© 2019 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-58042-0.00005-0

10.1016/B978-3-437-58042-0.00005-0

978-3-437-58042-0

Abb. 5.1

[S007-22; E402]

a Lage des Augapfels in der Orbita. b Dorsale Öffnungen für Nerven und Gefäße.

Abb. 5.2

[L106]

Augapfel (Bulbus oculi)

Abb. 5.3

[E402]

Ziliarkörper

Abb. 5.4

[E402]

Die weiße Sklera geht ringförmig in die durchsichtige, runde Kornea über; hinter deren Randbereich befindet sich die Iris und mittig die runde Pupille als Zentrum der Linse.

Abb. 5.5

[L106]

Das Licht gelangt aus dem Glaskörper durch die Schichten des 3. und 2. Neurons hindurch zu den Zapfen und Stäbchen der Sinneszellen (1. Neuron). Die unterste Zellschicht (Pigmentepithel) entspricht der äußeren Retinamembran; direkt oberhalb davon, als äußerste Schicht der inneren Membran, finden sich die Stäbchen- und Zapfenzellen (1. Neuron).

Abb. 5.6

[E273]

Augenhintergrund. Die Macula liegt etwa 4 mm von der Austrittsstelle des N. opticus entfernt. Die etwas dickeren und dunkleren Venen lassen sich von den dünneren und helleren Arterien im oberen und unteren Gefäßbogen unterscheiden.

Abb. 5.7

[L107]

Papille (blinder Fleck) mit Anfangsteil des N. opticus nach seinem Austritt aus dem Auge

Abb. 5.8

[E402]

Arterielle Versorgung des Auges durch die A. ophthalmica

Abb. 5.9

[E402]

Venöse Entsorgung von Gesicht und Auge

Abb. 5.10

[E402]

Zugrichtungen der äußeren Augenmuskeln

Abb. 5.11

[E402]

Ursprung und Ansatz der äußeren Augenmuskeln

Abb. 5.12

[E402]

Aufbau der Augenlider

Abb. 5.13

[L107]

Schnitt durch das obere Augenlid (Oberfläche der Haut rechts). Zu beachten sind die großen, in den Tarsus eingefügten Meibom-Drüsen mit ihrem Ausführungsgang und die apokrinen, den Wimpern zugeordneten Moll-Drüsen. Zeis-Drüsen wurden bei dieser Schnittführung nicht getroffen.

Abb. 5.14

[E476]

Hordeolum (Gerstenkorn)

Abb. 5.15

[E402]

Chalazion (Hagelkorn)

Abb. 5.16

[E402]

Tränenapparat

Sinnesorgane Auge - Anatomie

  • 5.1

    Lage126

  • 5.2

    Augenhüllen126

    • 5.2.1

      Äußere Augenhaut126

    • 5.2.2

      Mittlere Augenhaut127

    • 5.2.3

      Innere Augenhaut129

  • 5.3

    Räume des Auges133

    • 5.3.1

      Vordere und hintere Augenkammer133

    • 5.3.2

      Glaskörper133

  • 5.4

    Blutversorgung134

    • 5.4.1

      Arterielle Versorgung134

    • 5.4.2

      Venöse Entsorgung135

  • 5.5

    Augenmuskeln135

    • 5.5.1

      Äußere Augenmuskeln135

    • 5.5.2

      Innere Augenmuskeln137

  • 5.6

    Schutzeinrichtungen des Auges137

    • 5.6.1

      Augenlider137

    • 5.6.2

      Tränenapparat139

    • 5.6.3

      Konjunktiva140

Einführung

Die fünf Sinne des Menschen dienen der Erfassung der Umwelt und der Kontaktaufnahme zu ihr. Geht auch nur einer von ihnen verloren, kommen in unterschiedlichem Ausmaß wesentliche Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten abhanden, die von den weiteren Sinnen nur sehr unvollständig kompensiert werden können. Grundsätzlich handelt es sich bei den Zellen der Sinnesorgane um höchst spezialisierte Zellen (Sinneszellen), die einen umschriebenen Ausschnitt der Umweltreize spezifisch aufnehmen und verarbeiten, um sie dann als pseudoelektrische Potenziale über Nerven an das ZNS zu leiten. Dort werden die Aktionspotenziale in den zugehörigen Rindenfeldern in die entsprechenden Informationen übersetzt und ins Bewusstsein gebracht.

Die fünf Sinne beinhalten das Sehen, Hören, Schmecken, Riechen sowie den Tastsinn der Haut:

  • Im Sehorgan, Sehorganden beiden Augen, wird die Umwelt optisch abgebildet.

  • Das Ohr ist Ohrfür die Geräusche zuständig und enthält gleichzeitig das Gleichgewichtsorgan, mit dem auch bei geschlossenen Augen die Lage des Körpers in Relation zur Umgebung erfasst wird. Ergänzt wird dieses Raumgefühl durch Rezeptoren in Muskeln, Sehnen und Gelenkstrukturen.

  • Über den Tastsinn der Haut wird Kontakt zur Umwelt aufgenommen. Daneben besitzt sie Messfühler zur Aufnahme thermischer Reize, um eine frühzeitige Antwort auf ungewöhnliche Umgebungstemperaturen sicherzustellen. Warnfunktion besitzen auch ihre weiteren Sinnesqualitäten wie z. B. Juckreiz oder Schmerzempfindung. Im Gegensatz zu den Schmerzrezeptoren innerer Organe werden Reize, die die Haut betreffen, zerebral sehr scharf abgebildet, sodass über Reflexe oder willentlich gesteuert eine schnelle und fein abgestimmte Antwort möglich wird.

  • Der Geruchssinn Geruchssinnder Nase dient nicht nur dem Genuss einer Mahlzeit, sondern besitzt durch feinste Unterscheidungsmöglichkeiten ungezählter Gerüche auch eine Warnfunktion.

  • Dieselbe Doppelfunktion kommt dem Geschmackssinn Geschmackssinnder Zunge zu, wo die wertvollen Nahrungsbestandteile, die überwiegend süß, salzig, umami oder sauer schmecken, von bitteren, die Gesundheit gefährdenden Nahrungsanteilen abgegrenzt werden können.

Der Geschmackssinn der Zunge wird im Fach Verdauungssystem besprochen, der Geruchssinn der Nase im Fach Atmungssystem. Der Tastsinn der Haut gehört zum Fach Dermatologie.

Auf körperlicher Ebene nicht fassbar und nicht an definierbare Strukturen gebunden sei der „6. Sinn“ erwähnt, der nicht bei allen Menschen gleich gut ausgebildet scheint. Er warnt vor Gefahren, die man weder sehen noch hören, riechen oder schmecken kann. Er veranlasst den Menschen, an den wir gerade noch intensiv gedacht hatten, dazu, im nächsten Moment bei uns anzurufen. Er gibt Vorstellungen darüber, wie ein Vorhaben ausgehen wird oder ermöglicht Déjà-vu-Erlebnisse. Er verbindet die Sinne des Körpers mit geistigen Ebenen, die nur denjenigen bewusst werden, die ernsthaft danach suchen. In letzter Konsequenz würde der 6. Sinn die fünf körperlichen überflüssig machen.

Lage

Das AugeAugeLage liegt gut geschützt in der knöchernen Augenhöhle (Orbita). Die Orbita ist aus OrbitaAnteilen von insgesamt 7 verschiedenen Knochen aufgebaut und ähnelt einer vierseitigen Pyramide – mit der breiten, nach vorne gerichteten, offenen Basis und der nach hinten gerichteten Spitze (Fach Bewegungsapparat). In diesem hinteren Anteil der Orbita befinden sich Öffnungen für den Durchtritt von Gefäßen und Nerven. Ausgekleidet wird die Orbita unvollständig von glatter Muskulatur, die in ihrer Gesamtheit als Musculus(-i)orbitalisM. orbitalis bezeichnet wird. Der Muskel ist sympathisch innerviert. Bei seiner Aktivierung wird der Bulbus im Sinne eines besseren Überblicks etwas nach vorne geschoben (Exophthalmus), bei Ausfall des Sympathikus sinkt er in die Augenhöhle zurück (Enophthalmus).
Neben dem Augapfel (Bulbus bzw. Bulbus oculi; Oculus = Auge) Bulbusoculifinden sich als weitere Strukturen die äußeren Augenmuskeln, Nerven und Gefäße sowie ein Teil der Tränendrüse in der Orbita. Die Räume zwischen diesen Strukturen werden von fetthaltigem Bindegewebe ausgefüllt – besonders umfangreich retroorbital (Abb. 5.1).
Auf der Abb. 5.1b ist zu erkennen, dass ein Sehnenring (Anulus tendineus) um einen Teil der Fissura superior sowie den Canalis opticus, durch den N. opticus und A. ophthalmica in die Orbita gelangen, ausgespannt ist. Von diesem Sehnenring entspringen die äußeren Augenmuskeln.
Der kugelige AugapfelAugapfel (Bulbus oculi) ist Bulbusoculibeim normalsichtigen Erwachsenen weitgehend genau 2,4 cm lang. Seine Hülle wird von 3 bindegewebigen Schichten aufgebaut (Kap. 5.2). Innen enthält er 3 abgrenzbare Räume (Kap. 5.3). Lichtbrechende Einrichtungen im vorderen Teil des Auges (Kornea und Linse) bündeln die einfallenden Lichtreize und fokussieren sie auf Sinneszellen im hinteren Abschnitt. Dort werden sie vom N. opticus (Sehnerv) übernommen.

Augenhüllen

Äußere Augenhaut (Abb. 5.2)

Die äußerste Hülle gibt dem Bulbus seine AugenhüllenAugenhautäußereeigentliche Stabilität. Sie besteht aus einem sehr derben, kollagenfaserreichen Bindegewebe mit einer Dicke von etwa 1 mm (Sklera) bzw. 0,6 mm (Kornea).
Sklera
Im hinteren und weit überwiegenden Anteil des Bulbus wird die äußere Augenhaut Sklera (Lederhaut) Lederhaut, AugeSklera genannt. Sie ist so gut wie nicht durchblutet und besitzt auch deshalb eine weiße Farbe. An der Sklera setzen die äußeren Augenmuskeln an, die dem Bulbus seine Beweglichkeit ermöglichen. Die Sklera geht nahtlos aus der äußeren Umhüllung des Sehnervs (harte Hirnhaut = Dura mater) hervor.
Kornea (Abb. 8.2)
Im vordersten Anteil, der sich Korneavor Iris und Pupille befindet, ist die äußere Augenhaut deutlich nach vorne gewölbt. Dieser Anteil wird Kornea (Hornhaut) genannt und misst im Durchmesser gut 1 cm (11 mm). HornhautSie ist aufgrund der parallelen Ausrichtung ihrer Fasern durchsichtig bzw. glasklar und erhält durch ihre Wölbung eine Brechkraft von rund 43 Dioptrien für das durchscheinende Licht. Die Ablenkung der Lichtstrahlen ist damit sehr viel ausgeprägter als bei der dahinter liegenden Linse mit ihren 15 Dioptrien, kann jedoch im Gegensatz zu dieser nicht verändert werden. Abgestimmt ist die Brechkraft der Kornea auf das Sehen in die Weite, indem sämtliche parallel aus weiterer Entfernung auftreffenden Lichtstrahlen mittels dieser 43 Dioptrien, in Verbindung mit der flachsten Einstellung der Linse, exakt auf die Netzhaut fokussiert werden. Dies gilt jedenfalls für den üblichen Fall eines normalsichtigen Auges beim Erwachsenen.
Bedeckt wird die Kornea von einem mehrschichtigen, nicht verhornenden Plattenepithel, das von feinen Nervenenden des NervustrigeminusN. trigeminus (V1 des V. Hirnnervs) sensibel versorgt wird. Allerdings gilt diese Innervation für die gesamte äußere Augenhülle als Fortsetzung der Dura mater, die grundsätzlich und in großem Umfang aus dem N. trigeminus innerviert wird. An ihrer Rückfläche wird die Kornea von einem einschichtigen Endothel bedeckt.
Die Kornea ist nicht durchblutet, hat allerdings einen ständigen Bedarf an Sauerstoff und Nährstoffen. Dies gilt sowohl für das mehrschichtige Epithel, das entsprechend der Oberhaut aus seinen Basalzellen heraus fortlaufend erneuert wird, als auch für den Hauptanteil der Hornhaut, der aus einem zellarmen, kollagenfaserreichen Bindegewebe besteht. Ein Teil der Ernährung erfolgt aus dem Kammerwasser und hinsichtlich O2 aus der Luft der Umgebung, der wesentliche Teil jedoch aus dem Randbereich, an dem die Kornea uhrglasartig der weniger stark gewölbten Sklera aufsitzt und an dem zusätzlich die Konjunktiva endet (s. später). Diese etwa 1 mm breite Randzone wird Limbus genannt. Weitgehend exakt hinter dem Limbus, am Treffpunkt des Übergangs von Kornea und Sklera zur Iris, befindet sich der Kammerwinkel,Kammerwinkel über den das Kammerwasser in den Schlemm-Kanal abgeleitet wird (s. unten).
Der Limbus ist reichlich durchblutet und enthält daneben Stammzellen zur Regeneration der Kornea, in erster Linie ihres Plattenepithels sowie des einschichtigen Endothels ihrer Rückfläche.

Mittlere Augenhaut (Abb. 5.2)

Auch bei der mittleren Augenhaut (= Uvea) AugenhautmittlereUveamuss der hintere Anteil vom vorderen abgegrenzt werden, wobei der vordere Abschnitt sich nochmals in unterschiedliche Strukturen unterteilen lässt.
Aderhaut
Der hintere und weit überwiegende Abschnitt derAderhaut Uvea heißt Aderhaut (Choroidea). ChoroideaSie ist aus einem lockeren, reichlich durchbluteten Bindegewebe aufgebaut. Dabei finden sich besonders zahlreiche Kapillaren an der Grenzfläche zum Pigmentepithel, das bereits zur innersten Augenhaut (= Retina) gehört.
Die wichtigste Funktion der Aderhaut besteht in der arteriellen Versorgung der weiteren Hüllen. Da die Lederhaut praktisch nicht durchblutet wird, erfolgt deren Ernährung weit überwiegend durch Diffusion aus der Aderhaut, im äußeren Anteil auch aus periorbitalem Bindegewebe. Entsprechendes gilt für die direkt an die Aderhaut angrenzenden Schichten der Retina. Lediglich deren innerste, dem Lumen des Auges zugewandten Abschnitte werden aus eigenen Gefäßen versorgt. Im vorderen Anteil der Uvea geht die Choroidea in den Ziliarkörper (Corpus ciliare) und schließlich in die Iris (Regenbogenhaut) über.
Entsprechend der Iris, dem vordersten Anteil der Uvea, enthält auch die Aderhaut reichlich Melanozyten. Der wesentliche Sinn dieser MelanozytenMelanozytenAderhaut besteht darin, Melanin neben der Pigmentierung der Aderhaut auch an das direkt angrenzende Pigmentepithel der Netzhaut (Retina) abzugeben, um damit in der Summe eine dichte Lichtschranke zwischen dem Sinnesepithel der Netzhaut und den weiteren Hüllen zu erzeugen.

Pathologie

Ein „Nebeneffekt“ besteht nun allerdings darin, dass aus diesen Melanozyten maligne Melanome (MM) in der Aderhaut entstehen können. Die Inzidenz ist zwar mit 1 Fall/100.000 Personen nicht allzu hoch, doch handelt es sich beim MM ungeachtet dieser Seltenheit um den trotzdem noch häufigsten malignen Tumor des Auges beim Erwachsenen. Im Kleinkindesalter entsteht in vergleichbarer Seltenheit das meist genetisch verursachte Retinoblastom. Beim MM ist zu beachten, dass die Tumoren weitgehend ohne Einstrahlung von UV-Licht entstehen, das üblicherweise als wichtigste Ursache einer Melanombildung angesehen wird. Entsprechendes gilt für die seltenen Melanome z. B. an den Hirnhäuten oder im Genitoanalbereich.

Corpus ciliare (Abb. 5.3)
Am ZiliarkörperZiliarkörper (Strahlenkörper), Corpus ciliareder im vorderen Abschnitt der Uvea an die StrahlenkörperAderhaut anschließt, lässt sich ein muskulärer Anteil (Ziliarmuskel) Ziliarmuskelvon einem bindegewebigen abgrenzen, der nach medial Fortsätze ausbildet, an denen die ZonulafasernZonulafasern befestigt sind. Bei diesen handelt es sich um elastische fädige Strukturen, die zum Äquator der Linse ziehen. Gleichzeitig wird von den reichlich durchbluteten Fortsätzen (= ZiliarzottenZiliarzotten) das KammerwasserKammerwasser produziert.
Der etwa dreieckige Ziliarmuskel (M. ciliaris)ZiliarmuskelMusculus(-i)ciliarisMusculus(-i)ciliaris besteht aus glatten Muskelzellen, die weit überwiegend parasympathisch innerviert sind. Der Ziliarmuskel wölbt sich bei seiner Kontraktion wulstartig in Richtung der Linse, wodurch der Zug des Ziliarkörpers an seinen Zonulafasern nachlässt. Dies gilt es zu beachten, weil es sich in diesem Fall aufgrund der besonderen Anordnung der Muskelanteile genau entgegengesetzt zum erwarteten Kontraktionsergebnis verhält. Im Ergebnis bewirkt die Erschlaffung der Zonulafasern eine Abkugelung (Brechkrafterhöhung) der elastischen Linse, von größter Bedeutung für die Anpassung des Auges an nahe gelegene Gegenstände (Akkommodation)Akkommodation.
Iris
Der vorderste Abschnitt derIris Uvea ist die RegenbogenhautRegenbogenhaut (Iris). Sie entsteht am Ziliarkörper etwa auf gleicher Höhe, an der vorne die Sklera in die Kornea übergeht. Die Iris enthält in ihrem bindegewebigen Stroma eine große, aber variable Anzahl an Melanozyten,MelanozytenIris deren Pigment in Abhängigkeit von der produzierten Menge sowie kleineren chemischen Abwandlungen des farbgebenden Moleküls Melanin die individuelle AugenfarbeAugenfarbe erzeugt. Der Sinn der Pigmentierung besteht im Abfangen des Lichts, sodass dieses ausschließlich durch die frei gelassene Mitte, die Pupille, ins Auge fallen kann.

Merke

Die typische Farbe und Struktur der Iris werden durch die Anordnung des Stromas in Verbindung mit den Pigmenten der enthaltenen Melanozyten erzeugt. Dabei handelt es sich um eine festgelegte Struktur, die ähnlich den Fingerabdrücken bei jedem Menschen etwas anders aussieht und deswegen spezifisch ist, auf ebenfalls spezifische Weise veränderbar lediglich in Abhängigkeit von der Kontraktion der beiden Irismuskeln. Erkrankungen einzelner peripherer Organe vermögen an dieser Strukturierung nichts zu verändern, sodass es sich bei der sog. Irisdiagnose Irisdiagnoseum eine zumindest „mutige“ diagnostische Methode handelt. Aufgrund der Spezifität und Unveränderbarkeit der Struktur – ganz und gar unabhängig von zwischenzeitlich auftretenden Erkrankungen – gilt die elektronische Augen- = Iriserkennung als weitaus zuverlässigste Methode zum Nachweis der Identität einer Person, nochmals deutlich sicherer als ein Abgleich der Fingerabdrücke! Von daher darf die Unveränderbarkeit der Struktur sogar als glücklicher Umstand angesehen werden, sonst würde einem der Automat eines Morgens verkünden, dass man dabei sei, sich eine Leberzirrhose anzutrinken – in Gegenwart der Arbeitskollegen!

Pathologie

Albinismus

Wird von den Melanozyten beim Albinismus Albinismusaufgrund verschiedener chromosomaler Defekte mit unterschiedlichsten Auswirkungen kein oder zu wenig Pigment produziert, wird die Iris mehr oder weniger lichtdurchlässig und verliert damit im schlimmsten Fall ihre Blendenfunktion vollständig. Dies führt üblicherweise zu erheblichen Sehstörungen mit BlendungsempfindlichkeitSehstörungen, Albinismus und dem Unvermögen, Kontraste wahrzunehmen bzw. Tiefenschärfe zu erzeugen. Die Pupille wird je nach dem Einstrahlwinkel des Lichts rot, die Irisfarbe ist hell, beim vollständigen Albinismus fahl-blau und in der Aufsicht rötlich verfärbt, weil einfallendes Licht nicht mehr absorbiert wird und deshalb die v.a. in zentralen Anteilen gut durchblutete Netzhaut aufleuchtet. Sofern die Melanozyten der Aderhaut mitbetroffen sind, verliert auch das Pigmentepithel seine Funktion als „Lichtschranke“, sodass die rote Farbe der gut durchbluteten Choroidea zusätzlich durchscheint. Manchmal ist gleichzeitig die Ausreifung der Macula lutea gestört, wodurch die Sehschärfe erheblich gemindert sein kann. Dabei bestehen dann auch oft ein Nystagmus sowie ein Strabismus (s. später).
Ursache einer etwaigen Macula-Beteiligung ist, dass Melanin für die ungestörte embryonale Entwicklung zahlreicher Augenstrukturen einschließlich des N. opticus benötigt wird. Bei einem absoluten oder weitgehenden Mangel kann es deshalb zusätzlich zu Fehlfunktionen der Kreuzung im Chiasma opticum kommen, wodurch die physiologische Trennung und Zuordnung der Gesichtsfelder gestört ist. Allerdings gibt es wie gesagt unzählige Varianten des Albinismus in unterschiedlichster Ausprägung, von denen manchmal nur die Haut oder nur einzelne Strukturen des Auges betroffen sind oder aber alle erdenklichen Konstellationen entstehen. Dabei ist ein vollständiger und generalisierter Mangel an Melanin außerordentlich selten.
Ins Irisgewebe integriert finden sich zwei glatte Muskeln. Der parasympathisch innervierte Anteil im Bereich des freien Randes verengt die Pupille und heißt deswegen Musculus(-i)sphincter pupillaeM. sphincter pupillae. Die parasympathischen Fasern für Ziliarmuskel und Sphinkter gelangen als Teil des N. oculomotorius (III. Hirnnerv) zum Auge. Der aus dem Halssympathikus versorgte Anteil der Irismuskulatur heißt Musculus(-i)dilatator pupillaeM. dilatator pupillae. Er erweitert (dilatiert) die Pupille.
Während der Ziliarkörper für die Produktion des Kammerwassers und die Brechkrafteinstellung der Linse zuständig ist, stellt die Iris mit ihren beiden Muskelanteilen eine BlendeIrisBlende für die Pupille dar, mit der dieselbe eng oder weit gestellt werden kann. Dieser Spielraum bewegt sich zwischen 1,8 mm bei sehr heller Umgebung und 8 mm bei Dunkelheit. Da Ziliarmuskel und M. sphincter pupillae der Iris aus demselben Nerven parasympathisch innerviert sind, verengt Naheinstellung (Akkommodation) gleichzeitig die Pupille.
Die Pupillenerweiterung wird sympathisch über den M. dilatator pupillae bewirkt. Daneben stimuliert der Sympathikus in geringem Umfang in den Ziliarzotten die Produktion des Kammerwassers, sodass man über eine lokale Applikation (Augentropfen) von Sympathikus-Antagonisten (sog. Sympathikolytika bzw. Betablocker) deren Produktion etwas vermindern und damit einen erhöhten Druck dieser Flüssigkeit in den Augenkammern abmildern kann. Dies wird heute allgemein zur Therapie des Glaukoms genutzt.

Merke

Eine Aktivierung des Sympathikus kann nicht nur z. B. an der kaltschweißigen Haut und einer Tachykardie erkannt werden, sondern auch an Pupillen, die weiter gestellt sind als es dem Umgebungslicht entspricht. Dabei spielt die Ursache für die Aktivierung keine Rolle, weil das Ergebnis stets identisch ist.

Linse
Die LinseLinseLens (Lens) befindet sich zwischen Iris und Glaskörper. Sie stellt eine weiche, elastische, durchsichtige, bikonvex-elliptische Scheibe aus Zellen und elastischen Fasern dar, umgeben von einer dünnen Kapsel. An dieser Kapsel sind die Zonulafasern des Ziliarkörpers befestigt. Die Linse ist nicht durchblutet und enthält auch keine Nervenfasern. Die Ernährung erfolgt durch Diffusion aus dem Kammerwasser. Ihr Durchmesser ist kaum geringer als derjenige der Kornea und liegt bei knapp 1 cm, die Dicke bei 4–5 mm. Die Krümmung ist im hinteren Anteil etwas ausgeprägter als im vorderen, was nicht weiter von Bedeutung ist. Die Mehrzahl der enthaltenen Zellen ist kernlos und arm an weiteren Zellorganellen, wodurch die Lichtdurchlässigkeit entsteht. Allerdings sind reichlich lösliche Proteine enthalten, sog. Kristalline, die zur Lichtbrechung beitragen.
Die Funktion der Linse besteht in der variablen Ablenkung des auftreffenden Lichts. Bei erschlafftem Ziliarmuskel bewirkt der Zug der Zonulafasern die elliptische Abflachung der Linse, wodurch die Lichtstrahlen nur minimal abgelenkt werden. Diese Einstellung dient der Fernsicht des Auges, abgestimmt auf die 43 Dioptrien der Kornea. Die Kontraktion des Ziliarmuskels führt zu einem nachlassenden Zug der Zonulafasern, sodass sich die elastische Linse kugelig krümmt und dadurch ihre Brechkraft erhöht. Dies dient dem Scharfstellen näher liegender Objekte, der AkkommodationAkkommodation. Die Linse stellt also das entscheidende Gebilde dar, mit dem das Auge sowohl nahe als auch entfernte Gegenstände auf die Netzhaut fokussieren kann.

Pathologie

Im Alter verdichtet sich der Linsenkern und verliert an Elastizität und damit an Akkommodationsvermögen (Altersweitsichtigkeit = Presbyopie). PresbyopieAltersweitsichtigkeitGleichzeitig kann ein Teil der kristallinen Zellproteine seine Struktur verändern und unlöslich werden. Es kommt zur Linsentrübung (= Katarakt). Katarakt

Merke

Beim Betrachten zweidimensionaler Zeichnungen des Auges wird leicht übersehen, dass sämtliche Strukturen kreis- bzw. ringförmig angeordnet sind. So, wie die Sklera als „Kugel“ auf allen Seiten in die Kornea übergeht, muss aus dieser eine uhrglasförmige Scheibe entstehen, welche die scheiben- bzw. ringförmige Iris bedeckt. Inmitten der Scheibe namens Iris befindet sich die runde Pupille, das Sehloch, als zentraler Anteil der elliptisch-kugeligen Linse (Abb. 5.4).

Innere Augenhaut (Abb. 5.2, Abb. 5.5)

Die innerste Schicht der AugenhautinnereBulbushülle ist die NetzhautNetzhaut (Retina). RetinaSie dient der Aufnahme, Verarbeitung und Weiterleitung der Lichtreize. Die Retina ist sehr komplex aufgebaut. Sie besteht aus 2 Blättern, die sich weiter in insgesamt 10 Schichten untergliedern lassen. Das äußere Blatt (= PigmentepithelPigmentepithel, Retina) ist einschichtig und liegt der Aderhaut an. Das innere Blatt enthält die weiteren 9 Schichten, u.a. die Sinneszellen für den Sehvorgang. Zwischen den beiden Blättern befindet sich ein schmaler Spalt, wodurch sie sich relativ leicht voneinander ablösen lassen.
Analog zu den beiden äußeren Hüllen lässt sich der hintere Anteil der Retina mit den enthaltenen Sinneszellen (sog. Pars optica)Sinneszellen, Retina vom vorderen Anteil (Pars caeca = blinder Teil) abgrenzen. Die (gezackte) Grenzlinie zwischen den beiden Anteilen nennt man Ora serrataOra serrata (Ora = Grenze; serrata = gezackt). Hier geht das voluminöse Sinnesepithel der Retina allseits, also ebenfalls wieder gürtelförmig, in ein sehr flaches Epithel ohne Sinneszellen über. Dieses einschichtige Epithel als vorderstem Anteil der Retina bedeckt die Rückseite von Ziliarkörper und Iris. Direkt vor dem Übergang an der Ora serrata sind die beiden Blätter der Retina direkt und ohne trennenden Spalt aufeinander befestigt.
Pigmentepithel
Das äußere Blatt der Retina, das einschichtige PigmentepithelPigmentepithel, RetinaRetinaPigmentepithel, liegt der Choroidea direkt an, getrennt lediglich durch eine bindegewebige Membran (= Bruch-Membran), Bruch-Membrandie mit der Basalmembran des Pigmentepithels verschmilzt. Die Bruch-Membran (Abb. 5.5) ist mit einem Durchmesser von 2 mm ungewöhnlich dick und enthält reichlich elastische Fasern. Indem diese Membran eine Einheit sowohl mit dem Pigmentepithel als auch mit der Choroidea als hinterem Anteil der Uvea darstellt, bildet sie mit ihrer Elastizität gewissermaßen eine Gegenkraft zum M. ciliaris des Ziliarkörpers. Der Ziliarmuskel dehnt bei seiner Kontraktion die Bruch-Membran und wird bei seiner Erschlaffung von deren elastischen Fasern wieder in seine Ruheposition gezogen. Damit sind Bruch-Membran und M. ciliarisMusculus(-i)ciliaris funktionelle Antagonisten. Dies ist von Bedeutung, weil Muskeln grundsätzlich über keinerlei Einrichtungen verfügen, die sie nach Beendigung ihrer Kontraktion wieder in ihre Ausgangslänge aufdehnen könnten. Sie benötigen deshalb ausnahmslos einen Antagonisten, üblicherweise einen muskulären Gegenspieler, der dies übernimmt, und in diesem Fall eben die elastische Kraft der Bruch-Membran (Fach Bewegungsapparat).
Das Pigmentepithel besitzt mehrere Funktionen:
  • Es bildet eine Barriere zwischen dem Blut der Aderhaut und den Sinneszellen des inneren Retinablattes. Da das Pigmentepithel direkt an die gut durchblutete bzw. in diesem Bereich reichlich kapillarisierte Choroidea angrenzt, während die nachfolgenden Schichten der Netzhaut keine Blutgefäße enthalten, findet über den Spalt zum inneren Blatt auch eine Diffusion von Nährstoffen zu den Sinneszellen statt.

