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B978-3-437-58765-8.00018-0

10.1016/B978-3-437-58765-8.00018-0

978-3-437-58765-8

Differenzialdiagnostik von Exanthemen

Tab. 18.1
Beginn Exanthem Besonderheit
Masern
  • Hohes, zweigipfliges Fieber

  • Husten

  • Halsentzündung

  • Makulo-papulöses Exanthem

  • Konfluierend

  • Von oben nach unten ausbreitend

  • Hinter den Ohren beginnend

Koplik-Wangenflecken
Röteln
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

Schwaches nicht-konfluierendes Exanthem v. a. am Stamm Stark geschwollene nuchale und retroaurikuläre Lymphknoten
Varizellen
  • Leichtes Fieber

  • Mäßiges Krankheitsgefühl

  • Beginn überall in Schüben

  • Auch an Kopfhaut und Schleimhäuten, aber nicht an Handflächen und Fußsohlen

  • Entwickelt sich über einen Fleck zur Papel, Bläschen und Kruste = Sternenhimmel

Starker Juckreiz
Scharlach
  • Hohes Fieber

  • Angina tonsillaris

  • Feinfleckiger Ausschlag

  • In Leisten und Achseln beginnend

  • Periorale Blässe

Himbeerzunge
Mononukleose
  • Fieber

  • Angina

  • Krankheitsgefühl

Masernähnlich Petechiale Blutungen am Gaumen
Ringelröteln
  • Leichtes Fieber

  • Krankheitsgefühl

  • Schmetterlingsförmiges Exanthem im Gesicht

  • Girlandenförmiges Exanthem am Körper

Drei-Tage-Fieber
  • Plötzlich Fieber über 3–7 Tage, danach kritische Entfieberung

  • Krankheitsgefühl

Makulopapulöses, lachsrotes, stammbetontes, flüchtiges Exanthem

Rachenbefunde bei Infektionskrankheiten

Tab. 18.2
Erreger bzw. Erkrankung Rachenbefund
β-hämolysierende Streptokokken (Scharlach) Hochrote, geschwollene Tonsillen mit stippchenartigen, wegwischbaren Belägen
Corynebacterium diphtheriae (Diphtherie) Großflächige grau-weiße Beläge mit Pseudomembranen, nach Ablösung starke Blutungen
EBV (infektiöse Mononukleose)
  • Tonsillenschwellung mit grauen Belägen

  • Petechiale Blutungen am Gaumen

Fusobakterien (Angina Plaut-Vincenti) Einseitige, schmerzlose, ulzerierende Tonsillitis bei sonst gutem Befinden
Coxsackie-A-Viren (Herpangina)
  • Tonsillen wenig geschwollen und gerötet, milchig-weiße Bläschen mit Ulzerationen

  • Gutartiger und schneller Verlauf

Angina agranulocytotica
  • Geschwüre und Nekrosen an den Tonsillen und Rachen mit schwarzen Belägen und Speichelfluss

  • Keine Schwellung der regionalen Lymphknoten

  • Ursache sind schwerste Schädigung des leukopoetischen Systems durch Medikamente oder sonstige Intoxikationen

Treponema pallidum (Angina specifica = luetica)
  • Schleierartiges Exanthem an Tonsillen und Gaumenbögen, die später in dunkelrote Papeln übergehen

  • Stadium II der Syphilis

Übersicht über die Malariatypen

Tab. 18.3
Malariatyp IKZ Fieberrhythmus Rezidiv
Malaria tertiana (Plasmodium vivax und ovale) 10–22 Tage 1 Tag kein Fieber Spontanheilung nach max. 5 Jahren
Malaria quartana (Plasmodium malariae) 21–42 Tage 2 Tage kein Fieber Keine Spontanheilung
Malaria tropica (Plasmodium falciparum) 7–20 Tage Unregelmäßiges Fieber Bis zu 2 Jahre, wenn nicht tödlich

Übersicht über die Durchfallerkrankungen

Tab. 18.4
Sekretionstyp: wässrige Durchfälle Penetrationstyp: schleimig-eitrige Durchfälle Invasionstyp: blutige Durchfälle
  • Vibrio cholerae

  • EPEC, ETEC

  • Rotavirus

  • Staphylococcus aureus

  • Giardia lamblia

  • Norovirus

  • Salmonellen

  • Yersinien

  • Campylobacter jejuni

  • Shigellen

  • EIEC, EHEC

  • Campylobacter coli

  • Entamoeba histolytica

  • Clostridium difficile

Übersicht Hepatitiden

Tab. 18.5
Hepatitis A Hepatitis B Hepatitis C Hepatitis D Hepatitis E
Erreger Hepatitis-A-Virus (HAV = RNA-Enterovirus der Picorna-Gruppe) Hepatitis-B-Virus (HBV = Hepadna-Virus), onkogenes Virus Hepatitis-C-Virus (HCV = Flavi-Virus), onkogenes Virus Defektes RNA-Virus, das Hepatitis-B-Virus zur Vermehrung benötigt Hepatitis-E-Virus (HEV = Caclivirus)
IKZ 2–6 Wochen 1–6 Monate 1–6 Monate 1–6 Monate 2–6 Wochen
Übertragung
  • Fäkal-oral

  • Verunreinigtes Wasser

  • Salat

  • Muscheln

  • Sexuell (anal-orale Kontakte)

  • Sexuelle Kontakte

  • Körperflüssigkeiten

  • Perinatal

Blutprodukte
  • Sexuelle Kontakte

  • Körperflüssigkeiten

Fäkal-oral
Chronifizierung (länger als 6 Monate) Nein 20 % 80 %
  • Bei Superinfektionen bis zu 60 %

  • Simultaninfektionen ca. 10–20 %

Nein
Impfung Möglich Möglich, in der 7-fach Impfung enthalten Nicht möglich Nicht möglich; Schutz gegen Hepatitis B verleiht auch Schutz gegen Hepatitis D Nicht möglich, Wirksamkeit getestet
  • Behandlungsverbot

  • Meldepflicht

  • § 24

  • § 6, § 7, § 34, § 42

  • § 24

  • § 6, § 7

  • § 24

  • § 6, § 7

  • § 24

  • § 6, § 7

  • § 24

  • § 6, § 7, § 34, § 42

Infektiosität 1–2 Wochen vor Auftreten des Ikterus bis eine Woche danach Abhängig von der Menge der Virus-DNA Abhängig von der Menge der Virus-RNA In Kombination mit Hepatitis B 1–2 Wochen vor Auftreten des Ikterus bis eine Woche danach
Besonderheiten
  • Epidemisch in Gemeinschaftseinrichtungen

  • Endemisch in Ländern mit geringem Hygienestandard

  • Fulminante Verläufe möglich

  • Beim medizinischen Personal Infektion über Nadelstichverletzungen

  • Impfschutz beachten

Meist chronischer, oligosymptomatischer Verlauf Keine singuläre Infektion In der Schwangerschaft Letalität 20 %

Infektionskrankheiten

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Ein 3-jähriges Kind wird Ihnen von der Mutter mit einem generalisierten Exanthem vorgestellt. Das Exanthem besteht seit gestern, war zunächst im Gesicht sichtbar und hat sich im Laufe des Tages auf den gesamten Körper ausgebreitet. Begleitend besteht Fieber von 39,2 °C. Die Mutter berichtet weiterhin, dass das Kind vor einer Woche einen fiebrigen grippalen Infekt mit trockenem Husten und Schnupfen hatte, dem sie keine besondere Bedeutung beigemessen hat, zumal die Geschwister und einige befreundete Kinder ebenfalls die gleichen Symptome gezeigt haben.

Auf Nachfrage berichtet die Mutter, dass das Kind gut trinkt und isst. Stuhl- und Miktionsverhalten ohne Besonderheiten. Medikamentenanamnese leer.

Vorgeschichte

  • Keine nennenswerten Vorerkrankungen

  • Impfstatus leer

Untersuchungsbefund

Regelrecht entwickeltes Kind. Makulopapulöses Exanthem, das im Gesicht und oberen Stamm konfluiert und eine feine Schuppung zeigt. Handflächen und Fußsohlen sind ausgespart. Kratzexkoriationen nicht sichtbar. Gerötete und geschwollene Tonsillen ohne Beläge, Zunge leicht weißlich belegt, Schleimhäute ohne pathologischen Befund. Zervikale Lymphknoten vergrößert, schmerzhaft und verschieblich tastbar. Lunge- und Herzuntersuchung ohne Befund. Geblähtes Abdomen, regelrechte Darmgeräusche, Milz wegen des aufgetriebenen Abdomens am unteren Pol nicht sicher tastbar. Nierenlager frei. In der orientierenden neurologischen Untersuchung keine Auffälligkeiten, insbesondere keine nachweisbaren Meningendehnungszeichen.

U-Stix-Untersuchung ohne pathologischen Befund. In der Otoskopie regelrechter Spiegelreflex, keine entzündlichen Irritationen des Trommelfells sichtbar.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

MasernMasern (18.2.2). Wegweisend sind das Exanthem (makulopapulös, konfluierend) und das Auftreten zunächst im Gesicht mit Ausbreitung nach kaudal. Die grippale Symptomatik vor einer Woche kann als Prodromalstadium angesehen werden. Die fehlenden Koplik-Flecken sind typisch im Prodromalstadium und meist zum Zeitpunkt des Exanthems nicht mehr nachweisbar. Gestützt wird die Verdachtsdiagnose durch den leeren Impfstatus.

Differenzialdiagnosen

  • Röteln: unwahrscheinlich; Exanthem ist feiner als bei Masern, ebenfalls makulopapulös, nicht konfluierend, breitet sich von kranial nach kaudal aus zeigt eine raue Schuppung

  • Röschenflechte (Pityriasis rosea): unwahrscheinlich wegen fehlender typischer Krankheitszeichen; beginnt mit einem Erythem (Primärmedallion) und zeigt wenige Tage später ein makulöses Exanthem, das in den Hautspaltlinien zu finden ist; meist wenig Allgemeinsymptome

  • Varizellen: unwahrscheinlich wegen des fehlenden typischen juckenden Exanthems, das polymorph ist und aus Makulae, Papeln, Vesikeln und Krusten besteht

  • Scharlach: unwahrscheinlich wegen fehlender typischer Krankheitszeichen; entzündlich veränderte Tonsillen mit Eiterstippchen, Exanthem stecknadelkopfgroß und beginnt in den Leisten und Achseln mit Ausbreitung nach kranial

  • Arzneimittelexanthem: unwahrscheinlich wegen fehlender Arzneimittelanamnese; kann mit unterschiedlichsten Effloreszenzen in Erscheinung treten

  • Infektiöse Mononukleose: unwahrscheinlich wegen fehlenden Rachenbefunds (vergrößerte Tonsillen mit grauen Belägen und petechialen Blutungen am harten Gaumen) und meist stärker ausgeprägter Lymphknostenschwellungen; selten masernähnliches Exanthem

  • Drei-Tage-Fieber: unwahrscheinlich wegen fehlender typischer Krankheitssymptome; hohes Fieber über wenige Tage (ohne Rhinitis, Konjunktivitis oder Husten), gefolgt von einer kritischen Entfieberung und dem Auftreten eines Exanthems, das stammbetont, makulopapulös, flüchtig und lachsrot ist und hinter den Ohren beginnen kann

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

Indirekter Erregernachweis (dem Heilpraktiker nach dem § 24 nicht gestattet)

Therapie

  • Zeitnahe Vorstellung beim Kinderarzt

  • Meldung an das zuständige Gesundheitsamt nach § 6

Differenzialdiagnostik

Exantheme

Tab. 18.1 Exanthem

Rachenbefunde bei Infektionskrankheiten

Tab. 18.2 Rachenbefund

Kinderkrankheiten und deren Leitsymptome

Die Übertragung der Kinderkrankheiten erfolgt meist über Tröpfcheninfektion. Kinderkrankheiten können inapparent (stille Feiung) oder mit unspezifischen grippalen Symptomen verlaufen. Je später Kinderkrankheiten auftreten, desto höher die Komplikationsrate. Ferner treten in der Regel lokale oder generalisierte Lymphknotenschwellungen auf. Diese Kennzeichen werden bei den jeweiligen Erkrankungen nicht gesondert erwähnt, außer sie gehören zu den Leitsymptomen.

Mumps (Ziegenpeter)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot, Meldepflicht [IfSG]
Mumpsvirus
  • Schmierinfektion

  • MumpsMuttermilchZiegenpeter

2–4 Wochen Lebendimpfung MMR(V)
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § 7

Leitsymptome
Schmerzhafte Schwellung der Parotis mit abstehenden Ohrläppchen
Begleitsymptome
  • Eventuell Beteiligung der übrigen Speicheldrüsen

  • Subfebrile Temperaturen

  • Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen

Therapie
Symptomatisch

Masern

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot, Meldepflicht [IfSG]
Masernvirus Schmierinfektion 10–14 Tage Lebendimpfung MMR(V)
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § Masern7

Leitsymptome
  • Prodromalstadium (katarrhalische Stadium; 3–4 Tage): „verheult, verrotzt, verschwollen“, trockener Husten, Halsschmerzen, Konjunktivitis, Enanthem am Gaumen, Koplik-FleckenKoplik-Flecken, Fieber (geht danach für einige Tage zurück)

  • Exanthemstadium (1 Woche): makulopapulöses, großfleckiges, konfluierendes Exanthem mit Beginn hinter den Ohren und im Gesicht mit kraniokaudaler Ausbreitung, später feine Schuppung, Fieber (mit Einsetzen des Exanthems erneuter Fieberanstieg)

  • Komplikationen:

    • Otitis media durch bakterielle Sekundärinfektion

    • Masernpneumonie

    • Laryngotracheitis

    • Masernenzephalitis (akut)

    • SSPE (subakute sklerosierende Panenzephalitis): Beginn nach ca. 6–8 Jahren post infectionem mit Demenzsymptomen, endet letal

Therapie
  • Symptomatisch

  • Antibiotika bei Superinfektion

Röteln

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Röteln-Virus (Rubella-Virus)
  • Schmierinfektion

  • RötelnTransplazentar

2–3 Wochen Lebendimpfung MMR(V)
  • BV: § 24

  • MP: § 6, § 7

Leitsymptome
  • Exanthem: makulopapulös, mittelfleckig, meist nicht konfluierend, Beginn hinter den Ohren, zeigt eine raue Schuppung; Dauer ca. 3 Tage

  • Generalisierte Lymphknotenschwellung, besonders im Kopf-Hals-Gebiet („Röteln diagnostiziert man im Dunkeln“)

  • Embryopathie durch Infektion mit Röteln im 1. Schwangerschaftsdrittel: Fehlbildungen betreffen Herz (Septumdefekte), Auge (Katarakt) und Innenohr (Schwerhörigkeit)

Begleitsymptome
  • Milzschwellung

  • Komplikationen: Röteln-Enzephalitis, Röteln-Arthritis

Therapie
  • Symptomatisch

  • Für Schwangere ist eine passive Impfung wenige Tage nach Exposition möglich

Diphtherie

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Corynebacterium diphtheriae (Toxinproduzent) Direkter Kontakt 2–4 Tage 7-fach Impfung
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § Diphtherie7

Leitsymptome der Rachendiphtherie
  • Plötzlicher Beginn mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und schwerem Krankheitsgefühl

  • Hochrote, geschwollene Schleimhaut mit Pseudomembranen; beim Versuch, diese abzulösen, kommt es zu Blutungen (Rachenbräune)

  • Ödem im Bereich der submandibularen und zervikalen Lymphknoten mit starker teigiger Schwellung des Halses (Cäsarenhals)

  • Fad-süßlicher Mundgeruch und kloßige Sprache

Begleitsymptome
  • Erbrechen, Diarrhö

  • Komplikationen: Kehlkopfdiphtherie (echter KruppKrupp), Myokarditis, akutes Nierenversagen, Gaumensegelparese, Lähmung der Schlundmuskulatur

Therapie
  • Antitoxingabe

  • Antibiotika

  • Aktive Immunisierung

Keuchhusten (Pertussis)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Bordetella pertussis (Toxinbildner) Schmierinfektion 1–3 Wochen 7-fach Impfung (Auffrischung alle 10 Jahre, keine bleibende Immunität)
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § PertussisKeuchhusten7

Leitsymptome
  • Stadium catarrhale (Prodromalstadium): Schnupfen, Konjunktivitis, Fieber, sehr hohe Ansteckungsgefahr über 1–3 Wochen

  • Stadium convulsivum (Konvulsivstadium): stakkatoartige, nächtliche Hustenanfälle (15–20) mit einem hörbar keuchenden Inspirium am Ende, Zyanose und Apnoephasen über 4–8 Wochen

  • Stadium decrementi (Rekonvaleszenzstadium): Rückgang der Symptome über 6–10 Wochen

Begleitsymptome
  • Erbrechen, Diarrhö

  • Komplikationen: Apnoe (Säuglinge), Einblutungen in die Konjunktiven und ins Gesicht, Pneumothorax, Emphysembildung, Bronchopneumonie, Nabelhernie

Therapie
  • Symptomatisch

  • Antibiotika im Stadium catarrhale am besten wirksam

Scharlach

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
β-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (Streptolysinbildner) Schmierinfektion 2–4 Tage Nicht möglich
  • BV: § 24, § 34

  • MP: Scharlachnein

Leitsymptome
  • Plötzlicher Beginn mit Halsschmerzen, Husten, hohem Fieber, Tachykardie

  • Pharyngitis, Angina tonsillaris mit Enanthem (eitrige, abwischbare Eiterstippchen)

  • Zunge Anfangs belegt (Erdbeerzunge), dann ab dem 4. Tag Zungenrötung mit Papillenschwellung (Himbeerzunge)

  • Am 2./3. Tag Auftreten des Exanthems: stecknadelkopfgroß, beginnend im Bereich von Achseln und Leisten, nach kranial aufsteigend unter Aussparung des Munddreiecks (periorale Blässe)

  • Grobe Hautschuppung an Hand- und Fußsohlen nach ca. 2–4 Wochen

  • Laborbefund: Leukozytose, BSG ↑, ASL-Titer ↑, im Nasen-Rachen-Abstrich Nachweis von Bakterien (Schnelltest möglich)

Begleitsymptome
  • Erbrechen, Diarrhö (besonders stark bei toxischen Verläufen)

  • Komplikationen: toxischer Verlauf, rheumatisches Fieber und Poststreptokokken-Glomerulonephritis als Zweiterkrankungen

Therapie
  • Antibiotika (Penicillin)

  • 2–3 Wochen nach Krankheitsbeginn Urinkontrolle auf Hämaturie und Proteinurie zum Ausschluss der postinfektiösen Glomerulonephritis

Windpocken

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Varicella-Zoster-Virus direkter Kontakt („fliegende Infektion“) 10–21 Tage Lebendimpfung MMR(V)
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § Windpocken7

Leitsymptome
  • Mäßiges Fieber mit stark juckendem Exanthem, das sich schubweise entwickelt (Roseolen, Papeln, Bläschen, Kruste) und den typischen Sternenhimmel (Heubner-SternenkarteHeubner-Sternenkarte) erzeugt

  • Befallen sind die gesamte behaarte Haut und Schleimhäute; Handflächen und Fußsohlen sind ausgespart

  • Effloreszenzen heilen ohne Narben ab, es sei denn, sie werden zerkratzt

Begleitsymptome
Komplikationen: Reaktivierung bei Immunschwäche in Form von Gürtelrose (Herpes zoster), bakterielle Infektion des Exanthems, Otitis media, meningeale Reizung, Varizellenpneumonie
Therapie
  • Juckreizstillende Externa (Schüttelmixturen), Antihistaminika

  • Antibiotika bei bakterieller Sekundärinfektion

Infektiöse Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Epstein-Barr-Virus Kontaminierter Speichel („Kissing disease“) 10–50 Tage Nicht möglich Nein
Leitsymptome
  • Fieber und generalisierte infektiöse MononukleoseLymphknotenschwellungPfeiffer-Drüsenfieber

  • Angina tonsillaris (Monozytenangina), die Tonsillen sind mit graugelben Belägen bedeckt

  • Hepatosplenomegalie

  • Laborbefund: Leukozytose mit 40–90 % mononukleären Zellen (Pfeiffer-Zellen, Downey-Zellen) und Lymphozyten-Reizformen

Begleitsymptome
  • Sporadisch petechiales Enanthem am harten Gaumen

  • Selten masernähnliches Exanthem, v. a. nach Fehlbehandlung mit Penicillin

  • Hepatitis, Meningitis, Myalgie, Polyneuritis

  • Komplikationen: Granulopenie, Milzruptur, chronische Verläufe, Lymphomentwicklung

Therapie
Symptomatisch

Polio (Kinderlähmung)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Poliovirus (Picorna-Virus, Enterovirus) Fäkal-oral 5–30 Tage 7-fach Impfung
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § PolioKinderlähmung7

Leitsymptome
Keine
Begleitsymptome
  • Inapparenter Verlauf in > 95 % der Fälle

  • Abortiver Verlauf: grippale Symptomatik, Durchfall

  • Komplikationen: Meningitis, schlaffe Lähmungen, Post-Polio-Syndrom

Therapie
Symptomatisch

Zeckenassoziierte Krankheiten und deren Leitsymptome

Lyme-Borreliose

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Borrelia burgdorferi Schildzecken 1–6 Wochen Nicht möglich BV und MP: länderspezifische Regelung
Leitsymptome Stadium I
  • Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich Entwicklung eines Erythema Lyme-BorreliosemigransErythema migrans (WanderröteWanderröte), das ein zentrifugales Wachstum zeigt

  • Bissstelle kann schmerzhaft oder überempfindlich sein

Leitsymptome Stadium II
  • Beginn nach Wochen mit Müdigkeit, Krankheitsgefühl, Fieber, Lymphadenitis

  • Bannwarth-SyndromBannwarth-Syndrom: stärkste radikuläre Schmerzen mit neurologischen Ausfällen, Hirnnervenausfälle (periphere Fazialisparese), Meningitis

  • Arthritis der Knie- und Sprunggelenke (Lyme-Arthritis)

  • Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Hypertonie bei Beteiligung des Herzens

  • Lymphozytom meist an Ohrläppchen oder Mamillen

Leitsymptome Stadium III
  • Beginn nach Jahren

  • Polyneuropathie

  • NeuroborrelioseNeuroborreliose = Enzephalomyelitis mit zentralen neurologischen Ausfällen

  • Hautatrophie (Acrodermatits chronica atrophicansAcrodermatits chronica atrophicans)

  • Rheumatische Beschwerden in Form von Gelenkentzündungen (Lyme-Arthritis)

Therapie
  • Antibiotika

  • Prophylaxe: Schutz vor Zeckenbissen bzw. zügige Entfernung von Zecken

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
FSME-Virus (Flavivirus) Zecken 5–28 Tage Empfohlen für Menschen in Endemiegebieten
  • BV: § 24

  • MP: § FSMEFrühsommer-Meningoenzephalitis7

Leitsymptome des Primärstadiums
  • Keine Leitsymptome

  • Uncharakteristisches Bild des grippalen Infektes, Rückgang der Symptome und freies Intervall von ca. 1 Woche oder Ausheilung

Leitsymptome des Sekundärstadiums
Beteiligung des ZNS mit Meningitis, Enzephalitis (10 % der Erkrankten)
Therapie
Symptomatisch

Tropenerkrankungen und deren Leitsymptome

Gelbfieber

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Gelbfieber-Virus (Virusverbreitung: Afrika, Süd-, Mittelamerika)
  • Stechmücken

  • GelbfieberZecken

3–6 Tage Lebendimpfung (nur bei von WHO zugelassenen Impfstellen)
  • BV: § 24

  • MP: § 6, § 7

Leitsymptome
  • Initialstadium: plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Grippesymtpome, Konjunktivitis, Übelkeit, Erbrechen, gelegentlich relative Bradykardie über ca. 3 Tage

  • Remissionsstadium: am 3.–4. Tag Entfieberung und meist Ausheilung oder

  • Toxische Phase: erneut Fieberanstieg, hepatorenale Schädigung (Hepatitis, Ikterus, Erbrechen, Nephritis), hämorrhagischer Diathese

  • Komplikationen: akutes Leber- und Nierenversagen, Meningoenzephalitis

Therapie
  • Quarantäne in mückengeschützten Räumen bei Verdacht, Erkrankung und nicht geimpften Personen für 1 Woche

  • Symptomatisch, ggf. antivirale Therapie

Malaria

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Plasmodium vivax, ovale, malariae, falciparum Anopheles-Mücke 8–30 Tage Medikamentöse Prophylaxe möglich
  • BV: § 24

  • MP: § 7, Abs. Malaria3

Leitsymptome
  • Fieber mit Schüttelfrost in bestimmten Rhythmen je nach Erreger (Tab. 18.3)

  • Kopf- und Gliederschmerzen

  • Schmerzen im rechten Oberbauch, Hepatosplenomegalie

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

  • Symptome der hämolytischen Anämie mit Ikterus, Thrombopenie

  • Hypoglykämie

  • Komplikationen: zerebrale Malaria, Lungenödem, Schockentwicklung, akutes Nierenversagen, Spontanblutungen

Merke

Jedes unklare Fieber nach Aufenthalt in den Tropen ist malariaverdächtig.

Therapie
  • Sofortige Überweisung ins Krankenhaus

  • Antimalariamittel, symptomatisch

  • Prophylaxe: helle Kleidung, Moskitonetze, Repellents, je nach Resistenzzone Prophylaxe mit verschiedenen Antimalariamitteln

Lungenerkankungen und deren Leitsymptome

Tuberkulose (Tbc)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Mycobacterium tuberculosis und bovis (säurefeste Stäbchen)
  • Tröpfcheninfektion

  • TuberkuloseTBCRohmilch

  • Risikogruppen:

    • Obdachlose

    • Drogenabhängige

    • Alkoholkranke

    • Ältere Menschen

    • Arme

1–6 Monate BCG-Lebendimpfung (von STIKO nicht empfohlen)
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § 7

Leitsymptome der Primärtuberkulose (Erstinfektion)
  • Subfebrile Temperaturen, Husten, Dyspnoe

  • Nachtschweiß, Appetitverlust, Gewichtsabnahme

  • Kavernenbildung im Lungengewebe

  • Komplikationen: Pleuritis, käsige Pneumonie, Miliartuberkulose

Leitsymptome der Postprimärtuberkulose (Reaktivierung)
  • Bei Beteiligung der Lunge (85 %):

    • Blutiges Sputum, Dyspnoe, Zyanose

    • Kavernenbildung

    • Lungenblutung

    • Spontanpneumothorax

    • Kavernenkarzinom

    • Pleuraerguss

  • Bei Beteiligung anderer Organe (15 %):

    • Urogenitaltrakt: sterile Leukozyturie, Zeichen der Niereninsuffizienz, Ausfluss

    • Haut: vernarbende Erscheinungen als Lupus vulgaris

    • Darm: Malassimilationssysndrom

    • Knochen: Knochenschmerzen, Spontanfrakturen

    • Meningen: Hirnnervenausfälle

Therapie
Kombination von 2–4 Antibiotika über mindestens 6 Monate

Legionellosen

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Legionella pneumophila Kontaminierte Aerosole (Duschkopf, Perlator, Klimaanlage, Whirlpool) 2–10 Tage Nicht möglich
  • BV: § 24

  • MP: § Legionellosen7

Leitsymptome der Legionärskrankheit Legionärskrankheit
  • Entwicklung einer atypischen PneumoniePneumonie:atypische mit trockenem Husten

  • Fieber mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen

  • Thoraxschmerzen

  • Durchfall

  • Verwirrtheitszustand, Apathie

Leitsymptome des Pontiac- Pontiac-Fieber Fiebers
  • Fieber

  • Trockener Husten, Schnupfen

  • Lichtscheu, Verwirrtheit, Schwindel

  • Muskelschmerzen

  • Verlauf ohne Pneumonie

Therapie
  • Antibiotika

  • Prophylaxe: Boilertemperatur über 70 °C halten

Influenza

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Influenzavirus
  • Tröpfcheninfektion

  • InfluenzaSchmierinfektion

1–3 Tage Totimpfstoff
  • BV: § 24

  • MP: § 7

Leitsymptome
  • Plötzliches hohes Fieber mit Schüttelfrost

  • Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen

  • Reizhusten, Dyspnoe

  • Schwäche und Neigung zum Kollaps

Merke

Im Gegensatz zum grippalen Infekt handelt es sich bei der Influenza-Grippe um eine schwere Erkrankung mit einer hohen Sterblichkeit.

Begleitsymptome
  • Störungen des Geruch- und Geschmacksempfindens

  • Nasenbluten, Konjunktivitis

  • Komplikationen: hämorrhagische Influenza-Pneumonie, sekundär bakterielle Pneumonie, Myokarditis, Meningitis, Enzephalitis

  • Bei Kindern: Pseudokrupp-Anfälle, Otitis media

Therapie
  • Symptomatisch

  • Neuraminidasehemmer (Tamiflu®), ggf. Antibiotika bei Superinfektionen

Sexuell übertragbare Erkrankungen und deren Leitsymptome

Gonorrhö (Tripper)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Neisseria gonorrhoeae
  • Geschlechtsverkehr

  • TripperGonorrhöGeburtskanal

2–5 Tage Nicht möglich
  • BV: § 24

  • MP: nein

Leitsymptome
  • 40 % der Infektionen verlaufen subklinisch, daher unerkannt

  • Mann: Juckreiz in der Urethra, Dysurie, eitriger Ausfluss (Bonjour-Tropfen)

  • Frau: Zervizitis mit eitrigem Ausfluss, Urethritis mit Dysurie, Brennen beim Wasserlassen

  • Je nach Eintrittspforte gonorrhoische Pharyngitis, Konjunktivitis oder Proktitis möglich

Begleitsymptome
  • Gonorrhoische Arthritis

  • Komplikationen:

    • Mann: Vernarbung der Harnröhre, Prostatitis, Epididymitis, Sterilität

    • Frau: Adnexitis, Sterilität durch Verklebung der Tuben, Peritonitis

Therapie
  • Antibiotika, einschließlich Behandlung des Partners (sonst Ping-Pong-Effekt)

  • Expositionsprophylaxe, Kondome

  • Bei Neugeborenen Credé-Prophylaxe mit Argentum nitricum

Syphilis (Lues)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Treponema pallidum
  • Direkter Haut- oder Schleimhautkontakt

  • SyphilisLuesPränatal

10–90 Tage, im Mittel 3 Wochen Nicht möglich
  • BV: § 24

  • MP: § 7, Abs. 3

Leitsymptome des Primärstadiums
  • Harte, schmerzlosen Papel, später schmerzloses Geschwür mit derber Randzone (Ulcus durum, harter Schanker, Primäraffekt) mit hoher Kontagiosität

  • Schmerzlose Leistenlymphknotenschwellung (Satellitenbubo)

  • Dauer ca. 2–3 Wochen

Leitsymptome des Sekundärstadiums
  • Organmanifestation durch hämatogene Streuung mit u. a. Hepatitis, Karditis, Nephritis, Gelenkschmerzen mit hoher Kontagiosität

  • Fieber und generalisierte Lymphknotenschwellung

  • Hauterscheinungen: Condylomata lata, Plaques muqueses, Haarausfall, vielgestaltige Exantheme

  • Dauer bis zu 5 Jahren, wobei die Symptome stark variieren können, gefolgt von einer asymptomatischen Latenzphase

Leitsymptome des Tertiärstadiums
  • Syphilide der Haut: braun-rote Papeln bis Tumoren, v. a. an den Streckseiten der Extremitäten

  • Gummenbildung: am häufigsten in Knochen, Haut und Schleimhaut

  • Aortenaneurysma

Leitsymptome der Neurosyphilis
  • Meningovaskuläre Form: betrifft vorwiegend die Gefäße der Meningen, des Hirngewebes und des Rückenmarks

  • Parenchymatöse Form:

    • Progressive Paralyse: Nervenzellzerstörung und Hirnatrophie (Stirnlappen)

    • Tabes dorsalis: betrifft vorwiegend das Rückenmark mit lancierenden Schmerzen, Verlust des Vibrations- und Temperaturempfindens, Gangstörungen

Therapie
In jedem Stadium Antibiotika
Lues connata
Leitsymptome des Frühstadiums Lues:connata
  • Manifestation bis zum 2. Lebensjahr

  • Symptome gleichen denen der Sekundärsyphilis

  • Frühgeburtlichkeit, greisenhaftes Aussehen und blutiger, erregerreicher Schnupfen

  • Sattelnase, Parrotfurchen

  • Selten Deformität der Tibia (Säbelscheidentibia)

Leitsymptome des Spätstadiums
  • Manifestation ab dem 2. Lebensjahr

  • Hautveränderungen sehen aus wie bei der Spätsyphilis, in der Hälfte der Fälle gehen sie mit einer Neurolues einhe

  • Hutchinson Trias: tonnenförmige obere Schneidezähne („so breit wie lang“), Keratitis bis zur Erblindung, Innenohrschwerhörigkeit

HIV (AIDS)

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
HI-Virus Typ1 (häufigster Typ weltweit) und Typ2 (selten)
  • Sexueller Kontakt

  • HIVAIDSDiaplazentar

  • Muttermilch

  • Blut, Blutprodukte

  • Serologische IKZ bis zur Bildung von Antikörpern 1–3 Monate

  • Klinische IKZ bis zum Auftreten der Symptome bis zu 10 Jahre

Nicht möglich
  • BV: § 24

  • MP: § 7, Abs. 3

Leitsymptome der Kategorie A
  • Mononukleose-ähnliches Krankheitsbild

  • Nach Rückgang der akuten Symptome asymptomatische Infektion (Latenzphase), die Jahre andauern kann; Antikörper sind in dieser Phase meist nachweisbar

  • Generalisierte, persistierende Lymphknotenschwellung

Leitsymptome der Kategorie B
  • Rezidivierende bakterielle Infekte, Candida- und Herpes zoster-Infektionen

  • Subfebrile Temperaturen und/oder rezidivierende Diarrhö

  • Symptome der Polyneuropathie

  • Orale Haarleukoplakie (assoziiert mit EBV)

Leitsymptome der Kategorie C (AIDS-definierende Erkrankungen)
  • Starke Gewichtsabnahme, chronische Diarrhö mit Krankheitsgefühl (Wasting Syndrom)

  • HIV-assoziierte Enzephalopathie

  • Opportunistische Infektionen: u. a. zerebrale Toxoplasmose, Pneumozystis jirovecii-Pneumonie, invasive Candidose, Lungentuberkulose und/oder typische Mykobakteriose, Zytomegalie, Herpes-simplex- und -zoster-Rezidive

  • Malignome (Kaposi-Sarkom, ZNS-Lymphom, Non-Hodgin-Lympom, invasives Zervixkarzinom)

Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen wie gesunde Lebensführung, Meidung von Noxen (Nikotin, Alkohol, Drogen), reichhaltige vitaminreiche Kost, Schutz vor Virusübertragung

  • Psychotherapeutische Verfahren

  • Kombination von Virustatika (retroviralen Mitteln) mit unterschiedlichen Angriffspunkten

Durchfallerkrankungen und deren Leitsymptome

Durchfallerreger werden gegessen und getrunken – die Übertragung ist also für alle Erkrankung gleich mit Ausnahme der Rota- und Noroviren, die auch über Tröpfchen übertragen werden können. Jedes epidemische Auftreten (2 oder mehr erkrankte Personen) muss nach §6 Abs.2 dem Gesundheitsamt gemeldet werden.

Durchfallerreger verursachen im Körper immer die gleichen Symptome: Durchfall, ggf. Übelkeit, Erbrechen sowie abdominale Schmerzen und können als Komplikation zu Exsikkose und meist hypovolämischem, seltener septischem, Schock mit Nierenversagen führen.

Der Erregernachweis erfolgt über die Stuhluntersuchung. Unterschiede ergeben sich aus dem Ort der Vermehrung der Keime und dem Aussehen des Durchfalls. Als grober Anhaltspunkt gilt folgende Regel (Tab. 18.4):

  • Wässrige Durchfälle entstehe im Jejunum, demzufolge vermehren sich die Keime dort oder die Toxinwirkung erstreckt sich auf die Jejunum-Zellen.

  • Schleimig-eitrige Durchfälle entstehen meist im Ileum.

  • Blutige Durchfälle entstehen im Dickdarm.

Die wichtigste Maßnahme ist die Rehydrierung. Günstiger erweist sich die Flüssigkeitszufuhr per os als i. v.

Diese Kennzeichen werden bei den jeweiligen Erkrankungen nicht gesondert erwähnt, außer es wird ihnen besondere Bedeutung beigemessen.

Cholera

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Vibrio cholerae oder Vibrio El Tor
  • Kontaminiertes Wasser

  • CholeraMeeresfrüchte

Stunden bis Tage
  • Totimpfstoff

  • Lebendimpfstoff

  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § 7, § 42

Leitsymptome
  • Inapparente und symptomarme (Cholerine) Verläufe häufig

  • Schwere Verläufe mit starkem wässrigen Durchfall mit kleinen Schleimflocken (Reiswasserdurchfall) und starkem Erbrechen

Begleitsymptome
  • Toxische Cholera mit Herz-Kreislauf-Versagen durch Toxinwirkung

  • Stark reduzierter Hautturgor und Untertemperatur

  • Bei fulminanten Verläufen innerhalb kurzer Zeit tödlich

Therapie
  • Elektrolyt- und Volumensubstitution

  • Antibiotische Therapie

Rotaviren

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Rotavirus Fäkal-oral 1–3 Tage Empfohlen ab der 6. Lebenswoche (Schluckimpfung)
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6 (Verdacht und Erkrankung > 2 Personen), § 7, § Rotaviren42

Leitsymptome
  • Wässrige Durchfälle und Erbrechen

  • Mäßiges Fieber

  • Bei schweren Verläufen Exsikkose-Zeichen

Therapie
Substitution von Flüssigkeit und Elektrolyten

Noroviren

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Norovirus(Norwalk-like-Virus) Fäkal-oral, sehr hohe Kontagiosität 6 Stunden bis 2 Tage Nicht möglich
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6 (Verdacht und Erkrankung > 2 Personen), § 7, § Noroviren42

Leitsymptome
  • Heftiges, schwallartiges Erbrechen und Durchfälle

  • Kein Fieber oder subfebrile Temperaturen

  • Ausgeprägtes Krankheitsgefühl mit abdominalen Schmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Myalgien und Mattigkeit über ca. 1–4 Tage

  • Abortive oder asymptomatische Verläufe möglich

Therapie
Symptomatisch

Typhus abdominalis

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Salmonella typhi
  • Fäkal-oral

  • Erregerreservoir ist der Typhus abdominalisMensch

1–3 Wochen
  • Lebendimpfung

  • Totimpfung

  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6, § 7, § 42

Leitsymptome
  • Generalisation: Langsam ansteigendes Fieber (Stadium incrementi), grippale Symptome (Kopfschmerzen, Somnolenz durch Begleitmeningitis, trockener Husten, Dyspnoe durch interstitielle Pneumonie), sehr schlechtes Allgemeinbefinden, Obstipation; Fieber reicht bis 40 °C und geht in Fieberkontinua (1–2 Wochen) über (Stadium acmes oder Stadium fastigii); in diesem Stadium Bewusstseinstrübung, Milzschwellung, Leukopenie, Organmanifestation

  • Organmanifestation:

    • Myokarditis mit relativer Bradykardie

    • Hepatitis evtl. mit Ikterus, Splenomegalie

    • Entwicklung von Typhomen in den betroffenen Organen

    • Roseolen

    • Breiige erbsgrünartige Durchfälle

  • Langsamer Fieberabfall (Stadium decrementi) und allmählicher Rückgang der Symptome; Dauer des Typhus abdominalis ohne Therapie beträgt mind. 4 Wochen

  • Komplikationen:

    • Einschmelzung der Typhome mit Perforation, Peritonitis, Sepsis, septischem Schock

    • Myokarditis

    • Reaktive Arthritis

    • Dauerausscheider möglich (höheres Risiko für Gallenblasenkarzinom)

Therapie
  • Symptomatisch

  • Antibiotika

EHEC

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Enterohämorrhagische Escherichia coli (Shiga-like Toxinproduzent)
  • Sprossen

  • EHECRinderprodukte

  • Ausscheider

2–5 Tage Nicht möglich
  • BV: § 24, § 34

  • MP: § 6 (Verdacht und Erkrankung > 2 Personen), § 7, § 42; HUS = § 6

Leitsymptome
  • Bei Erwachsenen häufig asymptomatische Verläufe

  • Zunächst Darmkoliken mit wässrigem Durchfall, leichtem Fieber und Erbrechen, dann blutige Diarrhö

Komplikationen
  • HUSHUS (hämolytisch-urämisches Syndromhämolytisch-urämisches Syndrom): hämolytische Anämie, Thrombopenie, akutes Nierenversagen

  • Morbus MoschkowitzMorbus Moschkowitz: HUS und zerebrale Symptome

Therapie
  • Symptomatisch

  • Keine Antibiotika, keine Motilitätshemmer

Parasitäre Erkrankungen und deren Leitsymptome

Oxyuriasis

Erreger Übertragung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Enterobius vermicularis (Madenwurm)
  • Schmierinfektion

  • OxyuriasisBettenstaub

  • BV: nein

  • MP: nein

Leitsymptome
Juckreiz im Anogenitalbereich mit ggf. sichtbaren Würmern am Anus oder in der Wäsche (v. a. bei Kindern)
Begleitsymptome
  • Selten Appendizitis

  • Gewichtsverlust

  • Schlafstörungen

Therapie
  • Konsequente Unterbindung einer Autoinokulation

  • Mebendazol

Hundebandwurm

Erreger Übertragung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Echinococcus granulosus Hunde- oder Wolfskot
  • BV: § 24

  • MP: § 7, Abs. Hundebandwurm3

Leitsymptome
  • Hängen von Lokalisation und Wachstumsgröße ab

  • Leberbefall: Oberbauchbeschwerden, Ikterus, Lebervergrößerung

  • Lungenbefall: meist Zufallsbefund

  • Allergische Reaktionen beim Platzen der Blasen möglich

  • Laborbefund: Eosinophilie

Therapie
  • Operation (Cave: Zysten dürfen nicht platzen)

  • Chemotherapeutika

Fuchsbandwurm

Erreger Übertragung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Echinococcus multilocularis
  • Fuchskot (Waldbeeren, Pilze)

  • FuchsbandwurmKatzenkot

  • BV: § 24

  • MP: § 7, Abs. 3

Leitsymptome
  • Leberbefall: Oberbauchbeschwerden, Ikterus, Lebervergrößerung

  • Allergische Reaktionen beim Platzen der Blasen möglich

  • Laborbefund: Eosinophilie

Therapie
Wie beim Hundebandwurm (18.8.2)

Hepatitiden und deren Leitsymptome

Tab. 18.5 Hepatitis
Leitsymptome
  • Die Symptomatik der einzelnen Hepatitiden ist ähnlich.

  • Prodromalstadium: grippale Symptome (v. a. Gelenkschmerzen), Dauer wenige Tage, selten flüchtiges Exanthem

  • Gastrointestinale und hepatische Manifestation: Appetitlosigkeit, Übelkeit, Diarrhö, Druckschmerz im rechten Oberbauch, Ikterus in ⅓ der Fälle, Hepatosplenomegalie, Dauer 4–8 Wochen

Therapie
  • Symptomatisch

  • Allgemeinmaßnahmen: Bettruhe, Meidung aller hepatotoxischen Medikamente und Alkohol

  • Antivirale Substanzen (Interferon) bei Hepatitiden B, D und C

ZNS-Erkrankungen und deren Leitsymptome

Tetanus

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Clostridium tetani (Toxinbildner = Tetanospasmin) Verschmutzte Wunden 3–21 Tage
  • Aktive und passive Impfung

  • 7-fach TetanusImpfung

BV und MP: länderspezifische Regelungen
Leitsymptome
  • Tonuserhöhung der Kaumuskulatur (Trismus)

  • Krämpfe der mimischen Muskulatur (Risus sardonicus)

  • Krämpfe der Nacken- und Rückenmuskulatur (Opisthotonus)

Begleitsymptome
  • Erhaltenes Bewusstsein

  • Kein Fieber oder subfebrile Temperaturen

  • Komplikation: Lähmung der Schlundmuskulatur, des Zwerchfells und der Glottis

Therapie
  • Sorgfältige Wundversorgung

  • Im Verletzungsfall Simultanimpfung bei unzureichendem Impfschutz und Antibiotika

Tollwut

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Rabies-Virus
  • Tierbiss

  • TollwutHautverletzung

  • Direkter Kontakt mit infektiösem Material

3–8 Wochen, abhängig von der Lokalisation der Bissstelle Prä- und postexpositionelle Impfung
  • BV: § 24

  • MP: § 6, § 7

Leitsymptome
  • Prodromalstadium: uncharakteristische Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Parästhesien an der Bissstelle

  • Exzitationsstadium (neurologisches Stadium): Angst, Unruhe, Verwirrtheit, vermehrter Speichelfluss, zerebrale Ausfallerscheinungen, Halluzinationen, Hydrophobiekrämpfe der Schlundmuskulatur, depressiv-aggressive Stimmung, hohes Fieber, Exsikkose

  • Im weiteren Verlauf Paralysestadium: Lähmungen, Koma, Atemlähmung; Tod nach maximal einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome

Therapie
  • Wunde mit Seifenlösung auswaschen und desinfizieren

  • Prophylaktisch präexpositionelle aktive Impfung u. a. bei Tierärzten und Forstpersonal

  • Postexpositionell Simultanimpfung bei Kontakt mit einem tollwutverdächtigen Tier bei gleichzeitiger lädierter Haut oder nach jeglichen Bissverletzungen durch tollwutverdächtige Tiere

Botulismus

Erreger Übertragung IKZ Impfung Behandlungsverbot/Meldepflicht [IfSG]
Clostridium botulinum (Toxinbildner, Toxin hitzelabil) Kontaminierte Konserven 12 Stunden bis 2 Tage Nicht möglich
  • BV: § 24

  • MP: § 6, § Botulismus7

Leitsymptome
  • Symmetrische, schlaffe Lähmungen mit Doppelbildern, Schluckbeschwerden, Mydriasis

  • Kein Fieber, keine sensiblen Ausfälle, Bewusstsein erhalten

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

  • Komplikationen: Atemlähmung, paralytischer Ileus, Harnverhalt

Therapie
  • Toxinelimination und Antitoxin

  • Symptomatische Therapie

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