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B978-3-437-58042-0.00007-4

10.1016/B978-3-437-58042-0.00007-4

978-3-437-58042-0

Abb. 7.1

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Sehzeichen

Abb. 7.2

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Erfassung von Farbensinnstörungen. Auf pseudoisochromatischen Tafelnpseudoisochromatische Tafeln, FarbensinnstörungenFarbsinnstörungen, pseudoisochromatische Tafeln unterscheiden sich die Punkte nur durch ihren Farbton und ihre Sättigung, nicht jedoch durch ihren Helligkeitswert.

Abb. 7.3

[L106]

PupillenreaktionenPupillenreaktionen. 1–4 Normalbefund: Die Pupillen sind im Dunkeln (1) und Hellen (2) gleich weit. Sie reagieren bei Beleuchtung des rechten (3) und linken (4) Auges gleich. 5–6 Störung der Afferenz (Sehnerv, Netzhaut) des linken Auges: Beide Pupillen reagieren besser, wenn das rechte Auge beleuchtet wird (5), im Vergleich zur Beleuchtung des linken Auges (6). 7–10 Störung der Pupillenreaktion rechts: Die Efferenz ist gestört. Die Pupillen sind unterschiedlich weit (Anisokorie),Anisokorie was im Hellen, wo sich die rechte Pupille verengen müsste, noch deutlicher wird (8). Die Reaktion der normal reagierenden linken Pupille ist gleich, unabhängig davon, ob sie selbst (direkte Lichtreaktion; 10) oder die rechte Pupille (konsensuelle Lichtreaktion; 9) beleuchtet wird. 11–12 Kombination einer afferenten und efferenten Störung rechts: Die konsensuelle Lichtreaktion der linken Pupille (11) ist schwächer als die direkte (12).

Abb. 7.4

[L106]

Direkte und indirekte Ophthalmoskopie

Abb. 7.5

[L106]

Perimetrie

Sinnesorgane Auge - Untersuchung

  • 7.1

    Anamnese153

  • 7.2

    Sehschärfe154

  • 7.3

    Farbensehen154

  • 7.4

    Strabismus154

  • 7.5

    Reflexe155

    • 7.5.1

      Lichtreflex155

    • 7.5.2

      Akkommodation (Naheinstellung)155

    • 7.5.3

      Kornealreflex155

    • 7.5.4

      Störungen der Reflexe155

  • 7.6

    Vordere Augenabschnitte157

  • 7.7

    Ophthalmoskopie157

  • 7.8

    Perimetrie158

  • 7.9

    Augeninnendruck159

Einführung

Zur Untersuchung des AugesAugeUntersuchung stehen zahlreiche Methoden zur Verfügung, die z. B. die Sehschärfe, die Größe des Gesichtsfeldes oder die regelrechte, koordinierte Bewegung beider Bulbi bzw. ihre Achsabweichung erfassen. Das Reflexgeschehen wird über die Pupillenreaktionen auf Lichteinfall und über den Kornealreflex überprüft. Mit der Spaltlampe können die brechenden Medien, Kammerwinkel, Iris und Glaskörper, mit dem Ophthalmoskop der Augenhintergrund betrachtet werden. Mit speziellen Farbtafeln werden Schwächen im Erkennen einzelner Farben, mit dem Perimeter Ausfälle des Gesichtsfelds (Skotome)Skotome erkennbar.

Die im medizinischen Alltag für den Nicht-Augenarzt wichtigsten Untersuchungen betreffen die Überprüfung der Pupillenreaktionen, die Stellung der beiden Sehachsen zueinander und die Sehschärfe. Zusätzlich sollten besonders wichtige Krankheitsbilder zugeordnet und bei Bedarf notfallmäßig versorgt werden können.

Das Instrumentarium des Heilpraktikers wie auch des Allgemeinarztes dürfte sich meist auf eine Universallampe mit integrierter Lupe (Otoskop)Otoskop beschränken, mit der – abgesehen von Gehörgang und Trommelfell – auch Veränderungen an Haut und Schleimhäuten einschließlich Vestibulum nasi sowie die Pupillenreflexe überprüft werden können. Es spricht allerdings nichts dagegen, zusätzlich ein OphthalmoskopOphthalmoskop und eine SpaltlampeSpaltlampe (emittiert ein spaltförmig gebündeltes Licht) zu benutzen, mit denen sämtliche Augenabschnitte eingesehen werden können. Dies macht natürlich nur dann Sinn, wenn der Therapeut Gelegenheit hatte, mit diesen Gerätschaften unter Anleitung zu üben.

Anamnese

Die augenspezifischeAnamnese, augenspezifischeaugenspezifische Anamnese Anamnese gehorcht den üblichen Gesetzmäßigkeiten. Die Schilderung des Patienten sollte zunächst die aktuellen Symptome umfassen, die ihn zum Therapeuten geführt haben. Bei entzündlichen Veränderungen, Schmerzen oder Sehstörungen ist es wie immer von Bedeutung, nach dem Zeitpunkt und den näheren Umständen des erstmaligen Auftretens zu fragen, nach Veränderungen in der Folgezeit, nach der Art oder Qualität der empfundenen Störungen, Ein- oder Beidseitigkeit und begleitenden Allgemeinsymptomen. Auch jahres- und tageszeitliche Abhängigkeiten oder der Erfolg bisheriger Therapien sind zu erfragen.
Sofern dies bei dem vorliegenden Krankheitsbild möglicherweise von Bedeutung ist, schließt sich die Eigenanamnese an, die frühere Krankheiten, Verletzungen oder sonstige Auffälligkeiten beinhaltet, aber auch bedeutsame Allgemeinerkrankungen wie arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, rheumatische Erkrankungen einschließlich Arteriitis temporalis sowie die Medikation einschließen sollte, weil manche Augenerkrankungen z. B. auf die Einnahme von Glukokortikoiden, Diuretika oder Antibiotika zurückzuführen sein können.
Abschließend wird bei Bedarf die Familienanamnese erhoben, weil Erkrankungen wie z. B. Strabismus, Glaukom, Katarakt oder Netzhautablösungen familiär gehäuft auftreten können.

Sehschärfe

Die VisusprüfungVisusprüfungSehschärfe bei Fernsicht lässt sich am besten mit genormten SehtafelnSehtafeln durchführen, die in einer Entfernung von 5 m zum Patienten an die Wand gehängt werden. In der Regel sind die Buchstaben oder Zahlen bzw. Symbole (für Kinder) in 5 unterschiedlichen Größen enthalten, aus deren Lesbarkeit die Sehschärfe ohne weitere Umrechnung bestimmt werden kann (Abb. 7.1). Sind die kleinsten Zeichen lesbar, beträgt die Sehschärfe 1,0. Werden dagegen nur die zweitkleinsten erkannt, liegt die Sehschärfe bei 4/5, also 80 %.
Die beiden Augen werden einzeln überprüft. Dabei sollte jeweils ein Auge locker mit der Handfläche oder einem flächigen Gegenstand abgedeckt werden.
Bedeutung besitzt die Überprüfung der Sehschärfe für den Nicht-Augenarzt eigentlich nur bei der Betreuung von Kindern, um grobe Entwicklungsstörungen rechtzeitig zu erkennen und fachärztlich abklären zu lassen.

Farbensehen

Die häufigste angeborene FarbensehenUntersuchungStörung ist die Rot-Grün-BlindheitRot-Grün-Blindheit. Sie betrifft etwa 3 % aller Männer – Frauen nur sehr selten, da der Defekt X-chromosomal rezessiv vererbt wird.
Erfasst wird die Störung mit verschiedenen Tafeln, die dem Patienten vorgelegt werden und auf denen, integriert in ein Muster aus unterschiedlich großen, grauen Kreisen, farbige Zahlen dargestellt sind (Abb. 7.2).

Strabismus

SchielenSchielen (Strabismus)Strabismus entsteht durch eine Fehlstellung der Sehachsen zueinander. Für die Überprüfung einer koordinierten Augenstellung und ihre Abweichungen stehen einfache Tests zur Verfügung. Auch hier gilt, dass Abweichungen eines Auges Anlass sein sollten, den Patienten fachärztlich untersuchen zu lassen. Insgesamt gibt es 9 Hauptblickrichtungen, doch reicht für die Funktionsprüfung der 6 äußeren Augenmuskeln die Prüfung der 6 diagnostischen Blickrichtungen vollkommen aus.
Diagnostische Blickrichtungen
Der Therapeut sitzt dem Blickrichtungen, diagnostischePatienten gegenüber. Mit einem Gegenstand oder Finger, dessen Bewegungen der Patient bei ruhig gehaltenem Kopf mit den Augen folgen soll, werden die Blickrichtungen nach rechts und links, rechts und links oben sowie rechts und links unten überprüft. Dabei achtet man nicht nur auf die Vollständigkeit der Blickwendungen, sondern auch auf die Symmetrie beider Seiten.
Bei Abweichungen ist hinsichtlich der Zuordnung zu den Augenmuskeln daran zu denken, dass lediglich die Blickwendungen nach rechts und links einem einzelnen Muskel zuzuordnen sind (M. rectus medialis bzw. M. rectus lateralis), während sämtliche weiteren Blickrichtungen aus dem Zusammenspiel mehrerer Muskeln bestehen.
Abweichungen der Sehrichtung
Eine geringe Abweichung der SehachsenSehrichtung, Abweichungen beider Augen voneinander erkennt man am sichersten mit dem AbdecktestAbdecktest. Überprüft werden getrennt voneinander Nah- und Fernsicht. FernsichtAbdecktestNahsicht, AbdecktestDer Therapeut sitzt dem Patienten gegenüber und fordert ihn auf, entweder einen entfernten Gegenstand hinter seiner Schulter (Fernsicht) oder z. B. die etwa 40 cm entfernte Nasenspitze des Therapeuten (Nahsicht) zu fixieren. Mit einer Lichtquelle würde der Augenarzt nun überprüfen, ob die Lichtreflexe sich in beiden Augen exakt zentral befinden. Es genügt aber vollkommen, nun jeweils ein Auge des Patienten mit der eigenen Hand abzudecken und zu überprüfen, ob das andere Auge hierbei eine Einstellbewegung macht. Mit diesem einfachen Test lassen sich auch kleine Achsabweichungen problemlos erkennen. Der Test kann allerdings nicht funktionieren, wenn eines der beiden Augen hochgradig schwachsichtig ist.
Man kann bei der Durchführung des Tests auch nach Freigabe des abgedeckten Auges überprüfen, ob und wie schnell dieses Auge seine Achse korrigiert. Dies wird dann als AufdecktestAufdecktest bezeichnet.

Reflexe

Für die Überprüfung der nervalen Leitungen stehen am AugeAugeReflexeReflexe, Auge 3 Reflexe zur Verfügung, die auch vom Nicht-Augenarzt problemlos und zügig durchgeführt werden können. Lichtreflex und Akkommodation überprüfen neben der Sehbahn auch die ordnungsgemäße Funktion des Vegetativums, mit dem Kornealreflex lässt sich die Funktion der Hirnnerven V und VII kontrollieren. Die Reflexe stellen Fremdreflexe dar, indem sensible und motorische Leitungsbahnen unterschiedlichen Strukturen angehören.

Lichtreflex

Bei der ÜberprüfungLichtreflexÜberprüfung der Pupillenreaktionen darf derPupillenreaktionenÜberprüfung Raum nicht allzu hell sein, damit die Pupillen nicht von vornherein eng gestellt sind. Der Therapeut befindet sich dem möglichst in die Ferne blickenden Patienten gegenüber und führt eine Lichtquelle von der Seite zunächst zum einen und anschließend zum kontralateralen Auge. Die physiologische Reaktion besteht in einer MiosisMiosis des angeleuchteten (= direkte LichtreaktionLichtreaktion), gleichzeitig aber auch des nicht direkt betroffenen Auges (= konsensuelle LichtreaktionLichtreaktion) (Abb. 7.3).
Der afferente Schenkel des Reflexbogens läuft von Retina und N. opticus über Chiasma und Thalamus zu den oberen Hügeln der Vierhügelplatte des Mittelhirns. Von dort aus wird der Reiz auf die Kerne des N. oculomotorius im Mittelhirn übertragen und efferent zu den äußeren und inneren Augenmuskeln weitergeleitet. Von Bedeutung ist, dass grundsätzlich alle Informationen eines Auges auch zur kontralateralen Seite der Okulomotorius-Kerne gelangen, wodurch Augenstellung und Pupillenweite beider Augen aneinander angepasst werden. Dies ist der Grund für die konsensuelle Mitreaktion des jeweils kontralateralen Auges bei der Lichtreaktion und die normalerweise perfekte Koordinierung der Sehachsen.

Akkommodation (Naheinstellung)

Der Patient fixiert einen Finger AkkommodationUntersuchungNaheinstellungUntersuchungdes Therapeuten, der zunächst in ausreichender Entfernung gehalten werden muss, um die Sehachsen parallel zu halten. Der Finger wird dann langsam zu den Augen bzw. exakt mittig zur Nase des Patienten geführt, etwa bis zu einem Abstand von 10 cm, weil in dieser Entfernung die Achsabweichung beider Sehachsen nach medial maximal sein sollte. Bei einer ungestört ablaufenden Akkommodation erkennt der Therapeut ab einem Finger-Augen-Abstand von etwa 25 cm die allmählich zunehmende Konvergenz, unter gleichzeitiger Verengung der Pupillenweite. Auch bei dieser Prüfung sollte der Raum etwas abgedunkelt sein, um eine Miosis durch Lichteinfall zu verhindern.

Kornealreflex

Die Kornea wird Kornealreflexsensibel aus dem 1. Ast des NervustrigeminusN. trigeminus (V1 = N. ophthalmicus) versorgt. Bei der zarten Berührung der Kornea mittels eines fädig ausgezogenen Wattebausches wird der sensible Reiz vom N. trigeminus auf die Kerngebiete des N. facialis (VII) übertragen und führt zum sofortigen Lidschluss.Lidschluss Der efferent innervierte Muskel ist der M. orbicularis oculi. Das Heranführen des Wattebauschs muss, für den Patienten nicht erkennbar, von der Seite erfolgen, weil bereits das sichtbare Heranführen eines Gegenstands zum Auge zum reflektorischen Lidschluss führt.
Auch kräftige optische oder akustische Reize sind mit dem N. facialis verschaltet und führen zum reflektorischen Lidschluss.

Störungen der Reflexe

Die Differenzialdiagnostik von Störungen der verschiedenen Reflexe des Auges ist ungewöhnlich schwierig und umfangreich und umfasst neben Abweichungen im Bereich der Augen selbst auch vielfältigste neurologische und internistische Erkrankungen. Sie soll deshalb lediglich anhand einzelner Beispiele dargestellt werden.
Lichtreaktionen
Bei Abweichungen kommen Störungen der gesamten LichtreaktionStörungenAchse Retina, Sehnerv, Chiasma opticum, Thalamus, Mittelhirn bis hin zur Innervation des N. oculomotorius in den Strukturen der Orbita in Frage. Neben massiven Befunden wie Tumoren, Hirndrucksteigerung oder einer Multiplen Sklerose genügt letztendlich bereits ein milder Sauerstoffmangel im Kerngebiet des N. oculomotorius, weil v.a. seine parasympathischen Anteile darauf sehr sensibel reagieren und ihre Tätigkeit (vorübergehend) einstellen.
Pathologische Pupillenreaktionen Pupillenreaktionenpathologischekönnen als Ursache haben:
  • Augentropfen wie z. B. Pilocarpin, die parasympathomimetisch wirken, verengen die Pupille; atropinartig, also parasympatholytisch wirksame Augentropfen bewirken eine Mydriasis und dienen damit der Vorbereitung der augenärztlichen Augenspiegelung. Adrenalinartig, also sympathomimetisch wirksame Augentropfen entsprechen in ihrer Wirkung den Parasympatholytika (→ Mydriasis). Entsprechendes gilt für die Wirkungsidentität zwischen Sympatholytika (= Betablocker) und Parasympathomimetika.

  • Bei einer einseitigen Schädigung der afferenten Bahn (Netzhaut, N. opticus) kann ein Lichteinfall keine Reaktion auslösen. Es entsteht die amaurotische PupillenstarrePupillenstarreamaurotische, amaurotische Pupillenstarredie gleichzeitig auch eine konsensuelle Reaktion des anderen Auges verhindert. Dagegen reagiert das erkrankte Auge unverändert auf eine Belichtung des kontralateralen Auges, weil die efferente Strecke ja nicht geschädigt ist (Abb. 7.3).

  • Bei einer einseitigen Schädigung der efferenten Bahn (N. oculomotorius) reagiert das kontralaterale Auge sowohl direkt als auch konsensuell, während das betroffene Auge weit und lichtstarr bleibt (absolute Pupillenstarre) (Abb. 7.3). Pupillenstarreabsoluteabsolute PupillenstarreDer Sehnerv bleibt jedoch auf der betroffenen Seite intakt, sodass Lichteinfall am „lichtstarren“ Auge auf der kontralateralen Seite zur konsensuellen Reaktion führt. Als Ursachen kommen raumfordernde Prozesse irgendwo zwischen Mittelhirn und Orbita in Frage, die den N. oculomotorius in seinem Verlauf schädigen. Auch eine, in diesem Fall einseitige Hirndruckerhöhung durch Ödem oder Einblutung (epidural, subdural) ist ursächlich möglich, weil sie zunächst die parasympathischen Anteile des Nerven in seinem Verlauf auf der knöchernen Kante (Clivus Blumenbachii) der Hirnbasis, am Übergang von der hinteren zur mittleren Schädelgrube zwischen Os occipitale und Os sphenoidale, mechanisch bedrängt. Dies bezeichnet man als KlivuskantensyndromKlivuskantensyndrom. Eine jede Schädigung der parasympathischen Fasern des N. oculomotorius – mechanisch, entzündlich, ischämisch – geht also wegen des nunmehr überwiegenden sympathisch innervierten M. dilatator pupillae mit einer weiten und lichtstarren Pupille einher. Sind zusätzlich die motorischen Fasern des Nerven geschädigt, kommt es zu Doppelbildern (= äußere Lähmung). Doppelbilder

  • Als Horner-SyndromHorner-Syndrom wird die ein- oder beidseitige Trias aus Miosis,Miosis PtosisPtosis und EnophthalmusEnophthalmus bezeichnet. Ursache ist der Ausfall des Sympathikus mit den von ihm versorgten Strukturen am Auge (M. dilatator pupillae, M. tarsalis, M. orbitalis) in der Folge einer Schädigung irgendwo zwischen seinem Entstehungsgebiet in der Medulla, den Seitenhörnern der BWS und den aus dem sympathischen Grenzstrang des Halses entspringenden Fasern, von denen das Auge versorgt wird. Der Enophthalmus wird häufig als lediglich scheinbar beschrieben, hervorgerufen durch die verengte Lidspalte, doch besteht er auch tatsächlich infolge der Erschlaffung der Fasern des M. orbitalis, die den Bulbus bei ihrem Ausfall nicht mehr nach vorne drücken können. Mögliche Ursachen sind: Entzündungen und Tumoren im Bereich des Hirnstamms, Entzündungen, Traumen, Ischämien oder Tumoren vor (2. Neuron) oder hinter (3. Neuron) dem sympathischen Grenzstrang – z. B. ein Pancoast-Tumor im Bereich der Lungenspitze oder ein Mammakarzinom.

  • Beidseits verengte Pupillen können toxisch durch Pilzgifte, Parasympathomimetika (Pilocarpin) oder durch Morphium verursacht sein. MiosisMorphium

Merke

Gerade die engen, „stecknadelkopfgroßen“ Pupillen eines komatösen Patienten deuten auf die mögliche bzw., bei zusätzlicher Atemdepression, wahrscheinlichste Ursache einer Intoxikation durch Morphium oder seine Abkömmlinge, weil die Pupillen bei nahezu allen weiteren Komaursachen unverändert oder erweitert sind.

  • Bei der NeurosyphilisNeurosyphilis, Argyll-Robertson-Phänomen entsteht beinahe regelmäßig ein Symptom, das als Argyll-Robertson-PhänomenArgyll-Robertson-Phänomen, Neurosyphilis bezeichnet wird: Die Pupillen sind eng und lichtstarr, während die Konvergenzreaktion erhalten bleibt. Das Phänomen kann seit dem „Aussterben“ der späten Syphilisstadien in den westlichen Ländern nicht mehr beobachtet werden, tauchte aber des ungeachtet in der Heilpraktikerprüfung auf.

Als Ursache des Phänomens wird eine Schädigung im Bereich des Mittelhirns angenommen, doch lässt sich die Miosis damit gerade nicht erklären. Man sollte also eher von einer Schädigung sympathischer Kerngebiete durch die Treponemen ausgehen, weil daraus enge Pupillen bei ungestörten Oculomotorius-Funktionen resultieren.
Naheinstellung
Die Konvergenzreaktion bedarf AkkommodationStörungenNaheinstellungStörungender ungestörten Funktion von M. ciliaris, M. sphincter pupillae und M. rectus medialis. Die 3 Muskeln werden aus dem N. oculomotorius innerviert. Zusätzlich darf die Iris in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt sein.
Eine KonvergenzlähmungKonvergenzlähmung wäre also u.a. bei einer mehr oder weniger vollständigen OkulomotoriuslähmungOkulomotoriuslähmung zu erwarten. Bei der Ophthalmopathie des Morbus Basedow-SyndromBasedowMorbus BasedowOphthalmopathie kann durch die Beteiligung Basedow-SyndromOphthalmopathieder äußeren Augenmuskeln eines der beiden Augen nach außen abweichen, wenn die Konvergenzreaktion ausgelöst werden soll (Moebius-Zeichen).Moebius-Zeichen
Kornealreflex
Bei einem Ausfall des Reflexes KornealreflexAusfallkann sowohl die sensible (N. trigeminus) als auch die motorische Bahn (N. facialis) betroffen sein. Hinweise auf eine sensible Ursache erhält man aus der ebenfalls fehlenden Mitreaktion der Gegenseite, während bei einer motorischen Ursache der Lidschlag gestört ist oder fehlt.
Die sichere Unterscheidung gelingt, indem man den Patienten auffordert, gegen den Widerstand der untersuchenden Finger die Augen zu schließen. Gelingt dies problemlos, kann die motorische Strecke nicht gestört sein. Entsprechend ist in diesen Fällen die Sensibilität des vorderen Augenabschnitts vermindert.

Vordere Augenabschnitte

Von alltäglicher Bedeutung ist die möglichst ursächliche Einschätzung einer KonjunktivitisKonjunktivitis einschließlich ihrer Abgrenzung zu einer KeratitisKeratitis, die Diagnostik von Fremdkörpern und die Erkennung und Erstbehandlung von Verätzungen. Für diese Erstbehandlung sollten anästhesierende Augentropfen vorrätig gehalten werden, weil der häufig zu beobachtende Blepharospasmus eine Augenspülung verhindert.
Die Untersuchung erfolgt mit dem OtoskopOtoskop bzw. im Idealfall mit der SpaltlampeSpaltlampenuntersuchung. Der Lichtstrahl sollte seitlich auf Konjunktiven und Kornea fallen, weil dadurch eine übermäßige Miosis verhindert wird, v.a. aber, weil der vordere Augenabschnitt dadurch besser beurteilt werden kann.
Ektropionieren
Zur Beurteilung der RückseiteEktropionieren, Augenlider AugenliderEktropionierender Lider (Entzündung, Fremdkörper?) müssen dieselben ektropioniert, also umgeklappt werden. Dies gelingt beim Unterlid durch einfaches Herunterziehen an der Lidkante, wobei der Patient nach oben schauen sollte. Für das Ektropionieren des Oberlids wird ein Holzstäbchen, z. B. dasjenige eines Watteträgers benötigt. Der Untersucher legt das Stäbchen horizontal oberhalb des Tarsus dem Lid auf, hält das Lid an den Wimpern und kippt es über das Stäbchen nach oben. Der Patient blickt bei dieser Untersuchung nach unten.
Tränenwege
Die Durchgängigkeit Tränenwege, Durchgängigkeitsprüfungder Tränenwege kann problemlos mit einer Farbstofflösung geprüft werden, die man in das Auge tropft. Der Farbstoff gelangt bei erhaltener Durchgängigkeit über die Tränenpünktchen am medialen Augenwinkel in den Tränensack und anschließend über den Ductus nasolacrimalis in den unteren Nasengang (Meatus nasi inferior). Wenn der Patient sich also wenige Minuten nach dem Eintropfen die Nase putzt, sollte sich das Papiertaschentuch entsprechend der verwendeten Farblösung (z. B. Fluoreszein) anfärben.

Ophthalmoskopie

Die OphthalmoskopieOphthalmoskopie dient der Betrachtung des Augenhintergrundes (Abb. 5.6). AugenhintergrundspiegelungAuch Veränderungen der optischen Wege zur Retina können damit erkannt werden. Die Untersuchungsmethode steht prinzipiell auch dem Heilpraktiker zur Verfügung, doch versteht es sich von selbst, dass sie ohne (fach)ärztliches Wissen nicht zu verwertbaren Ergebnissen führen kann.
In der üblichen Betrachtung der Netzhaut mit dem Ophthalmoskop sieht der Therapeut ein etwa 16-fach vergrößertes, aufrecht stehendes Bild. Sofern die Pupille zuvor durch ein Mydriatikum weit gestellt worden ist, kann die Netzhaut in weiten Anteilen eingesehen werden. Der Augenarzt wird die Netzhaut in der Regel durch eine zusätzlich vorgehaltene Lupe betrachten (indirekte Ophthalmoskopie), wodurch die Abbildung der Netzhaut auf dem Kopf steht (Abb. 7.4).

Achtung

Nach Gabe von weit stellenden Augentropfen dürfen die Patienten über mehrere Stunden nicht mehr Auto fahren oder Maschinen bedienen.

Perimetrie

PerimetrieDas GesichtsfeldGesichtsfelduntersuchung wird mit der PerimetriePerimetrie überprüft. Hierbei wird eine regelrechte Karte des Feldes beider Augen angefertigt. Zur Bestimmung fixiert der Patient, getrennt für beide Augen, das Zentrum einer Halbkugel (Abb. 7.5). Der Untersucher bewegt Lichtreize aus der Peripherie der Halbkugel zu deren Mitte. Das erste Wahrnehmen des Lichtreizes durch den Patienten beschreibt die Grenze des Sichtfeldes. Das Licht wird dann weiter zur Mitte bewegt, um umschriebene Gesichtsfeldausfälle (Skotome) SkotomeGesichtsfeldausfälleerkennen zu können. Diese Untersuchung wird so lange aus unterschiedlichen Richtungen wiederholt, bis das Gesichtsfeld des überprüften Auges vollständig erfasst worden ist.
Fingerperimetrie
Für eine erste sehr grobe ÜberprüfungFingerperimetrie kann man das Gesichtsfeld auch ohne eigentliches Perimeter oder Lichtquelle mit dem Finger erfassen. Der Untersucher sitzt dabei dem Patienten in einem Abstand von 1 m exakt und auf gleicher Augenhöhe gegenüber und führt einen Finger aus verschiedenen Richtungen von der Seite, von oben oder unten zum Gesichtsfeld beider Beteiligter. Da es sich um eine vergleichende Untersuchung handelt, wird von Therapeut und Patient das jeweils nicht überprüfte, gegenüberliegende Auge mit der Handfläche abgedeckt. Bei uneingeschränktem Gesichtsfeld sehen Therapeut und Patient den Therapeutenfinger jeweils im selben Moment.

Augeninnendruck

Die Messung des Augeninnendrucks Augeninnendruckmessungmit dem TonometerTonometer wird heute überwiegend schmerzfrei und ohne Vorbereitungen wie z. B. eine Lokalanästhesie mit Druckluft durchgeführt, doch sind auch mechanische Verfahren noch im Gebrauch. Normal sind Werte zwischen 10 und 20 mmHg. Bei älteren Patienten wird man einen Grenzwert von 21 mmHg akzeptieren.
Eine orientierende Überprüfung des Augendrucks, z. B. beim Verdacht auf einen Glaukomanfall oder beim komatösen Patienten, kann mit den Fingern durchgeführt werden. Dabei drückt der Therapeut von vorne mit seinen Daumen auf die geschlossenen Augen des Patienten und beurteilt im Seitenvergleich den vorliegenden Widerstand. Ein normales Auge lässt sich unter elastischem Widerstand schmerzfrei einige Millimeter nach innen drücken. Die Begrifflichkeit „schmerzfrei“ sei an dieser Stelle nochmals hervorgehoben, weil sich angehende Therapeuten erfahrungsgemäß vor dieser Untersuchungsmethode scheuen.
Bei einem akuten Glaukom GlaukomTonometerwäre der betroffene Bulbus „steinhart“, bei einem dehydrierten Patienten, z. B. im diabetischen Koma, wegen des Wasserverlustes auch retroorbital weich bis „matschig“. Zu beachten ist, dass mäßige Erhöhungen zwischen 21 und etwa 35 mmHg, wie sie für den vorherrschenden Fall eines Offenwinkelglaukoms typisch sind, für den palpierenden Finger keinen erkennbar erhöhten Widerstand erzeugen, also noch nicht einmal als Hinweis dienen können.

Zusammenfassung

Untersuchung des Auges

  • Jetzige Anamnese:

    • Art der Störung

    • Zeitpunkt und nähere Umstände, Veränderungen

    • bisherige Therapie

  • Eigenanamnese:

    • zurückliegende Erkrankungen oder Verletzungen

    • aktuelle Begleiterkrankungen (z. B. Diabetes mellitus oder arterielle Hypertonie)

    • Medikation

  • Familien- bzw. berufliche Anamnese: abhängig vom Krankheitsbild

  • Sehschärfe: Überprüfung der Nah- und Fernsicht, jeweils getrennt für beide Augen

  • Farbensehen: Feststellung einer X-chromosomal rezessiv vererbten Rot-Grün-Blindheit mit pseudoisochromatischen Tafeln

  • Strabismus (Schielen): Prüfung der 6 diagnostischen Blickrichtungen, Abdeck- und Aufdecktest

  • Reflexe: sind Fremdreflexe

    • Lichtreflex: Belichtung eines Auges führt zur Miosis dieses Auges (= direkte Lichtreaktion) und gleichzeitig des anderen Auges (= konsensuelle Lichtreaktion).

    • Akkommodation: zunehmende Konvergenz ab einer Entfernung von 25 cm, unter gleichzeitiger Verengung der Pupillen

    • Kornealreflex: Berührung der Kornea (von der Seite) führt zum sofortigen Lidschluss

  • Beurteilung der vorderen Augenabschnitte durch Ektropionieren der Lider, Otoskop und Spaltlampe

  • Überprüfung der Durchgängigkeit der Tränenwege mit einer Farbstofflösung

  • Ophthalmoskopie: Betrachtung des Augenhintergrundes

  • Perimetrie: Erkennen von Gesichtsfeldausfällen (Skotomen)

  • Messung des Augeninnendrucks (maximal 21 mmHg)

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