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B978-3-437-58765-8.00013-1

10.1016/B978-3-437-58765-8.00013-1

978-3-437-58765-8

Geschlechtsorgane

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Eine 26-jährige Patientin stellt sich wegen akuter rechtsseitiger Unterbauchschmerzen seit 2 Tagen und Fieber vor. Begleitet werden die Schmerzen von Übelkeit. Die Patientin hat heute zweimal erbrochen.

Miktionsstörungen im Sinne einer Pollakisurie, Dysurie oder Algurie bestehen nicht. Auf Nachfrage seit 4 Tagen vaginaler grünlicher Ausfluss, letzter Stuhlgang gestern. Eine Schwangerschaft ist unwahrscheinlich (regelrechte Einnahme der Ovulationshemmer), letzte Periodenblutung ohne Auffälligkeiten, heute ist der 8. Zyklustag.

Vor 9 Tagen ungeschützter Geschlechtsverkehr (Zufallsbegegnung). Letzte gynäkologische Untersuchung vor 6 Monaten (PAP II).

Vorgeschichte

Rezidivierende Zystitiden

Untersuchungsbefund

Abdomen inspektorisch unauffällig. Spärliche Darmgeräusche über allen vier Quadranten. Abdomen-Perkussion besonders im rechten unteren Quadranten schmerzhaft, dort tympanitischer Klopfschall. Abdomen mäßig weich, starke Druckschmerzen im rechten Unterbauch, McBurney, Lanz-Punkt und Blumberg-Zeichen positiv, Psoas- und Rovsing-Zeichen negativ. Regelrechte rektale Untersuchung. Nierenlager nicht klopfdolent, U-Stix-Untersuchung ohne pathologischen Befund. In der gynäkologischen Untersuchung sichtbare Eitermenge an der Vulva, starker Portioschiebeschmerz. RR 120/70 mmHg, HF 76/Min., Temperatur 38,4 °C.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

Akute AdnexitisAdnexitis (13.2.7). Typisch für die Adnexitis sind ein- oder beidseite Unterbauchschmerzen, Fieber und vaginaler Ausfluss. Der ungeschützte Geschlechtsverkehr spricht ebenfalls für diese Verdachtsdiagnose. Übelkeit und Erbrechen können als Zeichen einer peritonealen Reizung angesehen werden. Die positiven McBurney, Lanz-Punkt und Blumberg-Zeichen sind typisch für die Appendizitis, aber ebenfalls für die Adnexitis (wegen der anatomischen Nachbarschaft). Ein starker Portioschiebeschmerz und sichtbare Eiterstraßen an der Vulva stützen die Verdachtsdiagnose.

Differenzialdiagnosen

  • Appendizitis: nicht auszuschließen, da McBurney-, Lanz-Punkt und Blumberg-Zeichen positiv; v. a. der vaginale Ausfluss sprechen jedoch für eine akute Adnexitis

  • Morbus Crohn: nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich wegen fehlender typischer Symptome wie Diarrhö, chronischer Verlauf usw.

  • Zystitis, akute Pyelonephritis: eher unwahrscheinlich wegen regelrechter Urinuntersuchung und fehlender Klopfschmerzen im Nierenlager

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Vaginaler Abstrich: Bestimmung der Keime

  • Sonografie des Abdomens und der inneren Geschlechtsorgane: Sicherung der Diagnose

  • Labor: Ausschluss von Hepatitis B, C, Lues, HIV (nach der Inkubationszeit)

Therapie

  • Zum Gynäkologen verweisen; für den Heilpraktiker besteht wegen anzunehmender Geschlechtskrankheit ein Behandlungsverbot

  • Antibiotische Therapie

  • Aufklärung über die Risiken von ungeschützten sexuellen Kontakten

Differenzialdiagnostik

Skrotalschwellung

Die Differenzialdiagnostik der Skrotalschwellung erfolgt nach skrotalen (in Anlehnung an anatomische Strukturen) und abdominalen Ursachen.

Urologische, skrotale Ursachen
  • HydrozeleHydrozele: schmerzloses prall-elastisches Skrotum, Diaphanoskopie positiv

  • VarikozeleVarikozele: schmerzlose Schwellung, weite venöse Gefäße, wurmartige Strukturen

  • SpermatozeleSpermatozele: schmerzlose, fluktuierende Schwellung

  • HodentumorHodentumor (13.2.6): schmerzlose, langsam an Größe zunehmende Schwellung, regionale Lymphknotenschwellung (paraaortale Lymphknoten), B-Symptome

  • EpididymitisEpididymitis (13.2.5): akuter Beginn, Druckschmerzhaftigkeit, Skrotum oft gerötet, gleichzeitig oft Prostatitis

  • HodentorsionHodentorsion (13.2.4): akuter Beginn, stärkste Schmerzen, Skrotum oft gerötet, betroffene Seite oft hochgezogen, Prehn-Zeichen negativ

Abdominale, extraabdominelle Ursachen
  • Hernie: Hustenanprall am palpierenden Finger, evtl. Darmgeräusche auskultierbar

  • Skrotalödem: meist im Rahmen generalisierter Ödeme bei Herzinsuffizienz, Niereninsuffizienz, selten durch Filarieninfektion

Unterbauchschmerzen der Frau

Die Einteilung der Unterbauchschmerzen bei der Frau erfolgt nach gynäkologischen und abdominalen Ursachen.

Gynäkologische Ursachen
  • AdnexitisAdnexitis (13.2.7): Infektion meist während der Menstruation, akute Unterbauchschmerzen, Fieber, gelblich-grünlicher Fluor, Übelkeit und Erbrechen bei Begleitperitonitis, Portioschiebeschmerz

  • TubenrupturTubenruptur durch Extrauteringravidität: plötzlicher, heftiger Schmerz, Schockzeichen, meist sekundäre Amenorrhö

  • OvarialtumorOvarialtumor (13.2.12): uncharakteristische Unterbauchschmerzen, Bauchumfangszunahme durch malignen Aszites, Blasenentleerungsstörungen, B-Symptome

  • OvarialzysteOvarialzyste: je nach Größe meist keine oder leichte ziehende Schmerzen

  • Stielgedrehte Ovarialzyste: plötzliche, einseitige, heftige Schmerzen, Begleitperitonitis durch Unterbrechung der Blutzufuhr

  • ZystenrupturZystenruptur: plötzliche, einseitige, heftige Schmerzen

Abdominelle, extraabdominale Ursachen
  • AppendizitisAppendizitis: Schmerzen zunächst im Epigastrium, dann periumbilikal, später im rechten Unterbauch; rektal-axillärer Temperaturunterschied und positive Appendizitiszeichen (Psoas-, Blumberg-, Lanz-, McBurney- und Rovsing-Zeichen)

  • Morbus CrohnMorbus Crohn: schleimig-eitrige Durchfälle, Bauchschmerzen, Stenosesymptomatik, Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen, Entzündungssymptome

  • Colitis ulcerosaColitis ulcerosa: blutig-schleimige Durchfälle, Tenesmen, Entzündungssymptome

  • IleusIleus: je nach Ileusart starke Schmerzen, Wind- und Stuhlverhalt, Meteorismus, Veränderung der Darmgeräusche (hochgestellte oder fehlende Geräusche)

  • ZystitisZystitis, PyelonephritisPyelonephritis: bei der Zystitis Dysurie, Algurie, Pollakisurie, ggf. Hämaturie, kein Fieber, im U-Stix pH-Alkalisierung, Nitrit, Leukozyten positiv; bei der Pyelonephritis zusätzlich septische Temperaturen, Rückenschmerzen, im Urinsediment Leukozytenzylinder

  • UrolithiasisUrolithiasis: beim Steinabgang wandernde kolikartige Schmerzen vom Rücken bzw. den Flanken ausgehend, die sich in Unterbauch, Leiste und Genitalien verlagern, häufig Mikro- oder Makrohämaturie

  • HernieHernie: Hustenanprall am palpierenden Finger, evtl. Darmgeräusche auskultierbar

  • PeritonitisPeritonitis: akute stärkste Bauchschmerzen, brettharte Bauchdecke, Darmparalyse, systemische Entzündungszeichen, Symptome der Grunderkrankung

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Prostatitis

Definition Prostatitis
Entzündung der Prostata, die meist bakteriell bedingt und auf eine aufsteigende Infektion zurückzuführen ist.
Leitsymptome
  • Dumpfe Schmerzen im Dammbereich und in der Leistenregion mit Ausstrahlung in den Hoden und Nebenhoden

  • Schmerzen bei der Defäkation

  • Dysurie, Pollakisurie, Nykturie, Schmerzen v. a. am Ende der Miktion

  • Pyospermie (eitriges Ejakulat), Hämatospermie (blutiges Ejakulat)

  • Bei der rektalen Untersuchung ist die Prostata geschwollen und schmerzhaft tastbar

Begleitsymptome
  • Allgemeinsymptome: Krankheitsgefühl

  • Fieber, Schüttelfrost

Therapie
Antibiotika

Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

benigne Prostatahyperplasie Definition BPH
Vergrößerung und Vermehrung des periurethralen Prostatagewebes mit resultierender Obstruktion der Harnwege.
Leitsymptome
  • Abgeschwächter Harnstrahl

  • Verlängerte Miktionsdauer

  • Dysurie, Nykturie, Restharn

Begleitsymptome
  • Überlaufblase

  • Komplikationen: akuter Harnverhalt, postrenales Nierenversagen, Hydronephrose

Therapie
  • Medikamentös (α-Blocker, Finasterid; Sägepalmenfrüchte, Kürbiskerne, Brennnesselwurzel)

  • Operation

Prostatakarzinom

Definition Prostatakarzinom
Neubildung der Prostata. Häufigstes Karzinom bei Männern > 65 Jahre.
Leitsymptome
  • Frühstadium: keine Symptome, häufig Zufallsbefund

  • Fortgeschrittenes Stadium: Hämaturie, Miktionsstörungen, Kreuzschmerzen durch Knochenmetastasen; bei der rektalen Untersuchung harte und höckerige Prostata; im Laborbefund PSA ↑

Begleitsymptome
B-Symptome
Therapie
  • Operative Tumorentfernung

  • Bestrahlung

  • Antiandrogene

Hodentorsion

Definition Hodentorsion
Drehung des Hodens um seine Längsachse mit Drosselung der Durchblutung. Die Hodentorsion betrifft in der Regel Kinder und heranwachsende Jugendliche.
Leitsymptome
  • Plötzlicher skrotaler Schmerz im betroffenen Hoden, der in die Leiste und in den Unterbauch zieht

  • Schwellung, Rötung, Hodenhochstand

  • Prehn-Zeichen negativ (keine Schmerzlinderung beim Anheben des Hodens)

Begleitsymptome
  • Schocksymptome

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Komplikation: Hodenatrophie → Infertilität

Therapie
Notfall (Operation) → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.10.1)

Orchitis, Epididymitis

Orchitis Definition Epididymitis
Entzündung des Hodens als Begleiterkrankung bei systemischen viralen Erkrankungen (u. a. Mumps, Coxsackie-Viren, Mononukleose) oder im Rahmen aufsteigender urogenitaler Entzündungen vom Nebenhoden (Epididymorchitis) auf die Hoden übergreifend.
Leitsymptome
  • Plötzliche, heftige Schmerzen mit Ausstrahlung in Leiste und/oder Rücken

  • Schwellung, Rötung, Überwärmung, Fieber

Begleitsymptome
  • Begleitende Prostatitis

  • Komplikationen: Vernarbung des Hodenparenchyms mit Sterilität, Abszessbildung, septischer Verlauf

Therapie
  • Bettruhe, Analgetika

  • Antibiotika

  • Gegebenenfalls operative Versorgung bei Abszessen

Hodentumor

Definition Hodentumor
Bösartige Neubildung des Hodens. Häufigster maligner Tumor bei jungen Männern (20–45 Jahre).
Leitsymptome
  • Schmerzlose, einseitige Hodenschwellung

  • Schweregefühl im Skrotum

  • Begleithydrozele um den Tumor

Begleitsymptome
  • B-Symptome

  • Gynäkomastie bei hormonproduzierenden Tumoren

  • Lymphogene Metastasierung in die paraaortalen Lymphknoten, hämatogene Metastasierung in die Lunge

Therapie
  • Operative Entfernung

  • Radiochemotherapie

  • Vor Beginn der Therapie Kryokonservierung von Sperma

Adnexitis

Definition Adnexitis
Entzündung (ein- oder beidseitig) der weiblichen Adnexe (Eileiter und Ovar) meist durch aufsteigende Infektion.
Leitsymptome
  • Fieber, Schmerzen im Unterbauch (einseitig oder beidseitig), peritoneale Reizung

  • Dysurie, eitriger Ausfluss (Fluor vaginalis)

Begleitsymptome
  • Darmkoliken und Stuhlveränderungen bei Darmbeteiligung

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Gar keine oder unspezifische Beschwerden bei chronischen Verlaufsformen

  • Komplikationen: Abszess, Peritonitis, septischer Schock, Tubenverklebung, Sterilität, Tubargravidität

Therapie
Antibiotika

Endometriose

Definition Endometriose
Endometriumähnliches verstreutes Gewebe außerhalb der Uterusschleimhaut, das im menstruellen Zyklus die gleichen Veränderungen durchmacht wie das normale Endometrium. Am häufigsten zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und nach der Menopause sistierend.
Leitsymptome
  • Unterbauchschmerzen perimenstruell

  • Kreuzschmerzen, Defäkationsbeschwerden, Kohabitationsschmerzen

Begleitsymptome
  • Zyklusabhängige Hämaturie, Dysurie bei Herden in der Harnblase

  • Verlängerte Menstruation

  • Komplikationen: Tubenverklebung, Sterilität, Tubargravidität, Rezidive

Therapie
  • Operative Entfernung einzelner Herde

  • Hormonelle Therapie mit Gestagenen

  • Schwangerschaft

Myom

Definition Myom
Gutartiger Tumor aus glatten Muskelzellen und bindegewebigen Anteilen, der sich durch östrogenabhängiges Wachstum auszeichnet. Am häufigsten zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr und nach der Menopause sistierend.
Leitsymptome
  • Blutungsstörungen

  • Unterbauchschmerzen

  • Miktionsstörungen (Pollakisurie), Obstipation

Begleitsymptome
  • Erschwerte Konzeption oder Sterilität

  • Eventuell tastbarer Tumor im Unterbauch

  • Komplikationen: Anämie, Harnstauung, Stieldrehung

Therapie
  • Medikamentös mit Gestagenen oder Antiöstrogenen

  • Operative Entfernung bei Komplikationen

Zervixkarzinom

Definition Zervixkarzinom
Bösartige Neubildung des Gebärmutterhalses.
Leitsymptome
  • Erst ab einer gewissen Größe und Ulzeration des Tumors

  • Bräunlicher Fluor und/oder unregelmäßige Blutabgänge

  • Kontaktblutung beim Geschlechtsverkehr

Begleitsymptome
  • Schmerzen (eher selten) bei Infiltration der Nachbarorgane

  • Lymphabflussstörungen

  • B-Symptome

Therapie
  • Operative Entfernung

  • Bestrahlung

  • Präventiv: regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, Abstrich (nach Papanicolaou)

Endometriumkarzinom (Korpuskarzinom)

Endometriumkarzinom Definition Korpuskarzinom
Gebärmutterkrebs. Häufigste maligne Neubildung der Frau im Genitaltrakt, am häufigsten nach der Menopause.
Leitsymptome
  • Postmenopausal: vaginaler Blutabgang

  • Prämenopausal: verlängerte Blutung, Zwischenblutung, Dauerblutung, Schmierblutung

  • Wehenartige Unterbauchschmerzen

  • Dunkler, übel riechender Fluor

Begleitsymptome
B-Symptome
Therapie
  • Operative Entfernung (Hysterektomie)

  • Strahlentherapie

Ovarialtumor

Definition Ovarialtumor
Raumforderung in den Eierstöcken. Ovarialtumoren sind insgesamt sehr häufig, wobei 75 % der Tumoren gutartig, der Rest bösartig ist.
Leitsymptome des Ovarialkarzinoms
  • Keine charakteristischen Frühsymptome

  • Zyklusstörungen, Dysmenorrhö, Unterleibs-, Rückenschmerzen

  • Zunahme des Bauchumfangs

Begleitsymptome
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche

  • Bei testosteron-produzierenden Tumoren: Hirsutismus oder Virilisierung

Therapie
  • Operative Entfernung

  • Chemotherapie

Mammakarzinom

Definition Mammakarzinom
Bösartige Neubildung der Mamma. Häufigster Tumor der Frau.
Leitsymptome
  • In 50 % ist der obere, äußere Quadrant betroffen

  • Keine direkten Frühsymptome; als erstes ist ein tastbarer Knoten zu finden

  • Spätzeichen: Einziehung der Haut und der Mamille, Orangenhaut, Hautödem, entzündlich veränderte Haut, Größenveränderung der Brust, Axillaschwellung

Begleitsymptome
  • B-Symptome

  • Selten Schmerzen, Kribbeln und Mamillensekretion

  • Komplikationen: Knochenmetastasen mit Spontanfrakturen, Lymphödem des betroffenen Armes nach Resektion der axillären Lymphknoten, Tumorrezidiv

Therapie
  • Operative Tumorentfernung

  • Radiochemotherapie

  • Hormontherapie bei rezeptorpositiven Karzinomen

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