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B978-3-437-58765-8.00005-2

10.1016/B978-3-437-58765-8.00005-2

978-3-437-58765-8

Differenzialdiagnostik der Gastritiden

Tab. 5.1
Typ A (Autoimmungastritis) Typ B
(bakterielle Gastritis)
Typ C
(chemische Gastritis)
Häufigkeit 5 % 85 % 10 %
Ursachen Autoantikörper gegen die Belegzellen des Magens Vor allem Helicobacter pylori
  • Schmerzmittel

  • Alkohol, Nikotin

  • Gallereflux

Folgen
  • Schleimhautatrophie

  • Mangel an Intrinsic factor

  • Ulkusbildung

  • Gefahr von Magenkarzinomen und Magenlymphomen

Ulkusbildung

Differenzialdiagnostik des akuten Abdomens

Tab. 5.2
Lokalisation Differenzialdiagnosen
Rechter oberer Quadrant
  • Cholezystitis, Gallensteinabgang, Gallenblasenperforation

  • Ulcus duodeni, v. a. Perforation und Penetration

  • Hepatitis, Leberzirrhose, Lebertumor, Leberruptur, Leberabszess

  • Appendizitis während der Schwangerschaft

  • Pankreatitis

  • Nephrolithiasis, Pyelonephritis

  • Lungenembolie, Pleuritis, basale Pneumonie

  • Subphrenischer Abszess

Linker oberer Quadrant
  • Pankreatitis

  • Milzruptur

  • Herzinfarkt, Angina pectoris

  • Ulcus ventriculi et duodeni, v. a. Perforation und Penetration

  • Nephrolithiasis, Pyelonephritis

  • Lungenembolie, Pleuritis, basale Pneumonie

  • Kolitis

  • Subphrenischer Abszess

Rechter unterer Quadrant
  • Appendizitis

  • Ileitis, Morbus Crohn

  • Adnexitis, Salpingitis, Ovarialzysten, Extrauteringravidität

  • Hodentorsion

  • Invagination, Ileus

  • Hernieninkarzeration

  • Gallenblasenperforation

  • Harnleitersteine, Harnverhalt

  • Hodentorsion

Linker unterer Quadrant
  • Divertikulitis (v. a. Sigma)

  • Adnexitis

  • Hodentorsion

  • Hernieninkarzeration

  • Harnleitersteine, Harnverhalt

  • Kolontumor

  • Adnexitis, Salpingitis, Ovarialzysten, Extrauteringravidität

Epigastrisch
  • Hiatushernie

  • Ösophagitis

  • Ulcus ventriculi, Magentumor

  • Herzinfarkt, Angina pectoris

Periumbilikal
  • Appendizitis

  • Pankreatitis

  • Meckel-Divertikel

  • Aortenaneurysma

Diffus
  • Gastroenteritis

  • Ileus

  • Peritonitis, Peritonealkarzinose

  • Aortendissektion

  • Mesenterialinfarkt

  • Diabetes mellitus

  • Colon irritabile

Differenzialdiagnostik obere und untere gastrointestinale Blutung

Tab. 5.3
Lokalisation Farbe Ursachen
Obere gastrointestinale Blutung
  • Ösophagus

  • Magen

  • Duodenum

  • Dunkler Stuhl (Teerstuhl)

  • Evtl. Bluterbrechen (Hämatemesis)

  • Kaffeesatzartiges Erbrechen

  • Ulcus ventriculi et duodeni

  • Refluxösophagitis

  • Ösophagusvarizen

  • Magenkarzinom

  • Traumen

Untere gastrointestinale Blutung
  • Jejunum

  • Ileum

  • Kolon

  • Rektum

Rotes Blut im Stuhl (Hämatochezie)
  • Hämorrhoiden

  • Dünndarmtumoren

  • Morbus Crohn, Colitis ulcerosa

  • Mesenterialinfarkt

  • Kolorektale Blutungen

Differenzialdiagnostik von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Tab. 5.4
Morbus Crohn Colitis ulcerosa
Befallene Darmwandschichten Alle Mukosa und Submukosa
Durchfall 3–6/Tag, schleimig-breiig Bis zu 30/Tag, blutig-schleimig
Bauchschmerzen ++ (+)
Defäkationsschmerz +++
Fieber Ja Ja
Befallener Darmabschnitt Beginn häufig im terminalen Ileum, gesamter Gastrointestinaltrakt kann betroffen sein Beginn im Rektum, Ausbreitung nach proximal
Segmentaler Befall +++

Verdauungssystem

Fallbeispiel

Aktuelle Anamnese

Ein 68-jähriger adipöser Patient stellt sich mit starken Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber und Schüttelfrost seit 2 Tagen vor. Eine ähnliche Symptomepisode ist bereits von 4 Monaten aufgetreten, die nach eigens verordneter Nahrungskarenz spontan reversibel war. Auf Nachfrage berichtet der Patient von chronischer Obstipation und in jüngster Zeit von Stuhlunregelmäßigkeiten in Form von Obstipation und DiarrhöDiarrhöObstipation im Wechsel, dünnkalibrigen Stühlen, Flatulenz, Meteorismus und Blutbeimengungen. Nachtschweiß und Gewichtsabnahme werden verneint.

Vorgeschichte

  • Rezidivierende Gichtanfälle

  • Arterielle Hypertonie

Untersuchungsbefund

Bauchdecke adipös. Darmgeräusche rege und hochfrequent, insbesondere im Verlauf des Kolonrahmens bis zum linken Unterbauch. Ausgeprägter tympanitischer Klopfschall über dem Abdomen, im linken Unterbauch strangförmige Resistenz schmerzhaft tastbar. Bei der rektalen Untersuchung regelrechter Sphinktertonus, Schleimhaut in der gesamten Zirkumferenz glatt. Am Finger finden sich blutig-eitrige Reste. Prostata unauffällig tastbar. Nierenlager nicht klopfdolent, U-Stix ohne pathologischen Befund.

Lösung Fallbeispiel

Verdachtsdiagnose

SigmadivertikulitisSigmadivertikulitis (5.2.10). Typisch sind akute Schmerzen im linken Unterbauch, verbunden mit Fieber und Stuhlunregelmäßigkeiten und die in der Vorgeschichte beschriebene Obstipation. Die Befunde der körperlichen Untersuchung sprechen ebenfalls für eine Divertikulitis (v. a. tastbare Resistenz und blutig-eitrige Beimengungen bei der rektalen Untersuchung). Die hochfrequenten Darmeräusche sprechen für ein stenosierendes Geschehen, das durch Schwellung/Vernarbung erklärt werden kann.

Differenzialdiagnosen

  • Kolonkarzinom: kann nicht ausgeschlossen werden, die akuten Symptome sprechen allerdings für eine Sigmadivertikulitis

  • Nierensteinabgang: eher unwahrscheinlich wegen der fehlenden Makro- bzw. Mikrohämaturie und wandernden Schmerzen

  • Prostataerkrankungen (Prostatitis, maligne Geschehen): können nicht ausgeschlossen werden, zunächst allerdings wegen fehlender urologischer Symptome und einer regelrechten Prostatauntersuchung nicht wahrscheinlich

Diagnostisches Vorgehen zur Sicherung der Diagnose

  • Sonografie: Nachweis von Divertikeln und evtl. Douglas-Abszess

  • CT, MRT: Nachweis von Divertikeln, Entzündungsausprägung und Komplikationen (Perforation, Fistelbildung, Abszesse)

Therapie

  • Zeitnahe Vorstellung im Krankenhaus

  • Nahrungskarenz und parenterale Ernährung oder ballaststofffreie Ernährung, Antibiotika

  • Gegebenenfalls operative Therapie

Differenzialdiagnostik

Dysphagie

Dysphagie

Die Differenzialdiagnostik der Dysphagie erfolgt im Verlauf des Verdauungstrakts von oben nach unten nach anatomischen Strukturen. Unter Dysphagie versteht man erschwertes Schlucken.

Munderkrankungen
  • Candidose: weißliche, abstreifbare Beläge, entzündlich veränderte Schleimhaut

  • Mundboden-, Zungenkarzinom: Fremdkörpergefühl, sichtbare Neubildung

Halserkrankungen
  • PharyngitisPharyngitis, TonsillitisTonsillitis: akuter Beginn, hochroter Rachen, Schmerzen, ggf. eitrige Beläge, Fieber

  • Larynxerkrankungen: bei der LaryngitisLaryngitis Schmerzen in Kehlkopfhöhe und Heiserkeit; bei der EpiglottitisEpiglottitis stark ausgeprägte Dysphagie, Speichelfluss, starke Schwellung des Halses, Fieber mit Schüttelfrost, starkes Krankheitsgefühl

  • Schilddrüsenerkrankungen: bei Struma sichtbare Schwellung im Halsbereich, inspiratorischer Stridor, bei thorakaler Struma exspiratorischer Stridor, bei der Hashimoto-Thyreoiditis häufig Globusgefühl

Ösophaguserkrankungen
  • ÖsophagitisÖsophagitis: Odynophagie (schmerzhaftes Schlucken), Reflux, brennende retrosternale Schmerzen, Aufstoßen

  • ÖsophagusdivertikelÖsophagusdivertikel: je nach Lage der Divertikel; Regurgitation, Mundgeruch, Essensreste nach der Nachtruhe auf dem Kopfkissen (besonders beim Zenker-Divertikel), Aspirationspneumonie

  • AchalasieAchalasie: Regurgitation, Schwierigkeiten beim Schlucken zunächst von festen Speisen, dann von breiigen und flüssigen, Gewichtsabnahme, Aspirationspneumonie

  • ÖsophaguskarzinomÖsophaguskarzinom (5.2.2): zunehmende Beschwerden, B-Symptome, blutiges Erbrechen, Regurgitation

Mediastinale Erkrankungen
  • Aortenaneurysma: mechanische Behinderung der PassageAortenaneurysma; wegweisend sind bildgebende Verfahren

  • Lymphknotenschwellung: mechanische Behinderung der Passage durch mediastinale Lymphknotenschwellungen, u. a. bei Lymphom, Leukämie; wegweisend sind Symptome der Primärkrankheit und bildgebende Verfahren

Weitere
  • Fremdkörper: wegweisend ist die Anamnese, die Klärung erfolgt durch Endoskopie

  • Verätzungen: wegweisend ist die Anamnese

  • SklerodermieSklerodermie: Hautsymptome, z. B. Rattenbissnekrosen, Fingerschwellung, -kontrakturen, Tabaksbeutelmund, verkürztes Zungenbändchen, Mikrostomie

Chronische Gastritis

Die Differenzialdiagnostik der chronischen Gastritiden erfolgt nach der Ursache (Tab. 5.1). Die Symptome wie v. a. Schmerzen im Epigastrium, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit, Erbrechen treten bei allen Formen auf. Symptomarme Verläufe sind möglich und häufig.

Erbrechen

Erbrechen

Die Differenzialdiagnostik des Erbrechens erfolgt nach Organsystemen.

Gastrointestinal
  • AchalasieAchalasie: Schluckschwierigkeiten zunächst für festen dann für breiige und flüssige Speisen, Regurgitation von unverdauten Speisen, keine Salzsäurebeimengung

  • Akute GastritisGastritis:akute (5.2.3): Schmerzen im Epigastrium, Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Übelkeit

  • Ulcus ventriculi et duodeniUlkuserkrankung (5.2.4): Für das Ulcus ventriculi ist der postprandiale Schmerz typisch, für das Ulcus duodeni der Nüchternschmerz.

  • PylorusstenosePylorusstenose: postprandiales saures Erbrechen im Schwall, Gedeihstörung bei Kindern, Pseudoobstipation, gelegentlich sichtbare Peristaltik

  • IleusIleus: je nach Ileusart starke Schmerzen, Wind-, Stuhlverhalt, Meteorismus, Veränderung der Darmgeräusche (hochgestellte oder fehlende Geräusche)

  • CholezystitisCholezystitis: Schmerzen im rechten Oberbauch, Fieber, Unverträglichkeit von fetten oder gebratenen Speisen, evtl. Stuhlentfärbung und Ikterus

  • PankreatitisPankreatitis: gürtelförmiger Bauchschmerz, Fieber, paralytische Ileus mit Obstipation, Gummibauch

  • AppendizitisAppendizitis (5.2.9): Schmerzen zunächst im Epigastrium, dann periumbilikal, später im rechten Unterbauch; rektal-axillärer Temperaturunterschied, positive Appendizitiszeichen (Psoas-, Blumberg-, Lanz-, McBurney-, Rovsing-Zeichen)

Zentral
  • Hirndrucksteigerung: Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, Erbrechen im Schwall (häufig ohne Übelkeit), neuro-psychiatrische Ausfälle, abnorme Atmungstypen (Cheyne-Stokes-, Biot-Atmung) oder Dyspnoe, Stauungspapille

  • MeningitisMeningitis, EnzephalitisEnzephalitis: starke Kopfschmerzen, Fieber, neurologische Ausfälle, positive Meningendehnungszeichen

  • MigräneMigräne: einseitige Kopfschmerzen, Gesichtsblässe, Übelkeit, Lichtempfindlichkeit

Endokrin, metabolisch
  • UrämieUrämie: Oligourie, Anurie, renale Anämie, Knochenschmerzen, Hypertonie, urämischer Geruch, metabolische Azidose, Ödeme

  • Coma diabeticumComa diabeticum: Exsikkose, hohe Blutzuckerspiegel, Polyurie, beim Typ-1-Diabetes Ketoazidose

  • Morbus AddisonMorbus Addison: Müdigkeit, Schwäche, verstärkte Pigmentierung (v. a. Handlinien, Schleimhaut)

  • SchwangerschaftSchwangerschaft: Übelkeit und Erbrechen besonders im ersten Schwangerschaftstrimenon

Medikamentös
NSAR, Antibiotika, Opiate, Zytostatika, Digitalis: wegweisend ist die Anamnese
Intoxikation
Alkohol, Drogen: wegweisend ist die Anamnese
Psychisch
  • BulimieBulimie: rezidivierende Ess-Brech-Attacken, andauernde Beschäftigung mit dem Essen, schlechter Zahnstatus, konjunktivale Blutungen, Gewicht meist normal

  • Anorexia nervosaAnorexia nervosa: Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation, häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

  • AngststörungAngststörung: plötzliche Angstattacken, die situationsabhängig (Phobien) oder situationsunabhängig (Panikstörung) auftreten; begleitend Herzklopfen, Thoraxschmerzen, Erstickungsgefühl (Globusgefühl), Angst, wahnsinnig zu werden, Furcht vor Kontrollverlust

Diarrhö

Die Differenzialdiagnostik erfolgt nach der Ursache. Die Diarrhö ist definiert als Stuhlgang, der zu viel, zu häufig und zu flüssig ist.

Infektiös
  • Bakteriell (u. a. Cholera, ETEC, Salmonellen, EHEC): akute Symptome der Grunderkrankung, Exsikkose, Hypotonie, Tachykardie, ggf. Fieber; bei Cholera Reiswasser-Durchfälle, bei ETEC wässrige Durchfälle, bei Salmonellen erbsbreiartige (eitrige) Stühle, bei EHEC schleimig-blutige Stühle

  • Bakterielle Toxine (u. a. Staphylococcus aureus): kurze Inkubationszeit, plötzlicher Beginn mit Erbrechen, Bauchschmerzen und Diarrhö; Beschwerden sistieren sehr schnell

  • Viren (u. a. Rota-, Noroviren): akute wässrige Durchfälle, Erbrechen, ggf. Fieber, reduziertes Allgemeinbefinden, Exsikkosezeichen; häufig epidemisches Auftreten.

  • Protozoen (u. a. Giardia lamblia): akute wässrige Durchfälle, Erbrechen, Aufstoßen nach faulen Eiern

Malassimilation
  • ZöliakieZöliakie (5.2.6): chronischer Verlauf, aufgetriebener Bauch, Blähungen, voluminöse Fettstühle

  • Chronische PankreatitisPankreatitis: chronische Fettstühle, Fettunverträglichkeit, übel riechende Stühle, periodische abdominale Schmerzen; häufig Alkoholabusus

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • Morbus CrohnMorbus Crohn (5.2.8): schleimig-eitrige Durchfälle, Bauchschmerzen, Stenosesymptomatik, Gewichtsabnahme, Mangelerscheinungen, Entzündungssymptome

  • Colitis ulcerosaColitis ulcerosa (5.2.8): blutig-schleimige Durchfälle, Tenesmen, Entzündungssymptome

Neoplastisch
  • Kolorektales Karzinomkolorektales Karzinom (5.2.11): Veränderung der Stuhlgewohnheiten, blutige und schleimig-eitrige Stühle, dünnkalibrige Stühle, B-Symptome

  • KarzinoidKarzinoid (serotoninbildende Tumoren): wässrige Diarrhö, Flush-Symptome, Asthma bronchiale, Hypertonie, Tachykardie

Medikamentös
  • Laxanzien: wegweisend ist die Anamnese, Obstipation in der Vorgeschichte; beim Laxanzienabusus findet sich häufig eine Hypokaliämie

  • Antibiotika: wegweisend ist die Anamnese, in der Vorgeschichte bakterielle Infekte

  • Zytostatika: wegweisend ist die Anamnese, in der Vorgeschichte Tumorgeschehen

Endokrin
  • Diabetes mellitusDiabetes mellitus: häufig Diarrhö und Obstipation im Wechsel, Übelkeit, Erbrechen, Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • HyperthyreoseHyperthyreose: Gewichtsabnahme, Schweißneigung, Wärmeintoleranz, Tachykardie, Hypertonie, Haarausfall, Tremor, Nervosität, Schlaflosigkeit; im Laborbefund TSH ↓, T3 und T4

Intoxikationen
Arsen, Quecksilber, Pilze: wegweisend ist die Anamnese
Weitere
  • ReizdarmsyndromReizdarmsyndrom (funktionell, 5.2.7): Diarrhö und Obstipation im Wechsel, krampfartige Bauchschmerzen, hörbare Darmgeräusche, psychische Verstimmung

  • Allergien und Intoleranzen: Diarrhö nach Verzehr unverträglicher Lebensmittel, häufig von Bauchschmerzen und Meteorismus begleitet

Obstipation

Die Obstipation ist definiert als erschwerte Entleerung, harter Stuhlgang, < 3 Stühle/Woche und nur unter Laxanzientherapie weicher Stuhl. Die Einteilung erfolgt nach den Ursachen.

Ernährung
Faserarme Kost, geringe Flüssigkeitszufuhr (und Bewegungsmangel): häufige Ursache für Obstipation; wegweisend ist die Anamnese
Mechanisch, entzündlich
  • Kolorektales Karzinomkolorektales Karzinom (5.2.11): Veränderung der Stuhlgewohnheiten, blutige und schleimig-eitrige Stühle, dünnkalibrige Stühle, B-Symptome

  • DivertikulitisDivertikulitis (5.2.10): chronische Obstipation, im Schub Veränderungen der Stuhlgewohnheit, Schmerzen im linken Unterbauch, Fieber mit Schüttelfrost, bei der Palpation tastbare Stuhlwalze, ggf. Pneumaturie

  • PeritonitisPeritonitis (5.2.12): akute stärkste Bauchschmerzen, brettharte Bauchdecke, Darmparalyse, systemische Entzündungszeichen, Symptome der Grunderkrankung

  • IleusIleus: beim mechanischen Ileus peristaltik-synchrone Bauchschmerzen, hochgestellte Darmgeräusche vor der Stenose; beim paralytischen Ileus wenig Bauchschmerzen und Darmparalyse (keine Darmgeräusche)

  • ReizdarmsyndromReizdarmsyndrom (5.2.7): Diarrhö und Obstipation im Wechsel, krampfartige Bauchschmerzen, hörbare Darmgeräusche, Meteorismus

Endokrin
  • Diabetes mellitusDiabetes mellitus: häufig Diarrhö und Obstipation im Wechsel, Übelkeit, Erbrechen, Polyurie, Polydipsie, hohe Blutzuckerwerte, Symptome der Makro- und Mikroangiopathie

  • HypothyreoseHypothyreose: Gewichtszunahme, Kälteempfindlichkeit, depressive Verstimmung, Hypotonie, Bradykardie, trockene Haut; im Laborbefund TSH ↑, T3 und T4

Neurogen
  • Morbus ParkinsonMorbus Parkinson: Rigor, Hypo- oder Akinese, evtl. Tremor, psychische Verstimmung, Masken- und Salbengesicht, vornübergebeugter Gang

  • Multiple SkleroseMultiple Sklerose: Sehstörungen, Sensibilitätsstörungen, Lähmungserscheinungen, Ataxie, Harninkontinenz, Eigenreflexe gesteigert, Bauchhautreflex typischerweise erloschen

  • ApoplexApoplex: Halbseitensymptomatik, evtl. Wernicke-Mann-Gang, Sprach- und Schluckstörungen

Medikamentös
  • Opiate: wegweisend sind die Medikamentenanamnese und Schmerzsymptome in der Vorgeschichte

  • Eisenpräparate: wegweisend sind die Medikamentenanamnese und Eisenmangelanämie in der Vorgeschichte

  • Antidepressiva: wegweisend sind die Medikamentenanamnese und depressive Symptome in der Vorgeschichte

Weitere
  • Immobilisation: wegweisend ist die Anamnese

  • DepressionDepression: Denkverlangsamung, Schuldgefühle, Gefühl der Wertlosigkeit und Gefühllosigkeit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizit, Verminderung des Antriebs, Gewichtsverlust, Suizidgedanken

  • Anorexia nervosaAnorexia nervosa: Untergewicht, Nahrungsverweigerung, Körperschemastörung, Hypokaliämie, Obstipation; häufig Laxanzien- und Diuretikaabusus

  • HypokaliämieHypokaliämie: Muskelschwäche, reduzierte Eigenreflexe; anamnestisch häufig Diuretika- oder Laxanziengebrauch

Akutes Abdomen

Das akute akutes AbdomenAbdomen ist durch plötzliche unklare Bauchschmerzen definiert, die mit Veränderung der Peristaltik und meist bretthartem Bauch einhergehen. Die Differenzialdiagnostik kann u. a. nach der Lokalisation oder Ursache eingeteilt werden, nachfolgend nach der Lokalisation (Tab. 5.2).

Gastrointestinale Blutungen

Gastrointestinale Blutungen:gastrointestinaleBlutungen werden je nach Lokalisation in obere (vor dem Ende des Duodenums bzw. Treiz-Bandes) und untere Blutungen (distal des Treiz-Bandes) eingeteilt (Tab. 5.3). Blut, das in Kontakt mit Salzsäure kommt, erscheint schwarz oder kaffeesatzartig (Hämatin). Es kann als KaffeesatzerbrechenKaffeesatzerbrechen oder als TeerstuhlTeerstuhl (MelänaMeläna) auftreten. Eine lange Darmpassage kann auch eine Ursache für Teerstühle sein. Blut, das nicht Kontakt mit Salzsäure getreten ist, wird frisch-blutig erbrochen und als HämatemesisHämatemesis bezeichnet. Bei eienm peranalen Blutabgangs spricht man von der HämatochezieHämatochezie.

Ileus

Der Ileus ist eine lebensbedrohliche Abdominalerkrankung, die sich durch einen Stopp der Darmpassage auszeichnet. Die Differenzierung erfolgt nach der Form.

Paralytischer Ileus Ileus:paralytischer
  • Ursache: Entzündungen aller Art, reflektorisch nach Operationen oder durch vaskuläre Störungen, z. B. beim Mesenterialinfarkt

  • Leitsymptome: Stuhl- und Windverhalt, wenig Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, auch Koterbrechen (Miserere), Meteorismus, Fieber, Exsikkose, Schockentwicklung, fehlende Darmgeräusche („Totenstille“)

Mechanischer Ileus Ileus:mechanischer
  • Ursachen: Darmeinklemmung, Invagination, Volvulus, Briden (Verwachsungen), Tumoren

  • Leitsymptome: stärkste peristaltiksynchrone Bauchschmerzen, Abwehrspannung, Stuhl- und Windverhalt, Blähungen, hochgestellte, mechanisch klingende Darmgeräusche

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.5.3)

Malassimilation

Malassimilation

Unter Malassimilation versteht man die Störungen der Digestion (Verdauung) und/oder Resorption. Man unterscheidet das Maldigestionssyndrom von einem Malabsorptionssyndrom. Die Symptome der Malassimilation sind Gewichtsverlust, voluminöse, grau-glänzende Stühle, Fettstühle, Blähungen, Eiweißmangelödem, Vitaminmangel (v. a. der fettlöslichen Vitamine), Anämie durch verminderte Resorption von Eisen, Vitamin B12 und Folsäure.

Maldigestionssyndrom
MaldigestionssyndromStörung der Verdauungsfunktion: angeboren (z. B. Laktasemangel) oder durch Schädigung der Verdauungsdrüsen erworben (z. B. Pankreasinsuffizienz, Mangel an Gallensäuren durch Leber- bzw. Gallenwegserkrankungen, Magenerkrankungen oder Teilresektion)
Malabsorptionssyndrom
MalabsorptionssyndromStörung der Resorption der Spaltprodukte aus dem Darm: durch Dünndarmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Zöliakie, chronische Darminfekte, Darmlymphom), Störung der Durchblutung, Störung des Lymphtransportes, endokrine Störungen (z. B. Diabetes mellitus, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus) oder Medikamente (u. a. Antibiotika)

Erkrankungen und deren Leitsymptome

Gastroösophageale Refluxkrankheit

Definition
Refluxkrankheitgastroösophageale RefluxkrankheitÖsophagitis durch Rückfluss von saurem Magensaft in den Ösophagus.
Leitsymptome
  • Sodbrennen und retrosternale Schmerzen, besonders im Liegen und nach Mahlzeiten, Verstärkung der Beschwerden durch Bücken, Pressen, Anstrengung, Stress

  • Schmerzen im Epigastrium

  • Schluckbeschwerden, Regurgitation

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen, Luftaufstoßen

  • Gewichtsverlust

  • Heiserkeit, Räusperzwang

  • Komplikationen: Barrett-Ösophagus, Ösophaguskarzinom

Therapie
  • Hochstellen des Kopfendes des Bettes

  • Gewichtsabnahme bei adipösen Patienten

  • Verzicht auf Alkohol, Nikotin und fette Speisen

  • Medikamentöse und operative Therapie

Ösophaguskarzinom

Definition
ÖsophaguskarzinomBösartige Neubildung im Ösophagus. Männer sind häufiger betroffen. Erkrankungsgipfel zwischen dem 6. und 7. Lebensjahrzehnt.
Leitsymptome
  • Frühsymptome sind uncharakteristisch

  • Bei signifikanter Lumeneinengung Dysphagie

  • Retrosternale Schmerzen

  • Übelriechender Mundgeruch, Regurgitation von unverdauter Nahrung

Begleitsymptome
  • Rückenschmerzen

  • B-Symptomatik

  • Frühe lymphogene und späte hämatogene Metastasierung (Leber, Lunge, Knochen)

Therapie
  • Operation, Stent

  • Radio-, Chemotherapie

Akute Gastritis

Definition
Gastritis:akuteAkute Entzündung der Magenschleimhaut, hervorgerufen durch u. a. Infektionen, Alkoholexzess, Medikamente, Schock.
Leitsymptome
Schmerzen und Druckgefühl im Epigastrium
Begleitsymptome
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen

  • Sodbrennen, Aufstoßen, Mundgeruch

  • Blähungen

  • Komplikationen: Magenblutung, Ulkusentstehung

Therapie
  • Noxen meiden, Nahrungskarenz

  • Protonenpumpenhemmer

Ulkuserkrankung

Definition
UlkuserkrankungSubstanzdefekt, der die Muscularis mucosae des Magens bzw. Duodenums überschritten hat. Ursachen sind u. a. Helicobacter pylori, Medikamente, z. B. NSAR, Kortikosteroide, Alkoholexzess, Schock oder Überproduktion von Magensäure.
Leitsymptome
  • UlcusUlcus:ventriculi ventriculi: postprandiale Schmerzen (sofort nach Nahrungsaufnahme)

  • UlcusUlcus:duodeni duodeni: Nüchternschmerzen, Besserung nach Nahrungsaufnahme

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Komplikationen: Blutungen, Perforation in die freie Bauchhöhle, Penetrationen in andere Organe (v. a. Pankreas), Magenausgangsstenose durch Narbenbildung, maligne Entartung

Therapie
  • Behandlung der Ursachen

  • Protonenpumpenhemmer, bei Nachweis von Helicobacter pylori Triple-Therapie (2 Antibiotika + Protonenpumpenhemmer)

Magenkarzinom

Definition
MagenkarzinomBösartige Neubildung des Magens, die meist von der Schleimhaut ausgeht.
Leitsymptome
  • Frühsymptome finden sich häufig nicht

  • Uncharakteristische Oberbauchbeschwerden oder Gastritissymptome

Begleitsymptome
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen

  • Abneigung gegen Fleisch (nicht spezifisch)

  • B-Symptomatik

  • Sichtbare Virchow-Lymphknoten

  • Hepatomegalie, Aszites

  • Blutungen

  • Metastasierung über die V. portae in die Leber oder per continuitatem in die Bauchhöhle

Therapie
  • Chirurgische Entfernung

  • Chemotherapie

Zöliakie (einheimische Sprue)

Definition
Zöliakieeinheimische SprueAllergische Reaktion gegen das Kleberprotein Gluten mit der Folge einer Zottenatrophie im Dünndarm mit einem Malassimilationssyndrom.
Leitsymptome
  • Aufgetriebener Bauch, Blähungen

  • Voluminöse Fettstühle, Gewichtsverlust

Begleitsymptome
  • Bauchschmerzen

  • Eisenmangelanämie, Osteoporose, Vitaminmangel (Vitamin A, D, E, K)

  • Entwicklungsstörungen bei Kindern

  • Komplikationen: Dünndarmlymphom, sekundärer Laktasemangel (→ Laktoseintoleranz)

Therapie
  • Glutenfreie Kost (Hirse, Mais, Reis, Kartoffeln, Soja etc.)

  • Verzicht auf Milch und Milchprodukte

  • Substitution von Vitaminen und Spurenelementen

Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Definition
ReizdarmsyndromColon irritabileFunktionelle Darmstörung ohne organische Ursache. Betroffen sind meist Frauen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.
Leitsymptome
  • Bauchschmerzen

  • Blähungen

  • Obstipation und/oder Diarrhö, aber nicht nachts und in der Regel unblutig

  • Hörbare Darmgeräusche

  • Psychische Verstimmung

Begleitsymptome
Leistungsknick
Therapie
  • Ernährungsberatung

  • Psychosomatische Behandlung

  • Medikamente je nach Symptom

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen

Definition
chronisch entzündliche DarmerkrankungenChronische, entzündliche, schubweise verlaufende Darmerkrankung, die mit Defekten der Schleimhaut oder aller Darmwandschichten einhergeht. Die Ursachen sind unklar, eine autoimmune Genese wird vermutet. Dazu zählen Morbus CrohnMorbus Crohn und Colitis ulcerosaColitis ulcerosa.
Leitsymptome
Begleitsymptome
  • Fieber, Abgeschlagenheit, Leistungsknick

  • Gewichtsabnahme

  • Extraintestinale Symptome: Hautbeteiligung als Erythema nodosum, Augenbeteiligung als Iritis, Uveitis, Gelenkbeteiligung wie bei Morbus Bechterew, Eisenmangelanämie

  • Komplikationen bei Morbus Crohn: Darmstenosen bis hin zum mechanischen Ileus, Fistelbildung, Abszesse, Malabsorption bei Befall des proximalen Dünndarms, Perforation, Gallensteine, seltene maligne Entartung

  • Komplikationen bei Colitis ulcerosa: Ulzerationen, Blutungen, Abszesse, toxisches Megakolon mit dem Risiko der Darmperforation, Peritonitis, Sepsis, maligne Entartung

Therapie
  • Immunsuppressive, entzündungshemmende Therapie

  • Evtl. chirurgische Therapie

  • Supplementierung von Nährstoffen

Appendizitis

Definition
AppendizitisEntzündung des Wurmfortsatzes (Appendix vermiformis). Häufigste abdominale Erkrankung im Kindesalter.
Leitsymptome
  • Klassisch: Schmerzen zunächst im Epigastrium, die zum Nabel ziehen und dann zum rechten Unterbauch wandern

  • Fieber mit Temperaturdifferenz von 1 °C axillär und rektal

  • Positive Psoas-Zeichen, Blumberg-Zeichen, McBurney-Punkt, Lanz-Punkt, Rovsing-Zeichen

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Stuhl- und Windverhalt

  • Komplikationen: Abszessbildung, Perforation mit Peritonitis und Sepsis

Merke

Bei älteren Menschen kann der Verlauf atypisch und/oder symptomarm sein.

Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.5.2)

  • Entfernung der Appendix (Appendektomie)

  • Antibiotika bei Perforation

  • Konservative Therapie: nur bei sehr milden Symptomen im Kindesalter unter Beobachtung abwarten

Divertikulose und Divertikulitis

Definition
DivertikuloseDivertikulitisAuftreten bzw. Entzündung von Divertikeln v. a. im Sigma und Colon descendens.
Leitsymptome
  • Divertikulose verläuft meist asymptomatisch

  • Divertikulitis:

    • Schmerzen im linken Unterbauch (LinksappendizitisLinksappendizitis)

    • Fieber und systemische Entzündungsreaktionen

    • Stuhlunregelmäßigkeiten

    • Tastbare Stuhlwalze im linken Unterbauch

Begleitsymptome
  • Blutbeimengungen im Stuhl, Blähungen

  • Komplikationen: Perforation mit Peritonitis, Abszessbildung, Fistelbildung v. a. in die Blase, Darmstenose, (Sub-)Ileus

Therapie
  • Im symptomfreien Intervall: ballaststoffreiche Ernährung, Flüssigkeitszufuhr, Bewegung, ggf. operative Therapie

  • Im entzündlichen Schub: Nahrungskarenz und parenterale Ernährung oder ballaststofffreie Ernährung, Antibiotika

Kolorektales Karzinom

Definition
kolorektales KarzinomBösartige Neubildung im Kolon. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen ballaststoffarme Ernährung, fleischreiche und fettreiche Kost, Übergewicht, Nikotin- und Alkoholkonsum, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (v. a. Colitis ulcerosa), familiäre Polyposis coli. Zu den protektiven Faktoren zählen u. a. gemüsereiche, fleischarme und fettarme Kost, Vitamin C, ASS.
Leitsymptome
  • Veränderung der Stuhlgewohnheit, Obstipation und Diarrhö im Wechsel

  • Dünnkalibrige Stühle (sog. Bleistiftstühle)

  • Blut im Stuhl

Begleitsymptome
  • Mikrozytäre, hypochrome Anämie

  • B-Symptomatik

  • Evtl. tastbarer Tumor

Therapie
  • Chirurgische Entfernung

  • Bestrahlung, Chemotherapie

Peritonitis

Definition
PeritonitisEntzündung des Peritoneums v. a. durch bakterielle Infektion durch Ruptur eines kontaminierten Organs oder als nicht-bakterielle Peritonitis (toxisch-irritativ).
Leitsymptome
  • Stärkste Bauchschmerzen

  • Abwehrspannung und brettharte und extrem druckempfindliche Bauchdecke

Begleitsymptome
  • Übelkeit, Erbrechen, Meteorismus

  • Fieber

  • Symptome der Grunderkrankung

  • Komplikationen: septischer Schock, paralytischer Ileus

Therapie
Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (20.5.4)

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