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B978-3-437-58385-8.00014-X

10.1016/B978-3-437-58385-8.00014-X

978-3-437-58385-8

Prüfungstermin Oktober 2010

365 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zu Angststörungen treffen zu?

Antwort A Bei Phobien bezieht sich die Angst nicht auf bestimmte Situationen.

Antwort B Etwa 10 % der Bevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an einer behandlungsbedürftigen Angststörung.

Antwort C Bei guter Anamnese kann auf eine körperliche Untersuchung verzichtet werden.

Antwort D Die kognitive Verhaltenstherapie gilt heute als wirksamste Psychotherapieform.

Antwort E Medikamente sind meist unwirksam.

365 !

Richtig sind die Antworten B und D.

Zu A Falsch. Ängste und Befürchtungen, die sich nicht auf eine bestimmte Situation oder ein bestimmtes Objekt beziehen, sind typisch für die generalisierte Angststörung, nicht für eine Phobie.

Zu B Richtig. Angststörungen gehören neben den Depressionen zu den häufigsten psychischen Störungen. In Deutschland leiden nach einer Studie der Bundesregierung ca. 10 % der Bevölkerung an behandlungsbedürftigen Angststörungen; neuere Statistiken sprechen sogar von 14 %.

Zu C Falsch. Bei Angststörungen sind grundsätzlich körperliche Ursachen vorweg abzuklären.

Zu D Richtig. Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben in den vergangenen Jahren die Wirksamkeit der Verhaltenstherapie (vor allem der kognitiven Verhaltenstherapie) belegt.

Zu E Falsch. Bei der medikamentösen Behandlung von Angststörungen hat sich der Einsatz von Antidepressiva bewährt.

366 ?

Aussagenkombination

Welche Symptome sind typisch für die schizoide Persönlichkeitsstörung?

  • 1.

    Gedankenausbreitung

  • 2.

    Emotionale Kühle

  • 3.

    Introvertiertheit

  • 4.

    Akustische Halluzinationen

  • 5.

    Mangelndes Gespür für geltende soziale Normen

Antwort A Nur 1, 2 und 3 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 2 und 4 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 4 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 2, 3 und 4 sind richtig.

Antwort E Nur 2, 3 und 5 sind richtig.

366 !

Antwort E ist richtig.

Zu 1 Falsch. Gedankenausbreitung ist eine für die paranoide Schizophrenie typische Ich-Störung. Psychotische Symptome (Ich-Störung, Wahn, Halluzinationen) sind ein Ausschlusskriterium für eine Persönlichkeitsstörung jedweder Art.

Zu 2 Richtig. „Emotionale Kühle, Distanziertheit oder abgeflachter Affekt“ (ICD-10) sind charakteristische Merkmale der schizoiden PS.

Zu 3 Richtig. Typisch für die schizoide PS laut ICD-10: „Übermäßige Inanspruchnahme durch Fantasien und Introvertiertheit.“

Zu 4 Falsch. Nicht verwechseln mit Schizophrenie! Psychotische Symptome wie akustische Halluzinationen sind ein Ausschlusskriterium für die schizoide Persönlichkeitsstörung. Kommentar zu 1.

Zu 5 Richtig. ICD-10: „Deutlich mangelhaftes Gespür für geltende soziale Normen und Konventionen; wenn sie nicht befolgt werden, geschieht dies unabsichtlich“ (im Gegensatz zur dissozialen Persönlichkeitsstörung!).

367 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zu Abwehrmechanismen treffen aus psychodynamischer Sicht zu?

Antwort A Sie sind immer als pathologisch zu betrachten.

Antwort B Sie zielen darauf ab, negative Affekte und Gedanken zu vermeiden.

Antwort C Sie entwickeln sich bis zum 18. Lebensmonat (orale Phase).

Antwort D Bei der Borderline-Störung herrschen sog. unreife Abwehrmechanismen wie z. B. Spaltung vor.

Antwort E Sie sind Ausdruck einer bewussten Problembewältigung bzw. Konfliktverarbeitung.

367 !

Richtig sind die Antworten B und D.

Zu A Falsch. Abwehrmechanismen sind nicht immer als pathologisch zu betrachten. Die Sublimierung z. B., bei der die Libido in künstlerische oder wissenschaftliche Werke umgewandelt wird, ist nach Freud die Grundlage der gesamten menschlichen Kultur.

Zu B Richtig. Abwehrmechanismen sind unbewusste Bewältigungsstrategien des „Ichs“, um negative Affekte (z. B. Angst) zu vermeiden oder zu reduzieren.

Zu C Falsch. Abwehrmechanismen werden vom Ich eingesetzt, das sich erst gegen Ende des 2. Lebensjahres entwickelt (da erkennt das Kind sich erstmals im Spiegel). In der oralen Phase ist das Ich noch nicht weit genug entwickelt, um Abwehrmechanismen zu bilden.

Zu D Richtig. In der Psychoanalyse unterscheidet man zwischen frühen, unreifen Formen der Abwehr (z. B. Spaltung, Verleugnung) und späteren, reifen Abwehrmechanismen (z. B. Sublimierung). Da die Borderline-Störung sehr früh entsteht, herrschen bei ihr eher unreife Abwehrmechanismen vor.

Zu E Falsch. Abwehrmechanismen sind Ausdruck einer unbewussten Form der Konfliktverarbeitung.

368 ?

Aussagenkombination

Welche Aussagen zum Delir treffen zu?

  • 1.

    Bei einem Delir liegt ein akuter, möglicherweise vital bedrohlicher Zustand vor.

  • 2.

    Eine Störung der Bewusstseinslage spricht gegen ein Delir.

  • 3.

    Typisch sind Desorientiertheit, optische Sinnestäuschungen und Situationsverkennung.

  • 4.

    Es handelt sich um eine chronisch irreversible Psychose.

  • 5.

    Typisch sind Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus.

Antwort A Nur 2 und 3 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 3 und 5 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 4 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 1, 2, 3 und 5 sind richtig.

Antwort E Alle Aussagen sind richtig.

368 !

Antwort B ist richtig.

