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B978-3-437-58042-0.00001-3

10.1016/B978-3-437-58042-0.00001-3

978-3-437-58042-0

Abb. 1.1

[E402]

Knorpelige Aneile der Nase und Os nasale

Abb. 1.2

[E402]

Blick in die rechte Nasenhöhle

Abb. 1.3

[E402]

Aufbau der Nasenscheidewand

Abb. 1.4

[L190]

Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen und des Tränennasengangs

Abb. 1.5

[E402]

Nasennebenhöhlen und ihre Beziehung zur Nase

Abb. 1.6

[E402]

Nervus und Bulbus olfactoriusNervusolfactorius: a Blick in die rechte Nasenhöhle. b Nasenscheidewand, Öffnungen der Lamina cribrosa.

Abb. 1.7

[L106]

a Lage des Riechepithels unter der Lamina cribrosa. b Schema seines histologischen Aufbaus.

Abb. 1.8

[E402]

Rachenanteile (Pharynx) und Übergang in den Kehlkopf (Larynx)

Abb. 1.9

[S007-22]

Kehlkopf von ventral (a) und von dorsal (b)

Abb. 1.10

[E402]

Blick von kranial ventral auf die Strukturen der Glottis

Abb. 1.11

[E402]

Einstellungen der Glottis und Kehlkopfspiegelung

Abb. 1.12

[E402]

Lage der Kehlkopfstrukturen

Abb. 1.13

[L216]

Hoch stehende Kehlkopfstrukturen beim Säugling (a) und tiefer stehende beim Erwachsenen (b)

Abb. 1.14a

[S007-22]

Kehlkopf und Trachea von ventral. Der rechte Hauptbronchus verläuft steiler als der linke.

Abb. 1.14b

[S007-22]

Kehlkopf und Trachea von dorsal

Abb. 1.15

[L106]

Tochtergenerationen der Hauptbronchien und ihre jeweiligen Größenordnungen (ohne Prüfungsrelevanz)

Abb. 1.16

[G131]

Übergang der Atemwege (Bronchiolus terminalis) in das Lungengewebe

Abb. 1.17

[L107]

Wandaufbau eines Bronchus. Oberflächenepithel mit Becherzellen (1), Flimmerzellen (2) und Basalzellen (3). 4 Kollagenfibrillen. 5 Blutgefäße. 6 Seromuköse Drüse mit endokrinen Zellen (7). 8 Nerv. 9 Glatte Muskulatur. 10 Hyaliner Knorpel.

Abb. 1.18

[S007-22]

Rechte (a) und linke (b) Lunge

Abb. 1.19

[L106]

Lungensegmente

Abb. 1.20

[L141]

Blutversorgung von Lunge und Bronchien

Abb. 1.21

[E402]

Lungenhilus

Abb. 1.22

[R132]

Geschwollene Hiluslymphknoten bei Sarkoidose

Abb. 1.23

[E402]

Pleura und Pleuraspalt

Abb. 1.24

[E402]

Thoraxbewegung bei der Inspiration. a Einer Handpumpe vergleichbare Bewegung des Sternums. b Einem Eimergriff vergleichbare Bewegung der Rippen.

Abb. 1.25

[E402]

Horizontalschnitt durch den Thorax. Mediastinum zwischen den beiden Lungenflügeln.

Abb. 1.26

[E402]

Strukturen des Mediastinums

Atmungssystem - Anatomie

  • 1.1

    Nase3

    • 1.1.1

      Aufbau3

    • 1.1.2

      Nasenscheidewand4

    • 1.1.3

      Nasenmuscheln und Nasengänge5

    • 1.1.4

      Nasennebenhöhlen6

    • 1.1.5

      Aufgaben der Nase6

    • 1.1.6

      Geruchssinn6

  • 1.2

    Rachen9

  • 1.3

    Kehlkopf10

    • 1.3.1

      Schildknorpel10

    • 1.3.2

      Kehldeckel10

    • 1.3.3

      Ringknorpel10

    • 1.3.4

      Stellknorpel12

    • 1.3.5

      Kehlkopffunktionen12

    • 1.3.6

      Zungenbein13

  • 1.4

    Luftröhre14

    • 1.4.1

      Bronchien14

    • 1.4.2

      Wandaufbau der Atemwege15

  • 1.5

    Lunge19

    • 1.5.1

      Lage19

    • 1.5.2

      Aufbau19

    • 1.5.3

      Alveolen20

    • 1.5.4

      Blutversorgung20

    • 1.5.5

      Lungenhilus21

    • 1.5.6

      Pleura22

  • 1.6

    Mediastinum24

Einführung

Einzellige Lebewesen wie aerobe Bakterien, Pilze oder Protozoen nehmen SauerstoffSauerstoff (O2) direkt aus der Umgebung in ihre Zellen auf und geben ihn nach seiner Verstoffwechselung als Kohlendioxid (CO2),Kohlendioxid als Milchsäure oder Ethanol wieder an die Außenwelt ab. Auch bei vielzelligen Lebewesen einschließlich des Menschen nimmt jede einzelne Körperzelle den Sauerstoff aus ihrer direkten Umgebung auf und gibt das Endprodukt Kohlendioxid wiederum nach außen ab. Hier ist die Umgebung aber nicht die Luft der Außenwelt, sondern Nachbarzelle und Bindegewebe, also der Interzellularraum. Der Weg über die Haut und weitere Gewebeschichten ist hier so groß und hindernisreich, dass eine Diffusion von Sauerstoff direkt aus der Umwelt nicht mehr in Frage kommt. Die höheren Organismen sind also gezwungen, denselben auf anderem Wege neben jede einzelne Körperzelle zu transportieren und das entstandene CO2 wieder wegzuräumen. Dazu wurden Kiemen und Lunge entwickelt sowie Blut und Blutgefäße als Transportvehikel für O2, CO2 und weitere Stoffe.

Das, was bei unseren Vorfahren, den Einzellern, so einfach und effektiv begann, wird nun zu einer äußerst komplexen und komplizierten Angelegenheit, die noch dazu auf jeder Stufe des Transports den vielfältigsten Störmöglichkeiten ausgesetzt ist: Beim Menschen unterliegt bereits der erste Schritt, der O2-Transport von der Nasenspitze bis in die Lunge, zahlreichen Störfaktoren bis hin zum Asthma bronchiale oder der totalen Verlegung der oberen Luftwege in Gestalt einer Fremdkörperaspiration oder eines Glottisödems, bei dem eventuell noch ein gerade ausreichender Luftrest in der Lunge ankommt oder aber bereits der Erstickungstod eintreten kann.

Der Eintritt von Luft in Mund oder Nase erfolgt in der Folge des Sogs der sich entfaltenden Lunge auf die darüber befindlichen Atemwege und damit auf die Luft der Umgebung. Vor allem das Zwerchfell, aber auch zahlreiche weitere Muskeln ermöglichen bzw. erzwingen die Entfaltung der beiden Lungenflügel.

Nase

Aufbau

Der vordere Anteil der NaseNase besteht aus knorpeligen und bindegewebigen Anteilen. Dorsal wird die Nase knöchern aus Anteilen von Maxilla, Os palatinum, Os ethmoidale, Vomer, Concha nasalis inferior und Os nasale aufgebaut (Abb. 1.1; Fach Bewegungsapparat).
Der vordere Anteil des Daches der Mundhöhle, derGaumen, harter/weicher harte Gaumen (Palatum durum), bildet gleichzeitig den Boden der Nasenhöhle, trennt also die beiden Höhlen voneinander. Er besteht aus 2 verschiedenen Knochen – ventral aus Anteilen der Maxilla (Oberkiefer) Oberkieferund Maxilladorsal aus Anteilen des Os palatinum (Gaumenbein) (Abb. 1.2)Der Gaumen OspalatinumGaumenbeinwird im Anschluss an den harten durch den weichen Gaumen (Palatum molle;Abb. 1.5) Gaumen, harter/weichernach dorsal verlängert, der abschließend in das Gaumenzäpfchen (Uvula) Uvulaübergeht.
Das Dach der Nase besteht ventral, entsprechend dem gesamten ventralen Anteil, aus hyalinem Knorpel. Hieran schließt sich nach dorsal das kleine NasenbeinNasenbein (Os nasale) Osnasalean. Den hintersten Anteil des knöchernen Nasendaches bildet schließlich das Siebbein (Os ethmoidale), OsethmoidaleSiebbeindas nach vorne, abgesehen vom Nasenbein, auch an das Stirnbein (Os frontale) Osfrontalegrenzt bzw. von ihm bedeckt wird.Stirnbein

Hinweis Prüfung

Die Bezeichnungen der einzelnen Knorpelanteile der vorderen Nasenhälfte (Abb. 1.2) besitzen im Hinblick auf die Heilpraktikerprüfung keinerlei Bedeutung. Das Wissen darum, dass die Nase in ihrem vorderen Anteil knorpelig aufgebaut ist, reicht vollkommen aus.

Nasenscheidewand

NasenscheidewandIn der Mediansagittalen der Nase befindet sich die im vorderen Anteil knorpelige Nasenscheidewand (Septum nasi), die den gesamten Nasenraum in eine linke und eine rechte Hälfte aufteilt. Der hintere knöcherne Anteil des Septum nasi besteht im kaudalen Abschnitt aus dem VomerVomer (Pflugscharbein) und im kranialen Anteil aus einem Ausläufer des Siebbeins (Os ethmoidale) Osethmoidale(Abb. 1.3)Auf der dem Gehirn zugeSiebbeinwandten Seite des Siebbeins liegt der Bulbus olfactorius Bulbusolfactoriusals Umschaltstation des Riechnerven (N. olfactorius) auf und erhält hier zahllose Fasern durch das Os ethmoidale hindurch aus dem hinteren oberen Bereich der Nasenhöhle.

Pathologie

Der vordere knorpelige Anteil der Nasenscheidewand weist häufig kleinere oder größere Verbiegungen auf (zumeist nach rechts) und kann damit zu Behinderungen der NasenatmungBehinderungNasenatmung führen. Dies kann operativ korrigiert werden. In zahlreichen Fällen ist eine solche Verbiegung aber nur die scheinbare Ursache und die behinderte Nasenatmung wird mehr durch eine Anschwellung der Schleimhäute unter Polypenbildung bedingt – ganz besonders beim Atopiker.

Nasenmuscheln und Nasengänge

NasenmuschelnNasengang-/gängeIm Anschluss an die beiden Nasenlöcher befindet sich beidseits des Nasenseptums eine kleine Höhle, das Vestibulum nasi. VestibulumnasiDies ist der Raum, in dem sich (natürlich nur in der frühen Kindheit) gerne die Finger aufhalten. Nach dorsal werden die Strukturen etwas komplizierter, da hier von lateral her die 3 Conchae nasales (Nasenmuscheln) den Conchae nasalesNasenraum in 3 längs verlaufende, schmale oberer, mittlerer und unterer Nasengang (Meatus nasi) unterteilen (Abb. 1.4).Die eigentlich sehr große Nasenhöhle wird also durch die Nasenmuscheln in 3 relativ enge Nasengänge unterteilt. Diese knöchernen Strukturen werden zusätzlich, entsprechend sämtlicher Strukturen der Atemwege, von Schleimhaut überzogen, wodurch sich die für die Atemluft zur Verfügung stehenden Nasengänge noch weiter verengen.
Die Conchae nasales sind mit Schleimhaut überzogen, bestehen aber im Gegensatz zu den ventralen Anteilen der Nase (= hyaliner Knorpel) aus Knochen. Dabei wird die Concha nasalis inferior als separater Knochen angesehen, während es sich bei der mittleren und oberen Nasenmuschel um knöcherne Ausstülpungen des Siebbeins handelt. In die 3 Gänge zwischen den Nasenmuscheln münden die Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen (Abb. 1.5) sowie des Tränennasengangs (Ductus nasolacrimalis) (Abb. 1.4). Letzterer führt sein Sekret in den Meatus nasi inferior.TränennasengangNasennebenhöhlenAusführungsgänge

Pathologie

Nasenbluten

NasenblutenEpistaxisDie dem Nasenseptum Nasenseptumaufgelagerte Schleimhaut ist besonders in dessen vorderstem, knorpeligen Anteil, also im Vestibulum nasi, reichlich mit Blutgefäßen versorgt, die sehr oberflächlich liegen, häufig auch erweitert sind und schon bei kleineren Reizungen bluten können. Der Ort dieser besonders leicht blutenden Schleimhautregion wird Locus Kiesselbachi genannt.Locus KiesselbachiDas bei vielen Menschen recht häufige Nasenbluten (Epistaxis) erfolgt fast immer aus diesem nach dem HNO-Arzt Kiesselbach benannten Ort.

Ursachen

  • mechanische Irritationen, häufiges Naseputzen

  • trockene Nasenschleimhaut (Rhinitis sicca)

  • Infektionen (grippale Infekte, Virusgrippe u. a.)

  • arterielle Hypertonie

  • Gerinnungsstörungen: Thrombopenie, angeborener oder erworbener Mangel an Gerinnungsfaktoren bzw. an Vitamin K, Marcumar® (und weitere Gerinnungshemmer), ASS, massiver Mangel an Vitamin C (Skorbut)

  • Fraktur der knöchernen Nasenstrukturen, Weichteilverletzungen, Tumoren (selten)

Therapie

Es ist zumeist sehr einfach, ein solches Nasenbluten zu stoppen: Die wichtigste Maßnahme ist, wie bei jedem blutenden Gefäß des Körpers, soweit dies möglich ist, der direkte Druck auf das Gefäß am Ort seiner „Undichtigkeit“, also der kräftige Druck auf den Nasenflügel im Bereich der Blutung. Diesen Druck sollte man nicht alle 10 s aufheben, um zu sehen, ob es noch blutet, sondern über mehrere Minuten ununterbrochen aufrechthalten. Ergänzend kann man Kälte auf den Nacken des Patienten aufbringen, weil dieselbe reflektorisch auch die Gefäße der Nasenschleimhaut verengt, wodurch die Blutung leichter zum Stehen kommt. Der Oberkörper des Patienten sollte sich in aufrechter Position befinden, bei leicht nach vorne geneigtem Kopf, damit das Blut hydrostatisch an Druck verliert und nicht unbemerkt nach hinten ablaufen kann. Bei schwer zu stillenden Blutungen wird tamponiert (Clauden® Gaze). Dies gilt besonders für traumatisch verursachte Blutungen bzw. dorsale Blutungen z. B. aus dem Bereich der Choanen. Ist eine arterielle Hypertonie ursächlich, wird der Blutdruck medikamentös gesenkt. Bei rezidivierender, mechanisch verursachter Epistaxis kann man die Gefäße des Locus Kiesselbachi koagulieren.

Nasennebenhöhlen

Bei den Nasennebenhöhlen (NNH) handelt Nasennebenhöhlenes sich um „neben der Nase befindliche“, schleimhautausgekleidete, knöcherne Höhlen, die über Ausführungsgänge mit dem Nasenraum in Verbindung stehen und daher lufthaltig sind. Die größte dieser Höhlen befindet sich in der Maxilla (Kieferhöhle = Sinus maxillaris), weitere im Stirnbein (Stirnhöhle = Sinus frontalis), im Ethmoid (Siebbeinzellen = Sinus ethmoidalis) und im Keilbein (Keilbeinhöhle = Sinus sphenoidalis) (Abb. 1.5).Berechnet man diese 4 NNH entsprechend ihrem tatsächlichen Vorkommen doppelt, so sind es 8:
  • 1.

    2 KieferhöhlenKieferhöhlen (SinusmaxillarisSinus maxillares)

  • 2.

    2 Stirnhöhlen Sinusfrontalis(Sinus frontales)StirnhöhlenKieferhöhlen

  • 3.

    kommunizierende Hohlräume in 2 Siebbeinen, sog. SiebbeinzellenSiebbeinzellen Sinusethmoidalis(Sinus ethmoidales oder Cellulae ethmoidales)

  • 4.

    2 Keilbeinhöhlen Sinussphenoidalis(Sinus sphenoidales) Keilbeinhöhlen

Ausführungsgänge der NNH (Abb. 1.4)
NasennebenhöhlenAusführungsgängeIn den oberen Nasengang, Meatus nasi superior, mündet ein Teil der Siebbeinzellen. Die restlichen Siebbeinzellen sowie die Ausgänge von Stirnhöhlen und Kieferhöhlen münden in den Meatus nasi medius. Die Keilbeinhöhlen schließlich münden dorsal der oberen Muschel in den dort wieder breiten gemeinsamen Nasengang.
Die genaue Kenntnis der einzelnen Mündungsstellen ist nicht von allzu großer Bedeutung. Wichtiger ist das Verständnis darum, dass das Innere der Nase den Treffpunkt sämtlicher Nebenhöhlen darstellt und dass deshalb von hier aus eine in der Nase beginnende Infektion (Rhinitis) auch sämtliche NNH in Mitleidenschaft ziehen kann: Es kommt zur Sinusitis (Entzündung der NNH). Zumeist ist hierbei auch der ebenfalls schleimhautausgekleidete Verbindungsgang mitbetroffen und angeschwollen, sodass das sich in der Nebenhöhle bildende Sekret nicht abfließen kann.
Der Tränennasengang Tränennasengangsorgt im Verein mit der gut durchbluteten Schleimhaut dafür, dass die Gänge und Höhlen weitgehend mit Wasserdampf gesättigt sind, woraus eine gute Anfeuchtung der Atemluft bereits in diesem ersten Abschnitt der oberen Atemwege resultiert.
Ergänzt werden soll, dass der gesamte Luftraum von Rachen, Nase und NNH eine Art Resonanzboden für die Stimme bildet und ihren Klangcharakter beeinflusst.
Choanen
Dort, wo die Conchae nasales dorsal enden, liegen beidseits des knöchernen Nasenseptums die beidenChoanen Choanen (Abb. 1.4). Mit diesem Begriff werden die hinteren Nasenöffnungen bzw. der nun wiederum weiträumige Anteil des dorsalen Nasenraums bezeichnet, der durch das Septum in zwei Hälften getrennt wird. Die Choanen bilden den Übergang in den kranialen Teil des Rachens (Epipharynx).

Aufgaben der Nase

NaseAufgabenDurch die Terminalhaare im Vestibulum nasi sowie durch die relative Enge in den beidseits 3 Nasengängen werden gröbere Verunreinigungen aus der Atemluft gefiltert. Die gut befeuchtete, „klebrige“ und mit Flimmerhaaren besetzte Schleimhaut des gesamten Nasenraums filtert, unterstützt durch den Niesreiz, auch kleinere Partikel. Die Flimmerhaare bewegen den Sekretfilm in Richtung Rachen. Daneben sorgt diese Schleimhaut mit ihrer großen Oberfläche von insgesamt 150 cm2 (einschließlich Nasennebenhöhlen) für eine erste Befeuchtung und Anwärmung der Luft.
Die zahllosen Endungen des Riechnervs sorgen außerdem dafür, dass man die Nase dorthin bewegen kann, wo die Luft möglichst gut riecht und, zumeist damit verbunden, möglichst rein ist. Der Riechnerv hat also eine deutliche Warnfunktion und ist nicht nur für den Genuss eines guten Essens zuständig.

Merke

Die Funktionen der Nase – Filterung, Luftbefeuchtung, Vorwärmung und Warnfunktion – gehen bei der MundatmungMundatmung größtenteils verloren.

Geruchssinn

Riechnerv und Riechbahn
RiechnervRiechbahnGeruchssinnDie Sinneszellen (Riechzellen) am Dach der Nase bilden mitRiechzellen ihren Neuriten (Axonen) in ihrer Gesamtheit den Riechnerv N. olfactorius.Nervusolfactorius Bei diesem ersten von insgesamt 12 Hirnnervenpaaren handelt es sich also um die Gesamtheit der Axone, die von den Riechzellen der Nasenschleimhaut des Meatus nasi superior in etwa 20 kleinen Bündeln (Fila olfactoria) Fila olfactoriadurch ebenso viele knöcherne Aussparungen des Os ethmoidale (Lamina cribrosa) in Laminacribrosadie vordere Schädelgrube ziehen. Hier werden sie im sog. Bulbus olfactorius (Riechkolben), Bulbusolfactorius(Riechkolbender Lamina cribrosa aufliegend, auf das 2. Neuron umgeschaltet (Abb. 1.6).In der Mitte zwischen den beiden durchlöcherten Platten der Lamina cribrosa befindet sich als oberster, aus der vorderen Schädelgrube vorspringender Anteil des Ethmoids die Crista galli (Hahnenkamm). Crista galliAn diesem knöchernen Vorsprung ist die Falx cerebri befestigt – eine derbe Duplikatur der harten Hirnhaut (Dura), die von hier aus nach dorsal zieht und sich stabilisierend ein Stück weit zwischen die beiden Großhirnhemisphären stülpt (Fach Neurologie).Falx cerebri
Bei der Umschaltung von den 1. Neuronen (Axone der Sinneszellen) auf das 2. Neuron im Bulbus olfactorius konvergieren bis zu 1.000 Sinneszellen, die denselben Duftstoff erkennen, auf einzelne 2. Neurone, die sog. Glomeruli olfactorii. Die Informationen der Riechschleimhaut werden also zu passenden Einheiten zusammengefasst. Vom Bulbus aus laufen dann die Axone dieser Neurone im Tractus olfactorius zur RiechrindeRiechrinde, in der sie verarbeitet werden.Tractus olfactorius
Wahrnehmungen von Gerüchen sind je nach Intensität und Akzeptanz mit Emotionen verbunden. Dies gilt auch für etliche Geruchsstoffe wie z. B. geschlechtsspezifische Pheromone, die nicht bewusst wahrgenommen werden und doch Reaktionen veranlassen. Von daher erscheint es folgerichtig, dass die zerebralen Rindenfelder, die die Duftstoffe verarbeiten und bewusste und unbewusste Reaktionen steuern, limbisches Systemzum limbischen System gehören. Sie liegen v. a. in Hippocampus, Gyrus parahippocampalis und den Mandelkernen (Corpus amygdaloideum). Verschaltet sind sie mit der Insula (Fach Neurologie).
Riechschleimhaut
RiechschleimhautBei der Riechschleimhaut handelt es sich um ein etwa 5 cm2 umfassendes Areal am Dach der Nasenhöhle im Bereich der oberen Nasenmuschel. Hier befinden sich insgesamt rund 10 Millionen Riechzellen (Riechsinneszellen), Riechzellendie spezialisierte Nervenzellen darstellen (Hunde besitzen 1 Milliarde Riechzellen) (Abb. 1.7a).Ihre dendritischen Fortsätze ragen in der Form feiner, wenige µm langer Härchen in die Schleimschicht hinein. Auf der Oberfläche dieser Härchen befinden sich Rezeptoren, an denen eine Vielzahl unterschiedlichster Moleküle spezifisch gebunden werden, wobei allerdings die einzelnen Zellen jeweils nur das Molekül erkennen, auf das sie kodiert wurden. Erstaunlich und einmalig für Nervenzellen ist, dass die Riechzellen aus Basalzellen des Riechepithels heraus ständig neu aufgebaut werden, sodass sich das gesamte Epithel alle 40–50 Tage erneuert – einschließlich ihrer axonalen Verschaltungen zum Bulbus olfactorius.
Begleitet werden die eigentlichen Sinneszellen neben den Basalzellen von Stützzellen (Abb. 1.7b), im Bereich der nicht myelinisierten Axone von Gliazellen. Diese Axone bündeln sich mit den begleitenden Gliazellen zu Fila olfactoria (= N. olfactorius) und ziehen durch die Lamina cribrosa zum Bulbus olfactorius der vorderen Schädelgrube.
Man kennt inzwischen annähernd 2.000 Gene, ein beachtlicher Anteil des gesamten Genoms menschlicher DNA, die für eine entsprechende Zahl an spezifischen Geruchsrezeptoren kodieren. Auf diese Weise lassen sich feinste Nuancen von Geruchsstoffen unterscheiden und spezifischen Ursachen zuordnen, soweit sie durch entsprechende Erfahrungswerte im Lauf des Lebens geprägt worden sind.
Funktionen des Geruchssinns
GeruchssinnFunktionDer Geruchssinn bildet eine Einheit mit dem Geschmackssinn der Zunge. Nahrung kann süße, saure, salzige und bittere Anteile enthalten. Sie kann würzig (Umami) schmecken und mehr oder weniger fettige Komponenten enthalten. Auf noch unbekannte Weise sind hier Grundbedürfnisse des Organismus abgebildet, die ständigen Schwankungen unterliegen. Dem Bedürfnis nach Süßem folgt eventuell dasjenige nach Salzigem oder Saurem. Der Geschmack bitter hat eine Warnfunktion und dient dazu, die Nahrung im Zweifelsfall wieder auszuspucken. Alle diese Grundeigenschaften sind im Geschmackssinn der Zunge repräsentiert (Fach Verdauungssystem).
Essen, das lediglich die angeführten Geschmacksrichtungen erkennen lässt, schmeckt fade und gleichartig – z. B. bei einer Rhinitis bzw. Sinusitis mit verstopfter Nase. Der eigentliche Genuss einer guten Mahlzeit entsteht erst durch die ergänzenden Funktionen der Riechschleimhaut. Einzelne Moleküle gelangen über die Atemluft zum Riechepithel und binden dort spezifisch und direkt, zumeist aber nach Diffusion durch den aufliegenden Schleim an ihre Rezeptoren. Dafür müssen diese Moleküle flüchtig sein, also gasförmig in die Atemluft gelangen. Dies erfolgt nicht ausschließlich von außen durch das Vestibulum nasi. Auch Duftstoffe derjenigen Nahrungsanteile, die sich bereits in der Mundhöhle befinden, werden bei der Ausatmung wahrgenommen, weil sie dabei durch die Choanen zur Riechschleimhaut gelangen.
Zuckerstrukturen oder Salze bzw. ihre Ionen sind nicht flüchtig, können also auch nicht wahrgenommen werden. Süß oder salzig kann man nicht riechen, sondern lediglich schmecken. Das Meer kann man nicht riechen, weil sein Wasser salzhaltig ist, sondern weil ungezählte flüchtige Inhaltsstoffe nebst der besonderen Reinheit der Luft eine besondere Komposition ergeben. Eine Inhalation aus einer Schüssel mit heißem Salzwasser kann hinsichtlich des Salzgehaltes nicht sinnvoll sein. Es muss direkt, z. B. über einen motorisch betriebenen Vernebler bzw. salzhaltige Nasentropfen auf die Schleimhäute aufgebracht werden, um z. B. osmotisch wirksam zu werden.
Neben dem Genuss einer guten Mahlzeit besteht die Funktion des Geruchssinns auch darin, die Atemluft danach zu beurteilen, ob sie verträglich und möglichst rein ist, oder ob sie wahrnehmbare toxische Substanzen enthält, die ein Verlassen des betreffenden Ortes als ratsam erscheinen lassen.

Zusammenfassung

Nase

  • im vorderen Anteil knorpelig, im hinteren knöchern aufgebaut

  • der Boden wird vom harten Gaumen gebildet

Nasenscheidewand (Septum nasi)

  • teilt den Nasenraum in eine rechte und linke Hälfte

  • besteht im hinteren, knöchernen Anteil aus Vomer und Teilen des Ethmoid

  • Verbiegungen können zur Behinderung der Nasenatmung führen

Nasenmuscheln, Nasengänge

  • 3 knöcherne Nasenmuscheln (Conchae nasales) teilen den Nasenraum von lateral her in 3 schmale Nasengänge (oberen, mittleren und unteren).

Nasennebenhöhlen

Lufthaltige knöcherne Höhlen
  • Kieferhöhle (Sinus maxillaris)

  • Stirnhöhle (Sinus frontalis)

  • Siebbeinzellen (Sinus ethmoidales)

  • Keilbeinhöhle (Sinus sphenoidalis)

  • Die Ausführungsgänge von Nasennebenhöhlen und Tränennasengang münden in die Nasengänge.

Aufgaben

  • Filterung (Haare, „klebrige“ Schleimhaut mit Flimmerhaaren, Niesreiz)

  • Befeuchtung der Atemluft

  • Anwärmung der Atemluft

  • Geruchssinn mit Warnfunktion

Nasenbluten (Epistaxis)

Meist aus der Schleimhaut des vorderen Nasenseptums mit ihren oberflächlich liegenden, mechanisch leicht verletzbaren Blutgefäßen (Locus Kiesselbachi)

Geruchssinn

  • Die Axone der Sinneszellen (Riechzellen) am Dach der Nase bilden in ihrer Gesamtheit den N. olfactorius (I. Hirnnerv).

  • Der Nerv zieht, aufgeteilt in 20 Bündel, bestehend aus insgesamt rund 10 Millionen Axonen pro Seite, durch die Lamina cribrosa des Os ethmoidale zum Bulbus olfactorius (vordere Schädelgrube).

  • Die Axone des Bulbus laufen als Tractus olfactorius zur Riechrinde: Teil des limbischen Systems.

  • bildet bei Nahrungsaufnahme eine Einheit mit dem Geschmackssinn der Zunge

Rachen

Der RachenRachenPharynx (Pharynx) besteht aus den 3 Anteilen: Epipharynx, Mesopharynx und Hypopharynx (Abb. 1.8).„Epi“ heißt „auf“ bzw. „obendrauf“, „meso“ bedeutet „in der Mitte“ und „hypo“ schließlich „unter bzw. unterhalb“.
  • Der Epipharynx (Nasopharynx) schließt Epipharynxsich dorsal anNasopharynx die Nasenhöhle an. Sein Dach wird vom Os sphenoidale (Keilbein) OssphenoidaleKeilbeinder Schädelbasis gebildet. Die dort liegende Keilbeinhöhle ist durch ihre tief im Schädel befindliche Lage als einzige der 4 Nasennebenhöhlen einer direkten, ambulanten Untersuchung nicht zugänglich. Am Dach des Rachens, also noch in direkter Nachbarschaft zur Nasenhöhle, befindet sich die solitäre Rachenmandel (Tonsilla pharyngea oderRachenmandel pharyngealis = Tonsilla(-ae)pharyngeaAdenoide) Adenoideund seitlich beidseits davon die Öffnung der OhrtrompeteOhrtrompete (Tuba auditiva, Eustachische Röhre; Tuba auditivaAbb. 1.4). Die beiden Eustachische RöhreOhrtrompetenOhrtrompete sind aus elastischem Knorpel aufgebaut und dienen der Belüftung des Mittelohrs,MittelohrBelüftuung können allerdings bestehende Infektionen des Nasenrachenraums nach dorthin weiterleiten (→ Otitis media) und/oder selbst zuschwellen und damit den Druckausgleich behindern.

Pathologie

Die Rachenmandel ist im Kindesalter häufig vergrößert (sog. adenoide Vegetationen) adenoide Vegetationenund behindert dadurch dieNasenatmungBehinderung Nasenatmung. Sie wird in diesen Fällen operativ verkleinert (nicht entfernt). Die Abtragung nennt man Adenotomie (AT), doch berichten die Eltern in der Regel fälschlicherweise von der „Polypenentfernung“ bei ihren Kindern. Polypen sind Schleimhautwucherungen z. B. in Nase oder Darm und haben mit lymphatischem Gewebe nichts zu tun.

  • Der Mesopharynx (Oropharynx) folgt Mesopharynxdorsal der OropharynxMundhöhle. Seine obere Begrenzung bildet die Uvula (= Gaumenzäpfchen als Teil des weichen Gaumens), seine untere die Epiglottis (Kehldeckel). Zwischen den beiden Gaumenbögen liegen seitlich beidseits die paarigen Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae).Tonsilla(-ae)palatinae

  • GaumenmandelnDer Hypopharynx (Laryngopharynx) liegt Hypopharynxdirekt dorsal desLaryngopharynx Larynx (Kehlkopf) und, entsprechend dem gesamten Pharynx, direkt vor der Wirbelsäule. Er bildet lediglich eine schmale Tasche zwischen diesen beiden Strukturen. Nach kaudal geht er in die Speiseröhre (Ösophagus) über. Im Bereich des Hypopharynx trennen sich also Atem- und Nahrungswege.

Kehlkopf

Der KehlkopfKehlkopfLarynx (Larynx) bildet den Beginn der unteren Luftwege. Aufgebaut ist er aus knorpeligen Strukturen, die bindegewebig und muskulär untereinander verbunden sind (Abb. 1.9):
  • Schildknorpel

  • Ringknorpel

  • Stellknorpel

  • Kehldeckel

Schildknorpel

Der größte Teil des SchildknorpelKehlkopfs wird vom Schildknorpel (Cartilago thyroidea) eingenommen. CartilagothyroideaEs handelt sich um eine breite Platte aus hyalinem Knorpel, die sich in einem Halb- bzw. Zweidrittelkreis wie ein Schild ventralseitig um wesentliche Strukturen des Kehlkopfs herumlegt, dorsalseitig also offen bleibt (Abb. 1.9). In der Mitte des Oberrandes befindet sich ein kräftiger Einschnitt (Incisura thyroidea), der sich an der Außenseite des Halses gut tasten lässt. Der gesamte Oberrand einschließlich dieser Inzisur ist beim Mann weit nach ventral verbogen und erscheint auf der Vorderseite des Halses als Vorwölbung („Adamsapfel“). Der insgesamt größere Kehlkopf trägt dazu bei. Die Mitte des AdamsapfelSchildknorpels projiziert sich beim Erwachsenen etwa auf den 5. HWK (Halswirbelkörper).
An der Innenfläche des Schildknorpels sind Kehldeckel und vorderes Ende der KehldeckelStimmbänder (Lig. vocale) Stimmbänderbefestigt (Abb. 1.10).Die Stimmbänder stellen keine eigentlichen „Bänder“, sondern Schleimhautfalten dar. Sie liegen in der Betrachtung des Halses von außen etwa 6–8 mm kaudal der Incisura thyroidea. Den gesamten stimmbildenden Raum unter Einschluss der beiden Stimmbänder nennt manStimmritzeGlottis Glottis (Stimmritze; Abb. 1.11).

Kehldeckel

Der KehldeckelKehldeckelEpiglottis (Epiglottis) besteht aus schleimhautüberzogenem, elastischem Knorpel, während alle anderen Kehlkopfknorpel hyalin sind. Die Epiglottis ragt während der Atmung weit nach kranial aus den übrigen Strukturen des Kehlkopfs heraus (Abb. 1.9), um beim Schluckvorgang nach unten zu klappen und den Eingang des Kehlkopfs gegen die Nahrung abzudichten. Dies ist im Wesentlichen ein passiver Prozess, bei dem der um einige Zentimeter nach kranial tretende Kehlkopf die Epiglottis gegen den Zungengrund und das eingeschobene Fettgewebe presst, wodurch dieselbe nach unten gedrückt wird. Diese Abdichtung ist aber keineswegs vollständig, sodass man aspiriert („sich verschluckt“), wenn versucht wird, während des Schluckvorgangs einzuatmen oder zu sprechen.

Ringknorpel

Der RingknorpelRingknorpel (Cartilago cricoidea, Cricoid)Cricoid liegtCartilagocricoidea direkt unterhalb des Schildknorpels und ist mit diesem mittels einer kräftigen bindegewebigen Membran (Membrana cricothyroidea) verbunden, die sich Membrana cricothyroideaventral und lateral zwischen Schildknorpelunterrand und Ringknorpeloberrand ausspannt (Abb. 1.9). Hier kann bei einer Fremdkörperaspiration bzw. bei einem Glottisödem mit vollständiger Verlegung der Atemwege ein lebensrettender Einschnitt (Koniotomie) vorgenommen werden. KoniotomieDiese Eröffnungsstelle ist beim Erwachsenen der Tracheotomie im Bereich der 1.– 2. Trachealspange vorzuziehen, weil hier der Isthmus der Schilddrüse noch genügend weit entfernt ist, also nicht verletzt werden kann. Beim Kind stehen die gesamten Kehlkopfstrukturen noch deutlich höher, weshalb der lebensrettende Einschnitt als Tracheotomie durchzuführen ist.
Der Ringknorpel umgibt ringförmig den Larynx und stellt dessen kaudales Ende dar. Ventral ist er recht niedrig, dorsal wesentlich höher. Er dient neben der Befestigung der Stellknorpel v. a. der Stabilisierung der Kehlkopfstruktur und dem Eingang der kaudal davon liegenden Luftröhre. Dorsal des gut tastbaren Ringknorpels beginnt auf derselben Höhe (C5/C6) die Speiseröhre (Ösophagus) (Abb. 1.12).

Stellknorpel

Am dorsalen Oberrand des Ringknorpels sind die dorsalen Enden der Stimmbänder über ihre beiden StellknorpelStellknorpel (Aryknorpel, Cartilago arytaenoidea)Aryknorpel befestigt Cartilagoarytaenoidea(Abb. 1.9, Abb. 1.10). Die Stellknorpel regulieren durch ihre muskelgesteuerten Drehbewegungen Spannung und gegenseitigen Abstand der Stimmbänder und damit auch die Tonhöhe sowie Atmung und Valsalva-Manöver (Husten, Bauchpresse).

Kehlkopffunktionen

Der Kehlkopf übernimmt KehlkopfFunktionenverschiedene Aufgaben:
  • Zum einen dient er mittels der enthaltenen Stimmbänder der Stimmbildung, ermöglicht also Sprache Stimmbildungund Gesang, indem die beiden Stimmbänder im durchziehenden Luftstrom wie die Saiten eines Instruments schwingen.

  • Zum anderen bietet er die Möglichkeit eines dichten Verschlusses der Atemwege und ermöglicht hierdurch die Nahrungsaufnahme, die Bauchpresse (Stuhlgang, Geburt) und schließlich auch effektive Hustenstöße, ohne die eingedrungene Fremdkörper oder der Schleim der Bronchien trotz deren Flimmerepithel nur unzureichend entfernt werden könnten. Hierbei wird nach maximaler Einatmung die Luft zunächst mittels der Exspirationsmuskulatur gegen die geschlossene Stimmritze (Glottis) gedrückt, um dann nach deren schneller Öffnung mit nahezu Schallgeschwindigkeit (ca. 1.100 km/h) wieder nach außen zu gelangen und dabei nicht allzu festhaftenden Inhalt mitzureißen.

Da sich der gesamte Kehlkopf im Lauf des Lebens ständig, also nicht nur in der Wachstumsphase, etwas absenkt, insgesamt um etliche Zentimeter, liegt er beim Säugling noch deutlich weiter kranial (Abb. 1.13).Dies führt zu einem Hochstand von Epiglottis und weiteren Kehlkopfstrukturen, weshalb der Säugling gleichzeitig trinken und atmen kann. Dies macht aber gleichzeitig eine effiziente MundatmungNasenatmungMundatmung unmöglich, sodass gerade in den ersten Lebensmonaten dringend auf eine unbehinderte Nasenatmung geachtet werden muss.

Merke

Die wesentlichen Kehlkopffunktionen werden von Glottis und Epiglottis erfüllt. Während die Epiglottis der etwas unvollständigen Abdichtung der Atemwege bei der Nahrungsaufnahme dient, steht die Glottis mit den Stimmbändern für Atmung, Stimmbildung und Gesang sowie eine vollständige Abdichtung der Atemwege zur Verfügung, ohne die eine wirksame Bauchpresse (Valsalva-Manöver)Valsalva-Manöver nicht möglich wäre. Wie dicht und widerstandsfähig die beiden Stimmlippen aufeinandergepresst werden können, ersieht man an dem beachtlichen thorakalen Druck, der sich direkt vor dem Hustenstoß aufgebaut hat. Allerdings sind an dieser Abdichtung benachbart liegende Schleimhautfalten (Plicae vestibulares) beteiligt.

Stimmbruch
Die Knorpelanteile des StimmbruchKehlkopfs wachsen bei Jungen in der Pubertät testosteronstimuliert stärker als bei Mädchen, wodurch die Stimmbänder länger werden („Stimmbruch“). Gleichzeitig verändert sich mit dem Wachstum des Kehlkopfs auch der Winkel des Schildknorpels, wodurch sich die Grundspannung der Stimmbänder vermindert. Längere und geringer vorgespannte Stimmbänder lassen die Stimme tiefer werden, wobei auch noch die insgesamt größere, schwingende Luftsäule das Klangbild verschiebt.

Zungenbein

ZungenbeinDas Zungenbein (Os hyoideum) liegt direkt kranial desOshyoideum Schildknorpels und ist über zahlreiche Muskeln an Unterkiefer, Schläfenbein, Schildknorpel, Brustbein, Schlüsselbein und Schulter befestigt und gegen diese Strukturen beweglich (Fach Bewegungsapparat; Abb. 1.10). Daneben ist es über kräftige bindegewebige Membranen mit dem Schildknorpel verbunden. Wenn das Zungenbein beim Schluckvorgang muskulär nach vorne oben gezogen wird, wird der Zug hauptsächlich über diese Membranen auf den Kehlkopf übertragen. Anatomisch gehört das Zungenbein noch nicht zum Hals, sondern ist definitionsgemäß Bestandteil des knöchernen Schädels.

Merke

Das Zungenbein stellt den einzigen Knochen im menschlichen Organismus dar, der keinerlei Kontakt zu weiteren knöchernen Strukturen aufweist.

Zusammenfassung

Rachen (Pharynx)

Befindet sich direkt vor der Wirbelsäule, lässt sich in 3 Anteile untergliedern:

Epipharynx (Nasopharynx)

  • schließt sich dorsal an die Nasenhöhle an

  • beinhaltet die solitäre Rachenmandel (Tonsilla pharyngea, Adenoide)

  • Seitlich und unterhalb der Rachenmandel befinden sich die Öffnungen der beiden Ohrtrompeten (Tuba auditiva, Eustachische Röhre) für die Belüftung des Mittelohrs.

Mesopharynx (Oropharynx)

  • folgt dorsal der Mundhöhle

  • obere Begrenzung: Uvula

  • untere Begrenzung: Epiglottis

  • Zwischen den beiden Gaumenbögen, eingeschoben zwischen Mundhöhle und Rachen, liegen seitlich beidseits die paarigen Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae).

Hypopharynx (Laryngopharynx)

  • dorsal des Larynx (Kehlkopf)

  • geht auf Höhe des Cricoids in die Speiseröhre über

  • bildet den Raum, an dem sich Atem- und Nahrungswege trennen

Kehlkopf (Larynx)

Besteht aus knorpeligen, bindegewebigen und muskulären Strukturen

Schildknorpel (Cartilago thyroidea)

  • legt sich ventral um den Kehlkopf herum, bleibt dorsal offen

  • Auf der Innenfläche sind Kehldeckel und vorderes Ende der Stimmbänder befestigt.

Ringknorpel (Cartilago cricoidea)

  • umgibt ringförmig den Larynx und stellt dessen kaudales Ende dar

  • Mit dem Schildknorpel über die Membrana cricothyroidea verbunden; im Bereich dieser Membran kann bei Verlegung der Glottis die Koniotomie erfolgen.

  • dient der Befestigung der Stellknorpel und der Stabilisierung der Kehlkopfstruktur

Stellknorpel (Cartilago arytaenoidea)

  • sind am dorsalen Oberrand des Ringknorpels befestigt

  • dienen der Anheftung der Stimmbänder und regulieren deren Spannung und gegenseitigen Abstand

Kehldeckel (Epiglottis)

  • besteht als einzige Struktur des Larynx aus elastischem Knorpel

  • dichtet den Kehlkopf beim Schlucken (etwas unvollständig) gegen die Nahrung ab

Aufgaben

  • Stimmbildung

  • dichter Verschluss der Atemwege beim Aneinanderliegen der beiden Stimmbänder

  • Da er beim Säugling höher steht, kann dieser gleichzeitig trinken und atmen.

Luftröhre

Die Luftröhre (Trachea)beginnt im Anschluss an den Kehlkopf und endet Luftröhrean der Aufzweigung in Tracheaden rechten und linken Hauptbronchus, der sog. Bifurkation. Sie ist 10–12 cm lang und besteht aus 16–20 halbmondförmigen, Bifurkationdorsal offenen Spangen aus hyalinem Knorpel (Abb. 1.14b).Bei tiefer Einatmung (Inspiration) kann sie sich um bis zu 2 cm verlängern. Dies bedeutet, dass das bindegewebig-muskuläre Gewebe, das die Knorpelspangen untereinander verbindet, eine gewisse Elastizität besitzt. Dasselbe Gewebe ergänzt dorsal den Zweidrittelkreis der Trachealspangen zu einem „Rohr“.

Bronchien

An der sog. Bifurkation Bronchienendet die Luftröhre und geht hier in die beiden Hauptbronchien (Stammbronchien) über. Die Bifurkation (Bifurcatio tracheae) projiziert sich beim Erwachsenen etwa auf den 4. BWK bzw. vorne auf den sternalen Ansatz der 3. Rippe. Der rechte Hauptbronchus (Bronchus principalis Hauptbronchiendexter) verläuft etwas steiler als der linke (Bronchus principalis sinister) und ist auch im Durchmesser etwas weiter, weil der rechte Lungenflügel aufgrund der Lage des Herzens den linken an Volumen und Luftbedarf übertrifft. Dies führt dazu, dass aspirierte Fremdkörper, die die Engstelle des Larynx überwunden haben, zumeist in den rechten Hauptbronchus gelangen (Abb. 1.14a).
Die beiden Hauptbronchien verzweigen sich bereits am Lungenhilus weiter. Entsprechend der Anzahl der Lungenlappen entstehen aus dem rechten die 3 Lappenbronchien dieser Seite, und aus dem linken lediglich 2 für die beidenLappenbronchien linken Lungenlappen.
In den jeweiligen Lungenlappen erfolgt die weitere Aufzweigung in die Segmentbronchien und schließlich über immer feinere Bronchien in die SegmentbronchienBronchiolen, die sich noch mehrmals weiter verzweigen. Sie bilden die Endstrecke der Atemwege. An ihren letzten und feinsten Aufzweigungen, den Bronchioli respiratorii, sitzen seitlich kleine Ausstülpungen, die Lungenbläschen Bronchiolirespiratorii(Alveolen). Die letzten Bronchiolen proximal der Bronchioli respiratorii, AlveolenLungenbläschendie noch keine Alveolen tragen, nennt man Bronchioli terminales (Abb. 1.15,Abb. 1.16).
Die Bronchioli respiratorii Bronchioliterminalesmünden in sackartige, blind endende Erweiterungen, die sog. Ductuli oder Ductus alveolares. DuctusalveolaresDiese enthalten säckchenartige Ausstülpungen (Sacculi alveolares; Abb. 1.16). Die Wandung der Ductus und Sacculi alveolaresSacculi alveolares besteht nur noch aus Alveolen und stellt, gemeinsam mit den Bronchioli respiratorii, den Ort des Übertritts der Atemgase in die Kapillaren dar.

Merke

Während die Bronchiolen dasBronchiolen Ende der Atemwege markieren, gehören die Ductus alveolares mit ihren Alveolen anatomisch bereits zur Lunge.

Bronchialbaum
Das gesamte Bronchialsystem lässt sich sehr anschaulich mit Bronchialbaumeinem Baum vergleichen, dessen Stamm der Trachea entspräche, mit 2 dicken Ästen, den Stamm- bzw. Hauptbronchien, von denen insgesamt 5 weitere, bereits deutlich dünnere Äste entspringen (Lappenbronchien), die sich dann entsprechend der Krone eines Baumes in immer dünnere Zweige „verzweigen“ (insgesamt > 20 Generationen). An den letzten und kleinsten Zweigen, den Bronchioli respiratorii und Ductus alveolares, hängen dann entsprechend den Beeren eines Baumes bzw. Busches die Alveolen.

Wandaufbau der Atemwege

Bronchien
Der Aufbau der Wandung ist bis hinab zu den feinsten BronchienWandaufbauAtemwege, WandaufbauBronchien weitgehend identisch: Eine Hülle aus Bindegewebe und glatter Muskulatur wird durch Knorpeleinsätze verstärkt und so am Zusammenfallen gehindert. Die Knorpelstücke bestehen bei den größeren Bronchien aus hyalinem, bei den kleinen aus elastischem Knorpel. Innen sind die Bronchialwände mit einer Schleimhaut ausgekleidet, enthalten demnach zahlreiche Becherzellen, die gemeinsam mit den Schleimdrüsen den Schleim produzieren, und zusätzlich ein Flimmerepithel, dessen feinste Haare (Zilien) so kräftig in Richtung Rachen schlagen, dass die Schleimschicht mitsamt eventuell enthaltener Verunreinigungen entgegen der Schwerkraft oralwärts befördert wird (Abb. 1.17).Fremdkörper oder eine Vermehrung und/oder Eindickung des Schleimes führen zu Hustenreiz.
Bronchiolen
Die BronchiolenBronchiolen als Endstrecke des Bronchialbaumes enthalten keine knorpelige Wandverstärkung mehr. Dies ist gleichzeitig das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen Bronchien und Bronchiolen. Becherzellen und Schleimdrüsen fehlen ebenfalls; Flimmerhaare sind jedoch vorhanden. Das Lumen der Bronchiolen beträgt nur noch knapp 1 mm.

Zusammenfassung

Luftröhre (Trachea)

  • beginnt im Anschluss an den Kehlkopf

  • ist 10–12 cm lang

  • besteht aus 16–20 halbmondförmigen, dorsal offenen Spangen aus hyalinem Knorpel

  • Bifurkation: Aufzweigung in den rechten und linken Hauptbronchus, etwa auf Höhe von BWK 4 bzw. dem Ansatz der 3. Rippe

Bronchialbaum

  • rechter Hauptbronchus steht etwas steiler und ist im Durchmesser weiter als der linke → Fremdkörper landen meist rechts

  • Lappenbronchien → Segmentbronchien → weitere Tochtergenerationen → Bronchiolen → Bronchioli terminales → Bronchioli respiratorii mit Lungenbläschen (Alveolen)

Wandaufbau der Atemwege

  • Bindegewebe und glatte Muskulatur mit Knorpeleinsätzen

  • Schleimhaut mit Becherzellen, Schleimdrüsen und Flimmerepithel

  • Bronchiolen ohne knorpelige Verstärkung, Becherzellen und Schleimdrüsen; enthalten nur noch Flimmerhaare

Lunge

Lage

Die LungeLunge (Pulmo; Abb. 1.18) besteht aus 2 Lungenflügeln, die retrosternal zwischen sich einen PulmoRaum für Herz, Blutgefäße, Trachea mit Stammbronchien, Speiseröhre und weitere Strukturen freilassen. Dieser Raum heißt Mediastinum. Praktisch der gesamte restliche Raum innerhalb des knöchernen Thorax wird von den beiden Lungenflügeln ausgefüllt.
Die Lunge schließt also dorsal, lateral und ventral direkt an Wirbelsäule und Rippen an, reicht kranial mit ihrer Spitze (Apex) bis über die Ebene von Skapula-Oberrand und Klavikula hinaus, kann also noch kranial dieser knöchernen Strukturen verletzt werden, und sitzt kaudal breitbasig auf dem Zwerchfell (Diaphragma) auf.ZwerchfellDiaphragma

Aufbau

Durch schräg verlaufende, tiefe Einschnitte besteht der rechte Lungenflügel aus 3 Lappen und der linke aus 2. Jeder Lungenlappen lässt sich noch weiter in einzelne LungenlappenSegmente unterteilen, Lungensegmentedie jeweils von einem einzelnen Segmentbronchus versorgt werden und mit diesem und den Blutgefäßen gemeinsam eine Einheit bilden, die auch chirurgische Bedeutung hat. Auf der rechten Seite sind dies 10 und auf der linken zumeist 9 einzelne Segmente und zugehörige Segmentbronchien (Abb. 1.19).
In der rechten Lunge besteht der Oberlappen aus 3, der Mittellappen aus 2 und der Unterlappen aus 5 Segmenten. Links, wo der Oberlappen keinen zusätzlichen Mittellappen abgespalten hat, besteht dieser dementsprechend aus 5, der Unterlappen aber nur aus 4 Segmenten, weil hier zumeist das 7. Segment der rechten Seite fehlt.

Hinweis Prüfung

Es ist zu beachten, dass die einzelnen Lungensegmente mit den arabischen Ziffern 1–10 und nicht mit den römischen I–X bezeichnet werden.

Alveolen

Die AlveolenAlveolen (Lungenbläschen)Lungenbläschen besitzen einen Durchmesser von ca. 0,3 mm. Ihre Gesamtzahl in beiden Lungenflügeln liegt bei 300–400 Millionen. Damit vergrößern sie die Kontaktfläche mit den Kapillaren des Blutes, an der sich die äußere Atmung, also die Diffusion der Atemgase zwischen den Alveolen der Lunge und den anliegenden Kapillaren des Blutes vollzieht, auf kaum vorstellbare 70–100 m2. Dies entspricht der Größe einer Tennisplatzhälfte (8 × 12 m). Es entspricht gleichzeitig auch etwa dem 50-fachen der gesamten Körperoberfläche (1,7 m2) eines erwachsenen Menschen.
Aufgebaut sind die Alveolen aus einem einschichtigen Epithel mit zusätzlich eingestreuten Zellen (Kap. 2.5.3). Zwischen den einzelnen Alveolen bzw. zwischen Alveolen und Kapillaren findet sich ein sehr zartes, elastisches Bindegewebe, welches das eigentliche Gerüst der Lunge darstellt.

Blutversorgung

Man unterscheidet im Kreislauf des Blutes durch den Körper 2 unterschiedliche Wege – den LungeBlutversorgunggroßen Kreislauf bzw. Körperkreislauf KörperkreislaufKreislauf, großer/kleinerund den kleinen Kreislauf oder Lungenkreislauf. Die linke Herzkammer treibt das Blut über die Arterien in den gesamten Körper einschließlich Lungenkreislaufdes Gehirns und versorgt dort alle Organe und Strukturen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Über die Venen dieser Organe und Gewebe gelangt das Blut, nun zumindest an Sauerstoff weit ärmer als zuvor, zum rechten Herzen zurück, um anschließend in der Lunge wieder aufgesättigt zu werden.
Dieses Blut wäre aber nach seiner Ausnutzung im Körperkreislauf kaum noch in der Lage, die teilweise recht dicke Wandung der Bronchien ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Auch der in der Atemluft des Bronchienlumens natürlich reichlich vorhandene Sauerstoff vermag lediglich bis zu etwa 1 mm tief in das Gewebe einzudringen. Es gibt daher in der Lunge einzelne Arterien und Venen, die mit dem üblichen Lungenkreislauf nichts zu tun haben. Die Aa. bronchiales entspringen also nicht der Lungenarterie mit ihrem sauerstoffarmen Blut, Arteria(-ae)bronchialesLungenarteriensondern den Arterien des Körperkreislaufs (zumeist direkt der Aorta oder der A. thoracica interna) und führen von dort aus sauerstoffgesättigtes Blut in die Lunge, wobei sie entlang der Bronchien verlaufen und sich auch gemeinsam mit ihnen verzweigen. Deren Blut wird dann von eigenen Venen (Vv. bronchiales) wieder aus der Lunge herausgeleitet (Abb. 1.20).
Auch die Verzweigungen der beiden Lungenarterien (Aa. pulmonales), Arteria(-ae)pulmonalesdie das Blut des rechten Herzens in die Lunge leiten (Fach Herz-Kreislauf-System), laufen gemeinsam mit den Bronchien und schließlich Bronchiolen, um zuletzt an den Alveolen ihr Kapillarnetz auszubilden. Bronchial- und Lungenarterien besitzen Anastomosen (Verbindungen) zueinander.

Lungenhilus

An der Medialseite der beiden Lungenflügel, dem Herzen benachbart, treten in jeweils recht LungenhilusLungenwurzeldichtgedrängter Anordnung sämtliche Strukturen in die Lunge ein bzw. aus ihr heraus, die hier Aufgaben zu erfüllen haben. Man bezeichnet diese Fläche deshalb als Lungenwurzel bzw. als Lungenhilus (Abb. 1.21).Er projiziert sich in etwa auf die Höhe des 5. BWK.
Die eintretenden Strukturen sind der jeweilige Hauptbronchus und die Lungenarterie (A. pulmonalis). Die austretenden Strukturen bestehen ausLungenvenen 2 Lungenvenen (Vv. pulmonales) und Lymphgefäßen. Daneben verlaufen hier die Nerven des vegetativen Nervensystems, die v. a. die glatte Muskulatur von Bronchien und Bronchiolen versorgen und bestimmen, ob dieselben eng- oder weitgestellt werden. Dabei führen die parasympathischen Anteile zur Verengung, die sympathischen zur Erweiterung des Lumens. Zusätzlich treten noch A. bronchialis und V. bronchialis am Hilus ein bzw. aus.
Im Bereich des Hilus befindet sich auch eine große Anzahl an Lymphknoten, die sog. Hiluslymphknoten, die als Filterstation für Erreger, weitere Fremdstoffe einschließlich der HiluslymphknotenLuftverunreinigungen sowie für ausgeschwemmte Zellen von Lungentumoren fungieren. Auch die stationären Makrophagen der Lunge, die als Alveolarmakrophagen Alveolarmakrophagenhauptsächlich im Lumen der Alveolen ihre immunologische Funktion erfüllen, wandern nach Phagozytose von Fremdmaterial zu diesen Lymphknoten. Da sich in der Lunge selbst zwar Lymphgänge, aber keine Lymphknoten befinden, handelt es sich damit gleichzeitig um die regionären Lymphknoten der Lunge. LungeLymphknotenSie werden im Lauf des Lebens, zumindest bei Rauchern, regelrecht schwarz.

Pathologie

Lymphknoten sind üblicherweise klein und lassen sich im Röntgenbild nicht darstellen. Vor allem beim BronchialkarzinomHiluslymphknotenBronchialkarzinom, bei SarkoidoseHiluslymphknotenSarkoidose (Abb. 1.22) und LungentuberkuloseHiluslymphknotenLungentuberkulose nehmen die Hiluslymphknoten aber an Größe und Konsistenz dermaßen zu, dass sie im Röntgenbild die Form des Hilus verändern und damit Rückschlüsse auf Art und Verlauf der Krankheit zulassen.

Zusammenfassung

Lunge (Pulmo)

  • 2 Lungenflügel im Thorax zwischen Wirbelsäule, Rippen und Mediastinum, sitzen kaudal breitbasig dem Zwerchfell auf.

  • Rechte Lunge hat 3 Lappen und 10 Segmente, linke 2 Lappen und 9 Segmente; die Segmente werden mit arabischen Ziffern bezeichnet.

  • Der Gasaustausch (äußere Atmung) erfolgt an den Alveolen.

  • Blutversorgung der Lunge über den kleinen Kreislauf (rechtes Herz → Aa. pulmonales → Lunge), Versorgung der Atemwege durch die Aa. bronchiales (aus Aorta oder A. thoracica interna)

  • Die Folgegefäße der Aa. pulmonales laufen mit den Bronchien und Bronchiolen bis zu den Alveolen, wo sie ihr Kapillarnetz für den Gasaustausch ausbilden.

  • Lungenhilus etwa auf Höhe des 5. BWK: Am Hilus treten sämtliche Strukturen in die Lunge ein und aus (Hauptbronchus mit den ersten Aufzweigungen, Lungenarterie, Lungenvenen, Lymphgefäße, vegetative Nerven, A. und V. bronchialis); zusätzlich befinden sich hier die regionären Lymphknoten der Lunge (Hiluslymphknoten).

Pleura

Aufbau
So, wie nahezuPleura jeder Muskel des Körpers seine eigene „Haut“, die Muskelfaszie, hat und praktisch alle Organe eine ebenfalls bindegewebige Umhüllung, meist als Organkapsel, so wird auch die Lunge von ihrer „Lungenhaut“, der Pleura, umgeben.
Dieselbe ist mit Ausnahme des Hilus auf der gesamten Oberfläche der Lunge festgewachsen („Lungenfell“ = Pleura visceralis),Lungenfell um dann in der Peripherie des Hilus umzuschlagen und gewissermaßen die Oberfläche der Lunge Pleuravisceralisein zweites Mal mit einem Pleuraüberzug zu bedecken (Abb. 1.23).Diesmal ist sie allerdings nicht auf ihrem ersten Blatt, und damit wieder direkt auf dem Lungengewebe, sondern auf ihrer Rückseite mit der inneren Thoraxwand verwachsen („Rippenfell“ = Pleura parietalis), kleidet also die gesamte Innenfläche des knöchernen Thorax sowie das basal befindliche PleuraparietalisZwerchfell aus.Rippenfell
Aufgebaut ist die Pleura aus einem einschichtigen Epithel und einer dünnen Schicht Bindegewebe, das mit der Lunge (Pleura visceralis) bzw. Thoraxwand (Pleura parietalis) verwachsen ist. Zwischen den beiden aufeinander liegenden Epithelschichten der Pleura verbleibt lediglich ein sehr schmaler Spalt, der Pleuraspalt. PleuraspaltIndem die Epithelien der Pleurablätter einige Tropfen Flüssigkeit in den Pleuraspalt sezernieren, wird deren Oberfläche angefeuchtet und die beiden Blätter gleiten ohne wesentliche Reibung aufeinander entlang.
Der Pleuraspalt ist luftleer, woraus zumindest bei Thoraxhebung und Zwerchfellkontraktion ein Unterdruck entsteht. Zusätzlich entsteht durch den Flüssigkeitsfilm eine gewaltige Sogwirkung, die man sich am besten verdeutlichen kann, wenn man auf die feuchte Oberfläche einer Glasplatte eine zweite Glasplatte legt und nun versucht, die beiden Platten auseinanderzuziehen. Dies wird kaum gelingen, während ein Verschieben gegeneinander jederzeit möglich ist. Auf diese Weise gleiten auch die beiden Pleurablätter bei den Atembewegungen aneinander entlang, trennen sich aber weder bei der Ein- noch bei der Ausatmung.

Merke

Die Lunge liegt über den Pleuraspalt der Thoraxinnenfläche sowie dem Zwerchfell direkt auf.

In- und Exspiration
Wenn sich der knöcherne Thorax bei der Inspiration hebt und weitet und sich gleichzeitig das Zwerchfell bei seiner Kontraktion nach kaudal bewegt, bleibt dem elastischen Lungengewebe aufgrund des Unterdrucks, von dem es allseits umgeben ist, sowie der Adhäsionskräfte des Flüssigkeitsfilms zwischen den beiden Pleurablättern nichts anderes übrig, als sich ebenfalls in alle Richtungen hin auszudehnen. Dabei werden sein Inneres, die luftgefüllten Hohlräume der Alveolen sowie das Lumen von Bronchien und Bronchiolen aufgedehnt. Der Unterdruck im Pleuraspalt verursacht also einen Unterdruck in dem sich entfaltenden Lungengewebe, wodurch die Luft der oberen Atemwege wie der umgebenden Außenluft in Richtung Lunge gesaugt wird. Diesen Vorgang nennt man Inspiration (Einatmung).InspirationEinatmung
Erschlafft das ZwerchfellZwerchfellInspiration/Exspiration und verkleinert sich der intrathorakale Raum wieder, indem der Tonus der Inspirationsmuskulatur nachlässt, zieht sich die Lunge überwiegend aufgrund ihrer eigenen Elastizität und Retraktionskraft wieder zusammen. Dadurch bleibt einem Teil der Luft in ihrem Inneren wiederum nichts anderes übrig, als auf dem einzig offenen Weg über Bronchien, Trachea und obere Atemwege wieder nach draußen zu gelangen. Es kommt zur Exspiration (Ausatmung).ExspirationAusatmung
Die Hauptarbeit bei der Atmung besteht darin, den knöchernen Thorax entgegen der Schwerkraft zu heben, um sein inneres Volumen zu vergrößern, sowie v. a. den beachtlichen Widerstand, den die Lunge ihrer eigenen Ausdehnung entgegensetzt, zu überwinden (Abb. 1.24).Man braucht hierbei nur an ein kräftiges Gummiband zu denken, das sich nur mit Anstrengung dehnen lässt und das sich umgehend wieder verkürzt, sobald die dehnende Kraft wegfällt. Es wird von daher verständlich, dass der weit überwiegende Anteil der gesamten Atemmuskulatur mit der Inspiration Atemmuskulaturbeschäftigt ist, während zur Mithilfe bei der Exspiration im Normalfall kein Muskel gebraucht wird und auch kaum einer zur Verfügung steht.
Darüber bräuchte man eigentlich nicht zu lamentieren, weil sich im Verlauf der Jahrmillionen nur herausbilden konnte, was sich dann schließlich auch bewährte. Der Emphysem- oder Asthma-Patient dürfte hierzu allerdings eine andere Meinung vertreten: Die geweiteten Lufträume der unelastisch gewordenen Lungen und die eng gestellten Bronchiolen lassen die Luft noch recht gut herein, aber kaum noch hinaus. Solche Patienten empfinden massive Atemnot und nicht unbegründete Todesangst.

Zusammenfassung

Pleura

  • umgibt die beiden Lungenflügel, getrennt voneinander, wie eine „Haut“

  • Pleura visceralis (Lungenfell): auf der Oberfläche der Lunge festgewachsen, schlägt am Rand des Hilus um in die Pleura parietalis

  • Pleura parietalis (Rippenfell): mit allen umgebenden Strukturen (innere Thoraxwand, Zwerchfell, mediastinales Bindegewebe) verwachsen

  • Zwischen Lungen- und Rippenfell befindet sich der Pleuraspalt, der flüssigkeitsgefüllt, aber luftleer ist → Sogwirkung.

Mediastinum

Der Raum zwischen den beiden Pleurasäcken bzw. Medialseiten der Lungenflügel wird MediastinumMediastinum genannt (Fach Herz-Kreislauf-System). „Median“ bedeutet „Mitte“ und „stinum“ kommt von „stare = stehen“. Es handelt sich also um einen „Raum, der in der Mitte steht“ (Abb. 1.25).
Er ist angefüllt von lockerem, gut durchblutetem Bindegewebe. Die kaudale Begrenzung bildet das Zwerchfell, die ventrale das Sternum und die dorsale die Wirbelsäule. Nach kranial gibt es keine Begrenzung, sondern einen allmählichen Übergang zu den Weichteilen des Halses. Das bedeutet, dass Prozesse wie Entzündungen, Abszesse oder Tumoren im Bereich des Rachens oder Halses sich leicht der Schwerkraft nach ins Mediastinum absenken können.
Das Mediastinum wird willkürlich, also ohne ein entsprechendes anatomisches Substrat, in 4 einzelne Räume, nämlich ein vorderes und ein hinteres, ein unteres und ein oberes Mediastinum unterteilt (Abb. 1.26).Der fiktive Schnittpunkt dieser vier Räume ist die Bifurkation der Trachea:
  • Ventral dieser Grenze liegen das Herz mit seinen aus- und eintretenden Gefäßen, die Thymusdrüse, die Trachea, die beiden Nn. vagi und die beiden Nn. phrenici, die das Zwerchfell innervieren.

  • Im hinteren Mediastinum befinden sich die Speiseröhre, der absteigende Teil der Aorta und der Milchbrustgang (Ductus thoracicus). MilchbrustgangDuctusthoracicusDie Trachea verläuft direkt vor dem Ösophagus, in engem Kontakt mit ihm. Dieser wiederum liegt in seinem kranialen Anteil direkt vor der Wirbelsäule. Die Aorta zieht aus ihrem Aortenbogen über den linken Hauptbronchus hinweg und verdrängt etwa ab Th7 die Speiseröhre von ihrer Lage vor der Wirbelsäule.

Pathologie

Der NervusphrenicusN. phrenicus entspringt dem mittleren Halsmark (überwiegend C4). Motorisch gesteuert wird er überwiegend vom Atemzentrum (Kap. 2.7.1). Da er auch sensible Anteile aus dem Bereich des Perikards, der Pleura mediastinalis (derjenige Teil der Pleura parietalis, der medialwärts das Mediastinum begrenzt und mit ihm verwachsen ist) sowie des Peritoneums der Zwerchfellunterseite enthält, können Erkrankungen wie Perikarditis, Pleuritis, Peritonitis oder Affektionen der Gallenblase ausstrahlende Schmerzen bis in den Bereich der Schultern (= DermatomeDermatome, HWS, mittlere der mittleren HWS) hervorrufen. Daneben enthält der Nerv auch vegetative Fasern.

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