© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-58765-8.00019-2

10.1016/B978-3-437-58765-8.00019-2

978-3-437-58765-8

Pränatale Infektionen und Auswirkungen auf das ToxoplasmoseRötelnLuesListerioseHerpes simplexKindZytomegalie

Tab. 19.1
Erkrankung Kindliche Symptome der pränatalen Infektion
Toxoplasmose
  • Totgeburt (1. Trimenon)

  • Frühgeburt

  • Hydrozephalus, zerebrale Verkalkungen, geistige Retardierung

  • Chorioretinitis, Katarakt

  • Krampfanfälle

Röteln
  • Embryopathie: Gregg-Trias mit Katarakt, Innenohrschwerhörigkeit, Herzschäden (Pulmonalstenose, persistierender Ductus Botalli)

  • Geistige Retardierung

Cytomegalie
  • Hydrozephalus, intrazerebrale Verkalkungen

  • Hepatitis

  • Sepsis

  • Geistige und motorische Retardierung

Herpes simplex Enzephalitis
Lues
  • Hutchinson-Trias: Keratitis, Hörstörungen, Zahnmissbildungen

  • Gedeihstörungen, Entwicklungsverzögerung

Listeriose
  • Fetopathie durch Infektion im letzten Trimenon

  • Granulomatosis infantiseptica (Hepatosplenomegalie, Meningoenzephalitis)

Erkrankungen des Kindesalters und deren Trisomie 21Trisomie 21PylorushypertrophiePylorushypertrophieplötzlicher Kindstodplötzlicher KindstodPendelhodenPendelhodenMeckel-DivertikelMeckel-DivertikelLeistenhodenLeistenhodenKryptorchismusKryptorchismusInvaginationInvaginationHodenhochstandHodenhochstandGleithodenGleithodenFremdkörperaspirationFremdkörperaspirationfetales Alkoholsyndromfetales AlkoholsyndromDown-SyndromDown-SyndromAlkoholembryopathieAlkoholembryopathieSymptome

Tab. 19.2
Erkrankung Kennzeichen
Trisomie 21 (Down-Syndrom)
  • Risiko 21 ist stark abhängig vom Alter der Eltern, v. a. der Mutter

  • Symptome: Kurzkopf, abgeflachter Hinterkopf, Epikanthus (Hautfalte am inneren Augenwinkel), schräge Lidspalten, große, verdickte Zunge, offener Mund mit vermehrter Speichelsekretion, Vierfingerfurche in den Handflächen, Sandalenlücke, Herzfehler in 40–60 % der Fälle, erhöhte Leukämie- und Diabetes mellitus-Rate, psychomotorische Retardierung

Alkoholembryopathie (fetales Alkoholsyndrom)
  • Alkoholabusus während des 1. Trimenons wirkt sich besonders kritisch auf die Entwicklung des Fetus aus

  • 1–3 Neugeborene/100.000 Kinder betroffen

  • Erste Entwicklungsstörungen finden sich bereits ab Einnahme von 15 g Alkohol/Tag; das gleiche gilt für die Stillperiode

  • Symptome: vermindertes Geburtsgewicht, Mikrozephalie, Hydrozephalus, geistige Retardierung, Herzfehler, niedrige Stirn, verengte Lidspalten, Ptosis, Epikanthus, verkürzter Nasenrücken, flaches Philtrum (Rinne über der Oberlippe), Maxillarhypoplasie, verstärkte Nasolabialfalte, schmale Oberlippe, kleiner Mund, Erkrankungen der Atemwege

Krupp-Syndrom 4.1.8
Mukoviszidose (zystische Fibrose) 6.2.10
Fremdkörperaspiration
  • Häufigkeitsgipfel im 2. und 3. Lebensjahr

  • Symptome: aus dem Wohlbefinden heraus plötzlicher, starker Husten und Würgereiz, danach je nach Lage des Fremdkörpers Stridor, Dyspnoe und Zyanose in unterschiedlichen Abstufungen

  • Komplikation: Aspirationspneumonie

Pylorushypertrophie
  • Entleerungsstörung des Magens durch Spasmus und Hypertrophie des Pylorus

  • Typisches Alter: 3 Wochen

  • Knaben häufiger betroffen als Mädchen

  • Symptome: zunächst gelegentliches, dann schwallartiges Erbrechen nach jeder Mahlzeit, Erbrochenes riecht sauer, enthält aber nie Galle, sichtbare Magenperistaltik, seltene Stühle (Pseudoobstipation), Gedeihstörung, gequältes und greisenhaftes Aussehen

Invagination
  • Einstülpung eines höheren Darmabschnitts in einen tieferen, am häufigsten im Ileozökalbereich

  • Durch die Schwellung entsteht ein mechanischer Ileus

  • Symptome: akuter Beginn mit kolikartigen Bauchschmerzen, Erbrechen, blutig-schleimiger Durchfall, blasses Gesicht, Beinchen angezogen

Meckel-Divertikel
  • Echtes Divertikel ca. 50–100 cm proximal der Ileozökalklappe

  • Überbleibsel des embryonalen Dottergangs (Ductus omphaloentericus)

  • Kann Belegzellen des Magens enthalten

  • Bei 2 % der Menschen zu finden

  • Symptome: peranale Blutungen, Bauchschmerzen, Ulzera, Perforation, Peritonitis, Sepsis

Appendizitis 5.2.9
Hodentorsion 13.2.4
Hodenhochstand
  • Nicht im Skrotum tastbarer Hoden durch verzögerten Abstieg durch den Leistenkanal

  • 20 % der Frühgeborenen betroffen, 4 % der Termingeborenen

  • Unterschieden werden:

    • Pendelhoden: Hoden befindet sich abwechselnd im Hoden und im Leistenkanal

    • Gleithoden: Hoden lässt sich durch sanften Druck in Hodensack verlagern, nimmt aber seine ursprüngliche Position im Leistenkanal aufgrund eines zu kurzen Samenstranges sofort wieder ein

    • Leistenhoden: inguinale Hodenlage

    • Kryptorchismus: Lage der Hoden im Bauchraum

Leukämie 8.2.7
Plötzlicher Kindstod
  • Häufigste Todesursache im 1. Lebensjahr

  • Tritt meist nachts ein, häufiger im Winter als im Sommer

  • Risikofaktoren: Bauch- und Seitenlage, Überwärmung, früh- oder hypotrophe Neugeborene, plötzlicher Kindstod eines Geschwisterkindes, niedriger sozialer Status, Rauchen und andere Abhängigkeit der Eltern

Erkrankungen im Senium und deren Symptome

Tab. 19.3
Erkrankungen Leitsymptome und Charakteristika
KHK Hypertonie, Angina pectoris, Herzinfarkt, Rhythmusstörungen, Herzinsuffizienz (2.2.5, 2.2.6)
pAVK Belastungsschmerzen (Claudicatio intermittens), Ruheschmerzen, Gangrän (3.2.4)
Schlaganfall Bewusstseinsverlust, Lähmungen, Verlust kognitiver Fähigkeiten (14.2.5)
Mesenterialinfarkt Plötzliche, starke Bauchschmerzen, Darmnekrose, Ileus (3.2.5)
Atemtrakt Verminderte Vitalkapazität, Reduktion der Brustkorbbeweglichkeit und mukoziliären Clearance
Pneumonie Fieber, eitriges Sputum, Zyanose, Dyspnoe (4.2.5)
Emphysem Ruhedyspnoe, Zyanose, Fassthorax, respiratorische Insuffizienz (4.2.4)
Verdauungstrakt Zahnverlust, Blähungen, Obstipation, Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Reduzierte Leber- und Pankreasfunktion „Verdauungsschwäche“, verlangsamter Metabolismus auch von Medikamenten und Alkohol
Diabetes mellitus Langsamer Beginn mit Harnweginfekten, Juckreiz, Mykosen, Furunkeln, Langzeitschäden durch Makroangiopathie und Mikroangiopathie (10.2.8, 10.2.9)
Arthrose Anlauf-, Belastungs-, Ruheschmerz (1.2.3)
Osteoporose Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Frakturen, Tannenbaumphänomen, Witwenbuckel (10.2.14)
Hypothyreose Müdigkeit, Schwäche, depressive Störungen, Verlangsamung, Verlust kognitiver Fähigkeiten, trockene Haut und Haare, Interesselosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme (10.2.5)
Morbus Parkinson Rigor, Tremor, Akinese, Masken-, Salbengesicht, kleinschrittiger Gang, Mikrografie, monotone Stimme, Obstipation (14.2.8)
Demenz Störung der Merkfähigkeit, Orientierung, Konzentration, schleichender Beginn, Verlust kognitiver Fähigkeiten (17.2.5)
Katarakt Blendungsgefühl, hell-dunkel Adaptationsstörung, Sehverschlechterung bis hin zum Visusverlust (16.2.2)
Glaukom Akut starke Bulbusschmerzen, Kopfschmerzen, grüne Ringe, Übelkeit, Erbrechen, Sehverlust (16.2.5)
Makuladegeneration Zunehmender Visusverlust (16.2.4)
Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) Verlust der Hörfähigkeit, besonders der Frequenzen im Sprachbereich (16.1.11)
Inkontinenz Unwillkürlicher Urinabgang beim Lachen, Niesen, Pressen
Prostatahyperplasie Veränderung des Harnstrahls, Nykturie, Restharnmenge, permanenter Harndrang, rezidivierende Zystitiden (13.2.2)

Schwangerschaft, kindliche Entwicklung und Senium

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Eine 39-jährige schwangere Patientin in der 30. Schwangerschaftswoche (Erstgravidität, Nullipara) stellt sich mit okzipitalen Kopfschmerzen, Ohrensausen und Nasenbluten seit 4 Tagen vor. Seit gestern besteht starke Übelkeit. Auf Nachfrage wird Erbrechen verneint. Ferner berichtet die Patientin über neu entstandene Knöchel- und Unterschenkelödeme seit 2 Wochen. Die Miktion ist tagsüber regelmäßig, nachts muss sie 2-mal die Toilette aufsuchen.

Vorgeschichte

  • In der Frühschwangerschaft in den ersten 14 Wochen starke Übelkeit und Erbrechen mit 2 Wochen stationärem Aufenthalt wegen Dehydrierung (Hyperemesis gravidarum), seitdem gutes Wohlbefinden

  • Keine Vorerkrankungen, insbesondere keine Hypertonie, Nieren-, Autoimmunerkrankungen, kein Gestationsdiabetes

Untersuchungsbefund

Haut und Schleimhäute ohne pathologischen Befund. Lungen- und Herzuntersuchung ohne Befund. RR 170/100 mmHg, HF 92/Min. Nierenlager frei. In der U-Stix-Untersuchung Proteine dreifach positiv. Die Untersuchung der unteren Extremitäten ergibt symmetrische, eindrückbare Ödeme an den Füßen und Unterschenkeln. Fußpulse regelrecht tastbar. Orientierende neurologische Untersuchung ohne Befund.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

EPH-EPH-GestoseGestose (PräeklampsiePräeklampsie) (19.1.2). Hypertonie (mit v. a. okzipitalen Kopfschmerzen, Ohrensausen, Nasenbluten), Ödeme und Proteinurie sind Leitsymptome der EPH-Gestose. Begünstigend und verdachtsdiagnosestützend sind die späte Erstgravidität und die Hyperemesis gravidarum in den ersten 14 Schwangerschaftswochen.

Differenzialdiagnosen

Eklampsie und HELLP-Syndrom: Komplikationen der EPH-Gestose; sind zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, Übergang kann jedoch fließend sein

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Klinisches Bild ist wegweisend

  • Labor: Blutbild, Nieren-, Leberparameter, Gerinnungsfaktoren, 24-Stunden-Sammelurin mit Bestimmung der Proteinmenge

Therapie

  • Notfall → zeitnaher Verweisung in eine Frauenklinik

  • Bis zum Eintreffen des Notarztes Abschirmung von äußeren Reizen, Lagerung mit erhöhtem Oberkörper, i. v.-Zugang legen und mit Ringer-Lösung oder 0,9 % NaCl Lösung offen halten, ggf. O2-Gabe

Erkrankungen während der Schwangerschaft und deren Leitsymptome

Infektionskrankheiten

Bestimmte Infektionskrankheiten führen häufig zur Schädigung des Embryos bzw. Feten (ToRCHeLL-ToRCHeLL-KomplexKomplex; Tab. 19.1).

Gestosen

GestoseDefinition
Schwangerschaftsbedingte Adaptationsstörungen.
Leitsymptome der EPH-EPH-GestoseGestose (PräeklampsiePräeklampsie)
  • E = Ödeme (Edema)

  • P = Proteinurie

  • H = arterielle Hypertonie

Begleitsymptome
Komplikationen: Eklampsie, HELLP-Syndrom, Plazentainsuffizienz, Multiorganversagen
Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.9.2)

  • Vorzeitige Entbindung

  • Symptomatische Therapie

Andere häufige Erkrankungen in der Schwangerschaft

  • Verschlechterung vorbestehender Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, Hypertonie

  • Arterielle Hypotonie mit Schwindel, Kopfschmerzen, kalten Händen und Füßen, orthostatischer Dysregulation

  • Asymptomatische Harnwegsinfektion: betroffen sind 5–10 % der Schwangeren

  • Karpaltunnelsyndrom: betroffen sind 10–25 % der Schwangeren mit dem Leitsymptom der nächtlichen Parästhesien

  • Akute Schwangerschaftsfettleber: seltene Erkrankung mit Gerinnungsstörungen, Ikterus, abdominalen Schmerzen

  • Hauterkrankungen wie Herpes gestationis, SLE

  • Schwangerschaftsdiabetes

Erkrankungen während des Kindersalters und deren Leitsymptome

Erkrankungen im Senium und deren Leitsymptome (Tab. 19.3)

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen