© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-58765-8.00014-3

10.1016/B978-3-437-58765-8.00014-3

978-3-437-58765-8

Übersicht über die primären Kopfschmerzen

Tab. 14.1
Migräne Cluster-Kopfschmerz Spannungskopfschmerz
Frequenz Ca. 2–8 ×/Monat 1–8 ×/Tag während der Serie Variabel
Dauer Stunden bis Tage 30–90 Min. Konstant
Beginn Langsam
  • Plötzlich

  • Erreicht Maximum in den ersten Minuten

Langsam
Schmerz-Lokalisation Einseitig, kann die Seite wechseln und beidseitig werden Einseitig, meist hinter dem Auge Beidseitig
Schmerzcharakter Pulsierend Anhaltend schwer, stechend Dumpf, drückend
Trigger
  • Stress

  • Menses

  • Alkoholgenuss

  • Schlafveränderungen

  • Histaminhaltige Lebensmittel

Alkoholgenuss
  • Stress

  • Alkoholgenuss

Begleitsymptome
  • Aura (Flimmerskotom, Gesichtsfeldausfall, Sensibilitäts-, Sprachstörungen)

  • Lichtscheu

  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Auf der betroffenen Seite Horner-Syndrom

  • Tränenfluss, verstopfte Nase oder Nasenfluss, Augenrötung

In der Regel keine

Differenzialdiagnostik bei Tremor:grobschlägigerTremor:feinschlägigerRuhetremorIntentionstremorAsterixisTremor

Tab. 14.2
Tremorart Differenzialdiagnosen
Physiologischer Tremor Erhöhter Sympathikotonus (Angst, Schreck)
Ruhetremor
  • Morbus Parkinson und sekundäre Parkinson-Syndromformen

  • Typisch ist ein fein- bis mittelschlägiger Tremor

Intentionstremor
  • Kleinhirnerkrankungen: multiple Sklerose, Kleinhirntumor

  • Typischerweise nimmt der Tremor an Amplitude zu, je näher der Probant am Zielobjekt ist

Asterixis (Flapping tremor) = grobschlägiger Tremor
  • Leberzirrhose

  • Coma hepaticum

Feinschlägiger Tremor
  • Hyperthyreose

  • Hypoglykämie

Differenzialdiagnostik von zentraler und peripherer Lähmung

Tab. 14.3
Zentrale Lähmung Periphere Lähmung
Ort der Läsion 1. Motoneuron 2. Motoneuron
Tonus Spastische Lähmung Schlaffe Lähmung
Eigenreflexe Gesteigert Abgeschwächt oder erloschen
Fremdreflexe Zum Teil abgeschwächt Abgeschwächt oder erloschen
Pathologische Reflexe Vorhanden Nicht vorhanden
Klonus Vorhanden Nicht vorhanden
Trophik Normal Muskelatrophie

Differenzialdiagnostik von zentraler und peripherer Fazialisparese

Tab. 14.4
Periphere Fazialisparese Zentrale Fazialisparese
Ursachen
  • Idiopathisch

  • Herpes zoster

  • Borreliose

  • Tumor, Metastasen im ZNS

  • Apoplex

Stirnrunzeln Nicht möglich Möglich
Lidschluss
  • Nicht möglich

  • Positives Bell-Phänomen

Möglich, aber schwächer

Symptome bei Wurzelkompression

Tab. 14.5
Segment Sensibilitätsausfall Motorik Erloschene Reflexe
L3/L4 Von der Außenseite des Oberschenkels übers Knie bis zum inneren Knöchel Beugen im Hüftgelenk erschwert oder nicht möglich Patellarsehnenreflex
L4/L5 Von der lateralen Seite oberhalb des Knies über die laterale Unterschenkelseite bis zum großen Zeh Unfähigkeit zum Hackengang Tibialis-posterior-Reflex
L5/S1 Dorsale Seite des Unterschenkels und Fußaußenkante Unfähigkeit zum Zehenstand Achillessehnenreflex

Nervensystem

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Eine 66-jährige, normalgewichtige Patientin stellt sich wegen zunehmender Missempfindungen, Brennen und Schmerzen in beiden Füßen vor. Die Beschwerden haben vor einem Jahr begonnen und nehmen an Stärke zu. Weiterhin klagt sie über eine Beinschwäche, sodass Wanderungen inzwischen nur mit Mühe bewältigbar sind. Auf Nachfrage treten die o. g. Symptome belastungsunabhängig auf.

Ferner berichtet die Patientin über starken Durst, vermehrten Harnfluss, neu aufgetretene Blaseninkontinenz und unregelmäßige Darmtätigkeit, wobei Blutbeimengungen nicht aufgetreten sind. Übelkeit und Erbrechen werden verneint, ebenso Alkohol- und Nikotinkonsum.

Die derzeitige Medikation besteht aus einem Glukokortikoid und Protonenpumpenhemmer. Die letzte Blutuntersuchung liegt 7 Monate zurück (HbA1c 6,3 %, BSG und CRP im Normbereich).

Vorgeschichte

  • Polymyalgia rheumatica seit 1,5 Jahren

  • Steroidinduzierter Diabetes mellitus, diätetisch behandelt

Untersuchungsbefund

Dünne, haarlose und trockene Unterschenkel, die Haut ist atroph, aber rosig. Füße gut gepflegt ohne Druckstellen oder Ulzera. Zehenzwischenräume reizlos. Palpatorisch warme Extremität, Fußpulse seitengleich gut tastbar. Dysästhesien an der Fußsohle, das Vibrationsempfinden beträgt an beiden Malleoli beidseits ⅛. Achillessehnenreflex beidseits nicht auslösbar, Patellarreflexe schwach auslösbar.

Herz-, Lungen- und abdominale Untersuchung ohne pathologischen Befund.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

PolyneuropathiePolyneuropathie (sensomotorisch und autonom), am ehesten durch diabetische Mikroangiopathie (14.2.11). Wegweisend sind die typischen Symptome, u. a. Missempfindungen, Brennen und Schmerzen in beiden Füßen, der chronische Verlauf und die belastungsunabhängige Beinschwäche. Die Befunde der neurologischen Untersuchung, v. a. das reduzierte Vibrationsempfinden, abgeschwächte bzw. aufgehobene Eigenreflexe und die trophischen Störungen sprechen für die Verdachdiagnose der sensomotorischen Polyneuropathie. Die unregelmäßige Darmtätigkeit und die Harninkontinenz können als Symptome der autonomen Polyneuropathie angesehen werden.

Differenzialdiagnosen

Polyneuropathie anderer Ursache: kann nicht ausgeschlossen werden

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Labor: Blutzucker-Tagesprofil, HbA1c, TSH, Vitamin B12

  • Messung der Nervenleitgeschwindigkeit

Therapie

  • Blutzuckereinstellung durch konsequente diätetische Maßnahmen und medikamentöse Therapie

  • Vorstellung beim Neurologen

Differenzialdiagnostik

Kopfschmerzen

Die Differenzialdiagnostik der Kopfschmerzen erfolgt nach der gängigen Klassifikation der primären (Tab. 14.1) und sekundären Kopfschmerzen.

Primäre Kopfschmerzen Kopfschmerzen:primäre
  • MigräneMigräne

  • Cluster-KopfschmerzCluster-Kopfschmerz

  • SpannungskopfschmerzSpannungskopfschmerz

Sekundäre Kopfschmerzen Kopfschmerzen:sekundäre
Infektiös bzw. entzündlich
  • MeningitisMeningitis (14.2.6): akut Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, positive Meningendehnungszeichen, Bewusstseinsstörung

  • EnzephalitisEnzephalitis: akut Fieber, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, positive Meningendehnungszeichen, Bewusstseinsstörung, neurologische Ausfälle

  • SinusitisSinusitis: akut oder subakut Gesichtsschmerzen, Druck- und Klopfempfindlichkeit der betroffenen Sinus, Schnupfen, Eiterstraßen entlang der hinteren Rachenwand

  • Arteriitis temporalisArteriitis temporalis: subakut Schläfenschmerzen, gerötete, geschwollene und schmerzhafte A. temporalis; im Laborbefund BSG ↑, CRP ↑

Vaskulär
  • SubarachnoidalblutungSubarachnoidalblutung (14.2.4): plötzlich stärkste Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen

  • SinusvenenthromboseSinusvenenthrombose: Bewusstseinsstörung, epileptische Anfälle, Protrusio bulbi, evtl. Fieber (bei septischer Thrombose), Hinrnnervenparesen

  • Zerebrale Blutung: akuter Beginn, Halbseitensymptomtik, Bewusstseinsstörung

Traumatisch: Schädel-Hirn-TraumaSchädel-Hirn-Trauma (Commotio, Contusio, Compressio cerebri; 14.2.1): Traumaanamnese, Bewusstlosigkeit (evtl. kurz), Nackensteifigkeit, neurologische Ausfälle (Contusio und Compressio)
Noxen
  • Alkohol: wegweisend ist die Anamnese, ggf. Hinweise auf alkoholische Begleiterkrankungen, u. a. Leberfunktionsstörungen, Pankreatitis, Polyneuropathie

  • Stoffwechselgifte: wegweisend ist die Anamnese, Symptome der Primärkrankheit, u. a. Leberzirrhose, Niereninsuffizienz

Weitere
  • HirntumorHirntumor (14.2.10): subakuter Schwankschwindel, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen

  • GlaukomGlaukom: akuter Beginn, meist einseitig, steinharter Bulbus, dilatierte konjunktivale Gefäße, Hornhauttrübung

  • TrigeminusneuralgieTrigeminusneuralgie: einseitige, paroxysmale, einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet des N. trigeminus (v. a. 2. und 3. Ast), druckschmerzhafte Trigeminusdruckpunkte, Auslöser u. a. Kälte, Kauen, Sprechen

  • Arterielle HypertonieHypertonie: okzipitale Kopfschmerzen, v. a. am Morgen; wegweisend ist die Blutdruckmessung im Tagesprofil

  • MyogeloseMyogelose: tastbare Muskelverhärtung meist im zervikalen Bereich und zervikothorakalen Übergang, Schmerzverstärkung unter Bewegung des Kopfes

  • Otitis mediaOtitis media: akut Fieber, Tragusdruckschmerz, ggf. Eiterfluss aus dem äußeren Gehörgang; in der Otoskopie entdifferenziertes und vorgewölbtes Trommelfell

  • Analgetika-Kopfschmerzen: wegweisend ist die Anamnese

Schwindel

Die Differenzialdiagnostik des Schwindels erfolgt nach dessen Ursachen. Grundsätzlich kann zwischen einem Drehschwindel (rotatorischer Schwindel) und Schwankschwindel unterschieden werden. Die Ursachen des rotatorischen Schwindels sind meist in Innenohr, Vestibulariskernen oder Kleinhirn zu suchen. Begleitet wird der rotatorische Schwindel vom Nystagmus und einer Fallneigung. Schwankschwindel kann auf zentrale oder periphere Ursachen zurückgeführt werden.

Zentral (zerebral)
  • HirntumorHirntumor (14.2.10): subakuter Schwankschwindel, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen

  • Multiple Sklerosemultiple Sklerose (14.2.7): chronischer oder schubweise auftretender Schwankschwindel, Gangunsicherheit, Intentionstremor, neurologische Ausfälle

  • MeningitisMeningitis, EnzephalitisEnzephalitis (14.2.6): Schwankschwindel, Fieber, Nackensteifigkeit mit positiven Meningendehnungszeichen, Krampfanfälle, neurologische Ausfälle (v. a. Enzephalitis)

  • Alkoholintoxikation: diffuser Schwankschwindel, Foetor, Gangunsicherheit, Enthemmung

Kardiovaskulär
  • Orthostatische Dysregulation: Schwankschwindel, Schwarzwerden vor den Augen, Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen, Fallneigung, Palpitationen

  • HypotonieHypotonie: Schwankschwindel, wegweisend sind niedrige Blutdruckwerte

  • AortenstenoseAortenstenose: Schwankschwindel, Angina pectoris-Anfälle, Symptome des Lungenödems, Synkopen

  • HerzinsuffizienzHerzinsuffizienz: Schwankschwindel, Dyspnoe, Asthma cardiale, Zyanose, symmetrische Beinödeme, gestaute Jugularvenen

Visuell
KinetoseKinetose: Dreh- oder Schwankschwindel, Doppelbilder, Übelkeit, Erbrechen
Kleinhirnursachen
Multiple Sklerosemultiple Sklerose (14.2.7): bei Beteiligung des Kleinhirns Drehschwindel und u. a. Charcot-Trias (skandierende Sprache, Intenstionstremor, Ataxie)
Vestibulär
Morbus MenièreMorbus Menière: anfallsweise auftretender Drehschwindel, Nystagmus, Fallneigung
Psychogen
AngststörungenAngststörungen (Phobie, Panikattacken): Schwankschwindel, Angstattacken entweder gerichtet (Phobie) oder ungerichtet (Panikstörung), Verstärkung bei emotionalen Stress, positive psychiatrische Anamnese; Patienten stürzen meist nicht

Störungen des Gangbildes

Die Differenzialdiagnostik der Gangbildstörungen erfolgt nach den Ursachen.

  • Spastische HemipareseHemiparese (Wernicke-Mann-GangWernicke-Mann-Gang): Bein gestreckt, Fuß plantarflektiert, Zirkumduktion, Arme nahe am Körper, Ellbogen, Hand gebeugt

  • Beidseitige Spastik der Beine (ScherengangScherengang): Beine überkreuzen sich beim Gehen

  • Morbus ParkinsonMorbus Parkinson: Anlaufschwierigkeiten, Oberkörper nach vorne geneigt, Schritte kurz, schlurfend, vermindertes Mitschwingen der Arme, Ruhetremor

  • KleinhirnataxieKleinhirnataxie: schwankend, unsicher, breitbeinig, Fallneigung auch mit offenen Augen

  • PolyneuropathiePolyneuropathie: schwankend, unsicher, breitbeinig, visuelle Kontrolle möglich

  • PeroneuslähmungPeroneuslähmung (SteppergangSteppergang): Anheben des Fußes durch Kniebeugung nicht möglich

Bewusstlosigkeit, Koma

Die Differenzialdiagnostik der Bewusstlosigkeit bzw. des Komas erfolgt nach den Ursachen bzw. Organsystemen.

Traumatisch
Schädel-Hirn-TraumaSchädel-Hirn-Trauma (14.2.1): meist akute Kopfschmerzen (Ausnahme: chronisches subdurales Hämatom), neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit, Anisokorie bei einseitiger Blutung
Zentral
  • Blutungen (epidurale, subdurale, subarachnoidale oder intrazerebral; 14.2.2, 14.2.3, 14.2.4): meist akute Kopfschmerzen (Ausnahme: chronisch subdurales Hämatom), neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Nackensteifigkeit, Anisokorie bei einseitiger Blutung

  • SinusvenenthromboseSinusvenenthrombose: Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, Protrusio bulbi, evtl. Fieber (bei septischer Thrombose), Hinrnnervenparesen

  • EpilepsieEpilepsie (14.2.9): epileptische Anfälle (meist generalisierte tonisch-klonische Anfälle)

  • HirntumorHirntumor (14.2.10): subakuter Schwankschwindel, Kopfschmerzen, neurologische Ausfälle, Krampfanfälle, Persönlichkeitsveränderungen

Metabolisch
  • HypoglykämieHypoglykämie: schnelle Entwicklung der Symptome, Heißhunger, Tremor, Schweißbildung, feuchte Haut

  • HyperglykämieHyperglykämie (ketoazidotisches bzw. hyperosmolares Koma): langsame Entwicklung der Symptome, Durst, Exsikkosezeichen, Hypotonie

  • HyponatriämieHyponatriämie: Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Adynamie, Krampfanfälle; wegweisend ist der Laborbefund

  • HypothyreoseHypothyreose: Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Symptome, Hypotonie, Bradykardie, Obstipation, Myxödem

  • HypothermieHypothermie: kalte, blasse, zyanotische Haut, Körperkerntemperatur ↓, Hypotonie, Bewusstseinsstörung, Herzrhythmusstörungen, Muskelzittern, Schmerzen

  • HypoxieHypoxie: Unruhe, Dyspnoe, Zyanose, Tachykardie, Hypertonie

  • Hepatisches KomaKoma:hepatisches: Symptome der Leberinsuffizienz, v. a. Ikterus, Foetor hepaticus, Blutungsneigung, im Laborbefund NH3

  • Urämisches KomaKoma:urämisches: Symptome der Niereninsuffizienz, v. a. Olig- oder Anurie, Ödeme, Hypertonie, Foetor urämicus, im Laborbefund harnpflichtige Substanzen ↑

Infektiös
  • MeningitisMeningitis, EnzephalitisEnzephalitis (14.2.6): Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit mit positiven Meningendehnungszeichen, Krampfanfälle, neurologische Ausfälle (v. a. Enzephalitis)

  • MalariaMalaria: je nach Malariaart u. a. rhythmisches Fieber mit Schüttelfrost oder unregelmäßiges Fieber, Bauchschmerzen, Milzschwellung, Ikterus, Anämie; wegweisend ist die Anamnese (Reise in Malariagebiete)

  • TyphusTyphus: treppenförmig ansteigendes Fieber, dann Fieberkontinua, starkes Krankheitsgefühl, Hepatosplenomegalie, zunächst Obstipation dann erbsbreiartige Diarrhö

Toxisch
  • Alkohol, Drogen: Kopfschmerzen, Foetor, Gangunsicherheit, Enthemmung, Veränderung der Pupillenweite; wegweisend ist die Anamnese

  • CO-IntoxikationCO-Intoxikation: Dyspnoe, rosige Gesichtsfarbe (keine Zyanose), Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Flimmerskotome, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle

Tremor

Die Differenzialdiagnostik des Tremors erfolgt nach der Tremorart (Tab. 14.2).

Zentrale und periphere Lähmung

Die zentrale und periphere Lähmung wird im Hinblick auf den Läsionsort, Reflexe, Muskeltonus und Muskeltrophik und Klonus differenziert (Tab. 14.3).

Fazialisparese

Die zentrale und periphere Fazialisparese wird im Hinblick auf Ursachen und Symptome differenziert (Tab. 14.4).

Nervenläsionen

Die häufigsten Nervenläsionen werden im Hinblick auf Ursache und Symptome differenziert.

Lähmung des N. radialis Lähmung:N.<2009><2009>radialis
  • Ursache: meist Oberarmbruch, chronischer Druck in der Axilla

  • Leitsymptom: Fallhand, wobei weder eine Streckung im Handgelenk noch in den Fingergrundgelenken möglich ist

Lähmung Lähmung:N.<2009><2009>ulnarisdes N. ulnaris
  • Ursache: direktes Trauma entweder in der Ellenbogenregion oder im Handgelenk

  • Leitsymptome: Krallenhand, Atrophie der Mm. interossei

LähmungLähmung:N.<2009><2009>peroneus des N. peroneus
  • Ursache: Druckschädigung im Bereich des Fibulaköpfchens, z. B. durch eine Gipsanlage

  • Leitsymptom: Steppergang wegen der Lähmung der Fuß- und Zehenextensoren

LähmungLähmung:N.<2009><2009>gluteus superior des N. gluteus superior
  • Ursache: am häufigsten durch unsachgemäß durchgeführte intramuskuläre Injektionen

  • Leitsymptom: Teile der Glutealmuskulatur insuffizient → beim Einbeinstand auf der kranken Seite sinkt das Becken auf die gesunde Seite (Trendelenburg-Zeichen positiv)

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Schädel-Hirn-Trauma (SHT)

Definition Schädel-Hirn-Trauma
Kopfverletzung mit Beteiligung des Gehirns. Je nach Umfang der Hirnverletzung unterscheidet man:
  • Commotio cerebriCommotio cerebri (GehirnerschütterungGehirnerschütterung): ohne makroskopischen Substanzdefekt

  • Contusio cerebriContusio cerebri (GehirnprellungGehirnprellung): mit Blutungsherden im Parenchym

  • Compressio cerebriCompressio cerebri (GehirnquetschungGehirnquetschung): meist nach Gewalteinwirkung; geht mit Dauerschäden einher

Leitsymptome
  • Commotio cerebri: evtl. kurze Bewusstlosigkeit (wenige Minuten), Kopfschmerzen, retrograde Amnesie, Übelkeit, Erbrechen, Nackensteifigkeit, Schwindel, Gedächtnisschwäche

  • Contusio cerebri: Symptome der Commotio cerebri und zusätzlich Gehirnhämatome, Krampfanfälle, organische Wesensänderung, neurologische Ausfälle

  • Compressio cerebri: Symptome der Contusio cerebri mit deutlich schwererem Verlauf

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.2)

Epiduralhämatom

Definition Epiduralhämatom
Arterielle Blutung zwischen Kalotte und Dura mater.
Leitsymptome
  • Kopfschmerzen

  • Bewusstlosigkeit gefolgt von einem freien Intervall, in dem die Patienten das Bewusstsein wieder erlangen

Begleitsymptome
  • Weite Pupille (Anisokorie) auf der betroffenen Seite

  • Kontralaterale Hemiparese

  • Übelkeit, Erbrechen als Zeichen einer Hirndrucksteigerung

  • Sekundäres Koma, das unbehandelt zum Tod führt

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.3)

Subduralhämatom

Definition Subduralhämatom
Venöse Blutung zwischen Dura mater und Arachnoidea. Kann als akutes oder chronisches Subduralhämatom in Erscheinung treten.
Leitsymptome
  • Kopfschmerzen

  • Wechselnde Bewusstseinsstörungen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Weite Pupille (Anisokorie) auf der betroffenen Seite

  • Epileptische Anfälle, neurologische Ausfälle

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.3)

Subarachnoidalblutung

Definition Subarachnoidalblutung
Blutungen in den Subarachnoidalraum, die in der Regel spontan auf Rupturen von Aneurysmen zurückzuführen sind oder selten traumatisch durch Arteriendissektion.
Leitsymptome
  • Heftigster, unerträglicher Kopfschmerz

  • Nackensteifigkeit mit positiven Meningen-Dehnungszeichen

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Somnolenz, Koma

  • Komplikationen: sekundäre zerebrale Ischämie, bleibende neurologische Ausfälle

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.3)

Schlaganfall (Apoplex, Hirninfarkt)

Schlaganfall Apoplex Definition Hirninfarkt
Zerebrale Durchblutungsstörung mit Untergang von Hirngewebe. Kann als weißer/ischämischer (80–85 %) oder roter Hirninfarkt (Blutung; 15–20 %) auftreten. Wichtigster Risikofaktor ist die Hypertonie.
Leitsymptome und Stadieneinteilung
  • Stadium I: asymptomatische Stenose

  • Stadium II = transitorische ischämische Attacke (TIA): kurzfristige neurologische Ausfälle wie Sehstörung, Arm-, Beinschwäche, Sprachstörung, die innerhalb von 24 Stunden reversibel sind

  • Stadium III: kompletter Hirninfarkt

    • Bewusstseinsstörung (z. B. Somnolenz, Verwirrtheitszustände)

    • Plötzliche Halbseitenlähmung (kontralateral)

    • Gangunsicherheit

    • Zeichen der zentralen Fazialisparese (kontralateral)

    • Sensibilitätsstörungen

    • Sprech- und Sprachstörungen im Sinne einer sensorischen oder motorischen Aphasie

    • Kreislauf- und Atemstörungen

    • Schluckschwierigkeiten

    • Kopfschmerzen, Sehstörungen

    • Epileptische Anfälle

    • Im akuten Stadium schlaffe Lähmung, verminderte Eigenreflexe

    • Nach Wochen bzw. Monaten Spastik mit Wernicke-Mann-Gang, Eigenreflexe gesteigert, pathologische Reflexe nachweisbar

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.4)

Meningitis

Definition Meningitis
Entzündung der weichen Hirnhäute. Häufige Erreger sind Meningokokken, Pneumokokken, B-Streptokokken, E. coli, HiB. Behandlungsverbot und Meldepflicht für Heilpraktiker nach §§ 24, 6, 7, 34.
Leitsymptome der Meningokokkenmeningitis
  • Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit (Meningismus), Opisthotonus

  • Positive Meningendehnungszeichen (Brudzinski, Lasegue, Kernig)

  • Fieber mit Schüttelfrost

Begleitsymptome
  • Lichtscheu, Bewusstseinsstörungen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Komplikation: septischer Schock (Waterhouse-Friderichsen-SyndromWaterhouse-Friderichsen-Syndrom)

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.5)

Multiple Sklerose

Definition multiple Sklerose
Schubweise verlaufende, demyelinisierende Autoimmunerkrankung des ZNS. Betroffen sind junge Menschen (v. a. Frauen) zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
Frühsymptome
  • Sehstörungen (u. a. Verschwommensehen, mangelnde Farberkennung, Doppelbilder) durch Neuritis des N. opticus

  • Sensibilitätsstörungen

  • Motorische Störung bis hin zu Lähmungen

  • Blasen-, Mastdarm-Dysregulation

  • Trigeminusneuralgie

  • Psychiatrische Symptome meist in Form von Stimmungsschwankungen wie dysphorischen und euphorischen Zuständen

  • Positives Lhermitte-Zeichen

Spätsymptome
  • Spastische Lähmungen

  • Gesteigerte Eigenreflexe, positive pathologische Reflexe, fehlender Bauchhautreflex (beweist die Erkrankung nicht)

  • Charcot-TriasCharcot-Trias: skandierende Sprache, Nystagmus, Intentionstremor bei Kleinhirn-Beteiligung

  • Invalidität

Therapie
  • Immunsuppressive Therapie

  • Physiotherapie

  • Supportive Psychotherapie

Merke

Eine Erhöhung der Körpertemperatur, u. a. durch Fieber oder heiße Bäder, kann schubauslösend wirken.

Morbus Parkinson

Definition Morbus Parkinson
Degenerative Erkrankung der Basalganglien (Substantia nigra) mit Verlust der dopaminergen Neurone.
Leitsymptome
  • Rigor (Zahnradphänomen): ausgeprägte Steifigkeit der Muskulatur

  • Hypokinese bzw. Akinese:

    • Anlaufschwierigkeiten, Stoppschwierigkeiten

    • Kleinschrittiger und vornübergebeugter Gang

    • Reduziertes Mitschwingen der Arme

    • Fallneigung

    • Salben-, Maskengesicht

    • Mikrografie

    • Seltener Lidschlag

  • Feinschlägiger Tremor, der auch einseitig beginnen kann

Begleitsymptome
  • Beginn häufig als Schulter-, Gelenkschmerzen

  • Schwitzen, Speichelfluss

  • Verlangsamte Denkabläufe, später Demenzsymptome, psychotische Symptome, Stimmungsschwankungen

Therapie
  • Dopaminantagonisten, Levodopa (L-Dopa), MAO-B-Hemmer, Akineton®, Amantadin, Antidepressiva

  • Physiotherapie und Psychotherapie

  • Operative Verfahren (Tiefenhirnstimulation)

Grand-mal-Anfall

Definition Grand-mal-Anfall
KrampfleidenEpilepsieWird durch einen pathologischen Erregungsvorgang im Gehirn verursacht, der mit synchroner Erregung aller Gehirnzellen einhergeht und beide Hemisphären betrifft. Auslöser können u. a. Schlafentzug, Alkohol- und Drogenabusus, Durchblutungsstörungen, Elektrolytverschiebungen oder Lichtstimulation sein.
Leitsymptome
  • Aura (Vorboten)

  • Plötzliches Hinstürzen, evtl. mit einem Schrei

  • Tonische Phase mit Anspannung der Muskulatur und reflektorischem Atemstillstand; Dauer 10 oder mehr Sekunden

  • Klonische Phase mit Zuckungen am ganzen Körper, Schaum vor dem Mund, Zungenbiss, Urin- und Stuhlabgang; Dauer einige Minuten

  • Postiktaler Zustand mit Schläfrigkeit, Verwirrtheit

  • Amnesie über den Zeitraum des Anfalls

  • Komplikation: Status epilepticus (Aufeinanderfolgen von Anfällen, ohne dazwischen das Bewusstsein erlangt zu haben)

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.6)

Hirntumor

Definition Hirntumor
Neubildung im Gehirn. Sie können in primäre Hirntumoren (u. a. Astrozytom, Meningeom) und Metastasen (u. a. Bronchial-, Mammakarzinom) eingeteilt werden.
Leitsymptome
  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit, morgendliches Erbrechen im Schwall

  • Krampfanfälle

  • Neurologische Ausfälle in Form von Lähmungen, Sensibilitätsstörungen

  • Bewusstseinsstörungen, Wesensänderung und psychiatrische (affektive) Symptome

Therapie
  • Chirurgische Entfernung

  • Strahlen-, Chemotherapie

Polyneuropathie

Definition Polyneuropathie
Störungen mehrerer peripher Nerven, die nicht mechanisch hervorgerufen sind. Häufige Ursachen sind Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus, Hypothyreose), Vitaminmangel, toxische Einflüsse durch Alkohol, Blei, Urämiegifte.
Leitsymptome der sensomotorischen Neuropathie Neuropathie:sensomotorische
  • Betroffen sind distale Körperregionen, v. a. die untere Extremität

  • Symmetrische Sensibilitätsstörungen zunächst sockenförmig (handschuhförmig), dann strumpfförmig als Parästhesien, Burning feet oder Schmerzen; Vibrationsempfinden reduziert oder aufgehoben

  • Trophische Störungen: verminderte Schweißsekretion, trockene Haut, Ulzera

  • Durch den sympathischen Ausfall Extremität warm und rosig

  • Motorische Schwäche, Muskelatrophie

  • Sehnenreflexe (ASR, PSR) abgeschwächt oder erloschen

  • Reduzierte Nervenleitgeschwindigkeit

Leitsymptome der autonomen Neuropathie Neuropathie:autonome
  • Obstipation und Diarrhö im Wechsel

  • Übelkeit durch Gastroparese

  • Blasensphinkterschwäche mit u. a. Inkontinenz, Harnverhalt

  • Erektionstörungen

  • Mastdarmsphinkterschwäche

Therapie
Ursachensuche und deren Behandlung

Karpaltunnelsyndrom

Definition Karpaltunnelsyndrom
Läsion des N. medianus im Karpaltunnelbereich (Lig. carpi transversum) durch einen mechanischen Engpass.
Leitsymptome
  • Parästhesien im Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, besonders in der Nacht, die durch Händeschütteln gebessert werden

  • „Schwurhand“: Patient kann beim Versuch, eine Faust zu machen, nur die ulnaren Finger beugen

  • Positives Flaschenzeichen: Unfähigkeit, einen runden Gegenstand zu umgreifen

  • Unfähigkeit, die Daumenkuppe mit der Kleinfingerkuppe zusammenzuführen

  • Atrophie der Daumenballen-Muskulatur (Thenar-Muskulatur)

Therapie
  • Ruhigstellung des Handgelenks zur Nacht

  • Operation

Wurzelkompressionssyndrome

Definition Wurzelkompressonssyndrom
Kompression der Nervenwurzel mit neurologischem Ausfall. Ursachen sind BandscheibenvorfallBandscheibenvorfall (am häufigsten zwischen L4/L5 und L5/S1), Trauma, Tumor- und Metastasenwachstum.
Leitsymptome
  • Tab. 14.5

  • Akute Rückenschmerzen mit Projektion weit in das sensible Innervationsgebiet, meist bis zum Fuß und den Zehen mit Verschlimmerung beim Pressen, Niesen, Husten

  • Positive Nervendehnungszeichen (u. a. Lasegue, Kernig)

  • Sensible und motorische Ausfälle

  • Schmerzen entlang der Valleix-Druckpunkte

  • Reflexausfall

Therapie
  • Bettruhe, Flach-, Stufenbettlagerung

  • Analgetika, Muskelrelaxantien

  • Operation bei neurologischen Ausfällen

Kauda-Syndrom

Definition Kauda-Syndrom
Kann bei Frakturen oder einem medialen Bandscheibenvorfall unterhalb von L1/L2 entstehen und geht mit Kompression der Cauda equina einher.
Leitsymptome
  • Starke Rückenschmerzen

  • Schlaffe Lähmung, je nach Läsionshöhe im Bereich der unteren Extremität oder im Reithosenareal

  • Areflexie, Blasen- und Mastdarmsphinkterparese

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.11.7)

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen