenthrombosen embolisieren eher als Bein- oder Armvenenthrombosen.

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