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B978-3-437-58765-8.00015-5

10.1016/B978-3-437-58765-8.00015-5

978-3-437-58765-8

Differenzialdiagnostik malignes Melanom und Naevus

Tab. 15.1
Kriterium Malignes Melanom Naevus
Asymmetrie Asymmetrisch In der Regel symmetrisch
Begrenzung Unscharf begrenzt Scharf begrenzt
Colorit Verschiedenfarbig In der Regel einfarbig
Durchmesser ≥ 0,5 cm ≤ 0,5 cm
Erhabenheit Unterschiedlich Unterschiedlich

UhrglasnägelUhrglasnägelTüpfelnägelTüpfelnägelTrommelschlägelfingerTrommelschlägelfingerQuerfurchenQuerfurchenOnychoschisisOnychoschisisOnychorrhexisOnychorrhexisOnycholyseOnycholyseOnychogryposeOnychogryposeÖlfleckeÖlfleckeLeukonychieLeukonychieKrümelnägelKrümelnägelKoilonychieKoilonychieNagelveränderungen

Tab. 15.2
Nagelveränderung Symptomatik Ursachen
Trommelschlägelfinger
  • Runde Auftreibung der Endglieder der Finger

  • Weichteilverdickung

  • Schwellung des Nagelbetts

  • Sauerstoffmangel durch z. B. Lungenerkrankungen

  • Herzerkrankungen

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

  • Leberzirrhose

  • Paraneoplastisch beim Bronchialkarzinom

Uhrglasnägel Starke Wölbung in Längs- und Querrichtung durch Schwellung des Nagelbetts
  • Lungenerkrankungen

  • Herzerkrankungen

  • Colitis ulcerosa

Koilonychie
  • Löffelnägel

  • Konkave Form der Nägel mit abgehobenen Rändern

  • Angeboren

  • Eisenmangelanämie

  • Akromegalie

  • Hypothyreose

  • Pilzinfektionen

  • Trauma

Leukonychie Partielle oder totale Weißfärbung der Nägel
  • Angeboren

  • Verletzungen

  • Intoxikationen (Thallium, Arsen)

  • Leberzirrhose

  • Colitis ulcerosa

  • Pilzinfektion

Querfurchen (Beau-Reil-Furchen) Quer angeordnete Rillen, die meist durch einen Wachstumsstopp entstehen
  • Abgelaufene schwere systemische Erkrankungen

  • Chemotherapie

  • Verletzungen

Onychoschisis Lamellenartige, schichtweise Aufsplitterung der Nägel
  • Häufiges Benutzen von chemischen Externa (Waschpulver)

  • Verstärkte Beanspruchung

Onychorrhexis Längseinrisse in der Nagelplatte
  • Lebererkrankungen

  • Anämie

  • Lichen ruber

Onychogrypose Wuchernde, verdickte Nägel, meist mit Querrillen
  • Mangelnde Hygiene

  • Verletzungen

Onycholyse Partielle oder komplette Ablösung der Nagelplatte
  • Verletzungen

  • Nagelinfektionen

  • Hyperthyreose

  • Diabetes mellitus

Tüpfelnägel Punktuelle Einsenkungen in der Nagelplatte Psoriasis
Ölflecke Gelbliche Verfärbung der Nagelplatte Psoriasis
Krümelnägel Krümelig zerfallender Nagel durch Bildung parakeratotischer Massen Psoriasis

Haut

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Ein 19-jähriger Patient stellt sich wegen neu aufgetretener, stark schuppender Hautveränderungen retroaurikulär, am Okziput und den Streckseiten der Ellenbogen vor. Die Erscheinungen bestehen seit 3 Monaten und haben sich innerhalb von 3 Wochen entwickelt. Subjektiv verspürt der Patient zeitweise leichtes Brennen an den betroffenen Arealen, Juckreiz besteht nicht. Ferner berichtet der Patient, dass sich nach dem Baden die Schuppen „im Ganzen“ lösen lassen, wobei eine hochrote, glänzende Stelle in Erscheinung tritt. Auf Nachfrage werden Gelenkschmerzen, Augenschmerzen oder neu aufgetretene Veränderung der Nägel verneint.

Medikamenten- und Sexualanamnese sind leer.