  • Das Epithel ist wesentlich am Sehvorgang beteiligt. Über Zellfortsätze, die den Spalt zum Sinnesepithel einigermaßen überbrücken, phagozytiert es dessen abgestoßene, verbrauchte Pigmente, regeneriert sie teilweise wieder und gibt sie zurück. Dadurch sinkt der Tagesbedarf an Vitamin A (Kap. 6, Physiologie). Die Beteiligung am Sehvorgang kann weiter verdeutlicht werden: Bei einer Schädigung des Pigmentepithels ist das nachfolgende Sinnesepithel an dieser Stelle ohne Funktion.

  • Durch seinen reichlichen Gehalt an Melanin, zusätzlich zu den Carotinoiden, bildet es für das auf die Netzhaut auftreffende Licht eine dichte Barriere zur angrenzenden Aderhaut. Man geht davon aus, dass das in membranumschlossene Melanosomen verpackte Melanin von den Melanozyten der Choroidea produziert und entsprechend den Verhältnissen an der Oberhaut über Zellfortsätze und durch die Bruch-Membran hindurch an das Pigmentepithel abgegeben wird.

Sinneszellen
Das innere Blatt der RetinaRetinaSinneszellenSinneszellen, Retina lässt sich in 9 histologisch abgrenzbare Schichten unterteilen. Dies besitzt glücklicherweise keine weitere Bedeutung, denn diese 9 Schichten gehören zu lediglich 3 Schichten hintereinander geschalteter Neurone, die als 1., 2. und 3. Neuron bezeichnet werden (Abb. 5.5):
  • Das 1. Neuron, dem Pigmentepithel direkt benachbart, ist die eigentliche Sinneszelle. Sie bildet verdickte Fortsätze (Zapfen oder Stäbchen), die man als dendritische Fortsätze dieser Nervenzellen betrachten kann. Sie weisen in Richtung des äußeren Blattes (Pigmentepithel) und nehmen lockeren Kontakt zu den Zellfortsätzen dieser Schicht auf. StäbchenStäbchen und ZapfenZapfen fangen die Lichtphotonen ein, wandeln sie in Potenzialänderungen ihrer Zellmembranen um und reichen das Ergebnis über ihre Axone an das 2. Neuron weiter.

  • Das 2. Neuron dient als Zwischenzelle (bipolare Nervenzelle), die den Impuls empfängt, um ihn zu modulieren und an das 3. Neuron weiterzuleiten.

  • Die 3. Neurone stellen einen aus dem Thalamus ausgestülpten Hirnanteil dar, was aber letztendlich für das gesamte Auge gilt, erkennbar u.a. an seiner Einscheidung durch Sklera und Cornea als direkter Fortsetzung der Dura mater. Die Axone der 3. Neurone bündeln sich zum NervusopticusN. opticus und tragen die Informationen nach Umschaltung im Thalamus schließlich zum SehzentrumSehzentrum der okzipitalen Sehrinde.okzipitale SehrindeSehrinde, okzipitale

Merke

Das Licht, das durch den vorderen Augenabschnitt und den angrenzenden Glaskörper zieht und schließlich auf die innere Membran der Netzhaut trifft, muss die Schichten der 3. und der 2. Neurone durchwandern, um an seinen eigentlichen Bestimmungsort, das 1. Neuron mit seinen lichtempfindlichen Fortsätzen (Zapfen und Stäbchen) zu gelangen.

Stäbchen und Zapfen
Obwohl die Funktion von Zapfen und Stäbchen vergleichbar ist, besitzen sie andere Schwerpunkte:
  • Die schlankeren StäbchenStäbchenZapfenRetinaStäbchen/Zapfen bilden Lichtinformationen wenig genau ab, erzeugen jedenfalls weit unschärfere Bilder als die Zapfen, sind jedoch hinsichtlich geringer Mengen einfallenden Lichts sehr viel empfindlicher. Gebraucht werden sie also vorrangig für das Sehen in der Dämmerung (Hell-Dunkel-Sehen), wo selbst schwach DämmerungssehenHell-Dunkel-Sehenangestrahlte Gegenstände zwar etwas unscharf, aber immerhin noch wahrgenommen werden können. Insgesamt gibt es in der Netzhaut pro Auge rund 120 Millionen an ersten Neuronen, die Stäbchen ausbilden.

  • Zapfen tragende Neurone gibt es lediglich in einer Zahl von etwa 6 Millionen/Auge. Sie sind einerseits für das FarbensehenFarbensehen zuständig, reagieren jedoch grundsätzlich auf helles Licht und lösen damit dann Strukturen sehr fein bzw. scharf auf. Wie spezialisiert diese Zellen sind, erkennt man daran, dass sie nicht auf das gesamte Lichtspektrum zwischen 400 und 800 nm reagieren, sondern lediglich auf Teilbereiche. So gibt es Zapfenzellen für blaues Licht, für rotes und für grünes. Sehr dicht stehen die Zapfenzellen da, wo die Abbildung der empfangenen Bilder besonders scharf sein muss – im Zentrum der Retina, während es in der Peripherie des Sichtfeldes nicht auf perfekte Abbildungen ankommt. Hier dominieren die Stäbchenzellen. Die enthaltenen Sehpigmente, die chemisch mit den Lichtphotonen reagieren, werden im Rahmen der Physiologie (Kap. 6.2.1) besprochen.

Pathologie

Rot-Grün-Blindheit

Die Farbpigmente Rot-Grün-Blindheitfür die blauen Zapfen werden vom Chromosom 7 kodiert, während die Pigmentinformation für die roten und grünen Zapfen auf dem X-Chromosom liegen. Störungen auf den Genen werden rezessiv vererbt. Wenn es auf dem X-Chromosom zu Mutationen im Bereich dieser Gene kommt, kann dies von der Frau (XX) kompensiert werden, von betroffenen Männern (XY) dagegen nicht. Es entsteht die angeborene Rot-Grün-Blindheit, von der immerhin 3 % aller Männer betroffen sind. Die Erkrankten sind nicht vollständig farbenblind; sie nehmen die Farben eher verändert wahr.
Frauen sind üblicherweise lediglich Konduktorinnen, also gesunde Merkmalsträgerinnen, welche die Erkrankung im statistischen Mittel an 50 % ihrer Söhne weitergeben. Nur aus Verbindungen, in denen der Vater rot-grün-blind und die Mutter Konduktorin ist, kann ein rot-grün-blindes Mädchen hervorgehen.
Eine vergleichbare Situation X-chromosomal rezessiver Vererbung entsteht bei der Hämophilie, Hämophilieeiner angeborenen Gerinnungsstörung (Fach Hämatologie), die deshalb ebenfalls fast nur Männer betrifft.

Exkurs

Es ist lange bekannt, dass ein gewichtiger Teil der zirkadianen Rhythmik durch den Lichteinfall gesteuert bzw. synchronisiert wird. Im Fach Endokrinologie (Kap. 6.2) wird besprochen, dass die Retina die Information des einfallenden Lichts über den Nucleus suprachiasmaticus des Hypothalamus zur Epiphyse leitet – und zwar unabhängig vom Sehvorgang, sodass die Tagesrhythmik in der Mehrzahl der Fälle sogar bei erblindeten Augen unangetastet bleibt. Man hat nun in der Netzhaut neben Stäbchen und Zapfen eine dritte Art von Sinneszellen identifiziert, die – ohne Beteiligung am Sehvorgang! – für diese Übertragung zuständig sind. Das gegenüber den Pigmenten der Stäbchen und Zapfen leicht abgewandelte Opsin (Kap. 6, Physiologie) erhielt aufgrund seiner Färbung die Bezeichnung Melanopsin. Diese Sinneszellen scheinen zusätzlich an den Pupillenreaktionen beteiligt zu sein.

Macula lutea und Fovea centralis
Zentral am Augenhintergrund, MaculaluteaFovea centralisalso auch exakt in der SehachseSehachse, befindet sich auf der Netzhaut ein Bereich, der sich von der Umgebung abgrenzen lässt. Er enthält eine große Anzahl dicht stehender Zapfen und nur sehr wenige Stäbchen. Dieser Bereich besitzt einen Durchmesser von 3–4 mm und ist etwa 4 mm von der Sehnervenpapille entfernt. Wegen seiner Färbung wird er als gelber Fleckgelber Fleck (Macula lutea) bezeichnet (Abb. 5.2, Abb. 5.6). Die gelbe Farbe entsteht durch die große Menge vorhandener Carotinoide (v.a. Lutein und Zeaxanthin sowie Vorstufen des Vitamin A wie z. B. β-Carotin).

Merke

Der gelbe Fleck ist bei der Spiegelung des Augenhintergrundes rötlich verfärbt, weil die reichliche Blutversorgung dieses Bereichs die eigentliche Farbe überdeckt (Abb. 5.6).

Zentral im gelben Fleck befindet sich eine Einsenkung, eine Grube (Fovea centralis), mit einem Durchmesser von lediglich 1,5 mm. Dies ist die Stelle des schärfsten Sehens, an der mehr als 100.000 Zapfenzellen in dicht gedrängter Anordnung beieinander stehen, während die Stäbchen vollständig fehlen.
Sehnerv
SehnervDer SehnervSehnerv Nervusopticus(N. opticus) ist der II. Hirnnerv. Seine Nervenzellen befinden sich als Ausstülpung des Zwischenhirns in der Netzhaut des Auges. Die Axone dieser Nervenzellen bündeln sich und verlassen gemeinsam als Sehnerv den Bulbus (Abb. 5.2). Die Austrittsstelle des Nervs wird als Papille bzw. SehnervenpapilleSehnervenpapille (Papilla oder Discus nervi optici) Papilla opticiDiscus nervi opticibezeichnet. Die Papille misst im Durchmesser gut 1,5 mm. Man findet sie beim Spiegeln des Augenhintergrundes 4 mm medial (= nasal) der Mitte (= gelber Fleck), erkennbar an einer Aufhellung und daran, dass sich von dieser Stelle aus Gefäße in die Retina hinein verzweigen (Abb. 5.6). Ursache ist der Verlauf von A. und V. centralis retinaeVenacentralis retinae inmitten des Nervs. Eingescheidet wird der Sehnerv als Teil des Gehirns von den Hirnhäuten, deren Dura mater beim Erreichen des Bulbus in die Sklera des Augapfels übergeht. Die Einscheidung des N. opticus durch die Hirnhäute bedeutet gleichzeitig, dass sich ein erhöhter Hirndruck bis zur Sehnervenpapille erstreckt und dort für den Augenarzt erkennbar wird (Stauungspapille, Kap. 8.9).
Eine Durchtrittsstelle für einen recht dicken Nerv, bestehend aus rund 1 Million Axonen, muss ein Loch im Bulbus erzeugen. Dies bedeutet, dass es an dieser Stelle keine Retina, mithin auch keine Zapfen und Stäbchen geben kann. Folglich kann an diese Stelle auftreffendes Licht nicht eingefangen werden. Die Papillenregion ist „blind“ und wird deshalb auch als blinder Fleckblinder Fleck Skotomebezeichnet. Dieser umschriebene Gesichtsfeldausfall (= Skotom) wird in der Sehrinde als „physiologisch abgespeichert“ und deshalb nicht bemerkt. Bei einer Entzündung des Nervs (Neuritis nervi optici) oder seiner druckbedingten Schädigung beim Glaukom kann sich das Skotom jedoch vergrößern und subjektiv bemerkbar werden.
Zentral in der Papille befindet sich eine leichte Einsenkung (Excavatio papillae), Excavatiopapillaeverursacht durch den physiologischen Augeninnendruck und die geringere Widerstandsfähigkeit dieses Bereichs, aus dem heraus sich die Gefäße in die Retina verzweigen. Bei pathologisch erhöhtem Augeninnendruck vertieft sich die Exkavation und liefert dem Augenarzt damit den entscheidenden Hinweis (Abb. 5.7).
Der Sehnerv weist bei seinem Austritt durch den Discus einen Durchmesser von lediglich 1,5 mm auf. Im Anschluss daran misst er dann allerdings etwa 4 mm, weil er nun von den Hirnhäuten umgeben ist, weil er von Gliazellen begleitet wird und weil seine Axone eine Myelinscheide erhalten.

