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B978-3-437-58042-0.00009-8

10.1016/B978-3-437-58042-0.00009-8

978-3-437-58042-0

Abb. 9.1

[E402]

Übersicht über das äußere Ohr

Abb. 9.2

[E402]

Aufbau der Ohrmuschel

Abb. 9.3

[E402]

a Trommelfell. b Ohrspiegelbild des Trommelfells.

Abb. 9.4

[E402]

Übersicht über das Mittelohr. N. vestibularisNervusvestibularisNervusvestibulocochlearisNervuscochlearis vom Gleichgewichtsorgan und N. cochlearis vom Hörorgan bilden den N. vestibulocochlearis.

Abb. 9.5

[E402]

Lage des Innenohrs in der Felsenbeinpyramide

Abb. 9.6

[E402]

Häutiges Labyrinth, umgeben vom knöchernen Labyrinth. Das Vestibulum befindet sich zentral zwischen Cochlea und Bogengängen.

Abb. 9.7

[E402]

Die 3 Räume der Schneckenwindungen

Abb. 9.8

[L106]

Corti-Organ im Ductus cochlearis zwischen Scala vestibuli und Scala tympani. Die Potenzialdifferenzen zwischen den Räumen werden im Rahmen der Physiologie (Kap. 10.1.3) besprochen.

Abb. 9.9

[E402]

N. facialis im Bereich des Ohrs

Sinnesorgane Ohr - Anatomie

  • 9.1

    Äußeres Ohr185

    • 9.1.1

      Ohrmuschel185

    • 9.1.2

      Äußerer Gehörgang186

    • 9.1.3

      Trommelfell186

  • 9.2

    Mittelohr187

    • 9.2.1

      Tuba auditiva187

    • 9.2.2

      Mastoid187

    • 9.2.3

      Gehörknöchelchen188

    • 9.2.4

      Muskeln der Paukenhöhle188

  • 9.3

    Innenohr188

    • 9.3.1

      Knöchernes Labyrinth189

    • 9.3.2

      Häutiges Labyrinth190

    • 9.3.3

      Flüssigkeiten des Innenohrs192

    • 9.3.4

      Nervale Versorgung192

  • 9.4

    Blutversorgung193

Einführung

Das OhrOhr besteht aus 3 Anteilen, die als äußeres Ohr, Mittelohr und Innenohr bezeichnet werden. Die Ohrmuschel fängt die Schallwellen auf und leitet sie in den äußeren Gehörgang. Die Grenze zum Mittelohr bildet das Trommelfell. Im Mittelohr werden die Schallwellen mechanisch über eine hintereinander geschaltete Kette aus Knöchelchen auf das Innenohr übertragen und dort in der Schnecke verarbeitet. Schließlich gelangen sie über den N. vestibulocochlearis zur Hörrinde. Unabhängig vom Hörorgan und ohne Verbindung zu den äußeren Anteilen des Ohres findet sich im Innenohr als weiteres Organ der Vestibularapparat, zuständig für den Gleichgewichtssinn.

Äußeres Ohr

Das äußere OhrOhräußeres besteht aus der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang (Meatus acusticus externus). Das TrommelfellTrommelfell (Membrana tympanica) Membrana tympanicabildet die Grenze zum Mittelohr (Abb. 9.1).

Ohrmuschel

Aufgebaut wird die OhrmuschelOhrmuschel aus elastischem Knorpel, der von normaler Oberhaut überzogen ist. Sie sitzt, einschließlich eines Teils des äußeren Gehörgangs, dem Schläfenbein (Os temporale) auf und ist bindegewebig mit seinem Periost verwachsen. Ihre Funktion besteht im Einfangen der Schallwellen. Zu diesem Zweck sind kleine Muskeln (sog. innere Muskeln) in die Knorpelschicht integriert, mit denen eine (beim Menschen lediglich noch rudimentäre) Ausrichtung zur Schallquelle hin möglich ist. Zusätzlich ziehen äußere Muskeln von der Kopfschwarte zur Ohrmuschel. Innerviert werden beide Muskelgruppen vom N. facialis.
Man kann an der Ohrmuschel verschiedene Anteile unterscheiden (Abb. 9.2). Den äußeren Rand nennt man HelixHelix, die davor befindliche, parallel zur Helix verlaufende knorpelige Leiste AntihelixAntihelix. Die Helix geht unten in das Ohrläppchen über, den einzigen knorpelfreien Anteil der Ohrmuschel. Der zentrale Anteil der Ohrmuschel heißt ConchaConcha. Sie bildet die trichterförmige Umrahmung der Öffnung des äußeren Gehörgangs, welche die Schallwellen auffängt und zum Gehörgang leitet. Im vorderen Anteil der Concha findet sich als kleine knorpelige Erhebung der TragusTragus (= „Ohrecke“).Ohrecke

Äußerer Gehörgang

GehörgangäußererDer äußere GehörgangGehörgangäußerer (Meatus acusticus externus) ist 2,5–3 cm lang und besitzt einen inneren Meatus acusticusexternusDurchmesser von 6–8 mm (Abb. 9.1). Im äußeren Anteil ist die Wandung aus elastischem Knorpel aufgebaut, im inneren Anteil aus Knochen des Os temporale. Der Gang ist beim Erwachsenen (von außen betrachtet) S-förmig nach hinten oben gebogen, zusätzlich am Übergang des knorpeligen zum knöchernen Teil verengt und leicht gekrümmt, weshalb man bei der OhrenspiegelungOhrenspiegelung beim Erwachsenen die Ohrmuschel nach hinten oben ziehen muss, um ihn zu begradigen und das Trommelfell einzusehen.
Die Haut des Gehörgangs besteht aus dem mehrschichtigen verhornenden Plattenepithel der Oberhaut. Das Corium ist jedoch ohne Subkutis direkt mit den knorpeligen bzw. knöchernen Anteilen des Gehörgangs verwachsen. Im Corium befinden sich Talgdrüsen, Terminalhaare (im äußeren Anteil) und diesen zugeordnete apokrine Schweißdrüsen, die allerdings ein modifiziertes, sehr bitteres Sekret absondern, das den Hauptanteil des Cerumens Cerumen(OhrschmalzOhrenschmalz) ausmacht. Sie werden deshalb auch als CeruminaldrüsenCeruminaldrüsen bezeichnet. Zusätzlich sind abschilfernde Zellen, Hornschuppen und Staubpartikel enthalten. Das Cerumen besitzt bakterienhemmende Eigenschaften, u.a. durch seinen Gehalt an Lysozym, und eine Reinigungsfunktion für den Gehörgang, indem es nach außen abfließt. Anlagebedingt produzieren manche Menschen größere Mengen oder ein eingedicktes Sekret, sodass der Gehörgang verstopfen kann, wodurch SchallleitungsstörungenSchallleitungsstörungenCerumen obturans entstehen. Ursächlich kommen hierfür auch Abflussstörungen bei zu engem Gehörgang in Frage.
Sensibel versorgt wird der Gehörgang u.a. vom NervusvagusN. vagus. Dadurch kann es bei Reinigungsversuchen (Wattestäbchen) oder beim zu tiefen Einführen eines Ohrtrichters zu Husten oder sogar zu Übelkeit mit Erbrechen kommen.
Die vordere Wand des Gehörgangs grenzt an das Kiefergelenk, im hinteren unteren Anteil, im Kontakt zum Mastoid, verläuft der NervusfacialisN. facialis, der von dort aus nach vorn zur Parotis weiterzieht.

Trommelfell

Das TrommelfellTrommelfell (Membrana tympanica)Membrana tympanica bildet die Begrenzung des Gehörgangs und gehört bereits zum Mittelohr. Es besteht aus einer bindegewebigen Platte mit einer Dicke von lediglich 0,1 mm und einem Durchmesser von etwa 1 cm. Nach außen wird diese Platte von dünner Haut, zum Mittelohr hin von Schleimhaut überzogen. Über einen faserknorpeligen Rand ist das Trommelfell am Felsenbein des Os temporale befestigt. Zentral ist es minimal eingezogen, in der Aufsicht also konkav, insgesamt unten und vorne leicht schräg nach innen (medial) gekippt.
Bei der Ohrenspiegelung erscheint das TrommelfellTrommelfellOhrenspiegelungOhrenspiegelungTrommelfell grau (bis graurötlich), perlmuttartig und durchscheinend, wodurch sich das innen anliegende bzw. mit ihm verwachsene GehörknöchelchenGehörknöchelchen (Malleus) Malleusabzeichnet (Abb. 9.3). Typischerweise wird bei dieser Untersuchung bei normalem, nicht entzündlich verändertem oder vernarbtem TrommelfellTrommelfellLichtreflex ein heller dreieckiger LichtreflexLichtreflexTrommelfell im vorderen unteren Quadranten erkennbar.

Mittelohr

Der Raum des MittelohrsMittelohr (Abb. 9.4) wird als PaukenhöhlePaukenhöhle (Cavitas tympani oder Tympanon) bezeichnet. Ihr Längsdurchmesser zwischen Cavitas tympaniTympanonTrommelfell und ovalem Fenster liegt bei lediglich 5 mm, die Höhe bei 1–1,5 cm. Die Paukenhöhle enthält in ihrem oberen Anteil die 3 Gehörknöchelchen, die den Schall über die Schwingung des Trommelfells aufnehmen und zum ovalen Fenster übertragen, an dem das Innenohr beginnt. Sie befindet sich, von einer Schleimhaut ausgekleidet, im Schläfenbein am Übergang zur Felsenbeinpyramide (Fach Bewegungsapparat).
Der Längsdurchmesser der Paukenhöhle von gerade mal 5 mm ermöglicht eine sehr treffende Vorstellung davon, wie winzig die 3 Gehörknöchelchen tatsächlich sind, denn sie passen hintereinander geschaltet, als Kette, in diesen Raum!

Tuba auditiva

In ihrem unteren Anteil ist die Paukenhöhle über die OhrtrompeteOhrtrompete (Tuba auditiva, Eustachio-Röhre, Eustachische Röhre; Abb. 9.4) mit dem oberen Teil des Rachens, dem NasopharynxNasopharynx,Eustachische Röhre verbunden und deswegen lufthaltig (pneumatisiert). Tuba auditivaAußerdem kann hierüber der (spärlich gebildete) Schleim abgeleitet werden.
Die Wand der annähernd 4 cm langen Ohrtrompete besteht, abgesehen vom knöchernen Anfangsteil, aus elastischem Knorpel. Der Knorpel umgibt die Wand nur unvollständig, sodass der bindegewebige Anteil bei einem Unterdruck nach innen gezogen werden und den Gang verschließen kann. Innen wird die Tube von einer Schleimhaut ausgekleidet, die Flimmerhärchen enthält. Als Funktion der Tuba auditiva wird meist der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Außenwelt definiert. Bevor jedoch ein Ausgleich stattfinden kann, muss die Luft erst einmal hineingelangen, was nur auf diesem Weg möglich ist. Das Trommelfell ist luftundurchlässig. Die Ohrtrompete dient also in erster Linie der Belüftung von Mittelohr und Mastoid. Der durchaus notwendige Druckausgleich findet ununterbrochen, verstärkt jedoch beim Schlucken oder Gähnen statt, weil die Tube dabei zusätzlich aufgezogen, ihr Lumen also erweitert wird.

Mastoid

Hinter der Hinterwand der Paukenhöhle befindet sich das MastoidMastoid (Processus mastoideus, WarzenfortsatzProcessus mastoideus). Es setzt sich aus zahlreichen kleinen knöchernen Höhlen (Cellulae mastoideae) Cellulae mastoideaezusammen, die miteinander kommunizieren und mit Schleimhaut ausgekleidet sind. Das Mastoid bildet hinter dem Ohr einen knöchernen Vorsprung und kann dort beurteilt werden.

Pathologie

Da die knöcherne Abgrenzung zur Paukenhöhle Lücken enthält, wird die Luft der Außenwelt über das Mittelohr bis ins Mastoid weitergeleitet. Gleichzeitig bedeutet dies, dass Entzündungen der Paukenhöhle (Otitis media)Otitis mediaMastoiditisMastoiditisOtitis media aufs Mastoid übergreifen können. Handelt es sich dabei um eine bakterielle, eitrige Entzündung, kann sie über die äußerst dünne Knochenlamelle, die das Mastoid von der mittleren Schädelgrube trennt, auf das Gehirn übergreifen. Es kommt zur MeningitisMeningitisMastoiditis oder zum HirnabszessHirnabszessMastoiditis.

Gehörknöchelchen

Die 3 GehörknöchelchenGehörknöchelchen HammerHammer (Malleus), AmbossAmbossMalleus (Incus) und SteigbügelSteigbügel (Stapes) StapesIncusübertragen die Schwingung des Trommelfells mechanisch auf die Membran des ovalen Fensters (Abb. 9.4). Zu diesem Zweck sind sie gelenkig miteinander verbunden. Ihre genaue Form samt der jeweiligen Bezeichnungen sind nicht prüfungsrelevant und besitzen, außer für den HNO-Arzt, auch keine Bedeutung.
Die Knöchelchen bilden eine Kette, über die die Schwingung des Trommelfells auf den festgewachsenen Griff (Manubrium) des Hammers, über das Hammer-Amboss-Gelenk und das Amboss-Steigbügel-Gelenk schließlich auf das ovale Fenster übertragen wird. Dabei stellt die breite Basis des Steigbügels über eine ringförmig verlaufende Membran den Kontakt zum ovalen Fenster her.

Muskeln der Paukenhöhle

Zwei äußerst kleine Muskeln sind mit denPaukenhöhleMuskeln Gehörknöchelchen verbunden. Sie sind unterschiedlich innerviert, arbeiten allerdings in der Regel zusammen. Ihre Funktion besteht in einer reflexartigen Kontraktion bei sehr lauten Umgebungsgeräuschen.
Der Musculus(-i)tensor tympaniM. tensor tympani entspringt überwiegend der knöchernen Wandung der Ohrtrompete und verläuft von dort in einem eigenen knöchernen Kanal zum Handgriff des Hammers. Bei seiner Kontraktion zieht er den Hammer mitsamt dem festgewachsenen Trommelfell nach innen. Dadurch nimmt die Vorspannung des Trommelfells zu, seine Schwingungsfähigkeit jedoch ab. Gleichzeitig wird die ganze Kette der Gehörknöchelchen verschoben und in ihrem Bewegungsumfang eingeschränkt. Innerviert wird der Muskel aus dem 3. Ast (N. mandibularis) des NervustrigeminusN. trigeminus.
Beim Musculus(-i)stapediusM. stapedius handelt es sich um den kleinsten Muskel des menschlichen Körpers. Er zieht von der Wand des Mastoids (direkt hinter dem Stapes) zum Steigbügel und hebelt die Steigbügelplatte ein wenig vom ovalen Fenster weg (Abb. 9.9). Der verringerte Kontakt führt zur Abschwächung der Schwingungsfähigkeit des ovalen Fensters. Gleichzeitig werden die Gehörknöchelchen gegeneinander gepresst, unterstützt durch die Funktion des M. tensor tympani, wodurch ihre Beweglichkeit leidet. Beide Funktionen dienen der reflektorischen Anpassung an übermäßig laute Umgebungsgeräusche. Innerviert wird er aus dem NervusfacialisN. facialis.

Pathologie

Hyperakusis und Knalltrauma

Beim Ausfall der nervalen Versorgung können laute Töne nicht mehr abgeschwächt werden. Es entsteht die HyperakusisHyperakusis, eine schmerzhafte Verstärkung lauter Umgebungsgeräusche.
Zu beachten ist außerdem, dass es einige wenige Millisekunden dauert, bis ein übermäßig lauter Schall über die nervale Strecke auf die beiden Muskeln der Paukenhöhle übertragen wurde und sie zur Kontraktion bringt. Beim Knalltrauma, Knalltraumaverursacht z. B. durch einen Gewehrschuss in unmittelbarer Nähe, kann es passieren, dass selbst diese extrem kurze Zeitspanne nicht mehr dazu ausreicht, eine Anpassung vorzunehmen, wodurch der hohe Schalldruck ungeschmälert ins Innenohr gelangt und dort zu TinnitusTinnitus und HörstörungenHörstörungen führt (s. später).

Innenohr

Äußerer und Innenohrmittlerer Teil des OhrsOhrinneres dienen der Aufnahme und Leitung der Schallwellen zunächst durch die Luft von Außenwelt und Gehörgang und schließlich, im Mittelohr, mechanisch über die Gehörknöchelchenkette. Im Innenohr werden die Signale verarbeitet, in nervale Aktionspotenziale übersetzt und schließlich zur Hörrinde übertragen. Gleichzeitig enthält das Innenohr als weiteres „Sinnesorgan" das Gleichgewichtsorgan (Vestibularorgan).

Exkurs

Die 5 Sinne des Menschen beinhalten Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und den Tastsinn der Haut. Das Gleichgewicht ist nicht darin enthalten und steht selbstverständlich auch nicht für den sog. 6. Sinn. Des ungeachtet wird im üblichen Sprachgebrauch manchmal der Begriff „Gleichgewichtssinn" verwendet.

Die beiden Organe für Hören und Gleichgewicht liegen in einer Ansammlung knöcherner Höhlen, die miteinander kommunizieren und wegen ihres Aussehens und in ihrer Gesamtheit als Labyrinthknöchernesknöchernes Labyrinth (Abb. 9.6) bezeichnet werden. Die einzelnenCochlea Teile dieser Höhlen werden in SchneckeSchnecke (Cochlea), CochleaBogengängeBogengänge (Canales semicirculares) und das VestibulumVestibulum (Vorhof) unterschieden (Abb. 9.5). Auch der innere GehörgangGehörganginnerer (Meatus acusticus internus), Meatus acusticusinternusdurch den der N. vestibulocochlearis zu den beiden Organen des Innenohrs zieht, kann dazu gerechnet werden. Überzogen werden die knöchernen Hohlräume vom Periost. Das gesamte System befindet sich in der FelsenbeinpyramideFelsenbeinpyramide des Schläfenbeins und weist einen Gesamtdurchmesser von nicht einmal ganz 2 cm auf.
Eingebettet in die knöchernen Höhlen und damit gut geschützt bildet ein zusammenhängendes, in sich geschlossenes System aus bindegewebigen Häuten Gänge und Säcke aus. Dies ist das Labyrinthhäutigeshäutige Labyrinth (Abb. 9.6). In seinem Inneren befindet sich eine klare Flüssigkeit, die als EndolympheEndolymphe bezeichnet wird. Zwischen den Häuten dieses Labyrinths und dem umgebenden Knochen bleibt ein spaltförmiger Hohlraum bestehen, in dem sich ebenfalls eine klare Flüssigkeit befindet. Dies ist die PerilymphePerilymphe. Über einen schmalen knöchernen Kanal steht der Perilymphraum an der dorsalen Begrenzung der Felsenbeinpyramide mit dem Subarachnoidalraum in Verbindung.
Die einzelnen Anteile des häutigen Labyrinths bestehen aus den beiden sackartigen Aufweitungen UtriculusUtriculus und SacculusSacculus, aus den 3 Bogengängen und einem weiteren Gang, der sich zu einer Schnecke (Cochlea) aufrollt (Ductus cochlearis) (Abb. 9.6). DuctuscochlearisDas knöcherne Vestibulum enthält kein häutiges Pendant, doch liegen in diesem Raum die häutigen Utriculus und Sacculus.

Merke

Die Cochlea mit dem Ductus cochlearis bildet das Hörorgan, Bogengänge, Utriculus und Sacculus das Gleichgewichtsorgan.

Knöchernes Labyrinth

Im Anschluss an das ovale Fenster, direkt medial der Paukenhöhle und zentral im knöchernen LabyrinthLabyrinthknöchernes, befindet sich das VestibulumVestibulum (Vorhof) (Abb. 9.6). Vorhof, Labyrinth, knöchernesEtwas unterhalb und medial des Vestibulum liegt die Cochlea, dahinter und oberhalb die Bogengänge (Canales semicirculares; Abb. 9.5).
Vorderer, hinterer und lateraler (= horizontaler) BogengängeBogengang erstrecken sich vom Vestibulum aus also nach lateral, hinten und oben. Sie stehen senkrecht in 90°-Winkeln aufeinander, wodurch alle 3 Dimensionen des Raums abgebildet werden. Jeder Kanal beschreibt einen Zweidrittelkreis, der wiederum am Vestibulum endet. Jeweils ein Ende der Bogengänge ist ein wenig aufgetrieben (Ampulle).
Aus dem Vestibulum heraus erstreckt sich nach medial und vorne die knöcherne SchneckeSchnecke (Cochlea). CochleaSie beschreibt etwa 2,5 Windungen um eine zentrale Knochensäule (Modiolus) herum, um schließlich an deren Spitze blind zu enden. Vom ModiolusModiolus aus schiebt sich eine dünne knöcherne Leiste (Lamina spiralis) Laminaspiralisin die Windungen der Cochlea und teilt sie der Länge nach unvollständig in 2 etwa gleich große Kanäle (Scala vestibuliScalavestibuli = VorhoftreppeVorhoftreppe und Scala tympaniScalatympani = PaukentreppePaukentreppe), die lediglich am aufgerollten Schneckenende über eine Lücke (Schneckenloch = Helicotrema; Trema = Öffnung) Helicotremamiteinander verbunden sind bzw. hier ineinander übergehen (Abb. 9.7). Die Kanäle (Skalen) sind mit PerilymphePerilymphe gefüllt.
Die von der Lamina spiralis zwischen den beiden Skalen freigelassene Lücke wird vom Ductus cochlearisDuctuscochlearis (Schneckengang) Schneckengangals Teil des häutigen Labyrinths verschlossen, sodass die Perilymphe der Vorhoftreppe erst am Schneckenloch (Helicotrema) in die Perilymphe der Scala tympani übergeht (Abb. 9.7). Durch seine Lage zwischen den beiden knöchernen Skalen heißt der Ductus cochlearis auch Scala mediaScalamedia. Die Flüssigkeit namens Perilymphe befindet sich also in einem vergleichsweise großen zentralen Raum (Vestibulum) und umspült hier die eingelagerten Utriculus und Sacculus, um sich von dort aus auf der einen Seite nahtlos in die Scala vestibuli fortzusetzen und auf der anderen Seite in den spaltförmigen Perilymphraum der Bogengänge (Abb. 9.6).

Exkurs

Für ein besseres, v.a. dreidimensionales Verständnis der Schnecke und ihrer Gänge kann man sich vorstellen, dass die Cochlea zentral aus einer sich nach oben verjüngenden (konischen) Knochensäule (Modiolus) Modiolusbesteht, um die herum sich mit Beginn an der Basis (noch im Vestibulum) eine Wendeltreppe nach oben schlingt, bis sie an der Spitze des Modiolus angekommen ist. In ihrem Verlauf beschreibt sie 2½ Windungen um die zentrale Knochensäule herum. Von der gesamten Länge des Modiolus ausgehend, ebenfalls mit Beginn an seiner Basis, zieht eine dünne Knochenleiste (Lamina spiralis) Laminaspiralisschräg in die spiraligen Windungen der Wendeltreppe hinein und unterteilt dieselbe dadurch in zwei Hälften. Die Unterteilung wäre eigentlich unvollständig, weil die Lamina spiralis vom Modiolus aus zwar diese Zwischenwand beginnt, aber nicht vervollständigt. Sie wird jedoch dadurch komplettiert, dass sich als Fortsetzung der Lamina spiralis noch der schlauchförmige Ductus cochlearisDuctuscochlearis inmitten der Wendeltreppe zum Ende des Modiolus windet.

Die (schmale) Wendeltreppe besteht also aus zwei vollständig voneinander getrennten Hälften (Skalen), wodurch man sich gewissermaßen entscheiden muss, auf welcher Seite man hinaufsteigt, um auf der anderen wieder nach unten zu gelangen. Im Ohr ist dies allerdings vorgegeben: Der Aufstieg beginnt im Vestibulum über die Scala vestibuli, Scalavestibulider Abstieg erfolgt über die offene Verbindung (Helicotrema, Schneckenloch) der Schneckenspitze auf der anderen Seite (Scala tympani)Scalatympani und endet am runden Fenster. Entsprechend dem sich nach oben verjüngenden Modiolus werden auch die beiden „Treppenhälften“ zum Schneckenloch hin immer enger.

In der zentralen Knochensäule gut geschützt verläuft der Hörnerv (N. cochlearis). NervuscochlearisAm Übergang des Modiolus zur Lamina spiralis befinden sich im gesamten Verlauf der Knochensäule die Ganglien des Hörnerven (N. cochlearis) mit ihren bipolaren Nervenzellen (s. später).

Häutiges Labyrinth

Das in sich geschlossene System des häutigen LabyrinthsLabyrinthhäutiges liegt im knöchernen Labyrinth, durch die Perilymphe von den knöchernen Anteilen getrennt. Die 3 häutigen BogengängeBogengänge (Ductus semicirculares) liegen in den knöchernen Bogengängen (Canales semicirculares),Ductussemicirculares Canales semicircularesdie häutige SchneckeSchneckehäutige (Ductus cochlearis bzw. Scala mediaDuctuscochlearis) verläuft durch die Windungen der knöchernen Schnecke (Cochlea).
Der ovale UtriculusUtriculus liegt im Vestibulum am Ausgangspunkt der Bogengänge. An ihm entstehen die Ductus semicirculares, um durch die knöchernen Bogengänge zu laufen und wieder in den Utriculus zu münden. Der rundliche SacculusSacculus ist etwas kleiner als der UtriculusUtriculus. Er befindet sich im mittleren Anteil des Vestibulum neben dem Anfangsteil der Cochlea und ist über einen schmalen Kanal mit dem Utriculus verbunden. Utriculus und Sacculus stehen senkrecht aufeinander (Abb. 9.6).
Neben dem Sacculus beginnt der Ductus cochlearisDuctuscochlearis als häutiger Teil der Schnecke, läuft anschließend zwischen den beiden knöchernen Skalen durch die Schneckenwindungen und endet blind an der Schneckenspitze. An seinem Beginn, noch im Vestibulum, ist er über einen schmalen Gang (Ductus reuniens)Ductusreuniens mit dem Sacculus verbunden. Dieser Verbindungsgang soll sich angeblich meist im Erwachsenenalter verschließen, sodass der Ductus cochlearis mit dem enthaltenen Hörorgan (Corti-Organ) ab diesem Zeitpunkt vom restlichen häutigen Labyrinth abgetrennt wäre und ein eigenes, geschlossenes System bilden würde.

Exkurs

Das häutige Labyrinth bildet einen Raum, der mit Endolymphe gefüllt ist. Produziert wird die Endolymphe mit ihrer sehr spezifischen Zusammensetzung aktiv in umschriebenen Anteilen sämtlicher Häute (s. später), sodass es im Hinblick auf den „Nachschub“ an Endolymphe keine Rolle spielt, ob sich der Ductus reuniens im Lauf der Jahre verschließt oder nicht. Ganz anders ist die Situation hinsichtlich des notwendigen Abflusses, weil die Endolymphe wie sämtliche Körperflüssigkeiten ständig erneuert, also ausgetauscht wird. Die einzige Abflussmöglichkeit von Bedeutung ist ein Gang (Ductus endolymphaticus), der die Endolymphe in den Saccus endolymphaticus Saccus endolymphaticusDuctusendolymphaticustransportiert, von wo aus sie in Venen der Dura mater abgeleitet wird. Gut zu erkennen ist dies auf der Abb. 9.6.

Der Ductus cochlearis bildet in der Schnecke einen häutigen Schlauch, der vom Vestibulum aus 2½ Windungen um den Modiolus herum als Scala media zur Schneckenspitze zieht und direkt vor dem Schneckenloch blind endet. Genauso blind verschlossen ist der Ductus cochlearis jedoch auch an seinem Beginn im Vestibulum, in Nachbarschaft zum ovalen und runden Fenster. Dies bedeutet, dass der Ductus reuniens als Verbindungsgang zum Sacculus die einzige Abflussmöglichkeit für die enthaltene Endolymphe darstellt und deshalb im Gegensatz zur Lehrmeinung mancher histologischer Werke zeitlebens unmöglich verschlossen sein kann.

Tatsächlich hat man inzwischen in Versuchsreihen gefunden, dass selbst in den Fällen, in denen eine Farbstofflösung den Gang nicht mehr vollständig passieren kann, ein schmaler Durchlass von etwa 40 µm Lumen bestehen bleibt. Dies reicht vollständig dazu aus, die wässrige Endolymphe problemlos passieren zu lassen, sodass sie aus dem Ductus cochlearis ungehindert in den Saccus endolymphaticus entsorgt werden kann. Allergrößte Bedeutung besitzt dieser Zusammenhang im pathophysiologischen Verständnis der Menière-Krankheit, bei der es zu einem Hydrops der Endolymphe Endolymphhydropskommt (Kap. 12.5).

Die SchallwellenSchallwellenAusbreitung der Luft werden mechanisch über die Knöchelchen des Mittelohrs auf die Flüssigkeit hinter dem ovalen Fensterovales Fenster übertragen. Vom Fenster aus pflanzen sie sich durch die Perilymphe des Vestibulum in die Perilymphe der Scala vestibuliScalavestibuliScalatympani fort. An der Helicotrema erfolgt der Übergang in die Scala tympani. Diese endet schließlich unterhalb des ovalen Fensters an einer weiteren Begrenzung den Innen- zum Mittelohr, die rundlich ist und entsprechend dem ovalen Fenster aus einer bindegewebigen Membran besteht. Diese Struktur wird als rundes Fensterrundes Fenster oder Schneckenfenster bezeichnet.
Der Ductus cochlearisDuctuscochlearis bildet im Querschnitt eine dreiseitige Struktur (Abb. 9.7, Abb. 9.8), mit der Spitze im Kontakt zur Lamina spiralis und der breiten Basis festgewachsen an der äußeren Wand der „Wendeltreppe". Dieses Festwachsen erfolgt über das bindegewebige Ligamentum spirale, Ligamentum spiralean dessen innerer Oberfläche, dem Binnenraum des Ductus cochlearis zugewandt, die Stria vascularis Stria vascularisaufgelagert ist – ein mehrschichtiges Epithel, das von zahlreichen Kapillaren durchzogen wird. In der Stria vascularis wird die Endolymphe des Ductus cochlearis aktiv mittels einer großen Zahl an Ionenpumpen produziert.
Eine Seite des Ductus grenzt an die Perilymphe der Scala tympani, die Gegenseite hat Kontakt zur Perilymphe der Scala vestibuli. Die Begrenzung zur Scala vestibuli besteht aus 2 Schichten Plattenepithel mit wenig eingeschobenem Bindegewebe. Diese Seite der Scala media heißt dementsprechend Membrana vestibuliMembrana vestibuli oder auch (geläufiger) Reissner-MembranReissner-Membran. Die Begrenzung zur Scala tympani wird von der sog. BasilarmembranBasilarmembran gebildet, die im Verlauf des Ductus cochlearis sehr unterschiedliche Breiten aufweist. Mit etwa 0,1 mm am schmalsten ist sie am Beginn des Schneckengangs neben dem ovalen Fenster. Andererseits ist sie hier besonders straff gespannt. An der Schneckenspitze ist sie mit etwa 0,5 mm 5-mal so breit, gleichzeitig aber auch nachgiebiger, also sehr viel weniger vorgespannt. Dies besitzt große Bedeutung für die Abbildung unterschiedlicher Frequenzen gehörter Töne im Schneckenverlauf (s. Physiologie).

Merke

Die Basilarmembran ist an ihrem Beginn sehr schmal und gleichzeitig straff gespannt, an ihrem Ende an der Schneckenspitze sehr viel breiter und nachgiebiger.

Auf der Basilarmembran sitzen, dem Binnenraum des Ductus cochlearis zugewandt, neben verschiedenen Stützzellen auch die HaarzellenHaarzellen, welche die Schallschwingungen auffangen, in Aktionspotenziale umwandeln und auf die anliegenden Dendriten des N. cochlearis übertragen (Abb. 9.8). Die Sinneszellen (Haarzellen) bilden mit den umgebenden Strukturen das eigentliche HörorganHörorgan (= Corti-Organ). Corti-Organ

Flüssigkeiten des Innenohrs

Während die Paukenhöhle lufthaltig undInnenohrFlüssigkeiten wie alle Räume des Körperinneren, die Kontakt zur Außenwelt besitzen, mit Schleimhaut ausgekleidet ist, sind sämtliche Räume des Innenohrs mit Flüssigkeit gefüllt. Im häutigen Labyrinth befindet sich Endolymphe, im Raum zwischen den häutigen und knöchernen Anteilen des Labyrinths Perilymphe. Dies bedeutet, dass die Schallwellen zunächst durch die Luft transportiert werden (Außenohr), im Mittelohr von der Kette der Gehörknöchelchen übernommen werden, um schließlich ab dem ovalen Fenster durch die Flüssigkeit der Perilymphe zu laufen. Die Flüssigkeitswellen gelangen über die Scala vestibuli zur Helicotrema und werden über die Perilymphe der Scala tympani schließlich zur Membran des runden Fensters geleitet und aufgefangen. Die Funktion des runden Fenstersrundes FensterFunktion besteht demnach im Druckausgleich. Dass die Flüssigkeitswellen nicht einfach über die beiden Skalen zum runden Fenster laufen, wird im Rahmen der Physiologie besprochen, doch ändert dies nichts an der Funktion des runden Fensters.
Endolymphe
Die EndolympheFlüssigkeit im Inneren des häutigen Labyrinths hat eine ähnliche Zusammensetzung wie der Intrazellulärraum, ist also u.a. sehr kaliumreich (145 mmol/l). Von daher könnte man das häutige Labyrinth als eine einzelne, riesengroße „Zelle“ betrachten. Produziert wird die Endolymphe aktiv aus Gefäßen des Ductus cochlearis (Stria vascularis, s. oben), aus Zellansammlungen in Utriculus und Sacculus (Maculae utriculi und sacculi) und von den Häuten in den Ampullen der Bogengänge. Dies wird später noch etwas genauer besprochen. Abgeleitet wird die Flüssigkeit wie erwähnt weit überwiegend in eine Auftreibung des häutigen Labyrinths im Bereich der hinteren Schädelgrube (Saccus endolymphaticus; Abb. 9.6), die dort von zwei Blättern der Dura mater umgeben ist.
Perilymphe
Die PerilymphePerilymphe gleicht in ihrer Zusammensetzung der extrazellulären Flüssigkeit des Interstitiums mit den Ionen und kleinen Molekülen des Serums und geringen Mengen Eiweiß. Entsprechend wird sie aus den Blutgefäßen des knöchernen Labyrinths abfiltriert, enthält jedoch (theoretisch) auch Liquor, weil sie mit dem Subarachnoidalraum in Verbindung steht. Allerdings ist der Fluss der Perilymphe doch mehr aus ihrem knöchernen Labyrinth hin zum Subarachnoidalraum gerichtet, sodass dies eher die Abflussrichtung bis zu den venösen Sinus darstellt (Fach Neurologie) als eine Zumischungsquelle.

Nervale Versorgung

Der VIII. Hirnnerv führt Ohrnervale Versorgungsowohl die Informationen des Gleichgewichtsorgans (Vestibularorgan) als auch diejenigen des Hörorgans der Schnecke zum Hirnstamm. Sein Name NervusvestibulocochlearisN. vestibulocochlearis (alte, sporadisch noch benutzte Bezeichnung: N. statoacusticus)Nervusstatoacusticus entspricht dieser Doppelfunktion (Abb. 9.4). Der Nerv besitzt seine Kerngebiete, in denen die afferent (sensorisch) aus dem Innenohr ankommenden Reize umgeschaltet werden, in Brücke (Pons) und Medulla oblongata des Hirnstamms. Im Os temporale verläuft der Nerv durch den inneren Gehörgang (Meatus acusticus internus) und teilt sich direkt anschließend Meatus acusticusinternusin seine beiden Anteile N. vestibularis und N. cochlearis.
N. cochlearis
Der Hörnerv tritt an Nervuscochlearisder Basis der Schnecke in den Modiolus ein. Die Ganglienzellen des Nerven (= 1. Neuron) liegen im Ganglion spiraleGanglionspirale am Abgang der Lamina spiralis. Es handelt sich um bipolare Nervenzellen, deren reizaufnehmende (dendritische) Fortsätze das Hörorgan der Schnecke innervieren, während der zweite Fortsatz (Axon) zum inneren Gehörgang zieht und sich dort mit dem N. vestibularis zum VIII. Hirnnerven verbindet (Kap. 10.1.4). Der cochleäre Anteil des N. vestibulocochlearis zieht zu seinen Kerngebieten im Hirnstamm (2. Neuron). Von dort aus wird die Hörinformation zu den unteren Hügeln der VierhügelplatteVierhügelplatte (3. Neuron) und zum Thalamus übertragen und abschließend zum HörzentrumHörzentrum (Heschl-QuerwindungenHeschl-Querwindungen) des Schläfenlappens.
N. vestibularis
Die ebenfalls bipolaren NervusvestibularisNervenzellen des Gleichgewichtsnervs liegen im Ganglion vestibulare (1. Neuron) Ganglionvestibulaream Boden des inneren Gehörgangs. Die afferenten Zuflüsse (Dendriten) kommen aus den Bogengängen, aus Utriculus und Sacculus. Der efferente N. vestibularis (Axone) zieht vom Ganglion aus zu den Nuclei vestibulares des Hirnstamms (2. Neuron). Diese Kerne sind mit zahlreichen weiteren Kernen verschaltet.
N. facialis
Der N. facialisNervusfacialis (VII. Hirnnerv) versorgt motorisch die gesamte Gesichtsmuskulatur mit Ausnahme der Kaumuskeln und hat mit der Innervation von Hör- und Gleichgewichtsorgan nichts zu tun. Allerdings verläuft er durch Strukturen des Ohrs und innerviert neben den Muskeln der Ohrmuschel sowie Teilen des äußeren Gehörgangs auch den Musculus(-i)stapediusM. stapedius des Mittelohrs (Abb. 9.9).
Sein Eintritt ins Innenohr erfolgt gemeinsam mit dem N. vestibulocochlearis und der A. labyrinthi (→ häutiges Labyrinth) Arteria(-ae)labyrinthidurch den Meatus acusticus internus (Abb. 9.4). In einem eigenen knöchernen Kanal bildet er anschließend zwischen Innen- und Mittelohr das Ganglion geniculi.Gangliongeniculi Hier und im weiteren Verlauf durch das Os temporale gibt er einzelne Äste ab – u.a. zur Versorgung des M. stapedius sowie die Chorda tympaniChorda tympani (Chorda = Saite, Strang), die für einen Teil des Geschmackssinns der ZungeGeschmackssinnZungeZunge, Geschmackssinn zuständig ist.

Hinweis Prüfung

Es versteht sich von selbst, dass derlei Details nicht prüfungsrelevant sein können. Lediglich seine „Zuständigkeit" für den M. stapedius sollte im Zusammenhang beachtet werden, weil anders nicht abzuleiten ist, dass beim Ausfall des N. facialis eine Hyperakusis entstehen kann. Zusätzlich kann der Nerv im Rahmen einer eitrigen Entzündung des Mittelohrs (Otitis media) durch Übergreifen der Entzündung auf den Knochen geschädigt werden. Entsprechend kann ein Tumor des N. vestibulocochlearis im inneren Gehörgang, wo beide Nerven direkt nebeneinander verlaufen, zur Schädigung des N. facialis führen.

Blutversorgung

OhrBlutversorgungWeichteile und knöcherne Strukturen des Schädels werden aus der A. carotis externa versorgt, die Hirnstrukturen aus der A. carotis interna bzw. (basal und dorsal) aus der A. vertebralis (Fach Neurologie). Diese Gesetzmäßigkeit gilt auch für die einzelnen Anteile des Ohrs. Am Innenohr entsteht deshalb eine Zweiteilung, indem die knöchernen Anteile (knöchernes Labyrinth) aus Folgegefäßen der Arteria(-ae)carotis externaA. carotis externa mit Blut versorgt werden und das häutige Labyrinth einschließlich des VIII. Hirnnervs aus der Arteria(-ae)basilarisA. basilaris (A. vertebralis → A. basilaris). Die hieraus entstehende Endarterie ist die Arteria(-ae)labyrinthiA. labyrinthi. Sie zieht durch den Meatus acusticus internus und verzweigt sich ins häutige Labyrinth.

Zusammenfassung

Äußeres Ohr

Aufnahme der Schallwellen

Ohrmuschel

  • fängt Schallwellen ein

  • besteht überwiegend aus elastischem Knorpel

Äußerer Gehörgang (Meatus acusticus externus)

  • S-förmig gebogen und am Übergang des knorpeligen zum knöchernen Teil verengt → bei der Ohrenspiegelung die Ohrmuschel des Erwachsenen nach hinten oben ziehen, um das Trommelfell einzusehen, beim Kind lediglich nach hinten

  • Apokrine Schweißdrüsen (sog. Ceruminaldrüsen) sondern ein Sekret ab, das den Hauptanteil des Cerumens (Ohrschmalz) bildet, ergänzt vom Fett der Talgdrüsen, Zelldetritus und Schmutz aus der Umwelt

  • Schallleitungsstörungen durch Verlegung des Gehörgangs mit Cerumen möglich

  • sensibel u.a. vom N. vagus versorgt

Trommelfell (Membrana tympanica)

  • bildet die Grenze zum Mittelohr

  • dünne (0,1 mm), bindegewebige Platte mit einem Durchmesser von 1 cm

  • leicht konkav nach innen gewölbt und im vorderen unteren Anteil nach innen (medial) gekippt

  • erscheint bei der Ohrenspiegelung grau bis graurötlich, perlmuttartig und durchscheinend, der Handgriff des Malleus zeichnet sich ab, bei der Otoskopie erscheint ein heller dreieckiger Lichtreflex im vorderen unteren Quadranten

Mittelohr (Paukenhöhle)

Lufthaltig und mit Schleimhaut ausgekleidet, mechanische Weiterleitung der Schallwellen

Tuba auditiva (Ohrtrompete, Eustachische Röhre)

  • etwa 4 cm lang

  • verbindet die Paukenhöhle mit dem Nasopharynx

  • dient der Belüftung von Paukenhöhle und Mastoid

  • Druckausgleich besonders effektiv beim Schlucken und Gähnen

Gehörknöchelchen

  • Hammer (Malleus), Amboss (Incus) und Steigbügel (Stapes)

  • übertragen die Schwingung des Trommelfells auf das ovale Fenster

Muskeln

  • M. tensor tympani (innerviert vom N. trigeminus)

  • M. stapedius (innerviert vom N. facialis)

  • schützen bei ihrer Kontraktion das Innenohr vor zu lauten Umgebungsgeräuschen

Mastoid

  • hinter der Hinterwand der Paukenhöhle, lufthaltig (pneumatisiert)

  • Entzündungen (Otitis media) können von der Paukenhöhle übergreifen → Mastoiditis, bei bakterieller Entzündung evtl. eitriges Durchbrechen der knöchernen Wand zwischen Mastoid und mittlerer Schädelgrube → Meningitis oder Hirnabszess

Innenohr

Enthält Hör- und Gleichgewichtsorgan, Verarbeitung der Signale und Weiterleitung über den N. vestibulocochlearis zu Kerngebieten des Hirnstamms

Knöchernes Labyrinth

  • Höhlensystem mit Vestibulum (Vorhof), Schnecke (Cochlea) und Bogengängen (Canales semicirculares)

  • befindet sich in der Felsenbeinpyramide des Schläfenbeins

Häutiges Labyrinth

  • in sich geschlossenes System im knöchernen Labyrinth

  • mit Endolymphe gefüllt

  • besteht aus Utriculus, Sacculus und den 3 Bogengängen, die das Gleichgewichtsorgan bilden, sowie dem Ductus cochlearis mit dem Hörorgan (Corti-Organ)

  • Ductus cochlearis im Querschnitt dreiseitige Struktur: grenzt über Reissner-Membran an Scala vestibuli und über Basilarmembran an Scala tympani; auf der Basilarmembran sitzen neben Stützzellen die Haarzellen, die den wichtigsten Anteil des Corti-Organs bilden

  • Zwischen häutigem und knöchernem Labyrinth befindet sich die Perilymphe.

Nervale Versorgung

  • N. vestibularis vom Gleichgewichtsorgan und N. cochlearis vom Hörorgan

  • bilden ab dem inneren Gehörgang den gemeinsamen VIII. Hirnnerven N. vestibulocochlearis

  • Hörrinde im Schläfenlappen

  • N. facialis (VII. Hirnnerv) zieht auf seinem Weg zur Muskulatur von Gesicht und Außenohr durch knöcherne Strukturen des Ohrs und versorgt dabei auch den M. stapedius sowie (sensibel) Teile des Gehörgangs

Blutversorgung

  • knöcherne Anteile: aus A. carotis externa

  • häutiges Labyrinth: aus A. vertebralis → A. basilaris → A. labyrinthi

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