Vorgeschichte

Vor 4 Monaten eitrige Angina (antibiotisch behandelt)

Untersuchungsbefund

Hinter beiden Ohren und okzipital multiple scharf begrenzte, münzgroße, entzündliche Herde mit einer weiß-gelblichen Schuppung. Über den Streckseiten der Ellenbogen finden sich eine scharf begrenzte, handtellergroße schuppende Hauterscheinung auf gerötetem Grund. Die übrige Haut, besonders Streckseiten der Knie, Sakrum und Analfalte, ohne pathologische Veränderungen. Keine Nagelveränderungen. Alle Gelenke frei beweglich, ohne Schwellung, ohne entzündliche Affektionen.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

Psoriasis Psoriasis vulgarisvulgaris (15.2.10). Wegweisend sind die typischen Prädilektionsstellen und Effloreszenzen, die sich als scharf begrenzte entzündliche Herde mit silbrig-weißer Schuppung darstellen. Die Ablösung der Schuppen nach dem Baden mit sichtbaren hochroten, glänzenden Arealen ist mit dem Kerzenwachsphänomen und dem Symptom des letzten Häutchens vereinbar.

Differenzialdiagnosen

  • Pilzinfektion (Dermatophyten): muss in der Kulturuntersuchung ausgeschlossen werden (kann als Begleiterkrankung bei Psoriasis auftreten); Lokalisation und klinische Erscheinung sprechen für Psoriasis

  • Lues: unwahrscheinlich, kann aber nicht ausgeschlossen werden

  • Arzneimittelexanthem: eher unwahrscheinlich, weil seit 4 Monaten keine Medikamente eingenommen wurden; mögliche Reaktion auf das Antibiotikum theoretisch möglich, sie tritt allerdings meist akut auf

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Klinisches Bild wegweisend

  • Gegebenenfalls mikroskopische Hautuntersuchung

  • Gegebenenfalls Blutuntersuchung mit Bestimmung von HLA-B27

Therapie

  • Rückfettende Substanzen

  • Kortison, Teerpräparate

  • Bestrahlungstherapie (UVA-Licht)

  • Klimatherapie und Salzwasser (Nordsee, Totes Meer)

Differenzialdiagnostik

Hautveränderungen bei internistischen Erkrankungen

Nachfolgend werden wichtige internistische Erkrankungen und deren kutane Begleitsymptome abgehandelt.

  • Diabetes mellitusDiabetes mellitus: Gesichtsröte, diabetisches Ulkus an den druckbelasteten Fußstellen (Malum perforans), Follikulitis, Erysipel, Candidose, Necrobiosis lipoidica, diabetische Blasenbildung, Pruritus; Polyurie, Polydipsie, Symptome der Mikro- und Makroangiopathie; im Laborbefund Glukose und HbA1c

  • Cushing-SyndromCushing-Syndrom: dünne, verletzliche Haut, Teleangiektasien, Purpura, Hirsutismus, Striae, Steroidakne, Fettumverteilung (Stammfettsucht), Mondgesicht, Gesichtsröte; Hypertonie, diabetische Stoffwechsellage, rezidivierende Infekte

  • HyperthyreoseHyperthyreose: Haarausfall, dünne Haare, prätibiales Ödem, generalisierter Pruritus, Hyperhidrosis

  • HypothyreoseHypothyreose: trockene Haut, generalisiertes Myxödem, trocken-stumpfe Haare

  • LeberzirrhoseLeberzirrhose: Spider naevi, Palmar-, Plantarerythem, Bauchglatze, weibliches Behaarungsmuster, Lackzunge, Lacklippen, Ikterus, selten Caput medusae

  • Morbus AddisonMorbus Addison: diffuser Haarausfall, diffuse Hyperpigmentierung mit Verstärkung in den Handlinien

  • Polycythaemia veraPolycythaemia vera: Juckreiz (besonders nach warmen Bädern), Plethora

  • LeukämieLeukämie, LymphomLymphom: Juckreiz unklarer Ursache

  • NiereninsuffizienzNiereninsuffizienz: Juckreiz, Kratzexkoriationen, grau-blasse Haut, Café-au-Lait-Flecken

  • Weitere: Arzneimittelreaktionen (wegweisend ist die Medikamentenanamnese), psychogene Ursachen (Verstärkung unter Belastungssituationen)

Juckreiz

Die Differenzialdiagnostik des Juckreizes erfolgt nach Haut- und internistischen Erkrankungen.

Hauterkrankungen
  • NeurodermitisNeurodermitis (15.2.8): entzündliche Rötungen, nässende und stark juckende Areale in den Beugeseiten der Extremitäten, chronischer Verlauf; multiple Unverträglichkeiten, IgE ↑, trockene Haut, Kratzexkoriationen

  • UrtikariaUrtikaria: flüchtige, erhabene und stark juckende papulöse Erscheinungen, die nach Stunden wieder verschwinden

  • ExsikkationsekzemExsikkationsekzem: trockene Haut

  • Parasitäre Infektionen, z. B. SkabiesSkabies (15.2.5): Juckreiz v. a. in der Nacht. Prädilektionsstellen sind Schwimmhäute der Hände und Füße, vordere Axilla, Mammae, Genitalregion

Internistische Erkrankungen
  • Akute und chronische LeukämieLeukämie: Anämie, petechiale Blutungen durch Thrombopenie, Infektanfälligkeit, ggf. Milz- und Lymphknotenschwellung

  • LymphomLymphom: Lymphknoten- und Milzschwellung, Anämie, Infektanfälligkeit, B-Symptome

  • Polycythaemia veraPolycythaemia vera: Gesichts- und Extremitätenrötung, Juckreiz v. a. bei Wärme; im Laborbefund Erythrozyten ↑, Hämatokrit ↑, Hämoglobin ↑, Leukozyten ↑, Thrombozyten ↑, BSG ↓

  • Diabetes mellitusDiabetes mellitus: Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte; Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • CholestaseCholestase: Ikterus, ggf. Fieber, Symptome der Leberinsuffizienz und des Gallensteinleidens

  • UrämieUrämie: Symptome der Niereninsuffizienz (Oligourie, Anurie, renale Anämie, Osteopathie, Hypertonie, urämischer Geruch, metabolische Azidose, Ödeme)

Malignes Melanom, Naevus

Die Differenzialdiagnostik des malignen Melanoms und des Naevus' erfolgt nach der ABCDE-ABCDE-RegelRegel (Tab. 15.1).

Erkrankungen der Nägel

Die Differenzialdiagnostik der Erkrankungen der Nägel erfolgt nach der Art der Nägelveränderung, deren möglichen Ursachen und Symptomen (Tab. 15.2).

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Impetigo contagiosa (Borkenflechte)

Impetigo contagiosa Definition Borkenflechte
Bakterielle Infektion der Haut durch Streptococcus aureus oder β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Behandlungsverbot nach § 34 IfSG). Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt. Kurze Inkubationszeit von 2–10 Tagen. Prädilektionsstelle ist das Gesicht.
Leitsymptome
  • Kleinblasige Impetigo (Streptokokken): an befallenen Stellen (Mund, Hals, Axilla) rote Flecken und wassergefüllte Bläschen, später honiggelbe Krusten auf gerötetem Grund

  • Großblasige Impetigo (Staphylokokken): schlaffe Blasen auf gerötetem Grund, die anfangs wasserklar, dann eitrig sind

Begleitsymptome
  • Fieber

  • Lymphknotenschwellung

Therapie
Antibiotika

Erysipel (Wundrose)

Erysipel Definition Wundrose
Akute Hautentzündung, meist durch β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Behandlungsverbot nach § 34 IfSG). Am häufigsten sind Unterschenkel und Gesicht betroffen. Inkubationszeit 1–3 Tage. Risikofaktoren sind Rhagaden und Mazerationen (Eintrittspforte), mykotische Infekte, venöse Abflussstörungen, Lymphödem.
Leitsymptome
  • Scharf begrenzte flammende Rötung (Erythem) mit Schwellung, Überwärmung

  • Hohes Fieber, Schüttelfrost

  • Laborbefund: BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose, ASL-Titer ↑

Begleitsymptome
  • Schweres Krankheitsgefühl, Lymphknotenschwellung

  • Juckreiz

  • Komplikationen: Sepsis, Poststreptokokken-Glomerulonephritis (häufig), rheumatisches Fieber (sehr selten), Meningitis, Hirnabszess, Lymphödem (bei Rezidiven)

Therapie
  • Zum Arzt überweisen

  • Sanierung der Eintrittspforte

  • Penicillin

  • Ruhigstellung des Beines, Sprech- und Kauverbot

Phlegmone

Definition Phlegmone
Durch Staphylokokken oder Streptokokken hervorgerufene eitrige Infektion der Weichteile (Kutis, Subkutis, Muskeln, Sehnen oder Körperhöhlen) mit diffuser Ausbreitung im Gewebe.
Symptome
  • Starke Schwellung, Schmerzen

  • Unscharf begrenzte, livide Verfärbung der Haut

  • Fieber, Schüttelfrost, reduzierter Allgemeinzustand

  • Laborbefund: BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose, ggf. ASL-Titer ↑

Komplikationen
  • Ostitis, Osteomyelitis

  • Septische Streuung

Therapie
  • Sanierung der Eintrittspforte

  • Antibiotika

  • Hochlagerung, Ruhigstellung und Kühlung des betroffenen Bezirks

Pilzinfektionen

Definition Pilzinfektionen
Häufige Hautinfektionen. Werden durch Candidapilze (Hefepilze) oder Dermatophyten hervorgerufen. Haut, Schleimhäute oder Nägel können befallen sein. Die wichtigsten Risikofaktoren sind antibiotische Therapie, schlecht durchlüftete Kleidung, Adipositas, starkes Schwitzen, feuchte Umgebung (Schwimmhallen, Duschbäder), Immunsuppression, Alkoholabusus, Kontakt zu Tieren.
Leitsymptome der Dermatophyteninfektion Dermatophyteninfektion
  • Scharf begrenzte Rötung und Schuppung mit Randbetonung

  • Zentrifugales Wachstum

  • Juckreiz kann unterschiedlich ausgeprägt sein

  • Bei Nagelbeteiligung: Verdickung der Nagelplatte, gelbliche Verfärbung

Leitsymptome der Candidamykose Candidamykose
  • Flächige Rötung mit kleinen Papeln am Rand (Satellitenherde)

  • Mazerierte (aufgeweichte und gerötete) Haut oder Schleimhaut mit weißlichen, abstreifbaren Belägen

  • Vorkommen meist in intertriginösen Räumen (axillar, inguinal)

Therapie
  • Beseitigung der Risikofaktoren

  • Antimykotika

Skabies (Krätze)

Skabies Definition Krätze
Hauterkrankung durch Krätzmilben (Behandlungsverbot nach § 34 IfSG). Übertragung erfolgt über engen Hautkontakt. Prädilektionsstellen sind Schwimmhäute der Hände und Füße, vordere Axilla, Mammae, Genitalregion, Nabelbereich.
Leitsymptome
  • Nächtlicher, sehr starker Juckreiz und brennende Schmerzen an den Prädilektionsstellen

  • Entzündliche Hautläsionen als Papeln, Vesikulae und Krusten

Therapie
  • Antiskabiosa (u. a. Permethrin, Benzylbenzoat)

  • Häufiger Bettwäschewechsel (täglich), Handtuchwechsel (2-mal täglich)

  • Nicht waschbare Textilien, z. B. Plüschtiere, 14 Tage im Plastikbeutel verschließen, dann chemisch reinigen

Systemischer Lupus erythematodes (SLE)

Systemischer Lupus erythematodes Definition SLE
Autoimmunerkrankung, welche die Weichteile betrifft. Meist Frauen betroffen, vermutet wird genetische Prädisposition.
Leitsymptome
  • Arthritis: Befall der kleinen Gelenke an Händen und Füßen meist ohne Destruktion

  • Muskelschmerzen

  • Hauterscheinungen: Schmetterlingserythem, Sonnenunverträglichkeit

  • Beteiligung innerer Organe durch Vaskulitis: am häufigsten Nieren (Lupusnephritis), Gehirn (neuropsychiatrische Symptome) und Herz (Karditis) betroffen

  • Laborbefund: ANA positiv (in 95 %), BSG und CRP ↑

Begleitsymptome
  • Allgemeinsymptome: Fieber, Schwäche, Gewichtsverlust

  • Komplikationen: Nierenversagen, Myokardinfarkt, Apoplex

Therapie
  • Überweisung zum Rheumatologen

  • Schmerzmittel, Glukokortikoide und andere Immunsuppressiva

Merke

Der SLE zählt zu den KollagenosenKollagenosen. Kollagenosen sind Erkrankungen, die vornehmlich das Bindegewebe betreffen. Weitere Kollagenosen:

  • Systemische Sklerodermie (15.2.7)

  • Polymyositis

  • Dermatomyositis

  • Sjögren-Syndrom

  • Sharp-Syndrom (Mischkollagenose)

Systemische Sklerodermie

Definition systemische Sklerodermie
Autoimmunerkrankung des Bindegewebes. Meist Frauen betroffen.
Leitsymptome
  • Hautveränderungen:

    • Schwellung der Finger, Kontrakturen, Nekrose der Fingerkuppen (Rattenbissnekrosen)

    • Mikrostomie (Verkleinerung der Mundöffnung), Tabaksbeutelmund

    • Erweiterte Gefäße (Teleangiektasien)

    • Reduzierte Mimik, gespannte Haut

  • Raynaud-Symptomatik

Begleitsymptome
  • Allgemeinsymptome: Fieber, Schwäche, Gewichtsverlust

  • Arthritis, Muskelschmerzen

  • Beteiligung innerer Organe: Magen-Darm-Trakt (Sklerosierung des Zungenbändchens, Schluckbeschwerden), Lunge (Lungenfibrose), Herz (Myokarditis), Nieren (renale Hypertonie)

Therapie
  • Überweisung zum Rheumatologen

  • Schmerzmittel, Glukokortikoide und andere Immunsuppressiva

Neurodermitis (atopisches Ekzem)

Neurodermitis Definition atopisches Ekzem
Chronisch-rezidivierende Hauterkrankung, die im Rahmen einer Atopie vorkommt. Beginnt häufig im Säuglingsalter.
Leitsymptome
  • Kleinkinder: Befall im Gesicht, Bauch, Windelbereich mit akut nässenden und/oder verkrusteten Hautveränderungen; Haut ist entzündlich gerötet, mit Erosionen und Bläschen versehen

  • Kinder, Jugendliche, Erwachsene: Befall der Beugeseiten steht im Vordergrund mit chronischen Hautveränderungen, Lichenifizierung (Hautvergröberung) und Rhagaden

  • Starker Juckreiz, Kratzspuren

  • Trockene Haut

Begleitsymptome
  • Herthoge-ZeichenHerthoge-Zeichen: Ausfall der lateralen Augenbrauen

  • Dennie-Morgan-InfraorbitalfalteDannie-Morgan-Infraorbitalfalte (doppelte Unterlidfalte)

  • Weißer Dermographismus

  • Wolleunverträglichkeit

  • Komplikationen: Superinfektionen mit Streptokokken, Staphylokokken, Pilzinfekte, Elektrolyt- und Eiweißverlust, Ekzema herpeticatum

Therapie
  • Im akuten Schub Hemmung der Entzündungsreaktion mit Glukokortikoiden, Antibiotika zur Eliminierung der Keime

  • Sorgfältige Hautpflege (fettende Externa, Harnstoffsalben, Tacrolimus)

  • Meidung der (bekannten) Allergene

Quincke-Ödem (Angioödem)

Quincke-Ödem Definition Angioödem
Subkutane Ödembildung an Haut und Schleimhäuten.
Leitsymptome
  • Akut oder chronisch-rezidivierend: Schwellungen im Gesicht (besonders an Lippen, Zunge, Augenlidern), an Handflächen und Fußsohlen

  • Meist kein Juckreiz, aber Schmerzen

Begleitsymptome
  • Sprech-, Schluckschwierigkeiten

  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen

  • Komplikationen: bei Beteiligung der Mundschleimhaut Larynxödem mit Heiserkeit, Dyspnoe und Erstickungsgefahr

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.12.1)

Psoriasis vulgaris

Definition Psoriasis vulgaris
Häufige Hautkrankheit, die mit Entzündung, Schuppung und Hyperproliferation der Epidermis einhergeht. Triggerfaktoren sind Streptokokkeninfekte, Einnahme von Betablockern, Alkohol, Rauchen, Stress.
Leitsymptome
  • Scharf begrenzte, entzündliche Rötung mit silbrig glänzender Schuppung (erythemato-squamöse Herde) unterschiedlicher Größe

  • Befallene Stellen: häufig an den Streckseiten, am okzipitalen Haaransatz, Sakrum und in der Gesäßfalte

  • Nagelveränderungen: Ölflecke, Tüpfel-, Krümelnägel

  • KerzenwachsphänomenKerzenwachsphänomen: abgekratzte Schuppen sehen aus wie Kerzenwachs

  • Phänomen des letzten Häutchens: nach Abkratzen der Schuppe findet sich ein dünnes, trockenes HäutchensPhänomen des letzten Häutchens\: nach Abkratzen der Schuppe findet sich ein dünnes, trockenes Häutchens

  • Auspitz-PhänomenAuspitz-Phänomen: nach Entfernen des letzten Häutchens entstehen punktförmige Blutungen durch Eröffnen der erweiterten Kapillarschlingen

  • Köbner-PhänomenKöbner-Phänomen (isomorpher Reizeffekt): unterschiedliche Reize an der Haut, z. B. Druck, Bestrahlung, Kälte, führen zur Entwicklung psoriatischer Herde

Sonderformen
  • Psoriasis arthropaticaPsoriasis arthropatica: typischerweise Gelenkbefall im Strahl; Phalangen imponieren als „Wurstfinger“ und „Wurstzehen“; andere Gelenksbefallmuster, u. a. wie bei der rheumatoiden Arthritis, möglich

  • Psoriasis pustulosaPsoriasis pustulosa: multiple Pustelbildung durch Leukozytenansammlung (sterile Pusteln)

Therapie
  • Rückfettung, Kortison, Teerpräparate

  • Bestrahlungstherapie (UVA-Licht)

  • Klimatherapie und Salzwasser (Nordsee, Totes Meer)

Basaliom (Basalzellkarzinom)

Basaliom Definition Basalzellkarzinom
Semimaligner, epithelialer Tumor, der auf sonnenexponierter Haut infiltrativ wächst, aber nicht metastasiert. 80 % der Basaliome treten im Gesicht und auf klinisch gesunder Haut auf. Finden sich in der Regel nur auf behaarter Haut. Hauptursachen sind chronische Lichtbestrahlung, Röntgenbestrahlung, chronische Entzündungen.
Einteilung und Leitsymptome
  • Knotiges Basaliom: anfangs hautfarbenes, glänzendes Knötchen; im Verlauf besteht der Herd aus perlschnurartigem Rand, ist mit Gefäßen (Teleangiektasien) durchzogen und zeigt häufig eine zentrale Einsenkung oder Ulzeration

  • Ulzerierendes Basaliom (Ulcus rodens): primär ulzerativ wachsend

  • Sklerodermiformes Basaliom: imponiert als vernarbte Stellen, zeigt im Randbereich knotige Anteile und Gefäßzeichnungen

  • Pigmentiertes Basaliom: lässt sich makroskopsich schwer vom malignen Melanom unterscheiden

  • Destruierendes Basaliom (Ulcus terebrans): ulzerativ wachsendes Basaliom, das infiltrativ in die Tiefe wächst

Merke

Basaliome können sehr unterschiedlich Aussehen, was die Diagnose erschwert. Typisch ist die Gefäßzeichnung.

Therapie
  • Operative Entfernung

  • Bestrahlung

Malignes Melanom

Definition malignes Melanom
Bösartige Neubildung der Melanozyten. 80 % der Melanome entstehen auf klinisch gesunder Haut. Hauptursachen sind UV-Belastung, lichtempfindliche, helle Haut, Sonnenbrände im Kindes- und Jugendalter, genetische Disposition.
Einteilung und Leitsymptome
  • Superfiziell spreitendes Melanom: häufigste Melanomform mit horizontalem Wachstum; Prädilektionsstellen an den Rückseiten der Unterschenkel (Frauen) und am Rücken (Männer)

  • Noduläres (knotiges) Melanom: wächst primär in die Tiefe; Prädilektionsstellen sind die Beine (Frauen) und der Stamm (Männer)

  • Akrolentiginöses Melanom: an den Akren (Hände, Füße) und Schleimhäuten

  • Lentigo-maligna-Melanom: an sonnenexponierten Stellen, unbegrenzte verschiedenfarbige Herde

  • Wichtig für Abgrenzung zu Muttermalen (Naevi) ist die ABCDE-Regel (16.1.3)

  • Suspekt sind: Größenzunahme, Farbveränderung, Schuppung, Juckreiz, Nässen, Blutung, subjektive Aktivitätszunahme

Merke

Es finden sich auch amelanotische Melanome, die ohne Pigmentierung der Haut einhergehen und besonders schwierig zu diagnostizieren sind.

Therapie
Operative Entfernung weit im Gesunden

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