Räume des Auges

Die drei Räume des AugeAugeRäumes bestehen aus der vorderen und hinteren Augenkammer sowie aus dem Glaskörper.

Vordere und hintere Augenkammer

Zwischen der nach außen vorgewölbten Kornea und den Strukturen von Iris (lateral) und Linse (medial) befindet sich ein Raum, der als vordere Augenkammer Augenkammer, hintere/vorderebezeichnet wird (Abb. 5.2). Dorsal der Iris, zwischen Ziliarkörper, Linse und angrenzendem Glaskörper, findet sich ein deutlich kleinerer Raum, der von den Zonulafasern durchzogen wird. Dies ist die hintere Augenkammer. Die Abgrenzung der beiden Kammern voneinander erfolgt also durch die Iris, die an ihrem medialen Rand der Linse aufliegt.
Beide Kammern sind flüssigkeitsgefüllt, wobei die vordere etwa 0,2 ml und die hintere 0,1 ml fasst. Diese Flüssigkeit heißt Kammerwasser und besteht tatsächlich weit überwiegend (zu > 98 %) aus Wasser, in dem die kleinmolekularen Bestandteile des Serums einschließlich Ionen, Aminosäuren und Glukose sowie Spuren von Eiweiß gelöst sind. Es wird ungefähr einmal pro Stunde ausgetauscht.
Kammerwasser
Gebildet und Kammerwasserin die hintere Augenkammer abgegeben wird das klare und farblose Kammerwasser von den Zotten des Ziliarkörpers. ZiliarkörperKammerwasserbildungVon hier aus sickert es zwischen Linse und aufliegender Iris in die vordere Augenkammer und, abhängig von der Menge bzw. vom aufgebauten Druck, in den Schlemm-KanalSchlemm-Kanal des Augenwinkels (Abb. 5.2). Dieser Druck liegt durchschnittlich bei 15–20 mmHg, mit einer Spanne zwischen 10 und 21 mmHg. Ist er chronisch erhöht, kommt es zum grünen Stargrüner Star (Glaukom; Kap. 8.6). Glaukom
Der Augenwinkel wird gebildet von Iris (an ihrem Entstehungsort am Ziliarkörper) und äußerem Rand der Kornea (an ihrem Übergang zur Sklera). In dieser Übergangszone befinden sich bindegewebige Trabekel, zwischen die spaltförmige Hohlräume für den Abfluss des Kammerwassers eingelassen sind. Am Ende dieses Trabekelwerks liegt der Schlemm-Kanal, ein endothelausgekleidetes, ringförmig im hinteren Randbereich der Sklera liegendes Sammelrohr, welches das Kammerwasser schließlich in einen venösen Plexus der Sklera ableitet.
Die Funktion des Kammerwassers besteht in der Ernährung der gefäßlosen Strukturen von Kornea und Linse, teilweise auch des Glaskörpers, und in der mechanischen Stabilisierung sowohl des vorderen als auch des hinteren Augenabschnitts, weil der Druck der Flüssigkeit sich über den Glaskörper bis zur Retina erstreckt. Dort bewirkt er einerseits das Anliegen des inneren Blattes auf dem Pigmentepithel und führt andererseits an der Sehnervenpapille zur physiologischen Excavatio. Liegt der Druck des Kammerwassers beim Glaukom über längere Zeit deutlich oberhalb 20 mmHg, vertieft sich die Excavatio papillae (s. oben).

Glaskörper

Beim GlaskörperGlaskörper handelt es sich um eine weitgehend zellfreie, gallertige, glasklare Masse, die den gesamten Raum zwischen Linse, Ziliarkörper und Retina ausfüllt (Abb. 5.2). Er besteht zu 98 % aus Wasser und zu knapp 2 % aus Hyaluronsäure – einem langkettigen Polysaccharid, das durch seine extreme Wasserbindungsfähigkeit für den gallertigen Zustand verantwortlich ist. Vereinzelte Fibrozyten sorgen für den Erhalt dieser Substanz sowie für ein feines Netz aus kollagenen Fibrillen, das die Stabilität erhöht. Blutgefäße und Nerven fehlen. Vor allem im Bereich der Ora serrata sowie an der Sehnervenpapille ist der Glaskörper über seine kollagenen Fibrillen an der Retina befestigt.
Durch die wässrige Konsistenz gleicht der Brechungsindex reinem Wasser, sodass der Glaskörper keinen nennenswerten Beitrag zur Fokussierung der Lichtstrahlen leistet. Die wesentliche Funktion besteht denn auch, neben der Füllung des leeren Raums, in der mechanischen Stabilisierung des Bulbus und im Aufbau eines ausreichenden Drucks auf die innere Membran der Netzhaut, die dadurch trotz ihres kapillären Spaltes zur äußeren Membran mit dieser verbunden bleibt. Wesentlich daran beteiligt ist, wie oben ausgeführt, der zusätzliche Druck des Kammerwassers über den Glaskörper in Richtung Retina.

Pathologie

Mouches volantes

Kleine, flusenartige, graue Trübungen im Glaskörper können als einzelne „Mücken“ oder auch als „MückenschwarmMückenschwarm“ (Mouches volantes), der den Augenbewegungen folgt, bemerkt werden. Mouches volantesDiese gutartigen Verklumpungen aus kollagenen Fibrillen sind häufig; sie verlieren sich in der Regel von alleine wieder. Die vereinzelten grauen „Mücken“ einer Trübung dürfen nicht mit den meist sehr viel zahlreicheren schwarzen „Mücken“ verwechselt werden, die eine Einblutung z. B. im Rahmen einer Netzhautablösung anzeigen und damit einen hochakuten Notfall darstellen (Kap. 8.8). Auch beim Diabetes mellitus oder bei arterieller Hypertonie kann es zu Einblutungen kommen. Stoffwechselerkrankungen (Amyloidose, Diabetes mellitus, Morbus Cushing) können zu Ablagerungen und in diesen Fällen meist irreversiblen (grauen) Trübungen im Glaskörper führen.

Zusammenfassung

Anatomie des Auges

  • Aufbau des kugeligen Augapfels (Bulbus oculi) aus 3 Hüllen und 3 enthaltenen Räumen

Hüllen (von außen nach innen)

  • Lederhaut = Sklera (hinterer Anteil), Hornhaut = Kornea (vorderer Anteil): Schutz und Stabilisierung des Auges

  • mittlere Augenhaut (Uvea): besteht aus 3 Anteilen:

    • Aderhaut (Choroidea): hinterer Anteil, dient der Blutversorgung der Augenhüllen, geht vorne in den Ziliarkörper über, enthält reichlich Melanozyten

    • Ziliarkörper (Corpus ciliare): mittlerer Anteil der Uvea, über Zonulafasern mit der Linse verbunden, muskulärer Anteil (→ Akkommodation über die Zonulafasern), bindegewebiger Anteil (→ Produktion des Kammerwassers)

    • Regenbogenhaut (Iris): vorderster Abschnitt der mittleren Augenhülle, durch eingelagertes Pigment aus Melanozyten lichtundurchlässig, dient mit den enthaltenen Mm. sphincter und dilatator pupillae der Veränderung der Pupillenweite und damit als Blende für den Lichteinfall - ergänzt durch die Augenlider

  • Netzhaut (Retina): wandelt einfallendes Licht (Photonen) in Potenzialänderungen

Aufbau der Netzhaut aus 3 hintereinandergeschalteten Neuronen

  • 1. Neuron: Sinneszellen mit Zapfen (scharfes Sehen bei Tag, Farbensehen) oder Stäbchen (unscharfes Sehen in der Dämmerung)

  • 2. Neuron: dient der Weiterleitung der entstandenen Potenziale

  • 3. Neuron: innerste Schicht der Netzhaut, dem Glaskörper benachbart; die Axone dieser Neurone bündeln sich zum Sehnerven (N. opticus)

Sehnerv (N. opticus)

  • entsteht aus etwa 1 Mio. Axonen/Auge an der Papille (blinder Fleck) und zieht von hier aus ins Schädelinnere

Räume des Auges

  • vordere Augenkammer zwischen Kornea, Iris und Linse

  • hintere Augenkammer zwischen Ziliarkörper, Iris, Linse und Glaskörper

  • Glaskörper: bildet den größten Raum des Auges; gallertige, glasklare Masse zwischen Ziliarkörper, Linse und Netzhaut

Kammerwasser

  • füllt die beiden Augenkammern

  • besteht aus seröser Flüssigkeit, allerdings weitgehend ohne deren Proteine

  • dient der mechanischen Stabilisierung (Druckaufbau 15–20 mmHg) und der Ernährung von Linse und Kornea

  • wird von den Zotten des Ziliarkörpers gebildet und in die hintere Augenkammer abgegeben

  • Ableitung aus der vorderen Augenkammer in den Schlemm-Kanal des Augenwinkels

Brecheinrichtungen zur Bündelung und Fokussierung der Sehinformationen

  • Kornea: 43 Dioptrien Brechkraft (unveränderbar), ist abgestimmt auf das scharfe Sehen in die Ferne

  • Linse: 15 Dioptrien Brechkraft; kann über die Zonulafasern und ihre eigene Elastizität den Erfordernissen (Akkommodation) angepasst werden

Gelber Fleck mit Fovea centralis

  • Stelle schärfsten Sehens

  • befindet sich exakt in der Sehachse

  • Gelbfärbung durch eingelagerte Carotinoide (v.a. Lutein und Zeaxanthin)

  • enthält nur Zapfen

Blutversorgung

Arterielle Versorgung

AugeArterienAugeBlutversorgungDie arterielle Versorgung des Auges und seiner Hilfseinrichtungen erfolgt weit überwiegend aus der Arteria(-ae)ophthalmicaA. ophthalmica (Abb. 5.8). Die Augenarterie entspringt als 1. Ast der Arteria(-ae)carotis internaA. carotis interna aus dem sog. Carotissiphon Carotissiphondes Sinus cavernosus, bald nach deren Eintritt in die Schädelhöhle und anschließendem Verlauf durch das Felsenbein zum Sinus cavernosus (Fach Neurologie). Von dort aus zieht sie schließlich gemeinsam mit dem Sehnerv durch den Canalis opticus Canalis opticusan der Rückfläche der Orbita.
Eine der Abzweigungen der A. ophthalmica ist die Arteria(-ae)centralis retinaeA. centralis retinae. Sie tritt retroorbital, etwa 1 cm hinter dem Discus nervi optici in den N. opticus ein, um zentral in seiner Mitte zum Auge zu gelangen. Von der Sehnervenpapille aus verzweigt sich die Arterie auf der inneren Oberfläche der Retina in 4 Arteriolen zur Versorgung ihrer inneren Schichten. Der äußere Anteil der Netzhaut einschließlich des Pigmentepithels enthält keine Gefäße; er wird aus den inneren Schichten sowie aus der Aderhaut durch Diffusion ernährt. Die Arteriolen der Netzhaut können am AugenhintergrundAugenhintergrund beurteilt werden. Sie sind wegen des sauerstoffreichen Blutes heller und gleichzeitig – wie im ganzen Organismus üblich – dünner als die rückführenden Venolen, die in die V. centralis retinaeVenacentralis retinae münden.

Merke

Ausschließlich am AugenhintergrundAugenhintergrund lassen sich Blutgefäße direkt und ohne Eingriff beobachten und hinsichtlich etwaiger Veränderungen beurteilen. Größte Bedeutung besitzt dies in der Verlaufsbeobachtung von Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder arterieller Hypertonie.

Die übrigen Abzweigungen der A. ophthalmica verlaufen unabhängig vom Sehnerven zu allen weiteren Strukturen des Auges und seiner Umgebung – u.a. zu Aderhaut, knöcherner Orbita, periorbitalem Gewebe, Augenmuskeln, Teilen von Lidern und Stirn oder Tränendrüse.

Venöse Entsorgung

AugeVenenDas venöse Blut des Auges wird in 2 große Gefäße abgeleitet, die Venaophthalmica superiorVenaophthalmica inferiorV. ophthalmica superior und die V. ophthalmica inferior (Abb. 5.9). Ein Teil dieses Blutes gelangt anschließend zum Sinus cavernosusSinuscavernosus, einem venösen Sammelbecken neben der Sella turcica, in das auch Blut aus Hirnanteilen mündet.
Die Besonderheit dieses venösen Abflusses besteht darin, dass Blut aus dem Gesichtsbereich, also dem Entsorgungsbereich der V. facialis, über die Augenvenen ins Schädelinnere abgeleitet wird – v.a. über die VenaangularisV. angularis des inneren Augenwinkels sowie über die VenasupraorbitalisV. supraorbitalis. Ein Teil des Blutes zwischen Oberlippe und Stirn gelangt also über die Vv. ophthalmicae zum Sinus cavernosus.

Pathologie

Sinus-cavernosus-Thrombose

Bei eitrigen Prozessen wie z. B. einem FurunkelFurunkelSinus-cavernosus-Thrombose oberhalb der Oberlippe können Bakterien oder entzündliche Abszessanteile abgeleitet werden und zur EnzephalitisEnzephalitis, Sinus-cavernosus-Thrombose, zum HirnabszessHirnabszessSinus-cavernosus-Thrombose oder zur Sinus-cavernosus-ThromboseSinus-cavernosus-Thrombose führen. Dies ist mit unmittelbarer Lebensgefahr verbunden und deshalb als dringlicher Notfall anzusehen.
Die Symptome der Sinus-cavernosus-Thrombose Sinus-cavernosus-Thromboseentstehen aus der evtl. vorhandenen entzündlichen Beteiligung von Hirnsubstanz, aus dem venösen Rückstau in Hirnanteile sowie, äußerlich erkennbar und diagnostisch verwertbar, dem venösen Stau in den Bereich des Auges:
  • Exophthalmus durch retrobulbäres Ödem

  • Ödeme des periorbitalen Gewebes (z. B. der Lider)

  • Einblutungen in die Konjunktiva (venöser Rückstau)

  • Kopfschmerzen, Meningismus, evtl. Fieber

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Eintrübungen des Patienten bis hin zum Koma

  • epileptische Anfälle (entzündlich oder durch venösen Stau in zerebrale Anteile mit Hirnödem)

  • Lähmungen einzelner Augennerven – z. B. weite und lichtstarre Pupille durch Ausfall des parasympathischen Anteils des N. oculomotorius, Lähmungsschielen durch Ausfall des N. abducens

  • Stauungspapille durch gesteigerten Hirndruck (Vorwölbung und Trübung der Papille)

Augenmuskeln

Äußere Augenmuskeln

Die Augenbewegungen lassen sich Augenmuskelnäußereschneller und präziser steuern als die Bewegungen sämtlicher weiteren Strukturen des menschlichen Körpers. Ermöglicht wird dies durch die äußeren Augenmuskeln, deren Innervation durch verschiedene Hirnnerven zu motorischen Einheiten führt, die beinahe einem 1 : 1-Verhältnis zwischen Nervenfaser und Muskelzelle entspricht (Fach Bewegungsapparat). Zusätzlich sind nicht weniger als 6 Muskeln an den Bewegungen des Bulbus beteiligt, sodass sich feinste Abstufungen erreichen lassen.
Die Bewegungen des Augapfels (Abb. 5.10) erfolgen nach medial (Adduktion) und lateral (Abduktion), nach oben und unten. Die Bewegungsrichtung nach medial lässt sich auch mit nasal, diejenige nach lateral als temporal beschreiben. Für die 4 Blickrichtungen sind gerade (= rectus) verlaufende Muskeln zuständig:
  • Musculus(-i)rectus superiorM. rectus superior

  • M. rectus inferiorMusculus(-i)rectus inferior

  • M. rectus lateralisMusculus(-i)rectus lateralis

  • M. rectus medialisMusculus(-i)rectus medialis

Zusätzlich sind auch schräge Richtungen oder Rotationen des gesamten Bulbus nach außen oder innen möglich. Diese Drehbewegungen werden durch die beiden schräg (= obliquus) verlaufenden Muskeln ermöglicht:
  • M. obliquus superiorMusculus(-i)obliquus superior

  • M. obliquus inferiorMusculus(-i)obliquus inferior

Merke

Die Mehrzahl der äußeren Augenmuskeln führt keine reinen, sondern kombinierte Bewegungen aus – z. B. sowohl nach oben oder unten als auch gleichzeitig nach medial oder lateral. Die Folge davon ist, dass sich die Augenbewegungen zumeist aus einer Aktivierung mehrerer Muskeln zusammensetzen. Lediglich die beiden Mm. rectus medialis und lateralis bewirken isolierte Blickwendungen nach nasal und temporal.

Die äußeren Augenmuskeln entspringen überwiegend dorsal in der Orbita von einem gemeinsamen Sehnenring (Anulus tendineus; Abb. 5.1b) Anulus tendineusam Durchtritt für den Sehnerven (Canalis opticus) und strahlen in das kollagene Bindegewebe der Sklera (Abb. 5.11). Dabei sind die unterschiedlichen Achsen der Orbita mit ihren Muskeln einerseits und der hierzu nach medial abweichenden Sehachse andererseits zu berücksichtigen. Zum Beispiel übt der M. rectus superior hierdurch bedingt einen Zug aus, der den Bulbus nicht nur nach oben, sondern gleichzeitig auch nach medial (nasal) wendet.

Exkurs

Die Funktion des M. obliquus superior (kombinierte Bewegung der Pupille nach unten und außen unter gleichzeitiger Rotation nach innen) wird erst dann verständlich, wenn man seinen Verlauf zu einem Hypomochlion (Trochlea) am medialen Augenwinkel beachtet. Erst von dort aus erreicht er dann den Bulbus oben hinten und lateral. Damit entspricht seine Wirkung exakt der Situation, als ob er nicht vom Anulus tendineus entspringen würde, sondern vom medialen Augenwinkel.

Natürlich wäre es evolutionär kein Problem gewesen, den Ursprung auch tatsächlich dorthin zu verlegen, doch wäre seine Kraftentwicklung dann deutlich schwächer ausgefallen, weil damit der zweite Muskelbauch nicht mehr zur Verfügung gestanden hätte. Für die Ableitung seiner Wirkung sollte man der Einfachheit halber dennoch die Trochlea (Umlenkrolle) als funktionellen (gedachten) Ursprung wählen. Andererseits genügt es im Hinblick auf die Prüfung auch, wenn man die Wirkungen der äußeren Augenmuskeln auf diejenigen der Rektusmuskeln begrenzt und darauf reduziert, dass der obere Rektusmuskel den Blick nach oben wendet und der untere nach unten, während der laterale Rektusmuskel das Auge nach außen (temporal) bewegt und der mediale nach innen in Richtung Nase (= nasal). Das lässt sich leicht einprägen und reicht selbst für den medizinischen Alltag des Nicht-Augenarztes vollkommen aus.

Die äußeren AugenmuskelnAugenmuskelnäußere sind quergestreift und werden willkürlich durch Hirnnerven innerviert (Fach Neurologie):
  • Musculus(-i)rectus superiorM. rectus superior: Blickwendung nach oben und medial; Innervation: N. oculomotorius (III. Hirnnerv)

  • Musculus(-i)rectus inferiorM. rectus inferior: Blickwendung nach unten und medial; Innervation: N. oculomotorius

  • Musculus(-i)rectus medialisM. rectus medialis: Blickwendung nach medial; Innervation: N. oculomotorius

  • Musculus(-i)rectus lateralisM. rectus lateralis: Blickwendung nach lateral; Innervation: N. abducens (VI. Hirnnerv)Nervusabducens

  • Musculus(-i)obliquus superiorM. obliquus superior: Blickwendung nach unten und lateral; dreht den Bulbus nach innen; Innervation durch den NervustrochlearisN. trochlearis (IV. Hirnnerv)

  • Musculus(-i)obliquus inferiorM. obliquus inferior: Blickwendung nach oben und lateral; dreht den Bulbus nach außen; Innervation durch den NervusoculomotoriusN. oculomotorius

Gut merken lässt sich, dass die verschiedenen Anteile des N. oculomotorius eigentlich nahezu alles alleine machen und den Nn. trochlearis und abducens jeweils nur einen einzigen Muskel „übrig lassen“.
Zusätzlich finden sich mit Wirkung auf das Auge bzw. seine Hilfseinrichtungen 3 weitere Muskeln (Kap. 5.6.1):
  • Musculus(-i)orbicularis oculiM. orbicularis oculi: umgibt ringförmig Auge und Lider, schließt das Auge, ermöglicht den Lidschlag; Innervation durch den N. facialis (VII. Hirnnerv)

  • Musculus(-i)levator palpebraeM. levator palpebrae: öffnet das Auge durch Hebung des Oberlids; Innervation durch den N. oculomotorius (Abb. 5.11)

  • Musculus(-i)tarsalisM. tarsalis: hebt das Oberlid, senkt das Unterlid, erweitert damit die Lidspalte; glatter Muskel mit Innervation aus dem zervikalen Grenzstrang des Sympathikus

Innere Augenmuskeln

Die inneren AugenmuskelnAugenmuskelninnere sind glatt und vegetativ (unwillkürlich) innerviert. Sie dienen der Funktion der Iris und der AkkommodationAkkommodation:
  • M. sphincter pupillae: Musculus(-i)sphincter pupillaeVerengung der Pupille; Innervation durch parasympathische Anteile des N. oculomotorius

  • M. ciliaris: Musculus(-i)ciliarisermöglicht durch seine Kontraktion die Entspannung der Zonulafasern und damit die Abkugelung der Pupille für die Akkommodation; Innervation durch parasympathische Anteile des N. oculomotorius

  • M. dilatator pupillae: Musculus(-i)dilatator pupillaeErweiterung der Pupille; Innervation durch den Halssympathikus

Der Sympathikus stimuliert zusätzlich die Produktion des Kammerwassers, was evolutionär möglicherweise damit zusammenhängt, dass der Druck in der vorderen Augenkammer und damit auch die Vorwölbung der Kornea gerade im Hinblick auf Kampf und Flucht vollständig sein sollte.

Zusammenfassung

Augenmuskeln und ihre nervale Versorgung

  • Der N. oculomotorius (III. Hirnnerv) versorgt sozusagen in Personalunion nahezu das gesamte Auge:

    • Mm. rectus superior, inferior, medialis

    • M. obliquus inferior

    • M. levator palpebrae (Öffnung des Auges)

    • M. ciliaris, M. sphincter pupillae (parasympathische Faseranteile)

  • N. abducens (VI. Hirnnerv): M. rectus lateralis (Abduktion des Bulbus)

  • N. trochlearis (IV. Hirnnerv): M. obliquus superior

  • N. facialis (VII. Hirnnerv): M. orbicularis oculi (Schließen des Auges, Lidschlag)

  • Sympathikus (aus dem zervikalen Grenzstrang): M. dilatator pupillae, zusätzlich im Sinne eines noch weiter verbesserten Überblicks bei drohender Gefahr M. tarsalis und M. orbitalis (s. unten bei Kap. 5.6.1), ergänzt durch die zusätzliche Produktion von Kammerwasser

Schutzeinrichtungen des Auges

Dem Schutz des Auges vorAugeSchutzeinrichtungen Fremdeinwirkungen und Fremdkörpern, vor übermäßigem Lichteinfall und vor dem Austrocknen dienen die Lider mit ihren Drüsen, der Tränenapparat und eine bindegewebige Schleimhaut (Konjunktiva), die die Innenseite der Lider und die Skleren bis zum Limbus corneae überzieht.

Augenlider

Struktur und Festigkeit der AugenliderAugenlider (Palpebrae)Palpebrae werden v.a. vom TarsusTarsus erzeugt. Der Tarsus stellt eine gebogene Platte aus straffem, kollagenfaserreichem Bindegewebe dar (Abb. 5.12). Aufgelagert ist der Musculus(-i)orbicularis oculiM. orbicularis oculi, der Ringmuskel des Auges. Außen werden die Lider von einer sehr dünnen Haut überzogen, die abgesehen von ihrem geringen Durchmesser der üblichen Oberhaut entspricht und auch vereinzelt Talg- und Schweißdrüsen enthält. Innen liegt die KonjunktivaKonjunktiva (Bindehaut) den Lidern auf. Sie geht an den inneren Lidrändern in die Konjunktiva desBindehaut Bulbus über, sodass ein einheitlicher Raum entsteht. Außerdem wird dadurch der Binnenraum der Orbita gegen die Umwelt abgedichtet.
Am freien Rand der Lider sind die WimpernWimpern eingelassen – Terminalhaare, die 2–3-mal/Jahr ausgewechselt werden. Sie besitzen Schutzfunktion.
Drüsen
In die hintere Fläche desAugeDrüsen Tarsus sind etwa 20 große und verzweigte TalgdrüsenTalgdrüsen, Auge eingelassen, die man als Meibom-DrüsenMeibom-Drüsen bezeichnet (Abb. 5.13). Ihr Sekret mündet über lange gemeinsame Ausführungsgänge am freien Lidrand. Der Talg ergänzt die Funktion der Tränenflüssigkeit und überzieht gemeinsam mit ihr die freie Oberfläche des Auges. V.a. die Kornea, die ohne den Schutz einer bedeckenden Konjunktiva auskommen muss, wird dadurch vor dem Austrocknen geschützt.
Direkt am Lidrand finden sich weitere, sehr kleine Talgdrüsen, die sog. Zeis-DrüsenZeis-Drüsen. Sie münden in die Haarfollikel der Wimpern und dienen deren Fettung.
Wie allgemein üblich (Fach Dermatologie) sind den Wimpern als Terminalhaaren neben den Talgdrüsen (Zeis) auch apokrine SchweißdrüsenSchweißdrüsen, apokrine zugeordnet, die sog. Moll-DrüsenMoll-Drüsen (Abb. 5.13). Ihr Sekret besitzt trotz seines alkalischen pH-Wertes eher antibakterielle Eigenschaften.

Pathologie

Hordeolum (Gerstenkorn) (Abb. 5.14)

Bei systemischer HordeolumGerstenkornoder lokaler Immunschwäche können Bakterien (meist Staphylo- oder Streptokokken) durch die Ausführungsgänge in die Drüsen gelangen und sehr schmerzhafte eitrige Entzündungen hervorrufen. Bei Befall der Lidranddrüsen (Zeis- und Moll-Drüsen) entsteht das Hordeolum externum, bei Eiterung der Meibom-Drüsen das meist sehr viel umfangreichere Hordeolum internum.
Zur Therapie gibt man antibiotische Salben oder versucht, durch lokale Wärmeapplikation (z. B. heißer Teebeutel) eine Eröffnung mit Abfluss des Eiters zu erreichen. Andernfalls muss durch den Augenarzt inzidiert werden.

Chalazion (Hagelkorn) (Abb. 5.15)

Im Gegensatz ChalazionHagelkornzum Gerstenkorn stellt das Hagelkorn eine chronisch-granulierende, nicht eitrige Entzündung der Meibom-Drüsen dar. Ursache ist nicht das Eindringen von Bakterien, sondern ein Sekretstau durch Abflussbehinderung des Talgs. Hagelkörner tasten sich sehr derb bzw. hart und für den Patienten wenig oder gar nicht schmerzhaft.
Die Therapie kann versuchsweise mit lokalen Glukokortikoiden erfolgen. Tritt keine Besserung ein, werden die Knoten ausgeschält.
Bewegungen der Lider
Der AugenschlussSchluss der Lider wirdAugenliderBewegungen durch den Ringmuskel des Auges Musculus(-i)orbicularis oculi(M. orbicularis oculi) bewirkt. Der Muskel strahlt mit seinen Fasern vom Stirnbein bzw. der Maxilla in den Bereich oberhalb der Tarsi (Abb. 5.1a). Die Innervation durch den N. facialis entspricht der gesamten mimischen Gesichtsmuskulatur (Fach Neurologie).
Der wesentliche Teil der AugenöffnungAugenöffnung erfolgt durch den Musculus(-i)levator palpebraeM. levator palpebrae, der über seine Sehne lediglich ins Oberlid einstrahlt (Abb. 5.1a). Innerviert wird der Lidheber durch den NervusoculomotoriusN. oculomotorius, der auch die Mehrzahl der äußeren Augenmuskeln versorgt.
Der sympathisch innervierte Musculus(-i)tarsalisM. tarsalis setzt am Oberrand (Oberlid) bzw. Unterrand (Unterlid) des Tarsus an und unterstützt durch seine Funktion die Lidhebung des M. levator palpebrae. Er dient also nicht dem Öffnen des Auges, sondern verstärkt lediglich die Funktion des eigentlichen Lidhebers. Lidheber
Eine Aktivierung des Sympathikus führt dementsprechend zur Erweiterung der Lidspalte. Da die beiden Anteile des Vegetativums, Sympathikus und Parasympathikus, sehr unterschiedlich aktiv, jedoch in ihrer Aktivität nie vollständig bei null sind, verengt ein kompletter Ausfall der sympathischen Innervation die Lidspalte, auch wenn der Sympathikus zuvor überhaupt nicht erkennbar aktiv war. Diese Verengung mit Herabhängen des Oberlids – bei allerdings gleichzeitig erfolgendem Anheben des Unterlids – wird als PtosisPtosis bezeichnet.
Der Sympathikus als Teil des Vegetativums dient Kampf und Flucht, allgemein v.a. körperlichen Aktivitäten bis hin zum Versuch zu überleben. Hierfür werden viele Dinge benötigt (Fach Endokrinologie), u.a. auch ein möglichst perfekter Überblick über das Geschehen. Nicht umsonst wurde im Laufe der Evolution aus diesem Grund einzelnen Augenmuskeln die Willkürmotorik entzogen und dem Sympathikus zugeordnet. Im Augenblick der Gefahr werden Lidspalte (M. tarsalis) und Pupille (M. dilatator pupillae) erweitert („schreckgeweitete Augen“) und der gesamte Bulbus ein klein wenig nach vorne geschoben Musculus(-i)orbitalis(M. orbitalis), um das Gesichtsfeld zusätzlich zu erweitern.

Pathologie

Beim Ausfall des Sympathikus verlieren M. tarsalis, M. dilatator pupillae und M. orbitalis vollständig ihre Funktionen: Pupille (Miosis) und Lidspalte (Ptosis) werden eng, der Augapfel sinkt um eine Kleinigkeit in die Orbita zurück (Enophthalmus). Dieser tatsächlich in geringem Umfang stattfindende Enophthalmus wird durch die enge Lidspalte dem Anschein nach nochmals verstärkt. Die Trias aus MiosisMiosis, PtosisPtosis und EnophthalmusEnophthalmus bezeichnet man als Horner-Trias oder Horner-SyndromHorner-Syndrom.

Ursachen für den Ausfall des Sympathikus bestehen z. B. in Schädigungen des Hirnstamms mit der Medulla oblongata oder in umschriebenen Störungen des Halssympathikus, u.a. infolge eines einwachsenden Tumors (Mammakarzinom, Pancoast-Tumor der Lungenspitze). Hier findet sich das Horner-Syndrom dann einseitig auf der Seite der Schädigung.

Tränenapparat

Die TränendrüseTränendrüsen (Glandula lacrimalis) Glandula lacrimalisbefindet sich im oberenTränenapparat lateralen Bereich der Orbita, teilweise dem Rand aufliegend und teilweise in die Höhlung hineinreichend. Jede der beiden Drüsen besitzt etwa 10 Ausführungsgänge, die lateral in die Umschlagsfalte (Fornix) zwischen Oberlid und Lederhaut münden (Abb. 5.16).
Die Tränendrüse ist sympathisch und parasympathisch innerviert. Man kann sie hinsichtlich Aufbau und Funktion mit den großen Speicheldrüsen vergleichen. Ihr Sekret, die TränenflüssigkeitTränenflüssigkeit, ist farblos und wegen ihrer Immunfaktoren wie u.a. IgA und Lysozym steril. Enthalten sind nur sehr geringe Mengen Eiweiß. In ihrer weiteren Zusammensetzung und dem pH-Wert entspricht sie in etwa dem Serum. Der zum Serum isotone Gehalt an Kochsalz erzeugt den Salzgeschmack. Die täglich insgesamt gebildete Menge liegt lediglich bei 1–2 ml.
Die Tränenflüssigkeit wird durch den Lidschlag verteilt und letztlich zum medialen Augenwinkel befördert, wo sie an den TränenpünktchenTränenpünktchen über 2 Kanäle (Canaliculus lacrimalisCanaliculus lacrimalis) in den TränensackTränensack (Saccus lacrimalis) Saccus lacrimalisfließt. Vom Tränensack aus wird die Flüssigkeit zuletzt durch den Tränennasengang (Ductus nasolacrimalis)Ductusnasolacrimalis Tränennasengangin denNasengang/-gängeunterer unteren Nasengang (Meatus nasi inferior) abgeleitet.

Merke

Die Immunfaktoren der sterilen Tränenflüssigkeit reichen nicht dazu aus, die äußere Oberfläche des Auges keimfrei zu halten. Sie ist deshalb entsprechend sämtlichen äußeren und inneren Körperoberflächen bakteriell besiedelt.

Exkurs

Augentropfen werden recht gut in die vorderen Augenabschnitte resorbiert. Enthaltene Wirkstoffe gelangen nach Verbrauch in den lokalen Strukturen nur in äußerst geringem Umfang in den systemischen Kreislauf, sodass sie nach Verdünnung im Blut höchstens minimale, eher theoretische Nebenwirkungen entfalten können. Allerdings gelangt ein erheblicher Teil des ins Auge applizierten Tropfens über den Ductus nasolacrimalis auf die Nasenschleimhaut, weshalb die von dort resorbierte Menge an Wirkstoff im Einzelfall systemische Wirkungen verursachen könnte. Dieser Anteil lässt sich aber ganz gut vermeiden, indem der Patient direkt nach Verabreichung des Tropfens mit einem (sauberen) Finger für 1–2 min auf den inneren Augenwinkel mit seinen Tränenpünktchen drückt und damit das Abfließen in die Nase so lange verhindert, bis die Flüssigkeit weitgehend ins Auge resorbiert worden ist.

Funktion
Die Tränenflüssigkeit vereinigt 3 Funktionen:
  • Sie reinigt die Oberfläche von Sklera und Kornea von kleinen Schmutzpartikeln,

  • befeuchtet sie und gleicht kleine Unregelmäßigkeiten aus;

  • durch ihre Immunfunktion schützt sie das Auge vor Infektionen.

Unterstützt wird sie in ihren Funktionen durch den Fettfilm der Meibom-Drüsen und den Schleim der Becherzellen der Bindehaut. Der insgesamt entstehende Schmierfilm dient auch dem problemlosen Gleiten der Augenlider und haftet zusätzlich länger auf dem Auge, indem eine rein wässrige (Tränen-)Flüssigkeit sehr viel schneller ablaufen oder verdunsten würde.

Pathologie

Wie bedeutsam der Schmierfilm in seiner Verteilung durch die Augenlider für die Oberfläche des vorderen Augenabschnitts ist, erkennt man z. B. bei einem ausgeprägten Exophthalmus,Exophthalmus bei dem die Lider relativ „zu kurz“ werden und im Bereich der Kornea evtl. keinen ausreichenden Film mehr zustande bringen. Das kann im Einzelfall zu Schädigungen der Oberfläche bis hin zu Hornhautgeschwüren führen. Begünstigt wird dies durch den seltenen Lidschlag (sog. Stellwag-Zeichen)Stellwag-Zeichen v.a. beim Morbus Basedow.

Natürlich lässt sich nicht übersehen, dass die Tränenflüssigkeit als weitere Funktion auch Trauer oder Schmerz eines Menschen erkennen lässt und ein Schutz- bzw. Hilfsbedürfnis erzeugt, seltener auch eine übermäßige Freude bzw. Lustigkeit ausdrückt, wenn jemand „Tränen lacht“.

Konjunktiva

Die BindehautBindehaut (Konjunktiva)Konjunktiva ist der schleimhautähnliche, bindegewebige Überzug der Innenseite der Augenlider und des Bulbus, soweit dessen Lederhautanteil am vorderen Augenabschnitt erkennbar wird. Die Hornhaut bleibt frei, weil das durchfallende Licht andernfalls irregulär abgelenkt oder sogar absorbiert würde. Auf der Rückseite der Lider ist sie mit dem Tarsus verwachsen, im Bereich der Falte (Fornix conjunctivae) am Übergang zur Sklera weist sie Falten auf, um Augen- und Lidbewegungen auszugleichen. Hier besitzt sie in ihrem Epithel aus wenigen Lagen auch zahlreiche Becherzellen, wie sie sonst nur in Schleimhäuten anzutreffen sind. Der nahtlose Übergang von den Lidern zur Sklera bewirkt eine Abdichtung des Bulbus.
Die Bindehaut besteht aus einem sehr zarten Gewebe und ist durchscheinend, sodass die Sklera, „das Weiße im Auge“, sichtbar bleibt. Ihre Blutgefäße sind leicht abzugrenzen. Ähnlich einer Schleimhaut ist sie glatt und an ihrer Oberfläche angefeuchtet.

Pathologie

Hyposphagma

In Einzelfällen kann esHyposphagma zu kleinen Undichtigkeiten der konjunktivalen Gefäße kommen, sodass umschriebene Einblutungen (= Hyposphagma) meist zwischen Konjunktiva und Lederhaut entstehen. Nicht immer sind dafür zweifelsfreie Ursachen auszumachen. In Frage kommen beispielsweise neben Gerinnungsstörungen ein arterieller Hochdruck oder ein venöser Stau beim Valsalva-ManöverValsalva-ManöverHyposphagma. Das Hyposphagma hat keine nennenswerten Auswirkungen, wird aber trotzdem bei den Krankheitsbildern (Kap. 8.1, Konjunktivitis) etwas genauer besprochen, weil es alltags- und prüfungsrelevant ist.

Zusammenfassung

Schutzeinrichtungen des Auges

Augenlider

  • mechanische Stabilität durch den Tarsus

  • Meibom-Drüsen des Tarsus: Fettüberzug der Kornea, Ergänzung der Tränenflüssigkeit

  • Zeis-Drüsen: Talgdrüsen der Wimpern

  • Moll-Drüsen: apokrine Schweißdrüsen (= Duftdrüsen) der Wimpern

  • Schluss der Lider und Lidschlag durch M. orbicularis oculi

  • Öffnung durch M. levator palpebrae (Oberlid) und M. tarsalis (beide Lider, sympathisch innerviert)

Horner-Trias: bei Ausfall sympathisch innervierter Muskeln

  • Miosis (M. dilatator pupillae)

  • Ptosis (M. tarsalis)

  • Enophthalmus (M. orbitalis)

Tränenapparat

  • Tränendrüse lateral am Orbitaoberrand, etwa 10 Ausführungsgänge

  • Tränenflüssigkeit wird durch den Lidschlag verteilt und zum medialen Augenwinkel befördert

  • Abfluss über Tränenpünktchen, Kanäle und Tränensack in den Tränennasengang

  • Funktion: Reinigung, Befeuchtung, immunologischer Schutz

Bindehaut (Konjunktiva)

  • überzieht Rückseite der Lider und vorderen Anteil der Sklera

  • Kornea bleibt frei

  • zartes Bindegewebe, aufgrund enthaltener Becherzellen mit Eigenschaften einer Schleimhaut

  • lokale Einblutungen (Hyposphagma) meist von geringer Bedeutung

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen