© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-58765-8.00010-6

10.1016/B978-3-437-58765-8.00010-6

978-3-437-58765-8

Hormone und endokrine Organe

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Eine 44-jährige Patientin stellt sich mit Unruhe, Schlaflosigkeit, Tremor, starker Schweißneigung, Wärmeintoleranz, Durchfällen und Gewichtsabnahme von 6 kg seit ca. 4 Wochen vor. Ferner berichtet sie über pulssynchrone Schläfenkopfschmerzen. Auf Nachfrage berichtet sie von einem extrem guten Appetit. Die Patientin klagt über eine neu aufgetretene Reizbarkeit, Nervosität und Ungeduld, sodass es inzwischen zu diversen innerfamiliären Streitigkeiten gekommen ist. Die Medikamentenanamnese ist leer. Täglicher Alkoholkonsum von 1–2 Gläsern Wein am Tag, kein Nikotinkonsum oder illegale Drogen.

Vorgeschichte

Euthyreote Struma seit dem 25. Lebensjahr

Untersuchungsbefund

Haut warm und rosig, an den Handflächen schweißig. Schleimhäute feucht. Kein Exophthalmus. Sichtbare Struma bei normaler Halshaltung. Schluckverschiebliche Schilddrüse, der rechte Lappen erscheint größer. Zervikale Lymphknoten nicht vergrößert tastbar. Lungen-und Herzuntersuchung ohne pathologischen Befund. Abdominale Untersuchung ohne pathologischen Befund, Nierenlager frei.

Bei der orientierenden neurologischen Untersuchung feinschlägiger Tremor an den Fingern beidseits, Eigenreflexe lebhaft. RR 160/70 mmHg, HF 95/Min., Temperatur 38,7 °C.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

HyperthyreoseHyperthyreose (10.2.4). Typische Symptome sind Unruhe, Schlaflosigkeit, Tremor, starker Schweißneigung, Wärmeintoleranz, Durchfälle, Gewichtsabnahme bei gutem Appetit, Nervosität und Reizbarkeit. Die bekannte euthyreote Struma lässt ein autonomes Adenom vermuten. Die Befunde der körperlichen Untersuchung, v. a. warme, schweißige Haut, lebhafte Reflexe, feinschlägiger Tremor, und die Hypertonie mit hoher Blutdruckamplitude sprechen für die Verdachtsdiagnose.

Differenzialdiagnosen

  • Phäochromozytom: erscheint unwahrscheinlich, kann aber definitiv nur durch weiterführende Untersuchungen (Blutuntersuchung, Sammelurin, Sonografie) ausgeschlossen werden; typisch sind ein blasses Gesicht und meist eine paroxysmale Hypertonie

  • Maligne Prozesse: können anamnestisch nicht ausgeschlossen werden, die Symptome sprechen allerdings für eine Hyperthyreose

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Labor: TSH, T3, T4, TRAK, TPO, Elektrolyte, großes Blutbild, Blutzucker, Leber- und Nierenparameter, BSG, CRP; ggf. Sammelurin mit Bestimmung der Vanillinmandelsäure (Abbauprodukte der Katecholamine)

  • Sonografie der Schilddrüse: Bestimmung von Lage und Größe, Nachweis vorhandener Knoten, Echogenität

  • Szintigrafie der Schilddrüse: Ausschluss heißer oder kalter Areale

  • Gegebenenfalls Feinnadelpunktion: bei unklaren Befunden zum Ausschluss maligner Geschehen

  • Sonografie des Abdomens und Röntgen-Aufnahme des Thorax: Ausschluss tumoröser Prozesse

  • EKG: Messung vom Rhythmus, Erregungspathologien, Bestimmung der elektrischen Herzachse

Therapie

  • Zeitnahe Vorstellung beim Internisten

  • Medikamentöse Therapie mit Thyreostatika

  • Gegebenenfalls operative Entfernung der Schilddrüse

Differenzialdiagnostik

Coma diabeticum und hypoglykämischer Schock

Die Differenzialdiagnostik von Coma diabeticum und hypoglykämischem Schock erfolgt nach deren Ursachen und Symptomen.