Zu 1 Richtig. In der Fragestellung geht es offensichtlich um das „organische Delir“ (F05), nicht das Delirium tremens (F10.4). Eventuell zielt die Frage auch auf Gemeinsamkeiten bei beiden Formen des Delirs ab. In jedem Fall gilt: Bei allen Arten des Delirs handelt es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung, die sofort in einer Klinik behandelt werden muss.

Zu 2 Falsch. Leitsymptom für das Delir ist die Bewusstseinsstörung (Bewusstseinstrübung).

Zu 3 Richtig. Desorientiertheit, optische Halluzinationen, Illusionen und Situationsverkennung sind typische Symptome eines Delirs.

Zu 4 Falsch. Das Delir ist eine akute, reversible Psychose.

Zu 5 Richtig. Eine Störung oder Umkehr des Schlaf-Wach-Rhythmus ist typisch für das Delir.

369 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zur akuten Alkoholintoxikation treffen zu?

Antwort A Ein pathologischer Rausch tritt – meist nach Vorschädigung des Gehirns – bereits nach Konsum geringer Alkoholmengen auf.

Antwort B Typische Symptome des pathologischen Rausches sind optische Halluzinationen und lange Dauer.

Antwort C Ein einfacher Rausch verändert zwar die Stimmung, die Kontrolle über die Körperfunktion ist jedoch nicht eingeschränkt.

Antwort D Als Symptome eines schweren Alkoholrausches können Amnesie, Erregung und Bewusstseinseintrübungen auftreten.

Antwort E Persönlichkeitsfremde Verhaltensstörungen (z. B. Gewalttätigkeit) treten beim pathologischen Rausch nicht auf.

369 !

Richtig sind die Antworten A und D.

Zu A Richtig. Beim pathologischen Rausch tritt der Rauschzustand bereits nach geringen Alkoholmengen auf. Ursache ist eine Intoleranz gegenüber Alkohol, die meist durch eine Vorschädigung des Gehirns verursacht wird. Weitere Symptome: kurze Dauer; Bewusstseinsstörung; Situationsverkennung; wesensfremde Handlungen. Aber: keine Halluzinationen (weder optisch noch akustisch).

Zu B Falsch. Die Dauer ist kurz. Halluzinationen sind nicht typisch. Kommentar zu A.

Zu C Falsch. Schon bei geringen Alkoholmengen ist z. B. das Reaktionsvermögen im Straßenverkehr eingeschränkt.

Zu D Richtig. Bei einem schweren Alkoholrausch kann es zu Bewusstseinstrübungen kommen, zu Amnesie („Blackout“), in manchen Fällen zu Angst, Erregung und aggressiven Handlungsweisen.

Zu E Falsch. Persönlichkeitsfremde Handlungen zeigen sich beim pathologischen Rausch z. B. in „verbaler Aggressivität oder körperlicher Gewalttätigkeit, die für die betroffene Person in nüchternem Zustand untypisch ist“ (ICD-10, F10.07/C).

370 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zur Schizophrenie treffen zu?

Antwort A Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Antwort B Das gesicherte Erkrankungsrisiko bei eineiigen Zwillingen liegt bei über 95 %.

Antwort C Die Erkrankungswahrscheinlichkeit (Lebenszeitrisiko) liegt bei 5 %.

Antwort D Das Haupterkrankungsalter liegt zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr.

Antwort E Ist ein Elternteil an Schizophrenie erkrankt, ist das Erkrankungsrisiko erhöht (10–15 %).

370 !

Richtig sind die Antworten D und E.

Zu A Falsch. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig an Schizophrenie. Bei Männern tritt die Erkrankung jedoch früher auf. Bei ihnen liegt der Erkrankungsgipfel zwischen 15 und 25, bei Frauen zwischen 25 und 35 Jahren.

Zu B Falsch. Für die Schizophrenie besteht eine genetische Disposition. Als Folge davon gilt: je enger der Verwandtschaftsgrad, desto höher das Erkrankungsrisiko. Bei eineiigen Zwillingen liegt das Erkrankungsrisiko allerdings nicht bei 95 %, sondern bei 50 %, bei Kindern eines an Schizophrenie erkrankten Elternteils bei 10–15 %.

Zu C Falsch. Unabhängig vom Kulturkreis erkrankt etwa 1 % der Bevölkerung an Schizophrenie.

Zu D Richtig. Die Schizophrenie tritt häufig im Alter zwischen 15 und 30–35 Jahren auf.

Zu E Richtig. Kommentar zu B.

371 ?

Einfachauswahl

Welche Aussage charakterisiert am ehesten die Krankheitstheorie, auf der die klientenzentrierte Gesprächstherapie nach Rogers aufbaut?

Antwort A Das neurotische Symptom entspricht einem gelernten dysfunktionalen Verhalten.

Antwort B Das neurotische Symptom ist eine Kompromissbildung zwischen Wunsch und verinnerlichter Norm.

Antwort C Das neurotische Symptom ist Folge eines Entwicklungsschadens.

Antwort D Das neurotische Symptom stellt eine intrusive (bildhafte) Erinnerung an ein erlittenes Trauma dar.

Antwort E Das neurotische Symptom ist Folge einer Inkongruenz zwischen dem Selbstkonzept und neuen Erfahrungen.

371 !

Antwort E ist richtig.

Zu A Falsch. Die Vorstellung, jedes neurotische Symptom sei erlernt und könne deshalb auch wieder verlernt werden, ist charakteristisch für die Verhaltenstherapie.

Zu B Falsch. Das neurotische Symptom als Kompromissbildung zwischen Ich und Über-Ich ist typisch für die Psychoanalyse nach Freud.

Zu C Falsch. Ein neurotisches Symptom kann nicht Folge eines „Entwicklungsschadens“ sein: Ein Entwicklungsschaden ist hirnorganisch und nicht psychisch bedingt.

Zu D Falsch. Neurotische Denk- und Verhaltensweisen als Folge von (z. T. frühkindlichen) Traumatisierungen sind Grundlage der Traumatherapie (z. B. EMDR).

Zu E Richtig. Rogers zufolge beeinflussen die Erfahrungen mit der Umwelt die Entwicklung unseres Selbstbildes (= „Selbstkonzept“). Das Selbstkonzept beinhaltet das Idealselbst (die Eigenschaften, die das Ich gern hätte) und das Realselbst (die Eigenschaften, die jemand tatsächlich hat). Wenn die beiden Pole Idealselbst – Realselbst nicht zueinander passen (= inkongruent sind), führt dies nach Rogers zu neurotischen Symptomen.

372 ?

Einfachauswahl

Ein 45-jähriger Landwirt kommt in Begleitung seiner Ehefrau und seiner Eltern zu Ihnen. Bislang sei er nie psychisch auffällig gewesen. Nun wirke er seit etwa 14 Tagen sehr „überdreht“ und plane, den landwirtschaftlichen Betrieb aufzugeben, um stattdessen einen Industriepark auf seinen Grundstücken anzusiedeln und zu managen. – Welche Erkrankung oder Störung könnte hier am ehesten vorliegen?

Antwort A Zyklothymia

Antwort B Manie

Antwort C Schizophrenie

Antwort D Delir

Antwort E Wahnhafte Störung

372 !

Antwort B ist richtig.

Zu A Falsch. Bei einer Zyklothymia hat jemand mindestens 2 Jahre lang Perioden von Hypomanie und leichteren depressiven Verstimmungen. Dies passt vom Zeitkriterium und von den Symptomen her nicht zur Fallgeschichte.

Zu B Richtig. Der Mann ist seit 14 Tagen überdreht und hat Größenideen, die in Richtung Größenwahn gehen. Der Landwirt hat wahrscheinlich eine Manie.

Zu C Falsch. Der Mann hat keine für die Schizophrenie typischen Symptome wie Ich-Störungen, Beeinflussungserlebnisse oder bizarre Wahnideen. Überdies müssten für die Diagnose Schizophrenie die Symptome mindestens 4 Wochen lag vorhanden sein.

Zu D Falsch. Das Delir ist eine Folge von Alkoholentzug oder einer hirnorganischen Erkrankung. Davon findet sich nichts im Fallbeispiel.

Zu E Falsch. Für die Diagnose „anhaltende wahnhafte Störung“ müssten die Symptome mindestens 3 Monate vorhanden sein. Das Überdreht-Sein und die Art des Wahns (wenn es sich wirklich um einen Wahn und nicht bloß um überwertige Ideen handelt) passen nicht zu einer wahnhaften Störung.

373 ?

Aussagenkombination

Welche Aussagen zu Zwangsstörungen treffen zu?

  • 1.

    Zwangsstörungen können zu sozialer Isolation führen.

  • 2.

    Zwangsgedanken werden von Betroffenen meist als sinnlos erlebt.

  • 3.

    Beim Versuch, Zwangshandlungen zu unterlassen, treten innere Anspannung und Angst auf.

  • 4.

    Antidepressiva können die Prognose einer Zwangsstörung bessern.

  • 5.

    Zwangsimpulse sind gefährlich, da es hierdurch häufig zu Verletzungen kommt.

Antwort A Nur 2 und 4 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 2 und 3 sind richtig.

Antwort C Nur 3, 4 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 1, 2, 3 und 4 sind richtig.

Antwort E Alle Aussagen sind richtig.

373 !

Antwort D ist richtig.

Zu 1 Richtig. Zwangsstörungen dauern oft monate- oder jahrelang an und beeinträchtigen durch ihren Zeitaufwand oft das soziale Zusammenleben bis hin zur sozialen Isolation.

Zu 2 Richtig. In der Regel ist den Betroffenen die Unsinnigkeit ihrer Zwangsgedanken und Zwangshandlungen bewusst, es ist ihnen jedoch nicht möglich, dagegen Widerstand zu leisten.

Zu 3 Richtig. Beim Versuch, Zwangshandlungen zu unterlassen, treten große Ängste auf.

Zu 4 Richtig. Menschen mit einer Zwangsstörung haben große Angst. Antidepressiva werden gern bei Angststörungen eingesetzt. Oft treten Zwangsstörungen auch in Verbindung mit einer depressiven Episode auf. Wenn die Depression durch Behandlung mit Antidepressiva abklingt, verschwindet auch die Zwangsstörung und hat dann eine gute Prognose.

Zu 5 Falsch. Zwangsimpulse (z. B. das Kind vor ein Auto zu werfen) verursachen große Angst und werden deshalb i. d. R. nicht in die Tat umgesetzt, sondern durch passende Zwangshandlungen (z. B. Bet- oder Zählzwang) neutralisiert.

374 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie drei Antworten.

Welche Aussagen zu Demenzerkrankungen treffen zu?

Antwort A Demenz ist eine Erkrankung, die primär mit Bewusstseinsstörungen einhergeht.

Antwort B Die Diagnose Demenz wird anhand von Bildgebungsbefunden durch den Neurologen gestellt.

Antwort C Ein demenzielles Syndrom kann die Folge einer Krankheit des Gehirns, einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung oder einer chronischen Alkoholabhängigkeit sein.

Antwort D Ein wichtiges Kriterium für die Diagnose einer Demenz ist die verminderte Alltagskompetenz.

Antwort E Bei frühzeitiger, rasch fortschreitender Demenz mit neurologischen Ausfällen motorischer Störungen sollte eine Creutzfeldt-Jakob-Krankheit ausgeschlossen werden.

374 !

Richtig sind die Antworten C, D und E.

Zu A Falsch. Im Gegensatz zum Delir geht die Demenz nicht mit Bewusstseinsstörungen einher (Ausnahme: Spätstadium der Erkrankung).

Zu B Falsch. Das Standardverfahren der Diagnostik sind neuropsychologische Tests. Bildgebende Verfahren (PET, CT etc.) sind kein Bestandteil der Standarddiagnostik, können aber zur Diagnosefindung in völlig unklaren Fällen eingesetzt werden.

Zu C Richtig. Unter F02.8 findet sich in der ICD-10 eine ganze Liste von Demenzerkrankungen „bei sonstigen andernorts klassifizierten Krankheitsbildern, darunter die Demenz bei Schädel-Hirn-Trauma, die Demenz bei Intoxikationen (z. B. durch Alkohol) und die Demenz bei neurologischen Erkrankungen, z. B. Demenz bei multipler Sklerose oder Epilepsie.

Zu D Richtig. Wichtiger als die Gedächtnisstörungen ist die verminderte Alltagskompetenz.

Zu E Richtig. Ein rasch fortschreitender Verlauf mit neurologischen und motorischen Störungen wäre typisch für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.

375 ?

Einfachauswahl

In der dritten Sitzung einer Familientherapie bemerkt der Therapeut bei sich, dass er die sehr dominant auftretende Mutter mit einer Schonhaltung behandelt, obwohl sie keineswegs schonungsbedürftig wirkt. In der anschließenden Supervisionssitzung werden ihm seine Gefühle von Angst, Wut und Hilflosigkeit ihr gegenüber bewusst. – Welches Phänomen kommt hier am ehesten beim Therapeuten zum Ausdruck?

Antwort A Rollenumkehr

Antwort B Verschiebung

Antwort C Verwischung der Generationsgrenzen

Antwort D Übertragung – Gegenübertragung

Antwort E Widerstand

375 !

Antwort D ist richtig.

Zu A Falsch. Kommentar zu D.

Zu B Falsch. Beim Abwehrmechanismus „Verschiebung“ würde er seine Angst und Wut an einem Ersatzobjekt abreagieren. Das ist hier nicht der Fall.

Zu C Falsch. Kommentar zu D.

Zu D Richtig. Die Mutter tritt dem Therapeuten gegenüber sehr dominant auf – der Therapeut steht offensichtlich für eine Bezugsperson der Frau (z. B. Vater, Mutter, Bruder etc.). Dies ist ein Beispiel für Übertragung. Der Therapeut reagiert darauf mit Gegenübertragung (er behandelt sie besonders schonend). Sein Verhalten wird durch Gegenübertragungsgefühle ausgelöst (Angst, Wut, Hilflosigkeit), die offensichtlich aus seiner Kindheit stammen.

Zu E Falsch. Kommentar zu D.

376 ?

Aussagenkombination

Welche Aussagen zur sozialen Phobie treffen zu?

  • 1.

    Die Symptome treten in (fast) allen Lebensbereichen auf.

  • 2.

    Typisch ist die ausgeprägte Furcht, sich in sozialen Situationen auf peinliche Weise zu verhalten.

  • 3.

    Erröten, Zittern, Angst zu erbrechen sind typische Zusatzsymptome.

  • 4.

    Die Betroffenen haben nur selten ein niedriges Selbstwertgefühl.

  • 5.

    Die sozialen Ängste werden als übertrieben bzw. unvernünftig erlebt.

Antwort A Nur 1 und 2 sind richtig.

Antwort B Nur 3 und 4 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 2 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 2, 3 und 5 sind richtig.

Antwort E Alle Aussagen sind richtig.

376 !

Antwort D ist richtig.

Zu 1 Falsch. Die Symptome treten nur in Situationen auf, die bei den Betroffenen Angst auslösen. Bei der sozialen Phobie sind dies nur Situationen aus dem sozialen Bereich.

Zu 2 Richtig. Die Angst, sich in sozialen Situationen „peinlich oder erniedrigend zu verhalten“ (ICD-10), ist typisch für eine soziale Phobie.

Zu 3 Richtig. Nach ICD-10 müssen „mindestens zwei Angstsymptome in den gefürchteten Situationen“ auftreten sowie „zusätzlich mindestens eines der folgenden Symptome: 1. Erröten oder Zittern, 2. Angst zu erbrechen, 3. Miktions- oder Defäkationsdrang bzw. Angst davor“.

Zu 4 Falsch. Nach ICD-10 sind soziale Phobien i. d. R. mit niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden.

Zu 5 Richtig. Die Betroffenen erkennen, „dass die Symptome und das Vermeidungsverhalten übertrieben und unvernünftig sind“ (ICD-10/C).

377 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zu Persönlichkeitsstörungen treffen zu?

Antwort A Die Betroffenen weichen in der Selbstwahrnehmung, in ihrer Kontaktaufnahme und in ihren Beziehungen zu anderen von der Mehrzahl der Bevölkerung ab.

Antwort B Das abnorme Verhaltensmuster verläuft phasenhaft und nicht andauernd.

Antwort C Die Störungen beginnen im Erwachsenenalter und haben häufig einen atypischen Verlauf.

Antwort D Die Störungen sind häufig mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden.

Antwort E Bevorzugte Behandlungsmethode ist der Einsatz von Neuroleptika.

377 !

Richtig sind die Antworten A und D.

Zu A Richtig. Laut ICD-10 müssen zur Diagnose mindestens zwei der folgenden Bereiche von der allgemeinen Norm abweichen: 1. Kognitionen (Einstellungen in Bezug auf sich und andere), 2. Affektivität (Empathie, emotionales Erleben), 3. Impulskontrolle, 4. soziales Handeln (zwischenmenschliche Beziehungen, Umgang mit anderen Menschen).

Zu B Falsch. Die Abweichung ist durchgehend vorhanden. Was hier beschrieben wird, wäre z. B. eine rezidivierende depressive Störung.

Zu C Falsch. Persönlichkeitsstörungen zeigen sich meist schon in der Kindheit; eine endgültige Diagnose ist erst ab dem Jugendalter sinnvoll. Die Störung dauert ununterbrochen bis in die Gegenwart an und zeigt keinen „atypischen“ Verlauf.

Zu D Richtig. Laut ICD-10 gehen Persönlichkeitsstörungen „beinahe immer mit […] sozialen Beeinträchtigungen einher“.

Zu E Falsch. Die bevorzugte Behandlungsmethode ist Psychotherapie, häufig kognitive Verhaltenstherapie.

378 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zur katatonen Schizophrenie treffen zu?

Antwort A Sopor ist ein Leitsymptom.

Antwort B Erregungszustände sprechen gegen eine katatone Schizophrenie.

Antwort C Das klinische Bild wird von Wahnvorstellungen und akustischen Halluzinationen beherrscht.

Antwort D Typisch sind Befehlsautomatismen (automatische Befolgung von Anweisungen).

Antwort E Psychomotorische Störungen stehen im Vordergrund.

378 !

Richtig sind die Antworten D und E.

Zu A Falsch. Nicht verwechseln! Sopor ist eine Form der quantitativen Bewusstseinsstörung. Typisch für die katatone Schizophrenie ist der „katatone Stupor“.

Zu B Falsch. ICD-10: „Episodenhafte schwere Erregungszustände können ein Charakteristikum dieses Krankheitsbildes sein.“

Zu C Falsch. Im Vordergrund der Symptomatik stehen psychomotorische Störungen. In manchen Fällen können kurzzeitig Wahnphänomene oder akustische Halluzinationen auftreten; manchmal verbinden sich die katatonen Phänomene auch mit einem traumähnlichen (oneiroiden) Zustand mit lebhaften szenischen Halluzinationen. Akustische Halluzinationen und Wahnvorstellungen dürfen jedoch nicht vorherrschen: Sie wären typisch für die paranoide, nicht für die katatone Form der Schizophrenie.

Zu D Richtig. Typisch für die Erkrankung sind laut ICD-10 (B7) „Befehlsautomatismen“, d. h. eine „automatische Befolgung von Anweisungen“.

Zu E Richtig. Kommentar zu C.

379 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie drei Antworten.

Eine Familie sucht Sie mit ihrem 3-jährigen Kind auf, weil es nicht spricht. Welche der folgenden Aspekte erhöhen die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines frühkindlichen Autismus?

Antwort A Es handelt sich um ein Mädchen.

Antwort B Die Kindergärtnerin berichtet, dass das Kind nie mit anderen Kindern spielt.

Antwort C Sie wenden sich dem Kind zu: Es lacht Ihnen frech ins Gesicht und rennt davon.

Antwort D Das Kind steht während des Gesprächs mit den Eltern am Aktenschrank und bewegt die Tür minutenlang in derselben Weise auf und zu.

Antwort E Sie wenden sich dem Kind zu. Sie scheinen für das Kind „nicht existent“ zu sein.

379 !

Richtig sind die Antworten B, D und E.

Zu A Falsch. Das Verhältnis von Jungen zu Mädchen liegt bei etwa 2,5 : 1.

Zu B Richtig. Die ICD-10 nennt in diesem Zusammenhang die „Unfähigkeit, Beziehungen zu Gleichaltrigen aufzunehmen, mit gemeinsamen Interessen, Aktivitäten und Gefühlen.“

Zu C Falsch. Frech ins Gesicht lachen und dann davonlaufen passt nicht zum Symptombild des frühkindlichen Autismus. Die Beschreibung passt eher zu einem Kind mit ADHS oder einer Störung des Sozialverhaltens.

Zu D Richtig. Typisch sind stereotype, sich wiederholende motorische Manierismen.

Zu E Richtig. Beim frühkindlichen Autismus besteht die Unfähigkeit, soziale Kontakte herzustellen. Ein typisches Symptom ist, dass die Kinder durch ihr Gegenüber „hindurchschauen“.

380 ?

Aussagenkombination

Welche Erkrankungen können am ehesten Ursache für eine demenzielle Erkrankung sein?

  • 1.

    Chronische Intoxikation

  • 2.

    Zwangserkrankung

  • 3.

    Infektion

  • 4.

    Posttraumatische Belastungsstörung

  • 5.

    Parkinson-Syndrom

Antwort A Nur 1, 2 und 3 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 3 und 5 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 4 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 2, 3 und 4 sind richtig.

Antwort E Nur 3, 4 und 5 sind richtig.

380 !

Antwort B ist richtig.

Zu 1 Richtig. Bei Menschen, die z. B. über Jahre beruflich ständig mit toxischen Nitroverdünnern arbeiten, kann das Gehirn so geschädigt werden, dass sich daraus eine Demenz entwickelt (ICD-10: Demenz bei andernorts klassifizierten Krankheitsbildern, F02.8). Auch die Alkoholdemenz wird durch eine chronische Vergiftung des Gehirns verursacht.

Zu 2 Falsch. Zwangserkrankungen sind psychisch bedingt und können deshalb keine Demenz verursachen.

Zu 3 Richtig. Gemeint sind Infektionen des Gehirns, z. B. Meningitis oder Enzephalitis, die das Gehirn so schädigen können, dass eine Demenz die Folge sein kann.

Zu 4 Falsch. Bei einer PTBS kann es zwar zu Erinnerungslücken in Bezug auf das traumatische Ereignis kommen; sie sind jedoch psychisch bedingt (dissoziative Amnesie), nicht durch hirnorganische Schädigungen verursacht.

Zu 5 Richtig. Durch den Dopamin-Mangel kommt es bei etwa 30–40 % der Parkinson-Patienten zu demenziellen Syndromen, die im höheren Alter zunehmen. Bei Patienten über 70 Jahren steigt das Demenzrisiko auf 70–80 % an.

381 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Besondere Risikofaktoren für Suizidalität sind:

Antwort A Außergewöhnliches Talent („Genie“)

Antwort B Suchterkrankungen

Antwort C Anankastische (zwanghafte) Persönlichkeitsstörung

Antwort D „Sandwich-Kind-Position“, d. h. mittleres Kind in der Geschwisterreihe

Antwort E Höheres Lebensalter

381 !

Richtig sind die Antworten B und E.

Zu A Falsch. Bei Hochbegabten oder Menschen mit außergewöhnlichen Talenten findet sich kein erhöhtes Auftreten von Suizidalität.

Zu B Richtig. Bei Suchterkrankungen ist das Suizidrisiko stark erhöht. Etwa 7 % aller Alkoholkranken versterben z. B. durch Suizid. Und 12 % der Heroinabhängigen geben sich einen „goldenen Schuss“ in suizidaler Absicht.

Zu C Falsch. Menschen mit einer anankastischen Persönlichkeitsstörung sind nicht besonders suizidgefährdet.

Zu D Falsch. Eine familiäre Position als „Sandwich-Kind“ ist kein Risikofaktor für Suizidalität.

Zu E Richtig. Das Suizidrisiko nimmt mit dem Alter für Männer wie für Frauen signifikant zu.

382 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zu Kopfschmerzen treffen zu?

Antwort A Das Symptom Kopfschmerz ist in der Bevölkerung weit verbreitet und bedarf keiner besonderen Abklärung.

Antwort B Plötzliches Auftreten stärkster Hinterkopfschmerzen mit Erbrechen kann auf eine Hirnblutung hinweisen.

Antwort C Kopfschmerzen treten bei Hypertonie fast nie auf.

Antwort D Massive Kopfschmerzen mit Übelkeit und Rötung des Auges können für einen Glaukomanfall (grüner Star) sprechen.

Antwort E Knochenmetastasen im Bereich des Schädeldachs verursachen keine Schmerzen.

382 !

Richtig sind die Antworten B und D.

Zu A Falsch. Häufig auftretende Kopfschmerzen bedürfen immer einer organischen Abklärung.

Zu B Richtig. Plötzlich auftretende, extreme Kopfschmerzen, denen oft zeitlich verzögert Nackenschmerzen folgen, können auf eine sog. Subarachnoidalblutung (Hirnblutung) hinweisen, bei der freies Blut in den mit Hirnflüssigkeit gefüllten Subarachnoidalraum gelangt. Begleitet werden diese Schmerzen in etwa 50 % der Fälle von Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. Manche Betroffene entwickeln auch Lähmungserscheinungen und epileptische Anfälle.

Zu C Falsch. Hypertonie (Bluthochdruck) ist eine häufige Ursache für Kopfschmerzen, die typischerweise eher im Hinterkopf sitzen und vor allem kurz nach dem Aufwachen auftreten.

Zu D Richtig. Ein Glaukomanfall geht i. d. R. mit den hier genannten Symptomen einher.

Zu E Falsch. Um die Frage fundiert beantworten zu können, müsste man ein Spezialist sein. Offensichtlich sind Knochenmetastasen im Bereich des Schädeldachs schmerzhaft, denn von den anderen Lösungen sind eindeutig B und D richtig.

383 ?

Einfachauswahl

Welche Aussage zu Psychotherapieverfahren und -techniken trifft nicht zu?

Antwort A In der Verhaltenstherapie wird häufig eine Verhaltensanalyse nach dem SORKC-Schema durchgeführt.

Antwort B EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine Technik, die zur Behandlung von traumatisierten Patienten eingesetzt werden kann.

Antwort C In der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie nimmt der Therapeut eine aktivere Rolle ein als in der klassischen Psychoanalyse.

Antwort D Positive Wertschätzung gehört zu den Grundprinzipien der Psychoanalyse (nach Freud).

Antwort E Das Training sozialer Kompetenzen ist eine Methode der Verhaltenstherapie.

383 !

Antwort D ist nicht zutreffend.

Zu A Richtig. Das SORKC-Modell stammt von Frederic Kanfer. Es beinhaltet 5 Elemente: S = Stimulus, O = Organismus, R = Reaktion, K = Kontingenz, C = Konsequenz (engl. consequence). Weitere Infos unter www.medpsych.uni-freiburg.de/body_sorck.html .

Zu B Richtig. Die Technik des EMDR wird zur Behandlung der PTBS eingesetzt. Nähere Informationen zu EMDR unter www.emdria.de/emdr/was-ist-emdr .

Zu C Richtig. Die tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie ist eine Weiterentwicklung der Psychoanalyse. Therapeut und Klient sitzen einander gegenüber; die Therapie ist kürzer; der Fokus liegt stärker auf dem aktuellen Geschehen als bei Freud.

Zu D Falsch. Positive Wertschätzung zählt zu den Grundprinzipien der Gesprächspsychotherapie, nicht der Psychoanalyse.

Zu E Richtig. Das soziale Kompetenztraining wird i. d. R. in Gruppen durchgeführt, mit Rollenspiel, Videoaufzeichnung etc. Es zählt zu den Techniken der Verhaltenstherapie.

384 ?

Aussagenkombination

Zu den Ich-Störungen zählen:

  • 1.

    Derealisation

  • 2.

    Parathymie

  • 3.

    Gedankenausbreitung

  • 4.

    Negativismus

  • 5.

    Gedankenabreißen

Antwort A Nur 1 und 3 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 2 und 5 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 3 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 2, 3, 4 und 5 sind richtig.

Antwort E Alle Aussagen sind richtig.

384 !

Antwort A ist richtig.

Zu 1 Richtig. Die Derealisation wie auch die Depersonalisation zählen zu den (nicht typisch schizophrenen) Störungen des Ich-Erlebens (Ich-Störungen).

Zu 2 Falsch. Bei der Parathymie passen Sprache, Gestik oder Mimik nicht zum Inhalt des Gesagten. Die Parathymie ist eine Störung der Affektivität.

Zu 3 Richtig. Zu den schizophrenen Ich-Störungen zählen Erlebnisweisen, bei denen die Betroffenen keine Grenze mehr zwischen ihrem Ich und der Außenwelt setzen können. Typisch hierfür sind Phänomene wie z. B. Gedankenentzug, Gedankeneingebung und Gedankenausbreitung.

Zu 4 Falsch. Das Symptom „Negativismus“ findet sich bei der katatonen Schizophrenie und bedeutet: Jemand tut das Gegenteil von dem, was man ihm aufträgt. Das ist keine Störung des Ich-Erlebens.

Zu 5 Falsch. Vorsicht Falle! Gedankenabreißen ist eine formale Denkstörung (keine Ich-Störung!), die bei schizophrenen Erkrankungen häufig vorkommt.

385 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zur paranoiden Schizophrenie treffen zu?

Antwort A Störungen der Stimmung und des Antriebs sind Leitsymptome.

Antwort B Es handelt sich um eine seltene Verlaufsform der Schizophrenie.

Antwort C Psychomotorische Symptome sind Leitsymptome.

Antwort D Inhaltliche Denkstörungen kennzeichnen das klinische Bild.

Antwort E Akustische Halluzinationen treten begleitend auf.

385 !

Richtig sind die Antworten D und E.

Zu A Falsch. Störungen der Stimmung und des Antriebs sind typisch für eine depressive Episode, nicht für die paranoide Schizophrenie.

Zu B Falsch. Die paranoide Schizophrenie ist die häufigste Verlaufsform der Schizophrenie.

Zu C Falsch. Psychomotorische Symptome sind typisch für die katatone Schizophrenie.

Zu D Richtig. Eine inhaltliche Denkstörung ist der Wahn (Paranoia). Er ist – wie das Wort „paranoid“ schon beinhaltet – typisch für die paranoide Schizophrenie.

Zu E Richtig. Akustische Halluzinationen (kommentierende Stimmen, Stimmen in Rede und Gegenrede, Gedankenlautwerden) sind ein charakteristisches Merkmal der paranoiden (früher: paranoid-halluzinatorischen) Schizophrenie.

386 ?

Einfachauswahl

Eine 38-jährige Büroangestellte berichtet, dass sie seit etwa 5 Jahren sehr häufig unter einer trüben und traurigen Stimmung leidet. Sie fühle sich erschöpft, könne nachts schlecht schlafen und würde vermehrt grübeln. Sie gehe stets zur Arbeit, aber ungern. – Welche Erkrankung oder Störung liegt hier wahrscheinlich vor?

Antwort A Multiple Persönlichkeitsstörung

Antwort B Somatisierungsstörung

Antwort C Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen

Antwort D Dysthymia

Antwort E Zyklothymia

386 !

Antwort D ist richtig.

Zu A Falsch. Kommentar zu D.

Zu B Falsch. Kommentar zu D.

Zu C Falsch. Kommentar zu D.

Zu D Richtig. Die depressiven Symptome dauern seit 5 Jahren nahezu ununterbrochen an, sind aber nicht so gravierend, dass sie den Alltag (z. B. die Arbeit) stark beeinträchtigen. Die ICD-10 beschreibt die Dysthymia als chronische, mindestens mehrere Jahre andauernde depressive Verstimmung, die weder hinreichend schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Kriterien einer leichten, mittelgradigen oder schweren depressiven Episode zu erfüllen. Die Mindestdauer beträgt 2 Jahre.

Zu E Falsch. Die Zyklothymia ist durch einen Wechsel zwischen hypomanischen und leicht depressiven Phasen charakterisiert, die nicht schwer genug sind, um die Diagnose einer bipolaren Störung zu rechtfertigen. Kommentar zu D.

387 ?

Mehrfachauswahl: Wählen Sie zwei Antworten.

Welche Aussagen zur antidepressiven Therapie treffen zu?

Antwort A Antidepressiva haben häufig ein Abhängigkeitspotenzial.

Antwort B Die Einnahme sollte nicht länger als 3–4 Monate erfolgen.

Antwort C Die stimmungsaufhellende Wirkung eines antidepressiven Medikaments tritt kurz nach der Einnahme ein.

Antwort D Weitere Anwendungsgebiete von Antidepressiva sind z. B. Schlafstörungen und chronische Schmerzsyndrome.

Antwort E Alle Antidepressiva nehmen Einfluss auf die Neurotransmittersysteme im zentralen Nervensystem.

387 !

Richtig sind die Antworten D und E.

Zu A Falsch. Antidepressiva machen nicht abhängig.

Zu B Falsch. Empfohlen wird bei einer einmaligen depressiven Episode eine Einnahmedauer von ½ Jahr. Bei mehreren depressiven Episoden wird i. d. R. eine Dauermedikation empfohlen.

Zu C Falsch. Die stimmungsaufhellende Wirkung tritt meist erst 2–6 Wochen nach der antriebssteigernden Wirkung ein.

Zu D Richtig. Antidepressiva reduzieren die Angst, z. B. bei Angststörungen; manche Antidepressiva machen müde, dies wird bei Schlafstörungen genutzt. Überdies verändern einige Antidepressiva die Reizweiterleitung von Schmerz und werden deshalb bei chronischen (nicht akuten!) Schmerzsyndromen eingesetzt.

Zu E Richtig. Alle Antidepressiva bewirken, dass die Konzentration von Überträgerstoffen (Neurotransmittern) im Gehirn sich normalisiert. Betroffen sind vor allem die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin.

388 ?

Aussagenkombination

Beim Missbrauch welcher Substanzen spielt neben der psychischen Abhängigkeit auch die körperliche Abhängigkeit eine große Rolle?

  • 1.

    Heroin

  • 2.

    Nikotin

  • 3.

    Halluzinogene wie LSD

  • 4.

    „Schnüffelstoffe“, organische Lösungsmittel

  • 5.

    Sedativa wie Benzodiazepine

Antwort A Nur 1, 2 und 3 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 2 und 4 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 2 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 1, 3 und 5 sind richtig.

Antwort E Nur 2, 3 und 5 sind richtig.

388 !

Antwort C ist richtig.

Zu 1 Richtig. Heroin macht innerhalb weniger Tage körperlich abhängig.

Zu 2 Richtig. Nikotin macht körperlich abhängig.

Zu 3 Falsch. Halluzinogene (z. B. LSD und LSD) machen nicht oder nur geringfügig körperlich abhängig.

Zu 4 Falsch. Die stark toxischen Schnüffeldrogen (Azeton, Kleber etc.) werden nur kurz inhaliert und führen so nicht zu einer – für körperliche Abhängigkeit typischen – Toleranzentwicklung mit Dosissteigerung und körperlichen Entzugssymptomen.

Zu 5 Richtig. Beruhigungsmittel (Tranquilizer; Sedativa) wie Benzodiazepine machen i. d. R. nach 6–8 Wochen körperlich abhängig; in hoher Dosierung kann schon nach 1–3 Wochen eine Abhängigkeit eintreten.

389 ?

Einfachauswahl

Welche Aussage zur kognitiven Therapie nach Beck ist nicht richtig?

Antwort A Die kognitive Therapie nach Beck wurde ursprünglich für die Behandlung von Depressionen entwickelt.

Antwort B Im ersten Therapieschritt lernen die Patienten, krankmachende, zumeist automatisch ablaufende Gedanken zu identifizieren.

Antwort C Im zweiten Schritt werden diese Gedanken einer ausführlichen Überprüfung unterzogen (sokratischer Dialog).

Antwort D Diese Therapie ist bei akut schizophrener Erkrankung indiziert.

Antwort E Die Wirksamkeit bei leichten und mittelschweren Depressionen ist wissenschaftlich gut belegt.

389 !

Antwort D ist nicht richtig.

Zu A Richtig. Als Begründer der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) gelten A. T. Beck und A. Ellis. Bei der Therapie geht es darum, negative Gedankenmuster wie „Ich bin schuld“, „Niemand mag mich“, „Ich werde nicht wahrgenommen“ etc. zu verändern.

Zu B Richtig. Im ersten Schritt geht es um das Erkennen der verzerrten Gedankenmuster (negativen Kognitionen).

Zu C Richtig. Mithilfe des Therapeuten werden die verzerrten Gedankenmuster (z. B. „Niemand mag mich“) überprüft und verändert (= kognitive Umstrukturierung).

Zu D Falsch. Bei einem akuten schizophrenen Schub sind die Kranken nicht fähig, Gedankenmuster zu erkennen oder kognitiv zu verändern.

Zu E Richtig. Bei leichten und mittelschweren Depressionen wird die KVT meist begleitend zur Pharmakotherapie eingesetzt.

390 ?

Aussagenkombination

Welche psychischen Störungen erwarten Sie am ehesten bei der multiplen Sklerose (MS)?

  • 1.

    Angststörungen

  • 2.

    Affektive Störungen

  • 3.

    Paranoide Störungen

  • 4.

    Demenz

  • 5.

    Borderline-Störung

Antwort A Nur 1, 2, 3 und 4 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 2, 3 und 5 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 2, 4 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 1, 3, 4 und 5 sind richtig.

Antwort E Nur 2, 3, 4 und 5 sind richtig.

390 !

Antwort A ist richtig.

Zu 1 Richtig. Menschen, die an MS erkrankt sind, leiden oftmals auch an Angststörungen, häufig z. B. an einer generalisierten Angststörung.

Zu 2 Richtig. Depressionen (= affektive Störungen) sind bei MS sehr häufig.

Zu 3 Richtig. In der Literatur werden bei fortschreitender Erkrankung und entsprechender Schädigung des Gehirns auch paranoide Syndrome (z. B. Eifersuchts- oder Liebeswahn) genannt.

Zu 4 Richtig. Durch die Schädigung des Gehirns kommt es bei einigen Betroffenen zu einer Demenz.

Zu 5 Falsch. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine Folge frühkindlicher Belastungssituationen, nicht die Folge einer neurologischen Erkrankung wie z. B. MS.

391 ?

Aussagenkombination

Welche Symptome sind typisch für eine depressive Episode?

  • 1.

    Schuldgefühle

  • 2.

    Tageszeitliche Schwankungen der Beschwerden

  • 3.

    Antriebslosigkeit

  • 4.

    Späteres morgendliches Erwachen

  • 5.

    Ich-Störungen

Antwort A Nur 1, 2 und 3 sind richtig.

Antwort B Nur 1, 2 und 4 sind richtig.

Antwort C Nur 1, 3 und 5 sind richtig.

Antwort D Nur 2, 3 und 4 sind richtig.

Antwort E Nur 3, 4 und 5 sind richtig.

391 !

Antwort A ist richtig.

Zu 1 Richtig. In der ICD-10 findet sich die Formulierung „unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle“.

Zu 2 Richtig. Die Antriebsstörung und die depressive Stimmung sind bei vielen Patienten am Morgen besonders ausgeprägt und bessern sich dann im Verlauf des Tages.

Zu 3 Richtig. „Verminderter Antrieb oder gesteigerte Ermüdbarkeit“ (ICD-10) sind Kernsymptome einer depressiven Episode.

Zu 4 Falsch. Die typische Schlafstörung einer depressiven Episode ist das Früherwachen.

Zu 5 Falsch. Ich-Störungen (z. B. das Gefühl, beeinflusst zu werden) gehören zur Schizophrenie, nicht zu den affektiven Störungen.

392 ?

Einfachauswahl

Welche Aussage zur Hebephrenie trifft zu?

Antwort A Die Hebephrenie ist eine Erkrankung, die sich meist vor der Pubertät – meist im Alter von 4–5 Jahren – manifestiert.

Antwort B Charakteristisch für die Hebephrenie sind die akustischen Halluzinationen, die von Vorschulkindern oft als singende Chöre beschrieben werden.

Antwort C Die Hebephrenie zählt zu den X-chromosomal vererbbaren Erkrankungen und wird somit vorwiegend auf weibliche Nachkommen vererbt.

Antwort D Bei der Hebephrenie bleiben das Bewusstsein und die Orientierung in den allermeisten Fällen erhalten.

Antwort E Die Hebephrenie hat nach der Pubertät eine gute Prognose.

392 !

Antwort D ist richtig.

Zu A Falsch. Das Wort „Hebephrenie“ kommt aus dem Griechischen (hebe = Jugend; phrenos = Geist, Seele). Die Hebephrenie ist demnach eine Form der Schizophrenie, die in der Adoleszenz und im frühen Erwachsenenalter beginnt (meist 15–25 Jahre).

Zu B Falsch. Akustische Halluzinationen können laut ICD-10 „flüchtig und bruchstückhaft auftreten“ (nicht jedoch als singende Chöre, und schon gar nicht bei Vorschulkindern), bestimmen jedoch nicht das klinische Bild. Die Hebephrenie tritt im Jugendalter auf.

Zu C Falsch. Bei allen schizophrenen Erkrankungen gibt es eine genetische Disposition, die dazu führt, dass die Erkrankung in Belastungssituationen, evtl. auch bei Drogenmissbrauch, ausgelöst wird. X-chromosomale Erbkrankheiten sind z. B. das Rett-Syndrom, Farbenblindheit oder die Bluterkrankheit, nicht jedoch die Schizophrenie.

Zu D Richtig. Wie bei allen schizophrenen Erkrankungen sind die Patienten i. d. R. voll orientiert und bewusstseinsklar.

Zu E Falsch. Die Hebephrenie hat eine schlechte Langzeitprognose.

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