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B978-3-437-58765-8.00020-9

10.1016/B978-3-437-58765-8.00020-9

978-3-437-58765-8

Glasgow-Coma-Scale

Tab. 20.1
Reaktion Punkte
Augen öffnen
  • Spontan öffnen

  • Öffnen auf Ansprache

  • Öffnen auf Schmerzreize

  • Keine Reaktion

4
3
2
1
Verbale Reaktion
  • Orientiert

  • Verwirrt, desorientiert

  • Unzusammenhängende Worte

  • Unverständliche Laute

  • Keine verbale Reaktion

5
4
3
2
1
Motorische Reaktion
  • Befolgt Aufforderungen

  • Gezielte Schmerzabwehr

  • Massenbewegungen (ungezielte Schmerzabwehr)

  • Beugesynergien (Beugereaktion)

  • Strecksynergien (Streckreaktion)

  • Keine Reaktion

6
5
4
3
2
1

Notfälle

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Sie werden zu einem Ihnen bekannten 44-jährigen Patienten zum Hausbesuch gerufen, der akut über thorakale Schmerzen mit Ausstrahlung in die linke Achsel, Druckgefühl über der Brust, Dyspnoe, Übelkeit, Schwäche und Schweißneigung klagt. Die Symptome haben vor ca. 30 Minuten begonnen und werden in der Intensität stärker. Vorausgegangen ist ein heftiger telefonischer Disput mit einem Vorgesetzten. Auf Nachfrage sind die Schmerzen persistierend und nicht atemabhängig.

In der jüngsten Vorgeschichte (in den letzten 3 Monaten) bereits zwei ähnliche Schmerzepisoden, die spontan nach wenigen Minuten unter Ruhebedingungen nachgelassen haben.

Starker Nikotinabusus mit ca. 30 Zigaretten/Tag seit 25 Jahren, die Medikamenten- und Drogenanamnese (illegale Drogen) sind leer.

Vorgeschichte

  • Arterielle Hypertonie

  • Chronische Bronchitis

  • Anamnestisch V. a. Angina-pectoris-Anfälle

Untersuchungsbefund

Unruhiger, ängstlicher Patient in gutem Ernährungszustand und deutlich reduziertem Allgemeinzustand. Haut blass, feucht, an den Lippen dezente Zyanose. Keine Jugularvenenstauung. Lungenuntersuchung ohne pathologischen Befund. Herztöne rein ohne pathologische Geräusche, HF 100/Min., arrhythmisch, RR 110/70 mmHg.

Abdominale Untersuchung unauffällig. Nierenlager frei. Keine Ödeme, periphere Pulse seitengleich tastbar. Orientierende neurologische Untersuchung unauffällig.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

HerzinfarktHerzinfarkt (2.2.6). Typisch für den Herzinfarkt sind die akuten thorakalen Schmerzen mit Ausstrahlung in die linke Achsel, Druckgefühl, Dyspnoe, Übelkeit, Schwäche und Schweißneigung. Der vorausgegangene Disput kann als Auslöser angesehen werden. Die in der Vorgeschichte geschilderten Schmerzepisoden, Nikotinkonsum und arterielle Hypertonie stellen Risikofaktoren dar und stützen den Verdacht. Die Arrhythmie ist ebenfalls mit einem kardialen Geschehen vereinbar.

Differenzialdiagnosen

  • Lungenembolie: unwahrscheinlich wegen fehlender typischer Thrombosezeichen, kann aber nicht ausgeschlossen werden und muss laborchemisch bzw. durch bildgebende Verfahren (CT-Thorax, Angiografie) ausgeschlossen oder bestätigt werden

  • Pneumothorax: unwahrscheinlich wegen fehlender typischer Symptome (u. a. Atemabhängigkeit, zunehmende Dyspnoe) und des Auskultationsbefunds; hypersonorer Klopfschall, reduzierter Stimmfremitus, abgeschwächtes Atemgeräusch

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • EKG: Lokalisation und Ausdehnung des Infarkts, Messung vom Rhythmus, Erregungspathologien (typisch für den Herzinfarkt ist eine ST-Streckenhebung), Bestimmung der elektrischen Herzachse

  • Labor: großes Blutbild, BSG, CRP, Blutzucker, Elektrolyte, Nieren- und Leberparameter, Gesamt-Cholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride, Troponin T/I, CK-Gesamt, CK-MB, LDH, Quick, PTT

  • Röntgen-Thorax: Beurteilung der Herzgröße, Lage, Beurteilung der Lunge hinsichtlich Stauungszeichen, Infiltraten oder Rundherden

  • Echokardiografie: Beurteilung der v. a. linksventrikulären Pumpfunktion, Klappenfunktion

  • Koronarangiografie: Darstellung von Stenosen bzw. Verschlüssen der Koronararterien, gleichzeitige Möglichkeit der Therapie

Therapie

Notfall mit sofortiger Verweisung in eine intensivmedizinische Einheit:

  • Notruf absetzen

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Absolute körperliche Ruhe, Abschirmung von Angehörigen

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, Zugang mit sehr wenig Ringer-Lösung offen halten oder Mandrin in den Zugang einführen

  • Reanimationsbereitschaft

  • Keine i. m.-Injektionen

Notfallmedizin

Basismaßnahmen

  • 1.

    Auf Sicherheit NotfallmedizinachtenNotfallmedizin:Basismaßnahmen

  • Potentielle Gefahren für den Patienten und den Retter sowie andere anwesende Personen sollten erkannt werden. Man beachte, dass der Eigenschutz immer vorgeht.

  • Gegebenenfalls Sicherung der Unfallstelle unter Beachtung des Eigenschutzes.

  • Überblick verschaffen über die Notsituation.

  • Gegebenenfalls Patientenrettung.

  • 2.

    Überprüfung des Bewusstseins durch Ansprechen, Anfassen und das Setzen von Schmerzreizen

  • Falls der Patient reagiert, verbleibt er bis Klärung der Ursachen zunächst in der Lage, in der er vorgefunden wurde. Die Vitalzeichenkontrolle erfolgt dann laufend. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen Durchführung der lebensrettenden Sofortmaßnahmen.

  • Für den Fall, dass der Patient nicht reagiert, Hilfe rufen, den Patienten in Rückenlage drehen und die Atmung überprüfen.

  • 3.

    Überprüfung der Atmung

  • Mund öffnen.

  • Atemwege kontrollieren und freimachen.

  • Kopf überstrecken.

  • Atmungskontrolle durch Hören von Atemgeräuschen, Sehen von Brustkorbbewegungen, Fühlen vom Luftstrom auf der Wange. Die Atmungskontrolle sollte nicht länger als 10 Sekunden betragen.

  • Wenn der Patient normal atmet, ihn in die stabile Seitenlage bringen und den Notruf absetzen.

  • Wenn der Patient nicht atmet, Notruf absetzen und kardiopulmonale Reanimation beginnen.

  • 4.

    Absetzen eines Notrufes

  • Wo geschah es?

  • Was geschah?

  • Wie viele Verletzte?

  • Welche Art von Verletzungen?

  • Warten auf Rückfragen

  • Notrufnummern:

    • Rettungsdienst, Notarzt: 112

    • Polizei: 110

    • Giftnotrufzentrale: 19240

Gefahrensituationen im Rahmen der Rettung

  • Straßenverkehr: Durch ein liegen gebliebenes Fahrzeug oder einen Unfall. Absicherung der Unfallstelle durch die Warnblinkanlage, Tragen einer Warnweste, Aufstellung eines Warndreiecks in ausreichender Entfernung. Immer dem Verkehr entgegenlaufen, möglichst hinter der Leitplanke.Notfallmedizin:Gefahrensituationen

  • Geräte und Maschinen: In der Landwirtschaft, in Betrieben und auf Baustellen.

  • Grube, Silo, Keller: Hier besteht die Gefahr des Verschüttetwerdens durch schlecht oder nicht abgestützte Gruben und Schüttgüter in Silos sowie die des Erstickens in Gärkellern und Silos, wenn z. B. durch Gärung CO2 entsteht. Dieses sammelt sich am Boden, da es schwerer als Luft ist und die Luft vollständig verdrängt. Rettung bei so einem Unfall ist nur durch ausgebildete Fachkräfte mit Atemschutz möglich.

  • Brände: Entwicklung von Hitze und Rauch, heißen und giftigen Gasen.

  • Gifte: Für den Ersthelfer gefährlich sind v. a. Kontaktgifte (Pflanzenschutzgifte, E 605, seit 2002 verboten).

  • Säuren, Laugen: Berührung in jedem Fall vermeiden, da Ätzwirkung auch im verdünnten Zustand gegeben ist.

  • Elektrischer Strom: Vor der Hilfeleistung unbedingt die Stromzufuhr unterbrechen.

  • Blutende Wunden: Von ihnen kann eine Infektionsgefahr ausgehen. Schutz durch Tragen von Handschuhen.

  • Lawinen: Nach Lawinenabgängen kann es zu weiteren kommen.

Griffe und Lagerung

Rettung des PatientenNotfallmedizin:Rettung des Patienten
Angewendet wird dazu der Rautek-GriffRautek-Griff:
  • Den Patienten von hinten unter der Achsel mit beiden Armen am Thorax umklammern, dabei die Patientenarme im Ellenbogen 90° beugen.

  • Danach beide Unterarme des Patienten fassen.

  • Die Daumen des Helfers sollten nach außen gehalten werden, um zusätzliche Verletzungen zu vermeiden.

  • Den Patienten rückwärts aus der Gefahrenzone ziehen.

Rettung aus dem Fahrzeug:
  • Tür auf der Patientenseite öffnen.

  • Die Füße unter den Pedalen befreien.

  • Sicherheitsgurt lösen; dabei den Oberkörper des Patienten festhalten.

  • Patienten mit dem Rücken zur Tür drehen.

  • Mit dem Rautek-Griff den Patienten aus dem Fahrzeug ziehen.

LagerungLagerung von bewusstseinsklaren Patienten
  • Schädel-Hirn-Erkrankung: Oberkörper 30° hoch lagern

  • Wirbelsäulenverletzung: Patienten nicht weiter bewegen und so lagern, wie sie vorgefunden wurden

  • Akuter Extremitätenverschluss: betroffene Extremität tief lagern

  • Tiefe Beinvenenthrombose: betroffene Extremität 30° hoch lagern

  • Kardiopulmonale Erkrankung: mit erhöhtem Oberkörper lagern

  • Volumenmangelschock: Beine erhöht lagern, bei gleichzeitiger Wirbelsäulenverletzung achsengerade lagern und dann in Kopftieflage bringen

  • Schwangere mit Verdacht auf eine Vena-cava-Kompression: Linksseitenlagerung

  • Abdominale Erkrankungen: Rückenlagerung mit angewinkelten Beinen

Lagerung von bewusstlosen Personen
Jeder Patient, der bewusstlos ist, aber eine erhaltene Atem- und Herztätigkeit hat, wird in die stabile Seitenlagestabile Seitenlage gebracht. Es gibt mehrere Varianten der stabilen Seitenlage, wobei keine einzige Lagerung für den Patienten optimal ist. Wichtig ist, dass der Patient
  • auf der Seite,

  • mit überstrecktem Hals und

  • der Mund am tiefsten Punkt liegt sowie

  • der Brustkorb nicht komprimiert wird.

Durchführung:
  • Neben den Patienten hinknien. Dabei sollen die Beine des Patienten ausgestreckt sein.

  • Den (nächstgelegenen) Arm im rechten Winkel lagern, die Handfläche nach oben.

  • Den entfernt liegenden Arm fassen und über den Brustkorb des Patienten legen.

  • Mit der anderen Hand das entfernt liegende Bein am Oberschenkel fassen und hochziehen, der Fuß sollte auf dem Boden haften.

  • Am Bein (Hüfte) und Hand fassen und den Patienten zu sich auf die Seite kippen.

  • Das Hüft- und Kniegelenk sollten im 90° Winkel sein.

  • In der Seitenlage: Kopf überstrecken, Hand unter die Wange, der Mund soll am tiefsten Punkt liegen.

  • Laufende Kontrolle der Atmung.

Kardiopulmonale Reanimation (CPR)

kardiopulmonale Reanimation Durchführung CPR
  • Seitlich vom Patienten hinknien.

  • Druckpunkt in der Mitte der Brust (untere Hälfte des Sternums) mit dem Handballen aufsuchen.

  • Die andere Hand darauf legen, Finger verschränkt.

  • Die Finger sollten vom Thorax abgespreizt werden, um mit ihnen keinen parasternalen Druck auszuüben.

  • Der Druck erfolgt mit gestreckten Armen senkrecht von oben durch „Beugen“ des Helfers in der Hüfte.

  • Den Thorax mindestens 5 cm, aber nicht mehr als 6 cm komprimieren.

  • Die Frequenz beträgt mindestens 100/Min., aber nicht mehr als 120/Min.

  • Das Verhältnis von Thoraxkompressionen und Beatmung beträgt 30 : 2 unabhängig von der Zahl der Helfer.

  • Auf gleichmäßige Thoraxentlastung achten.

Fehler
  • Druckpunkt zu tief oder zu hoch angesetzt

  • Zu schnelle oder zu langsame Frequenz

Komplikationen
  • Rippen-, Sternumfraktur

  • Pneumo-, Hämatothorax

  • Lungen-, Herz-, Leber-, Milz-, Magen-, Zwerchfellruptur

  • Pulmonale Aspiration

Mund-zu-Mund-Beatmung

  • Mit Daumen und Zeigefinger der an der Stirn liegenden Hand den weichen Teil der Nase verschließenMund-zu-Mund-Beatmung

  • Mund des Betroffenen bei angehobenem Kinn öffnen

  • Lippen dicht um den Mund des Patienten legen

  • Gleichmäßig in den Mund blasen und darauf achten, dass sich der Thorax bewegt (ca. 1 Sekunde)

  • 2 Beatmungen durchführen

  • Mit der Herzdruckmassage fortfahren

Merke

Falls eine Beatmung, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich ist, nur die Herzdruckmassage durchführen. Das ist besser, als gar nichts zu tun.

Bei der Beatmung keine besonders hohen Volumina in den Patienten blasen. Optimalerweise sollten die Lunge 0,5 l erreichen, jedes höhere Volumen führt zur Magenüberblähung.

Bewegungsapparat

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, Zugang mit Ringer-Lösung offen halten

Fraktur

Frakturenarten Fraktur
  • Geschlossene Fraktur

  • Offene Fraktur

Einteilung der offenen Frakturen
  • Grad I: Durchspießung mit punktförmigen Verletzung

  • Grad II: Gewebekontusion und Weichteilverletzung

  • Grad III: ausgedehnte Weichteilzerstörung mit Verletzung tiefer liegender Strukturen (Muskeln, Nerven, Gefäße)

  • Grad IV: subtotale oder totale Amputation

Blutverlust bei Frakturen
  • Unterarm: bis 500 ml

  • Oberarm: bis 1.000 ml

  • Unterschenkel: bis 1.000 ml

  • Oberschenkel: bis 2.000 ml

  • Becken: bis 5.000 ml

Leitsymptome
1.2.1
Basisversorgung
  • Starke Blutungen sofort komprimieren und steril abdecken

  • Oberkörperhochlagerung

  • Ruhigstellung der betroffenen Extremität

  • Keine Repositionsversuche an der Fraktur

  • Prüfung von Sensibilität und Durchblutung distal der Fraktur

Wirbelsäulentrauma

Leitsymptome Wirbelsäulentrauma
  • Schmerzen im betroffenen Gebiet

  • Nackenschmerz oder Nackensteifigkeit

  • Gegebenenfalls Querschnittsymptome wie motorische, sensible Ausfälle, Stuhl-, Harnabgang

  • Bewusstseinsstörung, Atemstörungen bei HWS-Beteiligung

  • Hypotonie, Tachykardie

Basisversorgung
  • Bei ansprechbaren Patienten keine Lageänderung

  • Bei Bewusstlosen stabile Seitenlage, achsengerecht

  • Gegebenenfalls HWS mit Stützkrawatte fixieren

Herz-Kreislauf-System

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, mit sehr wenig Ringer-Lösung offen halten oder Mandrin in den Zugang einführen (außer, es ist etwas anderes zur Infusionsmenge angegeben)

Akute Endokarditis

Leitsymptome Endokarditis:akute
2.2.1
Basisversorgung
Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

Angina pectoris und Herzinfarkt

Angina pectoris Leitsymptome Herzinfarkt
2.2.5, 2.2.6
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Absolute körperliche Ruhe, Abschirmung von Angehörigen

  • Evtl. Gabe von Nitrolingual, wenn der systolische Blutdruck > 120 mmHg beträgt

  • Reanimationsbereitschaft

  • Cave: Keine i. m.-Injektionen durchführen; eine nachfolgende Fibrinolysetherapie und Therapie mit Antikoagulanzien kann sonst zu starken Blutungen am Punktionsort führen, ferner verursachen i. m.-Injektionen eine (unspezifische) Erhöhung der Gesamt-CK

Herzrhythmusstörungen

Leitsymptome Herzrhythmusstörungen
  • Arrythmie, Bradykardie, Tachykardie

  • Schwindel, Benommenheit, Unruhe

  • Dyspnoe

Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Engmarschige Kontrolle von Herzfrequenz und Blutdruck

Akute Herzinsuffizienz

Leitsymptome Herzinsuffizienz
  • Ruhedyspnoe, Tachypnoe, Zyanose

  • Unruhe, Angst, Schwächegefühl

  • Kaltschweißigkeit, blasse Haut

  • Herzrhythmusstörungen

  • Hypotonie, kardiogener Schock

  • Rechtsherzinsuffizienz: zusätzlich gestaute Halsvenen

  • Linksherzinsuffizienz: zusätzlich Lungenödem mit schaumig-rötlichem Sputum

Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Bei Lungenödem unblutiger Aderlass

Hypertensive Krise und hypertensiver Notfall

hypertensive Krise Leitsymptome hypertensiver Notfall
  • Hypertensive Krise: Nasenbluten, Schwindel, Tinnitus, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen

  • Hypertensiver Notfall: Bewusstseinsstörung, neurologische Ausfälle, epileptische Anfälle, Atemnot

Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Stabile Seitenlage bei Bewusslosigkeit

Hypovolämischer Schock

Leitsymptome Schock:hypovolämischer
  • Feuchte, kühle, blasse Haut

  • Zittern, Frieren

  • Blutdruck normal oder erniedrigt, Tachykardie

  • Oligurie, kollabierte Venen

Basisversorgung
  • Starke Blutungen sofort stillen

  • Beine hochlagern (Autotransfusion)

  • 1.000–1.500 ml Ringer-Lösung infundieren (bei Laktatazidose NaCl 0,9 %)

Kardiogener Schock

Leitsymptome Schock:kardiogener
  • Hypotonie, Herzrhythmusstörungen

  • Symptome der akuten Herzinsuffizienz (20.3.4)

Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Engmarschige Kontrolle von Herzfrequenz und Blutdruck

Neurogener Schock

Leitsymptome Schock:neurogener
  • Hypotonie, Tachykardie

  • Neurologische Ausfälle

Basisversorgung
  • Bei ansprechbaren Patienten keine Lageänderung

  • Bei Bewusstlosen stabile Seitenlage, achsengerecht

Septischer Schock

Leitsymptome Schock:septischer
  • Fieber oder Untertemperatur

  • Tachykardie, Tachypnoe, Hypotonie

  • Unruhe, Orientierungsstörungen

  • Hauterscheinungen wie Pusteln oder Einblutungen

Basisversorgung
  • Oberkörperhochlagerung oder Hochlagerung der Beine je nach kardiopulmonaler Situation

  • 1.000 ml Ringer-Lösung infundieren (bei Laktatazidose NaCl 0,9 %)

Anaphylaktischer Schock

Leitsymptome Schock:anaphylaktischer
  • Hypotonie, Tachykardie

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Schwindel, Angst

  • Urtikaria, Juckreiz

Basisversorgung
  • Allergenzufuhr stoppen

  • Hochlagerung der Beine, bei starker Atemnot Oberkörperhochlagerung

  • 1.000 ml Ringer-Lösung infundieren (bei Laktatazidose NaCl 0,9 %)

  • Gabe von Antihistaminika, z. B. Tavegil® 2 mg i. v.

  • Gabe von Glukokortikoiden und Suprarenin, wenn vorhanden

  • Kühlung von Schwellungen

Akuter Extremitätenverschluss

Leitsymptome akuter Extremitätenverschluss
3.1.5
Basisversorgung
  • Tieflagerung und Ruhigstellung der betroffenen Extremität

  • Polsterung der Extremität mit Watteverband

  • Cave: Keine Wärmezufuhr (keine Wärmflaschen oder Heizdecken)

Mesenterialinfarkt

Leitsymptome Mesenterialinfarkt
3.2.5
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Zufuhr von NaCl 500–1.000 ml i. v.

  • Nahrungskarenz

  • Keine Wärmeflaschen, keine Einläufe

Tiefe Beinvenenthrombose

Leitsymptome tiefe Beinvenenthrombose
3.2.8
Basisversorgung
  • Rückenlagerung mit leicht erhöhter (30°) Extremität und Ruhigstellung

  • Zugang mit Ringer-Lösung 500–1.000 ml i. v. offen halten (Cave: bei Thrombose an der oberen Extremität nicht auf der betroffenen Seite)

  • Keine Manipulation an der betroffenen Extremitäten

  • Patienten nicht aufstehen lassen

  • Cave: Keine i. m.-Injektionen durchführen; nachfolgende Fibrinolysetherapie und Therapie mit Antikoagulanzien kann sonst zur starken Blutungen am Punktionsort führen; ferner verursachen i. m.-Injektionen eine (unspezifische) Erhöhung der Gesamt-CK

Atemwege

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, mit Ringer-Lösung offen halten (außer, es ist etwas anderes zur Infusionsmenge angegeben)

Pseudokrupp und Epiglottitis

Pseudokrupp Leitsymptome Epiglottitis
4.1.8
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Inhalation von feucht-kalter Luft beim Pseudokrupp

  • Bei ausgeprägten Symptomen keine Racheninspektion, kann zur kompletten Verlegung der Atemwege führen

Asthma bronchiale

Leitsymptome Asthma bronchiale
4.2.3
Basisversorgung
  • Gegebenenfalls Allergenzufuhr stoppen

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper im „Kutscher-Sitz“ und Einsatz der Lippenbremse

  • O2-Gabe 2 l/Min., keine unkontrollierte O2-Gabe

  • Bei akutem allergischem Geschehen 2 mg Tavegil® i. v.

  • Gabe von Bronchodilatatoren

Lungenödem

Leitsymptome Lungenödem
4.2.8
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Zugang mit sehr wenig Ringer-Lösung offen halten oder Mandrin in Zugang einführen

  • Unblutiger Aderlass

Lungenembolie

Leitsymptome Lungenembolie
4.2.9
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Zugang mit sehr wenig Ringer-Lösung offen halten oder Mandrin in Zugang einführen

  • Cave: Keine i. m. Injektionen durchführen; eine nachfolgende Fibrinolysetherapie und Therapie mit Antikoagulanzien kann sonst zur starken Blutungen am Punktionsort führen; ferner verursachen i. m.-Injektionen eine (unspezifische) Erhöhung der Gesamt-CK

Pneumothorax

Leitsymptome Pneumothorax
4.2.10
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper, Bewusstlose auf die kranke Seite lagern

  • Bei Spannungspneumothorax Entlastungspunktion im 2. ICR am Rippenoberrand mit einem Notfallventil

Hyperventilation

Leitsymptome Hyperventilation
  • Parästhesien an Händen, Füßen, perioral, Kussmund, Pfötchenstellung der Hände

  • Periphere Krämpfe

  • Unruhe, Blässe, Schwitzen

  • Schnelle Atmung, subjektive Atemnot

  • Tachykardie, Blutdruck normal bis ↑

Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Keine O2-Gabe

  • Psychische Betreuung und Atemkommandos

  • Patienten in Tüte atmen lassen und Rückatmung aus Tüte

Verdauungssystem

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen

  • 1.000 ml Ringer-Lösung infundieren

Ulkusblutung

Leitsymptome Ulkusblutung
  • Blutiges Erbrechen und/oder peranaler Blutabgang

  • Abdominelle Schmerzen

  • Schocksymptome

Basisversorgung
  • Lagerung mit aufrechtem bzw. erhöhtem Oberkörper

  • Nahrungskarenz

Appendizitis

Leitsymptome Appendizitis
5.2.9
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Eventuell O2-Gabe

  • Nahrungskarenz, keine Wärmeflaschen

Ileus

Leitsymptome Ileus
5.1.8
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Nahrungskarenz, keine Einläufe

  • Bei Laktatazidose NaCl 0,9 % infundieren

Peritonitis

Leitsymptome Peritonitis
5.2.12
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Nahrungskarenz, keine Wärmeflaschen

  • Bei Laktatazidose NaCl 0,9 % infundieren

Perforation eines Hohlorgans

Leitsymptome Perforation eines Hohlorgans
  • Plötzlicher, reißender Schmerz

  • Zunehmende abdominale Schmerzen

  • Eventuell schmerzfreies Intervall und dann Zunahme der klinischen Symptome

Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Nahrungskarenz, keine Wärmeflaschen, keine Einläufe

Leber, Galle und Pankreas

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen

  • 1.000 ml Ringer-Lösung infundieren

Ösophagusvarizenblutung

Leitsymptome Ösophagusvarizenblutung
  • Blutiges Erbrechen und Schocksymptome

  • Zeichen der Leberzirrhose

Basisversorgung
  • Lagerung mit aufrechtem bzw. erhöhtem Oberkörper

  • Nahrungskarenz

Gallenkolik und Cholangitis

Gallenkolik Leitsymptome Cholangitis
6.2.5, 6.2.6
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Eventuell O2-Gabe

  • Nahrungskarenz, keine Wärmeflaschen, keine Einläufe

Akute Pankreatitis

Leitsymptome Pankreatitis:akute
6.2.7
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Nahrungskarenz, keine Wärmeflaschen, keine Einläufe

Blut und Lymphsystem

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • Mehrere großlumige venöse Zugänge legen

  • 1.000–1.500 ml Ringer-Lösung infundieren

Akute Blutung

LeitsymptomeBlutung:akute
Blutaustritt aus Wunde oder Körperhöhle
Basisversorgung
  • Starke Blutungen sofort stillen

  • Beine hochlagern (Autotransfusion)

Milzruptur

Leitsymptome Milzruptur
9.2.4
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Nahrungskarenz

Hormone

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen

  • 1.000 ml Ringer-Lösung infundieren

Hypoglykämisches Koma

Leitsymptome Koma:hypoglykämisches
10.1.1
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Glukoselösung (optimal 40–100 ml 40 % Glukose, danach 500 ml 5 % Glukose) unter laufender Kontrolle der Blutzuckerspiegel infundieren, bei ansprechbaren Patienten Glukosezufuhr oral z. B. als Saft

Coma diabeticum

Leitsymptome Coma diabeticum
10.1.1
Basisversorgung
Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

Niere und ableitende Harnwege

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • Eventuell O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, mit Ringer-Lösung offen halten

Akutes Nierenversagen

Leitsymptome Nierenversagen:akutes
11.2.1
Basisversorgung
Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

Gestosen

Leitsymptome Gestose
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Sehstörungen, Bewusstseinsstörung

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Tachykardie, Hypertonie

  • Gesteigerte Reflexe, tonisch-klonische Krampfanfälle

Basisversorgung
  • Abschirmung von äußeren Reizen

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • O2-Gabe

Akuter Harnverhalt

Leitsymptome Harnverhalt:akuter
  • Unterbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen

  • Unruhe

  • Gegebenenfalls Harnträufeln als Folge der Überlaufblase

Basisversorgung
Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

Nierenkolik

Leitsymptome Nierenkolik
11.2.8
Basisversorgung
Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

Geschlechtsorgane

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • Eventuell O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, mit Ringer-Lösung offen halten

Hodentorsion

Leitsymptome Hodentorsion
13.2.4
Basisversorgung
  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper und angewinkelten Beinen (ggf. Knierolle)

  • Nahrungskarenz

Vena-cava-Kompressionssyndrom

Leitsymptome Vena-cava-Kompressionssyndrom
  • Schwindel, Übelkeit, Schwächegefühl

  • Bewusstseinsstörung

  • Blässe, Zyanose, Kaltschweißigkeit

  • Tachykardie, Hypotonie, keine Halsvenenstauung

Basisversorgung
Lagerung auf der linken Seite

Vaginale Blutung

Ursachen Blutung:vaginale
  • In der Schwangerschaft: Extrauteringravidität, Abort, Placenta praevia, vorzeitige Plazentalösung

  • Außerhalb der Schwangerschaft: Menses, Tumoren, Verletzungen

Leitsymptome
  • Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen

  • Schonhaltung mit Abwehrspannung oder bretthartes Abdomen

  • Flache, schnelle Atmung, evtl. Schocksymptome

Basisversorgung
  • Abschirmung und Beruhigung der Patientin

  • Schocklagerung

Extrauteringravidität

Leitsymptome Extrauteringravidität
  • Zunehmender einseitiger Bauchschmerz

  • Plötzlicher, vernichtender Rupturschmerz

  • Schmerzfreies Intervall möglich

  • Druckempfindlichkeit des Unterbauchs

  • Eventuell Schmierblutung

Basisversorgung
  • Abschirmung und Beruhigung der Patientin

  • Schocklagerung

Nervensystem

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, mit Ringer-Lösung offen halten

Bewusstseinsstörung

Einteilung Bewusstseinsstörung
  • BenommenheitBenommenheit

  • SomnolenzSomnolenz

  • SoporSopor

  • KomaKoma

Im Rettungswesen wird die Glasgow-Coma-Scale verwendet (Tab. 20.1). Dabei wird das Bewusstsein hinsichtlich 3 Kriterien überprüft. Eine Bewertung unter 8 Punkten spricht für eine sehr schwere Störung, ein gesunder Patient sollte 15 Punkte erreichen.
Leitsymptome
Inadäquate bis hin zu fehlenden Reaktionen
Basisversorgung
  • Stabile Seitenlage, kontinuierliche Überwachung der Vitalzeichen

  • Blutzuckertest

  • Fremdanamnese zur Dauer der Bewusstseinsstörung, zu Vorerkrankungen, Suizidabsichten, Intoxikationen usw.

Schädel-Hirn-Trauma

Leitsymptome Schädel-Hirn-Trauma
14.2.1
Basisversorgung
  • Starke Blutungen sofort stillen

  • Lagerung ohne Wirbelsäulensymptomatik mit erhöhtem Oberkörper (30°), bei V. a. Wirbelsäulenverletzung keine Lageveränderung, bei Bewusstlosen stabile Seitenlage

  • Halskrawatte

Epi-, subdurale und subarachnoidale Blutung

Blutung:subdurale Blutung:epidurale Leitsymptome Subarachnoidalblutung
14.2.2, 14.2.3, 14.2.4
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Schlaganfall

Leitsymptome Schlaganfall
14.2.5
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Meningitis und Enzephalitis

Meningitis Leitsymptome Enzephalitis
14.2.6
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Epileptischer Anfall

epileptischer Anfall Leitsymptome Grand-mal-Anfall
14.2.9
Basisversorgung
  • Patienten nicht festhalten und keine Keile zwischen die Zähne schieben

  • Entfernung von Gegenständen, die zur Verletzung führen könnten

  • Nach dem Anfall Seitenlagerung und Atemwege freimachen

Wurzelkompressions- und Kauda-Syndrom

Leitsymptome Wurzelkompressionssymdrom Kauda-Syndrom
14.2.13, 14.2.14
Basisversorgung
Flache Rückenlagerung

Suizidalität

Leitsymptome Suizidalität
  • Symptome der Grunderkrankungen, z. B. Depression, bipolare Störung, Schizophrenie

  • Hoffnungslosigkeit, Angst, Erregung

  • Gegebenenfalls Wahnvorstellungen, Halluzinationen

  • Suizidäußerungen, vorausgegangene Planung

Basisversorgung
  • Ruhiger Umgang und bei Erregung „talking down“

  • Bei erheblicher Eigen- und/oder Fermdgefährdung Unterbringung nach dem geltenden Länderrecht

Delir

Leitsymptome Delir
17.2.4
Basisversorgung
  • Ruhiger Umgang und bei Erregung „talking down“

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

Haut

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen

  • 1.000 ml Ringer-Lösung infundieren

Quincke-Ödem

Leitsymptome Quincke-Ödem
15.2.9
Basisversorgung
  • Allergenzufuhr stoppen

  • Hochlagerung der Beine, bei starker Atemnot Oberkörperhochlagerung

  • Gabe von Antihistaminika, z. B. Tavegil® 2 mg i. v.

  • Gabe von Glukokortikoiden und Suprarenin, wenn vorhanden

  • Kühlung von Schwellungen

Verbrennung und Verbrühung

Verbrennung Gradeinteilung Verbrühung
  • Grad I: epidermale Schädigung, Regeneration ohne Narbenbildung

  • Grad II: dermale Schädigung mit Beteiligung der Epi- und Dermis, Regeneration möglich

  • Grad III: völlige Zerstörung des Hautgewebes ohne Regenerationsmöglichkeit, Hauttransplantation nötig

  • Grad IV: Zerstörung tiefer liegenden Schichten

Neuner-Regel nach Wallace
Dient der Abschätzung der Ausdehnung von Verbrennungen, während die Gradeinteilung die Ausdehnung in die Tiefe erfasst. Der Neuner-Regel werden je nach Körperareal Prozentzahlen zugeordnet:
  • Kopf 9 %

  • Rumpf vorne und hinten je 18 %

  • Arme je 9 %

  • Beine je 18 %

  • Handfläche des Patienten 1 %

Leitsymptome
  • Schmerzen und sichtbare Hautschädigung, evtl. verbrannte Kleidung

  • Grad I: Rötung

  • Grad II: Blasenbildung

  • Grad III: Nekrose und Analgesie

  • Grad IV: Verkohlung

  • Schocksymptome

  • Beim Inhalationstrauma Dyspnoe

Basisversorgung
  • Löschmaßnahmen einleiten, auf Eigenschutz achten

  • Schocklagerung, Lagerung mit erhöhtem Oberkörper oder stabile Seitenlage

  • Kleidung, die mit der Wunde verklebt ist, belassen

  • Kühlung mit reichlich fließendem kühlen Wasser (20 °C) bis zu 20 Minuten

  • Bei Kleinkindern und polytraumatisierten Patienten maximal 3 Minuten kühlen

Unterkühlung

Leitsymptome Unterkühlung
  • Kalte, blasse oder zyanotische Haut, erniedrigte Körperkerntemperatur

  • Müdigkeit oder Bewusstseinsstörung

  • Tachykardie, Bradykardie, Arrhythmie, Hypotonie

  • Muskelzittern, Schmerzen

Basisversorgung
  • Ansprechbare Patienten nicht bewegen, Bewusstlose vorsichtig in stabile Seitenlage bringen, Extremitäten nicht an den Rumpf lagern

  • Schutz vor weiterem Wärmeverlust, z. B. durch Rettungsfolie, Decke

  • Bei ansprechbaren Patienten Gabe von warmen Getränken

Erfrierung

Leitsymptome Erfrierung
  • Kalte, blasse, gefrorene Haut

  • Starke Schmerzen, Parästhesien, Paralyse

  • Grad I: Blässe, Rötung, Schmerzen

  • Grad II: Blasenbildung, heftige Schmerzen

  • Grad III: Nekrosen, blutige Blasen, Analgesie, Mumifikation, Gangrän

Basisversorgung
  • Lädierte Stellen steril abdecken

  • Ansprechbare Patienten nicht bewegen, Bewusstlose vorsichtig in stabile Seitenlage bringen, Extremitäten nicht an den Rumpf lagern

  • Betroffene Stellen steril abdecken und polstern, Schutz vor weiterem Wärmeverlust, z. B. durch Rettungsfolie, Decke

  • Bei ansprechbaren Patienten Gabe von warmen Getränken

Wunden

Wundarten Wunde
  • Schürfwunde: oberflächlicher Substanzverlust (Epidermis und Eröffnung der dermalen Papillen)

  • Stich- oder Schnittwunde: glatte Wundränder

  • Risswunde: zerfetzte Wundränder

  • Bisswunde: glatte bis zerfetzte Wundränder

  • Platzwunde: glatte bis zerfetzte Wundränder

Leitsymptome
  • Sichtbare Blutung

  • Blässe, Zyanose, Kaltschweißigkeit

  • Durst, Schnelle, flache Atmung

  • Unruhe, Bewusstseinsstörung

  • Kollabierte Venen, Tachykardie, Hypotonie

  • Arterielle Blutung: hellrot, pulssynchron, spritzend

  • Venöse Blutung: dunkelrot, flächenhaft, sickernd

Basisversorgung
  • Starke Blutungen sofort durch Hochlagerung und Druckverband behandeln, als Ultima Ratio Abbinden der Extremität

  • Schockbekämpfung

  • Bei Pfählungsverletzung Fremdkörper niemals entfernen; Verband, Polsterung und Fixierung

Sinnesorgane

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, mit Ringer-Lösung offen halten

Netzhautablösung

Leitsymptome Netzhautablösung
16.2.3
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Glaukomanfall

Leitsymptome Glaukomanfall
16.2.5
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Augenverätzung

DefinitionAugenverätzung
Schädigung des Auges durch Säuren und/oder Laugen oder sonstige toxische Stoffe. Schädigung ist von Konzentration, Dauer der Einwirkung und Temperatur abhängig.
Leitsymptome
  • Bulbusschmerzen

  • Konjunktivale Rötung, ggf. Nekrose

Basisversorgung
Seitenlagerung und Spülung des betroffenen Auges von innen nach außen (um das andere Auge nicht zu gefährden) mit Wasser

Blow-out-Fraktur

DefinitionBlow-out-Fraktur
Orbitabodenfraktur, die durch einen Faustschlag oder beim Ballsport auftreten kann.
Leitsymptome
  • Schwellung, Hämatom und Schmerzen des betroffenen Auges (Monokel-HämatomMonokel-Hämatom bei Beteiligung eines Auges, BrillenhämatomBrillenhämatom bei Beteiligung beider Augen oder der Schädelbasis)

  • Bewegungseinschränkung des Auges

  • Sensibilitätsstörung im Bereich des 2. Trigeminusastes (Kompression des N. infraorbitalis)

  • Bulbusluxation in die Kieferhöhle

Basisversorgung
  • Oberkörperhochlagerung

  • Keine Manipulationen am frakturierten Bereich vornehmen

Morbus Menière

Leitsymptome Morbus Menière
16.2.7
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Hörsturz

Leitsymptome Hörsturz
16.2.8
Basisversorgung
Oberkörperhochlagerung

Vergiftungen

Zur Basisversorgung gehören immer:

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper, stabile Seitenlage bei Bewusstlosigkeit

  • i. v.-Zugang legen, mit Ringer-Lösung offen halten

Säuren und Laugen

Säuren Ursachen Laugen
  • Säuren: Fleckenentferner, Entroster, Batteriesäure

  • Laugen: Spülmaschinenpulver, Rohr-, Ofenreiniger, Photoentwickler

Leitsymptome
  • Schmerzen, Rötung, Schwellung des betroffenen Gebietes

  • Bei oraler Aufnahme: Speichelfluss, Heiserkeit, blutiges Erbrechen, Durchfall

  • Eventuell Schocksymptome und Ateminsuffizienz

  • Epileptische Krampfanfälle

Basisversorgung
  • O2-Gabe über Maske, ggf. Beatmung

  • Kontaminierte Kleidung entfernen, Haut abwaschen

Alkylphosphate

Leitsymptome Alkylphosphate
  • Bewusstseinsstörung, Miosis, epileptische Krampfanfälle

  • Atemstörung, Zyanose, Kreislaufstörung

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall (Blaufärbung von Erbrochenem und Speichel)

  • Kopfschmerzen, Sehstörungen

  • Muskelkrämpfe

Basisversorgung
  • O2-Gabe über Maske, ggf. Beatmung

  • An Eigenschutz denken: direkten Hautkontakt vermeiden, reanimationspflichtige Patienten ausschließlich mit Maske beatmen

Kohlenmonoxid (CO)

Leitsymptome Kohlenmonoxid
  • Bewusstseinsstörung

  • Atemnot bis hin zum Atemstillstand

  • Rosige Gesichtsfarbe (keine Zyanose)

  • Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Flimmerskotome

  • Tachykardie, Arrhythmien, Hypotonie

  • Angina pectoris-Anfälle, epileptische Krampfanfälle

Basisversorgung
  • An Eigenschutz denken, Patienten immer außerhalb des Gefahrenbereichs behandeln

  • O2-Gabe über Maske, ggf. Beatmung

Drogen

Alkoholintoxikation
Leitsymptome Alkoholintoxikation
  • Rauschzustand, Heiterkeit bis Euphorie, herabgesetzte Hemmschwelle

  • Lallende Sprache, unsicherer Gang

  • Hypoglykämie

  • Atemdepression

Basisversorgung
O2-Gabe
Cannabis
Leitsymptome Cannabis
  • Rauschzustand, Heiterkeit bzw. Euphorie, Wahrnehmungsstörungen, herabgesetzte Hemmschwelle

  • Plötzliche depressive Zustände möglich

  • Mydriasis, gerötete Augen, Mundtrockenheit

  • Tachykardie

Basisversorgung
O2-Gabe
Kokain
Leitsymptome Kokain
  • Euphorie, gesteigerter Rede-, Bewegungsdrang, Wahrnehmungsstörungen

  • Plötzliche depressive Symptome

  • Mydriasis, gerötete Augen, Mundtrockenheit

  • Tachykardie, Arrhythmien

  • Cave: Herzinfarkt, intrakraniale Blutungen

Basisversorgung
  • O2-Gabe

Halluzinogene (LSD)
Halluzinogene Leitsymptome LSD
  • Psychotische, paranoide Symptome

  • Euphorie, Dysphorie, Paniksymptome, Aggressivität

  • Suizidale Symptome möglich

  • Unruhe, Tremor, Schweißausbrüche

  • Mydriasis, Tränenfluss

  • Hypertonie, Tachykardie

  • Bei Überdosierung: Bradykardie, Hypotonie, Atemlähmung

Basisversorgung
  • O2-Gabe

  • Psychische Betreuung, „talking down“, Abschirmung von zusätzlichen Reizen

Opiate
Leitsymptome Opiate
  • Bewusstseinsstörung, Atemdepression, Miosis

  • Zyanose, Bradykardie, Hypotonie

  • Evtl. epileptische Krampfanfälle

  • Hypoglykämie

  • Lungenödem

Basisversorgung
  • O2-Gabe

  • Bei Hypoglykämie Glukoselösung

Merke

An Eigenschutz denken. Unbedingt auf Injektionsmaterialien achten. Die Infektionsgefahr mit Hepatitis B, Hepatitis C und HIV ist hoch. Vorsicht bei Hineingreifen in Jacken, Hosentaschen oder persönliche Beutel wegen offener Kanülen.

Schlafmittelintoxikation
Leitsymptome Schlafmittelintoxikation
  • Bewusstseinsstörung, Atemstörung

  • Verlangsamte oder fehlende Reflexe

  • Hypotonie, Bradykardie, Arrhythmien

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Eventuell Hypothermie, epileptische Krampfanfälle

  • Barbituratblasen an aufliegenden Stellen

Basisversorgung
  • O2-Gabe

  • Bei Hypoglykämie Glukoselösung

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