Differenzialdiagnostik von Coma diabeticum und hypoglykämischem Schock

Tab. 10.1
Coma diabeticum Hypoglykämischer Schock
Ursache
  • Mangelnde Insulinzufuhr

  • Erhöhter Insulinbedarf: Infekt, Diätfehler, Hyperthyreose, Kortisontherapie

  • Überdosierung von Insulin und/oder mangelnde Kohlenhydratzufuhr

  • Magenentleerungsstörungen (v. a. diabetische Gastroparese)

  • Alkoholexzess mit Nahrungskarenz

  • Starke körperliche Belastung

  • Insulinproduzierende Tumoren

Symptomentwicklung Langsam, über Tage Schnell, innerhalb von Minuten
Hunger Reduziert Stark
Durst Stark Reduziert
Muskulatur Hypoton
  • Hyperton

  • Tremor

  • Krämpfe

Haut Trocken Feucht
Atmung
  • Kussmaul-Atmung

  • Azetongeruch

  • Durch Sympathikusaktivierung beschleunigt

  • Kein Azetongeruch

Augenbulbi Weich und eindrückbar Normal
Coma diabeticum Hypoglykämischer Schock
Andere Symptome
  • Fieber

  • Bauchschmerzen durch Pseudoperitonitis

  • Delirähnliche Symptome

  • Neurologische Ausfälle

  • Epileptische Anfälle

  • Eigenreflexe verstärkt

  • Pathologische Reflexe positiv

Therapie Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.8.2) Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.8.1)

Schilddrüsenvergrößerung (Struma)

Die Differenzialdiagnostik der Schilddrüsenvergrößerung erfolgt nach deren Ursachen.

  • Hypothyreose (10.2.5): typisch sind Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Symptome, Hypotonie, Bradykardie, Obstipation, Myxödem; im Laborbefund TSH ↑, T3 und T4

  • HyperthyreoseHypothyreoseHyperthyreose (10.2.4):Tremor, Schlaflosigkeit, Blutdruck ↑, Herzfrequenz ↑, Herzrhythmusstörungen, Gewichtsverlust, Diarrhö, Wärmeintoleranz, Haarausfall; im Laborbefund T3 und T4 ↑, TSH ↓

  • Entzündungen: Fieber, lokale Schmerzen, ggf. Lymphknotenschwellungen und systemische Entzündungszeichen; bei Hashimoto-Thyreoiditis Symptome erst in späten Stadien in Form von Hypothyreose-Symptomen

  • Tumoren: häufig einseitige und harte Struma, regionale Lymphknotenschwellungen, B-Symptome, ggf. Heiserkeit, Horner-Syndrom, obere Einflussstauung

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Akromegalie

DefinitionAkromegalie
Seltene Erkrankung, die mit einer erhöhten Produktion von Wachstumshormonen einhergeht und meist auf ein Hypophysenadenom zurückzuführen ist.
Leitsymptome
  • Veränderung, Vergröberung und Verdickung der Gesichtshaut

  • Vergrößerung des Schädels und der Zunge mit Auseinanderweichen der Zähne

  • Vergrößerung der Hände, Füße und inneren Organe

Begleitsymptome
  • Schleichender Krankheitsbeginn (Vergleich mit alten Fotografien)

  • Kopfschmerzen, Hypertonie

  • Gesichtsfeldeinschränkungen, Sehstörungen

  • Arthropathien, Karpaltunnelsyndrom

  • Eventuell Entwicklung eines sekundären Diabetes mellitus

Therapie
  • Operative Entfernung des Hypophysenadenoms, Bestrahlung

  • Medikamentöse Therapie

Diabetes insipidus

DefinitionDiabetes insipidus
Mangel an antidiuretischem Hormon (ADH) oder fehlende Reaktion der Niere auf ADH mit erhöhtem Harnfluss.
Leitsymptome
  • Polyurie (5–25 l/Tag) mit fehlender Konzentrationsfähigkeit des Harns, bei Kindern Diarrhö

  • Sehr starker Durst und Polydipsie

  • Blutosmolarität ↑, Urinosmolarität ⇊

Therapie
  • ADH-Substitution bei ADH-Mangel

  • Ursachensuche und Therapie bei renalem Diabetes insipidus

Euthyreote Struma

DefinitionStruma:euthyreote
Vergrößerung der Schilddrüse, die nicht auf Entzündungen oder Tumoren zurückgeführt werden kann, bei ausgeglichener Hormonproduktion.
Leitsymptome
  • Tastbare und sichtbare Struma mit erhaltener Beweglichkeit beim Schlucken

  • Labor: TSH, T3 und T4 normal

Begleitsymptome
Je nach Lokalisation (zervikal oder mediastinal) exspiratorischer oder inspiratorischer Stridor, obere Einflussstauung, Dyspnoe oder Dysphagie
Therapie
  • Jodid-Substitution, vorausgesetzt es liegt kein autonomes Adenom vor

  • Thyroxin-Gabe

  • Strumektomie

Hyperthyreose

DefinitionHyperthyreose
Schilddrüsenüberfunktion. Ursachen sind u. a. Morbus Basedow, Schilddrüsenautonomie, Überdosierung von Schilddrüsenhormonen, Hashimoto-Thyreoiditis, Schilddrüsenkarzinom.
Leitsymptome der Hyperthyreose
  • Tremor, Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit

  • Hypertonie (große Blutdruckamplitude), Tachykardie und andere Herzrhythmusstörungen

  • Gewichtsverlust, Diarrhö

  • Wärmeintoleranz mit warmer und feuchter Haut

  • Weiches dünnes Haar, Haarausfall

  • Laborbefund: fT3 und fT4 ↑, TSH ↓ (supprimiert)

Begleitsymptome der Hyperthyreose
  • Struma mit hörbarem Schwirren über der Schilddrüse

  • Zyklusstörungen

  • Fettleber

  • Osteoporose

  • Komplikation: thyreotoxische Krise mit Tachykardie, Fieber, Erbrechen, Durchfall, Muskelschwäche, Bewusstseinsstörung

Leitsymptome des Morbus Basedow
Zusätzlich zu den Symptomen der Hyperthyreose:
  • Merseburger TriasMerseburger Trias (Struma, Exophthalmus, Tachykardie)

  • Prätibiales Myxödem

  • Laborbefund: fT3 und fT4 ↑, TSH ↓, TRAK (TSH-Rezeptor-AK) positiv

Begleitsymptome des Morbus Basedow
  • Lidrötung und Lidödem

  • Lichtscheu, Fremdkörpergefühl, Doppelbilder

  • Schmerzhafte bzw. eingeschränkte Augenbewegungen

  • Hornhautaustrocknung, Ulzerationen, Erblindung

Therapie
  • Thyreostatika

  • Strumektomie, Radiojodtherapie

Hypothyreose

DefinitionHypothyreose
Schilddrüsenunterfunktion. Die häufigsten Ursachen sind u. a. Hashimoto-Thyreoiditis, Z. n. Strumektomie oder Radiojodtherapie.
Leitsymptome
  • Leistungsabfall, Antriebsarmut, Müdigkeit

  • Erniedrigte Körpertemperatur, Kälteempfindlichkeit

  • Obstipation

  • Gewichtszunahme

  • Depressive Verstimmung

  • Trockene, kühle, schuppende Haut und trockenes, brüchiges Haar

  • Eigenreflexe reduziert, v. a. Achillessehnenreflex

  • Hypotonie, Bradykardie, Herzvergrößerung

  • Laborbefund: fT3 und fT4 ↓, TSH ↑, evtl. Nachweis von Thyreoperoxidase-Antikörpern (TPO-Ak) und Thyreoglobulin-Antikörpern (Tg-Ak) bei Hashimoto-Thyreoiditis

  • Bei der angeborenen Hypothyreose Apathie, Ikterus prolongatus, Obstipation, Trinkfaulheit

Begleitsymptome
  • Generalisiertes Myxödem

  • Vorzeitige Arterioskleroseentwicklung

  • Komplikation: Myxödemkoma

Therapie
Jodid und/oder Thyroxin

Hyperparathyreoidismus

DefinitionHyperparathyreoidismus
Nebenschilddrüsenüberfunktion, v. a. durch ein Adenom oder/und eine Hyperplasie der Nebenschilddrüse.
Leitsymptome
  • Stein-, Bein- und Magenpein:

    • Steinbildung in der Niere und den ableitenden Harnwegen

    • Knochenschmerzen durch Entkalkung mit Spontanfrakturen

    • Ulcera ventriculi und duodeni

  • Laborbefund: Kalzium ↑, Phosphat ↓, AP ↑, Parathormon ↑

Begleitsymptome
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen

  • Pankreatitis, Gallensteinleiden

  • Muskelschwäche

  • Psychiatrische Symptome

  • Komplikationen: hyperkalzämische Krise mit Polyurie, Polydipsie, Erbrechen, Exsikkose, Somnolenz, Koma

Therapie
Operative Entfernung der Nebenschilddrüsen

Hypoparathyreoidismus

DefinitionHypoparathyreoidismus
Nebenschilddrüsenunterfunktion, u. a. postoperativ nach Halsoperationen oder durch Autoimmunprozesse.
Leitsymptome
  • Hypokalzämische Tetanie

  • Chvostek-Zeichen und Trousseau-Zeichen positiv

  • Laborbefund: Kalzium ↓, Phosphat ↑, Parathormon ↓

Begleitsymptome
Reizbarkeit, depressive Verstimmung
Therapie
  • Kalzium-Substitution

  • Vitamin D-Gabe

Diabetes mellitus Typ 1

DefinitionDiabetes mellitus:Typ 1
Stoffwechselerkrankung, die durch einen Autoimmunprozess zur Zerstörung der β-Zellen der Langerhans-Inseln führt und mit einem absoluten Insulinmangel einhergeht.
Leitsymptome
  • Schnelle Manifestation der Symptome

  • Polyurie, Polydipsie, Gewichtsverlust

  • Starke Neigung zur Ketoazidose durch erhöhten Fettsäureabbau

  • Laborbefund: Hyperglykämie (nüchtern > 126 mg/dl, unabhängig von den Mahlzeiten > 200 mg/dl), Glukosurie (Nierenschwelle > 180 mg/dl), Ketonurie, HbA1c ↑ (> 6,5 %)

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit

  • Wadenkrämpfe und Sehstörungen durch Elektrolyt- und Wasserverschiebungen

  • Juckreiz, Candida-Infektionen, Furunkel durch Staphylokokkenbesiedlung und reduzierte Immunitätslage

  • Amenorrhö

Therapie
  • Insulintherapie; Ziel: möglichst normaler Blutglukosespiegel

  • Kohlenhydratbilanzierte Diät

  • Patientenschulung

  • Körperliche Aktivität

  • Reduktion und Behandlung von (potenziell) vorhandenen Risikofaktoren

Diabetes mellitus Typ 2

DefinitionDiabetes mellitus:Typ 2
Häufige Stoffwechselkrankheit, die mit relativem Insulinmangel einhergeht (gestörte Insulinsekretion und Insulinresistenz). Meist mit metabolischem Syndrom assoziiert (Adipositas, Hyperlipidämie, Hypertonie, Diabetes mellitus Typ 2).
Leitsymptome
  • Langsamer, schleichender Beginn, meist über viele Jahre symptomarm

  • Begleitende Adipositas

  • Hypoglykämien

  • Polyurie, Polydipsie

  • Laborbefund: Hyperglykämie (nüchtern > 126 mg/dl, unabhängig von den Mahlzeiten > 200 mg/dl), Glukosurie (Nierenschwelle > 180 mg/dl), HbA1c ↑ (> 6,5 %), pathologischer oraler Glukosetoleranztest

Begleitsymptome
  • Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit

  • Wadenkrämpfe und Sehstörungen durch Elektrolyt- und Wasserverschiebungen

  • Gerötetes Gesicht, Juckreiz, Candida-Infektionen, Furunkel durch Staphylokokkenbesiedlung und reduzierte Immunitätslage

  • Fettleber

Therapie
  • Patientenschulung

  • Gewichtsnormalisierung durch v. a. körperliches Training und Ernährungsumstellung (Reduktion von Einfachkohlenhydraten in Form von Kuchen, Säften, Weißbrot; komplexe Kohlenhydrate sind günstiger wegen der langsameren Glukoseanflutung im Blut), Reduktion von alkoholischen Getränken und ballaststoffreiche Ernährung

  • Orale Antidiabetika, Insulin

  • Prophylaxe der Komplikationen

Komplikationen des Diabetes mellitus

Diabetes mellitus:KomplikationenMakroangiopathieMakroangiopathie
Entsteht durch eine vorzeitige Arteriosklerosebildung in den großen Gefäßen. Folgen sind:
  • KHK (u. a. Angina pectoris und Herzinfarkt) 2.2.5, 2.2.6

  • pAVK 3.2.4

  • Apoplex 14.2.5

Mikroangiopathie Mikroangiopathie
  • Diabetische Nephropathie: Frühsymptom ist die Mikroalbuminurie (30–300 mg/d), später entwickeln sich Symptome der chronischen Niereninsuffizienz

  • Diabetische Neuropathie 14.2.11

  • Diabetische Retinopathie: manifestiert sich u. a. als Mikroaneurysma, Blutung und Narbenbildung an der Retina; Folge sind Netzhautablösung und Visusminderung bis hin zur Erblindung

  • Diabetisches Fußsyndrom: manifestiert sich mit schlecht heilenden Wunden, die in Nekrosen münden können

Coma diabeticumComa diabeticum bzw. hyperglykämisches KomaKoma:hyperglykämisches
  • Ketoazidotisches KomaKoma:ketoazidotisches (Typ-1-Diabetes): Hyperglykämie (> 300 mg/dl), Lipolyse, Ketonkörper und Ketoazidose (Bauchschmerzen, Erbrechen, Wasser- und Elektrolytverlust, Kussmaul-Atmung), verstärkte Diurese mit Exsikkose, Hypovolämie mit ggf. hypovolämischen Schock (10.1.1)

  • Hyperosmolares KomaKoma:hyperosmolares (Typ-2-Diabetes): Hyperglykämie (> 600 mg/dl), Erhöhung der Osmolarität im Blut, Polyurie, Elektrolytverlust mit Exsikkose, Hypovolämie mit ggf. hypovolämischen Schock (10.1.1)

  • Therapie: beide Komaformen stellen einen Notfall dar → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.8.2)

Hypoglykämisches Koma Koma:hypoglykämisches
  • Entwickelt sich, wenn der Blutzucker unter 50 mg/dl fällt und sich hypoglykämische Symptome einstellen, die nach Zufuhr von Glukose verschwinden (10.1.1)

  • Therapie

    • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.8.1)

    • Therapie der Ursachen

    • Flüssigkeitssubstitution

    • Ansprechbaren Patienten Glukose oral verabreichen z. B. als Saft, bewusstlose Patienten erhalten Glukoselösungen intravenös

Merke

Einem bewusstlosen Patienten mit bekanntem Diabetes mellitus niemals Insulin, sondern immer Glukose verabreichen. Bei Hypoglykämie ist die Glukosezufuhr lebensrettend, die Insulingabe dagegen tödlich. Bei einer Hyperglykämie kann die zusätzliche Glukosegabe toleriert werden.

Cushing-Syndrom

DefinitionCushing-Syndrom
Hyperkortisolismus (anhaltende inadäquate Erhöhung des Kortisols) durch u. a. Langzeitbehandlung mit Kortison, Tumoren der Nebennierenrinde, ACTH-bildende Tumoren, Adenome des Hypophysenvorderlappens, die Kortison produzieren (= Morbus Cushing).
Leitsymptome
  • Stammfettsucht, Stiernacken, Vollmondgesicht durch Fettumverteilung

  • Muskelschwund, Muskelschwäche, dünne Extremitäten („Spatzenbeine“)

  • Osteoporose

  • Hypertonie

  • Hyperglykämie, u. U. mit Entwicklung eines steroidinduzierten Diabetes mellitus

  • Akne, Furunkel, Striae, dünne Haut, schlechte Wundheilung

  • Ödeme und petechiale Blutungen

Begleitsymptome
  • Atrophie des lymphatischen Systems

  • Bei Kindern verzögertes Wachstum und Kleinwüchsigkeit

  • Depression und andere Psychosen

  • Virilisierung, Amenorrhö

Therapie
  • Ursachensuche

  • Operation und/oder medikamentöse Therapie

Nebennierenrindeninsuffizienz

DefinitionNebennierenrindeninsuffizienz
Führt zu Kortisol- sowie ggf. Aldosteron- und Androgenmangel. Zurückzuführen auf u. a. Autoimmunprozesse, Blutungen oder Metastasen in der NNR(Morbus Addison; primäre NNR-Insuffizienz). Sekundäre Formen sind ACTH-Mangel bei Hypophysenvorderlappen- oder Hypothalamus-Insuffizienz oder abruptes Absetzen von Glukokortikoiden nach Langzeitbehandlung.
Leitsymptome der primären NNR-Insuffizienz
  • „Brauner AddisonAddison:brauner“: Hyperpigmentierung der Haut (Hautlinien und Schleimhäute)

  • Hypotonie, Schwäche, Müdigkeit

  • Gewichtsverlust

  • Laborbefund: Natrium ↓, Kalium ↑

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen, Exsikkose

  • Hypoglykämie

  • Bei Frauen Verlust der Sekundärbehaarung durch Androgenmangel

  • Komplikation: Addison-KriseAddison-Krise mit Schocksymptomen, Hypoglykämie, metabolischer Azidose, Fieber, Bewusstseinsstörungen

Therapie
Substitution aller Kortikoide (Mineralo- und Glukokortikoide)

Phäochromozytom

DefinitionPhäochromozytom
Katecholaminproduzierender Tumor des Nebennierenmarks oder seltener von sympathischen Ganglien ausgehend.
Leitsymptome
  • Hypertonie entweder als hypertensive Krise oder Dauerhypertonie, Tachykardie

  • Kopfschmerzen

  • Schwitzen, Tremor, Unruhe

  • Blasses Gesicht durch Vasokonstriktion

Begleitsymptome
  • Hyperglykämie

  • Gewichtsverlust

  • Komplikationen: Apoplex, Herzinfarkt, Lungenödem, Nierenversagen

Therapie
Operative Entfernung des Tumors

Cave

Phäochromozytome entleeren sich auf Druck. Es ist daher Vorsicht bei der abdominalen Palpation geboten.

Osteoporose

Definition Osteoporose
Knochenerkrankung, die sich durch eine verminderte Knochenfestigkeit auszeichnet. Betroffen sind sowohl der Mineral- als auch der organische Anteil des Knochens. Am häufigsten ist die primäre Osteoporose (senile Osteoporose, postmenopausale Osteoporose).
Leitsymptome
  • Knochenschmerzen, besonders im Rücken, Spontanfrakturen

  • Rundrücken, Gibbusbildung, Tannenbaumphänomen am Rücken

  • Abnahme der Körpergröße, Arme imponieren überlang

  • Laborbefund: meist keine Veränderungen, ggf. alkalische Phosphatase ↑

Therapie
  • Kalziumreiche Ernährung bzw. Supplementierung von Kalzium und Vitamin D

  • Bisphosphonate

  • Physiotherapie, Sturzprophylaxe

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen